Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Probleme der Muskeln und Bänder

Entlang der Wirbelsäule können etagenweise Muskeln und Bänder streiken, besonders auch im Kreuz. Wann welche Therapien helfen

aktualisiert am 22.12.2016

Häufig gehen Kreuz- und Gesäßschmerzen von strapazierten Muskeln aus

istock/Steex

Was ist ein myofasziales Schmerzsyndrom?

Insgesamt sind diese Schmerzbilder noch nicht ausreichend verstanden. Es ist nicht ganz klar, was genau den Ausschlag für die Schmerzen gibt, die typischerweise, aber nicht nur, das Kreuz heimsuchen. Durchblutungsstörungen, Bindegewebsverhärtungen und erhöhte Anspannung bestimmter Muskelpartien durch Überreizung sind aber wohl mitverantwortlich.

Verspannte, schmerzende Muskeln haben zunächst einmal viel mit ungünstigen Körperhaltungen oder ständig wiederholten, eingefahrenen Bewegungen im Alltag zu tun. Davon sind viele Menschen betroffen, Sitz- wie Stehberufler, Büroangestellte genauso wie Operateure, Sportler (zum Beispiel Fußballspieler), Friseure, Musiker, Fließbandarbeiter und Lastenträger. Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass auch Krankheiten, Fehlbildungen oder Verschleiß des Skeletts Muskeln einseitig belasten können.


Strapazierte Muskeln sind ständig angespannt, auch in Ruhe. Mögliche Folgen: eine Störung der Energiebalance, verschlechterte Durchblutung, Schwellungen und Verhärtungen. Überreizungssignale lösen Schmerzen aus und halten sie aufrecht (neurogene Störung). Rein myofasziale Schmerzen vergehen mitunter von selbst. Andererseits geraten nicht wenige Betroffene über kurz oder lang in einen Teufelskreis aus Anspannung und Schmerz. Wer aktiv gegensteuert, kann jedoch verhindern, dass die Schmerzen sich verselbstständigen und chronisch werden.

Symptome: Verspannte Muskeln und ziehende, bohrende, machmal auch stechende Schmerzen im Hüftbereich, Gesäß, Bein oder Kreuz auf einer Körperseite. In den jeweils strapazierten Muskeln bilden sich eventuell tastbare Verhärtungen, sogenannte Kontraktionsknoten, früher Muskelhartspann oder Myogelose genannt.

Diagnose: In der Regel genügt neben der Kennntis der Krankengeschichte eine gründliche orthopädische Untersuchung, um das Beschwerdebild richtig einzuordnen. Dazu gehört auch die Suche nach Triggerpunkten. Weiteres im nächsten Abschnitt und im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Diagnose".

Piriformis-Syndrom: Der andere Ischias

Ischiasbeschwerden zum Zweiten – so könnte man dieses Beschwerdebild auch beschreiben. Es entsteht, wenn der birnenförmige Piriformis-Muskel, ein innerer Hüftmuskel, den Ischiasnerv oder einen seiner Äste beim Übertritt vom Becken zum Oberschenkel einengt. Der Muskel bewirkt das Abspreizen, Strecken und die Außendrehung des Oberschenkels. Bei Fehlbeanspruchung kann er sich verkürzen und verdicken. Den kleinen Gesäßmuskel, den Glutaeus minimus, der unterhalb des großen Gesäßmuskels liegt, kann es aber genauso treffen.

Ursachen sind einseitige Überbelastung, wozu manche Menschen neigen, die aus einer Grätschstellung heraus ständig schwer heben müssen, dann solche, die vorwiegend eine sitzende Körperhaltung einnehmen oder sich viel (und falsch) bücken. Außerdem kann der Muskel durch ständigen Druck gereizt werden. Eine mögliche Ursache in dieser Hinsicht ist die Angewohnheit, die Geldbörse in der Hosentasche über dem Gesäß zu verstauen, was Männer gerne und häufig tun. Nach Sturzverletzungen im Gesäßbereich kann es ebenfalls zum Piriformis-Syndrom kommen. Allerdings können auch Schmerzen bei Schleimbeutelentzündungen an der Hüfte manchmal bis ins Gesäß ausstrahlen (siehe Ratgeber "Hüftschmerzen").


Symptome: Schmerzen tief im Gesäß auf einer Körperseite, möglicherweise mit Ausstrahlung bis in den Oberschenkel, in die Hüfte oder das Kreuz. Beingrätschen oder Treppensteigen, auch Liegen auf der entsprechenden Körperseite ist schmerzhaft. Bei längerem Sitzen – etwa vor dem Bildschirm, im Auto – verstärken sich die Schmerzen.

Diagnose: Die Schilderung der Beschwerden und ihrer Umstände sowie eine körperliche Untersuchung, bei der sich möglicherweise auch Triggerpunkte im kleinen Gesäßmuskel finden lassen, führen meist zur Diagnose. Weitere technische Verfahren wie Röntgen oder Blutuntersuchungen sind nur nötig, wenn der Arzt zusätzlich eine Erkrankung am Bewegungsapparat vermutet oder eine andere organische Störung, die das Bewegungssystem mit beeinflusst.

Wie ein Hexenschuss: Blockiertes Kreuzbein-Darmbein-Gelenk

Im Bereich der Gelenke zwischen Kreuz und Becken (Iliosakralgelenke, ISG) kann das Zusammenspiel der stark beanspruchten Bänder und Muskeln empfindlich gestört werden. Dadurch entstehen Muskelverspannungen, bei plötzlicher zusätzlicher Belastung auch akute Blockierungen. Mit anderen Worten: ein Hexenschuss. Als Ursachen kommen zahlreiche, mit Fehl- und Überbelastung verbundene mechanische Faktoren infrage. Sie reichen von Haltungsproblemen bis zu sportlicher Überbelastung. Auch "Schwachpunkte" wie eine Beinverkürzung auf einer Seite, die dazu führt, dass das Becken schief steht, sodann die verstärkte Krümmung der Lendenwirbelsäule nach vorne (Hohlkreuz, auch Lordose), Bänderschwäche und abnutzungsbedingte Veränderungen hier oder am Hüftgelenk können ISG-Blockierungen begünstigen.

Symptome: Die Blockierung des Kreuz-Darmbein-Gelenkes ist eine häufige Ursache von akuten Gesäß- und/oder Kreuzschmerzen bis hin zum Hexenschuss. Die Schmerzen können ins Bein ausstrahlen und den Betroffenen vorübergehend so gut wie lahmlegen. Nach längerem Sitzen sind sie verstärkt spürbar, ebenso beim Anheben des Beines auf der betroffenen Seite oder Aufrichten aus gebückter Haltung. In der Regel spielen sich die Beschwerden auf einer Körperseite ab.
Diagnose:
Sie ergibt sich für den Arzt vor allem aus der Art der Beschwerden, der Krankengeschichte, den Begleitumständen und der körperlichen Untersuchung (siehe wiederum im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Diagnose") nebst verschiedener Bewegungstests. Wenn zum Beispiel auch das Heranführen (Adduktion) des Oberschenkels beziehungsweise der Hüfte in gebeugter Stellung schmerzhaft ist, weist das auf eine Störung des Iliosakralgelenks hin.

Anzeichen für eine Ischiasschädigung schließt der Arzt zunächst anhand der Befunde aus. Bildgebende Untersuchungen wie zum Beispiel Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie, MRT) sind bei speziellen Verdachtsmomenten hinsichtlich einer Störung an der Wirbelsäule wie ein Bandscheibenvorfall, eine Osteoporose oder eine Erkrankung vom Typ Bechterew (siehe Kapitel "Bechterew-Krankheit & Co." in diesem Beitrag) notwendig, im Einzelfall außerdem gezielte Labortests.

Weitere Informationen finden Sie auch in den Ratgebern "Hexenschuss" und "Rückenschmerzen".

Therapie bei allen drei Problemen

Nach Ausschluss einer speziellen Krankheitsursache rät der Arzt eventuell, kurzfristig ein schmerzstillendes Medikament einzunehmen. Infrage kommt ein Arzneistoff wie Paracetamol (laut einer Studie aus dem Jahr 2014 gab es bei akuten Kreuzschmerzen mit und ohne das Medikament keinen maßgeblichen Unterschied bis zum Erreichen der Schmerzfreiheit) oder ein traditioneller Entzündungshemmer (tNSAR; NSAR steht für nicht steriodales Antirheumatikum, t für traditionell).

Auch chiropraktische beziehungsweise manualtherapeutische Maßnahmen sind bei Kreuzschmerzen mögliche Behandlungsverfahren, wenn ein krankhafter Organbefund ausgeschlossen werden konnte. Falls der Arzt Triggerpunkte findet, kann er sie mit entsprechenden manuellen Techniken angehen. Manchmal wenden Ärzte auch Injektionen mit einem örtlich betäubenden Mittel an. Diese perkutane Therapie (durch die Haut, als invasivere Form auch mit Injektionen an die Wirbelsäule heran) wird bei nicht spezifischen Kreuzschmerzen in den Leitlinien allerdings nicht empfohlen.

Wenn sich psychische Faktoren als Schrittmacher der Beschwerden herausstellen, ist möglicherweise eine Psychotherapie der richtige Weg. Anhaltende Beschwerden wird der Arzt intensiver abklären. Nur bei Bedarf verordnet er eine Physiotherapie (früher: Krankengymnastik), bei akuten Kreuzschmerzen eher nicht, bei länger anhaltenden Kreuzschmerzen dagegen schon. Hier können auch Massagen eingesetzt werden.



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