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Schmerzen im Gesäß / Kreuz: Probleme der Muskeln und Bänder

Vom Nacken bis zum Gesäß können etagenweise Muskeln und Bänder streiken und das Kreuz blockieren. Hier helfen Krankengymnastik und physikalische Therapie


Häufig gehen Schmerzen im Gesäß / Kreuz von strapazierten Muskeln aus

Myofasziale Schmerzen: Verspannte, schmerzende Muskeln haben viel mit ungünstigen Haltungen oder monotonen Bewegungen im Alltag zu tun. Zahllose Menschen sind betroffen, Sitz- wie Stehberufler, Büroangestellte genauso wie Operateure, Friseure, Musiker, Fließbandarbeiter und Lastenträger. Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass auch Krankheiten oder Fehlbildungen des Skeletts Muskeln einseitig belasten können.
Symptome: Verspannte Muskeln und ziehende, bohrende, machmal auch stechende Schmerzen im Hüftbereich, Gesäß, Bein oder Kreuz auf einer Körperseite. In den jeweils strapazierten Muskeln bilden sich eventuell tastbare Verhärtungen, sogenannte Kontraktionsknoten, früher Muskelhartspann oder Myogelose genannt.
Diagnose: In der Regel genügt neben der Kennntis der Krankengeschichte eine sehr gründliche körperlich-orthopädische Untersuchung, um das Beschwerdebild richtig einzuordnen. Dazu gehört auch die Suche nach Triggerpunkten. Weiteres im nächsten Abschnitt und im Kapitel „Diagnose“.

Piriformis-Syndrom: „Ischiasbeschwerden mal ganz anders“ – so könnte man dieses Beschwerdebild auch beschreiben. Es entsteht, wenn der birnenförmige Piriformis-Muskel, ein innerer Hüftmuskel, den Ischiasnerv oder einen seiner Äste beim Übertritt vom Becken zum Oberschenkel einengt. Der Muskel bewirkt das Abspreizen, Strecken und die Außendrehung des Oberschenkels. Bei Fehlbeanspruchung kann er sich verkürzen und verdicken.

Den kleinen Gesäßmuskel, den Glutaeus minimus, der unterhalb des großen Gesäßmuskels liegt, kann es genauso treffen. Ursachen sind einseitige Überbelastung, wozu manche Menschen neigen, die aus einer Grätschstellung heraus ständig schwer heben müssen, dann solche, die vorwiegend eine sitzende Körperhaltung einnehmen oder sich viel (und falsch) bücken.

Außerdem kann der Muskel durch ständigen Druck gereizt werden. Eine mögliche Ursache in dieser Hinsicht ist die Angewohnheit, die Geldbörse in der Gesäßtasche zu verstauen, was Männer gerne und häufig tun. Nach Sturzverletzungen im Gesäßbereich kann es ebenfalls zum Piriformis-Syndrom kommen. Schmerzen bei Schleimbeutelentzündungen an der Hüfte können manchmal bis ins Gesäß ausstrahlen (siehe auch Ratgeber „Hüftschmerzen“).


Symptome: Schmerzen tief im Gesäß auf einer Körperseite, möglicherweise mit Ausstrahlung bis in den Oberschenkel, in die Hüfte oder das Kreuz. Beingrätschen oder Treppensteigen, auch Liegen auf der entsprechenden Körperseite ist schmerzhaft. Bei längerem Sitzen – etwa vor dem Bildschirm, im Auto – verstärken sich die Schmerzen.
Diagnose:
Die Schilderung der Beschwerden und ihrer Umstände sowie eine körperliche Untersuchung, bei der sich möglicherweise auch Triggerpunkte im kleinen Gesäßmuskel finden lassen, führen meist zur Diagnose. Weitere technische Verfahren wie Röntgen oder Blutuntersuchungen sind nur nötig, wenn der Arzt zusätzlich eine spezifische Erkrankung am Bewegungsapparat vermutet oder eine andere organische Störung, die das Bewegungssystem mit beeinflussen könnte.
Therapie: siehe weiter unten.

Blockiertes Kreuz-Darmbein-Gelenk: Im Bereich der Gelenke zwischen Kreuz und Becken (Iliosakralgelenke, ISG) kann das Zusammenspiel der stark beanspruchten Bänder und Muskeln empfindlich gestört werden. Dadurch entstehen Muskelverspannungen, bei plötzlicher zusätzlicher Belastung auch akute Blockierungen. Als Ursachen kommen zahlreiche, mit Fehl- und Überbelastung verbundene mechanische Faktoren infrage. Sie reichen von Haltungsproblemen bis zu sportlicher Überbelastung. Auch „Schwachpunkte“ wie eine Beinverkürzung auf einer Seite, die dazu führt, dass das Becken schief steht, sodann die verstärkte Krümmung der Lendenwirbelsäule nach vorne (Lordose), Bänderschwäche und abnutzungsbedingte Veränderungen hier oder am Hüftgelenk können ISG-Blockierungen begünstigen.  
Symptome: Die Blockierung des Kreuz-Darmbein-Gelenkes ist eine häufige Ursache von akuten Gesäß- und / oder Kreuzschmerzen bis hin zum Hexenschuss. Die Schmerzen können ins Bein ausstrahlen und den Betroffenen vorübergehend beinahe lahmlegen. Nach längerem Sitzen sind sie verstärkt spürbar, ebenso beim Anheben des Beines auf der betroffenen Seite oder Aufrichten aus gebückter Haltung. In der Regel spielen sich die Beschwerden auf einer Körperseite ab.
Diagnose: Sie ergibt sich für den Arzt vor allem aus der Art der Beschwerden, der Krankengeschichte, den Begleitumständen und der körperlichen Untersuchung (siehe Kapitel „Diagnose“) nebst verschiedener Bewegungstests. Wenn zum Beispiel auch das Heranführen (Adduktion) des Oberschenkels beziehungsweise der Hüfte in gebeugter Stellung schmerzhaft ist, weist das auf Störungen der Bänder des Iliosakralgelenks hin. Eine Ischias-Symptomatik schließt der Arzt bis auf Weiteres anhand der Befunde aus. Labortechnische und bildgebende Untersuchungen wie zum Beispiel Röntgenaufnahmen sind bei speziellen „Verdachtsmomenten“ hinsichtlich einer organischen Störung wie ein Bandscheibenvorfall oder eine Erkrankung vom Typ Bechterew (siehe Kapitel „Bechterew-Krankheit & Co.“ in diesem Beitrag) notwendig.

Weitere Informationen finden Sie auch unter „Hexenschuss“ und „Rückenschmerzen“.

Therapie bei allen drei Problemen: Eventuell wird der Arzt raten, kurzfristig ein schmerzstillendes Medikament einzunehmen. Hier kommt zum Beispiel ein Arzneistoff wie Paracetamol oder ein traditioneller Entzündungshemmer (tNSAR) infrage. Falls der Arzt Triggerpunkte findet, kann er sie mit örtlichen Infiltrationen (Einspritzen) eines betäubenden Mittels gezielt angehen. Wenn sich psychische Faktoren als Schrittmacher der Beschwerden herausstellen, kann eine Psychotherapie der richtige Weg sein. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine erneute Abklärung notwendig. Bei Bedarf verordnet der Arzt Krankengymnastik. Massagen und geeignete Übungen können helfen, verspannte Muskeln zu lockern. Es ist, wie es ist: Prinzipiell richtet sich die Therapie immer nach der Diagnose.




Bildnachweis: W&B/Bernhard Limberger
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www.apotheken-umschau.de; 17.07.2009, aktualisiert am 16.10.2013
Bildnachweis: W&B/Bernhard Limberger

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