Warum Hände und Füße einschlafen

Gelegentliches Kribbeln und Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen? Dieses „Einschlafen“ ist oft harmlos, doch es gibt auch ernste Ursachen. Wann Sie zum Arzt müssen

von Stephan Soutschek, 21.11.2015

Im Schneidersitz schlafen häufig die Füße ein

Thinkstock/ Banana Stock

Verharren wir beim Sitzen zu lange in einer Position, stellt sich manchmal ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Beinen ein. "Mein Fuß ist eingeschlafen", heißt es dann umgangssprachlich. Dieses Kribbeln oder taube Gefühl ist fast immer harmlos. Es geht schnell wieder weg, wenn wir uns bewegen. Ähnliches passiert oft an den Händen, aber im Prinzip kann jedes Körperteil "einschlafen".

Ursache für eingeschlafene Hände und Füße: Gestörte Nervenleitung

Auslöser ist meist ein Nerv, der eingeklemmt oder dessen Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen beispielsweise durch eine ungünstige Sitzhaltung gestört ist. Das stört seine Fähigkeit, Informationen richtig weiterzuleiten.


Sensible Fasern des leidenden Nervs senden Signale an das Gehirn. Das ist das Kribbeln, das wir spüren. Es dient uns als Hinweis, dass der Nerv so bald wie möglich aus seiner Lage befreit werden sollte. Ist die falsche Haltung schuld, genügt es, die Körperlage zu ändern und so den Druck von der betroffenen Stelle zu nehmen. Geschieht das nicht sofort, kommt es allmählich zu Taubheitsgefühlen.

Verschwindet der Druck rechtzeitig, zieht das Ganze keine bleibenden Schäden nach sich. Das unangenehme Kribbeln dauert zwar noch eine Zeit lang an, vergeht aber wieder.

Polyneuropathien: Krankhafte Störung der Nerven

Anders ist das bei Menschen, die unter einer sogenannten tomakulösen Neuropathie leiden. "Bei dieser Erbkrankheit sind die Nerven besonders empfindlich für Druckstellen", erklärt Dr. Gunther Karlbauer, praktizierender Neurologe in München. In diesem Fall können Quetschungen durchaus langfristige Schäden verursachen. Zwar erholt sich der Nerv meist mit der Zeit, doch der Heilungsprozess zieht sich manchmal über Monate hin.

Wer feststellt, dass seine Arme und Beine besonders leicht oder häufig "einschlafen", beziehungsweise sich nicht mehr erholen, sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Hinter der unangenehmen Empfindung können auch andere Ursachen stecken, zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall, eine Migräne mit Aura oder eine Multiple Sklerose können das Empfinden unter anderem hervorrufen. Ein Hinweis könnte es sein, wenn solche Symptome plötzlich auftreten, ohne dass der Betroffene die Ursache genau zuordnen kann.Sofort einen Notarzt rufen müssen Sie beim Verdacht auf einen Schlaganfall! Halbseitige Lähmungen sind hierführ ein Warnzeichen oder auch Sprachstörungen oder die Unfähigkeit, etwas zu greifen.

Sonst ist der erste Ansprechpartner meist der Hausarzt. Der wird bei Bedarf zum Neurologen überweisen. Er kann zum Beispiel die Nervenleitgeschwindigkeit messen, um festzustellen, ob womöglich eine Polyneuropathie die Ursache der Beschwerden ist. Bei dieser Erkrankung sind die Nerven geschädigt, was nicht nur zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen, sondern auch zu einem gestörten Schmerzempfinden führen kann. "In vielen Fällen ist Diabetes die Ursache für eine Polyneuropathie", sagt Karlbauer. Doch auch andere Faktoren wie chronischer Alkoholmissbrauch, Infektionen oder bestimmte Medikamente kommen in Frage.

Restless Legs und Karpaltunnelsyndrom

Eine weitere mögliche Ursache für Kribbelgefühle in den Beinen ist das sogenannte Restless Legs Syndrom (ruhelose Beine). Bei dieser Erkrankung verspüren Betroffene in Ruhemomenten Mißempfindungen und / oder einen Bewegungsdrang in den Beinen, seltener auch in den Armen. Das Syndrom lässt sich mit Medikamenten behandeln. Mehr darüber lesen Sie in unserem Ratgeber Restless Legs Syndrom.

Schlafen die Finger ein, kann auch eine Einengung des Mittelnervs (Nervus medianus) dafür verantwortlich sein. Dieser läuft mit verschiedenen Sehnen der Hand an der Innenseite des Handgelenks durch den engen Karpaltunnel, wo der Nerv wegen des begrenzten Raumangebots manchmal eingequetscht wird. Die Beschwerden treten häufig nachts beim Schlafen mit angewinkelten Händen auf. Hat der Mittelnerv dauerhaft zu wenig Platz, entsteht ein Karpaltunnelsyndrom.

 

Unser Experte:


privat

Dr. Gunther Karlbauer ist Neurologe in München



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