Grippe (Influenza)

Bei der „echten Grippe“ handelt es sich um eine Infektion mit Influenza-Viren. Mehr über die Symptome der Grippe, ihre Dauer und den Unterschied zum grippalen Infekt

aktualisiert am 04.12.2015

Wandlungsfähiger Erreger: Das Influenza-Virus

W&B/Szczesny

nach obenWas ist Influenza?

Als "Influenza" oder "echte Grippe" bezeichnet man eine Erkrankung durch das Influenza-Virus. Wichtig ist es, die echte Grippe vom grippalen Infekt zu unterscheiden. Bei einem "grippalen Infekt" handelt es sich normalerweise nicht um eine Infektion mit dem Influenza-Virus, sondern um eine Erkältung. Die Magen-Darm-Grippe hat ebenfalls nichts mit der Influenza zu tun. Dieser Begriff wird für Magen-Darm-Infektionen durch unterschiedliche Erreger verwendet, die zum Beispiel zu Durchfall und Erbrechen führen.


Influenza breitet sich immer wieder weltweit aus

W&B/Szczesny/Stockbyte

nach obenUrsachen

Es gibt verschiedene Typen von Influenza-Viren (A, B, C). Am häufigsten und am gefährlichsten ist das Influenza-Virus Typ A. Er ist auf der ganzen Welt verbreitet und verändert sich ständig, was es schwierig macht, einer Infektion vorzubeugen.

Wie steckt man sich mit Grippe an?

Die Grippeviren sind nur wenige Tausendstel Millimeter groß. Sie befallen Schleimhautzellen, zum Beispiel in der Nase, und vermehren sich dort. Menschen stecken sich mit dem Grippe-Virus meist durch Tröpfcheninfektion an. Das kann beispielsweise geschehen, wenn eine erkrankte Person niest und die Tröpfchen eingeatmet werden.  Influenza-Viren können außerdem bis zu mehrere Stunden außerhalb des Körpers überleben, bei niedrigen Temperaturen sogar noch länger. Kommen die Hände also in Kontakt mit Gegenständen, auf denen sich virushaltige Sekrete befinden (zum Beispiel Türklinken) und fasst man sich anschließend damit an die Nase oder andere Schleimhäute, ist eine Ansteckung ebenfalls möglich.

Epidemie, Pandemie - warum sich das Virus so leicht verbreitet

Immer wieder kommt es zu lokal begrenzten (Epidemie) oder weltweiten Infektionswellen (Pandemie) mit Influenza-Viren. Dabei spielt es eine große Rolle, dass das Virus sehr wandlungsfähig und daher für das menschliche Immunsystem schwer zu fassen ist. In Gegenden mit einer dichten Besiedlung können sich Grippe-Viren per Tröpfcheninfektion sehr leicht verbreiten können. Bestimmte Risikofaktoren (siehe unten), wie ein geschwächtes Immunsystem, begünstigen die Infektion.

Influenza Typ A ist seit langem die häufigste Ursache von Epidemien und Pandemien. Die bisher schlimmste Influenza-A-Pandemie, die Spanische Grippe von 1918 bis 1919, forderte mehr als 20 Millionen Tote. Im gesamten Ersten Weltkrieg sind durch den Krieg nicht so viele Menschen zu Tode gekommen. Von einer Epidemie spricht man, wenn ein Virus vorübergehend in einer bestimmten Region gehäuft auftritt. Bei einer Pandemie handelt es sich um eine Epidemie, die nicht örtlich begrenzt ist, also in mehreren Ländern oder sogar weltweit auftritt.

Erfahrungsgemäß gibt es etwa alle zwei bis drei Jahre eine Influenza-Epidemie. Zwei Dinge tragen dazu bei: die hohe Ansteckungsrate und die kontinuierliche Veränderung des Virus. Meist kommt es bereits kurz nach der Entwicklung einer guten Immunität gegen das derzeitige Virus zu einem Wandel des Virus, weil sich die Influenza-Viren durch kleine Mutationen in den für ihre Erkennung durch das Immunsystem wichtigen Regionen ständig verändern. 

Befallen ausserdem zwei verschiedene Influenza-Viren dieselbe Zelle, kann es dazu kommen, dass sie Erbgutteile miteinander austauschen und sich quasi miteinander kombinieren. Auch dieser Mechanismus trägt zur Veränderungsfähigkeit des Virus bei. Und außerdem können Influezaviren auch vom Tier (zum Beispiel von Vögeln oder Schweinen) auf den Menschen überspringen. So entstehen völlig neue Virus-Typen. Alle 10 bis 40 Jahre ergeben sich auf diese Weise größere Veränderungen des Virus, was auch heute noch zu Seuchen führen kann, die besonders in Ländern, in denen viele Menschen auf engem Raum leben und nur schlechte medizinische Versorgung vorhanden ist, zu zahlreichen Todesfällen führen können.

Grippe-Erreger auf der Flucht vor dem Immunsystem

Das wichtigste Problem im Kampf gegen die Influenza ist die Unberechenbarkeit: Das Virus verändert sich ständig und ist so der Immunantwort  häufig einen kleinen Schritt voraus. 

Um diesen Mechanismus zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass es verschiedene Influenza-Arten gibt: Grob wird das Virus in die drei Typen A, B und C unterteilt. Typ A ist der häufigste und für den Menschen am gefährlichsten. Die anderen beiden Influenza-Arten, Typ B und Typ C, sind harmloser. Typ B tritt besonders bei Kindern und Jugendlichen auf, der Verlauf ist milder als der einer Infektion mit Typ A. Typ C kommt nur sporadisch vor.

Für die Erkennung des Virus-Typs A durch das menschliche Immunsystem spielen zwei Moleküle eine wichtige Rolle, die auf der Oberfläche des Virus sitzen: Sie heißen Neuraminidase (abgekürzt: N) und Hämagglutinin (H). Von ihnen existieren jeweils eine Reihe verschiedener Unterarten, die durchnummeriert werden (zum Beispiel N1, N7... beziehungsweise H1, H5, H7 ...). Durch neue Kombinationen dieser Moleküle bilden sich immer wieder leicht abgewandelte Typen des Influenza A-Virus. Diese Subtypen werden dann auch entsprechend bezeichnet (zum Beispiel H5N1).

Weil sich das Influenza-Virus ständig verändert, muss auch der Impfstoff immer wieder angepasst werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versucht, dem sich wandelnden Virus dicht auf den Fersen zu bleiben und gibt regelmäßig neue Empfehlungen für Impfstoffe heraus, welche die jeweils aktiven Virustypen so gut wie möglich berücksichtigen. Der einzelne Impfstoff schützt also vor allem gegen die Virustypen, von denen man voraussagt, dass sie in der jeweiligen Grippe-Saison die wichtigste Rolle spielen. Bereits im darauf folgenden Jahr können die Viren jedoch ganz andere Eigenschaften haben. Deshalb muss man sich bei entsprechender Gefährdung jedes Jahr erneut mit dem aktuellen Impfstoff immunisieren lassen.


nach obenRisikofaktoren

Schließlich gibt es noch eine Reihe von Faktoren, die eine Erkrankung und vor allem Komplikationen begünstigen. So zum Beispiel:

  • Chronische Herzkrankheiten
  • Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten
  • HIV-Erkrankung
  • Tumorerkrankungen
  • Unterdrückung des Immunsystems im Zuge einer medizinischen Behandlung
  • Alter von über 65 Jahren, hier reagiert das Immunsystem nicht mehr so gut auf neue Erreger
  • Alter von weniger als 1 Jahr, hier ist das Immunsystem noch unreif und reagiert nicht so effektiv
  • Unterernährung

Eine Grippe sollte man ernst nehmen

Stockbyte/RYF

nach obenSymptome

Oft realisiert man gar nicht, dass man eine Grippe hat: In 80 Prozent der Fälle verläuft die Infektion mit Influenza unbemerkt oder nur als leichte Erkältungskrankheit. Jährlich sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 10 bis 20 Prozent der Weltbevölkerung betroffen, aber die Mehrheit davon bekommt das eigentlich nicht mit.

Bei den übrigen 20 Prozent der Infizierten kommt es zu einem schwereren Verlauf. Die Symptome treten hier meist plötzlich auf. Der Infekt beginnt mit Frösteln und starkem Krankheitsgefühl. Dazu kann Fieber bis zu 40 Grad kommen; Halsschmerzen, trockener Husten, tränende Augen, eine rinnende Nase, Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen sind ebenfalls möglich. Treten keine Komplikationen auf, ist die Infektion üblicherweise nach einer Dauer von wenigen Tagen bis einer Woche überstanden.

Die Grippe macht uns auch anfälliger gegenüber Bakterien. Ist das Immunsystem durch den Virus-Infekt geschwächt, haben andere Krankheitserreger ein leichtes Spiel. Die meisten Todesfälle im Zusammenhang mit Influenza gehen nicht auf den Virus selbst zurück, sondern auf bakterielle Infektionen, die sich zu einer Grippeerkrankung hinzugesellt haben (sogenannte Sekundärinfektionen).

Bei diesen bakteriellen Erkrankungen kann es sich unter anderem um Lungen-, Ohren- oder Herzmuskelentzündungen handeln. Sie können jeweils unterschiedliche Symptome hervorrufen und sollten umgehend behandelt werden.


Schwierig: Grippe und Erkältung zu unterscheiden

BrandXPictures/ RYF

nach obenFrüherkennung und Diagnose

Harmlose Erkältungskrankheiten, oft als "grippaler Infekt" bezeichnet, können ähnliche Symptome wie eine Grippe verursachen: Husten, eine erhöhte Körpertemperatur oder Kopfschmerzen können zum Beispiel auch hier auftreten. Diese von anderen Viren ausgelösten Infektionen unterscheiden sich von Influenza durch die Schwere des Verlaufs: Sie gehen nur selten mit Fieber einher und führen in der Regel nur zu einer kurzzeitigen Abgeschlagenheit, die lediglich etwas Schonung bedarf.
 
Meist genügt dem Arzt das klinische Erscheinungsbild, also die Summe der Krankheitszeichen, um eine Influenza-Infektion zu erkennen. Er wird selbstverständlich auch besonderes dann an eine mögliche Grippe denken, wenn er weiß, dass in der Region aktuell eine Influenza-Epidemie vorliegt.

Bei Verdacht und entsprechenden Symptomen macht der behandelnde Arzt üblicherweise einen Nasen- oder Rachenabstrich, das heißt, er gewinnt mit einem Wattestäbchen etwas Sekret aus der Nase oder dem Nasenrachenraum. Mit einem sogenannten Influenza A/B-Schnelltest lässt sich eine "echte Grippe" dann innerhalb von 15 Minuten nachweisen. Allerdings sind Schnelltests bei Erwachsenen nicht besonders sicher im Nachweis einer Influenza. Noch empfindlicher ist der Nachweis mittels eines PCR-Tests, der das Erbgut des Virus im Blut identifiziert. Bis ein Ergebnis vorliegt, dauert es hier aber zumindest einige Stunden.


Grafik: So wirken antivirale Medikamente

Illustration: W&B/Ulrike Möhle

nach obenTherapie

Körperliche Schonung und Bettruhe sind bei der Behandlung der Influenza wichtig, damit die Grippe schnell ausheilt.

Die übrigen Maßnahmen richten sich nach den vorherrschenden Symptomen: Inhalieren kann zum Beispiel bei Husten und einer laufenden Nase sinnvoll sein. Glieder- und Kopfschmerzen lassen sich mit Schmerzmitteln lindern. Bei Kindern unter 14 Jahren sollten diese Medikamente jedoch auf keinen Fall Acetylsalicylsäure enthalten. Bei einem bestehenden Infekt drohen den Kleinen sonst gefährliche Leber- und Gehirnschäden (sogenanntes Reye-Syndrom). Wer fiebert und schwitzt sollte außerdem darauf achten, die verlorene Flüssigkeitsmenge durch ausreichendes Trinken wieder aufzunehmen. Mit diesen allgemeinen Maßnahmen ist eine Infektion bei unkompliziertem Verlauf nach wenigen Tagen überstanden.

Zur gezielten Behandlung der Grippe stehen antivirale – also gegen Viren wirkende – Stoffe zur Verfügung: Oseltamivir und Zanamivir hemmen die Neuraminidase, eines der Oberflächenmoleküle des Virus. Die Neuraminidase spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei der Freisetzung der Viren von einer infizierten Zelle. Amantadin, ein älteres und oft schlechter vertragenes Medikament, verhindert, dass das Virus in den Kern der befallenen Zelle vordringt und dort sein Erbgut vermehrt. Allerdings sind heute bereits viele Influenzaviren resistent gegen Amantadin.

Alle antiviralen Medikamente sollten bereits innerhalb von 48 Stunden nach Krankheitsbeginn eingenommen beziehungsweise angewandt werden. Denn sie verhindern die Vermehrung der Viren und wirken daher am besten, wenn deren Ausbreitung im Körper noch nicht weit fortgeschritten ist. Rechtzeitig verabreicht können sie die Dauer der Krankheit verkürzen, die Schwere vermindern und die Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Folgeinfektion verringern. Antivirale Medikamente sollten bei Patienten mit chronischen Erkrankungen, Immunschwäche und bei Grippe-Komplikationen wie einer Lungenentzündung erwogen werden. Bei Personen ohne Vorerkrankungen sind sie in der Regel nicht notwendig.


Eine Impfung hilft, sich gegen Influenza zu schützen

W&B/Winfried Fischer

nach obenVorbeugen

Es existieren wirksame Impfstoffe gegen die Grippe. Der Inhalt wird regelmäßig angepasst, damit er möglichst gut gegen die häufigsten aktuellen Virustypen der Saison schützt. Deshalb und weil die Wirksamkeit der Impfung nicht lange anhält, ist jährlich eine neue Impfung notwendig.

Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen Influenza allen Menschen ab 60 Jahren sowie bestimmten Risikogruppen. Dazu zählen unter anderem Menschen mit Abwehrschwäche, Diabetes oder chronischen Leber-, Nieren-, Herz- oder Atemwegskrankheiten wie Asthma oder COPD. Menschen, die überdurchschnittlich häufig Umgang mit Influenza-Erkrankten haben, beispielsweise Krankenhauspersonal, sollten ebenfalls geimpft sein, um zu vermeiden, dass sie die Krankheit weitergeben. Auch Frauen, die während der Grippe-Saison schwanger sind, sollten sich ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei erhöhtem Risiko aufgrund von chronischen Erkrankungen sogar bereits im ersten Drittel impfen lassen. Wenn Sie wissen möchten, ob eine Impfung gegen Influenza auch für Sie sinnvoll ist, beraten Sie sich mit Ihrem Hausarzt.

Wegen des sich ständig verändernden Virus kann jedoch keine Impfung hundertprozentig schützen. Um Infektionen vorzubeugen ist es daher außerdem empfehlenswert, auf eine gute Händehygiene zu achten. Bei Erkältungs- und Grippeepidemien kann es sinnvoll sein, auch einmal auf die Begrüßung per Handschlag zu verzichten, um einer möglichen Ansteckung vorzubeugen.


Eine Grippe sollte man ernst nehmen

Imagesource/RYF

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Ist eine Grippe immer lebensgefährlich?

Influenza kann lebensgefährlich sein, etwa im Rahmen einer Seuche durch einen neuartigen Virustyp, der besonders aggressiv ist. Das kommt heute aber nur sehr selten vor.

Für einen gesunden Organismus mit einem intakten Immunsystem stellt eine Grippe normalerweise kein lebensbedrohliches Problem dar. Nach ein paar Tagen hat der Körper die Krankheit meist im Griff. Nur das Gefühl der Abgeschlagenheit kann manchmal über längere Zeit anhalten. Am ehesten sind Kinder, ältere Menschen mit Vorerkrankungen und Patienten mit einer Abwehrschwäche durch Influenza gefährdet. Ist eine Person aus diesem Kreis vermutlich von einer Grippe betroffen, sollte immer ein Arzt konsultiert werden, um zu entscheiden, ob eine spezifische Behandlung sinnvoll oder notwendig ist.

Treten zusätzlich zu dem Virusinfekt bakterielle Erkrankungen auf, ist eine rasch einsetzende und effiziente Behandlung wichtig, da es dadurch auch bei sonst gesunden Menschen zu schwerwiegenden Komplikationen kommen kann.


Unser Experte: Professor Dr. Bernd Salzberger

W&B/Privat

nach obenBeratender Experte

Professor Dr. med. Bernd Salzberger ist Internist und Infektiologe. Seit 2001 ist er als Professor für Klinische Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg tätig. Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit sind HIV-Infektion, CMV-Infektion und Viruserkrankungen bei immunsupprimierten Patienten sowie die Sepsis.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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