Schieben Sie die Untersuchungen nicht lange vor sich her. Gehen Sie in jedem Fall zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt, wenn die Ohrgeräusche länger als 24 Stunden anhalten. Er wird die Ohren eingehend untersuchen und Hörprüfungen sowie gegebenenfalls weitere apparative Untersuchungen durchführen (siehe Kapitel „Diagnose“).
Für die Therapie eines akuten Tinnitus ohne erkennbare Ursache setzen die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte oft Medikamente in Form von Infusionen oder Tabletten ein. Liegen bestimmte Ursachen vor, kommt eventuell auch eine hyperbare Sauerstofftherapie infrage. Gleichzeitig ist es schon im akuten Stadium sinnvoll, gezielt zu entspannen und Stress abzubauen.
Nur noch in besonderen Fällen setzt der HNO-Arzt in der akuten Phase durchblutungsfördernde Mittel ein – diese Medikamente waren früher die erste Wahl. Meist verabreicht er ein von der Pharmaindustrie „nachgebautes“ körpereigenes Hormon (Prednisolon, ein Kortisonpräparat), das den Zellstoffwechsel in den Hörsinneszellen und die elektrische Leitfähigkeit der Hörbahnen verbessern soll. Es hat sich im Akutfall oft als wirksam erwiesen. Der Betroffene erhält das Mittel in Form von Tabletten oder Infusionen. Dies gilt aber nur bei unbekannter Ursache oder dann, wenn eine Erkrankung des Innenohrs, etwa ein Hörsturz oder die Menière-Krankheit, den Tinnitus ausgelöst hat. War der Auslöser eine Mittelohrentzündung, kommen andere Therapien in Frage, zum Beispiel Antibiotika.
Ein akuter Tinnitus, der im Zusammenhang mit einer Ohrerkrankung aufgetreten ist, legt sich meistens mit der Behandlung der Grunderkrankung, eben zum Beispiel einer Mittelohrentzündung.
Bei einem Hörsturz setzt der Arzt häufig zunächst eine Infusionstherapie ein, vor allem, wenn die Beschwerden sehr stark und mit Tinnitus und Schwindel verbunden sind. Hier kommen manchmal durchblutungsfördernde Medikamente, häufiger jedoch Kortisonpräparate zum Einsatz. Erst danach werden die Ärzte nach möglichen zugrunde liegende Erkrankungen, das können zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen oder eine Menière-Krankheit sein, fahnden und eine entsprechende, wenn möglich gezielt auf die Ursachen bezogene Therapie einleiten.
Ein Knall- oder Explosionstrauma und eine akute Lärmschädigung gelten als Notfälle, die umgehend behandelt werden müssen – häufig mit Infusionen und gegebenenfalls operativen Eingriffen, um Schäden am Trommelfell und im Innenohr zu beheben. Meist vergehen Tinnitus und Schwerhörigkeit auch wieder. Eventuell ist auch eine hyperbare Sauerstofftherapie angezeigt (siehe unten). Bleiben die Beeinträchtigungen bestehen, gibt es geeignete Behandlungen mit Hörgeräten und gezielten Tinnitustherapien (siehe Kapitel „Langzeittherapie“).
Wenn die Ohrgeräusche durch einen Hörsturz oder durch eine Lärm- oder Knallschädigung des Innenohrs entstanden sind und nach zwei bis drei Wochen weder spontan noch durch die Medikamenteneinnahme verschwinden, bietet sich eine Sauerstoffüberdruck-Therapie an. Mediziner sprechen dann von einer hyperbaren Oxygenation (HBO), die aber nur in der akuten Phase sinnvoll ist.
Das Verfahren ahmt eine Art Tauchgang nach: Die Betroffenen setzen sich an zehn bis 15 aufeinander folgenden Tagen in eine Druckkammer, in der beim "Abtauchen" ein Überdruck von 1,4 bis 1,8 bar erzeugt wird, wie er in 14 bis 18 Metern Wassertiefe herrschen würde. Die Patienten setzen schließlich Masken auf und atmen reinen Sauerstoff ein. So sollen sich die geschädigten Zellen des Innenohrs wieder erholen. Die Kosten für die HBO übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nur noch in Einzelfällen, die ärztlich begründet werden müssen.
Viele Menschen mit Ohrgeräuschen berichten, dass der Tinnitus bei Stress lauter und störender wird. Um etwas gelassener mit den Dingen umgehen zu können, hilft es, Entspannungsmethoden wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga, Qigong oder Tai Chi zu lernen (siehe auch Kapitel "Selbsthilfe").
Beeinträchtigen die Ohrgeräusche den Betroffenen schon im akuten Stadium sehr stark, etwa weil er sich gerade in einer schwierigen Lebenssituation befindet, ist eine umfassende Aufklärung über die Bedeutung des Tinnitus sinnvoll. Diese Form der Beratung nennen Mediziner Tinnitus-Counseling. Der Arzt wird dabei mit seinem Patienten von Anfang an Möglichkeiten besprechen, wie er am besten mit den Ohrgeräuschen im Alltag umgeht, was ihn ablenken kann, wie er belastende Situationen bewältigt, damit sich die störenden Töne nicht in den Vordergrund drängen und eventuell dauerhaft festsetzen. Auch spezielle Hörgeräte wie Tinnitus-Masker oder Tinnitus-Noiser sind mitunter schon in der akuten Phase erfolgreich (siehe Kapitel "Langzeittherapie").
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25.02.2009, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/RYF
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