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Gürtelrose (Herpes zoster)

Die Gürtelrose (Herpes zoster) ist die Zweiterkrankung der Windpocken-Virus-Infektion (Varizella-Zoster-Infektion). Sie tritt auch noch Jahre nach der Ansteckung mit dem Varicella-Zoster-Virus auf


Herpes zoster: Der Ausschlag hat oft Gürtelform, weil er sich nach dem vom betroffenen Hautnerven versorgten Gebiet richtet

Was ist eine Gürtelrose?

Die Ursache für die Gürtelrose (Herpes zoster) ist eine Infektion mit dem Windpocken-Virus (Varicella-Zoster-Virus). Dieses Virus kann zwei verschiedene Krankheitsbilder auslösen. Zunächst können Windpocken (Varizellen) entstehen, eine Krankheit, welche die meisten Menschen vor der Einführung der Windpocken-Impfung bereits als Kinder durchgemacht haben. Wenn der Windpocken-Ausschlag verschwunden ist, ist es das Virus jedoch noch lange nicht: Es bleibt lebenslang im menschlichen Organismus und nistet sich in den Hirnnerven und in den Nervenwurzeln des Rückenmarks (Spinal- und Hirnnervenganglien) ein. Mit zunehmendem Alter und unter bestimmten Umständen, zum Beispiel bei einer geschwächten Immunabwehr, beginnen sich die Viren erneut zu vermehren, wandern den Nerv entlang nach außen an die Haut und lösen die Gürterose aus.

Dort entsteht der gürtelähnliche und stark schmerzende Hautausschlag. Er tritt in dem Versorgungsgebiet des Nerven auf, in den sich die Viren zurückgezogen hatten. Es können alle Körperregionen, das Gesicht und auch Organe wie zum Beispiel die Augen oder das Gehirn betroffen sein.



Beratender Experte: Professor Dr. med. Gerd E. Gross, Facharzt für Dermatologie und Venerologie

Bei Verdacht auf einen Herpes zoster sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Er kann die Diagnose anhand des klinischen Bildes und der Schmerzen stellen und eine entsprechende Therapie in die Wege leiten (siehe Kapitel „Therapie“) Die Bläschen heilen nach einigen Wochen ohne Behandlung der Gürtelrose ab, oft unter Narbenbildung. Bis die Symptome vollständig verschwunden sind, kann es bis zu einen Monat dauern. Schmerzen bleiben mitunter auch noch lange Zeit nach dem Abheilen der Bläschen bestehen (postherpetische Neuralgie – siehe Kapitel „Symptome“). Wenn sich die Gürtelrose auf die inneren Organe und auf das Gehirn ausbreitet, kann es zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen (siehe Kapitel „Symptome“).

Das Varicella-Zoster-Virus ist sehr ansteckend. Man geht davon aus, dass in Deutschland jährlich ungefähr 700.000 Menschen an Windpocken erkranken, bei etwa 95 Prozent aller Erwachsenen sind körpereigene Abwehrstoffe (Antikörper) gegen das Varicella-Zoster-Virus nachweisbar. Dies bedeutet, dass sie schon einmal Kontakt mit dem Erreger hatten. Das Windpocken-Virus wird durch Tröpfchen vorwiegend über die Luft (aerogen) übertragen. Außerdem ist eine Ansteckung durch den direkten Kontakt mit virushaltigem Bläscheninhalt oder Krusten (Schmierinfektion) möglich. Bei einer Gürtelrose ist die in den Bläschen enthaltene Flüssigkeit allerdings weniger infektiös als bei Windpocken.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Privat, Mauritius Images GmbH
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Experten-Sprechstunde mit Professor Worm


Prof. Dr. med. Margitta Worm ist Fachärztin für Dermatologie, Venerologie und außerdem Ärztin für Allergologie, Umweltmedizin und Ernährungsmedizin


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Gürtelrose: Warum erkranken eher ältere Menschen?

Warum tritt diese äußerst schmerzhafte und lästige Erkrankung meist jenseits der 50 auf, und was steckt dahinter?

Gürtelrose wird von einem Virus aus der Herpes-Gruppe, dem sogenannten Varizella-Zoster-Virus, hervorgerufen. Dieses Virus löst im Kindesalter Windpocken aus und verbleibt lebenslang in den „Nervenknoten“, also den Schaltstellen von Nerven. Ähnlich wie bei den Herpes-Viren Typ 1 und 2 kann es auch bei den Zoster-Viren durch Stress-Situationen zu einer Aktivierung kommen.

Früher wurde vermutet, dass dies immer ein Zeichen einer akuten und problematischen Immunschwäche sei. Heute geht man davon aus, dass die Leistungsfähigkeit des Immunsystems im Laufe des Lebens kontinuierlich abnimmt – daher ist es nachvollziehbar, dass die Gürtelrose bei älteren Menschen häufiger auftritt.

 

Prof. Dr. med. Margitta Worm


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Wie sehen frühe Symptome der Gürtelrose aus, was dagegen tun?

Gibt es frühe Warnzeichen, deren Erkennung helfen könnte, die Behandlung so frühzeitig zu beginnen, dass die Beschwerden deutlich veringert und verkürzt werden? Welche Behandlung kommt in Betracht?

Frühe Warnzeichen der Gürtelrose sind messerstichartige (neuralgiforme) Schmerzen, die bestimmte Körperregionen, zum Beispiel die rechte Gesichtshälfte, den rechten Arm, das linke Bein usw. befallen. Typischerweise zeigen sich die Schmerzen und später auch die Veränderungen der Haut nur auf einer Körperseite. Erstes Symptom an der Haut kann eine Rötung in einem bestimmten Hautabschnitt sein; Bläschen entstehen meist erst später.

Wenn die Gürtelrose am Körper in Erscheinung tritt, kommt es darauf an, die Schmerzen ausreichend zu bekämpfen und die Bläschen auszutrocknen, etwa durch Auftragen einer Zinkschüttelmixtur. Wenn die Gürtelrose sehr ausgedehnt ist oder im Gesicht – vor allem im Augenbereich – auftritt, ist eine innerliche Behandlung mit Virus hemmenden Medikamenten unabdingbar.

 

Prof. Dr. med. Margitta Worm


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Schützt die Windpockenimpfung auch gegen Gürtelrose?

Die Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt, entsteht durch die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus nach einer in der Kindheit durchgemachten Windpockeninfektion. Nachdem die Windpocken ausgeheilt sind, zieht sich das Virus in Nervenzellknoten in Rückenmarksnähe zurück und überdauert dort „schlafend“. Ist das Immunsystem geschwächt, kann das Virus jedoch wieder aktiviert werden. Es vermehrt sich und schädigt die Nervenzellen, was zu starken Schmerzen führt. Dann wandert das Virus in die Haut und verursacht den für die Gürtelrose typischen Ausschlag, der erst nach rund zwei bis vier Wochen abheilt.

Seit August 2004 wird die Varizellen-Schutzimpfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut für alle Kinder und Jugendlichen empfohlen. Die Impfung sollte vorzugsweise im Alter von elf bis 14 Monaten (1. Impfung ) und 15 bis 23 Monaten (2. Impfung) durchgeführt werden, kann jedoch auch jederzeit danach erfolgen. Ungeimpfte Neun- bis 17-Jährige, die noch keine Windpocken hatten, sollten möglichst bald geimpft werden, da die Erkrankung bei ihnen mit einer höheren Komplikationsrate einhergeht.

Wenn es durch die Impfung gelingt, Windpocken zu vermeiden, kann im weiteren Verlauf des Lebens auch keine Gürtelrose entstehen.

 

Prof. Dr. med. Margitta Worm


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 09.12.2013
Bildnachweis: W&B/Privat, Mauritius Images GmbH

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