Schuppenflechte (Psoriasis)

Schuppenflechte (Psoriasis) ist nicht nur eine Erkrankung der Haut, sondern kann auch Gelenke und andere Organe betreffen

aktualisiert am 05.05.2015

Silbrig-weiße Schuppen auf geröteter Haut: Typisch für Psoriasis

W&B/ TU München Klinik für Dermatologie

Was ist Schuppenflechte?

Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronisch-entzündliche, erblich veranlagte Hauterkrankung, die durch innerliche und äußerliche Auslöser provoziert werden kann. Neben den Nägeln können auch die Gelenke befallen sein. Gefäße, Herz, Leber und Stoffwechselvorgänge können ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. Ein großes Problem sind auch die psychosomatischen Beschwerden und die Einschränkung der Lebensqualität der Patienten. Schuppenflechte ist nicht ansteckend. Schätzungen zufolge sind etwa zweieinhalb bis dreieinhalb Prozent der Nordeuropäer von Psoriasis betroffen. Als ursächlich gilt eine vererbte genetische Veranlagung. Auch wenn diese vorhanden ist, muss die Krankheit jedoch nicht immer zum Ausbruch kommen. Es sind aber verschiedene Faktoren bekannt, die dazu beitragen können (siehe Abschnitt Ursachen und Risikofaktoren).

Mehr als die Hälfte aller Betroffenen erkrankt vor dem 40. Lebensjahr erstmals an Schuppenflechte (Typ1-Psoriasis). Der seltenere Spättyp (Typ2-Psoriasis) bricht erst im fünften bis sechsten Lebensjahrzehnt aus. Im Kindesalter ist die Schuppenflechte – im Vergleich zur Neurodermitis – zwar recht selten, doch es gibt sie.


Die Krankheit verläuft in aller Regel chronisch oder in wiederkehrenden Schüben, wobei kürzere oder längere akute Phasen mit Perioden ohne oder mit wenigen Symptomen wechseln können. Schweregrad und Ausdehnung sind individuell und sehr unterschiedlich. Eine endgültige Heilung ist bisher nicht möglich, wohl aber eine wirksame Therapie.


Blick in den Mund: Streptokokkeninfekte können Auslöser einer Schuppenflechte sein

Image Source/RYF

Ursachen

  • Genetische Veranlagung

Nach Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) geben etwa 30 bis 40 Prozent der Menschen mit Psoriasis an, dass auch Verwandte betroffen sind. Es kommt aber auch vor, dass kein Elternteil Psoriasis hat, das gemeinsame Kind jedoch trotzdem darunter leidet. Und umgekehrt: Beide Elternteile leiden unter Schuppenflechte, doch beim Kind bricht die Krankheit nie aus.
Untersuchungen zur Häufigkeit der Vererbung zeigten klare Hinweise auf einen stärker über den Vater vermittelten Vererbungseffekt. Die Wahrscheinlichkeit der Vererbung liegt bei einem Kind mit nur einem betroffenen Elternteil bei etwa 10 Prozent. Leiden beide Eltern an Schuppenflechte, steigt dieses Risiko auf etwa 30 Prozent. Laut Untersuchungen gibt es außerdem nicht nur krankheitsfördernde sondern auch vor der Erkrankung schützende Gene. Hellhäutige sind häufiger betroffen als Schwarze, Inuit oder amerikanische Ureinwohner.

  • Auslösende Faktoren

Wenn – neben der vererbten Veranlagung – noch bestimmte persönliche oder umweltbedingte Auslöser hinzukommen, bricht die Krankheit aus. Solche Auslöser können zum Beispiel sein:

- Infektionen (besonders durch Streptokokken, wie Mandelentzündungen im Kinder- und Jugendalter, Mittelohrentzündung, chronische Zahn-, Nasennebenhöhlen- oder Magen-Darminfektionen, Geschlechtskrankheiten und HIV-Infektion, Befall der Kopfhaut mit Hefepilzen ...)

- Verletzungen, Tätowierungen, Sonnenbrand, heftiges Kratzen, anhaltende mechanische Hautreizungen (zum Beispiel durch eng anliegende Kleidung, Gürtel, BH)

- Stoffwechselstörungen und Hormonschwankungen (beispielsweise während einer Schwangerschaft)

- Bestimmte Medikamente (zum Beispiel Betablocker, ACE-Hemmer, Lithiumsalze, Interferone, Chloroquin und bestimmte nichtsteroidale Antirheumatika, wie beispielsweise Indometacin)

- äußerlich irritierende Stoffe und Allergene

- Seelischer Stress (etwa familiäre, soziale, berufliche Situation)

- erhöhter Alkoholkonsum und Rauchen

- Übergewicht

- Klimatische Einflüsse

Der Ursache-Wirkungszusammenhang gilt aber nicht für alle Risikofaktoren als durchgängig gesichert. Manchmal ist unklar, ob ein Risiko nun Auslöser oder eher Folge der Schuppenflechte ist (wie zum Beispiel erhöhter Alkoholkonsum).


Kopf, Nabel, Streckseiten: Hier tritt die Krankheit häufig auf

W&B/Martina Ibelherr

Symptome

Die Symptome der gewöhnlichen Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) sind vor allem Folge eines gutartigen, rasanten, unkontrollierten Wachstums der Oberhaut. Dabei "wandern" die Zellen der obersten Hautschicht (Epidermis) siebenmal schneller an die Hautoberfläche als bei gesunden Menschen. Normalerweise erneuert sich die Oberhaut innerhalb von 28 Tagen. Bei Psoriatikern dauert das nur drei bis vier Tage.

Die Folge: Glänzende, silbrig-weiße Schuppen bilden sich auf scharf begrenzten, stark durchbluteten und entzündlich geröteten Hautarealen. Betroffen sind vor allem die Streckseiten von Armen (zum Beispiel Ellbogen) und Beinen (zum Beispiel Schienbeinbereich), die Kopfhaut, aber auch Gesäß, Brust und Rücken, bisweilen auch Augenbrauen, Achselhöhlen, Bauchnabel oder Geschlechtsorgane beziehungsweise der Anus-Bereich (Gesäßfalte). Problematisch wegen der Sichtbarkeit sind Gesicht, Haaransatz und die Hände. Die betroffenen Stellen jucken häufig.

Die Schuppen können oft mit dem Fingernagel abgehoben werden. Psoriasis vulgaris ist die häufigste Form der Schuppenflechte.  Es gibt auch eine Form mit bevorzugtem Befall der großen Faltenregionen wie Achseln, Leisten, Bauchnabel und -falten, Hand- und Fußinnenflächen. Bei schweren Verläufen kann die gesamte Haut (Erytrhodermie) befallen sein. Dies ist lebensbedrohlich.

Die Herde der Schuppenflechte können auch großflächig zusammenwachsen, ähnlich den Umrissen einer Landkarte (Psoriasis geographica). Oder die Herde ähneln – verteilt am ganzen Rumpf – in Ausdehnung und Größe Streichholzköpfen (Psoriasis punctata).

Oft sind zusätzlich auch die Nägel betroffen. Es bilden sich kleine, runde Vertiefungen ("Tüpfelnägel") oder gelblich-bräunliche Verfärbungen ("Ölflecke").


Gesunde Haut: Die Epithelzellen wandern langsam von der Basalschicht zur Oberfläche

W&B/Szczesny

Sonderformen der Schuppenflechte

  • Psoriasis-Arthritis

Etwa jeder fünfte Schuppenflechtepatient, der in Behandlung ist, hat auch eine Psoriasis-Arthritis. Hier leiden Betroffene also zusätzlich noch unter Gelenk- beziehungsweise Sehenansatzbeschwerden als Symptom der Erkrankung. Es gibt vier verschiedene Gelenkbefallsformen, die sehr unterschiedlich bis zur vollkommenen Verformung führen können. Die gängigen Hautveränderungen müssen bei der Psoriasis-Arthritis jedoch nicht immer zusätzlich oder gleichzeitig auftreten.

Meist kommt es zu Schwellungen der kleinen Gelenke der Zehen oder Finger. Die Schwellungen sind schmerzhaft und behindern die Bewegung. Bei einer anderen Verlaufsform sind eher größere Gelenke, wie das Kniegelenk betroffen. Eine dritte Variante bevorzugt die Wirbelsäule.

Tückisch: Die entzündlichen Gelenkschwellungen bereiten lange nur relativ geringe Schmerzen, obwohl die Zerstörung der Gelenke vielleicht schon weit fortgeschritten und damit nicht mehr umkehrbar ist.

  • Psoriasis pustulosa

Bei dieser Form treten eitrige, aber keimfreie Pusteln insbesondere an Fußsohlen und Handinnenflächen auf. Das Laufen sowie das Arbeiten mit den Händen kann deshalb für Betroffene sehr schmerzhaft sein. Im Extremfall kann auch der ganze Körper betroffen sein. Dann ist die gesamte Haut entzündlich gerötet und von Pusteln übersät. Zusätzlich kommen häufig Fieber, Abgeschlagenheit und ein schweres Krankheitsgefühl hinzu. Nach Angaben des Robert Koch-Institutes betrifft diese schwere Variante weniger als fünf Prozent aller Psoriasis-Patienten. Eine weitere Form ist der Befall der Händer und manchmal auch der Füße, ausgelöst durch eine berufsbedingte Irritation oder/und Allergie, die als Berufserkrankung anerkannt werden kann.


Psoriasis: Die raschere Wanderung der Zellen führt zu einer vermehrten Schuppung

W&B/Wladimir Szczesny

Diagnose

Der Arzt stellt die Diagnose in der Regel nach einer gründlichen Untersuchung der Haut. Dabei helfen ihm manchmal bestimmte Merkmale, die typisch für eine Schuppenflechte sind: Kratzt er eine Schuppe vorsichtig ab, verbleibt darunter zunächst ein dünnes Häutchen ("letztes Häutchen"). Löst er auch dieses, blutet die Stelle leicht und punktförmig ("blutiger Tau" oder "Auspitz-Phänomen").

Um andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen auszuschließen (zum Beispiel Ekzeme, Pilzinfektionen, Syphilis), müssen stets Blutuntersuchungen, Abstriche und gegebenenfalls Gewebeproben vorgenommen werden. Sind Gelenke betroffen, müssen mittels Bildgebungsverfahren (MRT, Nuklearszintigramm und/oder Röntgenaufnahmen) die entsprechenden Veränderungen nachgewiesen werden, um auch die Therapie richtig und rechtzeitig zu wählen.


Eincremen: Eine gute Pflege ist bei Hauterkrankungen wie Psoriasis wichtig

W&B/Winfried Fischer

Therapie

Weil eine ursächliche Heilung nicht möglich ist, zielen Therapien immer auf eine Linderung und das Abheilen der Symptome, eine Verkürzung der akuten Krankheitsphase und eine Vermeidung neuer Schübe. Hierfür stehen eine ganze Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, die von pflegenden Salben bis zu starken, das Immunsystem hemmenden (immunsuppressiven) Medikamenten reichen. Therapien können und sollen leitliniengerecht, aber immer auf den individuellen Erkrankungszustand des Patienten abgestimmt miteinander kombiniert werden. Ein Wechsel der Therapie-Form nach gewisser Zeit kann hilfreich sein.

  • Äußerliche Behandlung

Die meisten äußerlich wirkenden Medikamente werden in Form von Cremes, Salben und Lotionen aufgetragen. Darüber hinaus stehen Badezusätze und Shampoos zur Verfügung.

Um die Schuppen abzulösen, kommen Bäder und Salbenverbände mit Wirkstoffen wie Salicylsäure (Vorsicht bei Kindern), Harnstoff oder Milchsäure zum Einsatz. Der zeitliche Aufwand einer äußerlichen Behandlung beträgt pro Tag je nach Ausdehnung der Hautveränderungen zwischen zehn und 45 Minuten.

Dithranol hemmt übermäßiges Zellwachstum und Entzündungsvorgänge. Häufige Nebenwirkungen einer Therapie mit Dithranol sind Hautirritationen und Verfärbungen, auch der Bettwäsche und der Kleidung. Es gibt inzwischen aber die sogenannte Minutentherapie, die leicht und nicht so zeitverbrauchend ist. Von Vitamin D abgeleitete Wirkstoffe wie Calcipotriol, Tacalcitol und Calcitriol wirken ebenfalls entzündungshemmend und sind eine Standardtherapie, die allein einsetzbar und gut mit selektiver Phototherapie kombinierbar ist.

Häufig werden Vitamin D-Präparate mit Cortisonsalben kombiniert. Dies ist zur Beginn der Behandlung hilfreich, aber bei einer Langzeitanwendung von Cortison ist Vorsicht geboten: Es führt dazu, dass die Haut an den behandelten Stellen dünner und infektionsanfälliger wird.

Ergänzend gehört zur Therapie immer eine gute Basis-Hautpflege – als Vorbeugung auch in beschwerdefreien Zeiten.

  • Innerliche Behandlung bei schwerem Verlauf

Bei schweren Verlaufsformen oder wenn die äußerliche Anwendung nicht erfolgreich ist, werden Medikamente zur Einnahme verabreicht. Vorraussetzung für eine solche innerliche Behandlung der Schuppenflechte, die in der Regel in Kombination mit äußerlich angewandten Mitteln und/oder Phototherapie erfolgt, ist ein gewisser Schweregrad der Erkrankung.

In Frage kommt dann zum Beispiel eine Behandlung mit Vitamin-A-Abkömmlingen (Retinoiden), die stets mit äußerlicher Behandlung besonders auch UV-Licht kombiniert wird. Diese Wirkstoffe normalisieren das Zellwachstum, beschleunigen die Abschuppung und sind antientzündlich. Die Vitamin-A-Abkömmlinge sollten bei Frauen jedoch nur angewandt werden, wenn eine sichere Verhütung einer Schwangerschaft (auch für einige Zeit über die Therapiedauer hinaus) gewährleistet ist, weil sie das ungeborene Kind schädigen können. Daher sollten Vitamin-A-Abkömmlinge bei Frauen im gebärfähigen Alter möglichst vermieden werden.

Des Weiteren kann eine immunsuppressive Therapie in Betracht kommen, zum Beispiel mit Methotrexat, Ciclosporin oder Fumarsäureester. Diese Wirkstoffe sind bewährt und können auch über längere Zeit unter ärztlicher Begleitung gut vertragen werden.

Zum Einsatz kommen seit einigen Jahren auch so genannte Biologicals (oder: Biologika). Das sind gentechnisch hergestellte Wirkstoffe, die bestimmten körpereigenen Substanzen ähneln. Solche Wirkstoffe heißen zum Beispiel Etanercept, Adalimumab oder Infliximab. Auch sie heilen die Psoriasis nicht, können sie aber gut unterdrücken – solange sie angewandt werden. Sie werden meist unter die Haut gespritzt oder als Infusion verabreicht. Ein Biological hemmt zum Beispiel die an der Entzündung beteiligten T-Lymphozyten in der Haut, ein anderes den Zell-Botenstoff TNF-alpha, der bei begleitenden Entzündungen der Gelenke eine wichtige Rolle spielt. Weitere neue Entwicklungen hemmen bestimmte T-Zellen und Entzündungsbotenstoffe (z.B. Ustekinumab). Die Kosten solcher Präparate sind hoch, die Langzeitwirkungen noch nicht endgültig absehbar. Für Ihren Einsatz gibt es strenge Regeln. Die Basis-Hautpflege bleibt daneben bestehen.


Angenehm: Klimatherapie, zum Beispiel am Toten Meer

PhotoDisc/ RYF
  • Photo- und Klima-Therapien

Sonne oder die Bestrahlung mit künstlichem und auf bestimmte Wellenlängen abgestimmten UV-Licht lindern bei vielen Psoriasis-Kranken die Beschwerden. Doch Vorsicht: Einen Sonnenbrand unbedingt vermeiden, denn der kann zu einer explosionsartigen Ausbreitung der psoriatischen Herde führen. Therapeutisch werden Wasser-Bäder mit einem Salz-Gehalt (Sole-Gehalt) von mehr als 15-30 Prozent mit einer kontinuierlichen UV-Bestrahlung kombiniert. Der hohe Salzgehalt des Wassers löst die Schuppen und die ultraviolette Strahlung bewirkt eine Normalisierung der Zellteilung. Solarienbesuche sind wirkungslos, da nur bestimmte Wellenlängen wirkreich sind und in Form medizinischer UV-Strahler in der Facharztpraxis verfügbar sind.


Diese sogenannte Photo-Solebehandlung wird seit rund 25 Jahren zum Beispiel in Kliniken und Rehakliniken eingesetzt . Betroffene reisen auch häufig zum Beispiel ans Tote Meer, wo die entsprechenden Bedingungen dafür von Natur aus gegeben sind. An Nord- und Ostsee oder anderen Psoriasis-Spezialkliniken wird die Methode in Deutschland eingesetzt. Leider führt das nicht zu dauerhafter Besserung, denn die lindernde Wirkung lässt relativ bald nach, nachdem die Betroffenen wieder zuhause sind.

Parallel dazu wurden Anfang der 80er Jahre die orale Photochemo-Therapie (orale PUVA-Behandlung) sowie die sogenannte Bade-PUVA-Therapie etabliert. Dabei wird durch einen in der Natur vorkommenden Wirkstoff, der in Tablettenform eingenommen beziehungsweise als Badezusatz oder Creme zugeführt wird, die Haut lichtempfindlicher gemacht. Auch wenn diese PUVA-Therapie sehr wirksam ist, führt sie zeit- und dosisabhängig langfristig zu einer vermehrten Hautkrebsgefahr. Daher bekommen Psoriasispatienten einen UV-Pass, in den alle Bestrahlungen eingetragen werden.

  • Lasertherapie

Ein relativ neuer und von den Kassen nicht bezahlter Ansatz ist der Einsatz von Lasern. Dabei können auf kleinsten Flächen hohe Lichtenergiemengen konzentriert werden. Diese Lasertherapie ist jedoch wesentlich aufwändiger und teurer als die herkömmliche Phototherapie. Sie eignet sich vor allem für hartnäckige Psoriasis-Herde, zum Beispiel an Knien oder Ellbogen.

  • Die Mandeln entfernen lassen?

Bekannt ist, dass eine Streptokokken-Angina den Ausbruch einer Psoriasis hervorrufen kann. Mediziner der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Universität München haben vor einigen Jahren einen speziellen Typ von Psoriasispatienten untersucht, deren Schuppenflechte durch eine Streptokokken-Angina ausgelöst wurde. Sie stellten fest: In den Mandeln (Tonsillen) dieser Psoriatiker waren die gleichen Lymphozyten (T-Zellen) vorhanden wie in ihren Psoriasis-Herden. Eine Empfehlung zur Entfernung der Mandeln bei Schuppenflechte kann daraus aber nicht grundsätzlich abgeleitet werden. Bei bestimmten Schuppenflechte-Patienten mit frühem Beginn der Krankheit und positiver Familienanamnese sowie nachgewiesener Streptokokkeninfektion als auch häufigen Mandelentzündungen kann eine Entfernung der Mandel aber sinnvoll sein. Im Weiteren sind stets die Zähne auf Wurzelentzündungen zu untersuchen.

  • Alternative Methoden

Auch verschiedene alternative Methoden (zum Beispiel traditionelle chinesische Medizin, Homöopathie, Silymarin-Präparate) kommen bei der Schuppenflechte zum Einsatz, ihre Wirkung ist jedoch größtenteils nicht belegt.


Sich wohl und angenommen fühlen: Ist die Psyche im Lot, geht es oft auch der Haut besser

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Vorbeugen

  • Die Psyche

Psoriatiker leiden häufig nicht nur unter den Krankheitssymptomen oder den Nebenwirkungen der Medikamente. Für viele, so das Robert Koch-Institut, sei vielmehr "die empfundene Stigmatisierung die schwerwiegendste Krankheitsfolge."

So äußerten bei einer Befragung zur Lebensqualität Patienten mit Psoriasis, die zusätzlich Diabetes, Asthma bronchiale oder Bronchitis hatten, dass sie diese Erkrankungen im Vergleich zur Psoriasis als deutlich weniger belastend empfinden. Betroffene geraten oft in einen Teufelskreis: Sie fühlen sich durch die Krankheit entstellt, ihr Selbstwertgefühl ist gestört – der dadurch ausgelöste Stress verschlimmert die Hauterscheinungen, worauf viele Patienten mit Depressionen, sozialer Isolation oder Alkoholmissbrauch reagieren; auch sexuelle Probleme in der Partnerschaft sind bei Psoriatikern häufig.

Insbesondere junge Menschen mit Psoriasis befürchten bei den ersten Hautveränderungen, von ihren Freunden und Bekannten plötzlich wie Aussätzige behandelt zu werden – obwohl die Erkrankung definitiv nicht ansteckend ist. Entscheidend ist dabei oft, ob "sensible Regionen" wie das Gesicht oder der Genitalbereich betroffen sind. Auch anhaltender Juckreiz kann ein erhebliches Problem sein.

Die Erfahrung vieler Ärzte spricht dafür, dass hier Methoden wie Psychoanalyse, Verhaltenstherapie oder Entspannungsmethoden hilfreich sein können. Die bessere seelische Ausgeglichenheit kann auch dazu beitragen, die Hauterscheinungen zu verringern. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen – etwa in Selbsthilfegruppen – kann das Leiden lindern (siehe Wissenswertes).

Hilfreich ist oft, für sich herauszufinden, was einen Psoriasis-Schub auslöst und ob Möglichkeiten bestehen, diese Risikofaktoren zu umgehen oder zu begrenzen.


Rauchen: Tut der Haut nicht gut

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  • Gesund leben

Wer sich gesund ernährt, nicht raucht, nur maßvoll Alkohol konsumiert und bei Normalgewicht seine Fitness nicht vernachlässigt, der stärkt Körper und Seele, hat ein robusteres Immunsystem und gilt als weniger anfällig für Psoriasis-Schübe.

So zeigen wissenschaftliche Studien: Psoriasis ist bei Rauchern im Durchschnitt schwerer ausgeprägt als bei Nichtrauchern. Und: Menschen, die täglich 15 Zigaretten oder mehr rauchen, haben gegenüber dem Bevölkerungsdurchschnitt ein dreimal so hohes Risiko, eine Psoriasis zu entwickeln. Ebenso gilt, dass bei männlichen Patienten mit Psoriasis ein überdurchschnittlich hoher Alkoholkonsum auffällt.

  • Ernährung

Tipps für Psoriasis-Diäten gibt es viele: Da wird zum Beispiel empfohlen, Speisen zu meiden, welche Linolsäure oder Gamma-Linolensäure als Vorstufen der Arachnidonsäure enthalten (vor allem Fleisch und Wurstwaren vom Schwein, aber auch Rindern oder Kälbern) und statt dessen Geflügelfleisch zu essen oder mehr Vitamin D, Fischöl oder Zink aufzunehmen. Experten kritisieren jedoch, dass über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Schuppenflechte zwar viel geschrieben, aber wenig geforscht werde. Nach dem Stand der wissenschaftlichen Literatur seien es vergleichsweise wenig Patienten, die auf bestimmte Nahrungsmittel mit einer Verschlechterung ihrer Erkrankung reagierten. Deshalb könne umgekehrt eine spezielle Ernährung auch nicht empfohlen werden. Erwiesen sei jedoch, dass bei einer Verschlechterung des Zustands infolge von Überernährung und Übergewicht bei einer späteren Gewichtsreduktion wieder eine Verbesserung des Krankheitsbildes eingetreten sei.


Gewichtskontrolle: Zu viele Pfunde schaden der Gesundheit

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Wissenswertes

  • Begleitkrankheiten der Psoriasis

Festzustellen ist, dass vor allem bei Typ I Psoriasispatienten mit längerem Verlauf Komplikationen an anderen Organen auftreten. Die Erkrankung ist an sich nicht auf die Haut beschränkt und Körper und Psyche reagieren mit.

Neben der Haut- und Gelenkentzündung entwickeln Psoriasispatienten vermehrt Krankheiten aus dem Formenkreis des metabolischen Syndroms. Hierzu gehören Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und Insulinresistenz sowie Bluthochdruck. Gemeinsam mit der chronischen Hautentzündung als unabhängigen Faktor bedingen sie in Abhängigkeit von Dauer und Schwere der Psoriasis ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einer erhöhten kardiovaskulären Sterblichkeit (Rhythmusstörungen und Infarkte) und einer um mehrere Jahre verminderten Lebenserwartung. Da das Fettgewebe bei Übergewicht selbst eine entzündliche Aktivität entwickelt, ist die Reduktion eines erhöhten Körpergewichts für Psoriasispatienten besonders wichtig. Auch andere Krankheiten wie rheumathoide Arthritis und entzündliche Darmerkrankungen, wie zum Beispiel Morbus Crohn, treten bei Schuppenflechtepatienten häufiger auf.

  • Anlaufstellen und Selbsthilfe

Die ärztliche Behandlung der Psoriasis wird im Wesentlichen von Hautfachärzten und Allgemeinmedizinern beziehungsweise praktischen Ärzten getragen. Zur Betreuung von Patienten mit alleiniger Psoriasis Arthritis kommen Rheumatologen beziehungsweise Internisten in Frage. Auch medizinische Bademeister und – bei der Psoriasis Arthritis – Krankengymnasten, Ergotherapeuten und Masseure betreuen Betroffene mit.

Über den behandelnden Arzt oder mit einer Suche im Internet finden Erkrankte leicht den Weg zu Selbsthilfeorganisationen, die auch Expertenrat vermitteln können. Der Deutsche Psoriasis Bund e.V. verfügt zum Beispiel über 35 Regionalgruppen, in denen Betroffene Erfahrungen austauschen können. Kontakt: www.psoriasis-bund.de (www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für Inhalte externer Internetseiten).


Unser Experte: Professor Dr. med. Harald Gollnick

W&B/Privat

Beratender Experte

Professor Dr. med. Harald Gollnick ist Direktor der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Magdeburg. Harald Gollnick studierte Medizin an den Universitäten Münster und Berlin. 1983 promovierte er, 1984 schloss er seinen Facharzt für Dermatologie und Venerologie ab. 1988 habilitierte er sich im Fach Dermatologie und Venerologie. Er gehört dem Wissenschaftlichen Beirat es Deutschen Psoriasis Bundes an, publizierte zahlreiche Artikel und Studien zur Therapie der Psoriasis und war von 2003 bis 2007 Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Zu den Hauptarbeitsgebieten von Professor Gollnick gehören unter anderem Akne, Hautkrebs und Schuppenflechte.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, PhotoDisc/ RYF, BrandXPictures/ RYF, W&B/Wladimir Szczesny, W&B/Winfried Fischer, W&B/Szczesny, W&B/Privat, Creativ Collection/RYF, W&B/ TU München Klinik für Dermatologie, W&B/Martina Ibelherr, Image Source/RYF
Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, PhotoDisc/ RYF, BrandXPictures/ RYF, W&B/Wladimir Szczesny, W&B/Winfried Fischer, W&B/Szczesny, W&B/Privat, Creativ Collection/RYF, W&B/ TU München Klinik für Dermatologie, W&B/Martina Ibelherr, Image Source/RYF
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