Gastritis: Ursachen und Formen

Eine Magenschleimhautentzündung kann unterschiedliche Ursachen haben. Die akute Gastritis wird häufig durch Lebensmittelinfektionen, zu viel Alkohol oder Stress hervorgerufen. Häufigster Auslöser einer chronischen Gastritis ist der Magenkeim Helicobacter pylori
aktualisiert am 03.07.2014

Mikroskopische Aufnahme des Bakteriums Helicobacter pylori (eingefärbt)

Shotshop/leonardo medical

Der Magen dient als Zwischenspeicher für das verspeiste Essen. Hier wird es durchgemischt, weiter zerkleinert und vom äußerst sauren Magensaft durchtränkt. Darin befinden sich Verdauungsenzyme, die Nahrungseiweiß aufspalten.

Produziert wird der Magensaft in zahlreichen Drüsen der Magenschleimhaut. Die Magenschleimhaut kleidet das Innere des Magens aus. Damit sich der Magen nicht "selbst verdaut", produzieren spezialisierte Magenschleimhautzellen einen zähflüssigen Schleim. Er überzieht die Magenschleimhaut mit einem dünnen Film. Auf diese Weise bleibt der Magen vor seiner eigenen aggressiven Magensäure geschützt.

Zu viel Alkohol, Kaffee im Übermaß, Rauchen, Tabletten – das alles kann dem Magen schaden

W&B/Brigitte Sporrer

Verschiedene Faktoren können diese Schutzschicht aus Schleim angreifen oder dazu führen, dass zu viel Magensäure entsteht. Mögliche Folge: eine Entzündung der Magenschleimhaut.

Diese Magenschleimhautentzündung (Gastritis) beginnt entweder plötzlich und heilt relativ rasch wieder aus (akute Gastritis), oder sie verläuft eher schleichend und dauerhaft (chronische Gastritis). Die akute Gastritis kann in einen chronischen Verlauf übergehen. Wichtige Auslöser und Formen im Überblick:

Mögliche Ursachen der akuten Gastritis

  • Akute Infektionen mit Bakterien, Viren oder Schimmelpilzen
  • Lebensmittelvergiftungen
  • Zu viel Nikotin, Alkohol, Kaffee, scharfes Essen
  • Starker psychischer Stress
  • Starker körperlicher Stress (große Verletzungen, Unfälle, Operationen, Verbrennungen, Kreislaufschock)
  • Bestimmte Medikamente, zum Beispiel Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Rheumamedikamente, ebenso Wirkstoffe, die im Rahmen einer Chemotherapie zum Einsatz kommen, Kortison (vor allem in Kombination mit Schmerzmitteln)
  • Strahlentherapie
  • Verätzungen durch Säuren oder Laugen

 

Mögliche Ursachen und Formen der chronischen Gastritis

Typ A Gastritis

Die genaue Ursache dieser eher seltenen Gastritis-Form ist noch nicht geklärt. Mediziner gehen aber davon aus, dass es sich hier um einen Fehler im körpereigenen Abwehrsystem handelt. Der Fachbegriff dazu heißt Autoimmunkrankheit. Das Abwehrsystem bekämpft normalerweise feindliche Eindringlinge wie Bakterien oder Viren. Bei der Typ-A-Gastritis bildet der Körper jedoch Abwehrstoffe gegen den eigenen Magen – genauer: gegen bestimmte Zellen in der Magenschleimhaut, die sogenannten Belegzellen. Sie produzieren normalerweise die Magensäure. Werden sie nun vom Immunsystem angegriffen, entzündet sich die Magenschleimhaut. Die Belegzellen gehen dabei allmählich zugrunde. Folge: Die Magensäureproduktion kommt langsam zum Erliegen. Die Magensäure ist jedoch wichtig zum Schutz vor Krankheitserregern und für die Verdauung. Deshalb reagiert der Körper: Er schüttet verstärkt Gastrin aus – ein Hormon aus Magen und Dünndarm, das die Säurebildung stimuliert. Gastrin im Übermaß schädigt die Schleimhaut weiter. Langfristig kann es auf diese Weise zu bestimmten Tumoren, sogenannten Karzinoiden oder Magenkrebs kommen. Das geschieht jedoch selten.

Die Belegzellen stellen neben der Magensäure einen weiteren wichtigen Stoff her – den sogenannten Intrinsic Factor. Er ist erforderlich für die Aufnahme von Vitamin B 12 im Darm. Werden die Belegzellen im Rahmen einer Typ-A-Gastritis geschädigt, fehlt Intrinsic Factor. Folglich funktioniert die Vitaminaufnahme aus dem Essen nicht mehr richtig. Das kann eine spezielle Blutarmut (perniziöse Anämie) zur Folge haben. Genaueres zu diesem Thema finden Sie hier: Ratgeber Blutarmut

Typ B Gastritis

Die große Mehrzahl der chronischen Magenschleimhautentzündungen gehört zum Typ B. Ursache ist fast immer eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori (siehe Bild oben). Aufgenommen wird dieser Erreger wohl vor allem im Kindesalter. Der genaue Ansteckungsweg ist noch nicht geklärt. Relativ sicher ist allerdings: Etwa jeder dritte Deutsche trägt das Bakterium dauerhaft im Magen, wo sich der Keim in den Schleimhautzellen einnistet.

Normalerweise überleben Bakterien die aggressive Magensäure nur schwer. Doch Helicobacter schützt sich mit einem Trick: Der Keim neutralisiert die Säure in seiner nächsten Umgebung, indem er eine puffernde Substanz – Ammoniak – aus Harnstoff herstellt. Dazu nutzt das Bakterium ein spezielles Enzym, die sogenannte Urease. Auf diese Weise kann das Bakterium lange im Magen überleben.

Den meisten Menschen bereitet der Helicobacter, trotz einer chronischen Entzündung der Magenschleimhaut, keine Probleme und schadet nicht. Die Infektion und Entzündung kann jedoch zu Beschwerrden und Komplikationen führen. Helicobacter pylori gilt als wichtiger Wegbereiter für ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür und gilt als ein Faktor für die Entstehung von Magenkrebs und Magenlymphomen. Mehr zu diesen Erkrankungen lesen Sie hier:

Ratgeber Magengeschwür, Zwölffingerdarmgeschwür
Ratgeber Magenkrebs

Auch andere Bakterien können eine Typ-B-Gastritis verursachen. Das kommt jedoch selten vor. Weil die Typ-B-Gastritis meistens den Bereich um den Magenausgang – das Antrum – betrifft, heißt sie auch Antrumgastritis.

Typ C Gastritis

Diese Form der chronischen Gastritis liegt in etwa 10 Prozent der Fälle vor. Ausgelöst wird sie durch Stoffe, die den Magen reizen (chemisch-toxische Gastritis). So können sich manche Medikamente auf den Magen schlagen – insbesondere Schmerzmittel und Rheumamedikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika. Dazu zählen zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Diclofenac. Wer solche Arzneien häufiger einnimmt, sollte deshalb am besten Rücksprache mit dem Arzt halten und die Packungsbeilage genau beachten.

Eine weitere mögliche Ursache für eine Typ C Gastritis: Es fließt ständig eine kleine Menge Gallensaft aus dem Zwölffingerdarm in den Magen zurück (sogenannter Gallereflux). Das kann zum Beispiel nach bestimmten (Magen-)Operationen der Fall sein. Der Gallensaft reizt die Magenschleimhaut. Auch Alkohol oder andere magenreizende Stoffe wie Säuren, Laugen können zur Typ-C-Gastritis führen.

Daneben gibt es weitere, seltene Gastritis-Formen, beispielsweise die Ménétrier-Gastritis. So bezeichnen Ärzte eine spezielle Magenerkrankung, die mit einer Vergrößerung der Schleimhautfalten des Magens einhergeht. Die Krankheit heißt deshalb auch Riesenfaltengastritis. Daneben entsteht durch die Entzündung oft ein deutlicher Eiweißverlust. Die genaue Ursache ist noch nicht geklärt. Eine weitere seltene Gastritis-Form ist zum Beispiel die Magenschleimhautentzündung im Rahmen eines Morbus Crohn.


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