Psychisches „Fieber“ – und zwar nicht der Partyrausch, sondern ein krankhafter Zustand – das gibt es tatsächlich. Meistens leiden die Betroffenen noch unter weiteren Störungen des Befindens. Sie fühlen sich vor allem ständig müde und erschöpft. Das verwundert im Zusammenhang mit einer erhöhten Körpertemperatur eigentlich auch nicht. Aber: Dieses „Fieber“ reagiert weder auf fiebersenkende Mittel noch auf Kühlung, etwa durch Wadenwickel. Dahinter stehen meist psychische Belastungen, die nicht adäquat verarbeitet werden. Manchmal zeichnet sich schon in der Kindheit eine entsprechende Reaktionsbereitschaft auf seelischen Ballast ab. Bei Erwachsenen stellen sich meist Konflikte in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz heraus.
Es ist wichtig, dass der Arzt einerseits körperliche Ursachen der erhöhten Temperatur und Begleitbeschwerden sorgfältig ausschließt. Andererseits muss er die Möglichkeit haben, intensiver auf die persönliche Lebenssituation des Patienten eingehen zu können. Das hängt natürlich davon ab, inwieweit der Patient sich hier zugänglich zeigt. Nur so ist es möglich, einen psychischen Hintergrund nicht zu übersehen und adäquate Therapievorschläge zu machen. Dabei kann auch ein Psychotherapeut oder psychiatrisch geschulter Arzt helfen, falls der Betroffene damit einverstanden ist.
Ein älterer Begriff für diese Fieberart ist „habituelles (vegetatives) Fieber“ oder „Statuts subfebrilis bei vegetativer Dystonie“. Teilweise sind auch Verbindungen zwischen einem zierlichen Körperbau (asthenisch) und Neigung zu vegetativem Fieber beschrieben worden. Heutzutage wird es eher dem Problemkreis „chronische Körperbeschwerden ohne Organbefund und ohne andere psychische Störungen“, kurz: den somatoformen Störungen zugerechnet. Die im Zuge der damit verbundenen Krankheitsängstlichkeit empfundenen Beschwerden umfassen neben Fieber auch Hitzewallungen, Herzklopfen, Bauchschmerzen und vieles andere mehr. Sie werden nicht etwa absichtlich „erzeugt“. Vielmehr sind es Leidensinhalte, die die Betroffenen fest im Griff haben und ihren Alltag erheblich beeinträchtigen können.
Bei der psychologischen Aufarbeitung und Therapie kommt es darauf an, nicht nur mögliche psychische Ursachen zu identifizieren. Auch das persönliche Krankheitsverhalten sowie die Erwartungen an den Arzt und das soziale Umfeld sind Themen. Hier liegen auch Ansatzpunkte für Lösungen.
Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de;
31.08.2009, aktualisiert am 10.02.2012
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