Krampfadern (Varikose, Varikosis, Varizen)

Krampfadern betreffen vor allem die hautnahen Venen am Bein und ihre Verbindungen nach innen. Früh behandelt, verbessern sich Venenfunktion wie Optik, und das Risiko für Komplikationen sinkt


Das Krampfaderleiden ist eine Volkskrankheit

Krampfadern sind dauerhaft erweiterte, unregelmäßig geschlängelte Venen. Sie kommen vor allem an den Beinen vor, mitunter auch im Beckenbereich.

Schon die „Minimalvariante“, die eigentlich harmlosen Besenreiser, empfinden viele Betroffene als kosmetisch störend. Gelegentlich verursachen sie aber auch örtliche Schmerzen. Besenreiser sind kleinste erweiterte Hautvenen, die mit ihren Verästelungen violett oder blau durch die Haut schimmern. Eine Verödungsbehandlung oder eine Lasertherapie kann das Hautbild verbessern.



UNSERE EXPERTIN: Prof. Dr. med. Viola Hach-Wunderle

Vom kosmetischen Problem zur Krankheit

Allerdings geht es bei dem Gefäßleiden nicht nur um Schönheit: Einmal fortgeschritten, sind Krampfadern auch ein medizinisches Problem. Häufig spannen die Beine unangenehm oder schwellen im Laufe des Tages an. Es kann zu bleibenden Hautveränderungen und teilweise hartnäckigen Geschwüren kommen. Manchmal ist auch eine Venenthrombose die Ursache oder Folge.

Krampfadern – eine Volkskrankheit

Krampfadern sind weit verbreitet. So waren zum Beispiel nach den Ergebnissen der 2003 veröffentlichten Bonner Venenstudie in den Jahren von 2000 bis 2002 rund 14 Prozent der Deutschen maßgeblich betroffen. Angesichts der steigenden Lebenserwartung und anderer begünstigender Faktoren (mehr dazu im nachfolgenden Abschnitt) liegen Venenleiden unverändert im Aufwärtstrend. Anders gesagt: Die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung weist Veränderungen unterschiedlichen Ausmaßes an den Venen auf.

Vielfältige Ursachen

Ärzte unterscheiden eine primäre und eine sekundäre Varikose.

Primäre Varikose

Die genauen Ursachen der primären Form des Krampfaderleidens sind vielfältig und nicht vollständig klar. Viele Menschen haben eine vererbte Veranlagung zu Bindegewebs- und Venenschwäche. Häufig neigen sie dann auch zu Krampfadern.

Begünstigend sind Bewegungsmangel, Übergewicht und stehende berufliche Tätigkeit. Das Venenleiden betrifft deutlich mehr Frauen.

Dazu trägt womöglich bei, dass die weiblichen Geschlechtshormone vom Typ der Östrogene die Struktur der Venenwand und Venenklappen beeinflussen. In der Schwangerschaft lockert sich unter tätiger Mithilfe eines weiteren weiblichen Geschlechtshormons, des Progesterons, das Muskel- und Bindegewebe auf – auch in den Venen. Zudem erschwert in der Schwangerschaft die sich vergrößernde Gebärmutter den Abfluss des Blutes aus den Beinen. Daher entstehen Krampfadern häufig in der Schwangerschaft, und schon bestehende nehmen – meist vorübergehend – zu.

Die Häufigkeit, in der Männer mit Krampfadern konfrontiert sind, ist mit über elf Prozent aber ebenfalls beachtlich (Frauen: knapp 15 Prozent). Bei ausgeprägten Formen wie dem chronischen Venenversagen (chronisch-venöse Insuffizienz, siehe Kapitel „Krampfadern: Komplikationen“) liegen Männer sogar leicht vorne (3,8 Prozent der Männer und 3,4 Prozent der Frauen).

Eine weitere Ursache für Krampfadern sind Alterungsvorgänge des Gewebes: Ähnlich wie die Festigkeit der Haut im Lauf des Lebens nachlässt, werden auch die Venen mit der Zeit schlaffer. Dies macht sich verstärkt in der zweiten Lebenshälfte bemerkbar.

Als angeborene Störung kommen in seltenen Fällen fehlende Venenklappen vor.

Sekundäre Varikose

Liegt Krampfadern eine andere Erkrankung zugrunde, handelt es sich um eine sekundäre Varikose. Infrage kommen vor allem tiefe Beinvenenthrombosen (siehe unten: „Mögliche Komplikationen bei Krampfadern“). Normalerweise werden etwa 90 Prozent des Blutes über die tiefen und nur zehn Prozent über die oberflächlichen Venen zum Herzen zurücktransportiert. Wenn tiefe Beinvenen infolge einer Thrombosebildung verstopft sind, erhöht sich dadurch der Bluttransport über die oberflächlichen Venen. Langfristig ist deren Transportkapazität überfordert, sie erschlaffen und bilden sich zu Krampfadern um, zu einer sekundären Varikose.

Eine weitere Ursache von Krampfadern kann eine Herzschwäche sein – falls vor allem die rechte Herzhälfte betroffen ist, eine Rechtsherzschwäche. Die gestörte Herzfunktion kann unter anderem dazu führen, dass der Druck in den Beinvenen steigt. Typischerweise kommt es dann auch zu Beinschwellungen (Ödemen). In ähnlicher Weise gilt das für eine Leberzirrhose (Leberverhärtung).


Krampfadern: Häufige Beschwerden

Anfangs kommt es zu Symptomen wie schwere, müde oder schmerzende Beine und Schwellneigung, vor allem nach langem Stehen oder Sitzen. Betroffene Frauen leiden kurz vor der Menstruation verstärkt darunter. Abends und bei warmen Temperaturen nehmen die Beschwerden zu, bessern sich aber nach Hochlagerung oder Kühlung der Beine.

Wadenkrämpfe werden zwar häufig genannt, gehören aber nicht zu den typischen Beschwerden bei Krampfadern. Sie beruhen in der Regel auf einer Fehlbelastung des Bewegungssystems. Mehr zu den Anzeichen von Krampfadern im Kapitel „Krampfadern: Symptome“.

Wann zum Arzt?

Wenn erweiterte Adern sich unter der Haut abzeichnen oder in Form von Schlängelungen und Knoten hervortreten, nimmt das Venenleiden deutlich sichtbare Züge an. Möglichst schon bei den ersten Anzeichen, die auf ein Venenproblem hinweisen, ist der Rat eines Venenspezialisten (Phlebologen) gefragt.

Zum einen bessern meist schon einfache, gezielte Maßnahmen die Beschwerden in den Beinen. Zum anderen helfen rechtzeitige Diagnose und Therapie, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten und Komplikationen zu vermeiden. Neben den angegebenen Symptomen und Hinweisen auf eine familiäre Veranlagung zu Krampfadern führen den Arzt die körperliche Untersuchung und eine Sonografie der Venen auf die Spur (mehr dazu im Kapitel „Krampfadern: Früherkennung, Diagnose“).

Mögliche Komplikationen bei Krampfadern

Krampfadern ziehen mitunter Komplikationen nach sich. So kann sich eine erweiterte Hautvene entzünden und das Gefäß an dieser Stelle durch ein Blutgerinnsel verstopfen (Varikophlebitis, Varikothrombose). Das ist sehr schmerzhaft, der entzündete Bereich ist überwärmt und gerötet (das Kapitel „Krampfadern: Komplikationen“ informiert Sie auch darüber genauer).
Zwar besteht unter bestimmten anatomischen Voraussetzungen bei einer Varikophlebitis die Gefahr, dass das Blutgerinnsel sich bis in die tiefe Venenstrombahn hinein fortsetzt und dort zu einem Verschluss führt. Dann liegt eine tiefe Venenthrombose vor. Sie bringt ein erhöhtes Risiko für eine Lungenembolie mit sich. Jedoch überwiegen die harmlosen Formen von Venenentzündungen bei weitem.

! Aber Achtung: Bei ungewöhnlichen Schmerzen oder Schwellungen im Bein sollten Sie sofort ärztlichen Rat einholen, bei plötzlicher Atemnot und Brustschmerzen umgehend den Notarzt (Rettungsdienst, Notruf 112) alarmieren.

Bei maßgeblicher Varikose überlastet das in den oberflächlichen Venen zirkulierende hohe Blutvolumen letztlich auch die tiefen Venen, was chronische Schwellungen (Ödeme) des Beines zur Folge hat. Zudem können sich nach langjähriger Krampfaderkrankheit Hautveränderungen und Gewebeschäden bis hin zu einem Geschwür entwickeln. Mit anderen Worten: ein sogenanntes offenes Bein oder Ulcus cruris. Diese Komplikationen treten häufig in der Knöchelgegend auf.

Jedoch sind Krampfadern und ein Beingeschwür manchmal auch Folge einer eigenständigen tiefen Venenthrombose. Dann liegt eine sekundäre Varikose vor (siehe entsprechender Abschnitt weiter oben). In erster Linie treten solche Thrombosen an den Bein- und Beckenvenen auf. An den Arm- und Schultervenen kommen sie dagegen seltener vor und verursachen dort auch nie Geschwüre.

Tiefe Venenthrombosen können verschiedenste Ursachen haben (siehe wiederum Kapitel „Krampfadern: Komplikationen“).



Wassertreten nach Kneipp tut Venen gut

Krampfadern: Vorbeugung und Therapie

Viele Patienten möchten gerne vorbeugend etwas gegen das Krampfaderleiden tun. Teilweise ist das durchaus möglich, der Versuch lohnt sich auf jeden Fall. Eine gesunde Lebensweise, Nichtrauchen, Gewichtskontrolle, Venengymnastik und kalte Unterschenkel- oder Kniegüsse nach Kneipp wirken in dieser Richtung.

Sehr empfehlenswert ist auch regelmäßiger Ausdauersport wie zum Beispiel Walking. Bewegungssportler können ihr Venensystem im Allgemeinen wesentlich länger stabil halten als Nicht-Sportler.

Häufig ist bei den Betroffenen aber doch schon eine Therapie nötig. Der Gefäßspezialist kann die Verhältnisse an den Beinvenen und ihre Behandlungsbedürftigkeit überprüfen und geeignete Behandlungswege vorschlagen. Infrage kommen konservative und operative Maßnahmen. Ausschlaggebend sind immer die Art der Erkrankung – der Krampfadertyp – und ihre Ausprägung.

Zu den bewährten Therapien gehören Verfahren wie Kompressionsbehandlung, Verödung, Laser- und Radiowellentherapie oder eine Operation (mehr dazu im Kapitel „Krampfadern: Therapie“)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: W&B/Bert Bostelmann, W&B/Bernhard Huber, Dynamic Graphics/ John Foxx
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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 29.05.2015,
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