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Nasenbluten (Epistaxis)
Ursachen: Nase, Nebenhöhlen

Die gefäßreiche Schleimhaut vorne auf der Nasenscheidewand ist leicht verletztlich. Daher kommt es hier häufig zu Nasenbluten


Die Nase und ihre Nebenhöhlen (Schemazeichnung)

Warum so häufig blutige Nasen?

Spontanes Nasenbluten hängt oft mit dem „Locus Kiesselbachi“ zusammen, einem oberflächlich gelegenen Gefäßgeflecht auf der Scheidewand vorne in der Nase. Vieles, was der Schleimhaut zusetzt, kann Nasenbluten in diesem Bereich begünstigen, zum Beispiel Entzündungen und Infektionen. Zu den örtlichen Ursachen gehören natürlich auch Operationen oder Verletzungen der Nase und Nasennebenhöhlen. Ein wichtiges Gefäß in der Nase ist die Keilbein-Gaumen-Schlagader. Sie, aber auch andere Adern, sind selten einmal für stärkere Blutungen aus dem hinteren oder oberen Nasengewölbe verantwortlich, sei es bei einer Verletzung, sei es bei stark erhöhtem Blutdruck.

Ursachen von Nasenbluten in der Nase und in den Nasennebenhöhlen

Drucksteigerungen in der Nase: Wer sich zu stark die Nase schnäuzt, läuft Gefahr, ein zartes Äderchen vorne in der Nase zum Platzen zu bringen und einen kleinen Blutschwall auszulösen.


Trockene Nase: Ist das Raumklima durch Heizungsluft oder eine Klimaanlage sehr trocken, verlieren die Schleimhäute in den Atemwegen Feuchtigkeit und werden schlechter durchblutet. Die Schleimhaut ist gereizt, die Gefäße sind verletzlicher. Dadurch bluten sie leichter. Auch abschwellende Schnupfenmittel können die Nase austrocknen. Da trockene Schleimhäute Krankheitserreger wie Viren und Bakterien schlechter abwehren, haben diese leichteres Spiel.

Erkältung und Grippe mit Schnupfen: Eine Nasenentzündung (akute Rhinitis) durch einen Virusinfekt (Erkältung und Grippe) mit Schnupfen gehört zu den häufigsten Atemwegserkrankungen. Die entzündete Nasenschleimhaut schwillt an. Auch dabei kann es zu Nasenbluten kommen.

Allergien: Bei Heuschnupfen oder allergischem Schnupfen durch andere Allergieauslöser ist die Nasenschleimhaut aufgrund der allergischen Reaktion ebenfalls entzündet und blutet leichter.

Verstopfte Nase durch abschwellende Schnupfenmittel (Tropfen, Sprays): Keine Frage – bei verstopfter Nase erleichtern sie schlagartig das Atmen. Doch schon nach einwöchiger Anwendung verändert sich die Schleimhaut feingeweblich und in ihrer Funktion. Sobald der abschwellende Effekt nachlässt, schwillt sie wieder an. Die Betroffenen greifen daher erneut zum Spray oder Tropffläschchen und geraten nicht selten in eine Abhängigkeit. Zudem ist das Risiko hoch, dass die Schleimhaut austrocknet und auf Dauer verkümmert. Denn Inhaltsstoffe wie Xylometazolin oder Oxymetazolin wirken nicht nur abschwellend und sekrethemmend, sondern vermindern auch die Durchblutung.
Diagnose und Therapie: Anhaltender Schnupfen oder eine verstopfte Nase sind immer gute Gründe, bald zum HNO-Arzt gehen. Er stellt die Diagnose anhand der Krankengeschichte und einer Rhinoskopie. Bei trockener Nase empfehlen sich Spülungen mit Kochsalz- oder Meersalzlösungen (Nasendusche), Inhalationen mit Salzwasser und Pflege mit einer geeigneten Nasenalbe. 

Was man selbst vorbeugend oder gegen die Beschwerden bei einer trockenen Nase tun kann, steht im entsprechenden Kapitel („Vorbeugung“).

Weitere Informationen außerdem in den Beiträgen Schnupfen, Heuschnupfen / allergischer Schnupfen, Erkältung, Grippe.

Verletzungen: Ein Sturz, Stoß oder Schlag kann einen offenen oder geschlossenen Bruch des Nasenbeines oder der Nasenscheidewand verursachen. Manchmal geht die Nase auch bei einer Schädel-Hirn-Verletzung mit zu Bruch. Zu den möglichen Folgen gehört jeweils Nasenbluten.
Symptome: Reißt die Nasenschleimhaut ein, blutet es heftig aus der Nase. Sind durch die Gewalteinwirkung Knochen- und Knorpelteile verschoben, steht die Nase schief, die seitliche Wand ist eingedrückt. Wenn der Nasenrücken durch einen Bluterguss stark angeschwollen ist, kann eine leichte Verformung zunächst verborgen bleiben. Durch einen Bluterguss in der Nasenscheidewand wird die Atmung durch die Nase teilweise oder vollständig behindert. Die Nase schmerzt und es besteht ein starkes Druckgefühl.
Diagnose und Therapie erfolgen je nach Art und Ausmaß der Verletzung in einer HNO-Klinik, eventuell auch in einer Klinik für Unfallchirurgie oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie.

Operationen im Nasen-Rachen-Raum oder der Nebenhöhlen: Bei einer Mandeloperation (Entfernen der Rachen- und Gaumenmandeln, Fachbegriff: Adeno-Tonsillektomie) ist bis über eine Woche danach eine Blutung möglich. Um diese Zeit löst sich meistens der Schorf, und dann kann es wieder heftiger bluten – in den Rachen und aus dem Mund. Das wird manchmal mit Nasenbluten verwechselt. Operationen der Nasenscheidewand, Nasenmuscheln oder Nebenhöhlen ziehen mitunter ebenfalls Blutungen nach sich.
Therapie: Blutstillende Maßnahmen durch den HNO-Arzt (siehe auch Kapitel „Therapie“), unter Umständen Nachoperation.

Knöcherne Sporne und Leisten der Nasenscheidewand: Leichte Unebenheiten und Verkrümmungen der Nasenscheidewand sind eigentlich ganz normal. Stark hervorstehende Sporne oder Knochenleisten können die empfindliche Schleimhaut der Nasenmuschel verletzen, sodass sie blutet.
Diagnose: „Formfehler“ des Nasengrüstes haben oft eine äußere wie innere Seite. Das heißt, äußerlich sichtbare Verformungen sind mit inneren Veränderungen verbunden und umgekehrt. Der HNO-Arzt denkt hier also ganzheitlich. Knochensporne oder -leisten auf der Scheidewand und durch sie verursachte Blutungen stellt er fest, indem er mittels Rhinoskop oder Endoskop Einblick in die Nasenhöhle nimmt.
Therapie: Operative Begradigung (sogenannte Septorhinoplastik).

Loch in der Nasenscheidewand (Nasenseptum- oder Septumperforation): Risikofaktoren sind wiederholtes Veröden von Gefäßen bei Nasenbluten, eine Operation der Nasenscheidewand, eine ausgeprägt trockene oder geschädigte Nasenschleimhaut, vereitertes Knorpelgewebe im Nasenseptum nach einer Verletzung, bestimmte chronisch-entzündliche Krankheiten, zum Beispiel die Wegener-Granulomatose (siehe unten), ätzende Chemikalien und anderes mehr.
Zu den Symptomen gehören Nasenbluten, Krusten in der Nase, behindertes Atmen durch die Nase.
Therapie: Je nach Lage, Größe und Beschwerden durch den Defekt – er kann auch symptomlos sein – wird dieser nicht behandelt oder aber operativ verschlossen. Der HNO-Arzt hat hier verschiedene Techniken zur Hand.

Barotrauma der Nasennebenhöhlen: Unter einem Barotrauma versteht man körperliche Störungen und Verletzungen durch Luftdruckunterschiede. Wenn die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum geschwollen sind, zum Beispiel bei einer Erkältung, kann der Druckausgleich zwischen den lufthaltigen, teils miteinander verbundenen Zonen des Nasen-Rachen- und Nebenhöhlen-Raumes erschwert sein. Auch größere Polypen behindern den Druckausgleich. In ausgeprägten Fällen kommt es in den Nebenhöhlen dann zu Schleimhautblutungen und zum Austritt von Blut aus der Nase. Relevant ist das zum Beispiel beim Tauchsport.
Weitere mögliche Symptome: Schmerzen über oder hinter dem Augen, im Bereich der Wange oder Schmerzen im Oberkiefer („Zahnschmerzen“), Kopfschmerzen.
Erste Hilfe: Hinsichtlich Nasenbluten siehe Kapitel „Erste Hilfe, Selbsthilfe“. Gegen Schmerzen hilft ein Schmerzmittel wie zum Beispiel Paracetamol. Niesen, Nasenschnäuzen und Husten vermeiden, sicherheitshalber gleich zum Arzt gehen.

Tumoren der Nase und Nasennebenhöhlen: Gut- und bösartige Geschwülste der Nasenhöhle oder in einer Nasennebenhöhle gehören zu den seltenen Geschwulsterkrankungen. Sie können sich zum Beispiel aus der obersten Deckschicht oder aus den Drüsenzellen der Schleimhaut entwickeln. Daneben gibt es noch verschiedene andere Tumorarten.
Gutartig sind zum Beispiel das gefäßreiche, juvenile Nasenrachenfibrom, das ausnahmslos bei männlichen Jugendlichen auftritt, und das sogenannte invertierte Papillom. Letzteres kann jedoch benachbartes Knochengewebe zerstören und sich mitunter in einen bösartigen Tumor verwandeln.
Symptome (gutartige Geschwülste): Nasenbluten auf der erkrankten Seite, Ausfluss aus der Nase, behinderte Nasenatmung, Kopfschmerzen, eventuell Belüftungsstörung zum Mittelohr hin (sogenannte Tubenfunktionsstörung; unter Tube verstehen Mediziner den Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Nasen-Rachen-Raum).
Diagnose: Spiegelung der Nase (Endoskopie). Anders als beim invertierten Papillom entnimmt der Arzt bei einem juvenilen Nasenrachenfibrom wegen der erhöhten Blutungsgefahr keine Gewebeprobe für die Diagnose. Weiterführende endoskopische und bildgebende Verfahren dienen zum Ausschluss anderer Geschwulstarten, zum Beispiel gutartiger Polypen (Adenoide).
Therapie: Falls ein Nasenrachenfibrom stärkere Beschwerden macht, ist es sinnvoll, die Geschwulst zu entfernen. Wegen der erhöhten Blutungsgefahr müssen zuvor „kritische“ Gefäße über einen Katheter verschlossen werden. Ein invertiertes Papillom entfernt der HNO-Arzt von vornherein, da es relativ aggressiv wächst. Anschließend sind regelmäßige Nachkontrollen notwendig.

Zu den bösartigen Geschwülsten gehören das Plattenepithelkarzinom und das Adenokarzinom, aber auch andere Tumorarten. Auslösende Faktoren: Tabakrauch, Schnupftabak, Alkohol beim Plattenepithelkarzinom, Hartholzstäube beim Adenokarzinom. Letzteres ist eine anerkannte Berufskrankheit bei Holzarbeitern. An bösartigen Krebserkrankungen der Nasenhöhle und Nebenhöhlen erkranken überwiegend Männer. Solange sie noch klein sind, machen die Tumoren keine Beschwerden. Daher werden sie meistens erst in einem fortgeschrittenen Stadium festgestellt.
Symptome: Die Krankheitszeichen hängen von der Lage und Größe des Tumors ab. Falls er zum Beispiel in den Boden einer Kieferhöhle und von dort in den Zahnbereich und die Mundhöhle wächst, kommt es zu Beschwerden am Gaumen, Zahnschmerzen oder Problemen mit der Prothese. Befindet sich der Tumor in der Nasenhöhle, behindert er die Atmung durch die Nase und kann eitrig-blutigen Ausfluss und Nasenbluten verursachen. Möglich sind auch starke Kopfschmerzen oder Doppelbilder. Außerdem können sichtbare Schwellungen und einseitige Schwerhörigkeit auftreten. Am Hals vergrößern sich unter Umständen Lymphknoten. Mögliche Allgemeinsymptome sind ungewollte Gewichtsabnahme, Nachtschweiß, Fieber.
Diagnose: Angaben zur individuelle Krankengeschichte, insbesondere zur Berufstätigkeit und zum Gebrauch von Genussmitteln, sind für die Diagnose sehr wichtig, natürlich auch mögliche örtliche Beschwerden und eine sorgfältige körperliche Untersuchung. Die Spiegelung der Nase (Endoskopie) liefert weitere Informationen. Bildgebende Verfahren können die Diagnose erhärten.
Therapie: Bösartige Tumoren werden so weit wie möglich entfernt, eventuell nachbestrahlt. Teilweise schließt sich eine Chemotherapie an. Regelmäßige Kontrollen (Nachsorge) sind fester Bestandteil des Therapieplans.




Bildnachweis: W&B/ Jörg Kühn
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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; 28.02.2011, aktualisiert am 20.08.2013
Bildnachweis: W&B/ Jörg Kühn

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