Gürtelrose (Herpes zoster)

Die Gürtelrose (Herpes zoster) ist die Zweiterkrankung der Windpocken-Virus-Infektion (Varizella-Zoster-Infektion). Sie tritt auch noch Jahre nach der Ansteckung mit dem Varicella-Zoster-Virus auf

aktualisiert am 11.02.2016

Herpes zoster: Der Ausschlag hat oft Gürtelform, weil er sich nach dem vom betroffenen Hautnerven versorgten Gebiet richtet (siehe Bild rechts)

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nach obenWas ist eine Gürtelrose?

Gürtelrose ist ein gürtelähnlicher, stark schmerzender Hautausschlag. Die Ursache für die Gürtelrose (Herpes zoster) ist eine Infektion mit dem Windpocken-Virus (Varicella-Zoster-Virus). Dieses Virus kann zwei verschiedene Krankheitsbilder auslösen.

Zunächst können Windpocken (Varizellen) entstehen, eine Krankheit, welche die meisten Menschen vor der Einführung der Windpocken-Impfung bereits als Kinder durchgemacht haben. Wenn der Windpocken-Ausschlag verschwunden ist, ist es das Virus jedoch noch lange nicht: Es bleibt lebenslang im menschlichen Organismus und nistet sich in den Hirnnerven und in den Nervenwurzeln des Rückenmarks (Spinal- und Hirnnervenganglien) ein.

Mit zunehmendem Alter und unter bestimmten Umständen, zum Beispiel bei einer geschwächten Immunabwehr, beginnen sich die Viren erneut zu vermehren, wandern den Nerv entlang nach außen an die Haut. Im Versorgungsgebiet des Nerven, in den sich die Viren zurückgezogen hatten, tritt dann Gürtelrose auf. Es können alle Körperregionen, das Gesicht und auch Organe wie zum Beispiel die Augen oder das Gehirn betroffen sein.


So schlägt das Windpocken-Virus zweimal zu

W&B/Dr. Ulrike Möhle

nach obenUrsachen und Risikofaktoren

Das Windpockenvirus, das die Gürtelrose auslöst, gehört zur Familie der Herpes-Viren und kommt weltweit vor. Herpes-Viren haben die Fähigkeit, im von ihnen infizierten Organismus lebenslang zu überdauern.

Windpocken sind sehr ansteckend und breiten sich schnell aus. In Deutschland erkranken jährlich ungefähr 700.000 Menschen. Die Viren werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Das bedeutet, ansteckend sind die beim Atmen oder Husten ausgeschiedenen Tröpfchen. Außerdem kann der Erreger durch den Kontakt mit virushaltigem Bläscheninhalt oder Krusten (Schmierinfektion) übertragen werden. Auch Patienten mit einer Gürtelrose können das Virus über eine Schmierinfektion übertragen, wenn sie auch bei Weitem nicht im selben Maß ansteckend sind wie zum Beispiel ein windpockenkrankes Kind.

Zunächst verursachen Varicella-Zoster-Viren Windpocken (Varizellen). Nach einer überstandenen Windpockenerkrankung verbleiben die Viren jedoch in den Hirnnerven und in den Nervenwurzeln des Rückenmarks (Spinal- und Hirnnervenganglien) und können bei einer Reaktivierung eine Gürtelrose auslösen. Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir für Varicella-Zoster-Viren.

Risikofaktoren für eine Reaktivierung
Das Virus wird nur unter bestimmten Umständen wieder aktiv. Dies ist insbesondere bei einer vorübergehenden oder krankheitsbedingten Abwehrschwäche sowie bei höherem Lebensalter, was ebenfalls zu einer Abnahme der Abwehrfunktionen des Immunsystems führt, der Fall. Auch Traumata, Stress, UV-Strahlung und die Abwehr schwächende Medikamente können das Auftreten einer Gürtelrose begünstigen. Gelegentlich tritt Herpes zoster auch spontan bei jungen, gesunden Menschen auf.


Typischer Ausschlag bei Gürtelrose

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Symptome

Bei der Gürtelrose treten die Symptome örtlich begrenzt auf. Während bei Windpocken der gesamte Körper befallen ist, bilden sich die Symptome der Gürtelrose nur in dem Hautgebiet aus, das vom jeweils betroffenen Hirn- oder Rückenmarksnerv versorgt wird. Die Krankheit beginnt meist mit Abgeschlagenheit, eventuell leichtem Fieber sowie brennenden Schmerzen in dem entsprechenden Hautgebiet. Manchmal kann Juckreiz hinzukommen.


Ein paar Tage nach dem Auftreten der Schmerzen bilden sich einseitig in einem umschriebenen Hautbezirk die typischen Hauterscheinungen: Rötung, Bläschen auf gerötetem Grund, die in Gruppen und manchmal auch in Form von Rosetten zusammenstehen und teilweise blutgefüllt sein können. Nach einigen Tagen platzen und verkrusten die Bläschen, manchmal lassen sie auch Narben und Pigmentierung zurück. Die volle Rückbildung der Symptome kann bei der Gürtelrose bis zu einen Monat dauern.

Komplikationen

Obwohl das Varizella-Zoster-Virus vor allem die Nerven der Brust- und Lendenwirbelsäule und bei älteren Menschen oft auch die Nerven des Gesichtes befällt, können grundsätzlich auch andere Regionen als Brust, Bauch, Rücken und Kopf von einer Gürtelrose betroffen sein. In seltenen Fällen treten schwerwiegende Formen der Erkrankung auf. Dies geschieht insbesondere dann, wenn die Hirnnerven beteiligt sind und sich zum Beispiel ein Herpes zoster des Auges (Zoster ophthalmicus mit Augenbefall) oder des Ohrs (Zoster oticus) entwickelt. Wenn die Hornhaut oder die Regenbogenhaut des Auges oder vor allem der Sehnerv betroffen ist, kann es zu bleibenden Sehstörungen bis hin zur Erblindung kommen. Eine Gürtelrose im Bereich des Ohrs führt häufig zu einer Gesichtslähmung (Fazialisparese). Eine solche Lähmung der Gesichtsmuskulatur entwickelt sich manchmal auch bei einer Herpes zoster-Infektion im Bereich des Halses.
Bei ausgeprägter Immunschwäche kann sich eine Gürtelrose auch auf die gesamte Haut und auf die inneren Organe ausbreiten (disseminierter Zoster) und lebensgefährliche Komplikationen verursachen. In sehr seltenen Fällen entwickelt sich eine Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns (Meningitis und Enzephalitis).

Bei Kindern verläuft eine Gürtelrose im allgemeinen harmlos und ohne Komplikationen und heilt fast immer vollständig aus. Bei Erwachsenen kann die Erkrankung durch eine akute Nervenentzündung starke Schmerzen verursachen, die in manchen Fällen chronisch werden können und auch Monate und Jahre nach Ausbruch der Gürtelrose noch bestehen (postzosterische Neuralgie). Das Risiko, an einer postzosterische Neuralgie zu erkranken ist vor allem bei einer Gürtelrose im Kopfbereich groß und nimmt mit steigendem Alter zu.


Nicht lange zögern: Mit Gürtelrose rasch zum Arzt

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Diagnose

Die Medikamente, welche die Vermehrung des Varicella-Zoster-Virus behindern, wirken besonders gut, wenn sie frühzeitig verabreicht werden. Daher sollte beim Verdacht auf eine Gürtelrose nicht lange gezögert, sondern sofort ein Arzt – idealerweise ein Facharzt für Hauterkrankungen – aufgesucht werden. Er kann die Gürtelrose meist bereits anhand einer Befragung des Betroffenen (Anamnese) sowie anhand der typischen Symptome diagnostizieren.

In unklaren Fällen sind Labor-Untersuchungen nötig, um das Varicella-Zoster-Virus sicher nachzuweisen. Mit Hilfe einer Labormethode wie dem direkten Immunfluoreszenztest oder durch die sogenannte PCR – Polymerase-Ketten-Reaktion – lassen sich die Viren oder selbst winzige Mengen des Erbguts des Erregers in Bläschenflüssigkeit oder Nervenwasser (Liquor) feststellen.

Beim Verdacht auf eine Beteiligung des Auges oder des Ohrs ist es sinnvoll, zusätzlich einen entsprechenden Facharzt (Augen- oder Ohrenarzt) aufzusuchen, damit möglichen Komplikationen, wie Hör- oder Sehstörungen, vorgebeugt werden kann.

Wichtig ist auch, zu klären, was zum Ausbruch der Erkrankung geführt hat. Liegen keine offensichtlichen Gründe vor, kann es sich unter Umständen lohnen, nach Krankheiten zu fanden, die zunächst keine eigenständigen Symptome, aber trotzdem eine Abwehrschwäche hervorrufen, wie zum Beispiel Krebs oder eine Infektion mit dem humanen Immunschwäche-Virus (HIV). Ein Ausschluss einer HIV-Infektion sollte vor allem bei Patienten mit Herpes zoster erfolgen, die jünger als fünfzig Jahre sind.


Medikamente helfen, die Viren zu bekämpfen

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Therapie

Mit Schmerzmitteln sowie austrocknenden und antiseptischen Lösungen zum Auftragen auf die befallenen Körperstellen können die Symptome einer Gürtelrose gelindert werden. Zusätzlich müssen fast immer spezielle Medikamente, welche die Vermehrung des Virus hemmen, in Tablettenform oder als Infusion über die Vene verabreicht werden.
Diese sogenannten Virustatika, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Aciclovir, Famciclovir, Valaciclovir oder Brivudin, sorgen für eine schnellere Abheilung der Bläschen und können das Risiko für eine postzosterische Neuralgie (siehe Abschnitt Symptome) reduzieren.

Die Therapie mit diesen Arzneimitteln sollte spätestens innerhalb von zwei bis drei Tagen nach dem Auftreten der ersten Symptome beginnen. Bei Patienten die jünger als fünfzig Jahre sind und nur sehr leichte Symptome der Gürtelrose zum Beispiel im Brustbereich aufweisen, kann eventuell auch auf eine antivirale Therapie verzichtet werden. Bei älteren Patienten mit Zoster im Kopfbereich (Zoster ophthalmicus mit Augenbefall und Zoster oticus) ist immer eine antivirale Therapie über die Vene vorzuziehen, da sich so starke Schmerzen rasch abmildern und Komplikationen verhindern lassen.

Besonders wichtig ist die frühzeitige und ausreichende Schmerztherapie, um eine postzosterische Neuralgie (siehe Abschnitt Symptome und Komplikationen) gar nicht erst entstehen zu lassen. Bei anhaltenden Nervenschmerzen als Folge eines Herpes zosters helfen auch Wirkstoffe wie zum Beispiel Pregabalin, Gabapentin, Carbamazepin, Desipramin oder Amitriptylin, die keine Schmerzmittel im eigentlichen Sinne sind, sondern in die Gruppe der Antiepileptika beziehungsweise Antidepressiva gehören. Dies bedeutet nicht, dass Menschen, welche diese Mittel einnehmen Epileptiker oder depressiv sind. Es hat sich herausgestellt, dass eine postzosterische Neuralgie sich mit diesen Arzneimitteln relativ gut verhindern lässt.


Gegen Windpocken und Gürtelrose gibt es eine Impfung

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Vorbeugen

Die meisten Menschen infizieren sich schon in ihrer frühesten Kindheit mit Varicella-Zoster-Viren. Die Erreger verbleiben dann zeitlebens im Körper.

Auch nach einer Windpocken-Impfung kann es zu einer Gürtelrose kommen, allerdings geschieht dies sehr viel seltener als ohne Immunisierung. Außerdem verläuft die Erkrankung bei geimpften Personen meist weniger schwer. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut seit 2004 für alle Kinder eine Impfung gegen Windpocken.

Seit September 2013 ist in Deutschland ein Impfstoff im Handel, der dem Ausbruch der Gürtelrose und vor allem den Komplikationen wie chronische Zosterschmerzen vorbeugen kann. Zugelassen ist der Impfstoff für Personen ab dem vollendeten 50. Lebensjahr. Eine Impfempfehlung der STIKO gibt es dazu bisher nicht. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, falls Sie sich für diese Impfung interessieren.


Unser Experte: Professor Gerd Gross

W&B/Privat

Beratender Experte

Universitätsprofessor Dr. med. Gerd E. Gross ist Facharzt für Dermatologie und Venerologie und ehemaliger Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie der Universität Rostock. Professor Gross promovierte 1976 an der Universität Freiburg und habilitierte sich dort 1986. Anschließend war er von 1987 bis 1996 C3-Professor und leitender Oberarzt an der Hautklinik des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf. Von dort erhielt er 1996 einen Ruf an die Universität Rostock, wo er bis 2013 Ordinarius für Dermatologie und Venerologie und Direktor der Universitäts-Hautklinik war. Professor Gross ist jetzt Professor Emeritus. Er ist Leiter des Deutschen Herpes Management Forum, eine Arbeitsgruppe der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. und federführender Autor der AWMF-Leitlinie "Zoster und Zosterschmerzen".


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/BrandXPictures, W&B/Achim Graf, W&B/Dr. Ulrike Möhle, W&B/Privat, Visuals Unlimited, Mauritius Images GmbH, Image Source /RYF CD
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