Kopfschmerzen

Kopfweh ist ein weites Feld: Fachleute unterscheiden über 200 verschiedene Formen. Einfach ein Schmerzmittel einzunehmen ist nicht immer eine gute Lösung. Mehr über Ursachen, Diagnose und Therapie von Kopfschmerzen

aktualisiert am 14.04.2016

Schädelbrummen: Etwa 54 Millionen Menschen in Deutschland leiden immer wieder oder dauerhaft an Kopfschmerzen

W&B/Martin Ley

nach obenWelche Kopfschmerzarten gibt es?

Kopfweh kennt fast jeder. Chronische – also regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg in kurzen zeitlichen Abständen auftretende – Kopfschmerzen können die Gesundheit und das Leben der Betroffenen jedoch schwer belasten und bis zur Behinderung führen. In Deutschland leiden etwa 54 Millionen Menschen unter anfallsweisen oder chronischen Kopfschmerzen. Die beiden häufigsten Formen sind Spannungskopfschmerz und Migräne, die insgesamt rund 90 Prozent aller Kopfschmerzerkrankungen ausmachen. Dabei übertrifft der Spannungskopfschmerz mit 63 bis 86 Prozent das Vorkommen der Migräne noch bei weitem. Oft treten die verschiedenen Formen auch kombiniert auf. So haben zum Beispiel einige Migränepatienten auch gleichzeitig Spannungskopfschmerzen.
 
Prinzipiell werden die über 200 bekannten, unterschiedlichen Kopfschmerzarten von der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS= International Headache Society) in zwei große Gruppen eingeteilt:

1. Beschwerden, die selbstständig auftreten, also keiner Ursache zuzuordnen sind (= primärer oder idiopathischer Kopfschmerz): Über 90 Prozent aller Kopfschmerzen, die Patienten zum Arzt führen, gehören zu den primären Kopfschmerzen. Beispiele für primäre Kopfschmerzerkrankungen sind Migräne, Spannungs- oder Clusterkopfschmerzen. Es gibt aber auch noch verschiedene andere Arten primären Kopfschmerzes.

2. Schmerzen, die infolge von anderen Krankheiten auftreten (= sekundärer oder symptomatischer Kopfschmerz): Bei verschiedenen Erkrankungen kann es neben anderen Symptomen auch zu Kopfschmerzen kommen, diese können sogar im Vordergrund stehen oder einziges Symptom sein. So zum Beispiel bei Infektionen, nach Verletzungen des Kopfes, als Nebenwirkung von Arzneimitteln oder anderen Stoffen sowie auch bei deren Entzug, bei gewissen Gefäßkrankheiten im Bereich des Kopfes oder Halses, Schäden von Nerven des Gehirns, Kopfes oder Gesichts, Schädigungen der Halswirbelsäule, Gehirntumoren oder auch Erkrankungen von Hals, Augen, Ohren, Nase, Nasennebenhöhlen, Zähnen ...


Ein Kopfschmerztagebuch hilft, den Beschwerden auf den Grund zu gehen

W&B

Laden Sie sich hier unser Kopfschmerztagebuch zum Ausdrucken herunter:

Mein Kopfschmerztagebuch (PDF-Datei)

nach obenWorauf achten?

Kopfschmerzen sind nicht immer gleich. Ganz im Gegenteil: Gerade bei den primären Kopfschmerzen kann der Arzt oft bereits anhand bestimmter Charakteristika sowie der begleitenden Symptome Rückschlüsse darauf ziehen, um welche Kopfschmerzart es sich handelt.

Wenn Sie Kopfschmerzen haben, sollten Sie daher auf einige Punkte achten, um den Beschwerden auf den Grund zu gehen:

  • Wie fühlt sich der Schmerz an? Ist er stechend (wie durch ein Messer verursacht), pulsierend oder eher dumpf-drückend, als laste ein Gewicht auf dem Kopf?
  • Wo tut es weh? Sind nur bestimmte Abschnitte des Kopfes (zum Beispiel die Schläfe oder das Hinterhaupt) betroffen, tritt der Schmerz immer auf derselben Seite auf (einseitiger) oder sind beide Seiten im Wechsel beziehungsweise der gesamte Kopf beteiligt (beidseitiger Kopfschmerz)?
  • Wie lange dauern die Schmerzen üblicherweise an? 
  • Was bessert die Symptomatik und was verschlimmert sie? 
  • Welche Krankheitszeichen treten gemeinsam mit den Schmerzen auf? Dazu können zum Beispiel gehören: Übelkeit und Erbrechen, Sehstörungen, Sprechstörungen oder Lähmungen, Lichtscheu, Nackensteifigkeit, Fieber

Mit Kopfschmerzen, die das erste Mal auftreten immer zum Arzt!

Thinkstock/Wavebreak Media

Wann zum Arzt?

Treten Kopfschmerzen zum ersten Mal auf, verstärkt sich ein bekannter Kopfschmerz oder kommen die Schmerzattacken häufiger als sonst üblich vor, muss unbedingt ein Arzt klären, ob dahinter eine Erkrankung steckt. Auch bei wiederkehrenden Kopfschmerzen sollte ein Arzt die Ursache klären, bevor man zu Selbsthilfemaßnahmen oder freiverkäuflichen Arzneimitteln aus der Apotheke greift.

Leiden Kinder unter Kopfschmerzen, sollten Sie mit ihnen unbedingt einen Kinderarzt aufsuchen. Medikamente gegen den Schmerz sollten Kinder nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker erhalten, damit sichergestellt ist, dass es sich um ein für Kinder geeignetes Präparat und die passende Dosierung handelt. So sollten zum Beispiel Kinder unter 14 Jahren keine Arzneimittel mit Acetylsalicylsäure bekommen. Vor allem im Zusammenhang mit Infekten drohen bei ihnen sonst gefährliche Leber- und Gehirnschäden (sogenanntes Reye-Syndrom, Ursache noch nicht endgültig geklärt).  

Wichtiger Hinweis für schwangere und stillende Frauen: Viele Arzneimittel sind in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht geeignet oder können sogar Schäden des ungeborenen Kindes oder Säuglings verursachen. Vor der Einnahme von Medikamenten sollten sich schwangere und stillende Frauen daher unbedingt von einem Arzt oder Apotheker beraten lassen.


Manchmal ist ein MRT nötig

Foto: W&B/ Klinik für Radiologie, Universität Innsbruck

nach obenDiagnose – was passiert beim Arzt?

Um zu ermitteln, um welche Kopfschmerzart es sich handelt, erhebt der Arzt eine genaue Krankengeschichte. Er fragt unter anderem nach Häufigkeit, Art und Dauer der Schmerzen, dem Kopfbereich, in dem sie auftreten sowie nach weiteren Krankheitszeichen, die zusammen mit oder vor dem Kopfweh auftreten, wie zum Beispiel Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen oder tränende Augen. Interessant ist auch, wann die Schmerzen genau vorliegen, wie lange sie andauern und was sie lindert oder verschlimmert.

Im Anschluss an die Erhebung der Krankengeschichte untersucht der Arzt den Patienten. Dabei wird er seine Aufmerksamkeit besonders auf Kopf und Hals richten. Er testet zusätzlich die Funktion der Nerven und untersucht eventuell auch die Augen.

Sind die Symptome typisch für eine bestimmte Art primärer Kopfschmerzen und ist die körperliche Untersuchung normal, so kann der Arzt die Diagnose stellen, ohne dass er weitere Untersuchungsverfahren bemühen muss.

Verstärkt sich hingegen ein bekannter Kopfschmerz, verändern sich die Beschwerden oder kann der Arzt die Symptome nicht eindeutig einer Gruppe von primären Kopfschmerzen zuordnen (insbesondere, wenn sie zum ersten Mal auftreten), gilt es sicherzustellen, dass keine andere Erkrankung dahinter steckt. Dasselbe trifft zu, wenn zusätzlich zu den Kopfschmerzen bestimmte Symptome – wie zum Beispiel Sehstörungen, Sprechstörungen, Lähmungen, Krampfanfälle oder Taubheitsgefühl – auftreten.

Um der Ursache auf den Grund zu gehen, wird dann in den meisten Fällen zunächst das Gehirn mit einem bildgebenden Verfahren untersucht. Üblicherweise handelt es sich dabei um eine Magnetresonanztomografie (MRT). Besteht der Verdacht auf eine frische Blutung oder soll eine solche ausgeschlossen werden, kann aber auch eine Computertomografie (CT) sinnvoll sein.

Vermutet der Arzt sekundäre Kopfschmerzen, so kommt zusätzlich eine breite Palette an Diagnosemethoden in Frage, aus denen er diejenigen auswählen muss, die ihm helfen können, seine Verdachtsdiagnose zu bestätigen und/oder schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen. Geht es darum, ob ein Anfallsleiden (Epilepsie) vorliegt, kann zum Beispiel eine Aufzeichnung der Hirnströme (EEG) klärend sein. Beim Verdacht auf eine Hirnhautentzündung (Meningitis) ist es hingegen notwendig, Nervenwasser (Liquor) für eine Untersuchung im Labor zu gewinnen (siehe Meningitis). Manchmal hilft es weiter, bestimmte Blutwerte zu bestimmen – zum Beispiel die Entzündungsparameter, wenn der Arzt glaubt, dass eine Entzündung der Schläfenarterie vorliegen könnte. Auch können Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen sinnvoll sein, beispielsweise, wenn der Verdacht auf eine Nasennebenhöhlenentzündung besteht oder ein Einriss der gehirnversorgenden Gefäße im Halsbereich als Ursache der Kopfschmerzen in Frage kommt.


nach obenPrimäre Kopfschmerzen

Wie eingangs erwähnt gibt es primäre Kopfschmerzen, die selbständig auftreten und sekundäre Kopfschmerzen, deren Ursache eine zugrundeliegende Erkrankung ist.

Die wichtigsten primären Kopfschmerzformen sind Migräne, Spannungskopfschmerz und die trigeminoautonomen Kopfschmerzen, wie der Clusterkopfschmerz. Daneben gibt es jedoch noch verschiedene andere Arten primärer Kopfschmerzen, die zum Beispiel situationsabhängig auftreten.

Kopfschmerz vom Spannungstyp
Der Kopfschmerz vom Spannungstyp (so die genaue Bezeichnung für Spannungskopfschmerz) ist die häufigste Kopfschmerzform überhaupt.

Typischerweise dauern Spannungskopfschmerzen zwischen 30 Minuten und einer Woche. Laut der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft sollten weder Erbrechen noch Übelkeit auftreten und allenfalls eines der beiden Symptome Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit. Zudem müssen mindestens zwei der folgenden Merkmale zutreffen:


•    Drückende oder beengende Schmerzen, die nicht pulsieren
•    Beide Kopfseiten sind betroffen
•    Leichte bis mittlere Schmerzstärke (alltägliche Aktivitäten sind noch möglich oder nur leicht eingeschränkt)
•    Körperliche Aktivität verstärkt die Schmerzen nicht

Um die Diagnose Spannungskopfschmerzen stellen zu können, sollten zudem bereits wenigstens zehn solcher Kopfschmerzperioden im Laufe des Lebens aufgetreten sein.

Ein orientierender Test, entwickelt von Professor Hartmut Göbel, kann helfen herauszufinden, ob es sich bei einem Kopfschmerz um Spannungskopfschmerz handeln könnte:

Test: Ist es Spannungskopfschmerz?

Beim Spannungskopfschmerz unterscheidet man drei verschiedene Verlaufsformen:

1. selten auftretender und vorübergehender (episodischer) Schmerz: an weniger als einem Tag pro Monat (also weniger als zwölf Tage pro Jahr)
2. häufig auftretender und vorübergehender (episodischer) Schmerz: an mehr als einem aber weniger als 15 Tagen pro Monat auftretender (mindestens 12 aber weniger als 180 Tage im Jahr) Kopfschmerz über mindestens drei Monate hinweg
3. anhaltender (chronischer) Kopfschmerz vom Spannungstyp: an mindestens 15 Tagen pro Monat über mindestens drei Monate hinweg (mehr als 180 Tage im Jahr).

Kann der Arzt weitgehend sicher ausschließen, dass eine andere Erkrankung hinter den Kopfschmerzen steckt, sind keine weiteren Untersuchungen nötig. Gibt es jedoch Zweifel oder sind die Symptome nicht eindeutig, sollte weiter untersucht werden.

Die Ursache des Krankheitsbildes ist noch nicht endgültig geklärt. Wissenschaftler vermuten, dass das Schmerzzentrum im Gehirn dabei so verändert ist, dass die Schwelle, ab der ein Reiz als Schmerz wahrgenommen wird, vermindert ist.

Bei akuten Spannungskopfschmerzen können zum Beispiel die Schmerzmittel Acetylsalicylsäure (Vorsicht: Nicht bei Kindern unter 14 Jahren), Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen oder Metamizol helfen. Auch Mischpräparate, die verschiedene Wirkstoffe und meist auch Koffein zur Verstärkung der Wirkung enthalten, können beim akuten Spannungskopfschmerz eingesetzt werden. Manchem Betroffenen hilft es, großflächig Pfefferminzöl auf Schläfe und Nacken aufzutragen. Doch Vorsicht: Bringen Sie das Öl nicht an oder in die Augen.

Ob beim häufig auftretenden Spannungskopfschmerz eine Vorbeugung (Prophylaxe) mit Medikamenten sinnvoll ist, ist noch nicht geklärt. Jedenfalls sollten Personen mit häufigen Spannungskopfschmerzen sich unbedingt beim Arzt beraten lassen, wann und in welcher Dosis sie Schmerzmittel einnehmen sollen. Denn bei zu häufiger Verwendung dieser Medikamente kann es ebenfalls zu Kopfschmerzen kommen und es besteht die Gefahr, eine Abhängigkeit zu entwickeln. Daher sollten Patienten mit häufigen oder chronischen Spannungskopfschmerzen so weit als möglich auf diese Arzneimittel verzichten. Sie dürfen maximal an 10 Tagen pro Monat eingenommen werden.

Bei chronischen Spannungskopfschmerzen können Entspannungsübungen (zum Beispiel nach Jacobson), Ausdauertraining (wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren) sowie andere Maßnahmen zur Stressbewältigung eventuell dazu beitragen, die Anzahl der Kopfschmerzepisoden zu reduzieren. Medikamente zur Vorbeugung von Spannungskopfschmerzen sind Antidepressiva wie Amitriptylin. Diese werden nicht eingesetzt, weil vermutet wird, dass die Betroffenen vielleicht depressiv sind, sondern weil sie allgemein chronische Schmerzbilder günstig beeinflussen können.


Frau mit Kopfschmerzen

Migräne richtig behandeln

Immer wieder diese Migräne! Das haut irgendwann selbst den Stärksten um. Zeit, das Leiden richtig anzugehen. Mit den richtigen Therapien und Medikamenten muss heutzutage kein Mensch mehr unter Migräne leiden. Fangen Sie jetzt gleich damit an, Migräne richtig zu behandeln - in der Gesundheitsakademie. Hier klicken! »

Migräne
Migräne tritt vor allem bei Erwachsenen auf, aber auch Kinder können daran erkranken. Vor der Pubertät beträgt die Häufigkeit 4 bis 5 Prozent. Jungen und Mädchen sind gleich oft betroffen. Am häufigsten sind Migräneanfälle jedoch zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. In diesem Alter leiden Frauen dreimal häufiger unter der Kopfschmerzerkrankung als Männer.

Typisch für Migräne sind pulsierende Kopfschmerzen, die sich auf eine Kopfhälfte konzentrieren und sich bei körperlicher Betätigung verstärken können. Die Schmerzen treten anfallsweise auf, oft begleitet von Symptomen wie Lärm- und Lichtempfindlichkeit, Übelkeit oder Erbrechen. Nur ein Drittel der Patienten klagt über Schmerzen im gesamten Kopf. Wenn die Kopfschmerzen einseitig auftreten, können sie innerhalb eines Anfalls oder von Attacke zu Attacke die Seite wechseln.

Um herauszufinden, ob es sich bei einem Kopfschmerz um Migräne handeln könnte, können Sie den von Professor Hartmut Göbel entwickelten Schnelltest machen:

Schnelltest: Ist es Migräne?

Bereits vor dem Beginn der Kopfschmerzen können sich diese dem Betroffenen durch bestimmte Symptome wie Sehstörungen, Lichtblitze und Taubheitsgefühle ankündigen. Dieses Phänomen dauert meistens etwa 30 bis 60 Minuten und wird Aura genannt. Eine Aura tritt bei ungefähr 20 Prozent der Migränepatienten häufig auf, noch mehr haben selten eine Aura. Eine häufige Form der Aura ist das Flimmerskotom, eine Flimmerempfindung vor dem Auge. Dieses Skotom geht in der Regel von einem Punkt aus und vergrößert sich langsam. Die Randzonen stellen sich gezackt und flimmernd dar. Ein- und dieselbe Person kann sowohl unter Attacken mit als auch ohne Aura leiden. Manche Menschen erleben eine Aura, ohne dass sich anschließend das Vollbild der Migränekopfschmerzen entwickelt. Da anhand der Symptome dann nicht klar ist, ob es sich nicht auch um eine andere Erkrankung handeln könnte, müssen diese Personen genauer untersucht werden.

Noch vor Beginn der Aura kann es zu einem allgemeinen Unwohlsein, zu Heißhunger oder zu Stimmungsveränderungen kommen. Erfahrene Migränekranke können anhand dieser Anzeichen vorhersagen, dass sie eine Attacke erleiden werden.

Viele Migränepatienten berichten von einem Beginn der Schmerzen im Nacken, die dann im weiteren Verlauf halbseitig zur Stirn ausstrahlen, sowie von zusätzlichen Nackenverspannungen. Diese sind aber nicht Ursache des Kopfwehs, sondern eher eine Folge: Die Migräne projiziert sozusagen Schmerzen in den Nacken.

Die Diagnose Migräne stützt sich auf das typische Beschwerdebild und den Verlauf der Erkrankung. Als sogenannte Hauptmerkmale für die Migräne gelten laut der Internationalen Headache Society (IHS):
•    einseitige Kopfschmerzen
•    pulsierender Schmerz
•    mäßige bis starke Schmerzen mit einer erheblichen Einschränkung der Alltagsaktivitäten
•    Verschlimmerung der Schmerzen durch körperliche Aktivität

Als Begleitmerkmale bezeichnet die IHS:
•    Übelkeit und/oder Erbrechen
•    Lichtempfindlichkeit und Lärmempfindlichkeit

Für die Diagnose Migräne müssen mindestens zwei Hauptmerkmale und ein Begleitmerkmal vorliegen. Die Dauer der unbehandelten Attacken muss jeweils zwischen vier und 72 Stunden betragen und der Arzt sollte ausschließen können, dass eine andere Erkrankung den Kopfschmerzen zugrunde liegt. Zusätzlich sollten der aktuellen Kopfschmerzattacke bereits wenigstens fünf weitere im Laufe des Lebens vorausgegangen sein.

Falls es Zweifel an der Diagnose gibt oder gemeinsam mit den Kopfschmerzen ungewöhnliche Symptome wie anhaltende Lähmungen oder Bewusstseinstrübung auftreten, so wird der Arzt weitere Untersuchungen anordnen, um andere Ursachen für den Kopfschmerz auszuschließen.

Migräne kann durch bestimmte Auslöser (Trigger) begünstigt werden. Diese Auslöser sind jedoch nicht bei jedem Migränepatienten gleich. Solche Trigger können zum Beispiel Stress, Schlafmangel oder ein veränderter Tagesrhythmus sein. Daher lohnt es sich gerade zu Beginn, ein Kopfschmerztagebuch zu führen und darin mögliche Trigger-Faktoren zu verzeichnen.

Mehr Informationen über Migräne und ihre Behandlung finden Sie im Ratgeber Migräne.

Trigeminoautonome Kopfschmerzen

Unter trigeminoautonomen Kopfschmerzen fasst man eine Gruppe attackenartiger, stärkster Kopfschmerzen zusammen. Sie breiten sich nur an einer Kopfhälfte im Bereich der Schläfe und um das Auge herum aus. Die Schmerzen sind regelmäßig begleitet von weiteren Zeichen und Beschwerden, so besteht in allen Fällen gleichzeitig wenigstens eines der folgenden Symptome: Tränenfluss, Nasenlaufen, Rötung des Auges oder das sogenannte Horner-Syndrom (= Pupillenverengung, eingesunkener Augapfel, herabhängendes Oberlid), Schwellung der Gesichtshälfte oder körperliche Unruhe.

Die verschiedenen Formen trigeminoautonomer Kopfschmerzen unterscheiden sich vor allem durch Dauer und Häufigkeit der Attacken. Sie können alle in einer episodischen Form und einer chronischen Form vorkommen. Bei der chronischen Form treten praktisch täglich Kopfschmerzen auf. Beschwerdefreiheit besteht nie länger als zwei Wochen. Liegt hingegen die episodische Form vor, können die Betroffenen zwischenzeitlich auch für einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Jahren vollständig frei von Symptomen sein.

Bestehen trigeminoautonome Kopfschmerzen, müssen andere Krankheitsbilder ausgeschlossen werden, vor allem die Trigeminusneuralgie, bei der die Attacken extrem kurz (zumeist unter einer Sekunde) dauern und keine Begleitsymptome wie tränende Augen, laufende Nase etc. auftreten.

  • Clusterkopfschmerz:

Clusterkopfschmerzen treten gehäuft über Wochen (daher die Bezeichnung nach dem englischen „cluster“ = Haufen) bis zu achtmal täglich auf, charakteristischerweise auch in der Nacht. Die einzelnen Kopfschmerzattacken dauern zwischen 15 und 180 Minuten. Sie treten oft zur gleichen Stunde im Tagesverlauf auf, häufig ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen oder in den frühen Morgenstunden. Die Betroffenen empfinden heftigste, einseitige Kopfschmerzen, meist im Bereich der Stirn oder des Auges. Sie veranlassen sie dazu, sich zu bewegen und zum Beispiel umherzugehen oder mit dem Oberkörper zu schaukeln. Diese „Bewegungsunruhe“ ist typisch für das Krankheitsbild. Ebenfalls typisch ist, dass die Schmerzen immer von weiteren Symptomen wie einem tränenden oder geröteten Auge, einer laufenden Nase, einer Wasseransammlung im Augenlid oder einem Horner-Syndrom (hängendes Oberlid, verengte Pupille und eingesunkenes Auge) begleitet werden. Diese Symptome treten immer auf derselben Kopfseite auf wie die Schmerzen. Männer leiden drei- bis sechsmal häufiger als Frauen an Clusterkopfschmerz.

In der überwiegenden Zahl der Fälle von Clusterkopfschmerz findet sich die episodische Form, bei der über wenige Wochen bis Monate Phasen mit täglichen Attacken auftreten. Dazwischen liegen beschwerdefreie Zeitspannen, die Monate bis Jahre anhalten können. Dauert die Clusterperiode ein Jahr und mehr an, ohne zwischenzeitliche schmerzfreie Phasen, oder dauern die beschwerdefreien Phasen weniger als zwei Wochen, so spricht man vom chronischen Clusterkopfschmerz.

Ein von Professor Hartmut Göbel entwickelter Test, kann Anhaltspunkte liefern, ob Cluster-Kopfschmerz die Ursache des Kopfwehs sein könnte:

Test: Ist es Clusterkopfschmerz?

Treten die Kopfschmerzen das erste Mal auf, ergibt die Untersuchung durch den Arzt auffällige Befunde oder steht die Diagnose nicht eindeutig fest, sollten sicherheitshalber zum Ausschluss anderer Ursachen ein Computertomogramm (CT) der Schädelbasis und eine Magnetresonanzuntersuchung des Kopfes und Kopf-Hals-Überganges gemacht werden. Eventuell sind darüber hinaus auch noch weitere Untersuchungen (zum Beispiel eine Gewinnung und Untersuchung von Nervenwasser) notwendig.

Verschiedene Therapieansätze können bei Clusterkopfschmerz-Attacken helfen. So zeigt bei mehr als der Hälfte der Betroffenen die Inhalation von 100 Prozent Sauerstoff über eine Gesichtsmaske Wirkung. Auch manche der als Migränemittel zugelassenen Triptane können bei Clusterkopfschmerzen helfen, aber nur als Nasenspray oder als Spritze. Eine weitere Möglichkeit ist die Verabreichung eines örtlichen Betäubungsmittels in das Nasenloch der von der Attacke betroffenen Seite. Da nicht jede Methode bei jedem Patienten anschlägt, sollten sich Betroffene von ihrem Arzt ausführlich beraten lassen und nach Absprache mit ihm vielleicht auch verschiedene Therapieansätze ausprobieren.

Zur Vorbeugung von Clusterkopfschmerz-Attacken sind verschiedene Arzneimittel geeignet. Vorzugsweise kommt der Kalziumantagonist Verapamil zum Einsatz. Es gibt aber auch verschiedene andere Medikamente, wie zum Beispiel Kortisonpräparate, Lithium oder bestimmte Antiepileptika, die ebenfalls zur Prophylaxe von Clusterkopfschmerzen Verwendung finden. Ihr Arzt kennt Vorteile und Risiken der einzelnen Medikamente und wägt diese ab, bevor er ein entsprechendes Präparat verordnet. Wegen der Nebenwirkungen der einzelnen Wirkstoffe sind vor allem zu Beginn der prophylaktischen Therapie regelmäßige ärztliche Kontrollen und je nach Arzneimittel auch weitere Untersuchungen, wie zum Beispiel die Bestimmung bestimmter Blutwerte oder regelmäßige Messungen der Herzströme (EKG) nötig.

  • Paroxysmale Hemikranie:

Bei der paroxysmalen Hemikranie handelt es sich um üblicherweise einseitige Kopfschmerzattacken, die sich vom Clusterkopfschmerz durch kürzere (etwa fünf bis dreißig Minuten dauernde), aber dafür häufigere Anfälle und durch das Ruhebedürfnis im Anfall unterscheiden. Bei diesem Kopfschmerz sind Frauen häufiger betroffen.

Treten die Kopfschmerzen das erste Mal auf, ergibt die Untersuchung durch den Arzt auffällige Befunde oder steht die Diagnose nicht eindeutig fest, sollten sicherheitshalber zum Ausschluss anderer Ursachen ein Computertomogramm (CT) der Schädelbasis und eine Magnetresonanzuntersuchung des Kopfes und Kopf-Hals-Überganges sowie gegebenenfalls noch weiter Untersuchungen gemacht werden.

Für die paroxysmale Hemikranie gilt die Besonderheit, dass sie immer und vollständig durch den Wirkstoff Indometacin beseitigt wird. Verabreicht der Arzt das Medikament und verschwinden die Beschwerden innerhalb von Tagen, so ist dies ein untrügliches Zeichen, dass eine paroxysmale Hemikranie vorliegt. Neben der attackenartigen Hemikranie kommt auch eine dauerhaft anhaltende Form dieses Kopfschmerzes vor, genannt Hemicrania continua, die sich ebenfalls sofort auf Indometacin bessert.

Über Dosierung, Art und Dauer der Therapie sollten sich Patienten unbedingt mit ihrem Arzt absprechen. In Schwangerschaft und Stillzeit ist Indometacin nicht geeignet. Da Indometacin wie viele Schmerzmittel den Schutz der Magenschleimhaut gegen Säure verringert, sollten Patienten mit Magenproblemen gegebenenfalls zusätzlich einen Magenschutz in Form eines Säureblockers erhalten.

  • SUNCT-Syndrom:

Das SUNCT-Syndrom zeichnet sich durch sehr kurz (Sekunden bis Minuten) anhaltende einseitige Kopfschmerzattacken aus mit gleichzeitiger Rötung der Bindehäute des Auges und Tränenfluss.

Treten die Kopfschmerzen das erste Mal auf, ergibt die Untersuchung durch den Arzt auffällige Befunde oder steht die Diagnose nicht eindeutig fest, sollten sicherheitshalber zum Ausschluss anderer Ursachen ein Computertomogramm (CT) der Schädelbasis und eine Magnetresonanzuntersuchung des Kopfes und Kopf-Hals-Überganges sowie gegebenenfalls noch weiter Untersuchungen gemacht werden.

Derzeit ist eine allgemein wirksame Therapie nicht bekannt. Mittel der ersten Wahl, das aber nicht allen Betroffenen befriedigend hilft, ist Lamotrigin. Ärzte richten die Behandlung an der individuellen Situation des Patienten aus und werden Nutzen und Risiken der Therapie mit ihm besprechen.
 
Andere primäre Kopfschmerzen
Es gibt noch zahlreiche weitere Arten primärer Kopfschmerzen, die sich nicht in die bisher beschriebenen drei Gruppen einordnen lassen. Meist sind diese Kopfschmerzen harmlos, es stecken keine bedeutenden Ursachen dahinter. Trotzdem sollte man auch diese Schmerzen beim Arzt abklären lassen, um auszuschließen, dass doch eine ernste Erkrankung vorliegt. Insbesondere beim Donnerschlagkopfschmerz und Kopfschmerz bei sexueller Aktivität sollte unbedingt eine Hirnblutung ausgeschlossen werden.

Einige Beispiele für andere primäre Kopfschmerzen:

  • primärer stechender Kopfschmerz: blitzartige Schmerzen an wechselnden Stellen des Schädels ohne weitere Begleitsymptome
  • primärer Hustenkopfschmerz: Minuten lang anhaltende Kopfschmerzen beim Husten
  • primärer Anstrengungskopfschmerz: bei körperlicher Anstrengung oder Sport auftretender, für Stunden anhaltender Kopfschmerz
  • Kopfschmerz bei sexueller Aktivität: vor allem kurz vor oder während des Orgasmus auftretender beidseitiger Schmerz am Hinterkopf für Minuten bis Stunden 
  • primärer Donnerschlagkopfschmerz: Kopfschmerzen, die innerhalb von einer Minute maximale Intensität erreichen und dann über Stunden bis Tage anhalten. Trotz intensiver Diagnostik lässt sich keine Ursache finden 
  • primärer schlafgebundener Kopfschmerz: so genannter „hypnic headache“: Kopfschmerzattacken von wenigen Stunden Dauer, die vor allem bei älteren Menschen ausschließlich nachts (häufig immer zur selben Uhrzeit) auftreten

nach obenSekundäre, symptomatische Kopfschmerzen

Im Folgenden werden kurz einige wichtige Ursachen für sekundäre Kopfschmerzen aufgelistet. Die Liste ist jedoch keineswegs vollständig, da es so viele Gründe für sekundäre Kopfschmerzen gibt (zum Beispiel ein Sonnenstich, Gebissfehlstellungen, unkorrigierte Kurzsichtigkeit, ...), dass eine vollständige Aufzählung hier nicht möglich wäre.

Infektionen
Die meisten Menschen machen im Laufe ihres Lebens – oft schon in der Kindheit – Bekanntschaft mit Kopfschmerzen, die im Rahmen einer Infektionskrankheit, wie zum Beispiel eines Virus-Infektes auftreten. Üblicherweise liegen zugleich noch verschiedene andere Symptome vor (zum Beispiel Hautausschlag, Husten, Fieber ...), die mehr oder weniger typisch für die zugrundeliegende Erkrankung sind.
Klingt der Infekt ab, verschwinden auch die Kopfschmerzen. Eine besondere Behandlung ist daher meist nicht notwendig. Ruhe kann die Symptome in manchen Fällen lindern. Falls nötig, kann auch auf Schmerzmittel zurückgegriffen werden. Kinder unter 14 Jahren sollten jedoch keine Acetylsalicylsäure enthalten, da dieser Wirkstoff bei ihnen unter bestimmten Bedingungen zu gefährlichen Leber- und Gehirnschäden führen kann (sogenanntes Reye-Syndrom, Ursache noch nicht endgültig geklärt). Viele Medikamente sind auch nicht für schwangere oder stillende Frauen geeignet. Sie sollten sich vor der Einnahme von Arzneimitteln unbedingt von einem Arzt oder Apotheker beraten lassen.

Kopfschmerzen als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas
Gewalteinwirkung im Bereich des Kopfes beziehungsweise eine Verletzung, zum Beispiel durch einen Verkehrsunfall, Sturz oder Schlag auf den Schädel, können Kopfweh zur Folge haben.
Bei solchen Schädel-Hirn-Traumen sollte unbedingt ein Arzt ausschließen, dass es nicht zu einer Blutung im Bereich der Hirnhäute oder des Gehirns gekommen ist. Eine solche Blutung kann lebensgefährlich sein. Warnzeichen dafür wären, dass der Betroffene bewusstlos war oder wird, sehr schläfrig oder gar apathisch ist, nicht mehr adäquat reagiert, seine Pupillen sich weiten, sich bei Lichteinfall nicht mehr verengen oder unterschiedlich groß sind. In diesen Fällen gilt es, unverzüglich einen Arzt zu alarmieren beziehungsweise ein Krankenhaus aufzusuchen.
Fließt klare Flüssigkeit oder Blut aus Ohr oder Nase, könnte dies ein Hinweis auf einen Bruch der Schädelbasis sein. In diesem Fall muss sofort ein Krankenhaus aufgesucht oder der Notarzt gerufen werden.

Mehr über dieses Krankheitsbild erfahren Sie im Ratgeber Schädelhirntrauma.

Kopfschmerzen als Folge einer Blutung / Subarachnoidalblutung (SAB)
Kopfschmerzen können auch als Folge von Blutungen im Bereich des Gehirns oder der Hirnhäute auftreten. Plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen, denen häufig zeitlich verzögert Nackenschmerzen folgen, können beispielsweise auf eine sogenannte Subarachnoidalblutung hinweisen. Begleitet werden diese Schmerzen in etwa 50 Prozent der Fälle von Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen. Manche Betroffene entwickeln auch Lähmungserscheinungen und epileptische Anfälle. Typischerweise klagen die Patienten über Lichtscheu (Photophobie) und Nackensteifigkeit.
Bei Verdacht auf eine Subarachnoidalblutung bitte sofort den Rettungsdienst rufen! Weitere Informationen liefert der Ratgeber Hirnblutungen.

Kopfschmerz als Nebenwirkung von Medikamenten oder anderen Stoffen sowie deren Entzug

Kopfschmerzen können auch als Nebenwirkung der verschiedensten Medikamente auftreten. Die Antibaby-Pille oder entsprechende andere hormonelle Verhütungsmittel, Nitrate und Phosphodiesterasehemmer sind nur Beispiele für einige typische Arzneigruppen, bei deren Einnahme Kopfschmerzen auftreten können.


Tückischerweise kann auch der zu häufige Gebrauch von Schmerzmitteln zu Kopfschmerzen führen. Als „zu häufig“ wird dabei definiert, wenn ein Patient mehr als drei Monate lang an mehr als 10 Tagen pro Monat Schmerz- oder Migränemittel (Triptane, Ergotamine) einnimmt. Diese sollten auch nicht an mehr als drei Tagen hintereinander eingenommen werden. Die Menge der Schmerzmittel an einem Tag spielt dabei eine weniger wichtige Rolle.


Aber nicht nur Arzneimittel, sondern auch andere Stoffe können dazu führen, dass sensiblen Personen der Kopf weh tut. So können Alkohol, Drogen und bestimmte Nahrungsmittelbestandteile oder –zusätze (z.B. Nitrate, Histamin) ebenfalls für die Schmerzen verantwortlich sein.


Auch der Entzug regelmäßig konsumierter Substanzen kann Kopfschmerzen hervorrufen. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Koffeinentzug, der bei Personen, die normalerweise große Mengen dieses Stoffes zu sich nehmen, zu einem brummenden Schädel führt.

Kopfschmerzen als Folge einer Reizung der Hirnhäute / Meningitis
Eine Reizung der Hirnhäute (Meningen) kann ebenfalls Kopfschmerzen zur Folge haben. Bei der Meningitis handelt es sich um eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, die meist durch Infektionen, zum Beispiel mit Bakterien (eitrig) oder Viren (nicht-eitrig) hervorgerufen wird.
Die bakterielle Meningitis macht sich vor allem durch drei typische Symptome bemerkbar: Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Fieber. Zeichen einer bakteriellen Infektion der Haut oder Lunge können den Verdacht untermauern. Zusätzlich können Begleitsymptome wie Lichtscheu, Übelkeit und Erbrechen sowie Benommenheit und epileptische Anfälle auftreten.
Beim Verdacht auf eine Meningitis bitte sofort zum Arzt! Mehr über das Krankheitsbild erfahren Sie in unserem Ratgeber Meningitis.

Entzündung der Schläfenarterie (Riesenzellarteriitis, Arteriitis temporalis)
Die Riesenzellarteriitis ist vornehmlich eine Erkrankung älterer Menschen. Es handelt sich dabei um eine Gefäßentzündung, die zu den Krankheiten des rheumatischen Formenkreises gehört. Sie tritt plötzlich (akut) oder weniger heftig und verzögert (subakut) auf. Neben ein- oder beidseitigen stechend-bohrenden Kopfschmerzen findet sich häufig eine schmerzhafte Verhärtung oder Pulsabschwächung der kleinen Schlagader an der Seite der Schläfe (Temporalarterie). Zusätzlich treten auch andere Krankheitszeichen wie eine Erhöhung der Körpertemperatur, Schmerzen beim Kauen, Appetitlosigkeit und unter Umständen auch Gewichtsabnahme auf. Typisch sind auch Sehstörungen, die bis hin zur kompletten Erblindung führen können. Werden Diagnostik und Therapie nicht rechtzeitig eingeleitet, droht der vollständige Verlust der Sehfähigkeit. Die Riesenzellarteriitis tritt in über der Hälfte der Fälle gemeinsam mit einer Form von Muskelrheumatismus (Polymyalgia rheumatica) auf, die Schmerzen der Schulter- und Beckengürtelmuskulatur und der Gelenke verursacht. Mehr zu Diagnose und Therapie der Krankheit im Ratgeber Riesenzellarteriitis.

Sinusvenenthrombose
Verstopfen die großen Sammelvenen im Gehirn zum Beispiel durch einen Blutpfropf bezeichnet man das als eine Thrombose der Sinusvenen. Sie führt zur Behinderung des Blutabflusses und zur Druckerhöhung im Gehirn. Meist sind die Kopfschmerzen drückend und verstärken sich im Liegen. Rasch können sich bei Sinusvenenthrombose Hirnnervenausfälle, Halbseitenlähmungen und epileptische Anfälle entwickeln. Wichtig ist es daher, rasch einen Arzt aufzusuchen. Die Diagnosestellung erfolgt mit Hilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT), die mit einer Darstellung der Hirngefäße gekoppelt sein sollte (MR-Angiografie) oder einer Computertomografie.
Die Therapie bei der Sinusvenenthrombose richtet sich danach, welche Ursache ihr zugrunde liegt. Durch gerinnungshemmende Maßnahmen soll der Blutfluss verbessert und verhindert werden, dass sich der Thrombus vergrößert. Spielt eine Infektion bei der Entstehung des Thrombus eine Rolle sind eventuell auch Antibiotika nötig.

Dissektionen der hirnversorgenden Arterien
Bei einer Dissektion reißt die Gefäßwand ein. Dissektionen können zum Beispiel durch Verletzungen oder infolge von Bindegewebserkrankungen, aber auch ohne nachweisbare Ursache entstehen. Dissektionen der großen hirnversorgenden Arterien führen zu plötzlichen halbseitigen Kopf- oder Nackenschmerzen. Durch den Einriss in der Gefäßwand wird der Blutfluss behindert oder es tritt sogar Blut aus dem Gefäß aus.
Zwischen dem Auftreten der Gefäßdissektion und der Durchblutungsstörung im Gehirn kann eine Zeitspanne von mehreren Tage liegen, in welcher der Gefäßschaden nur durch eine Kernspintomografie nachweisbar ist. Manchmal weist jedoch auch ein einseitiges Horner-Syndrom (= Pupillenverengung, eingesunkener Augapfel, herabhängendes Augenoberlid) auf eine Dissektion der großen inneren Halsschlagader (Arteria carotis interna) hin. Ebenso können, wenn eine Blutung einsetzt, Zeichen von Hirnnervenschädigungen – wie zum Beispiel Schluckstörungen, Zungenlähmung und Sprachstörungen (Dysarthrie) – den Verdacht auf eine Dissektion bestärken.
Beim Verdacht auf eine Dissektion der hirnversorgenden Arterien bitte sofort zum Arzt! Eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße kann Hinweise auf eine Dissektion geben. Eine sichere Diagnose liefert die Magnetresonanztomografie mit gleichzeitiger Gefäßdarstellung (MR-Angiografie).

Erkrankungen von Hals, Zähnen, Augen, Nase, Nasennebenhöhlen ...
Auch verschiedene andere Erkrankungen können zu Kopfschmerzen führen. Insbesondere sind hier Erkrankungen des Hals-, Kopf- oder Gesichtsbereiches zu nennen, aber auch manche systemischen Erkrankungen, wie ein starker Bluthochdruck oder ein Sonnenstich können Kopfweh verursachen. Auch Kurzsichtige, deren Fehlsichtigkeit noch nicht korrigiert ist, können unter Schmerzen im Kopfbereich leiden, dies wird im Allgemeinen jedoch überschätzt. Bei einer Entzündung der Nasennebenhöhlen oder einer Gebissfehlstellung kann dieses Symptom ebenfalls auftreten.

Hirntumoren
Kopfschmerzen aufgrund von Hirntumoren sind sehr selten. An einen Tumor als Ursache sollte jedoch insbesondere dann gedacht werden, wenn zusätzlich zu den Kopfschmerzen epileptische Anfälle auftreten oder wenn es gleichzeitig zu morgendlichem Erbrechen kommt. Bestehen solche Symptome oder gibt es andere Gründe, die das Vorliegen eines Hirntumors wahrscheinlich erscheinen lassen, muss unbedingt eine bildgebende Untersuchung des Gehirns Klarheit schaffen.

Im Ratgeber Hirntumore können Sie sich weiter zu diesem Thema informieren.

Druckerhöhung des Nervenwassers (Pseudotumor cerebri)
Der Pseudotumor des Gehirns ist definiert als Druckerhöhung im Nervenwasser (Liquor), ohne dass irgendeine Geschwulst oder eine andere Ursache dafür nachweisbar wäre. Auch der Liquorbefund, das heißt die Zusammensetzung des Nervenwassers, ist unauffällig.
Leitsymptom des Pseudotumor cerebri ist ein Kopfschmerz, der häufig drückenden Charakter hat. Sehstörungen (visuelle Reizerscheinungen, Gesichtsfeldausfälle, Sehminderung, Doppelbilder) und Ohrenklingeln (Tinnitus) begleiten den Kopfschmerz. Der Pseudotumor cerebri kommt vor allem bei übergewichtigen Frauen im gebärfähigen Alter vor, kann aber selten auch Männer betreffen.
Die Untersuchung des Augenhintergrundes liefert charakteristische Befunde, die darauf hinweisen, dass der Sehnerv durch den Liquorüberdruck beeinträchtigt ist. Die entscheidende diagnostische Maßnahme ist aber die Messung des Liquordrucks. Eine Raumforderung im Kopf und Sinusvenenthrombosen müssen ausgeschlossen werden.
Die Therapie besteht meist darin, etwas Nervenwasser abzulassen, um den Druck auf das Gehirn zu senken. Bei milderen Formen können eventuell auch eine Normalisierung des Körpergewichts und Medikamente helfen.


W&B/Privat

Beratender Experte

Professor Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers ist Professor für Neurologie und Klinische Neurophysiologie an der Universität Münster. Er war dort bis Ende 2011 als leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Neurologie tätig. Seit 2012 ist er Chefarzt des Krankenhauses Lindenbrunn bei Hannover. Von 2003 bis 2007 war er Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Von 2004 bis 2011 war er Vorsitzender des Headache Panel der European Federation of Neurological Societies. Seit 2011 fungiert er als Generalsekretär der International Headache Society.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Quellen:

http://www.dmkg.de/sites/default/files/PM-KopfschmerzenStadt-Land.pdf
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-077l_S1_LL_Therapie_chronischer_Kopfschmerzen_2015-06.pdf
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-036l_S1_Clusterkopfschmerz_trigeminoautonome_Kopfschmerzen_2015-06.pdf




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