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Mandelentzündung (Angina tonsillaris)

Hinter Halsschmerzen und Schluckbeschwerden steckt manchmal eine aktue oder chronische Mandelentzündung (Tonsillitis). Mehr zu Ursachen, Symptomen und Therapien


Besorgter Blick in den Mund: Wenn es beim Schlucken weh tut, sind möglicherweise die Mandeln entzündet

Was ist eine Mandelentzündung?

Krankheitserreger können über den Mund und die Nase in den Körper eindringen. Auf diesem Wege müssen sie die Mandeln passieren, die sich im Rachenraum hinter den seitlichen Gaumenbögen befinden. Diese Gaumenmandeln gehören zu einer Gruppe von speziellen Geweben, deren Aufgabe es ist, die oberen Atemwege gegen das Eindringen von Bakterien und Viren zu schützen. Außer den Gaumenmandeln gehören zu diesem so genannten lymphatischen Rachenring auch die Nasen-Rachen-Mandeln (Nasenrachenpolypen, Adenoide), die Seitenstränge im Bereich der seitlichen Rachenhinterwand und die Zungengrundmandeln.

Wenn der Immunschutz nicht ausreichend funktioniert, können sich Bakterien oder Viren in den Geweben des lymphatischen Rachenrings explosionsartig vermehren. Die Folge: Das Gewebe kann anschwellen, es kommt zu Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. So erklärt sich auch der lateinische Begriff "Angina": Das Wort bedeutet Enge oder Beklemmung. Bei einer akuten Mandelentzündung sprechen Mediziner von einer "Angina tonsillaris" oder einer akuten Tonsillitis: Die Wortendung -itis steht für Entzündung, in diesem Fall also für die Mandelentzündung.



UNSERE EXPERTIN: Professor Dr. med. Dr. med. habil. Kerstin Lamm, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

Ursachen: Bakterien können die akute und die chronische Form der "normalen" Mandelentzündung hervorrufen. Bakterielle Ursachen haben auch die folgenden Erkrankungen: Angina Plaut-Vincent, Diphtherie-Angina, Scharlach-Angina, Seitenstrang-Angina und Zungengrund-Tonsillitis. Mehr zu den verschiedenen Angina-Formen lesen Sie im Kapitel Ursachen. Bei der Herpangina und beim Pfeiffer’schen Drüsenfieber (Monozyten-Angina) sind Viren der Auslöser.

Beschwerden: Die akute Mandelentzündung macht sich durch Halsschmerzen und Schluckbeschwerden bemerkbar, hinzu können Fieber, Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl kommen. Kinder und Jugendliche zwischen dem fünften und 15. Lebensjahr erkranken am häufigsten daran. Die Beschwerden bei der chronischen Mandelentzündung sind meist nicht so stark ausgeprägt wie bei der akuten Form. Spezielle Angina-Formen und durch Viren bedingte Mandelentzündungen verursachen oft ganz eigene Symptome (siehe Kapitel Symptome).

Diagnose: Um festzustellen, um welche Form der Angina es sich handelt, untersucht der Hals-Nasen-Ohren-Arzt den Rachen- und Nasen-Rachenraum und den Zungengrund mit speziellen optischen Geräten (Endoskopen). Ob zugleich auch eine Mittelohrentzündung vorliegt, lässt sich durch eine Untersuchung des Trommelfells mit dem Ohr-Mikroskop erkennen. Bluttests im Labor sind nur bei speziellen Mandelentzündungen und bei Verdacht auf eine chronische Tonsillitis sinnvoll, um die Art des Erregers zu bestimmen und genauere Informationen über die Erkrankung zu erhalten.

Therapie: Eine leichte Mandelentzündung können ansonsten gesunde Erwachsene in den ersten beiden Tagen selbst behandeln. Vor allem antientzündliche und abschwellende Mittel lindern die Halsschmerzen. Bei Fieber kann zum Beispiel Paracetamol helfen. Zur Auswahl, Anwendung und Dosierung geeigneter Präparate in der Apotheke beraten lassen und die Packungsbeilage beachten. Außerdem sollten Betroffene viel trinken, sofern nicht andere Krankheiten wie eine Herzschwäche dagegen sprechen. Wenn die Beschwerden nicht abklingen, stark ausgeprägt sind oder wenn weitere Symptome dazukommen, sollten sie sich aber unbedingt von einem (HNO-)Arzt untersuchen lassen. Bei bakteriellen Formen der Angina verschreibt er überlicherweise Antibiotika. Breitband-Antibiotika können auch bei einer durch Viren bedingten Angina erforderlich sein, damit es nicht zu einer zusätzlichen bakteriellen Infektion kommt.

Bei Komplikationen – beispielsweise einem Abszess – oder bei einer chronischen Tonsillitis mit Komplikationen oder Folgeerkrankungen ist es meist ratsam, die Mandeln operativ zu entfernen.

Wichtig: Sind Kinder erkrankt, sollten Eltern lieber nicht selbst "herumdoktern", sondern auf jeden Fall einen Kinder-/HNO-Arzt zurate ziehen!


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Privat, Image Source/ RYF
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Experten-Sprechstunde mit Professor Wustrow und Dr. med. Eva Wimmer, Fachärzte für HNO-Heilkunde, München



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Wie kommt es zur Wucherung der Rachenmandel?

Die auch als Adenoide bezeichnete Rachenmandel wuchert in der Kindheit während der wichtigen „Lernphase“ unseres Immunsystems. Das hat immunologische Gründe. Das gesamte, Immunzwecken dienende (immunkompetente) Gewebe im Nasen-Rachenraum ist während dieser für unser Abwehrsystem entscheidenden Periode vergrößert, da es äußerst aktiv ist und viel Kontakt mit neuen Fremdstoffen aufnimmt, mit denen es sich auseinandersetzen muss (Antigene). Diese Vergrößerung der Rachenmandel wird im Volksmund auch als „Polypen“ bezeichnet. Bei dieser fälschlicherweise verwendeten Bezeichnung besteht aber Verwechslungsgefahr mit den in erster Linie bei Erwachsenen auftretenden Nasenpolypen.

Durch die adenoide Wucherung können bei den kleinen Patienten deutliche Probleme entstehen. Zum einen verlegt sie den Weg der Atemluft durch die Nase. Das führt bei den Kindern zu ständiger Mundatmung und kann außerdem ein Nährboden für immer wiederkehrende Infektionen der Nase und weiterer Abschnitte der Atemwege sein. Zum anderen verhindert die Wucherung der Rachenmandel auch sehr häufig die Belüftung der Mittelohren über die Ohrtrompete. Das ist der Verbindungsgang zwischen dem Nasen-Rachen-Raum und dem Mittelohr. Hieraus resultiert eine Schleimansammlung im Mittelohr, die wiederum das Hörvermögen der Kinder verschlechtert und zu einer Verzögerung der Sprachentwicklung führen kann.

Sollten eine Infektneigung, eine Verzögerung der Sprachentwicklung oder eine Behinderung der Nasenatmung sowie nächtliches Schnarchen auftreten, so ist eine fachärztliche Untersuchung beim HNO-Arzt angezeigt. Dieser kann feststellen, ob die Beschwerden an einer Vergrößerung der Rachenmandel liegen. In dem Fall sollten die Adenoide entfernt werden.

Prof. Dr. med. Dr. med. habil. T. P. U. Wustrow und Dr. med. Eva Wimmer

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Soll ein Kind mit häufig entzündeten Mandeln operiert werden?

Bevor bei wiederkehrenden Entzündungen der Gaumenmandeln die Operation (OP) diskutiert wird, muss erst einmal sichergestellt sein, dass auch wirklich bakterielle Infektionen der Mandeln (Tonsillen) vorliegen und keine durch Viren verursachten Rachenentzündungen, die zu gleichen Symptomen führen können und sehr häufig vorkommen. Als OP kommt eine Tonsillektomie, also die Entfernung der Mandeln, infrage.


Gerade bei Kindern muss jedoch die Notwendigkeit eines solchen Eingriffs und die Technik der Operation im Einzelfall sorgfältig abgewogen werden. Bei Kindern im Alter unter sechs Jahren sollte die OP wegen des Nachblutungsrisikos nur in sehr gut begründeten Ausnahmefällen durchgeführt werden.


Prof. Dr. med. Dr. med. habil. T. P. U. Wustrow und Dr. med. Eva Wimmer


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Warum nehmen Kinder nach einer Mandel-OP oft zu?

Es kommt immer wieder vor, dass Kinder nach einer Adenotomie – das entspricht einer Rachenmandel-Entfernung – zunehmen und ihr Normalgewicht erreichen. Meistens liegt es daran, dass die Kinder nun kein „Schluckhindernis“ mehr im Nasen-Rachen-Raum haben und die vorliegende Gedeihstörung damit aufgehoben wurde. Zugleich können die Kinder besser durch die Nase atmen und müssen nicht beim Essen auch noch zwischendurch Luft holen. Man sollte aber natürlich nicht schlussfolgern, dass eine Mandel-Operation zu Übergewicht führt!

 

Prof. Dr. med. Dr. med. habil. T. P. U. Wustrow und Dr. med. Eva Wimmer


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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 25.04.2014, erstellt am 24.08.2007
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