Nagelpilz

Pilze können auch die Nägel befallen – man spricht dann von Nagelpilz oder Onychomykose. Mehr über Symptome, Therapie und Vorbeugung von Nagelpilz

aktualisiert am 20.11.2015

Unschön: Bei Nagelpilz können sich die Nägel verdicken und gelblich verfärben

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nach obenWas ist Nagelpilz?

Nagelpilz, von Medizinern auch als Onychomykose (von Onycho = Nagel, Mykose = Pilzerkrankung) bezeichnet, ist eine Pilzinfektion der Nägel. Sie wird in den meisten Fällen durch Fadenpilze, so genannte Dermatophyten, seltener durch Hefe- oder Schimmelpilze verursacht.


Nagelpilzerkrankungen müssen stets ärztlich diagnostiziert werden. Denn im Gegensatz zur Therapie des Fußpilzes ist eine Nagelpilzbehandlung komplizierter und langwieriger.

Wird der befallene Nagel nicht richtig behandelt, besteht die Gefahr, dass der Pilz ihn komplett zerstört und zudem die benachbarten Nägel befällt. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern kann erhebliche Schmerzen verursachen und zu Beeinträchtigungen beim Gehen führen.


Feucht-warmes Klima im Schuh? Das lieben Pilze!

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nach obenUrsachen

Eine Infektion des Nagels wird meist von Fadenpilzen, allen voran der Art Trichophyton rubrum, hervorgerufen. Seltener sind Hefe- oder Schimmelpilze die Ursache. Fadenpilze, Dermatophyten genannt, finden an der Körperoberfläche geradezu ideale Lebensbedingungen. Denn sie haben es auf Keratin abgesehen: Die Hornsubstanz in Haut, Haaren und Nägeln.

Darüber begünstien Feuchtigkeit und Wärme eine Infektion mit Fadenpilzen. Entsprechend bevorzugen sie Zehenzwischenräume, Leistenbeugen, Hautfalten und Achseln. Nagelpilz ist sehr häufig Folge einer Fußpilzerkrankung, welche sich auf die Nägel ausweitet. Die Eintrittspforte ist meist das Nagelbett im Bereich des freien Nagelrands. Auch eine direkte Infektion der Nägel ist jedoch möglich. Die Ansteckung erfolgt zumeist in öffentlichen Bädern, Saunen, Fitness-Studios oder Duschen und Umkleidekabinen von Sportstätten, wo viele Menschen barfuß laufen. Die Pilze werden nämlich über den Kontakt mit Erregern, die sich zum Beispiel in Hautschuppen befinden und dort Tage und Wochen überdauern können, übertragen.

nach obenRisikogruppen

Mit den Jahren steigt ganz generell die Gefahr für eine Pilzerkrankung: Bei älteren Menschen kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, die sie anfälliger für eine Infektion machen. Die Durchblutung ist meist schlechter, weil die Gefäße "verkalkt" sind (Arteriosklerose). Bei vielen ist das Immunsystem geschwächt, weil sie an zahlreichen Erkrankungen leiden und vielleicht auch die Abwehr unterdrückende Medikamente einnehmen müssen.

Diabetiker sind ebenfalls besonders gefährdet, denn auch sie weisen oft eine Kombination von Risikofaktoren auf: Eine geschwächte Abwehr, Durchblutungsstörungen der Füße und Sensibilitätsstörungen, welche sie zum Beispiel Verletzungen, die eine Eintrittspforte für Erreger sein können, nicht gut wahrnehmen lassen.

Generell haben auch alle, die an Durchblutungsstörungen leiden, ein erhöhtes Risiko, an Fuß- und Nagelpilz zu erkranken. Dasselbe trifft auch auf Menschen zu, die Medikamente einnehmen müssen, welche das Immunsystem unterdrücken.

Sportler gehören ebenfalls zum gefährdeten Personenkreis. Zum einen kommen Menschen, die viel Sport treiben intensiver mit anderen – potenziellen Pilzüberträgern – in Kontakt: In Gemeinschaftsduschen und Umkleidekabinen herrscht ein Klima, das Pilzen gefällt. Zum anderen sorgt das Tragen eines Sportschuhs für pilzfreundliche Bedingungen: Durch die beim Sport erhöhte Schweißabsonderung haben Pilze auf der aufgeweichten Haut ein leichteres Spiel. Das erklärt auch, weshalb unter einigen Berufsgruppen wie Bauarbeitern oder Bergleuten Pilzinfektionen häufiger auftreten.


Grafik: So ist der Nagel aufgebaut

W&B/Martina Ibelherr

nach obenSymptome

Der Pilzbefall beginnt meist am vorderen Rand des Nagels. Von hier breiten sich die Pilze über die gesamte Nagelplatte aus und verändern die Struktur des Nagelmaterials: Die Nagelsubstanz, das Keratin, wird dabei langsam aufgelöst, und es bilden sich luftgefüllte Hohlräume. Diese werden als weiße Streifen oder Flecken sichtbar. Der befallene Nagelbereich verdickt und verfärbt sich weißlich bis gelb-braun.

Bei Dermatophyten beginnen die Veränderungen meist am freien Nagelrand. Sind dagegen Hefepilze für die Infektion verantwortlich, zeigt sich die Verfärbung eher am Nagelwall – dort, wo der Nagel herauswächst. Im weiteren Verlauf werden die Nägel rau und brüchig bis krümelig. Die Nagelplatte lockert sich und der Nagel hebt sich sogar teilweise vom Nagelbett ab. Ist die Nagelmatrix ebenfalls betroffen, infiziert sich der neu gebildete Nagel sofort mit dem Pilz.

Typische Symptome von Nagelpilzbefall sind:
    •    Brüchigkeit der Nägel und Abspaltung einzelner Nagelschichten
    •    weiße Streifen oder Flecken
    •    weißliche bis gelblich-braune Verfärbungen
    •    Verdickung der Nagelplatte
    •    entzündetes Nagelbett


Komplikationen bei Nagelpilz
Nagelpilzerkrankungen sind zwar nicht lebensbedrohlich, sollten jedoch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Zum einen können sie sehr schmerzhaft sein und die Funktion des betroffenen Fußes oder Fingers stark einschränken. Sie stellen zudem einen Ausgangspunkt dar, von dem sich der Pilz auch auf andere Körperbereiche ausdehnen kann.
Zum anderen können Pilzinfektionen des Nagels auch anderen Erkrankungen den Weg ebnen. Denn die Pilzspuren führen zu winzigen Verletzungen am Nagel, die Bakterien und Viren das Eindringen erleichtern.


Nagelpilz: Den Verdacht immer vom Arzt bestätigen lassen

Panthermedia/Andrea Kuebler

nach obenDiagnose

Der Verdacht auf Nagelpilz sollte immer durch den Nachweis des Pilzes abgesichert werden: Je genauer die Diagnose, desto besser kann der Pilz bekämpft werden. Um den Pilz zu identifizieren, fräst oder schneidet der Arzt ein kleines Stückchen vom betroffenen Nagel ab. Die Nagelproben werden anschließend mit Lösungen präpariert. Damit lässt sich unter dem Mikroskop feststellen, ob sich Pilzsporen im Nagel befinden.

Ist auf diese Weise abschließend geklärt, dass es sich tatsächlich um eine Nagelpilzinfektion handelt, legt der Arzt mit den Nagelspänen eine Pilzkultur an. Dafür werden die feinen Nagelstückchen auf einen speziellen Nährboden aufgebracht und unter für ein Pilzwachstum geeigneten Bedingungen kultiviert. Wenn sich entsprechende Pilzkolonien entwickelt haben, kann der Arzt sagen, um welche Pilzart es sich handelt und eine darauf abgestimmte Behandlung einleiten. Alternativ stehen heute auch molekularbiologische Methoden zur Verfügung mit denen die Erbsubstanz des Pilzes rasch nachgewiesen und dieser damit identifiziert werden kann.


Äußerliche Behandlung: Manchmal genügt ein Lack gegen Fußpilz

W&B/Martina Ibelherr

nach obenTherapie

Gegen Pilzerkrankungen gibt es bestimmte Mittel, die sogenannten Antimykotika. Sie enthalten Wirkstoffe, die Pilze gezielt abtöten beziehungsweise ihr Wachstum hemmen.

Solange lediglich die oberflächlichen Nagelschichten und weniger als die Hälfte des Nagels befallen sind, kann die Infektion noch äußerlich mit Tinkturen und Nagellacken, welche Antimykotika enthalten, behandelt werden. Sind die Pilze jedoch bereits tiefer in den Nagel vorgedrungen, wird auch der nachwachsende Nagel immer wieder von neuem infiziert. In diesem Fall ist eine innerliche Behandlung mit Tabletten oder Kapseln erforderlich. Der pilztötende Wirkstoff erreicht die Nägel dann über die Blutbahn und lagert sich in die Nagelmatrix ein.

Die Auswahl des geeigneten Präparates trifft der Arzt anhand der Ergebnisse der Pilzkultur. Ist die Art des Pilzes nicht genau bekannt, können sogenannte Breitspektrum-Antimykotika gewählt werden, welche sich gegen viele verschiedene Pilzsorten zugleich richten.

Bis die Wirkstoffe durch die Nagelschichten gedrungen sind und den Pilz abtöten können, dauert es seine Zeit. Denn zwischen den Nagelschichten liegen luftgefüllte Hohlräume. Darin können Pilzsporen viele Wochen, Monate und sogar Jahre überleben. An sie kommt kein Medikament heran – weder von außen, noch von innen.

Um diese zu durchbrechen, gibt es Salben, die zusätzlich zur äußerlichen und innerlichen Therapie auf den Nagel aufgetragen werden. Sie enthalten Kalium jodatum oder Harnstoff in relativ hohen Konzentrationen und sind damit in der Lage, die oberen Nagelschichten aufzulösen. Dadurch können einerseits die Wirkstoffe besser und schneller in die darunter liegenden Nagelschichten eindringen. Andererseits wird damit ein Teil der luftgefüllten Hohlräume, in denen die Pilzsporen sitzen, freigelegt. So können auch diese abgetötet werden. Eine Alternative zu solchen Salben kann es sein, sich vom Arzt die befallenen Nagelschichten mit einer Art kleiner Fräse entfernen zu lassen.

Die Antipilzmittel müssen bei Nagelpilz regelmäßig und vor allem lange genug angewendet werden – bis die Nägel gesund nachgewachsen sind. Und das braucht Zeit. Mit drei Monaten Therapie muss man bei einer Tabletteneinnahme rechnen. Bei einem Pilz-Nagellack kann die Therapie etwa sechs Monate in Anspruch nehmen. Ein begleitender Fußpilz sollte immer mitbehandelt werden.


In Schwimmbädern besser Badeschlappen tragen

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nach obenVorbeugen

Folgende Tipps können dabei helfen, einer Pilzinfektion der Nägel zu entgehen:

  • In öffentlichen Einrichtungen (Saunen, Schwimmbädern, Hotels...) nicht barfuß laufen
  • Handtücher, Badematten, Socken und Bettwäsche bei Temperaturen über 60°C Grad waschen; noch besser kochen
  • Gut passende und bequeme Schuhe tragen. Ebenso wichtig wie die richtige Passform ist ein atmungsaktives Material – so wird die Fußfeuchte schnell wieder abgeleitet. Daher Schuhe mit einem atmungsaktiven Obermaterial wie Leder oder moderne Mikrofasern tragen. Turnschuhe nur für die Zeit des Sports anziehen. Möglichst jeden Tag andere Schuhe wählen, damit die einzelnen Paare trocknen können. Socken aus natürlichen Materialien benutzen und täglich wechseln.
  • Die Nägel regelmäßig pflegen
  • Einen Diabetes mellitus unbedingt entsprechend behandeln lassen und auf gute Blutzuckerwerte achten – das beugt Komplikationen vor! Diabetiker sollten ihren Füßen besondere Aufmerksamkeit schenken und sie regelmäßig auf Veränderungen kontrollieren.

Das sollten Sie beachten, wenn Sie sich bereits angesteckt haben:

  • Wer sich bereits infiziert hat, sollte ein eigenes Handtuch für die Füße benutzen und dieses täglich wechseln
  • Geräte wie Nagelschere oder Feile sowie natürlich Hände nach jedem Kontakt mit dem infizierten Nagel sehr sorgfältig reinigen. Ansonsten besteht hochgradige Ansteckungsgefahr für andere Körperregionen
  • Waschen der Socken bei mindestens 60° Celsius kann Pilze abtöten. Zusätzlich kann es für Personen mit Nagelpilz sinnvoll sein, ihre Socken und Schuhe während und nach der Therapie zu desinfizieren, um einer erneuten Infektion vorzubeugen. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt!
  • Aus Rücksicht auf die anderen: Nicht barfuß laufen! Weder zuhause, noch in öffentlichen Einrichtungen!

Professor Dr. Peter Mayser

W&B/Privat

nach obenBeratender Experte

Professor Dr. Peter Mayser ist seit 1993 Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten. 1995 wurde Peter Mayser zum Oberarzt am Zentrum für Dermatologie und Andrologie der Justus Liebig Universität Giessen ernannt. 1999 habilitierter er sich. Von 1999 bis 2004 war Peter Mayser leitender Oberarzt am Zentrum für Dermatologie und Andrologie der Justus Liebig Universität Giessen. Ab 2001 war Peter Mayser Leiter der Poliklinik des Zentrums für Dermatologie und Andrologie der Justus Liebig Universität Giessen. 2004 wurde er zum außerplanmäßigen Professor am Fachbereich Humanmedizin der Justus Liebig Universität Giessen ernannt. 2005 wurde er kommissarischen Leiter des Zentrums für Dermatologie und Andrologie in Giessen. Ab 2009 war er dort wieder als leitender Oberarzt tätig. Peter Mayser erhielt 1999 den Nachwuchsförderpreis und 2003 den Forschungsförderpreis der "Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft


Quellen:

1. Stellungnahme der Gesellschaft für Dermatopharmazie e.V.: Interdisziplinäres Management der Onychomykose, Fassung 21.03.2013. Online: http://www.gd-online.de/german/veranstalt/images2013/GD_Stellungnahme_Onychomykose_Fassung_21.03%202013.pdf (Abgerufen am 07.09.2015)

 


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/BrandXPictures, Panthermedia/Andrea Kuebler, Jupiter Images GmbH/Photos.com, W&B/Privat, Mauritius Images GmbH, W&B/Martina Ibelherr
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