Schnupfen – Ursachen: Medikamente

Einige Arzneimittel können zu trockenen, geschwollenen Nasenschleimhäuten führen. Im Mittelpunkt steht hier jedoch der übermäßige Gebrauch von abschwellenden Nasensprays

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 31.01.2017

Nicht zu viel davon: Nasentropfen oder -sprays mit abschwellenden Wirkstoffen im Übermaß verursachen nicht selten einen chronischen Schnupfen

Jupiter Images GmbH/French Photographers

Medikamente, die Schnupfen auslösen können

Trockene Nasenschleimhaut und erschwertes Atmen durch die verstopfte Nase sind manchmal auch auf Nebenwirkungen bestimmter Medikamente zurückzuführen. Dazu gehören unter Umständen Verhütungsmittel zum Einnehmenwie die Pille oder einige Mittel gegen Bluthochdruck wie Betablocker, ACE-Hemmer oder Antisympathotonika.

Symptome: Die Schleimhäute in der Nase werden trocken und schwellen an, so dass das Atmen durch die Nase schwerfällt. Bisweilen fließt auch dünn- oder dickflüssiger Schleim heraus. Die Betroffenen können nicht mehr so gut riechen. Husten und Atembeschwerden kommen bisweilen dazu.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Schnupfenbeschwerden mit der Einnahme eines Medikaments zusammenhängen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Manchmal ist es möglich, das Präparat zu wechseln, um die Nasensymptome zu lindern. Das geht allerdings bei bestimmten Krankheitsbildern nicht immer. Bleiben die Beschwerden bestehen, verordnet der Arzt oft zusätzliche Mittel gegen den Schnupfen, wie zum Beispiel Kortison-Nasensprays.

Abschwellende Nasensprays als Schnupfenursache

Zu einer medikamentösen Rhinitis kommt es jedoch vor allem durch den langfristigen und häufigen Gebrauch von Nasentropfen oder -sprays, die sogenannte Sympathomimetika enthalten, wie Xylometazolin oder Oxymetazolin. Diese Substanzen wirken abschwellend und hemmen den Nasenausfluss.


Verstopfte Nase: Könnte ein Arzneimittel schuld sein? Fragen SIe Ihren Arzt oder Apotheker

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Das erleichtert zwar zunächst das Atmen, die Schleimhäute trocknen jedoch immer mehr aus. Als Gegenreaktion schwellen sie dann verstärkt an, sobald die Wirkung der Arzneistoffe nachlässt. Die Betroffenen greifen daher häufig erneut zum Nasenspray und geraten nicht selten in eine Abhängigkeit. Die Folge sind oft chronischer Schnupfen (siehe Kapitel "Chronischer Schnupfen").

Symptome: Die Nase ist ständig verstopft, die Nasenatmung erschwert. Oft leiden die Betroffenen unter einer dauerhaft trockenen Nase (atrophische Rhinitis, Rhinitis sicca, siehe Kapitel "Übersensible Nase"), atmen verstärkt durch den Mund und entwickeln Mundgeruch. Halsentzündungen und chronische Atemwegsinfekte treten gehäuft auf, da die Nasenschleimhaut nicht mehr in der Lage ist, ihre Reinigungs- und Schutzfunktion zu erfüllen.

Wichtig: Wenden Sie abschwellende Nasentropfen nicht länger als höchstens eine Woche an! Wenn Sie immer wieder erneut und über längere Zeit zu Mitteln mit Sympathomimetika greifen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Der Hausarzt und gegebenenfalls ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt werden Sie beraten, wie Sie Ihre Schleimhäute nach Absetzen der Tropfen oder Sprays pflegen und regenerieren, so dass Sie schließlich ohne Medikamente wieder frei atmen können.

Analgetika-Intoleranz: Wenn Schmerzmittel zu Schnupfen und Atemnot führen

Manche Menschen vertragen den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) oder nicht steroidale Antirheumatika (NSAID) nicht, und zwar schon, wenn sie normale Dosen davon einnehmen. Häufig zeigt sich eine Überreaktion auf solche Medikamente bei Betroffenen, die gleichzeitig an Bronchialasthma, chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen und Nasenpolypen, auch in wiederkehrender Form nach Operation der Nasennebenhöhlen, leiden. Weitere Bezeichnungen: Morbus Widal, Morbus Samter. Die gemeinsam auftretenden Krankheitsbilder (ASS-Intoleranz-Syndrom) können sich auch infolge einer ursprünglichen Analgetika-Intoleranz entwickeln.

Symptome: Schnupfen mit fließender und verstopfter Nase sowie Geruchsstörungen sind häufig erste Zeichen. Der Schnupfen kann auch unabhängig von der Schmerzmitteleinnahme bestehen bleiben. Nasenpolypen verstärken die Beschwerden. Bei einem ASS-Intoleranz-Syndrom reagieren die Betroffenen schließlich auf ASS oder NSAID mit asthmatischen Beschwerden und/oder juckenden Quaddeln (Nesselsucht), Hautausschlägen oder akuten Magen-Darm-Beschwerden. Mitunter kann es sogar zu bedrohlichen Sofortreaktionen mit Blutdruckabfall, Schwellungen (Angioödem), Atemnot und Erbrechen kommen (anaphylaktischer Schock).

Diagnose: Beschwerden und Krankheitsgeschichte liefern dem Arzt meist wichtige Anhaltspunkte. Es folgen Untersuchungen der Nase und der Nasennebenhöhlen mit dem Endoskop und im zweiten Schritt als derzeitiges Standardverfahren gegebenenfalls eine Computertomografie, um eine chronische Rhinosinusitis und Nasenpolypen festzustellen (siehe auch Kapitel "Diagnose"). Manchmal erwägen die Ärzte auch einen sogenannten Provokationstest, der jedoch sehr aufwendig ist. Die Betroffenen gehen dazu in der Regel in eine Klinik, damit die Ärzte mögliche Reaktionen auf gezielt zugeführte Schmerzmittelsubstanzen, etwa in die Nase, beobachten und nötigenfalls sofort eingreifen können.

Therapie: Wer an einer ASS-Intoleranz leidet, muss in erster Linie besagte Substanzen meiden und bei Schmerzen oder Fieber andere Medikamente einnehmen, etwa Paracetamol. Der Arzt wird seinen Patienten entsprechend anweisen. Zur Behandlung von Schnupfensymptomen und Nasenpolypen setzen Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten Kortison ein, zunächst in Form von Nasensprays, manchmal kurzfristig auch als Tabletten. Als weitere Medikamente kommen zudem langwirksame Beta-2-Agonisten, die die Bronchien erweitern, sowie sogenannte Leukotrien-Antagonisten infrage. Eventuell ist auch eine Operation angezeigt, um hartnäckige Polypen zu entfernen. Allerdings ist die Rückfallneigung der Polypen recht hoch. Die örtliche Kortison-Therapie wird in der Nachbehandlung zumeist fortgeführt. 

Um Überreaktionen bei Analgetika abzumildern, ziehen die HNO-Ärzte in einigen Fällen eine sogenannte adaptive Desaktivierung in spezialisierten Zentren in Betracht. Hierbei erhält der Erkrankte unter strenger Beobachtung über eine gewisse Zeit die entsprechenden Schmerzmittel in zunächst geringen, dann allmählich ansteigenden Dosen. Bei dieser Therapieform wägen die Ärzte jedoch positive Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen sorgfältig ab.



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