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Abszess – ein Fall für den Arzt

Er kann am After auftauchen, im Gesicht und sogar im Gehirn: ein Abszess. Die schmerzhaften Eiteransammlungen sollte ein Arzt behandeln


Tritt ein Abszess im Gesicht auf, kann es gefährlich werden

Plötzlich schmerzt es am Hintern, genauer gesagt am After. Im Stehen, im Sitzen, beim Gehen. Die betreffende Stelle reagiert äußerst empfindlich auf Druck, ist gerötet, angeschwollen und pocht. Das klingt nach einer Entzündung, und potenziell nach einem Abszess. Denn der äußert sich typischerweise mit solchen Symptomen.

Doch was ist überhaupt ein Abszess? Eine Ansammlung von Eiter in einem neu gebildeten Gewebshohlraum – so steht es in medizinischen Lehrbüchern. Eiter besteht unter anderem aus Immunzellen und Bakterien. Er entsteht meist, wenn Krankheitserreger in den Körper eingedrungen sind und sich vermehren. Das körpereigene Immunsystem bekämpft die Erreger, löst eine Entzündungsreaktion aus. Dabei ensteht Eiter, der "Zellmüll" und Abwehrzellen enthält. Bildet sich dabei ein neuer Hohlraum im Gewebe, sprechen Mediziner von einem Abszess.


„Doch es gibt nicht den Abszess“, sagt Dr. Ulrich Klein, Dermatologe und Immunologe in Witten. Denn die Eiteransammlung kann überall im und am Körper auftauchen. Sie kann sich genauso gut im Gehirn bilden wie auch in der Leber, am After oder im Kiefer. „Am häufigsten ist jedoch die Haut betroffen, da sie als erstes mit Krankheitserregern in Kontakt kommt“, erklärt der Hautarzt. Tritt ein Abszess im Bereich der Haarwurzeln auf, handelt es sich um ein Furunkel. Entstehen gleich mehrere dieser Gebilde nebeneinander, sprechen Dermatologen von einem Karbunkel. Daneben können die Eiterherde, egal wo sie auftauchen, unterschiedlich groß sein – vom kleinen roten Knötchen bis hin zum handflächengroßen Abszess.

Nicht jeder Abszess, der auf der Haut entsteht, gilt als gefährlich. Trotzdem sollten Abszesse vom Arzt behandelt werden. Wie gefährlich die Eiteransammlung ist, hängt unter anderem von den Beschwerden, dem Ort und der Größe des Gebildes ab. Bildet sich der eitrige Knoten zum Beispiel im Gesicht, vor allem in der Nähe von Nase oder Augen, schrillen bei Dermatologe Klein die Alarmglocken: „Dort besteht die Gefahr, dass die Erreger ins Gehirn gelangen.“ In Folge kann sich ein lebensgefährlicher Hirnabszess entwickeln, der sofort in einer Klinik behandelt werden muss. Deshalb bei einem Abszess im Gesicht vorsorglich immer zum Arzt gehen!

Treten nicht nur die typischen Entzündungssymptome auf, die ein Abszess hervorruft, sondern auch Fieber, Schüttelfrost oder andere Krankheitszeichen, sollte der Betroffene ebenfalls schleunigst einen Arzt aufsuchen. „Diese Zeichen deuten daraufhin, dass der Körper nicht selbst mit den Krankheitserregern fertig wird“, weiß Klein. Verläuft ein rötlicher Streifen auf der Haut, der seinen Ursprung im Abszess hat, kann dies im schlimmsten Fall auf eine Blutvergiftung hinweisen. Auch hier umgehend eine Praxis oder ein Krankenhaus aufsuchen! Liegt ein Kieferabszess vor, muss der Zahnarzt helfen. Betrifft die Eiteransammlung innere Organe, stellt dies immer einen Notfall dar, der sofort ärztlich behandelt werden muss. Vorsicht: Solche Abszesse äußern sich nicht unbedingt mit den oben genannten typischen Beschwerden!

Wie der Abszess behandelt wird, hängt wiederum davon ab, wo er auftritt. Während innerliche Eiteranansammlungen Spezialfälle darstellen, gestaltet sich die Therapie auf der Haut etwas einheitlicher: Ist der Abszess noch unreif, hat sich der schmerzende Hohlraum also noch nicht vollständig mit Eiter gefüllt, wartet der Hautarzt zunächst ab. Ist das Gebilde reif, hat sich in der Höhle also Eiter angesammelt, schneidet er den Abszess auf – meist unter örtlicher Betäubung. Die Flüssigkeit entleert sich, die Wunde verheilt. Ein Analabszess lässt sich ähnlich in den Griff bekommen, wobei dieser ziemlich schnell reift.

Bietet es sich an, kann der Arzt die Abszessreifung etwas beschleunigen. Dazu legt er einen sogenannten Zugsalbenverband an. „Die Salbeninhaltsstoffe bewirken, dass die Durchblutung angeregt wird und damit auch Immunzellen schneller zu ihrem Zielort gelangen“, erklärt der Wittener Immunologe. Das wiederum, befördert die Eiterbildung. Obwohl es diese Salben auch freiverkäuflich in der Apotheke gibt, rät Klein davon ab, selbst an einem Abszess herumzudoktern. Denn wer versucht, den Eiter herauszudrücken oder die Stelle aufzustechen, verschlimmert den Abszess unter Umständen und verteilt die Bakterien.

Hinweis: Tritt ein Abszess immer wieder auf oder verheilt dieser schlecht, kann ein geschwächtes Immunsystem, ein Diabetes oder eine andere Grunderkrankung dahinter stecken.



Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 09.11.2010
Bildnachweis: vario images GmbH & Co. KG/Bilderlounge

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