Genitalbeschwerden und -veränderungen

Hinter Beschwerden im Intimbereich stecken in vielen Fällen Bakterien, Pilze oder Viren, die zum Teil beim Sex übertragen werden können

von Justus Schönemann, aktualisiert am 28.05.2013

Beschwerden an den Geschlechtsorganen werden häufig durch Bakterien, Viren oder Pilze verursacht – oft übertragen durch sexuelle Kontakte. Andere Ursachen sind Hauterkrankungen im Intimbereich, hormonelle Störungen und Krebs bzw. Vorstufen davon. Weitere Auslöser von Beschwerden sind Fehlbildungen (zum Beispiel Harnröhrenspalte) oder "mechanische" Ursachen wie Verletzungen, Hodentorsion oder Reizung durch übermäßige Reibung.

Die am häufigsten auftretenden Symptome bei Genitalbeschwerden sind Juckreiz (Pruritus) sowie Schmerzen und/oder Brennen beim Wasserlassen (Algurie). Oft kommt ein Ausfluss aus der Scheide oder der Harnröhre hinzu, manchmal auch Schmerzen oder Schwellungen.

Bei Auftreten von Genitalbeschwerden sollte immer der Arzt aufgesucht werden (Hausarzt oder Facharzt wie Urologe, Gynäkologe, Hautarzt). Insbesondere infektiöse Genitalbeschwerden müssen schnell behandelt werden, weil sie in der Regel ansteckend sind und sich ohne ausreichende Therapie gravierende Spätfolgen wie Unfruchtbarkeit oder Krebs entwickeln können. Bei manchen Erkrankungen – zum Beispiel Hodentorsion und Priapismus (Dauererektion) – ist eine notfallmäßige Behandlung notwendig.

Der folgende Überblick bietet nur eine Auswahl wichtiger Ursachen von Genitalbeschwerden. Er ist nicht vollständig und darf nicht als Anleitung zur Selbstdiagnose verstanden werden. Die Diagnose kann nur der Arzt stellen.


Mögliche Ursachen für Genitalbeschwerden bei beiden Geschlechtern

Chlamydieninfektion: Infektion mit Chlamydien, meist der Art Chlamydia trachomatis. Sie gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Vielfach – vor allem bei Frauen – verläuft die Infektion symptomlos, sodass Infizierte die Erreger unwissentlich auf den Partner übertragen können. Treten Begleiterscheinungen auf, dann vor allem Juckreiz, Brennen beim Wasserlassen und Ausfluss. Bleibt eine Chlamydieninfektion unentdeckt, kann im Extremfall infolge eines Übergreifens auf andere Organe (Prostata, Nebenhoden; Gebärmutterhals, Gebärmutterschleimhaut) Unfruchtbarkeit entstehen.

Gonorrhoe (Tripper): Durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae hervorgerufene, meist sexuell übertragene Krankheit. Typische Symptome beim Mann sind Harnröhrenentzündung (Urethritis),  Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen und eitriger Ausfluss aus der Harnröhre. Bei den meisten Frauen verläuft die Infektion zunächst unbemerkt, manchmal kommt es zur Entzündung der Harnröhre oder des Gebärmutterhalses. Durch aufsteigende Bakterien können sich allerdings innere Geschlechtsorgane entzünden (Eileiter (Salpingitis), Eierstock (Oophoritis), Gebärmutterschleimhaut (Endometritis)).

Syphilis (Lues, Lues venera): Eine vorwiegend sexuell übertragene Krankheit – verursacht durch das Bakterium Treponema pallidum. Mit Penicillin (oder anderen Antibiotika) kann sie wirksam bekämpft werden. Im Anfangsstadium bildet sich typischerweise am Penis bzw. an der Scheide ein Geschwür, das aber keine Schmerzen verursacht; die benachbarten Lymphknoten schwellen an. Wird eine Syphilis nicht behandelt, kann sie nach Jahren zu schweren Organschäden führen, im Endstadium wird das zentrale Nervensystem angegriffen und zerstört.

Genitalherpes (Herpes genitalis): Zum größten Teil durch Herpes-simplex-Viren vom Typ 2 (HSV 2) verursacht, aber auch Typ 1 (Erreger der Lippenherpes) kann ursächlich sein. Genitalherpes zählt zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Symptome sind Juckreiz und Brennen im Genitalbereich (auch am After und am Gesäß), später bilden sich in den betroffenen Regionen Gruppen von Bläschen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind, nach einiger Zeit zu Krusten eintrocknen und nach 8 bis 10 Tagen schließlich abheilen. Die Leistenlymphknoten können geschwollen sein. Da die Viren nach dem Verschwinden der Symptome jedoch weiter im Körper bleiben, kann die Erkrankung jederzeit wieder auftreten.

Feigwarzen (Condylomata acuminata): Infektion der Genitalien (evtl. auch After) mit dem humanen Papilloma-Virus (HPV). Übertragungsweg ist auch hier sexueller Kontakt. Die meisten HPV-Infektionen verlaufen ohne Symptome. Bilden sich Feigwarzen aus, wobei aus Knötchen warzige Gebilde entstehen, dann kann dies auch erst Wochen nach der Infektion, mitunter sogar erst nach Monaten geschehen. Lokalisiert sind sie meistens am Penisschaft (Männer) und an den Schamlippen (Frauen).

Harnwegsinfekte: Aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre, durch die Krankheitserreger (meist Escherichia coli) leichter in den Harntrakt gelangen, sind Frauen von Harnwegsinfekten häufiger betroffen als Männer. Beschwerden im Genitalbereich (Schmerzen/Brennen beim Wasserlassen, Juckreiz, Ausfluss) entstehen durch eine Harnröhren- oder Blasenentzündung.

Trichomoniasis: Durch Parasiten (Trichomonas vaginalis) hervorgerufene Entzündung von Scheide und Harnröhre (Frauen) oder nur Harnröhre (Männer). Bei Frauen tritt Juckreiz an einer oft geröteten und geschwollenen Scheide auf. Dazu kommt ein schaumiger, unangenehm riechender Ausfluss, oft auch Brennen beim Wasserlassen. Männer haben meist keine Beschwerden.

Ekzeme: Nicht ansteckende Hauterkrankungen, die in unterschiedlichen Formen auftreten, zum Beispiel als juckendes, nässendes, blasenbildendes, schuppendes Ekzem. Auch in Lokalisation (generalisiert oder auf einzelne Regionen beschränkt) und Ausdehnung (kleinfleckig, großfleckig, scharf begrenzt, verwaschen) unterscheiden sie sich.

Pilzerkrankungen (Mykosen): Pilzinfektionen im Genitalbereich werden in erster Linie durch den Hefepilz Candida albicans verursacht. Candidamykosen der weiblichen Geschlechtsorgane betreffen vorwiegend Vulva und Vagina. Sie sind begleitet von Juckreiz, Brennen beim Wasserlassen, Schwellung, Rötung und Ausfluss. Beim Mann äußert sich die Infektion als Balanitis, eine Entzündung der Eichel mit Juckreiz und Rötung. Auch Hautveränderungen (Papeln), weißliche Beläge und eine Schwellung der Vorhaut können auftreten.

Lichen sclerosus et atropicus: Die Ursache dieser Haut- und Schleimhauterkrankung ist nicht bekannt. Im Genitalbereich verursacht sie zunächst Brennen und Juckreiz, später treten juckende Knötchen und weißliche Hautveränderungen auf, die mit der Zeit verhärten. Bei Frauen sind typischerweise Schamlippen, Scheideneingang, Damm und After betroffen, bei Männern Eichel und Vorhaut.

Krebserkrankungen: Bei Frauen ist hier das Vulvakarzinom (Scheidenkrebs) zu nennen (Symptome: im Genitalbereich Juckreiz, Geschwüre und Knoten an den Schamlippen, Sekretabsonderung, wunde Stellen, eventuell Feigwarzen), bei Männern Hodentumoren und Peniskarzinom. Von Hodenkrebs sind vor allem jüngere Männer (20–45 Jahre) betroffen. Leitsymptom, das relativ früh beim Abtasten wahrnehmbar ist, ist eine meist einseitige Schwellung oder Verhärtung am Hoden. Ein Peniskarzinom entwickelt sich meist langsam. Schwellungen sowie entzündliche Veränderungen an Eichel und Vorhaut können erste sichtbare und spürbare Anzeichen sein. Später vergrößern sich die Lymphknoten in der Leiste.

Eine Erythroplasie – ausgelöst durch das humane Papilloma-Virus (HPV) – ist eine Krebsvorstufe (Präkanzerose) der Genitalien, die bei Männern (Penis, Eichel, Vorhaut) und Frauen (Schamlippen) auftritt; Mundschleimhaut und Analregion können mit betroffen sein. Symptome sind scharf begrenzte, großflächige rötliche Flecken, die aber meist keine weiteren Beschwerden verursachen. Aus einer nicht behandelten Erythroplasie kann sich Hautkrebs entwickeln.

Mögliche Ursachen für Genitalbeschwerden bei Frauen

Bakterielle Vaginosen (Gardnerella-Vaginose/Aminkolpitis/unspezifische Kolpitis): Sie können entstehen, wenn die Balance der schützenden Scheidenflora, die hauptsächlich aus Milchsäurebakterien (Laktobazillen) besteht, gestört ist. Andere Bakterien – oft Gardnerella vaginalis und anaerobe Bakterien – bekommen dann ein Übergewicht, was häufig zu einem weißen oder gelblichen Ausfluss und (nicht immer) zu einem unangenehmen, fischigen Geruch in der Scheidenregion führt.

Hormonelle Störungen: Hier ist in erster Linie der in den Wechseljahren auftretende  Östrogenmangel zu erwähnen, der die Scheidenschleimhäute austrocknen lässt, wodurch Juckreiz entstehen kann.

Mögliche Ursachen für Genitalbeschwerden bei Männern

Balanitis: Entzündung der Eichel und/oder der Vorhaut (Posthitis) des männlichen Gliedes, die durch Bakterien, Viren, Pilze oder auch mechanische Reize verursacht sein kann. Je nach Ursache treten unterschiedliche Hautveränderungen an der Eichel auf, meist begleitet von Juckreiz und Schmerzen.

Prostataentzündung (Prostatitis): Bakterien, die meist über die Harnröhre in die Prostata gelangen, sind die Ursache der akuten bakteriellen Prostatitis. Begleitet wird sie meist von hohem Fieber, starkem und häufigem Harndrang , erschwertem und schmerzhaftem Wasserlassen (Dysurie, Algurie), Brennen in der Harnröhre und Ausfluss. Weiteres Zeichen sind Stuhldrang und Schmerzen beim Stuhlgang.

Hodenentzündung (Orchitis): Kann im Rahmen anderer Infektionen auftreten, wenn Erreger – meist Viren – über die Blut- oder Lymphbahn oder Harnwege ins Hodengewebe gelangen. Mögliche "Auslöser"-Erkrankungen sind beispielsweise Mumps, Windpocken und Pfeiffersches Drüsenfieber. Symptome sind geschwollene und schmerzende Hoden, Hautrötungen am Hodensack, häufiges Wasserlassen und Fieber.

Nebenhodenentzündung (Epididymitis): Meist durch Bakterien oder Viren hervorgerufene Infektion, die im Verlauf häufig auch zu einer Hodenentzündung führt. Typische Anzeichen sind eine schmerzhafte Schwellung der Hoden, Hautrötungen am Hodensack, Fieber, Schüttelfrost sowie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen.

Penisveränderungen und -anomalitäten: Hier sind vor allem zu nennen die Vorhautverengung (Phimose, Paraphimose), die Penisfibromatose und Priapismus (Dauererektion). Bei einer Phimose lässt sich die Vorhaut nicht über die Eichel zurückzustreifen. Im Kindes und frühen Jugendalter ist dies noch normal, eine krankhafte Phimose bei Erwachsenen muss behandelt werden. Ein akuter Notfall ist hier die Paraphimose, bei der eine gewaltsam zurückgezogene Vorhaut die Blutzufuhr zur Eichel abschnürt.

Bei einer Penisfibromatose (Penisknochen) verhärtet der Penis aufgrund einer krankhaften Bindegewebswucherung, was zu Problemen beim Geschlechtsverkehr führen kann.

Priapismus ist ebenfalls ein Notfall, der sofort behandelt werden muss, um bleibende Funktionsstörungen zu vermeiden.

Hodenveränderungen und -anomalitäten: Bei einer Hodentorsion ist ein Hoden verdreht, was zu plötzlichen Schmerzen führt, die in die Leiste ausstrahlen. Der betroffene Hoden ist gerötet und geschwollen. Eine Hodentorsion ist ein medizinischer Notfall, da durch die Schädigung die Zeugungsfähigkeit gefährdet ist.

Auch der Hodenhochstand beim Säugling, bei dem ein Hoden noch nicht in den Hodensack abgestiegen ist, ist fast immer behandlungsbedürftig, um Hodenkrebs und Fruchtbarkeitsstörungen vorzubeugen.

Schwellungen an den Hoden, die mit Schmerzen verbunden sind, können auch auf einen Krampfaderbruch (Varikozele) oder einen Wasserbruch (Hydrozele) zurückzuführen sein. Kommen Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen hinzu, kann es sich auch um einen eingeklemmten Leistenbruch handeln, der sofort operiert werden muss.


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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