Nierensteine (Nephrolithiasis, Urolithiasis)

Nieren- und Harnleitersteine können zu schmerzhaften Koliken führen. Hier erfahren Sie mehr über Symptome, Therapie, Ursachen und Vorbeugung

aktualisiert am 14.01.2015
Wasserglas

Wichtig: Ausreichend trinken. Das senkt das Risiko für Nierensteine

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Was sind Nierensteine?

Nierensteine entwickeln sich aus Bestandteilen des Urins. Normalerweise sind die Substanzen im Harn gelöst. Lagern sie sich jedoch ab, können sie in verschiedenen Formen auskristallisieren. Die meisten Nierensteine bestehen aus Kalziumsalzen. Die Steine sind oft nicht größer als ein Reiskorn, einige wachsen jedoch auf einen Durchmesser von mehreren Zentimetern an, manche füllen das gesamte Nierenhohlsystem aus.

Mediziner bezeichnen den Nieren- und Harnleiterstein auch als Nephrolithiasis oder Urolithiasis. Andere Worte sind auch Ureterstein und Nierenkonkrement.


Steine können sich in den Nieren, den Harnleitern oder der Blase finden

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Wie häufig sind Nierensteine?

Statistisch gesehen muss jeder 25. Deutsche damit rechnen, mindestens einmal im Leben an Nieren- oder Harnleitersteinen zu leiden. Insgesamt sind mehr Männer betroffen als Frauen. Am häufigsten erkranken Erwachsene im Alter zwischen 20 und 50 Jahren.

Bei etwa einem Viertel der Patienten bilden sich immer wieder Harnsteine. Für diese Hochrisikogruppe ist eine spezielle Stoffwechseluntersuchung sinnvoll. Denn ein maßgeschneidertes Vorbeugungskonzept mit individuellen Trink- und Ernährungsempfehlungen, eventuell ergänzt durch Medikamente kann helfen, die Bildung weiterer Steine zu verhindern und die Nierenfunktion zu schützen.

Welche Symptome können auftreten?

Ruhende Steine in der Niere werden oft zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Nierensteine können auch Ursache einer Harninfektion und von Blut im Urin sein.

Bleiben die Steine auf Grund ihrer Größe im Harnleiter stecken, lösen sie oft heftige Schmerzen aus. Bei einer solchen Nierenkolik machen sich wellenförmig auftretende Schmerzen bemerkbar, die meist an einer Flanke beginnen und dann in den Unterbauch ausstrahlen. Hinzu kommen oft Übelkeit und Erbrechen. Die Steine führen zu einer Verletzung der Schleimhaut im Harnleiter. Mikroskopisch ist Blut im Urin sichtbar.


Eine Urinuntersuchung ist meist Teil der Diagnostik

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Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Krankengeschichte: Der Arzt fragt, ob zuvor schon Nierensteine auftraten und ob bereits andere Familienmitglieder betroffen sind. Er erkundigt sich nach Ernährungsgewohnheiten, Vorerkrankungen und der Einnahme von Medikamenten.

Blutuntersuchung: Im Labor werden unter anderem Kreatinin, GFR, Kalium, Phosphat, Harnstoff und Harnsäure gemessen. Die Analysen lassen auch Rückschlüsse darauf zu, wie gut die Nieren funktionieren und ob eine Infektion vorliegt.

Urinuntersuchung: Eine Urinuntersuchung zeigt – im Teststreifen oder mikroskopisch – ob Blut vorhanden ist. Bei Verdacht auf eine Harninfektion wird eine Urinkultur angelegt. Sie lässt ein bis zwei Tage später erkennen, ob ein Bakterienwachstum vorliegt und – wenn ja – um welche Bakterien es sich handelt.

Ultraschalluntersuchung: Mit Hilfe einer Sonografie kann der Urologe Nierensteine ab einer Größe von etwa zwei Millimetern erkennen und die Funktion der Nieren beurteilen. Zudem kann der Arzt feststellen, ob eine Harnstauung vorliegt.

Die Nativ-Computertomografie stellt das derzeit beste Diagnoseverfahren dar um zu beurteilen: Sind Steine in den Nieren und Harnleitern? Wie groß sind die Steine und wie ist ihre genaue Lokalisation?

Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel: Dieses Diagnoseverfahren liefert bei Bedarf zusätzliche Informationen über die Abflussverhältnisse aus beiden Nieren.


Alarmsignal Harninfektion und Fieber: Tritt bei einem Steinleiden eine Harninfektion und zusätzlich Fieber auf, handelt es sich um einen Notfall! Der Patient muss rasch in einer urologischen Klinik behandelt werden. Denn Fieber und Schüttelfrost können in seltenen Fällen Anzeichen einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis) sein. In solchen Situationen wird die Harnstauung sofort durch Urinableitung und eine Antibiotikagabe therapiert.


Die Harnwege durch Trinken "spülen" – dazu rät der Arzt meist bei kleinen Steinen

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Wie werden Harnleitersteine und Nierensteine behandelt?

Konservative Therapie

Werden kleine Nierensteine zufällig bei einer Untersuchung bemerkt, müssen sie nicht unbedingt behandelt werden. In manchen Fällen genügen regelmäßige Kontrollen. Voraussetzung: Die Steine bereiten keine Schmerzen, verursachen keinen Harnwegsinfekt und keine Harnabflussstörung.

Medikamente

Kleine Harnleitersteine bis zu einer Größe von circa vier Millimetern können von alleine mit dem Urin abgehen. Um den Prozess zu unterstützen, wird der Arzt meist raten, viel zu trinken. Auch Bewegung kann die Harnleitersteine weiter befördern – das Hüpfen soll beispielsweise eine hilfreiche Methode sein. Das Medikament Tamsulosin, ein sogenannter Alphablocker, kann den Steinabgang zusätzlich unterstützen.

Medikamentöse Auflösung

Harnsäuresteine lassen sich in manchen Fällen auch medikamentös auflösen. Der Patient nimmt Allopurinol ein (der Wirkstoff senkt die Harnsäurekonzentration im Blut) und ändert außerdem seine Ernährungsgewohnheiten, um den Harnsäurespiegel zu senken. Zudem erhält er Medikamente, die den Harn alkalischer machen (idealer pH-Wert: 6,2 bis 6,8) und den Stein dadurch auflösen.

Wie lassen sich Harnleitersteine und Nierensteine entfernen?

Berührungsfreie Zertrümmerung des Nierensteins

Bei der extrakorporalen Stoßwellen-Lithotripsie (ESWL) werden Nieren- und Harnleitersteine mittels akustischer Druckwellen (Stoßwellen) in kleinste Fragmente zerkleinert, die dann spontan über den Harnleiter ausgeschieden werden. Für die ESWL geeignet sind einzelne und kleine Steine.

Endoskopische Operationen

Bei den endoskopischen Operationen gibt es zwei Zugangsmöglichkeiten:

1. Harnröhre und Harnblase = semirigide und flexible Ureterorenoskopie unter einer Video-Fernsehbildübertragung

Der Urologe führt ein dünnes Endoskop mit drei bis vier Millimetern Durchmesser über die Harnröhre und die Harnblase in den Harnleiter und manchmal auch bis in die Niere vor. Dieses gerade oder flexible Endoskop liefert ein Bild vom Inneren des Harnleiters und des Nierenhohlsystems.

Das Instrument hat zusätzliche Anschlüsse für die Spülflüssigkeit und Arbeitskanäle. Somit können Steine – bei optimaler endoskopischer Sicht – mit der Lasersonde im Harnleiter und in der Niere zerkleinert und dann mit kleinen Zangen und Fangkörbchen endoskopisch abtransportiert werden.

Meist wird am Ende dieser endoskopischen Operation in Vollnarkose eine dünne Schiene in den Harnleiter eingelegt, die den Urinabfluss sichert und den Patienten nicht belastet. Diese Schiene wird nach ein bis zwei Wochen ambulant wieder entfernt.

2. Endoskopisch über einen kleinen Hautschnitt seitlich unterhalb der 12. Rippe:

Nierensteine ab einer Größe von circa einem Zentimeter werden mit der minimalinvasiven perkutanen Nephrolitholapaxie (Mini-PNL) endoskopisch entfernt. Diese endoskopische Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. Es wird über einen kleinen Hautschnitt (circa ein Zentimeter) unter Ultraschallkontrolle ein Punktionskanal in die Niere gelegt und anschließend ein etwa bleistiftdickes Endoskop im Nierenbecken platziert. Die Steine werden in der Niere mit der Lasersonde zerkleinert und dann durch das Endoskop herausgespült. Diese endoskopische Operation ist mit einem stationären Aufenthalt von drei bis fünf Tagen verbunden. Die Komplikationsrate ist bei einem erfahrenen Operateur sehr gering.


Analyse der Nierensteine

Um eine gezielte Behandlung und Vorbeugung zu ermöglichen, ist es wichtig, die Steine im Labor auf ihre Bestandteile zu untersuchen. Sind die Nierensteine noch klein, kann der Patient versuchen, sie beim Wasserlassen mit einem Sieb aufzufangen. Entfernt der Arzt den Stein im Rahmen der Therapie, wird er ihn ins Labor schicken. Nierensteine können aus folgenden Substanzen bestehen – die meisten Steine sind Mischformen:

  • Kalziumoxalat-Steine: circa 70 Prozent
    • Kalziumoxalatmonohydrat (Whewellit)
    • Kalziumoxalatdihydrat (Weddellit)
  • Harnsäuresteine: circa 12 Prozent
  • Magnesiumammoniumphosphat-Steine (Struvitsteine): circa 8 Prozent
  • Kalziumphosphatsteine: circa 9 Prozent
    • Brushit
    • Dahllit
  • Zystinsteine: circa 1 Prozent
  • Xanthinsteine: selten

Für manche Patienten ist eine spezielle Stoffwechsel-Untersuchung ratsam

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Nierensteinen vorbeugen

Das Risiko für erneute Nierensteine kann deutlich gesenkt werden, indem die Ernährungs- und Trinkgewohnheiten angepasst werden. Bei manchen Patienten kommt es trotzdem vor, dass sich mehr als zwei Steine in drei Jahren bilden. In solchen Fällen empfehlen Urologen eine harnsteinspezifische Stoffwechseluntersuchung in einem Harnsteinzentrum. Dabei erfolgt eine genaue Analyse von Blut- und Urinparametern. Außerdem wird die Zusammensetzung der Steine untersucht.

Eine solche ausführliche Diagnostik sollte auch dann erfolgen, wenn es sich um Harnsäuresteine oder Infektsteine handelt. Infektsteine begünstigen Harnwegsinfekte – und umgekehrt. Wurden Infektsteine entfernt, ist es besonders wichtig, den Urin regelmäßig zu testen und Infektionen frühzeitig zu behandeln. Meistens wird der Urin außerdem mit Medikamenten angesäuert, um die Steinbildung zu bremsen.

Auch wenn Krankheiten wie eine Überfunktion der Nebenschilddrüse, Nierenerkrankungen oder bestimmte Magen-Darm-Erkrankungen als Ursache vermutet werden, ist eine genaue Abklärung, eine gezielte Therapie und individuelle Vorbeugung ratsam. Ebenso, wenn Harnsteine bei Kindern oder während der Schwangerschaft auftreten.


Ernährung individuell anpassen

Die Empfehlungen zur Vorbeugung müssen immer auf den einzelnen Patienten zugeschnitten sein. Generelle Ratschläge lauten:

Bevorzugen Sie eine ausgewogene Mischkost, wie sie in der traditionellen mediterranen Küche üblich ist, und verzichten Sie so oft wie möglich auf Kochsalz. Tierische Fette (Wurst, Fleisch) sollten auf dem Speiseplan eher die Ausnahme bilden. Günstig sind Getreideprodukte, vor allem Vollkornprodukte, aber auch Gemüse und Obst. Je nachdem, aus welcher Substanz sich der Nierenstein gebildet hat, sollten Sie – nach Rücksprache mit dem Arzt – bei einzelnen Nahrungsmitteln zurückhaltend sein:

  • Viel Oxalat enthalten zum Beispiel Schokolade, Erdnüsse, Rhabarber, Spinat und Spargel 
  • Viel Protein: Fleisch, Wurst und Innereien
  • Viel Glukose enthalten Marmelade, Zucker, Süßigkeiten

Das individuell passende Maß an körperlicher Bewegung tut grundsätzlich gut und trägt auch dazu bei, dass sich kleine Nierensteine erst gar nicht festsetzen. Wer Übergewicht abbaut – mit ausgewogener Ernährung und viel körperlicher Aktivität – senkt das Risiko, dass sich Harnsteine bilden. Vorsicht: Strenge Abnehmkuren sind nicht zu empfehlen, denn sie können das Risiko für bestimmte Steinarten sogar erhöhen.


Privatdozent Dr. med. Rudolf Pfab

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Beratender Experte

Dr. med. Rudolf Pfab ist Facharzt für Urologie, Privatdozent an der TU München und Leiter des Harnsteinzentrums München in der Urologischen Klinik Planegg. Zuvor war er Oberarzt in der Urologischen Klinik und Poliklinik Klinikum rechts der Isar (TU München). Dr. Pfab hat sich auf die operative urologische Endoskopie mit Schwerpunkt Harnsteinleiden und insbesondere auch auf die Vorbeugung von Harnsteinleiden spezialisiert


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, Jupiter Images GmbH/BrandXPictures, PhotoDisc/ RYF, Brand X Pictures/ RYF, W&B/Szczesny, W&B/Privat

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