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Nierenbeckenentzündung

Bei einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) handelt es sich um eine Infektion des Nierenbeckens. Die Erkrankung kann akut oder chronisch verlaufen


Harnwege: Von der Niere bis in die Harnröhre – der Weg des Urins (um die Grafik ganz zu sehen, bitte auf die Lupe klicken!)

Was ist eine Nierenbeckenentzündung?

Eine akute Nierenbeckenentzündung (akute Pyelonephritis) entwickelt sich meistens aus einer aufsteigenden Harnwegs-Infektion. Bei einer Blasen- oder Harnröhrenentzündung können die Keime über einen oder beide Harnleiter von der Blase aufwärts ins Nierenbecken wandern. Dort können sie zu einer ein- oder beidseitigen Entzündung des Nierenbeckens führen. Zum größten Teil sind Bakterien die Ursache einer Nierenbeckenentzündung.

Eine Pyelonephritis entsteht oft plötzlich. Vorwiegend Frauen sind von dem Krankheitsbild betroffen. Es gibt eine Reihe Risikofaktoren für die Erkrankung. Dazu gehören unter anderem Schwangerschaft, hohes Alter, Abnahme der Hormonproduktion in und nach den Wechseljahren, Nieren- und Blasensteine, Harnstau oder Harnabflussbehinderungen (zum Beispiel angeboren oder durch eine vergrößerte Vorsteherdrüse (Prostata) bedingt), Stoffwechselstörungen (wie Diabetes mellitus und Gicht), Entzündung der Prostata (Prostatitis) beim Geschlechtspartner, ein Dauerkatheter oder eine generell geschwächte Immunabwehr.



Unsere Expertin: PD Dr. med. Ricarda M. Bauer, Fachärztin für Urologie

Fieber, Schüttelfrost und Probleme wie Brennen beim Wasserlassen sind typische Symptome einer Nierenbeckenentzündung. Bei der ärztlichen Untersuchung schmerzt die Flanke beim Beklopfen (Flanken-Klopfschmerz). Mittels Blut-, Urin- und Ultraschall-Untersuchungen kann die Diagnose gesichert werden.

Die Behandlung einer bakteriellen Nierenbeckenentzündung erfolgt mit Antibiotika. Neben der antibiotischen Therapie ist eine körperliche Schonung dringend notwendig. Eine eventuelle Abflussbehinderung sollte ermittelt und – wenn möglich – beseitigt werden.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/ Martina Ibelherr
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Experten-Sprechstunde mit Professor Rassweiler und Dr. Hruza

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Warum bekommen Frauen öfter eine Nierenbeckenentzündung?

Insgesamt sind entzündliche Erkrankungen der Harnwege bei Frauen häufiger als bei Männern, da es sich meist um aufsteigende Infektionen handelt: Die Keime wandern durch die Harnröhre ein und können über die Blase und die Harnleiter bis in die Nierenbecken gelangen und dort Entzündungen auslösen. Da die Harnröhre der Frau im Vergleich zu der des Mannes sehr kurz ist, erreichen die Keime bei der Frau häufiger höher gelegene Teile des Harntraktes. Oft treten Nierenbeckenentzündungen bei Frauen in der Zeit kurz vor der Menstruationsblutung bis kurz nach der Menstruationsblutung, in der Schwangerschaft, bei Östrogenmangel sowie während hormoneller Verhütung (etwa Einnahme der „Pille“) auf. Schwankungen im Hormonhaushalt begünstigen das Geschehen. Die enge Nachbarschaft zwischen weiblichen Genitalorganen und Harnwegen führt dazu, dass Harnwegsinfekte häufig auch Infektionen im Bereich von Scheide, Gebärmutter und Eierstöcken begleiten.

 

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Wie werden Schwangere bei Nierenbeckenentzündung behandelt?

In der Schwangerschaft spielen bei der Entstehung einer Nierenbeckenentzündung vor allem zwei Faktoren eine Rolle: Zum einen führen Veränderungen beziehungsweise Anpassungen im Hormonhaushalt und im Bereich des vegetativen sympathischen Nervensystems zu einer Erweiterung der Harnleiter, was Keimen aus der Harnblase das Aufsteigen erleichtert. Zum anderen drückt die größer und schwerer werdende Gebärmutter auf die Harnleiter und stört damit den Harnabfluss aus den Nieren. Dies tritt aus anatomischen Gründen meist auf der rechten Körperseite auf. Entzündungen vorbeugen – dazu eignet sich am ehesten ausreichende Flüssigkeitszufuhr, weil damit die Harnwege buchstäblich gut gespült werden. Liegen und schlafen sollten Frauen während der Schwangerschaft am besten auf der linken Seite, das verringert den Druck auf den rechten Harnleiter. Eine gute Genitalhygiene ist in jedem Fall empfehlenswert.

Zeichen einer Nierenbeckenentzündung sind Flankenschmerzen (einseitig oder beidseitig), Fieber, Schüttelfrost und schweres Krankheitsgefühl. Vor einer Behandlung mit Antibiotika sollte anhand einer Urinuntersuchung im Labor klargestellt werden, welche Keime vorliegen und ob sie gegenüber bestimmten Antibiotika resistent sind. Selbstverständlich ganz wichtig: Die verwendeten Antibiotika und Schmerzmittel müssen für Schwangere geeignet sein. Bei Harnstauung kommen Maßnahmen zur mechanischen Entlastung in Frage: Linksseitenlage, bestimmte Medikamente, in schwereren Fällen die Einlage eines dünnen Kunststoffschlauches in den Harnleiter von innen (über eine Blasenspiegelung) oder auch die ultraschallkontrollierte Punktion der gestauten Niere mit Einlage eines Katheters zur Harnableitung (von außen durch die Haut im Flankenbereich).


Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza

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Von der Nierenbeckenentzündung zur Schrumpfniere – gibt es das?

Mein Mann hat eine Schrumpfniere. Schuld daran sollen frühere Nierenbeckenentzündungen sein. Sind sie vielleicht nicht ausreichend behandelt worden? Merkwürdig ist, dass er eigentlich keine Symptome hatte; er erinnert sich jedenfalls nicht, öfter Harnwegsbeschwerden und Fieber gehabt zu haben.

Die geschilderte Symptomatik deutet darauf hin, dass eine chronische Nierenbeckenentzündung die Ursache der Schrumpfniere ist. Diese entsteht durch eine nicht ausreichend behandelte bakterielle Harnwegsinfektion, zum Beispiel eine akute Nierenbeckenentzündung. Die Bakterien treten hier nur als „Starter“ der Entzündung auf. Wenn die Entzündung chronisch wird, sind dann oft gar keine Bakterien mehr vorhanden.
Ein Kennzeichen der chronischen Nierenbeckenentzündung ist, dass sie fast symptomlos und damit oft unbemerkt über lange Zeit, manchmal Jahrzehnte, verläuft. Oft treten nur unspezifische Zeichen wie rasche Ermüdbarkeit, Kopfschmerz oder Appetitlosigkeit auf, Akutzeichen wie Flankenschmerz und Fieber können in der chronischen Phase fehlen.  
Hinweise auf eine chronische Nierenbeckenentzündung können folgende Untersuchungen liefern: Urinuntersuchung (erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen im Urin, Bakterien im Urin), Blutuntersuchung (erhöhte Nierenfunktionswerte und Entzündungszeichen), nuklearmedizinische Nierenfunktionsuntersuchung (ein sogenanntes Isotopennephrogramm).

In Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen zeigen sich möglicherweise Harnabfluss-Störungen; sie können Nierenbeckenentzündungen fördern.

Bei einer Einschränkung der Funktion der betroffenen Niere – unter 20 Prozent der normalen Funktion – kann die Niere und damit der Krankheitsherd laparoskopisch (sogenannte minimal invasive oder "Schlüsselloch-Operation") entfernt werden.


Prof. Dr. med. Jens J. Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


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Unsere Experten

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Facharzt für Urologie und spezielle operative Urologie, medikamentöse Tumortherapie und Andrologie, ist Chefarzt der Urologischen Klinik der SLK-Kliniken Heilbronn GmbH.

Dr. med. Marcel Hruza ist Assistenzarzt an derselben Klinik.


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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 08.10.2012, erstellt am 13.09.2005
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/ Martina Ibelherr

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