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Nasenbluten (Epistaxis)
Ursachen: Innere Erkrankungen

Manchmal ist Nasenbluten Anzeichen einer Erkrankung oder Veränderung, die den ganzen Körper betrifft, und reiht sich in weitere Beschwerden ein


Auch eine gestörte Blutgerinnung verursacht manchmal Nasenbluten

Einige innere Erkrankungen gehen mit einer krankhaft vermehrten Blutungsneigung (Fachausdruck: hämorrhagische Diathese) einher und können dann auch Nasenbluten auslösen. Das sind zum einen Störungen der Blutgerinnung. Zum anderen kommen Gefäßerkrankungen infrage. Dabei geht es häufiger um die kleinsten Gefäße, die Kapillaren. Sie werden verletzlicher oder durchlässiger. Allerdings führt das nur selten zu stärkeren Blutungen.

Störungen der Blutgerinnung

Die Blutgerinnung ist ein kompliziertes, fein ausbalanciertes System, das den Körper vor zu wenig und zu viel Gerinnung schützt. Diese läuft in mehreren Phasen ab. Anfangs sind vor allem die Blutplättchen gefordert. Ihnen fällt die Aufgabe zu, im verletzten Bereich einen ersten Pfropfen zu bilden. Gleichzeitig zieht sich das blutende Gefäß vorübergehend etwas zusammen. In der nächsten Phase kommen die körpereigenen Gerinnungsfaktoren ins Spiel. Sie bilden einen dichten Verschluss, der fest mit den Wundrändern verklebt. Später wird der Schorf abgebaut.


Je nachdem, welche Einflüsse an welchem Punkt überwiegen, kann die Gerinnung verstärkt oder vemindert sein. Im letzteren Fall können leichter spontane Blutungen auftreten. Mögliche Anzeichen sind zum Beispiel Schleimhautblutungen in Form von Nasenbluten, auch auf beiden Seiten, Zahnfleischbluten, rötlichem Urin. Oder es kommt zu Hautblutungen in Gestalt kleiner Punkte oder Flecken. Sie zeigen sich meistens vorne an den Unterschenkeln oder am Gesäß. Bei einer Verletzung oder Operation kann es unerwartet stark bluten. Dass eine innere Blutung oder Gehirnblutung auftritt, ist insgesamt eher selten. Mögliche Folgen einer verstärkten Blutungsneigung sind eine Blutarmut oder, bei akutem, sehr starkem Blutverlust, ein Kreislaufschock. Hier die wichtigsten Ursachen:

Medikamente: Cumarine sind Medikamente, die die Blutgerinnung herabsetzen (sogenannte Antikoagulanzien), indem sie das für die Gerinnung wichtige Vitamin K überspielen. Sie heißen daher auch Vitamin-K-Antagonisten. Antagonisten sind Gegenspieler. Das in diesem Zusammenhang übliche Wort „Blutverdünnung“ ist eigentlich nicht zutreffend. Der richtige Fachbegriff lautet „Antikoagulation“. In Deutschland wird als Cumarin häufig Phenprocoumon eingesetzt. Zahlreiche Medikamente können die Wirkung von Cumarinen verstärken. Inzwischen stehen auch neue Arzneistoffe zur Hemmung der Gerinnung für bestimmte Behandlungsituationen (zum Beispiel zum Thromboseschutz nach Gelenkersatz an der Hüfte oder am Knie) zur Verfügung, etwa Dabigatran.
Andere gerinnungshemmende Arzneimittel wie Clopidogrel beeinflussen die gerinnungsaktiven Blutplättchen. Dies gilt auch für Acetylsalicylsäure, die zu den nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) gehört. Die genannten Medikamente werden bei Herz- und Gefäßkrankheiten eingesetzt (Acetylsalicylsäure hier in einer niedrigen Dosis täglich). Daneben gibt es weitere Stoffe, die die Gerinnung hemmen, zum Beispiel Heparin. Der Arzt wird bei einem Patienten mit Nasenbluten immer prüfen, ob ein gerinnungshemmendes Medikament verantwortlich ist. Vielleicht liegt auch eine Wechselwirkung zwischen mehreren Medikamenten vor, die dazu führt, dass die Blutungsneigung zunimmt.
Symptome: Zu den leichteren Zeichen erhöhter Blutungsneigung gehören gelegentliches Nasenbluten, Zahnfleischbluten und Blutergüsse nach Verletzungen. Gehen Sie in diesen Fällen, insbesondere auch, wenn sich der Urin rötlich oder braun verfärbt, sogleich zum Arzt. Das git auch, wenn Sie schwarzen Stuhl oder Blutauflagerungen bemerken.
Diagnose: Die Blutgerinnung wird anhand verschiedener Tests überprüft. Einer davon – und sehr aussagekräftig – ist die Bestimmung der sogenannten Prothrombinzeit. Sie dient vor allem unter der Behandlung mit Cumarinen dazu, die Dosis zu steuern. Dabei arbeiten Ärzte heute bevorzugt mit dem sogenannten INR-Wert, einem internationalen Standard, der es ermöglicht, die Ergebnisse aus verschiedenen Labors miteinander zu vergleichen. Je größer der INR-Wert ist, umso langsamer gerinnt das Blut. Vielen Patienten ist in diesem Zusammenhang auch der Begriff „Quick-Wert“ geläufig, eine umgerechnete Angabe in Prozent, die aber von Labor zu Labor unterschiedlich ausfallen kann. Es gibt übrigens auch die Möglichkeit, den INR- (und Quick-)Wert mit einem entsprechenden Gerät selbst zu messen. Meistens lassen Patienten aber den Wert vom Arzt kontrollieren.
Therapie: Bei einer Cumarin-Überdosierung reduziert der Arzt die Dosis oder setzt das Medikament bis auf Weiteres ab. Zusätzlich verabreicht er eventuell Vitamin K. Um bei einer schweren oder bedrohlichen Blutung unter einer Antikoagulanzien-Therapie deren Wirkung schnell aufzuheben, setzen Ärzte sogenanntes Prothrombinkonzentrat ein. Es enthält die von Vitamin K abhängigen Gerinnungsfaktoren.

Mangel oder verminderte Wirkung von Vitamin K: Vitamin K spielt unter anderem eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung. Wir nehmen es als Vitamin K1 über viele Lebensmittel auf, insbesondere grünes Gemüse wie Kohl und Spinat. Daneben findet sich der wichtige fettlösliche Stoff in Milch und Milchprodukten, Fleisch, Eiern, Obst und Getreide. Darmbakterien stellen Vitamin K2 her. Bestimmte Medikamente zur Blutverdünnung, die Cumarine (siehe oben), setzen die Wirkung von Vitamin K im Gerinnungssystem herab und damit die Blutgerinnung. Ein Vitamin-K-Mangel ist eher selten. Dazu bedarf es zum Beispiel einer starken Unterernährung oder extrem vitaminarmen Diät. Oder die Versorgung mit dem Vitamin ist durch eine Störung der natürlichen Darmflora bei schweren Magen-Darm-Erkrankungen oder Einnahme von Antibiotika gefährdet. Auch ausgeprägte Leber- und Gallenerkrankungen verhindern mitunter, dass das Vitamin aus dem Darm ins Blut gelangt.
Symptome: Fehlt Vitamin K, dann sind Nasenbluten, Zahnfleischbluten, blaue Flecke und Blut im Urin möglich. Ansonsten stehen Symptome der jeweils zugrunde liegenden Erkrankung im Vordergrund. Neugeborene und voll gestillte Säuglinge im ersten Lebensmonat haben einen natürlichen Vitamin-K-Mangel und damit verbunden ein erhöhtes Risiko für Gehirnblutungen. In Deutschland wird daher zurzeit die Prophylaxe mit Vitamin-K-Tropfen empfohlen.
Diagnose: Symptome möglicher Grunderkrankungen bei Vitamin-K-Mangel sind richtungsweisend für die Diagnose. Zu Blutungen, darunter Nasenbluten, kommt es allerdings weitaus häufiger durch Unregelmäßigkeiten bei der Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulanzienbehandlung, siehe oben).
Therapie: Fehlendes Vitamin K wird ersetzt.

Bluterkrankheiten (Hämophilien): Hämophilie umfasst unterschiedliche, erbliche (angeborene) sowie im Laufe des Lebens erworbene Gerinnungsstörungen. Beide Gruppen sind selten. Die erbliche Form betrifft überwiegend Männer. Nach Angaben von www.haemophilie.org (siehe Kapitel Literatur) ist aber etwa nur einer von 5000 Jungen betroffen. Frauen können Überträgerinnen sein, erkranken selbst aber fast nie. Die Hämophilie A mit Fehlen des Gerinnungsfaktors VIII ist die schwerste und häufigste Form. Manchmal ist der Faktor zwar nachweisbar, aber weniger aktiv. Das kann unterschiedlich ausgeprägte Hämophilie-A-Formen zur Folge haben. Bei der insgesamt noch selteneren Hämophilie B fehlt der Faktor IX, oder er ist inaktiv. Daneben gibt es noch andere erbliche Hämophilien. Bei den ebenfalls seltenen erworbenen Formen bildet der Körper aus verschiedenen Gründen Immunstoffe (Antikörper) gegen Gerinnungsfaktoren.
Symptome: Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Blutungen nach einer Zahnextraktion oder verstärkte Regelblutungen sind mitunter Anzeichen einer leichten Hämophilie. Eine Wunde kann nachbluten, da sie sich langsamer oder nicht richtig verschließt. Bei schweren Formen treten flächige Blutungen auf, häufig in Gelenken, Muskeln und Haut. Auch ist die Gefahr innerer Blutungen erhöht.
Diagnose: Die Familiengeschichte gibt wichtige Hinweise, ebenso die Art der Blutung. Die Gerinnungszeit des Blutes ist verlängert, und damit auch ein Suchtest im Blut für Gerinnungsstörungen namens partielle Thromboplastinzeit (PTT). Im Blut lässt sich zudem feststellen, ob die Gerinnungsfaktoren VIII und IX fehlen oder zu wenig aktiv sind.
Therapie: Die Behandlung läuft in enger Anbindung an ein Hämophiliezentrum. Je nach Ausprägung wird der Gerinnungsfaktor bei Bedarf zur Behandlung einer Blutung oder dauernd ersetzt. So lässt sich ein Mindestmaß an Gerinnung erreichen. Der Arzt spricht hier von einer Substitutionstherapie. Die Betroffenen können sich „ihren“ Gerinnungsfaktor heute nach entsprechender Schulung auch alleine spritzen und dadurch ein weitgehend normales, selbstständiges Leben führen. Manchmal setzt der Arzt zusätzlich ein Präparat ein, das den Wundpfropfen vor der natürlichen Auflösung schützt. Oder, im Falle leichterer Blutungen bei Hämophilie A, auch den Stoff Desmopressin (DDAVP). Der künstlich hergestellte Abkömmling eines körpereigenen Hormons erhöht die Blutspiegel des Gerinnungsfaktors VIII und des Willebrand-Faktors (siehe unten). Eine weitere Behandlungsmöglichkeit, zum Beispiel bei Nasenbluten, ist Tranexamsäure örtlich als Gel oder in Tablettenform.

Willebrand-Syndrom (von Willbrand-Jürgens-Syndrom): Neben der Hämophilie gibt es noch weitere Störungen im Gerinnungssystem. So können beispielsweise die Blutplättchen (Fachbegriff: Thrombozyten) nicht richtig funktionieren, weil bestimmte körpereigene Gerinnungsstoffe fehlen oder zu wenig aktiv sind. Dabei geht es vor allem um den von Willebrand-Faktor. Das damit verbundene von Willebrand-Syndrom ist die häufigste angeborene Gerinnungsstörung. Sie betrifft Frauen und Männer gleichermaßen und kommt in verschiedenen Formen vor. Wie hoch die Blutungsneigung ist und welche Art von Blutungen auftreten, hängt von der Ausprägung der Erkrankung ab. Die leichten Formen überwiegen.
Symptome: In erster Linie kommt es zu wiederholten Schleimhautblutungen wie Nasenbluten, Zahnfleischbluten, verstärkten Regelblutungen. Nach einem Eingriff oder einer Entbindung können stärkere Blutungen auftreten. Teilweise sind Muskel- und Gelenkblutungen wie bei einer Hämophilie möglich.
Diagnose und Therapie: Bestimmung der sogenannten Blutungszeit, Gerinnungstest, spezielle Analysen des von-Willebrand-Faktors und weitere Laboruntersuchungen. Die Behandlung richtet sich nach der genauen Form der Erkrankung. Ein Präparat mit dem Gerinnungsfaktor VIII und dem Willebrandfaktor kommt zum Beispiel bei den Formen 1, 2 und 3 infrage, dazu ein Arzneistoff namens Tranexamsäure. Teilweise setzt der Arzt auch das Medikament Desmopressin ein (siehe jeweils oben: Hämophilie).

Mangel an Blutplättchen: Es gibt angeborene und erworbene Ursachen für einen Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie), zudem die Ursache „unbekannt“. Hier kommen mitunter Störungen des Immunsystems ins Spiel. Grundsätzlich kann die Bildung im Knochenmark beeinträchtigt sein, oder die zirkulierenden Plättchen werden beschleunigt abgebaut. Ärzte sprechen hier von erhöhtem Umsatz. Beide Störungen kommen auch kombiniert vor.
Es sind zahlreiche Faktoren bekannt, die das Knochenmark und damit die Bildung der Blutplättchen behindern können. Dazu gehören eine angeborene Form der Blutarmut, Virusinfekte, Chemikalien, eine Strahlenbehandlung, Leukämien und andere Krebserkrankungen. Immunologische Störungen wie beispielsweise die Werlhof-Krankheit, deren Ursache unklar ist, führen zum beschleunigten Abbau der Blutplättchen. Möglich ist das auch bei Erkrankungen der Leber oder Milz, verstärktem Abbau oder „Umsatz“ von Blutplättchen infolge bestimmter akuter Krankheiten oder durch verschiedenste Medikamente (darunter beispielsweise Acetylsalicylsäure, Antibiotika, Psychopharmaka).
Die Symptome richten sich nach der Ausprägung und Ursache im Einzelnen. Einen mäßigen Mangel an Blutplättchen toleriert der Körper meistens gut, wenn die Gerinnung und die Gefäße ansonsten intakt sind. Manchmal kann es jedoch zu Nasen- oder Zahnfleischbluten, verlängerten Regelblutungen, kleinen Blutergüssen und punktförmigen oder kleinflächigen Blutungen in der Haut kommen. Sie lassen sich bei der Untersuchung mit einem durchsichtigen Spatel nicht wegdrücken. Bei ausgeprägtem Mangel sind jedoch schwere Blutungen möglich.
Diagnose, Therapie: Eine Thrombozytopenie liegt vor, wenn der Wert von 140.000 / Mikroliter unterschritten wird (Erwachsene). Die Thrombozyten werden beim Anfertigen eines Blutbildes im Labor ausgezählt. Um die Diagnose stellen zu können, sind meistens noch ergänzende Untersuchungen nötig. Danach kann die Therapie beginnen. Ist die Zahl der Blutplättchen sehr niedrig, sodass das Blutungsrisiko stark erhöht ist oder spontane Blutungen auftreten, ist im Vorfeld schon eine Übertragung von Blutplättchen (sogenanntes Thrombozytenkonzentrat) möglich. Die weitere Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung.


Gefäßerkrankungen

Auch hier lassen sich verschiedenste Krankheiten unter dem Stichwort „mögliche Ursache von Nasenbluten“ zusammenfassen:

Gefäßverkalkung (Arteriosklerose): Bei dieser chronischen Erkrankung der Schlagadern (Arterien) kommt es zu Ablagerungen in der Gefäßwand. Sie verliert an Elastizität und verdickt sich, die Lichtung wird enger. Das kann den Blutfluss und damit die Durchblutung verschlechtern. Empfindliche Organe wie Herz und Gehirn sind besonders gefährdet für bedrohliche Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Weitere ernsthafte Komplikationen sind das Raucherbein oder eine Aussackung an der Körperschlagader (Aortenaneurysma). Häufig verursachen die Gefäßveränderungen  Bluthochdruck. Nicht zuletzt können sie zu Nasenbluten führen.

Es gibt verschiedene Formen der Arteriosklerose, je nachdem, ob eher eher die großen oder die kleinen Gefäße betroffen sind. Auch bei der ganz natürlichen Alterung der Adern spielt Verkalkung eine Rolle. Doch hat nicht jeder ältere Mensch verkalkte Gefäße. Von einem bekannten Arteriosklerose-Forscher stammt der Satz: „Der Mensch ist so jung wie seine Gefäße“. Wer gesund lebt, hat in der Tat gute Chancen, dass die Gefäße und damit auch Körper und Geist lange fit bleiben. Eher das Gegenteil bewirken Rauchen, Fettstoffwechselstörungen – vor allem erhöhtes Cholesterin –, die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2) und Bewegungsmangel: Diese Herz-Kreislauf-Risikofaktoren fördern Verkalkungen.
Symptome, Diagnose, Therapie: Sie hängen jeweils von den Begleitumständen, Grunderkrankungen und möglichen Folgekrankheiten ab. Gefäßpulse lassen sich teilweise schlechter oder nicht bei der Untersuchung tasten. An der Netzhaut sind Gefäßveränderungen bei der Spiegelung des Augenhintergrundes (Ophthalmoskopie oder Funduskopie) erkennbar. Ob andere Gefäßbereiche ebenfalls betroffen sind, zum Beispiel an den Beinen oder am Hals – hier verlaufen Arterien, die den Kopf versorgen –, zeigt sich dann genauer bei der Untersuchung mit Ultraschall (sogenannter Gefäßdoppler). Ein gesünderer Lebensstil einschließlich Rauchverzicht ist absolut empfehlenswert, auch dann, wenn schon erste Gefäßschäden bestehen und der Arzt eine spezielle Behandlung eingeleitet hat. 

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Bluthochdruck macht anfangs wenig Symptome. Manchmal kommt es zu Unwohlsein, Müdigkeit, Schwindel. Nasenbluten kann bisweilen ein Anzeichen sein, auch bei Kindern und in der Schwangerschaft. Ein plötzlicher Druckanstieg in den Gefäßen, die möglicherweise durch den Hochdruck und / oder eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) angegriffen und weniger widerstandsfähig sind, kann als Auslöser infrage kommen. Nicht selten nehmen die Patienten auch ein gerinnungshemmendes Medikament ein, was Nasenbluten zusätzlich Vorschub leistet. Offenbar begünstigt ein deutlich erhöhter Blutdruck zudem Blutungen aus dem hinteren Nasengewölbe.
Blutdruckmessen gehört bei Patienten mit Nasenbluten immer zu den ersten Maßnahmen beim Arzt. Ist der Druck erhöht, kümmert sich nach der Blutstillung ein Internist oder Kardiologe um die weitere Therapie.

Mehr Informationen im Beitrag „Bluthochdruck“.

Purpura Schönlein-Henoch: Bei diesem Krankheitsbild kommt es zu krankhaften Immunreaktionen im Bereich kleinerer Blutgefäße. Manchmal geht eine Grippe voraus, oder es liegt bereits eine andere Erkrankung des Immunsystems vor. Gelegentlich entwickeln sich die entzündlichen Gefäßveränderungen nach Einnahme bestimmter Medikamente. Es gibt auch die Variante „Auslöser unbekannt“. Typisch sind punktförmige bis flächenhafte Hautblutungen. Manchmal treten auch Schleimhautblutungen auf. Betroffen sind überwiegend Kinder.
Symptome: Mitunter blutet es auf beiden Seiten aus der Nase. Im Vordergrund stehen allerdings Schwellungen und stippchen- oder blasenförmige Hautblutungen an den Unterschenkeln, Füßen, am Unterbauch, bei Jungen auch im Hodenbereich. Die Gelenke können anschwellen und schmerzen. Blutiger Urin und Bluthochdruck weisen auf eine Beteiligung der Nieren hin, blutiger Stuhl auf eine Entzündung von Darmgefäßen.
Diagnose, Therapie: Der Kinderarzt stellt die Diagnose anhand der Symptome. Meistens ist keine Therapie nötig, sondern es genügt Bettruhe während des akuten Stadiums. Es dauert oft nur wenige Tage. Bei schweren Formen, die meist langwieriger verlaufen, erkranken innere Organe wie der Darm oder die Nieren. Dann kann zum Beispiel eine Gewebeentnahme aus der Niere nötig sein, um die Diagnose zu sichern und eine Therapie einzuleiten. Dabei geht es um recht starke Medikamente, die die Immunreaktionen unterdrücken, unter anderem Kortison. Ein zu hoher Blutdruck wird medikamentös gesenkt.

Osler-Krankheit (Morbus Rendu-Osler-Weber): Bei der Erbkrankheit treten meistens ab der Pubertät Blutungen aus sogenannten Gefäßknötchen (Blutschwämmchen oder Hämangiomen) auf. Sie beruhen auf unregelmäßigen Erweiterungen am Übergang hauchdünner Arterien in feinste Venen, dem Gefäßgebiet der Kapillaren. Die roten, unregelmäßig fleckigen „Schwämmchen“ sind oft schon mit bloßem Auge im Gesicht, in der Mundschleimhaut oder an den Fingern sichtbar. Sie lassen sich mit einem durchsichtigen Spatel bei der ärztlichen Untersuchung wegdrücken.
Symptome: Nasenbluten ist ein Leitsymptom, da die Gefäßknötchen häufig auch in der Nasenschleimhaut vorkommen. Jedoch sind manchmal auch innere Organe oder das Gehirn mitbetroffen und blutungsgefährdet. Alles in allem sind ernsthafte Blutungen aber eher selten.
Diagnose: Aufschluss gibt einmal die individuelle Krankengeschichte. Da die Erkrankung erblich ist, kann zum anderen die Familiengeschichte aufschlussreich sein. Der Kapillarresistenztest (Rumpel-Leede-Test) weist auf eine verminderte Kapillarfestigkeit hin. Der Arzt prüft bei wiederholtem Nasenbluten auch, ob eine Blutarmut vorliegt. Mithilfe verschiedener bildgebender Verfahren lassen sich gegebenenfalls Gefäßanomalien auch in anderen Organen feststellen. Die Diagnose beruht auf einer Genanalyse im Blut.
Therapie (Nasenbluten): Blutstillung durch eine Nasentamponade oder Verödung. Nachhaltiger ist eine Transplantation eines kleinen Stückchens körpereigener Haut. Gute Nasenpflege hilft außerdem, Blutungen vorzubeugen. Mehr dazu in den Kapiteln„Therapie“ und „Vorbeugung“.

Wegener-Granulomatose: Diese Autoimmunkrankheit führt dazu, dass sich kleinere und mittelgroße Blutgefäße entzünden. Im Bindegewebe entstehen Knötchen (Granulome), in denen sich kleine Geschwüre bilden. Zuerst sind der Nasen-Rachen-Raum, hier insbesondere auch die Nasenscheidewand, die Bronchien und die Lungen betroffen. Später können sich die Entzündungen ausdehnen und vielfältige Krankheitserscheinungen verursachen, zum Beispiel an den Nieren, Gelenken, Augen und Nerven. Dabei treten auch Fieberschübe, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit und Nachtschweiß als Zeichen der den Körper insgesamt betreffenden Erkrankung auf.
Symptome (HNO-Bereich): chronischer, oft blutiger und eitriger Schnupfen, starke Krusten und Borken in der Nase, entzündete Nasennebenhöhlen, Ohrentzündungen, die auch auf den Knochenfortsatz hinter dem Ohr (Mastoid) übergreifen können, Kopfschmerzen. Später kann sich der Nasenrücken verformen („Sattelnase“).
Diagnose: Klinische Befunde, Blutanalysen, Gewebeproben, bildgebende Verfahren.
Therapie (HNO-Bereich, Atemwege): Die Behandlung erfolgt in der Regel zunächst mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), unter anderem Kortison, und sogenannten Zytostatika wie Methotrexat. Zytostatika hemmen die Zellteilung. Nach Rückbildung des Krankheitsbildes (Remission) oder deutlicher Besserung schließt sich eine Erhaltungstherapie an. Dabei kommen ebenfalls die genannten Medikamente zur Anwendung. Die Dosis kann niedriger sein, oder es wird eine veränderte Kombination bevorzugt. Dabei setzt der Arzt manchmal auch Trimethoprim-Sulfamethoxazol, ein spezielles Antibiotikum, zusammen mit Methotrexat ein.

Mangel an Vitamin C (Skorbut): Vitamin-C-Mangel schwächt nach einiger Zeit das Bindegewebe, weil der Aufbau von Kollagen gestört wird. Die feinen Kapillargefäße werden brüchig. Die Folge sind unter anderem kleinfleckige Kapillarblutungen in der Haut und in anderen Körperbereichen. Im Gegensatz zu Regionen dieser Welt, wo Menschen noch an schwerer Unterernährung leiden, gehört der Skorbut heute bei uns der Vergangenheit an. Denn wir können uns an einer großen Auswahl an Obst, Zitrusfrüchten und Gemüse erfreuen, und dies das ganze Jahr über. Der tägliche Vitamin-C-Bedarf liegt bei 100mg; 20mg des verfügbaren Vitamins genügen schon, um die Mangelkrankheit zu vermeiden. Aber nicht nur der Mangel, sondern auch überhöhte Zufuhr ist der Gesundheit offenbar nicht förderlich.
Symptome: Vitamin-C-arme Ernährung über etwa zwei bis vier Monate macht richtig krank. Unter anderem kommt es zu Zahnfleischentzündungen (Gingivitis), Zahnfleischwucherung, Zahnfleischbluten, Zahnausfall, einer Mundschleimhautentzündung (Stomatitis) sowie Nasenbluten. Wunden heilen schlecht, die Betroffenen sind erschöpft, müde und vermehrt anfällig für Infektionen. Auch können schmerzhafte Blutungen unter der Knochenhaut auftreten.
Therapie: Die Behandlung besteht in der Einnahme von Vitamin C und richtet sich ansonsten nach den Symptomen.




Bildnachweis: iStock/jakbchuk
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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 20.08.2013,
Bildnachweis: iStock/jakbchuk

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