Atemnot – Ursachen: Erkrankungen der oberen Atemwege

Die Atemwege beginnen im Mund- und Nasenraum und enden in den letzten Verästelungen der Bronchien am Übergang zu den Lungenbläschen. Der Kehlkopf bildet die Grenze zwischen den oberen und unteren Atemwegen. Um diesen Grenzbereich geht es nachfolgend vor allem

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 15.07.2015

Atemwege, Lunge, Zwerchfell

W&B/Kühn

Erkrankungen oder Verletzungen können dazu führen, dass die Schleimhaut in den oberen Luftwegen –  Mund, Rachen, Kehlkopf – sich entzündet, anschwillt oder sogar zuschwillt. Mögliche Anzeichen sind ein pfeifendes Geräusch bei der Atmung, je nach Ausmaß auch Atemnot bis hin zu Erstickungsgefahr.

Zu den Ursachen gehören bei Kindern der Pseudokrupp, selten bei uns die Diphtherie, außerdem verschiedene Formen akuter Gewebeschwellungen (Ödeme), Reizgasvergiftungen und Verbrennungen. Auch Lähmungen und Verkrampfungen der Stimmbänder oder Tumore können den Luftweg blockieren.


Ursachen von Atemnot im Bereich des Kehlkopfes:

  •  Pseudokrupp (subglottische Laryngitis): Der Pseudokrupp ist eine Entzündung im Bereich des Kehlkopfes und unterhalb der Stimmbänder, also im oberen Teil der Luftröhre. Da die Luftwege bei Säuglingen und Kleinkindern erst noch wachsen müssen, können Schwellungen des Gewebes bei ihnen leichter blockierend wirken als bei Schulkindern oder erwachsenen Menschen. Dazu passen Auslöser wie Masern-, Windpocken-, Grippe- und Erkältungsviren mit ihrem Hang zum Kindesalter. Wichtig: Luftschadstoffe, Allergien und eine Raucherumgebung begünstigen Pseudokruppanfälle. Dann kann passieren, was alle Beteiligten – Eltern wie die betroffenen Kleinen selbst – hochgradig in Schrecken versetzt: Ein Kind fängt plötzlich abends oder nachts bellend zu husten an. Es entwickelt sich eine pfeifende, ziehende Einatmung (Stridor), bei stärkerer Ausprägung auch eine behinderte Ausatmung, in schweren Fällen Atemnot, Blaufärbung der Lippen und Fingernägel, möglicherweise sogar erstickungsartige Anfälle. Manchmal gehen dem Ereignis leichtere Erkältungsbeschwerden wie Schnupfen, Husten und mäßiges Fieber voraus.

    Da der echte Krupp, die Diphtherie, heute bei uns kaum noch vorkommt, wird der Pseudokrupp inzwischen meist einfach „Krupp“ oder „Kruppsyndrom“ genannt. Gleichwohl: Mehr zu diesem Thema lesen Sie unter „Pseudokrupp“.

    ! Besonders gefährlich ist eine Variante namens Epiglottitis oder Kehldeckel-Entzündung. Sie wird durch Bakterien ausgelöst, vor allem Hämophilus influenzae B. Gegen den Keim gibt es eine Schutzimpfung, die im Rahmen des Impfprogramms für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder empfohlen wird.

    Bei den Symptomen fehlt zwar häufig der bellende Husten. Aber es entwickelt sich, meistens aus voller Gesundheit heraus, eine schnell zunehmende Atemnot mit pfeifender Einatmung und Keuchen. Hinzu kommen Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, eine kloßige Sprache, hohes Fieber.

    ! Achtung: Möglichst schon bei ersten Anzeichen einer Kehlkopfentzündung wie ziehende Atmung den Kinderarzt rufen. Er wird entscheiden, ob das Kind zu Hause behandelt werden kann oder besser in der Klinik aufgehoben ist. Wichtig: der zügige Erregernachweis, zum Beispiel aus einem Nasen-Rachenabstrich, und Therapie mit geeigneten Antibiotika.

  • Diphtherie („echter Krupp"): Diphtherie wird von sogenannten Korynebakterien verursacht. Häufigste Form der Diphtherie ist die Rachendiphtherie. Ein von den Erregern produziertes Gift (Toxin) schädigt die Schleimhaut hier massiv, und es bilden sich starke entzündliche Beläge (Pseudomembranen). Die Mandeln und die Schleimhaut im Rachen oder tiefer in den Atemwegen können zudem heftig anschwellen, was Atemnot zur Folge haben kann. Komplikationen mit Schäden anderer Organe durch das Gift sind bei uns eine Seltenheit. Denn dank der Schutzimpfung bei Kindern ist die Infektion bei uns als solche selten geworden. Leider lässt der Impfschutz bei Erwachsenen inzwischen nach, weil viele ihn nicht mehr auffrischen. Dies sollte zumindest vor Reisen in Gebiete, wo die Krankheit auch heute noch verbreitet ist, geschehen, etwa Staaten der russischen Föderation, Afghanistan, Indien, Philippinen und einige afrikanische Länder.
     
    Symptome: Die Beschwerden setzen allmählich ein. Auf der hochroten Rachenschleimhaut finden sich grauweiße oder bräunliche Beläge, die fest an der Schleimhaut haften. Es kommt zu Halsschmerzen, Fieber und Kopfschmerzen. Schreitet die Infektion fort, kann infolge einer Nervenschädigung durch das Gift eine Gaumensegellähmung auftreten, die mitunter zu Schluck- und Sprechstörungen führt, da der Rachen zur Nase hin nicht mehr richtig abgedichtet wird. Bauch- und Gelenkschmerzen sind ebenfalls möglich. Die Lymphknoten am Hals schwellen an, es bildet sich ein süßlicher Mundgeruch.

    Heiserkeit und Atemnot weisen auf ein fortgeschrittenes Stadium hin mit Ausbreitung der Beläge und Schwellungen im Kehlkopf, manchmal auch noch tiefer in den Atemwegen. Im Extremfall kann der gesamte vordere Halsbereich anschwellen. Alles dies sind lebensgefährliche Entwicklungen, die heute bei uns schon fast "historisch" anmuten – und doch in Europa immer noch vorkommen.

    Die Behandlung muss in der Klinik (Isolierstation) stattfinden. Ein Antitoxin (vom Pferd) kann bei früher Gabe im Körper zirkulierendes, noch nicht zellgebundene Diphtherietoxin neutralisieren. Außerdem werden Antibiotika eingesetzt. Parallel findet eine Erregertestung statt, gegebenenfalls auch eine Toxinbestimmung. Da die Infektionsgefahr für enge Kontaktpersonen ist sehr groß ist, werden sie ebenfalls getestet und vorbeugend oder, falls sie den Erreger in sich tragen, nachhaltiger behandelt. Unvollständiger Impfschutz sollte vervollständigt, eine länger zurückliegende vollständige Impfung aufgefrischt werden.
  • Akute Schwellungen (Ödeme)

    – Angioödem (früher Quincke-Ödem): Bei einem Angioödem kommt es zu anfallsartigen Schwellungen in der Tiefe der Haut und der Schleimhaut im  Mund und Rachen. Häufig entwickelt sich auch eine Nesselsucht (Urtikaria). Sie betrifft nur die Haut, und zwar die oberen Schichten („zwei Seiten einer Medaille“). Die Schwellungsattacken klingen meist nach einem bis sieben Tagen wieder ab. Es gibt auch chronische Formen.

    Warum der Name Angioödem? Es kommt zu Entzündungsvorgängen an kleinen Arterien (der Wortstamm Angio- bezieht sich auf Blutgefäße), die zu „Lecks“ in nachgelagerten dünnen Venen führen, sodass Flüssigkeit ins Gewebe austritt. Bevorzugt passiert das an weichen, dehnbaren Körperstellen wie Lippen, Lider, Zunge, Rachenschleimhaut.

    – – Histaminvermitteltes Angioödem: Für die häufigsten Angioödem-Formen einschließlich Urtikaria ist das Gewebshormon namens Histamin verantwortlich. Stoffe, die nicht vertragen werden oder auf die ein Betroffener allergisch reagiert, locken hier das Histamin aus der Reserve: etwa ein Schmerz- oder Rheumamittel wie Acetylsalicylsäure, ein Antibiotikum, ein allergieträchtiger Bestandteil in Nahrungsmitteln, ein Röntgenkontrastmittel in der Blutbahn, Insektengift, Latex... Histamin kann auch bewirken, dass die kleinen Bronchien sich verengen. Die Folge: Atemnot.

    Selten liegt eine Autoimmunkrankheit vor zum Beispiel eine autoimmune Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis). Bei einer solchen Krankheit geht das Immunsystem gegen körpereigene Gewebestrukturen vor, der Körper greift sich also selbst an (auto, gr. selbst). Im Zuge dessen kann es dann auch zu einem Angioödem kommen. Warum, ist noch unklar.

    ! Gegen Histamin-vermittelte Angioödeme können Medikamente wie Antihistaminika helfen, die auch gegen Allergien wirksam sind, außerdem Kortison und, bei sehr schweren allergischen Reaktionen, Adrenalin zum Injizieren. Sie sind zum Beispiel auch in Notfallsets gegen Insektengift- oder Erdnussallergie enthalten.

    Symptome: Das Angioödem entspricht einer flächigen, mitunter leicht rötlichen Schwellung in tiefen Haut- oder Schleimhautschichten. Es betrifft in erster Linie die Haut im Gesicht, vor allem an den Lippen und um die Augen herum. Lebensgefahr kann von einem plötzlich auftretenden Ödem im Mund- oder Rachenraum ausgehen: einer starken Schwellung an der Zunge, im Rachen oder Kehlkopf (Glottisödem). Warnzeichen sind pfeifende Atemgeräusche (Stridor), eine veränderte Stimme und beginnende Atemnot (Dyspnoe). Im Prinzip kann ein Angioödem aber überall, also auch an Armen, Händen, Beinen, Füßen, Genitalien und am Rumpf auftreten. In der Körperperipherie ist es im Allgemeinen nicht so problematisch, wenn es nicht gerade hinderliche Ausmaße annimmt. Die begleitende Nesselsucht zeigt sich mit scharf begrenzten, rosa- oder hautfarbenen juckenden Quaddeln auf der geröteten Hautoberfläche. Sie können ebenfalls am ganzen Körper in Erscheinung treten.

    Es kommt immer wieder mal vor, dass sich keine direkten Auslöser oder Ursachen für das Angioödem feststellen lassen (idiopathisches Angioödem, mit oder ohne Histamin). Mitunter bleibt allenfalls ein Umstand wie Hitze, Kälte, UV-Licht, Stress oder körperliche Anstrengung als mögliches „Motiv“.

    Der Ratgeber „Nesselsucht“ informiert Sie genauer über die Urtikaria.

    – – Bradykininvermitteltes Angioödem: Seltener sind bei Angioödemen andere Gewebshormone im Spiel, wie Bradykinin. Dieses ist ebenfalls an Entzündungen beteiligt, verursacht aber keine Nesselsucht. Eingriffe im Mund-Rachenbereich (zum Beispiel Zähne, Mandeln), Infektionskrankheiten wie Erkältung oder Grippe, sind manchmal auslösend. Daher wird zum Beispiel Patienten mit erblichem  Angioödem vor zahnärztlichen Eingriffen eine vorbeugende Behandlung empfohlen (Kurzzeitprophylaxe, siehe unten, Abschnitt „Therapie“).

    Herz- und Blutdruckmedikamente vom Typ der ACE-Hemmer, mitunter auch AT-1-Antagonisten, können die Neigung zu Angioödemattacken erheblich verstärken – selbst nach längerer Einnahme.

    Ein bradykininvermitteltes Angioödem beruht zum Teil auch auf einem Mangel oder Defekt eines bestimmten Eiweißstoffes, des C1-Esterase-Inhibitors (C1-INH; C steht für einen körpereigenen Stoff namens Komplement, INH für Inhibitor (Hemmer). Die einzelnen C-Vertreter tragen unterschiedliche Ziffern. Der Defekt oder Mangel ist erblich (familiär) bedingt oder geht auf eine spontane Genveränderung zurück. Andere Formen sind im Laufe des Lebens erworben. Dann liegt manchmal eine andere Grunderkrankung vor.

    Bei den erblichen Angioödemen (internationale Abkürzung HAE, 50%-prozentiges Erbrisiko, beide Geschlechter erkranken gleich häufig) treten die Schwellungen häufig schon im Kindes- und Jugendalter auf. Später können sie sich abschwächen. Ein erbliches Angioödem ohne C1-INH-Mangel, das fast nur bei Frauen vorkommt, entpuppt sich unter hormonellen Umstellungen wie Schwangerschaft oder Einnahme östrogenhaltiger Hormonpräparate (Pille oder ein Medikament zur Hormonersatztherapie).

    Symptome: Schwellungen der Haut und des Magen-Darm-Traktes mit kolikartigen Bauchschmerzen und Übelkeit sind hier die führenden Beschwerden. Zudem können Schwellungen der Schleimhaut im Rachen bedrohliche Atemnot verursachen.
    ! Juckreiz und Quaddeln fehlen in der Regel!

    Diagnose: Die Symptome und eine sehr sorgfältig erhobene Krankengeschichte liefern wichtige Hinweise. Hinzu kommen Laboranalysen des Blutes und Urins. Im Blut findet sich bei Formen mit C1-INH-Defizit /-Defekt zum Beispiel ein erniedrigter Komplementfaktor C4. Es ist wichtig, die seltenen erblichen Formen zu erkennen, um die Betroffenen auf mögliche Gefahren vorzubereiten und im Ernstfall sofort gezielt behandeln zu können. Schwellungen im Magen-Darm-Bereich lassen sich durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall feststellen, andere Ursachen, die ähnliche Beschwerden bereiten können, im selben Zug ausschließen. Der Arzt wird außerdem andere Grunderkrankungen, etwa der Haut, eine Allergie, eventuell auch eine sogenannte Systemerkrankung (Autoimmunerkrankung) abklären.

    Therapie: Bekannte Auslöser, etwa ein bestimmtes Medikament, sollten die Betroffenen im Allgemeinen möglichst meiden. Antihistaminika, in schwereren Fällen auch Kortison und Adrenalin, helfen bei Angioödemen, die auf Histaminwirkungen beruhen. Gegen eine chronische Urtikaria, die auf ein Antihistaminikum nicht anspricht, kann ein IgE-Antikörper, alle vier Wochen unter die Haut gespritzt, wirksam sein. Kaum oder gar nichts bewirken diese Antiallergika jedoch bei den bradykininvermittelten Angioödemen. Hier hängt die Therapie von der genauen Ursache und den Begleitumständen ab.

    Hat sich etwa unter der Einnahme eines ACE-Hemmers ein Angioödem entwickelt, scheiden sdiese Medikamentengruppe definitiv aus. Der Arzt wird mögliche Alternativen finden. Im Notfall kann bei bedrohlicher Schwellung im Gesichts- und Rachenbereich ein Therapieversuch mit einem C1-Inhibitor unternommen werden (siehe nachfolgend und weiter unten: allgemeine Notfalltherapie bei Glottisödem).  Bei einer Autoimmunerkrankung können Medikamente wirksam sein, die das Immunsystem unterdrücken.

    Im Falle einer akuten Schwellungsattacke mit drohender Atemnot bei erblichem Angioödem / C1-INH-Mangel wird im Rahmen der Notfalltherapie, ansonsten auch zur Kurzzeitprophylaxe, ein sogenanntes C1-Inhibitor-Konzentrat in die Blutbahn gegeben. Möglich ist das inzwischen nach entsprechender Schulung auch in der Heimselbstbehandlung. Medikamente namens Bradykinin-Rezeptor-Antagonisten sind ebenfalls wirksam. Sie können unter die Haut gespritzt werden (in Deutschland derzeit ein Präparat), was wiederum der Betroffene auch selbst tun kann. Man sollte immer zwei Dosen des Notfallmedikaments zur Hand haben. Die Patienten erhalten auch einen Notfallausweis. Darin steht unter anderem, welches nächstgelegene Krankenhaus kontaktiert werden kann.  

    – „Ödemneigung" des Kehlkopfes bei schwangerschaftsbedingter Eklampsie: Ganz anders gelagert ist eine Schwellung des Kehlkopfes als seltenes Ereignis bei Eklampsie. Diese ist eine Komplikation der – ebenfalls schwangerschaftsbedingten – Präeklampsie (mehr unter „Bluthochdruck während der Schwangerschaft“ auf www.baby-und-familie.de). Wichtiges Element in der Ursachenkette ist ein Bluthochdruck. Bei Eklampsie sind Gehirnschwellungen und Krampfanfälle möglich, die für Mutter und Kind potenziell lebensbedrohlich sein können. Meistens tritt die Störung in der Spätschwangerschaft auf, manchmal auch erst nach der Geburt. Überwiegend verläuft sie jedoch mild.

    Allgemeine Notfalltherapie bei Kehlkopfödem (Glottisödem): Falls keine genaue Ursache bekannt ist, der Patient zum Beispiel keinen Angioödem-Notfall-Ausweis und auch kein Allergie-Notfallset, etwa bei Wespengift- oder Erdnussallergie, bei sich trägt, verabreicht der Notarzt Kortison in hoher Dosis in die Blutbahn; bei einem Patienten im Schock Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen, bis der Rettungsdienst eintrifft. Lässt sich ein Glottisödem nicht mit Medikamenten beeinflussen, können nur noch eine Intubation und Beatmung oder ein Luftröhrenschnitt lebensrettend sein.

Kehlkopf anatomisch (das vollständige Bild erhalten Sie, wenn Sie auf die Lupe klicken)

W&B/Jörg Neisel
  • Funktionsstörungen des Kehlkopfes: Der Kehlkopf reguliert den Luftstrom beim Atmen (Offenhalten der Stimmbänder), erzeugt die Stimme und Laute (Schließstellung und Schwingung der Stimmbänder), und er schützt beim Schlucken die Atemwege dem, was nicht hinein soll, indem er den Kehldeckel reflexhaft verschließt. Außerdem lösen die Kehlkopfmuskeln noch mehr Schutzreflexe aus, etwa den Hustenreflex. Ist die Reflexschwelle zu niedrig, etwa bei einer Art Überempfindlichkeit, können Stimmbandstörungen bis hin zu Verkrampfungen die Folge sein.

    – – Stimmbandstörung (Vocal Cord Dysfunction (VCD), Laryngospasmus):
    Wenn die Stimmbänder sich beim Einatmen plötzlich schließen, anstatt sich zu öffnen und frei zu schwingen, bleibt die Luft draußen. Die Stimme versagt, der Betroffene ächzt nach Luft und hat panische Erstickungsangst. Unterdessen löst sich der Krampf in den meistens wieder, und mit ihm die Atemnot. Solche laryngospastischen Anfälle sind die Extremform einer VCD. In leichteren Fällen hat der Betroffene hauptsächlich das Gefühl, auf einmal nicht gut durchatmen zu können. Zu der Atemnotattacke kommt es meistens nach einem Hustenanfall, ausgelöst durch einen bestimmten Duft, Zigarettenrauch, kalte oder warme Luft, Stress, körperliche Belastung, ein Allergen (Allergieauslöser). Manche Patienten mit Asthma und Allergien – und insgesamt mehr Frauen – neigen vermehrt dazu. Auch Entzündungssekret, das bei einer Nasen-Nebenhöhlenentzündung (engl. postnasal drip) in den Rachen gelangt, ist ein möglicher Auslöser. Wenn der Anfall aus dem Schlaf heraus auftritt, was eher selten vorkommt, kann auch eine Rückflusskrankheit dahinter stecken.

    Symptome: Anfallsartig auftretende Atemnot, die je nach Ausprägung als lebensbedrohlich empfunden wird (Erstickungsangst), oft nach Hustenanfällen; Heiserkeit, Kratzen im Hals, Kloßgefühl. Wichtig: Der Anfall klingt in der Regel nach wenigen Sekunden von alleine wieder ab! Die Angst- und Panik-Komponente ist eher Folge als Ursache der Störung.

    Die Diagnose stellt in der Regel ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Manchmal gelingt es bei einer Spiegelung des Kehlkopfes, die Fehlfunktion der Stimmbänder zu erkennen. Andere Erkrankungen, etwa eine Nasennebenhöhlenentzündung oder ein Rückfluss von Magensäure (Refluxkrankheit), sind zu berücksichtigen. Hat ein Lungenfacharzt Asthma bei dem Betroffenen festgestellt, wird es selbstverständlich genauso gezielt behandelt wie jede andere Grunderkrankung auch.

    Die Funktionsstörung der Stimmbänder (VCD) selbst ist kein Fall für Medikamente. Vielmehr ist umfassende Aufklärung über das überwiegend harmlose Krankheitsbild zielführend. Dazu kommen eine symptomlösende Atem- und Stimmtherapie mit zwerchfellbetonten und halsentspannenden Atemtechniken sowie als übergreifender Ansatz ein besseres Stress- und Selbstmanagement. Falls eine psychische Problematik zugrunde liegt, kann eine entsprechend ausgerichtete Therapie der richtige Weg sein.

    - - Stimmbandlähmung: Eine Stimmband- oder Stimmlippenlähmung ist Folge einer Schädigung zuständiger Nerven, meist im Halsbereich. Außerdem kann von Narbenbildungen nach einer Operation / Narkose, von Schädigungen des Stimmapparates durch Entzündungen oder Giftwirkungen, von Tumoren, selten auch von Gehirnschädigungen oder von unbekannten Ursachen herrühren.

    Symptome: Ist nur eine Seite gelähmt, tritt eine mehr oder weniger ausgeprägte Heiserkeit auf. Beim Sprechen kommt es häufig zu Atemnot, weil zu viel Luft entweicht (phonatorische Dyspnoe). Bei beidseitiger Stimmbandlähmung stehen die Stimmbänder in Mittelstellung und nah beieinander. Je nach Ausprägung ist Sprechen noch besser möglich als Atmen, das unterschiedlich stark erschwert sein kann (am meisten bei Belastung) – bis hin zu deutlicher Atemnot mit hörbarem „Ächzen“ und Pfeifen (Stridor).

    Therapie: Einseitige Stimmbandlähmung: Ob sich die Stimmlippenfunktion wieder regeneriert, hängt von der Ursache der Schädigung ab. Mitunter dauert es eine Weiler und braucht viel Geduld. Eine logopädische Behandlung vermittelt geeignete Sprech- und Atemtechniken und fördert den Regenerationsprozess. Ob zum Beispiel eine Elektrostimulationsbehandlung nachhaltiger helfen kann, ist noch unklar. Zeichnet sich innerhalb nach mehreren Monaten keine Besserung ab, kann eine Operation die Stimme verbessern. Es gibt verschiedene Techniken, zum Beispiel eine Stimmlippenunterfütterung (Augmentation).

    Beidseitige Stimmbandlähmung: Ziel ist zunächst, die Atmung sicherzustellen. Eine bekannte Ursache muss so gezielt wie möglich behandelt werden. Im Notfall ist eine Beatmung oder ein operativer Noteingriff angezeigt, und nur falls absolut alternativlos, ein Luftröhrenschnitt mit Anlage eines Tracheostomas (Öffnung der Luftröhre nach außen).



Bildnachweis: W&B/Jörg Neisel, W&B/Kühn
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