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Wie Mundgeruch entsteht

Die Bakterien in unserer Mundhöhle spielen die zentrale Rolle, wenn es um schlechten Atem geht. Ihre Aktivität erzeugt zum Beispiel flüchtige Schwefelverbindungen, die unangenehm riechen. Fließt genügend Speichel, haben sie wenig Chancen


Die Mundhöhle: Wenn sie gut gepflegt ist, entwickelt sich seltener Mundgeruch

In unserem Mund siedeln unzählige Bakterien und andere Mikroorganismen. Sie finden in dem warmen, feuchten Milieu ideale Lebensbedingungen und bevorzugte Plätze auf und zwischen den Zähnen sowie in Vertiefungen, auf der Schleimhaut und der Zunge. Besonders auf der Zunge setzen sich gerne Fäulnisbakterien ab.

Gefräßige Siedler produzieren oft schlechte Luft

Die Kleinstbewohner des Mundes zersetzen Essensreste und Zellanteile von Mundschleimhaut und Speichel. Dabei können flüchtige Schwefelverbindungen entstehen, die wir durch ihren fauligen Geruch wahrnehmen. Bestimmte Speisen sind bei ihrer Aufbereitung im Mund und oft in den weiteren Abschnitten des Verdauungstraktes geruchsintensiver als andere. Dazu gehören besonders eiweiß- und fetthaltige Nahrungsmittel.


Neben Schwefelverbindungen beeinflussen Fettsäuren und andere Zellstoffwechselprodukte die Geruchsverhältnisse im Mund. Fäulnisprozesse durch zurückgebliebene Nahrungsteilchen, abgestorbene Zellen und Entzündungen setzen unangenehm riechende Gase frei. Blut oder Wunden im Mund sind ebenfalls Quellen für schlechte Ausdünstungen.

Unter den Bakterienstämmen im Mund gibt es zahlreiche Krankheitserreger, von denen aber keine Gefahr ausgeht, solange das Immunsystem intakt ist. Zudem schwemmt der Speichel im Mund regelmäßig schädliche Bakterien, Pilze und Viren fort.

Flüssigkeit mit Schutzfunktion

Der Speichel entsorgt nicht nur jede Menge Keime, sondern auch Gewebepartikel oder Essensreste und reinigt dabei unablässig die Mundhöhle. Denn auch wenn wir nicht essen oder sprechen, schlucken wir in regelmäßigen Abständen unwillkürlich Speichel hinunter. Im Speichel selbst befinden sich zudem Abwehrstoffe, die dazu beitragen, dass Entzündungen oder Verletzungen im Mund schneller abheilen. Unsere Mundhöhle bleibt bei ausreichender Speichelproduktion feucht. Das ist auch wichtig für das Sprechen. Der Speichel schützt zudem die Zähne vor den Angriffen von aggressiven Bakterien, die mit Zucker reagieren und für Karies verantwortlich sind.

Große und kleine Speicheldrüsen in der Mundhöhle bilden täglich zwischen einem halben und eineinhalb Liter Speichel. Er ist unterschiedlich zusammengesetzt, je nach Aufgabe, ob er zum Beispiel Nahrung verdauen und verdünnen oder sie gleitfähig machen soll. Damit die Speicheldrüsen ausreichend Speichel produzieren können, müssen sie gut durchblutet sein.

Einen entscheidenden Einfluss auf die Speichelmenge hat das vegetative Nervensystem mit seinen beiden Gegenspielern, dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Über diese Nervenstränge können zum Beispiel auch Medikamente, die den Parasympathikus blockieren, Mundtrockenheit führen.

Trockener Mund fördert schlechte Gerüche

Fließt zu wenig Speichel, fühlt sich unser Mund nicht nur trocken an, sondern die Bakterien nehmen auch Überhand. Den Zähnen fehlt zudem der schützende Film, zumal Speichel bei längerem Kontakt mit Luft chemische Verbindungen eingeht, die Zahnstein begünstigen. Durch den Mund atmen ist deshalb weder für die Zahngesundheit und noch für die Geruchsentwicklung gut.

Nachts fährt der Körper die Speichelproduktion herunter, daher haben viele Menschen morgens einen schlechten Atem. Bei Schnarchern trocknet der Mund noch mehr aus. Im Alter kann die Speichelproduktion aus unterschiedlichen Gründen abnehmen. Viele ältere Menschen trinken außerdem recht wenig. Wer jedoch ausreichend Flüssigkeit aufnimmt, beugt damit auch Mundtrockenheit vor.

Doch auch wer Hunger hat oder einige Zeit nur trinkt, zum Beispiel beim Fasten, spürt den faden Geschmack im Mund oft selbst. Der veränderte Stoffwechsel begünstigt Mundtrockenheit. Erhält der Körper keinen Nahrungsnachschub, greift er auf körpereigene Fette und Eiweiße zurück. Es bilden sich Abbauprodukte wie Azeton und andere, die mit dem Atem und über die Haut ausgeschieden werden. Dieses „Hungerazeton“ verschwindet, wenn der Betroffene wieder normal isst.

Wenn der Stoffwechsel sich verändert


Ein süßlicher Azeton-Geruch kann auch bei Diabetes entstehen. Durch den Insulinmangel befinden sich vermehrt Fettsäuren im Blut. Ein Teil ihrer Abbauprodukte (Ketonkörper) ist Azeton, das sich im Urin nachweisen lässt und bei erhöhter Konzentration über die Atemluft freigegeben wird. Dann ist es ein Warnzeichen dafür, dass eine schwere Stoffwechselentgleisung, die Ketoazidose, eingesetzt hat.

Während der Verdauung setzen eine Reihe von Lebensmitteln wie Knoblauch oder Zwiebeln auffallende Gerüche frei. Hier wirkt die Geruchsattacke doppelt: Die Stoffe haften auf der Mundschleimhaut und gelangen über den Stoffwechsel im Darm ins Blut und damit in die Atemluft. Zusätzlich werden sie über die Haut ausgeschieden.

Entsprechend entweichen auch andere Stoffwechselverbindungen, die bei Magen-Darm-Erkrankungen oder Atemwegsstörungen entstehen, über den Atem durch Nase und Mund nach draußen und sind für andere oft deutlich zu riechen. Schon der Eiter bei Entzündungen sondert einen eigenen Geruch ab.

Rauchen verursacht über mehrere Wege den typischen Raucheratem. Es trocknet den Mund aus und fördert Zahnbelag und Zahnfleischentzündungen. Partikel aus dem Rauch haften an der Mundschleimhaut an. Zudem wirkt das Rauchen nachteilig auf die gesamte Durchblutung und begünstigt unter anderen Erkrankungen im Nasen-Rachen-Raum.

Bestimmte Krankheiten, vor allem Erkrankungen der Speicheldrüsen, führen ebenfalls zu trockenem Mund. Das gilt auch für einige Medikamente, beispielsweise sogenannte Anticholinergika, bestimmte Psychopharmaka oder wasserausschwemmende Mittel, Diuretika.

Andere Krankheiten, etwa der Leber oder der Niere, lösen Stoffwechselvorgänge aus, die über den abgegebenen Geruch auffallen. Das kann auch bei bestimmten Medikamenten der Fall sein, zum Beispiel bei schwefelhaltigen Mitteln zur Alkoholentwöhnung, ebenso bei nitrathaltigen Arzneien, etwa gegen Angina pectoris, und mitunter auch bei Insulin.

Häufig hat Mundgeruch eine eindeutige Ursache, die der Betroffene leicht zuordnen kann, wie das Knoblauchgericht oder das Glas Bier. Nach einigen Stunden ist die Fahne verflogen. Wer trotz sorgfältiger Zahnpflege, oft unter Mundgeruch leidet, sollte jedoch aufmerksam werden, nicht nur seinen Mitmenschen zuliebe.

Tritt Mundgeruch überraschend auf oder stellt er sich mit der Zeit ein und hält sich hartnäckig, ist das immer ein Grund, einen Arzt, in der Regel zuerst den Hausarzt beziehungsweise den Zahnarzt, aufzusuchen, um den Gründen nachzugehen.



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Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de; 27.05.2010, aktualisiert am 16.05.2012
Bildnachweis: W&B/ Kühn

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