Verharren wir beim Sitzen zu lange in einer Position, stellt sich manchmal ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Beinen ein. „Mein Fuß ist eingeschlafen“, heißt es dann umgangssprachlich.
Kribbeln oder Taubheitsgefühle können an praktisch allen Stellen des Körpers auftreten. Auch Ursachen gibt es viele: Bandscheibenvorfälle, aber auch Schlaganfälle oder eine Multiple Sklerose können das Empfinden von Taubheit hervorrufen. Zu den häufigsten Ursachen gehört aber die harmlose Variante an Armen und Beinen, die durch eine ungünstige Körperhaltung zustande kommt.
Gestörte Nervenleitung
Die Ursache ist meist ein eingeklemmter Nerv, dessen Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen beispielsweise durch eine falsche Sitzhaltung gestört ist. Es kommt dann zu einem sogenannten Leitungsblock, bei dem der Nerv nur eingeschränkt Informationen weiterleitet.
Sensible Fasern des gequetschten Nervs senden daraufhin eine Warnung an das Gehirn. Das ist das Kribbeln, das wir verspüren. Es dient als Hinweis, dass der eingeklemmte Nerv so bald wie möglich befreit werden sollte. Dazu genügt es, die aktuelle Körperhaltung zu ändern und so den Druck von der betroffenen Stelle zu nehmen. Geschieht das nicht sofort, kommt es allmählich zu Taubheitsgefühlen, bevor schließlich die vom Nerv gesteuerten Muskeln gelähmt werden.
Verschwindet der Druck rechtzeitig vom betroffenen Nerv, ist die Quetschung harmlos und zieht keine bleibenden Schäden nach sich. Das unangenehme Kribbeln dauert zwar noch eine Zeit lang an, verschwindet aber wieder.
Polyneuropathien: Krankhafte Störung der Nerven
Anders ist das bei Menschen, die unter einer so genannten tomakulösen Neuropathie leiden. „Bei dieser Erbkrankheit sind die Nerven besonders empfindlich für Druckstellen“, erklärt Dr. Gunther Karlbauer, praktizierender Neurologe in München. In diesem Fall verursachen Quetschungen durchaus langfristige Schäden. Zwar erholt sich der Nerv meist mit der Zeit, doch der Heilungsprozess zieht sich manchmal über Monate hin.
Wer feststellt, dass seine Arme und Beine besonders leicht "einschlafen", sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Beim Verdacht auf einen Schlaganfall sofort den Notarzt rufen! Sonst ist der erste Ansprechpartner meist der Hausarzt. Der wird bei Bedarf zum Neurologen überweisen. Er misst unter anderem die Nervenleitgeschwindigkeit, um festzustellen, ob womöglich eine Polyneuropathie die Ursache der Beschwerden ist. Bei dieser Form von Erkrankungen ist die Leitfähigkeit der Nerven eingeschränkt. Sie geben dann nur schwache Befehle an die Muskeln weiter. Zudem ist das Schmerzempfinden gestört. „In vielen Fällen ist Diabetes die Ursache für eine Polyneuropathie“, sagt Karlbauer. Doch auch andere Faktoren wie chronischer Alkoholmissbrauch, Infektionen oder bestimmte Medikamente kommen als Verursacher in Frage.
Restless Legs und Karpaltunnelsyndrom
Kribbelt es im Bein, ohne dass ein Nerv eingeklemmt ist, liegt möglicherweise das Restless Legs (ruhelose Beine) Syndrom vor. Bei dieser Erkrankung verspüren Betroffene in Ruhemomenten einen Bewegungsdrang in den Beinen, seltener auch in den Armen. Das Syndrom lässt sich mit Medikamenten, vornehmlich Dopamin-Präparaten, behandeln.
Schlafen die Finger ein, ist oft eine Einengung des Mittelnervs (Nervus medianus) dafür verantwortlich. Dieser läuft mit verschiedenen Sehnen der Hand an der Innenseite des Handgelenks durch den engen Karpaltunnel, wo der Nerv wegen des begrenzten Raumangebots leicht eingequetscht wird. Die Beschwerden treten häufig nachts beim Schlafen mit angewinkelten Händen auf. Hat der Mittelnerv dauerhaft zu wenig Platz, entsteht ein Karpaltunnelsyndrom.
Unser Experte:
Dr. Gunther Karlbauer ist Neurologe in München
Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de;
08.08.2011, aktualisiert am 22.08.2011
Bildnachweis: privat, Thinkstock/ Banana Stock
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