Drucken

Lungenödem

Ein Lungenödem kann sich mit plötzlich einsetzender starker Luftnot, rasselndem Atem und Hustenattacken bemerkbar machen. Mehr zu Ursache, Diagnose und Therapie


Wer plötzlich unter schwerer Atemnot leidet, sollte schnell den Arzt rufen

Was ist ein Lungenödem?

Bei einem Lungenödem tritt Flüssigkeit aus den kleinsten Blutgefäßen – den Lungenkapillaren – aus und gelangt in das Lungengewebe. Als Folge wird die Aufnahme von Sauerstoff erschwert. In einer frühen Phase dringt die Flüssigkeit nur in die Zwischenräume der Zellen ein, später dann auch in die Lungenbläschen.

Symptome: Wie äußert sich ein Lungenödem?

„Die Betroffenen leiden trotz verstärkter Atmung meist plötzlich unter zunehmender, manchmal schwerster Atemnot mit Erstickungsängsten, rasselnden Atemgeräuschen, Hustenattacken und in schweren Fällen unter schaumigem Auswurf“, sagt Professor Heinz Dieter Köhler, Internist und emeritierter ärztlicher Direktor des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft in Schmallenberg. Der Sauerstoffmangel kann mit einer Blaufärbung von Fingernägeln, Zehen, Nase, Lippen und Schleimhäuten einhergehen. Bei einem Lungenödem handelt es sich um einen, unter Umständen, lebensbedrohlichen Notfall. Betroffene müssen sofort von einem Arzt behandelt werden.


Ursachen: Was führt zu einem Lungenödem?

Die Ursache eines Lungenödems ist entweder ein Anstieg des Drucks innerhalb der Lungengefäße oder eine Zunahme der Durchlässigkeit der Lungengefäßwände. Manchmal liegen auch Kombinationen beider Ursachen vor.

Kardiales Lungenödem

Wenn der Druck innerhalb der Gefäße ansteigt, dann meist aufgrund von Erkrankungen des Herzens. Man spricht von einem kardialen Lungenödem. So kann beispielsweise ein Herzinfarkt, eine Entzündung des Herzmuskels, eine Erkrankung der Herzkranzgefäße oder ein zu hoher Blutdruck bei vorbestehender Herzschwäche zugrunde liegen.

Diese Krankheiten schwächen die linke Herzkammer. Als Folge kann diese das von der Lunge bereit gestellte sauerstoffreiche Blut nicht schnell genug in den Körper pumpen. Das Blut staut sich in die Lungenvene zurück. Der Stau erhöht den Druck auf die Blutgefäße. Dadurch tritt Blutflüssigkeit aus den Gefäßen und wird in das Lungengewebe gepresst. Die Wände der Blutgefäße funktionieren dabei wie Filter und lassen nur die Flüssigkeit passieren.

Die übrigen Blutbestandteile, wie rote Blutkörperchen oder andere Zellen, werden zurück gehalten. Die Flüssigkeit sammelt sich erst in den Zwischenräumen der Zellen und kann dann bis in das Innere der Lungenbläschen vordringen. Diese können dadurch ihrer Aufgabe zunehmend schlechter nachkommen und die Sauerstoffaufnahme wird immer schwerer.

Höhenlungenödem

Eine Besonderheit des Lungenödems stellte das sogenannte Höhenlungenödem dar. Es wird beim Bergsteigen in großer Höhe in den ersten zwei bis drei Tagen durch eine Kombination von Sauerstoffmangel und niedrigem Luftdruck ausgelöst. Die Gefäße ziehen sich zusammen und verursachen einen Anstieg des Blutdrucks, der die linke Herzkammer überlastet und einen Rückstau entstehen lässt.

Nicht-kardiales Lungenödem

Beim nicht-kardialen Lungenödem ist die häufigste Ursache eine Schädigung der Membranen der feinen Lungenkapillaren. Sie verlieren dadurch einen Teil ihrer Barrierefunktion, Blutflüssigkeit kann zusammen mit kleineren Zellbestandteilen in das Gewebe der Lunge eindringen. Je effektiver die Lymphgefäße  die überschüssige Flüssigkeit anfangs noch entfernen können, umso langsamer entwickeln sich Symptome.

Meistens ist  ein ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome) die Ursache für die Membranschädigung. Die Lunge reagiert in diesem Fall auf  eine massive Schädigung beispielsweise durch Infekte mit Viren,  auf die Inhalation giftiger Gase, auf Medikamente, schwere Verbrennungen, schwere Verletzungen mit Kreislaufschock oder Blutvergiftung. Seltener kann eine Lungenembolie, eine Überdosierung bei einer Narkose oder ein Schlaganfall die Membrandurchlässigkeit erhöhen.

„Eine weitere Ursache sind Schädigungen der Leber und der Nieren, die im Blut zu einem Absinken von Albumin führen – einem bestimmten Bluteiweiß“, sagt Köhler. Durch den Mangel an Eiweiß, kann die Blutflüssigkeit nicht in der notwendigen Menge in den Blutgefäßen gehalten werden und gelangt so in den Zellzwischenraum nach außen.

Diagnose: Wie stellt der Arzt ein Lungenödem fest?

Für die Diagnose stellt der Arzt Fragen zu Grund- und Begleiterkrankungen des Herzens, der Lunge und anderer Organe. Beim Abhorchen der Lunge mit dem Stethoskop fallen rasselnde Geräusche auf, die manchmal auch schon mit dem bloßen Ohr hörbar sind. Mit einer Röntgenuntersuchung lässt sich feststellen, ob tatsächlich Wasser in der Lunge ist. Wichtige Hinweise, die für ein Lungenödem sprechen, sind eine beschleunigte Atmung, eine erhöhte Herzfrequenz und eine Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten. Ein EKG, eine Echokardiografie und andere Untersuchungen zielen auf die zugrundeliegende Ursache ab.

Therapie: Wie wird ein Lungenödem behandelt?

Ein Lungenödem ist eine schwere, unter Umständen, lebensbedrohliche Erkrankung und erfordert eine intensive medizinische Behandlung. Betroffene sollten so schnell wie möglich ins Krankenhaus transportiert werden. Als erste Maßnahme sind eine Hochlagerung des Oberkörpers und das Tieflagern der Beine hilfreich. Dadurch fließt das Blut langsamer zum Herzen zurück, sodass dieses entlastet wird.

Die Atmung kann durch die Zufuhr von Sauerstoff über eine Nasensonde oder eine Maske unterstützt werden. In einem fortgeschrittenen Stadium ist eine Überdruckbeatmung, in manchen Fällen eine künstliche Beatmung notwendig. Meist werden Patienten mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln versorgt.

Entwässernde Medikamente (Diuretika) sorgen für eine Ausschwemmung des Wassers aus dem Gewebe. Dies verbessert nicht nur den Sauerstoffaustausch an den Lungenbläschen, sondern entlastet über die Senkung des Flüssigkeitsvolumens auch den Blutdruck und vermindert so die Belastung für das Herz. Medikamente, welche die Gefäße erweitern, senken den Druck auf das Herz, sodass sich die Sauerstoffversorgung verbessert.

Alle weiteren Maßnahmen richten sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einem Höhenlungenödem sollten Betroffene so schnell wie möglich absteigen. Darüber hinaus können Sauerstoffgabe, gefäßerweiternde Arzneimittel und eine Überdruckbeatmung helfen.



Unser Experte: Professor Heinz Dieter Köhler, Facharzt für Innere Medizin

Beratender Experte: Professor Dr. med. Heinz Dieter Köhler ist Facharzt für Innere Medizin (Internist) und emeritierter ärztlicher Direktor des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft in Schmallenberg.


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: W&B/Privat, iStock/lisafx

Dr. Karoline Stürmer / www.apotheken-umschau.de;
Bildnachweis: W&B/Privat, iStock/lisafx

Arzt bewerten und so 1 Euro spenden

Helfen Sie anderen, einen guten Arzt zu finden. Für jede Arztbewertung spendet die Weisse Liste 1 Euro an die Stiftung "Humor hilft heilen" »

Jetzt mitmachen »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

Symptome zum Nachschlagen

Zum Thema

Höhenkrankheit: Die beste Hilfe

Touren ins Hochgebirge können schnell enden: Die Höhenkrankheit tritt ab 2500 Meter auf. Wie sie sich bemerkbar macht, wie man sie behandelt und was vorbeugend hilft »

Lunge: Richtig durchatmen

Wer gesund ist, atmet automatisch – ohne darüber nachzudenken, was die Lunge dabei leistet. Manche muten dem lebenswichtigen Organ auch noch Strapazen wie Rauchen zu. Doch bei Lungenkrankheiten, etwa Lungenentzündung oder Lungenkrebs, kann Lebensgefahr drohen »

Der große Körpercheck

Testen Sie sich online

Überprüfen Sie Ihren Körper interaktiv in Sachen Gesundheit »

Vorsorge-Rechner

Welche Vorsorgeuntersuchung steht Ihnen zu? Unser Online-Rechner sagt es Ihnen »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages