Diclofenac: Wirkung, Anwendung, Nebenwirkungen

Diclofenac wirkt schmerzstillend und entzündungshemmend. Das Mittel gibt es in zahlreichen Anwendungsformen – von Tabletten, über Gels bis zu Zäpfchen. Was Sie über den Wirkstoff wissen sollten
von Apothekerin Dr. Martina Melzer, 17.01.2017

Schmerzen: Diclofenac wird häufig bei Gelenkentzündungen eingesetzt

Fotolia/Tharakorn

Kurz zusammengefasst: Das Wichtigste zu Diclofenac

  • Diclofenac ist ein Schmerz- und Entzündungshemmer
  • Den Arzneistoff gibt es in mehreren Darreichungsformen, die unterschiedlich schnell wirken und deren Wirkdauer sich unterscheidet
  • Diclofenac ruft häufig im Magen-Darm-Trakt Nebenwirkungen hervor
  • Es kann mit anderen Medikamenten zu Wechselwirkungen kommen, zum Beispiel mit Entzündungshemmern oder Blutdrucksenkern

Einsatzgebiete: Wofür wird Diclofenac typischerweise angewendet?

Diclofenac lindert Schmerzen, Entzündungen und Fieber. Zu den typischen Anwendungsgebieten des Wirkstoffs zählen akute und chronische Gelenkentzündungen, Rheuma sowie Sportverletzungen. Auch bei Erkältung, zum Beispiel wenn die Nasennebenhöhlen entzündet sind, hilft Diclofenac. Außerdem bei Schmerzen während der Monatsblutung.

Wirkung: Welche Effekte hat Diclofenac?

Diclofenac gehört zu den nicht-steroidalen Antiphlogistika, kurz NSAID (non-steroidal anti-inflammatory drugs). Dieser sperrige Fachbegriff bedeutet, dass es sich um ein antientzündliches Mittel handelt, aber nicht um ein Kortisonpräparat. Diclofenac blockiert ein spezielles Enzym im Körper, die Cyclooxygenase. Mithilfe dieses Enzyms bildet der Körper sogenannte Prostaglandine. Die Botenstoffe spielen eine zentrale Rolle, wenn sich ein Gewebe entzündet, wenn wir Schmerzen verspüren oder Fieber bekommen. Deshalb wirkt Diclofenac schmerz- und entzündungshemmend und senkt auch Fieber.

Was ist bei der Anwendung zu beachten?

Diclofenac liegt in verschiedenen Wirkstärken und Darreichungsformen vor. So gibt es den Wirkstoff beispielsweise als Tablette, in Form von Retardkapseln (mit verzögerter und lang anhaltender Wirkung), als Gel, Zäpfchen oder Schmerzpflaster.

Wichtig: Je nach Darreichungsform gelten zum Teil unterschiedliche Empfehlungen, wie Sie den Arzneistoff am besten anwenden und was Sie beachten sollten. Unbedingt im Beipackzettel nachschauen!

Generell wird Diclofenac als Tablette besser vertragen, wenn Sie diese nicht auf nüchternen Magen, sondern zum Essen und mit einem Glas Wasser einnehmen. Wenden Sie die Arznei als Gel an, dann sollten Sie wenig Gel auf die betroffene Stelle auftragen, es gut einreiben und sich anschließend die Hände waschen. Handelt es sich um Retardkapseln oder –tabletten dürfen Sie diese im Normalfall nicht teilen.

Welche Nebenwirkungen kann Diclofenac hervorrufen?

Pharmazeutische Hersteller müssen im Beipackzettel eines Medikaments alle bekannt gewordenen Nebenwirkungen auflisten. Deshalb ist dieser Abschnitt oft sehr umfangreich und wenig vertrauenserweckend. Im Folgenden werden nur die häufigsten unerwünschten Wirkungen aufgeführt.


Nebenwirkungen: Was heißt häufig?

  • Sehr häufig bedeutet: Bei zehn oder mehr als zehn Prozent der Anwender stellen sich Nebenwirkungen ein.
  • Häufig heißt: Bei einem oder mehr als einem Prozent der Menschen, aber bei weniger als zehn Prozent von ihnen, kommt es zu Nebenwirkungen.
  • Mit gelegentlich ist gemeint: Im Schnitt verspüren 0,1 Prozent oder mehr der Behandelten, aber weniger als ein Prozent von ihnen, unerwünschte Begleiterscheinungen.

Diclofenac ruft sehr häufig Probleme im Verdauungstrakt hervor. Unter anderem: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, geringfügige Blutverluste aus Magen und Darm. Ebenfalls häufig: Bauchschmerzen, Blähungen, mangelnder Appetit, Oberbauchbeschwerden sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre.

Des Weiteren kann Diclofenac Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Reizbarkeit auslösen. Oft berichten Patienten auch über Reaktionen auf der Haut. Zum Beispiel Hautausschlag, Juckreiz und andere allergische Reaktionen. Diclofenac kann zudem die Leberwerte verändern.

Wer Diclofenac für längere Zeit in hoher Dosis einnehmen muss, für den besteht ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Besonders Menschen, die ohnehin ein höheres Risiko dafür haben, weil sie zum Beispiel an Diabetes oder Bluthochdruck leiden, sollten Vor- und Nachteile gründlich mit dem Arzt abwägen, bevor sie den Wirkstoff anwenden.

Wechselwirkungen: Verträgt sich Diclofenac mit anderen Medikamenten und Lebensmitteln?

Diclofenac kann mit diversen Wirkstoffen Wechselwirkungen eingehen. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten, ob sich andere Mittel, die Sie einnehmen, mit Diclofenac vertragen. Fragen Sie bei Ihrem Arzt nach, inwiefern solche Wechselwirkungen bei Ihnen relevant sind.

Die Gefahr für Geschwüre in Magen und Zwölffingerdarm sowie für Blutungen nimmt zu, wenn Sie Diclofenac zusammen mit anderen antientzündlich wirkenden Mitteln einnehmen. Ebenso, wenn Sie Medikamente nehmen, welche die Blutgerinnung beeinflussen, wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) oder Clopidogrel.

Diclofenac kann die Wirkung von anderen Arzneimitteln abschwächen, vor allem die von bestimmten Blutdrucksenkern. Umgekehrt können manche Medikamente den Abbau von Diclofenac im Körper hemmen und damit dessen Wirkung verstärken.

Wer den Arzneistoff als Gel auf die Haut aufträgt, muss nach derzeitigem Wissensstand nicht mit Wechselwirkungen rechnen.

Gegenanzeigen: Wer darf Diclofenac nicht anwenden?

Wer allergisch auf Diclofenac reagiert, darf den Wirkstoff nicht anwenden. Dies gilt ebenso bei ungeklärten Blutbildungsstörungen, wenn ein Magen-/Zwölffingerdarm-Geschwür vorliegt, eine Mastdarmentzündung, eine Blutung im Magen-Darm-Trakt oder Gehirn. Auch Menschen, die schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen haben, eine Herzmuskelschwäche, eine koronare Herzkrankheit, eine PAVK oder Durchblutungsstörungen im Gehirn, dürfen Diclofenac nicht einnehmen. Im letzten Drittel der Schwangerschaft ist die Einnahme des Arzneistoffs tabu.


Hinweis: Dieser Text enthält nur allgemeine Informationen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Lesen Sie sich unbedingt die Packungsbeilage Ihres Medikaments genau durch und lassen sich von Ihrem Arzt und Apotheker beraten.


Quellen:

Fachinformationen zu Ibuprofen
Mutschler, Arzneimittelwirkungen, WVG Stuttgart, 10. Auflage, 2013
Krauß/Müller/Unterreitmeier, Arzneimitteleinnahme, WVG Stuttgart, 3. Auflage, 2014
Gerdemann/Griese-Mammen, Interaktions-Check in der Apotheke, Govi-Verlag, 2. Auflage, 2015
Fachartikel "Herz und Schmerz", Deutsche Apotheker Zeitung, Nr. 48/2016


Lesen Sie auch:

Medikamente Tabletten

Schmerzmittel: Welches hilft wann? »

Paracetamol, Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac: Viele halten Schmerzmittel für ähnlich. Doch bei Wirksamkeit und Nebenwirkungen gibt es teils große Unterschiede »

Mann nimmt Tablette mit Wasser ein

Schmerzmittel sind keine Lutschbonbons »

Manche Schmerzmittel gibt es ohne Rezept. Doch das heißt nicht, dass sie harmlos sind. Welche Regeln Sie beachten sollten »

Hände

Rheuma erkennen und behandeln »

Rheuma trifft alte Menschen ebenso wie junge. Am häufigsten kommt es zur rheumatoiden Arthritis, die mit Schmerzen in den Gelenken einhergeht. Ziel der Therapie ist, die Pein zu lindern »


Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Leiden Sie an Heuschnupfen?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages