Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)

Bei Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) handelt es sich um bösartige Veränderungen des Gebärmutterhalsgewebes, meist im Bereich des Muttermunds

aktualisiert am 20.10.2015

Weibliche Anatomie: Der Gebärmutterhals verbindet die Gebärmutter mit der Scheide. Er endet im Muttermund, der ein kleines Stück in die Scheide vorragt (zum Vergrößern der Grafik bitte auf die Lupe klicken!)

W&B/Ulrike Möhle

nach obenWas ist Gebärmutterhalskrebs?

Der Gebärmutterhals, in der Fachsprache Zervix uteri (oder Cervix uteri) genannt, ist der untere Teil der Gebärmutter. Er verbindet die Gebärmutter mit der Scheide und endet im Gebärmuttermund (Portio), der in die Scheide vorragt. Der Gebärmuttermund ist ein sehr empfindlicher Übergangsbereich zwischen der drüsenhaltigen Schleimhaut des Gebärmutterhalskanals und der Schleimhaut, welche die äußeren Anteile des Gebärmutterhalses überzieht. Dieser Bereich ist besonders anfällig für Zellveränderungen. Sind diese bösartig, spricht man von Gebärmutterhalskrebs oder Zervixkarzinom. Anfangs bleiben die Veränderungen der Zellen meist unbemerkt. Im fortgeschritteneren Stadium können dann Symptome wie Schmierblutungen, Ausfluss sowie Schmerzen auftreten.

Im Vergleich zu vielen anderen Krebserkrankungen tritt Gebärmutterhalskrebs bei jüngeren Frauen auf. Die Hälfte der Betroffenen ist bei der Erstdiagnose jünger als 53 Jahre (mittleres Erkrankungsalter). Frauen zwischen 40 und 59 Jahren sind am häufigsten von Gebärmutterhalskrebs betroffen. Im Jahr 2010 erkrankten in Deutschland rund 4660 Frauen. Die meisten Krebsvorstufen und Frühstadien, sogenannte In-situ-Karzinome, finden sich bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren (mittleres Erkrankungsalter 34 Jahre).


Viren als Krebserreger: HPV befällt die Zellen der Gebärmutterschleimhaut

W&B/Martina Ibelherr

nach obenUrsachen

Eine Infektion mit bestimmten Typen der sogenannten humanen Papillomaviren (HPV) ist Voraussetzung für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Die Viren werden hauptsächlich beim Geschlechtsverkehr übertragen. In den meisten Fällen bekämpft das Immunsystem die Krankheitserreger innerhalb kurzer Zeit. Manchmal überleben die Viren jedoch den Angriff des Immunsystems und nisten sich anhaltend in den Zellen der Gebärmutterhalsschleimhaut ein. Dies kann in einem Teil der Fälle zu Zellveränderungen führen und langfristig über Krebsvorstufen schließlich zu Krebs. Gebärmutterhalskrebs ist also die seltene Folge einer Infektion.


Es gibt viele verschiedene Arten humaner Papillomaviren (HPV). Ein Teil davon hat die Fähigkeit, Krebs auszulösen. Besonders problematisch sind HPV 16 und HPV 18: Sie sind für rund 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich. Inzwischen ist bekannt, wie diese Viren zur Entstehung von Gebärmutterhalskrebs führen. Bestimmte Gene der Erreger werden in das Erbgut der Zelle eingebaut. Durch die dauerhafte Aktivität der Viren-Gene kommt es zur bösartigen Veränderung der Zellen des Gebärmutterhalses. Werden diese krankhaft veränderten Zellen nicht frühzeitig erkannt und behandelt, kann daraus Gebärmutterhalskrebs entstehen. Dieser Prozess zieht sich meist über viele Jahre hin.

Die Übertragung der Viren geschieht hauptsächlich beim Geschlechtsverkehr. Die meisten sexuell aktiven Frauen infizieren sich mindestens einmal im Leben mit dem Virus. Ungeschützter Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern erhöht das Infektionsrisiko erheblich. Wurde einmal eine HPV-Infektion durchgemacht, ist eine erneute Infektion mit dem gleichen Virus nicht völlig ausgeschlossen, weil die durchgemachte Infektion in der Regel keinen sicheren, anhaltenden Schutz bewirkt.


Wichtig: Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt

Shotshop/Marcin Balcerzak

nach obenSymptome


Gebärmutterhalskrebs ruft zunächst keine Beschwerden hervor und wird deshalb oft lange Zeit nicht bemerkt. Symptome treten meist erst dann auf, wenn die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten ist. Auch die Infektion mit humanen Papillomaviren bleibt normalerweise unbemerkt. Gerade wegen der fehlenden Frühsymptome kann die jährliche Krebsvorsorge beim Frauenarzt ab dem Alter von 20 Jahren sinnvoll sein.

Anzeichen für Gebärmutterhalskrebs können vor allem Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr sowie Blutungen außerhalb des Monatszyklus oder ein blutiger, oft auch übel riechender Ausfluss sein. Typisch sind auch Schmerzen beim Sex und Schmerzen im Bereich des Beckens. Ist das Karzinom in umliegende Gewebe eingewachsen, können Beschwerden wie Blut im Urin, Harnwegsinfekte, Rückenschmerzen oder Lymphstauungen auftreten. Eine ungewollte und unerklärliche, deutliche Gewichtsabnahme kann auch ein Anzeichen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung sein.


Untersuchung beim Frauenarzt: Abstrich und Kolposkopie helfen, Gebärmutterhalskrebs früh zu erkennen

Fotolia/2009

nach obenDiagnose

Nach den Krebsfrüherkennungsrichtlinien hat jede Frau ab 20 Jahren einmal jährlich Anspruch auf eine kostenlose Untersuchung der Geschlechtsorgane beim Frauenarzt. Auch für gegen HPV geimpfte Frauen sind diese Vorsorgeuntersuchungen wichtig, da die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs bietet. Die Heilungschancen sind am größten, wenn die Erkrankung im Frühstadium erkannt und behandelt wird. Im Rahmen der Untersuchung sieht sich der Arzt den Muttermund an und entnimmt je einen Abstrich von dort sowie aus dem Gebärmutterhalskanal. Die Abstriche werden dann im Labor aufbereitet und auf Zellveränderungen untersucht (sogenannter PAP-Test). Eine Untersuchung des Muttermundes mit Hilfe einer vergrößernden Lupe (Kolposkopie) gehört nicht zur normalen Vorsorge dazu, kann aber bei Veränderungen im Abstrich zur Abklärung durchgeführt werden.

Bei leichten Veränderungen sind in der Regel außer der Routinekontrolle nach einem Jahr keine weiteren Maßnahmen erforderlich – sie bilden sich in der Regel von selbst zurück.

Bei einer mittleren Veränderungsstufe kann man zunächst in Abständen von drei bis sechs Monaten den Abstrich kontrollieren. Wenn sich die Veränderungen nach zwei Kontrolluntersuchungen nicht zurückgebildet haben, muss eine weitere Abklärung erfolgen. Dazu wird eine Lupenuntersuchung des Gebärmuttermundes (Kolposkopie) mit Entnahme von Gewebeproben (Biopsie) aus dem verdächtigen Bereich durchgeführt.

Wenn der Abstrich eine höhergradige Veränderung ergibt, erfolgen Kolposkopie und Biopsie ohne weiteres Zuwarten. Die Untersuchung der Gewebeproben kann die Veränderungen besser bestimmen. Finden sich in den Proben Krebsvorstufen, ist eine Behandlung erforderlich: Der veränderte Bereich wird entfernt. Ist sichergestellt, dass die Zellveränderung nur außen, im Bereich des Muttermundes vorkommt, können in einigen Fällen die veränderten Zellen durch Laser oder Kälteanwendung (Kryotherapie) örtlich zerstört werden. In den meisten Fällen wird aber ein kegelförmiges Stück Gewebe aus dem Gebärmutterhals herausgeschnitten (Konisation). Dadurch wird sichergestellt, dass auch veränderte Zellen im Innenbereich des Gebärmutterhalses entfernt werden. Darüber hinaus kann das herausgeschnittene Gewebe feingeweblich (histologisch) untersucht und somit überprüft werden, ob der gesamte veränderte Bereich entfernt wurde. Die Konisation kann mittels elektrischer Schlinge oder Laser erfolgen. Die Schlingenkonisation ist gegenwärtig die Methode der Wahl, da sie seltener mit Komplikationen verbunden ist. Die früher übliche Messerkonisation wird heute nicht mehr empfohlen. Je nach Grad der Veränderungen und Art des Eingriffs erfolgt zusätzlich eine Ausschabung (Kürettage) der restlichen Schleimhaut im Gebärmutterhals. Die ausgeschabte Schleimhaut wird ebenfalls mikroskopisch untersucht.

Liegt laut den Ergebnissen der Gewebeuntersuchung keine Vorstufe mehr vor, sondern ein Gebärmutterhalskrebs, muss die Ausdehnung der Erkrankung (das Krankheitsstadium) ermittelt werden, um die Behandlung planen zu können. Dazu werden verschiedene bildgebende Untersuchungen durchgeführt. Bei nachgewiesenem Gebärmutterhalskrebs sind in der Regel weitergehende Behandlungsmaßnahmen als eine Konisation notwendig.

Abstrich

Krankhafte Veränderungen der Zellen des Gebärmutterhalses können durch einen Abstrich erkannt werden. Diese Abstriche sind deshalb so wichtig, da die Zellveränderungen wie erwähnt im frühen Stadium meist keine Symptome verursachen.

PAP-Test

Der nach dem griechischen Mediziner George Nicholas Papanicolaou benannte Test wird seit Mitte der 1940er Jahre zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs eingesetzt. Mit dem PAP-Test lassen sich symptomlose Krebsvorstufen frühzeitig erkennen und dann entsprechend effektiv behandeln. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen ab dem Alter von 20 Jahren einmal jährlich die Kosten für diese Untersuchung – sie ist Teil des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms in Deutschland.

Beim PAP-Test entnimmt der Arzt mit einem kleinen Bürstchen oder einem Spatel je einen Abstrich vom Muttermund und aus dem Gebärmutterhalskanal. Das abgestrichene Material, in dem Schleimhautzellen enthalten sind, wird auf einem Glasplättchen ausgestrichen, fixiert und im Labor mikroskopisch begutachtet. Der Befund des Abstrichs wird nach der Ausprägung etwaiger Zellveränderungen in fünf Stufen eingeteilt. Ab Stufe drei (Pap III) müssen weitere Untersuchungen gemacht werden, um abzuklären, ob es sich tatsächlich um Krebs handelt. Bei Stufe zwei kann unter Umständen eine Wiederholung des Tests in einem kürzeren zeitlichen Abstand angezeigt sein, meist aber erfolgt die nächste Untersuchung ganz normal ein Jahr später.

Dünnschichtzytologie

Die Entnahme des Abstrichs erfolgt bei der Dünnschichtzytologie wie beim PAP-Test, doch die Aufbereitung ist anders: Die Zellen im Abstrich werden in einer Flüssigkeit gelöst, von Beimengungen befreit und dann sehr dünn und besonders gleichmäßig auf einem Objektträger ausgestrichen. So sollen optimale Bedingungen für die mikroskopische Beurteilung geschaffen werden. Diese Untersuchung ist zur Erkennung von Zellveränderungen und von Gebärmutterhalskrebs ebenfalls geeignet. Dafür, dass sie dem herkömmlichen PAP-Test überlegen ist, gibt es allerdings derzeit noch keine ausreichenden Belege. Die Kosten für die Dünnschichtzytologie werden von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht erstattet.

Kolposkopie

Bei der sogenannten Kolposkopie untersucht der Gynäkologe die Schleimhaut des Gebärmutterhalses mit Hilfe eines beleuchteten Vergrößerungsglases und eines Spiegels: Mit bis zu 40-facher Vergrößerung zeigt ihm die Lupe auch sehr kleine Veränderungen. Die Kolposkopie kommt besonders zur Abklärung von verdächtigen Abstrichen zum Einsatz, wobei dann meist auch Gewebeproben entnommen werden. In fortgeschrittenen Fällen kann Gebärmutterhalskrebs dann oft schon mit bloßem Auge erkannt werden.

Untersuchung auf humane Papilloma-Viren (HPV-Test)

Der HPV-Test kann – zusätzlich zum Abstrich – die Früherkennungsuntersuchung zuverlässiger machen, indem er nachweist, ob eine Frau mit krebsauslösenden Papillomaviren infiziert ist oder nicht. Zusammen mit dem Abstrichbefund lässt sich so das Risiko für Gebärmutterhalskrebs besser einschätzen. Sinnvoll ist der Test allerdings erst für Frauen ab dem 30. Lebensjahr, da bei jüngeren Frauen eine Infektion mit humanen Papillomaviren zum einen häufig ist und zum anderen meist von selbst und ohne Folgen abklingt. Hier würde der HPV-Test zu viele harmlose, weil vorübergehende Infektionen entdecken. Notwendig für den Test ist ebenfalls ein Abstrich vom Muttermund. Im Labor wird untersucht, ob sich darin das Erbgut von humanen Papillomaviren nachweisen lässt, ob also eine Infektion besteht. Wenn sowohl der HPV-Test als auch der Abstrich normal ausfallen, besteht auch für die folgenden Jahre mit hoher Sicherheit kein Risiko, dass sich Krebsvorstufen oder gar Krebs entwickeln. Das Ergebnis des HPV-Tests allein sagt dagegen nichts darüber aus, ob Zellveränderungen oder Krebs vorliegen, er zeigt nur eine mögliche Infektion an. Der HPV-Test kommt derzeit zum Einsatz, wenn wiederholt leichte bis mäßige, nicht klar beurteilbare Veränderungen im Abstrich festgestellt werden. Und auch zur Kontrolle des Verlaufs nach der Behandlung einer Krebsvorstufe. Wenn weiterhin Viren nachgewiesen werden, ist das Risiko erhöht, dass sich erneut Zellveränderungen bilden. Der Test ist kein Bestandteil der gesetzlichen Krebsfrüherkennung.

Biopsie

Ergibt der PAP-Test einen Hinweis auf Krebsvorstufen oder Gebärmutterhalskrebs, entnimmt der Frauenarzt im Rahmen einer kolposkopischen Untersuchung Gewebeproben aus der verdächtigen Region. Diese sogenannte Biopsie erfolgt mittels einer kleinen Zange und wird ambulant durchgeführt. Anders als beim PAP-Test kann man an der Gewebeprobe alle Schichten der Schleimhaut des Gebärmutterhalses genau untersuchen.

Konisation

Bestätigt die Biopsie das Vorliegen höhergradiger Veränderungen, bei denen es sich aber noch nicht um Krebs handelt, müssen diese insgesamt entfernt werden. Dazu wird eine sogenannte Konisation durchgeführt. Dabei schneidet der Frauenarzt ein kegelförmiges Gewebestück – daher der Name, denn „konos“ bedeutet Kegel – aus Muttermund und Gebärmutterhals heraus, das den Bezirk mit den Zellveränderungen vollständig umfasst. Die Patientin erhält dazu eine kurze Vollnarkose. Heute erfolgt die Konisation meist mit elektrischer Schlinge oder Laser. Bei eher äußerlichem Sitz der Veränderungen werden diese bevorzugt mit der elektrischen Schlinge entfernt.

Kürettage

Bei der Entfernung des veränderten Bezirks ist meist auch eine Ausschabung der Schleimhaut im Gebärmutterhals nötig. Diese sogenannte Kürettage dient der Feststellung möglicher weiterer Krebsvorstufen, die der Abstrichuntersuchung und der Biopsie aufgrund ihrer Lage im Inneren des Gebärmutterhalskanals entgangen sein könnten. Eine Ausschabung der Gebärmutterhöhle ist manchmal auch erforderlich.

Wenn es Krebs ist

Liegt tatsächlich ein Gebärmutterhalskrebs vor, müssen die Größe und die mögliche Ausbreitung des Tumors auf andere Organe – im Becken oder als Tochtergeschwülste an anderen Stellen des Körpers – genauer bestimmt werden. Neben einer sorgfältigen Tastuntersuchung von der Scheide aus, erfolgt zu diesem Zweck eine Ultraschalluntersuchung der Beckenorgane durch die Scheide sowie ein Ultraschall der Nieren und der Leber. Mit einer Magnetresonanztomographie (MRT) des Beckenraums lässt sich die örtliche Ausbreitung des Tumors gut erkennen. Auch eine Computertomografie der Lunge wird häufig angefertigt. Bei sehr ausgedehnten Tumoren kommen fallweise weitere Untersuchungen und Biopsien in Betracht. Vor der Operation werden außerdem verschiedene Laboruntersuchungen durchgeführt, um die Funktion von Leber, Nieren und Blutgerinnung zu überprüfen. Die Bestimmung von sogenannten Tumormarkern kann im Einzelfall nützlich sein, gehört aber nicht zum Routineprogramm.

Falls es fraglich ist, ob Darm und Blase bereits ebenfalls von dem Tumor betroffen sind, wird dies mit einer Darm- bzw. Blasenspiegelung geklärt. Dazu wird ein schlauchartiges Untersuchungsgerät (Endoskop) über den After beziehungsweise die Harnröhre eingeführt. Auf diese Weise kann der Arzt in das Innere dieser Organe blicken und eventuelle Veränderungen registrieren.


Bei Krebsvorstufen genügt normalerweise ein kleiner operativer Eingriff

Jupiter Images GmbH/Comstock Images

nach obenTherapie

Die Entscheidung darüber, wie behandelt wird, hängt vom Stadium der Erkrankung ab. Bei Krebsvorstufen bilden sich leichte Veränderungen der Zellen oft von selbst zurück, höhergradige Veränderungen werden mittels Konisation behandelt. Liegt wirklich Krebs vor, ist eine ausgedehntere Operation nötig. Eventuell kommen zusätzlich oder häufig auch stattdessen eine Chemo- oder Strahlentherapie in Frage.

Operative Eingriffe

Bei behandlungsbedürftigen Krebsvorstufen wird ein kegelförmiger Teil des Muttermunds und der Schleimhaut des Gebärmutterhalskanals entfernt, der die veränderten Gewebebereiche enthält (Konisation). Empfohlen wird heute die Konisation mittels Laser oder die Abtragung mit der Elektroschlinge, da sie die Funktion des Gebärmutterhalses weniger beeinträchtigen als die Ausschneidung mit dem Skalpell. Der Eingriff wird häufig mit einer Ausschabung der Schleimhaut im Gebärmutterhals kombiniert. Nach der Konisation kann die betreffende Frau weiterhin Kinder bekommen. Besonders die Messerkonisation kann aber Verengungen oder Schwächung des Gebärmutterhalses zur Folge haben.

In ganz frühen Stadien von Gebärmutterhalskrebs kann zur Behandlung ebenfalls eine Konisation durchgeführt werden, wenn die Patientin noch einen Kinderwunsch hat. Dann wird zusätzlich immer eine Schleimhautausschabung in Gebärmutterhals und Gebärmutterkörper (fraktionierte Kürettage) vorgenommen. Bis zu einer gewissen Tumorausdehnung kommt auch eine Teilentfernung des Gebärmutterhalses in Frage. Auch nach einer solchen Operation ist eine Schwangerschaft noch möglich.

Bei größeren, aber auf die Gebärmutter begrenzten Tumoren ist die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) mitsamt ihrem Halteapparat und den Lymphknoten entlang der großen Beckengefäße die übliche Therapie. Die Operation wird bei fortgeschrittenen Tumoren in der Regel mit einem Bauchschnitt durchgeführt. Bei kleinen Tumoren kann die Operation auch durch die Scheide oder minimal-invasiv durch kleine Einschnitte in der Bauchdecke (laparoskopisch) erfolgen. Eine Entfernung der Eileiter und Eierstöcke ist meist nicht notwendig.

Wenn sich der Tumor auf die Blase und den Darm ausgedehnt hat, kann unter Umständen eine weitergehende, umfangreichere Operation sinnvoll sein.

Radiochemotherapie

Zusätzlich zur Operation kann eine ergänzende Strahlenbehandlung und Chemotherapie notwendig sein. Dies ist bei ausgedehntem Befall von Lymphgefäßen und Lymphknoten, bei größeren Tumoren und bei nicht ganz vollständiger Tumorentfernung der Fall und dient dazu, das Rückfallrisiko zu senken. Strahlen- und Chemotherapie werden heute meist kombiniert als sogenannte Radiochemotherapie eingesetzt. Denn im Verbund sind sie wirksamer und die Behandlungsergebnisse deutlich besser. In mittleren Stadien ist die Radiochemotherapie wahrscheinlich so wirksam wie die Operation, aber Ergebnisse vergleichender Untersuchungen fehlen. Bei ausgedehnten Tumoren, die den Halteapparat der Gebärmutter befallen haben oder sogar bis zur Beckenwand gewachsen sind, ist die alleinige Radiochemotherapie die übliche Behandlung. Auch bei einem Krankheitsrückfall kann sie, je nach Vorbehandlung und Krankheitssituation, zum Einsatz kommen, wenn keine Operation möglich ist.

Chemotherapie

Die Chemotherapie dient dazu, Krebszellen zu zerstören. Sie wirkt im ganzen Körper und erreicht auch Tumorzellen, die sich möglicherweise – sichtbar oder unsichtbar - fern vom Ursprungstumor eingenistet haben. Dazu werden Wirkstoffe verabreicht, welche die Tumorzellen in ihrer Teilung behindern und dadurch zum Absterben bringen.

Diese Wirkstoffe wirken jedoch nicht ausschließlich auf Krebszellen, sondern können leider auch gesunde Zellen schädigen. Besonders solche, die sich häufig teilen. Dazu gehören unter anderem die Haarwurzelzellen oder die Stammzellen des Knochenmarks. Aus diesen entstehen zum Beispiel rote und weiße Blutkörperchen sowie die für die Blutgerinnung wichtigen Blutplättchen (Thrombozyten). Diese Zellen trifft die Chemotherapie ebenfalls stark. Die Folge sind Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit, Müdigkeit und erhöhte Anfälligkeit für Infektionen. Gegen viele dieser Störungen lässt sich mit Medikamenten oder anderen therapeutischen Maßnahmen vorgehen.

Strahlentherapie

Hier stehen zwei Verfahren zur Verfügung: die Kontaktbestrahlung und die perkutane Hochvoltbestrahlung. In der Erstbehandlung mit heilender Absicht werden sie immer kombiniert eingesetzt. Bei der Kontaktbestrahlung wird für kurze Zeit eine Strahlenquelle über die Scheide in den Gebärmutterhals eingebracht. Dadurch lässt sich die Strahlung mit exakter Planung sehr gezielt einsetzen: Das Tumorgewebe wird zerstört – ohne umliegende, empfindliche Organe wie Blase und Darm zu sehr zu belasten. Bei der perkutanen Hochvoltstrahlung wird die Bestrahlung von außen durch die Haut vorgenommen. Auch hier trägt die computerunterstützte Bestrahlungsplanung dazu bei, dass gesundes Gewebe möglichst wenig belastet wird. Ganz lässt sich dies aber nicht vermeiden.

Eine Nebenwirkung der Strahlentherapie ist, dass sie die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigt. Zudem beschädigt sie die Schleimhaut der Scheide. Beeinträchtigungen im Sexualleben, besonders durch Trockenheit der Scheide, sind deshalb eine häufige Folgeerscheinung der Behandlung. Weitere Nebenwirkungen können Entzündungen benachbarter Organe sein, vor allem der Harnröhre, der Blase sowie des Enddarms.

Seelische Unterstützung

Krebs ist stets eine erschütternde Diagnose. Während und nach einer Gebärmutterhalskrebstherapie sind psychische Belastungen und Probleme nicht selten. Auch die Sexualität leidet häufig darunter. Professionelle Unterstützung durch erfahrene Psychotherapeuten kann Patientinnen helfen, mit der Situation, den Folgen der Erkrankung und der Behandlung umzugehen. Je nach individuellen Bedürfnissen und Belastungen kann eine Sexual- und Paarberatung, an der auch der Partner der Betroffenen teilnimmt, entlastend sein.

Heilungschancen

Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs lassen sich in fast allen Fällen vollkommen heilen. Auch im sehr frühen Krebsstadium sind die Heilungschancen gut. Mit Zunahme der Tumorgröße und –ausdehnung verschlechtern sich die Aussichten auf Heilung.


Kondome beugen Infektionen vor

Image 100/ RYF

Vorbeugen


Safer sex

Wie erwähnt werden die humanen Papillomaviren meist beim Geschlechtsverkehr übertragen. Kondome können das Infektionsrisiko zwar senken, sind aber nicht sicher, da die Papillomaviren sich auch in Bereichen aufhalten können, die nicht vom Kondom bedeckt werden.


Vorsorgeuntersuchung

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen allen Frauen ab 20 Jahren die jährliche Vorsorgeuntersuchung mit dem PAP-Test beim Frauenarzt. So können schon die Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs entdeckt und erfolgreich behandelt werden. Dadurch kann verhindert werden, dass Krebs entsteht.

Unabhängig davon sollte stets ein Arzt aufgesucht werden, wenn Ausfluss aus der Scheide, Blutungen außerhalb der Periode oder Schmerzen im Unterleib bestehen. Auch wenn hinter diesen Symptomen in den meisten Fällen eher eine Entzündung oder hormonelle Störungen stecken, sollten sie dennoch unbedingt abgeklärt werden.


Seit einigen Jahren gibt es eine Impfung gegen HPV

W&B/Martin Ley

Impfung

Die ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen die humanen Papillomaviren (HPV) für Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren. Die Impfung kann aber auch für ältere Mädchen und Frauen sinnvoll sein: Wer noch keinen Sexualkontakt mit einem infizierten Partner hatte, erhält den nötigen Immunschutz, aber auch wer bereits eine Infektion mit den Virustypen, gegen die der Impfstoff schützt, durchgemacht hat, kann so vor Neuansteckung geschützt werden. Denn auch nach einer durchgemachten Infektion besteht keine sichere Immunität gegen die betreffenden Viren. Gegen eine bestehende Infektion ist die Impfung allerdings nicht wirksam. Die STIKO empfiehlt Frauen, sich mit dem Gynäkologen über den Nutzen und mögliche Risiken einer Impfung zu beraten.

Wichtig: Die Schutzimpfung sollte möglichst vor dem ersten Sexualkontakt durchgeführt werden. Zwei Jahre später sind bereits vier von zehn jungen Frauen mit dem Virus infiziert. Die Impfung beugt einer Infektion mit den wichtigsten krebsauslösenden humanen Papillomviren (Typ 16 und 18) vor und kann so die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, der durch diese Virustypen verursacht wird, verhindern. Bereits bestehende Veränderungen der Zellen kann der Impfstoff jedoch nicht beeinflussen. Außerdem wirkt die Impfung auch nicht gegen alle HPV-Typen, weswegen die jährliche Abstrichuntersuchung ab dem Alter von 20 Jahren auch bei geimpften Frauen wichtig bleibt.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Quellen:

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung des DKFZ.

Weitere Quellen:

Leitlininenprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der PAtientin mit Zervixkarzinom, Leitlinie 09/2014. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-033OLl_S3_Zervixkarzinom_2014-10.pdf (abgerufen am 20.10.2015)




Bildnachweis: Image 100/ RYF, W&B/Martin Ley, Shotshop/Marcin Balcerzak, W&B/Ulrike Möhle, Jupiter Images GmbH/Comstock Images, Fotolia/2009, W&B/Martina Ibelherr

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