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Karpaltunnelsyndrom

Beim Karpaltunnelsyndrom (KTS, auch Carpaltunnelsyndrom, CTS) ist ein bestimmter Nerv im Handgelenksbereich, der sogenannte Medianus-Nerv, eingeengt


Der Karpalkanal: Durch ihn laufen diverse Sehnen sowie der Medianus-Nerv

Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?

Beim Karpaltunnelsyndrom (KTS, Medianus-Kompressions-Syndrom, andere Schreibweise: Carpaltunnelsyndrom, CTS) liegt eine Schädigung eines Nerven im Handbereich, des Nervus medianus (Mittelnerv), vor. Der Karpaltunnel (auch Karpalkanal genannt) ist der Raum zwischen den Handwurzelknochen und dem darüberliegendem Karpalband (Ligamentum carpi transversum), durch den verschiedene Sehnen und der Medianus-Nerv verlaufen. Dieser Nerv ist für die Empfindungsfähigkeit des Daumens, Zeige- und zum Teil auch Mittelfingers zuständig. Außerdem ist er für die Steuerung bestimmter Hand- und Fingermuskeln verantwortlich.

Die Schädigung des Nervens führt folglich zu Symptomen wie nächtlichem Kribbeln und Taubheitsgefühl im Bereich von Daumen bis Mittelfinger. Im späteren Stadium können auch Schmerzen beim Greifen auftreten oder sich die Muskeln des Handballens abbauen (siehe Abschnitt "Symptome"). Das Karpaltunnelsyndrom kommt vor allem bei älteren Menschen vor, wobei Frauen drei- bis viermal häufiger betroffen sind als Männer.



Querschnitt durch das Handgelenk: Beim Karpaltunnelsyndrom wird es dem Medianus-Nerv (gelb) im Karpalkanal zu eng

Ursachen und Risikofaktoren

Ein Karpaltunnelsyndrom tritt auf, wenn der Karpalkanal im Verhältnis zum Raum, den die darin enthaltenen Strukturen benötigen, zu eng ist. Da der Raum innerhalb des Karpaltunnels begrenzt ist, steigt dann der Druck innerhalb des Tunnels und damit auch auf den Nerven und die kleinen Gefäße, die ihn mit Blut versorgen. Werden diese Gefäße zusammengedrückt, können sie dem Nerv nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe liefern, wodurch er in seiner Funktion beeinträchtigt ist und langfristig Schaden nehmen kann. Es entstehen Symptome wie Taubheitsgefühl und Schmerzen in Daumen bis Mittelfinger der betroffenen Hand und im fortgeschrittenem Stadium kann es sogar dazu kommen, dass sich die Muskeln im Bereich des Daumenballens abbauen (siehe Kapitel Symptome). 

Ursachen für ein Karpaltunnelsyndrom können zum Beispiel sein:

    •    Anlagebedingter anatomischer Engpass, zum Beispiel bei bestimmten Varianten eines Handwurzelknochens, des sogenannten Os hamatum
    •    Schwellungen der Sehnenscheiden (unter anderem durch Überlastungen, bei rheumatischen Erkrankungen, bestimmten Stoffwechselstörungen oder in der Schwangerschaft)
    •    Brüche der Speiche oder von Handwurzelknochen, die bei ihrer Verheilung zu einer Veränderung der knöchernen Strukturen führen
    •    Arthrose des Handgelenks mit den durch sie bedingten knöchernen Veränderungen
    •    Andere raumfordernde Veränderungen im Handgelenksbereich

In seltenen Fällen tritt das meist chronisch verlaufende Karpaltunnelsyndrom auch in akuter Form auf. Es kann zum Beispiel im Anschluss an Brüche und Verrenkungen von Speiche und Handwurzelknochen entstehen oder durch Blutungen im Bereich der Handwurzel.

Die Symptome eines Karpaltunnelsyndroms kann man provozieren: Beugt man das Handgelenk sehr stark (zum Beispiel beim Fahrradfahren oder nachts im Schlaf), verringert dies die Durchblutung. Besteht ohnehin schon ein Engpass, kommt es dann zu Beschwerden, wie dem typischen Kribbeln oder Taubheitsgefühlen. Durch eine starke Belastung können sich außerdem die Sehnenscheiden entzünden, was dazu führt, dass sie sich verdicken und mehr Raum benötigen. Dies kann ebenfalls ein Karpaltunnelsyndrom begünstigen.

Äußere Einflüsse spielen beim Karpaltunnelsyndrom (KTS) insgesamt nur eine geringe Rolle, es ist fast immer anlagebedingt. Risikofaktoren für ein Karpaltunnelsyndrom sind zum Beispiel Zuckerkrankheit (Diabetes), rheumatische Erkrankungen und eine Schwangerschaft.

 Normale Alltagsaktivitäten wie Schreiben, die Bedienung eines Computers oder Sport erhöhen nicht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Karpaltunnelsyndrom auftritt. Auch die Temperatur hat keinen Einfluss. Starke berufliche Handgelenksbelastungen mit anhaltend wiederkehrendem Abknicken der Hand im Handgelenk (zum Beispiel bei Montagearbeiten) können das Auftreten eines Karpaltunnelsyndroms dagegen fördern. Wer solche Tätigkeiten ausübt, sollte daher auf regelmäßige Pausen achten.



Angewinkelte Hand im Schlaf: Das behindert die Durchblutung

Symptome

Zu Beginn eines Karpaltunnelsyndroms macht sich die Erkrankung durch Beschwerden wie schmerzende oder kribbelnde Finger bemerkbar, die aber nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Teilweise strahlen diese Beschwerden bis in den Arm aus. Für die Betroffenen fühlt es sich an, als seien ihnen Daumen bis Mittelfinger „eingeschlafen“. Es können auch Schmerzen in Daumen bis Mittelfinger, eventuell sogar ausstrahlend bis in den Arm auftreten. Mediziner bezeichnen dies als "Brachialgia nocturna parästhetica". Durch Reiben oder Schütteln der Hand verschwinden die Symptome meist rasch wieder. Da viele Menschen während des Schlafs die Handgelenke angewinkelt haben, wodurch die Durchblutung eingeschränkt wird, treten die Beschwerden vermehrt nachts auf. Nach Tätigkeiten wie Fahrradfahren oder Telefonieren kommt es aus demselben Grund ebenfalls gehäuft zu den Problemen.

Ist ein Karpaltunnelsyndrom bereits weiter fortgeschritten, treten die Missempfindungen an den Händen nicht mehr nur zeitweise, sondern permanent auf. Zudem haben Betroffene das Gefühl, bei Greifbewegungen einen elektrischen Schlag zu bekommen, was sehr schmerzhaft sein kann.

Ist der Nervus medianus bereits sehr stark von den Folgen eines Karpaltunnelsyndroms angegriffen, kann er seine Funktion kaum noch oder gar nicht mehr erfüllen. Daumen bis Teile des Mittelfingers sind in einem solchen Falle gefühllos, die Hände sind nicht mehr in der Lage, feinmotorische Tätigkeiten auszuüben. Im Spätstadium bildet sich der seitliche Daumenballen der betroffenen Hand zurück (Muskelatrophie, Daumenballen-Atrophie). Daraus resultiert eine Abspreiz- beziehungsweise Beugungsschwäche des Daumens und damit ein Kraftverlust bei Greifbewegungen.



Phalen-Test: Lassen sich dabei die für das Karpaltunnelsyndrom typischen Beschwerden auslösen, ist das ein weiterer Hinweis

Diagnose

Die Krankengeschichte der Betroffenen lenkt den Verdacht meist rasch auf ein Karpaltunnelsyndrom. Um diese Vermutung zu erhärten und um die Diagnose zu stellen, führt der Arzt weitere Untersuchungen durch. Zunächst wird er sich beide Hände genau ansehen. Mit verschiedenen Tests wird er überprüfen, ob die Beweglichkeit von Hand und Fingern intakt ist und ob Empfindungsstörungen vorliegen. Außerdem wird er versuchen, ob sich die Beschwerden durch bestimmte Bewegungen und Maßnahmen provozieren lassen. So klopft er vielleicht auf den Karpalkanal, um zu ermitteln, ob der Medianus-Nerv des Betroffenen darauf empfindlich reagiert oder lässt das Handgelenk über eine gewisse Zeit stark beugen, um zu sehen, ob sich danach ein Taubheitsgefühl oder Mißempfindungen im Daumenbereich einstellen.

Um die Diagnose zu sichern und ein Bild vom Ausmaß der Nervenschädigung zu erhalten, sind dann sogenannte elektrophysiologische Untersuchungen nötig. Vor allem wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen, also die Zeit, die der Medianus-Nerv benötigt, um einen Reiz weiterzuleiten. Anhand dieser Untersuchung lässt sich feststellen, wie stark der Nerv bereits geschädigt ist.

Eventuell sind auch noch weitere Untersuchungen nötig. Eine Arthrose des Handgelenks lässt sich mit einer Röntgenuntersuchung feststellen, eine Ultraschalluntersuchung eignet sich unter anderem zur Darstellung der Sehnenscheiden und eine Magnetresonanztomografie (MRT) kann eventuell sinnvoll sein, wenn zum Beispiel der Verdacht auf einen Tumor besteht. Eine Elektromyografie (EMG), also eine Messung der elektrischen Aktivität in den vom Medianus-Nerv versorgten Muskeln am Daumenballen, kommt unter Umständen ebenfalls in Frage.



Operation: Der Arzt spaltet das Bindegewebsband über dem Karpalkanal

Therapie

Eine Behandlung ist immer dann nötig, wenn die Beschwerden häufig oder anhaltend auftreten. Bei einer leichteren Ausprägung des Karpaltunnelsyndroms, kann der Arzt eine Handgelenksschiene für die Nacht verordnen oder entzündungshemmendes Kortison in Tablettenform oder als Spritze in den Karpaltunnel verabreichen. Eine Kortisontherapie sollte nur über einen kurzen Zeitraum hinweg durchgeführt werden. Behandlungen mit Ultraschallwellen scheinen manchmal ebenfalls lindernd zu wirken.

Dann, wenn Taubheitsgefühle und Ausfälle der Muskelfunktion länger anhalten, sich durch die obengenannten Behandlungsmaßnahmen nicht bessern oder den Betroffenen stark belasten, kommt eine Operation in Frage. Dabei spaltet der Chirurg die Bandstruktur (Ligamentum carpi transversum), welche den Karpaltunnel – ähnlich einem Dach – nach oben hin begrenzt. Damit bekommen die im Karpalkanal enthaltenen Sehnen und der Nerv mehr Platz, der Druck auf die Strukturen sinkt.

Die operative Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms kann entweder durch eine offene oder durch eine endoskopische Operation (in „Schlüssellochmethode“) erfolgen. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen gut. Viele Beschwerden, wie Schmerzen und Taubheitsgefühl in der Nacht bessern sich quasi sofort. Bei einer ausgeprägten Nervenschädigung kann es allerdings etwa ein halbes Jahr dauern, bis die Symptome weitgehend verschwunden sind. Nur sehr selten ist der Nerv so geschädigt, dass trotz Operation Beschwerden zurück bleiben. Ein Muskelabbau, der schon länger als ein Jahr vor der Operation bestand, ist allerdings auch durch den Eingriff nicht mehr rückgängig zu machen.



Unser Experte: Dr. med. Oliver Kastrup

Beratender Experte

Dr. med. Oliver Kastrup ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Er promovierte 1993 an der Universität Essen, an der er zuvor schon als Assistenzarzt beschäftigt war. Anschließend war er von 1993 bis 1998 wissenschaftlicher Angestellter und dann von 1998 bis 2006 Oberarzt an der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universität Essen. Seit 2006 ist er dort leitender Oberarzt.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: Digital Vision/ RYF, W&B/Szczesny, W&B/B.Seidl, W&B/Privat, W&B/Ulrike Möhle, W&B/Martina Ibelherr

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Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth ist Facharzt für Orthopädie


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Spielen beim Karpaltunnelsyndrom auch Hormone eine Rolle?

Hormonelle Veränderungen, wie sie in der Schwangerschaft und bei einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) auftreten, können ein Karpaltunnelsyndrom hervorrufen. Unabhängig von diesen hormonellen Ursachen weiß man lediglich, dass das Karpaltunnelsyndrom tatsächlich bei Frauen öfter als bei Männern auftritt. Bei beiden Geschlechtern wird es am häufigsten im Alter zwischen 50 und 59 Jahren diagnostiziert.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


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Geht ein Karpaltunnelsyndrom nach der Geburt wieder zurück?

Ein in der Schwangerschaft entstandenes Karpaltunnelsyndrom kann sich in der Tat nach der Entbindung wieder zurückbilden.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


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Wann muss ein Karpaltunnelsyndrom operiert werden?

Ursache für das Karpaltunnelsyndrom ist eine Einengung des Nervus medianus (des Mittelhandnervs) im Karpal- beziehungsweise Handwurzelkanal. Der Engpass kann durch Entzündungen der Sehnenscheiden, beispielsweise infolge chronischer Fehlbelastung, schlecht verheilte Brüche im Handgelenksbereich oder hormonelle Veränderungen, etwa in der Schwangerschaft und bei einer Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse) entstanden sein. In vielen Fällen ist aber nicht feststellbar, wodurch es im Karpaltunnel eng geworden ist. Ob operiert werden muss oder eine konservative Behandlung ausreicht, hängt davon ab, ob der Nerv nur gereizt oder bereits ernsthaft geschädigt ist. Um das korrekt beurteilen zu können, ist immer eine Abklärung durch einen Neurologen sinnvoll. Am verlässlichsten gibt ihm eine elektrophysiologische Untersuchung Auskunft, bei der die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen wird. Ist der Nerv lediglich „beleidigt“, besteht eine gute Chance, dass konservative Behandlungsmaßnahmen die Beschwerden wieder zum Verschwinden bringen. Dabei wird Kortison in den Handwurzelkanal gespritzt, um die Entzündung zu bekämpfen. Das Gelenk kann mit einer Schiene für drei bis vier Wochen ruhiggestellt werden. Sollte der Nerv bereits geschädigt sein oder die konservative Therapie nicht zur Beschwerdefreiheit führen. Dabei wird das von der Natur als schützendes Dach über dem Nerv angelegte sogenannte Retinakulum, gespalten, damit der Nerv wieder ausreichend Platz hat.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


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Gibt es Alternativen zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit?

Klinische Symptome, die auf ein Karpaltunnelsyndrom hinweisen, sind Kribbeln (Parästhesien) und Schmerzen, die in den Unterarm ausstrahlen. Die Beschwerden bestehen vorwiegend nachts oder morgens beim Aufwachen. Bei der Untersuchung lässt sich feststellen, dass sich die Beschwerden bei maximaler Beugung im Handgelenk nach ein bis zwei Minuten verschlimmern (sogenannter Phalen-Test). Der gleiche Effekt zeigt sich, wenn der Nerv im Karpaltunnel mit beiden Daumen für 30 Sekunden gedrückt wird (Karpal-Kompressionstest). Ein typisches Zeichen ist auch der Klopfschmerz über dem Nerv am Handgelenk, einhergehend mit Gefühlsstörungen (Hoffmann-Tinel-Zeichen). Eine Beurteilung der Stärke der Schädigung und die Abgrenzung von anderen Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden verursachen können, sind jedoch auch heute nur mittels elektrophysiologischer Untersuchung (Elektromyogramm (kurz: EMG) und Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) möglich.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


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Ist das Karpaltunnelsyndrom auch ein Kompartmentsyndrom?

Nerven oder Nervenstränge verlaufen oft an Stellen mit einer natürlichen Einengung. Sogenannte Engpass-Syndrome gehen mit einer pathologisch verstärkten Einengung dieser Logen einher und werden daher auch als Kompartment-, Kompressions- oder Logensyndrome bezeichnet. Daher kann bei einem Karpaltunnelsyndrom auch von einem Kompartmentsyndrom gesprochen werden.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


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Weitere Informationen auf externen Seiten

www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 05.11.2014,
Bildnachweis: Digital Vision/ RYF, W&B/Szczesny, W&B/B.Seidl, W&B/Privat, W&B/Ulrike Möhle, W&B/Martina Ibelherr

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