Lebensmittelunverträglichkeiten

Hinter Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen können Unverträglichkeiten auf bestimmte Stoffe stecken. Einige Menschen vertragen Fruchtzucker schlecht, andere Laktose, Histamin oder Gluten. Ein Überblick über Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 03.07.2013

Nahrungsmittel-Unverträglichkeit? Einige Menschen vertragen Lebensmittel wie Trauben, Käse oder Äpfel nicht so gut

W&B/Brigitte Sporrer

Sie essen Rosinen und bekommen einen Blähbauch. Sie trinken ein Glas Milch und müssen schleunigst auf Toilette. Sie verzehren Käse und plötzlich brummt der Kopf. Reagieren Sie auf bestimmte Lebensmittel mit Beschwerden, vertragen Sie möglicherweise manche Stoffe im Essen nicht.

Experten unterscheiden zwischen einer Allergie und einer Unverträglichkeit auf Lebensmittel. Während bei einer Allergie das körpereigene Immunsystem eine Rolle spielt, haben sogenannte Intoleranzen andere Ursachen. Mehr zu Allergien können Sie hier nachlesen: Ratgeber Nahrungsmittelallergien.


Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktoseintoleranz)

Fruchtzucker, auch Fruktose genannt, kommt in Obst vor und verleiht ihm seine Süße. Aus dem Darm wird der Zucker über ein Transporteiweiß ins Blut geschleust. Die Menge, die der Transporter auf einmal befördern kann, ist natürlicherweise begrenzt – deshalb verträgt jeder Mensch Fruchtzucker nur in Maßen. Vermutlich funktioniert die Fruktose-Schleuse bei etwa einem Drittel der Deutschen allerdings nur eingeschränkt, weshalb sie schon auf kleinere Mengen der Fruchtsüße mit Beschwerden reagieren.

Typische Symptome sind Blähbauch und Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Ob eine Fruktoseintoleranz vorliegt, kann der Arzt mit einem Atemtest feststellen. Steht die Diagnose fest, sollte der Betroffene seine Ernährungsgewohnheiten mit einem Fachmann besprechen. Wichtig: Im Normalfall müssen Sie nicht komplett auf Fruktose verzichten! Lediglich fruchtzuckerreiche Lebensmittel wie Trockenfrüchte, Obstsäfte, Äpfel und Honig sollten Sie – je nach individueller Verträglichkeit – nur in Maßen essen. Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie hier: Ratgeber Fruchtzuckerunverträglichkeit.

Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz)

Zirka 15 Prozent der Deutschen vertragen nur kleine Mengen Milchzucker, auch als Laktose bezeichnet. Der Grund: ein Enzymmangel. Damit der Milchzucker verwertet werden kann, muss er im Darm aufgespaltet werden. Das geschieht durch das Enzym Laktase. Wird zu wenig davon gebildet oder wirkt es nicht ausreichend, kann folglich auch weniger Laktose abgebaut werden. Der Zucker gelangt in den Dickdarm und wird dort von Darmbakterien zerlegt. Dabei kann es zu Blähungen, Durchfall und Bauchgrimmen kommen.

Eine Milchzuckerunverträglichkeit lässt sich mit einem Atemtest feststellen. Wer diese hat, muss individuell austesten, welche Milchprodukte er ohne Probleme verträgt. Viel Laktose steckt zum Beispiel in Milch, Quark, Sahne, Frischkäse und Schokolade. Hartkäse sind praktisch laktosefrei. Inzwischen gibt es zahlreiche Produkte, in denen der Milchzucker bereits aufgespaltet ist und die daher meist gut vertragen werden. Weiteres zum Thema können Sie hier lesen: Ratgeber Milchzuckerunverträglichkeit.

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)

Die Zöliakie ist ein Sonderfall. Sie ist weder eine Allergie noch eine klassische Unverträglichkeit, auch wenn sie so bezeichnet wird. Wer eine Zöliakie hat, dessen Darmschleimhaut ist durch das Vorhandensein des Klebereiweißes Gluten entzündet. Denn das körpereigene Abwehrsystem sieht Gluten als Feind an und löst eine Immunreaktion in der Darmschleimhaut aus, welche mit einer Entzündung einhergeht.

Die Zöliakie führt häufig zu einem Mangel an bestimmten Nährstoffen, da diese nur noch eingeschränkt aufgenommen werden. Die Krankheit kann Durchfall und fettige Stühle auslösen, teilweise aber auch kaum Beschwerden bereiten. Steht die Diagnose fest, muss der Patient konsequent auf Gluten verzichten. Das Eiweiß kommt unter anderem in Getreide wie Weizen und Roggen vor und damit in sehr vielen Lebensmitteln. Mehr dazu hier: Zöliakie.

Neuesten Erkenntnissen zufolge gibt es neben der Zöliakie eine weitere Form der Glutenunverträglichkeit, der ein anderes Krankheitsgeschehen zugrunde liegt. Dies muss jedoch weiter erforscht werden.

Histaminunverträglichkeit (Histaminintoleranz)

Forscher sind sich uneinig darüber, ob es eine Histaminunverträglichkeit wirklich gibt. Histamin ist zum einen ein körpereigener Botenstoff, zum anderen findet er sich in einigen Lebensmitteln. Vermutlich können manche Menschen Histamin aus der Nahrung langsamer oder nur unvollständig abbauen. Dabei spielen wohl ein oder mehrere Enzyme eine Rolle.

Ob nur histaminreiche Lebensmittel zu Beschwerden führen, ist unklar. Denn es gibt auch Essen und Trinken, das selbst kein Histamin enthält, im Körper aber dennoch die Freisetzung des Stoffes begünstigt oder dessen Abbau behindert. Die möglichen Symptome einer Histaminintoleranz variieren ebenso wie die mutmaßlichen Ursachen. Betroffene berichten über Kopfschmerzen und Migräne, aber auch über Magen-Darm-Probleme, Herzrasen oder Nesselsucht.

Nachweisen lässt sich eine potenzielle Unverträglichkeit auf Histamin derzeit nur schwer. Experten raten, bei Verdacht einen Allergologen und einen Ernährungsberater aufzusuchen. Ein Ernährungsspezialist kann mit dem Betroffenen herausfinden, welche Lebensmittel Probleme bereiten. Histamin steckt beispielsweise in gereiften Käsesorten wie Emmentaler oder Parmesan, in Rotwein, Salami, Sauerkraut und Fischkonserven.

Generell gilt: Hinter Magen-Darm-Beschwerden können zahlreiche Ursachen stecken – darunter harmlose und ernste. Nicht immer sind Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten schuld. Wer starke, anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden hat, sollte sich deshalb vom Arzt untersuchen lassen!


Unser Experte: Dr. Andreas Leodolter

W&B/Privat

Beratender Experte: Dr. Andreas Leodolter, Gastroenterologe und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Herne


Quellen:

- Biesalski, Bischoff, Puchstein: Ernährungsmedizin, Thieme Verlag, 4. Auflage

- "Fructosemalabsorption" und "Ernährungstherapie bei Fructosemalabsorption", Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Stand Mai 2012

- Fink: Ernährung und Diätetik, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (WVG), 2. Auflage

- Online-Informationen des VerbraucherService Bayern, Bayerisches Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Stand 2011

- Patienteninformationen des Allergie-Centrums an der Charité Berlin


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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