Durchfall (Diarrhö): Ursachen chronisch (1)

Bei chronischem Durchfall treten die Symptome über zwei, drei oder mehr Wochen hinweg auf, oft wiederholt, vielleicht auch schubartig
aktualisiert am 26.06.2017

Vor der Diagnose steht die gründliche ärztliche Untersuchung

PhotoDisc/RYF

Das weiß jeder: Um eine Erkrankung so gezielt wie möglich zu behandeln, kommt es auf die genaue Diagnose an. Vielfach gilt auch: je früher, desto besser, bei anhaltendem Durchfall allemal. Denn ernsthafte Gesundheitsstörungen lassen sich so besser in den Griff bekommen.

In diesem Kapitel geht es um folgende Krankheitsbilder als Ursachen chronischen Durchfalls:

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz), Unverträglichkeit von Fruktose oder Sorbit, Glutenunverträglichkeit (Zöliakie, glutensensitive Enteropathie), Nahrungsmittelallergie
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, sogenannte mikroskopische Colitis
  • Chronische Darminfektionen, Whipple-Krankheit, Enddarminfektionen
  • Amyloidose

Als Folge dieser Krankheiten kann sich eine Nahrungsverwertungsstörung mit Mangelerscheinungen (Malassimilationssyndrom) entwickeln. Dazu gleich mehr im nächsten Abschnitt.

Damit ein Kind gut gedeiht, muss es auch die Nahrung gut aufnehmen können

Thinkstock/Stockbyte

Malassimilationssyndrom: Wenn Nahrung nicht richtig verwertet wird

Unter einem Malassilimationssyndrom versteht man die unzureichende Aufnahme (Malabsorption) und ungenügende Verwertung von Nahrungsbestandteilen (Maldigestion), häufig mit der Folge von Mangelerscheinungen. Bei Kindern kann es zu Wachstumsstörungen, altersunabhängig außerdem zu verschiedenen Funktionsstörungen kommen. Das Syndrom ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern kann viele chronische Erkrankungen, die mit Durchfall einhergehen, komplizierter machen.

    Info: Unsere Hauptnährstoffe sind Kohlenhydrate (Nahrungszucker, Stärke), Eiweiß und Fette. Wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente werden sie im oberen Dünndarm aufgenommen. Der Dickdarm nimmt hauptsächlich Wasser und Salze auf. Kohlenhydrate werden schon im Mund zu leicht süßlich schmeckenden Bausteinen, Eiweißstoffe im Magen aufgespalten. Damit die Spaltstoffe über die Darmschleimhaut ins Blut gelangen können, geht der Verarbeitungsprozess noch weiter. Dafür sorgen wichtige Enzyme im Dünndarm, namentlich solche aus der Bauchspeicheldrüse, außerdem Gallensäuren.

    Produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig Enzyme, zum Beispiel aufgrund einer Entzündung, ist die Verdauung von Fetten und Eiweiß gestört. Mangelt es an Kapazität für die Spaltung von Zuckern (Kohlenhydraten), beeinträchtigt das deren Aufnahme ebenfalls. Und: Bei Erkrankungen speziell des letzten Dünndarmabschnitts klappt häufig das Recycling der Gallensäuren nicht mehr. Fette können dann nicht emulgiert werden, Gallensäuren gehen verloren. Damit entfällt ein weiterer Schritt bei der Aufbereitung von Nährstoffen.

Symptome Malassimilationsyndrom: Es kommt zu Durchfälllen (sogenannte Gärungsstühle, Fettstühle) und Blähungen, häufig auch zu ungewollter Gewichtsabnahme und Nährstoffmangel. Zu den möglichen Beschwerden gehören Schwellungen (Eiweißmangelödem), Skeletterweichung (Kalziummangel mit Rachitis bei Kindern und mit Osteomalazie bei Erwachsenen), Gerinnungsstörungen (Vitamin-K-Mangel), Muskelschwäche, Überfunktion der Nebenschilddrüsen, Ausbleiben der Menstruation und vieles mehr. Häufiger als kombinierte Störungen sind heute einzelne Mangelzustände. Hinzukommen Symptome der zugrundeliegenden Erkrankung selbst.

Diagnose: Entscheidend für die Diagnose sind feingewebliche Untersuchungen von Gewebeproben aus dem Dünndarm. Zur Feststellung einer Aufnahmestörung von Vitamin B12 ist ein spezieller Stoffwechseltest (kein Routineverfahren) namens Schilling-Test geeignet. Fällt er krankhaft aus, ist das ein Hinweis für eine Störung im Endabschnitt des Dünndarms. Das Testergebnis kann allerdings durch andere Ursachen beeinflusst werden. Übliche Untersuchungen umfassen unter anderem Blut- und Stuhlanalysen, Stoffwechseltests, die auf die Bauchspeicheldrüse zielen, eventuell einen H2-Atemtest zum Ausschluss einer Milchzuckerunverträglichkeit oder einer bakteriellen Fehlbesiedlung. Endoskopische und bildgebende Untersuchungsverfahren der Gallenwege und Bauchspeicheldrüse sind weitere, oft unentbehrliche Schritte. Außerdem können bildgebende Untersuchungen des Dünndarms, ergänzend weitere spezielle Tests aufschlussreich sein (siehe auch Kapitel "Durchfall: Diagnose").

Therapie: Sie hängt, kurz gesagt, von dem jeweiligen Krankheitsbild ab. Mehr dazu in den nachfolgenden Abschnitten.

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Vielfältige Beschwerden

  • Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz): Bei Laktoseintoleranz kann Milchzucker (Laktose) wegen Mangels oder Aktivitätsverlusts des Verdauungsenzyms Laktase nicht verdaut werden. Bei der Darmpassage bauen Bakterien nicht aufgenommenen Milchzucker ab. Dabei bilden sich Darmgase und Säuren, die zu Blähungen, bei augeprägteren Formen zu wässrigen Durchfällen führen. Angeborener Laktasemangel ist selten und verursacht nahezu vollständige Milchzuckerunverträglichkeit mit schweren Symptomen. Dazu kommt es, sobald der betroffene Säugling gestillt oder mit dem Fläschchen ernährt wird. Das Problem wird oft mit einer Kuhmilcheiweißallergie verwechselt, hat aber damit nichts zu tun. Die Laktaseaktivität nimmt ansonsten etwa ab dem zweiten Lebensjahr natürlicherweise ab, wenn die Ernährung vielfältiger wird und sich nicht mehr alles um die Milch dreht.

    In vielen Teilen der Welt weist die Bevölkerung im Erwachsenenalter nur noch eine geringe Restaktivität des Enzyms auf und verträgt daher keine Milch und Milchprodukte. In Populationen, die seit Jahrtausenden Milchprodukte verzehren, hat sich die Laktaseaktivität aber erhalten. So kommt in Deutschland etwa bei einem Sechstel bis einem Viertel der Bevölkerung ein Laktasemangel mit Laktoseinteroleranz vor. Die Stärke der Symptome hängt von der Restfunktion der Laktase und dem Milchzuckerangebot in der Ernährung ab. Natürlich können auch Dünndarmerkrankungen einen Laktasemangel zur Folge haben, wobei es hier meistens noch zu anderen Störungen der Nährstoffverwertung kommt.

    Symptome: Typischerweise treten nach Verzehr von Milch und Milchproukten Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen (Flatulenz) auf. Je mehr Milchzucker aufgenommen wird, desto stärker die Beschwerden und umgekehrt. Bei starker Durchfallneigung kann es eventuell zu einem Mangel von Vitaminen, Spurenelementen oder Mineralstoffen und Gewichtsverlust kommen. Unter einer Antibiotikabehandlung können sich die Verdauungsbeschwerden verstärken, falls der bakterielle Abbau der Laktose durch eine Veränderung der Bakterienflora im Dickdarm gestört ist. Manchmal sind die Symptome aber auch nur geringfügig, zum Beispiel im Sinne eines allgemeinen Unwohlseins, also nicht einmal darmtypisch.

    Mehr zur Diagnose und Therapie erfahren Sie unter "Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)".
  • Unverträglichkeit von Fruchtzucker oder Sorbit: Unverträglichkeit dieser Zuckerstoffe ist überwiegend eine Frage der Menge und nicht wirklich krankhaft, auch wenn es eine gewisse Veranlagung dazu gibt. Diese hat jedoch nichts mit der schweren, erblichen Fruktoseintoleranz zu tun.

    Wie der Name schon sagt, ist Fruchtzucker (Fruktose) natürlicher Bestandteil von Früchten. Beispielsweise enthalten Äpfel oder Trockenfrüchte besonders viel davon, ebenso Honig. Industrielle Lebensmittel werden zunehmend mit der "vollsüßen" Fruktose versetzt. So findet sich Fruchtzucker in vielen Säften, Gebäck, Marmeladen und Milchprodukten, die, mit Slogans wie "Fitness" oder "Wellness" lockend, gesunden Genuss versprechen. Der Grund: Fruchtzucker wird langsamer und unvollständiger aufgenommen als Glukose (Traubenzucker) und beansprucht daher den Stoffwechsel weniger stark. Ein hohes Fruktoseaufkommen kann den Darm jedoch überlasten. Funktioniert zudem das Transporteiweiß für Fruktose im Dünndarm genetisch bedingt nicht richtig, wird der Zucker nicht aufgenommen (Fruktose-Malabsorption) und gelangt statt ins Blut in den Dickdarm. Dort wird er von Bakterien vergoren. Der entstehende Wasserstoff und andere Gase bereiten prompt Beschwerden.

    Sorbit (Sorbitol), ein Zuckeralkohol, der sich vom Traubenzucker (Glukose) ableitet, kommt in Früchten wie zum Beispiel Birnen und Trockenobst vor. Darüberhinaus wird Sorbitol als Zuckeraustauschstoff zum kalorienreduzierten Süßen eingesetzt, ist in Diabetikerlebensmitteln, Diät- und Lightprodukten (ausgenommen Getränke) enthalten, fungiert aber auch als Lebensmittelzusatz- und Feuchthaltestoff. 

    Symptome: Nach Verzehr nennenswerter Mengen von fruchtzuckerhaltigen Lebensmitteln kommt es bald zu Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfall. Die Betroffenen vertragen vor allem Obst wie Äpfel, Birnen oder Trockenobst nicht gut. Häufig bereiten aber auch "zuckerfreie" Lebensmittel Probleme, etwa Bonbons oder Diabetiker-Produkte. Sie enthalten Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit (oder Xylit). In größeren Mengen, zum Beispiel bei Kaugummi-Überkonsum, löst Sorbit Durchfall aus. Es wird im Dünndarm ebenfalls nicht verwertet, erschwert die Aufnahme von Fruktose zusätzlich und kann so die Verdauungsschwierigkeiten verschlimmern.

    Diagnose: Klarheit kann der sogenannte H2-Atemtest mit dem Test-Zucker, etwa Fruktose, bringen (siehe Kapitel "Durchfall: Diagnose").

    Therapie: Da die Beschwerden im Wesentlichen von der zugeführten Menge der schlecht vertragenen Kohlenhydrate abhängen, besteht die Therapie in einer Ernährung, bei der Fruktose- und Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit deutlich reduziert oder weggelassen werden.

    Zum Nachlesen gibt es den Ratgeber "Fruktose-Unverträglichkeit".
  • Zöliakie (glutensensitive Enteropathie): Zöliakie beruht auf einer erblichen Unverträglichkeit von Gliadin, einem in Getreiden wie Gerste, Roggen, Weizen, Dinkel, Grünkern, Kamut enthaltenen Glutenbestandteil. Glutene sind Eiweißstoffe. Die Unverträglichkeit beruht auf Immunreaktionen. Sie entsteht bei entsprechender Veranlagung nach ersten Kontakten mit Nahrungsglutenen in der Kindheit. Bis Beschwerden auftreten, kann es Jahre dauern.

    Die Zöliakie ist keine Allergie, sondern eine Autoimmunerkrankung. Sie kann auch im Zusammenhang mit anderen Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel dem insulinabhängigen Diabetes Typ 1, bestimmten Schilddrüsenentzündungen (Hashimoto-Thyreoiditis) oder Leberentzündungen (Autoimmunhepatitis) vorkommen. Außerdem bestehen Verbindungen zu einer Hauterkrankung namens Dermatitis herpetiformis Duhring. Teilweise entwickelt sich bei der Zöliakie eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut. Ihre faltenartigen Ausstülpungen, die Zotten, können schließlich verkümmern. Mediziner nennen das Dünndarmzottenatrophie.

    Bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie kann sich der Zustand wieder normalisieren. Auch muss eine Zöliakie nicht zwangsläufig mit Verdauungsbeschwerden einhergehen, da manchmal nur die Veranlagung vorhanden ist. Daher kommt die Erkrankung in den verschiedensten Ausprägungen vor. Neben der Autoimmunerkrankung Zöliakie gibt es auch Weizenallergien sowie sogenannte Getreide- und Glutenunverträglichkeiten, die weder allergisch noch durch Autoimmunvorgänge bedingt sind. Zu den Beschwerden, die schwächer ausgeprägt sein können als nachfolgend für die Zöliakie beschrieben, gehören Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall.

    Symptome: Einerseits gibt es beschwerdefreie oder milde Verläufe mit mäßigem, manchmal schubartigem Durchfall und Blähungen. Andererseits kann es auch zu starken wässrigen oder fettigen Durchfällen (Steatorrhö) mit Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen (Malassimilationssyndrom) kommen. Im Wachstumsalter sind Gedeihstörungen möglich. Bei Erwachsenen steht oft ein Eisenmangel mit entsprechender Blutarmut im Vordergrund. Die Durchfälle können sowohl durch einen Laktasemangel infolge der Dünndarmschädigung (siehe oben) als auch durch die gestörte Fettverdauung entstehen.

    Über Diagnose und Therapie informiert der Beitrag "Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)".
  • Nahrungsmittelallergie: Zu einer Nahrungsmittelallergie kommt es durch eine krankhafte, allergische Reaktion des Immunsystems auf Bestandteile (Allergene) in Nahrungsmitteln. Pseudoallergien machen sich in ähnlicher Weise bemerkbar, entstehen aber durch andere Mechanismen. Nahrungsmittelallergene können natürliche Komponenten wie Milcheiweiß, Zusatzstoffe oder andere Beimengungen sein. Oftmals geht der Nahrungsmittelallergie eine Pollenallergie voraus. Pollenallergien sind die verbreitetsten Allergien und weitaus häufiger als Nahrungsmittelallergien. Teilweise gibt es Überschneidungen (Kreuzallergien), etwa gleichzeitige Allergie gegen Pollen, zum Beispiel Gräser, und Nahrungsmittel, etwa Erdnüsse. Allergien, auch Nahrungsmittelallergien, treten meistens schon im Kindesalter auf. Nicht selten leiden die kleinen Patienten, wenn nicht gleichzeitig an einer Pollenallergie, so an allergischem Asthma oder Neurodermitis. Die wichtigsten Auslöser sind bei Kleinkindern Kuhmilcheiweiß, ansonsten Fisch, Hühnerei, Nüsse, vor allem Erdnüsse, Soja und Schalentiere.

    Pseuoallergische Reaktionen auf Nahrungsmittel, also nicht-allergische Unverträglichkeitsreaktionen, können dieselben Symptome auslösen wie Nahrungsmittelallergien, da letztendlich dieselben Körperstoffe in Aktion treten. Dass sie dies tun, kommt allerdings jeweils anders zustande. So können einige Stoffe in Nahrungsmitteln beispielsweise direkt, ohne "allergischen Schalter", zur Freisetzung des maßgeblichen reaktionsträchtigen Gewebshormons Histamin führen.

    Symptome:
    Schon nach den ersten Bissen führt das verantwortliche Nahrungsmittel zu Reaktionen wie Juckreiz und Pelzigkeitsgefühl an den Lippen und im Gaumen. Möglich sind auch Hautquaddeln, ein juckender Ausschlag, eine verstopfte Nase und Fließschnupfen (allergischer Schnupfen). Seitens der Verdauungsorgane können Bauchkrämpfe, Durchfälle oder Erbrechen auftreten. Stärkere Reaktionen können mit schnellem Puls und Kreislaufbeschwerden einhergehen, die schlimmstenfalls in einen Schock münden.

    Weiteres dazu im Ratgeber "Nahrungsmittelallergien".


Bauchweh begleitet viele Darmerkrankungen

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Spezielle Darmentzündungen: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Hält dünner Stuhlgang länger an oder tritt er immer wieder auf, kann auch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung – zum Beispiel die Crohn-Krankheit (Morbus Crohn) oder eine Colitis ulcerosa – zugrunde liegen. Die Ursache dieser Krankheitsbilder ist unbekannt. Genetische Faktoren spielen eine Rolle, ebenso Immunveränderungen. Daneben gibt es noch weitere Arten von chronischen Darmentzündungen. Sie werden unter der Bezeichnung "mikroskopische Colitis" zusammengefasst.

  • Morbus Crohn: Bei der Crohn-Krankheit ist die Wand von Hohlorganen im Verdauungstrakt entzündet. Die Entzündungen treten abschnittsweise auf. Alle Regionen – vom Mund bis zum After – können betroffen sein. Daher untersucht der Arzt bei einer unklaren chronischen Durchfallerkrankung auch die Mundschleimhaut. Die Crohn-Krankheit kann Komplikationen wie Darmverengung, Darmverschluss, Vereiterung, Durchbruch und Fisteln verursachen. Fisteln sind krankhafte Gänge oder Kurzschlüsse, die sich zwischen Darmschlingen bilden oder vom Darm in die Nachbarschaft reichen. Auch zu einem anderen Hohlorgan im Bauchraum kann eine Fistelverbindung entstehen. Eine mögliche, aber seltene Spätkomplikationen der Crohn-Krankheit ist eine Amyloidose (siehe weiter unten).

    Symptome: Wiederholte oder schubweise auftretende Durchfälle und Bauchschmerzen sind bei der Crohn-Krankheit die Leitsymptome. Stärkerer Befall des Dünndarms kann Appetitlosigkeit sowie eine gestörte Nährstoffaufnahme mit Gewichtsverlust nach sich ziehen. Häufig verengt sich der Abschnitt am Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm (terminales Ileum). Die Folge sind starke Schmerzen im rechten Unterbauch, ähnlich wie bei einer Blinddarmentzündung, eventuell eine dort tastbare, walzenartige Verdickung und Fieber.

    Mehr über Ursachen, Diagnose und Therapie sagt Ihnen der Ratgeber "Morbus Crohn".

  • Colitis ulcerosa: Die Colitis ulcerosa betrifft vor allem den Schleimhautanteil der Darmwand. Die Entzündung breitet sich meistens vom Enddarm weiter nach oben in den Dickdarm aus. Eine schwerwiegende Komplikation bei Colitis ulcerosa ist die Überblähung des Darms (toxisches Megacolon) mit dem Risiko des Darmdurchbruchs und einer Bauchfellentzündung. Da sich als mögliche Folge der Darmentzündung sich ein Darmkrebs entwickeln kann, bieten Ärzte ein langfristiges Konzept zur Kontrolle und Therapie an.

    Symptome:
    Typisch sind Durchfälle, häufig mit Schleim- und Blutauflagerungen. Bauchschmerzen treten häufig als Krämpfe vor der Darmentleerung auf (Tenesmen). Besonders bei Colitis ulcerosa, manchmal auch bei Morbus Crohn können auch andere Organe wie Haut, Augen (rotes Auge), Gelenke und Leber mit entzündet sein und entsprechend Beschwerden machen. Bei den Augenentzündungen geht es zum Beispiel um die Iris oder Uvea (mittlere Augenhaut, Uveitis), bei den Gelenkentzündungen trifft es die Gelenkinnenhaut (Arthritis beziehungsweise Synovialitis), bei der Leber die kleinen Gallengänge (primär sklerosierende Cholangitis). Weitere mögliche Symptome dann: Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme.

    Mehr über diese Darmerkrankung unter "Blut am After /aus dem Darm", Kapitel "Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm", Abschnitt "Chronisch entzündliche Darmerkrankungen", sowie im Ratgeber "Colitis ulcerosa".

  • Andere Darmentzündungen: Chronische entzündliche Erkrankungen des Dickdarms wie die sogenannte kollagene und die lymphozytäre Kolitis – Überbegriff: mikroskopische Colitis – kommen nicht seltener vor als etwa die Crohn-Krankheit oder Colitis ulcerosa. Im endoskopischen Bild erscheint der Darm hier normal. Erst die feingewebliche Untersuchung von Gewebeproben der Darmschleimhaut liefert die Diagnose. Daher heißen diese Darmentzündungen auch mikroskopische Kolitis. Feingeweblich bestehen erkennbare Unterschiede. Die Ursachen sind unbekannt, genetische Faktoren scheinen aber eine Rolle zu spielen. Möglicherweise sind auch zurückliegende Darminfekte oder die Einnahme eines Medikamentes, etwa eines nicht steroidalen Antirheumatikums (NSAR) oder Betablockers, mitverantwortlich. Die lymphozytäre Kolitis tritt zudem manchmal im Rahmen der Zöliakie (Glutenunverträglichkeit, siehe oben) auf. Rauchen begünstigt diese Form der Colitis. Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen.

    Symptome:
    Es kommt zu den üblichen Kennzeichen einer Darmentzündung: Wässriger Durchfall, eventuell schubartig verlaufend, Bauchbeschwerden, Übelkeit, Blähungen, eventuell Gewichtsverlust und Müdigkeit.

    Diagnose:
    Mikroskopische Untersuchung von Gewebeproben aus der Schleimhaut des Dickdarms (Stufenbiopsien über die Gesamtlänge), da die Veränderungen nicht überall gleichmäßig vorliegen, sind richtungweisend.

    Therapie:
    Die kollagene Kolitis spricht gut auf eine Behandlung mit dem Medikament Budesonid an. Es dämpft das Immunsystem und wird auch als Langzeitmedikament oder bei einem Krankheitsrückfall gegeben. Selten setzen Ärzte Azathioprin ein.

    Übrigens: Eine lymphozytäre Kolitis als Begleiterkrankung kann auch der Grund dafür sein, warum bei manchen Zöliakie-Patienten (zu diesem Krankheitsbild siehe Abschnitt oben) die Beschwerden trotz glutenfreier Diät nicht zurückgehen. Dann ist eine Therapie wie bei der kollagenen Kolitis meistens erfolgversprechend. Bei gleichzeitiger Zöliakie ist die glutenfreie Ernährung obligatorisch.

    Falls der Arzt es für wahrscheinlich hält, dass eine Behandlung mit einem bestimmten Medikament der Auslöser ist, wird er diese Therapie, falls möglich, umstellen.

Chronische Darminfektionen: Eher selten

Im Gegensatz zur akuten Diarrhö kommen bei chronischen Durchfällen Infektionen seltener als Ursachen infrage. Hin und wieder, insbesondere bei abgeschwächter Immunlage, können bestimmte "invasive" Erreger – Viren, Bakterien und Parasiten – der Grund sein. Invasiv bedeutet, dass die Erreger in die Zellen der Darmschleimhaut vordringen, sich dort vermehren und Schäden verursachen können. Manche Erreger erreichen auf diesem Weg das Blut und können dann andere Organe infizieren (siehe auch Kapitel "Durchfall: Ursachen akut (1)").

Im engeren Sinn kommen zum Beispiel als Auslöser einer chronischen Darminfektion  Viren wie das Herpes simplex-Virus (HSV) oder das Cytomegalie-Virus (CMV) sowie HIV, der Erreger von Aids, infrage.

Bei den Bakterien sind es unter anderem Campylobacter, Yersinien, Salmonellen und Mykobakterien einschließlich Tuberkulose-Bakterien.

Als Parasiten sind Amöben, sehr selten sogenannte Kryptosporidien und Mikrosporidien im Spiel. Letztere, wie auch Infektionen mit dem schon genannten Cytomegalievirus, sind zum Beispiel bei Patienten mit HIV-Infektion/AIDS mögliche Ursachen für chronische Darminfektionen.

HIV-Patienten leiden manchmal auch an Durchfall, ohne dass ein Erreger feststellbar ist. Wenn in mehrmaligen gründlichen Untersuchungen kein Nachweis gelingt und andere Ursachen ausgeschlossen wurden, ist eine direkt HIV-bezogene Diarrhö anzunehmen.

Symptome: Seitens des Darms sind wie fast immer bei Darmerkrankungen Symptome wie Bauchschmerzen und Durchfälle zu erwarten, eventuell auch Gewichtsabnahme. Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber sind häufige, nicht minder lästige Begleiter. Die Beschwerden können sich monatelang hinziehen.

Diagnose: Sie ergibt sich aus dem Erregernachweis beziehungsweise der Anzüchtung des verantwortlichen Keimes aus dem Stuhl. Eventuell helfen auch Bluttests auf die Spur. Eine Enddarm-, Dickdarm- oder Dünndarmspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben, die anschließend feingeweblich, eventuell auch auf Erreger unter dem Mikroskop untersucht werden, ist fast immer unerlässlich.

Therapie: Die Behandlung richtet sich, soweit möglich, nach dem verantwortlichen Erreger. Ansonsten zielt sie darauf, die Beschwerden zu lindern. Bei Aids-Erkrankungen kommen spezielle, das Virus bekämpfende Medikamente zum Einsatz. Die inzwischen verfügbaren, hochwirksamen Arzneistoffe können zum Beispiel auch das im Zuge der Krankheit häufiger auftretende Cytomegalie-Virus zurückdrängen.

Sonderfall: Whipple-Krankheit

Die chronische, sich schleichend entwickelnde Krankheit Morbus Whipple betrifft überwiegend Männer im mittleren Lebensalter. Sie wird durch einen Erreger namens Tropheryma whipplei verursacht, der auch bei Gesunden vorkommt, und zielt primär auf den Dünndarm. Der Erreger steht inzwischen auch im Verdacht, chronische Reisedurchfälle zu verursachen. Im Dünndarm wird die Schleimhaut geschädigt, und es entwickelt sich eine Lymphstauung. Die Infektionskrankheit kann auch andere Organe betreffen. Schon Jahre, bevor sich Darmbeschwerden bemerkbar machen, können sich Gelenke wie das Kreuz-Darmbein-Gelenk entzünden, später beispielsweise das Herz, die Augen, das Gehirn.

Symptome: Die Entzündung des Kreuz-Darmbein-Gelenkes (Fachbegriff: Sakroiliitis) führt zu dumpfen Schmerzen im Kreuz; sie gilt als Frühsymptom. Auch wandernde Schmerzen in großen Gelenken sind möglich. Später können Diarrhö, Fettstühle, Bauchschmerzen, Gewichtverlust und Fieber auftreten. Auch neurologische Störungen wie beeinträchtigtes Sehen durch Schädigung von Augenmuskeln, Muskelkrämpfe und Gangstörungen können sich entwickeln, mithin Symptome je nach Organbefall.

Diagnose: Das Blut weist entzündliche Veränderungen auf. In Gewebeproben aus dem Dünndarm (Biopsien), anderen betroffenen Organen oder in Körperflüssigkeiten, zum Beispiel in der Gelenkflüssigkeit oder im Hirnwasser, lässt sich Erregermaterial mit speziellen Techniken nachweisen.

Therapie: Es wird für mindestens ein Jahr eine Antibiotikabehandlung durchgeführt. Die Auswahl trifft der Arzt individuell und nach den Befunden.

Enddarminfektionen

Auch der Enddarm kann sich durch verschiedene Ursachen entzünden. Der Arzt spricht dann von einer Proktitis. Auslöser sind häufig Infektionen, die teilweise beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Im Spiel sind hier nicht selten Erreger wie Herpesviren oder Chlamydien beziehungsweise Erkrankungen wie Gonorrhö (Tripper) und Syphilis – mithin Infektionen, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Dabei kann es auch zu verletzungsbedingten Beschwerden oder allergischen Reaktionen kommen, etwa auf Kondome.

Aber auch andere Bakterien und Pilze sind mögliche Auslöser. Falls der Enddarm als Teil des Dickdarms in eine dort vorhandene Entzündung einbezogen ist, nennt der Arzt das Krankheitsbild Proktokolitis. Das kommt zum Beispiel bei eigenständigen Darmerkrankungen wie der Colitis ulcerosa (siehe oben) vor.

Symptome: Die Beschwerden hängen von der Ursache und Ausdehnung der Entzündung ab. Sie beginnen eines Tages mehr oder weniger akut, können in Schüben verlaufen und, wenn nicht eingeschritten wird, wochenlang bestehen bleiben. Möglich sind wiederholte durchfallähnliche, manchmal blutige oder eitrige, schmerzhafte Stuhlabgänge (Tenesmen), Stuhldrang und das Gefühl der unvollständigen Entleerung. Häufig kommen Juckreiz und andere Afterbeschwerden hinzu. Manchmal sind die Symptome diskret oder wenig typisch. Im Vordergrund können bei einer Herpesproktitis zum Beispiel nur Begleitsymptome wie Schmerzen und Probleme beim Wasserlassen stehen.

Weitere Informationen zu sexuell übertragenen Enddarmerkrankungen unter: "Blut am After /aus dem Darm", Kapitel "Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm", Abschnitt "Enddarmentzündung (Proktitis")

Amyloidose: Folge anderer Krankheiten

Amyloid ist der Oberbegriff für krankhaft entstandene, unlösliche, faserige Eiweißstoffe, die sich in verschiedenen Organen und ihrer Umgebung ablagern können. Eine Amyloidose ist Ausdruck einer ernsthaften Grundkrankheit.

Die Bezeichnung Amyloidose leitet sich vom griechischen Amylo- (= Stärke) ab – was ein Licht auf die Medizingeschichte wirft. Forscher wie R. Virchow nahmen an, dass es Stärke sei, was man damals als Amyloid-Ablagerungen in und um verschiedene Organe fand, denn es färbte sich genauso an. Heute kennt man viele Amyloid-Varianten und Entstehungsmechanismen.

Im Darm kommt es zu den Ablagerungen dieser Eiweißstoffe einmal als Folge einer erblichen Störung (AF-Amyloidose). Die Ablagerungen gehen hier von einem krankhaften Bluteiweiß aus. Symptome beginnen etwa im mittleren Lebensalter mit Muskelschwäche und Gefühlsstörungen im Bereich der Beine (Neuropathie) sowie Durchfälle mit Gewichtsverlust. Diese Form ist relativ selten.

Eine andere Form der Amyloidose (sogenanntes AA-Amyloid) kann im Verlauf einer chronischen Krankheit des Darms selbst wie zum Beispiel Morbus Crohn (siehe oben) oder Whipple-Erkrankung (siehe oben) entstehen. Aber auch chronische Kankheiten außerhalb des Darms wie eine rheumatoide Arthritis, Diabetes mellitus, Tuberkulose oder eine Bindegewebserkrankung namens Kollagenose sind mögliche Auslöser. Die AA-Amyloidose betrifft außer dem Darm meistens noch die Nieren, Leber und Milz. Da die genannten Grundkrankheiten heute weitgehend mit Medikamenten kontrolliert werden können, ist diese Amyloidoseform inzwischen auch seltener geworden.

Schließlich gibt es eine Form der Amyloidose (AL), die mit Lymphknotenkrebs (Lymphomen) und verwandten bösartigen Erkrankungen von Lymphzellen zusammenhängt. Hier kann fast jedes Organ, so wiederum auch der Darm, betroffen sein. Bei der Darmamyloidose werden vor allem die Darmnerven geschädigt (autonome intestinale Neuropathie).

Symptome: Sie hängen maßgeblich von der Grunderkrankung ab. Seitens des Darms kommt es zu Verdauungsproblemen mit Völlegefühl, Verstopfung im Wechsel mit Durchfällen, Gewichtsverlust Häufig fühlen sich die Betroffenen erschöpft, was nicht nur mit dem möglichen Nährstoffmangel, sondern auch mit der ursächlich zugrundeliegenden Erkrankung oder begleitenden Therapien zusammenhängen kann.

Diagnose: Über die genaue Situation im Darm gibt eine Darmspiegelung mit feingeweblicher Untersuchung Auskunft. Weitere Untersuchungen hängen von dem Krankheitsprozess im Einzelnen, den Begleitsymptomen und -umständen ab. Oft ist die Diagnostik sehr umfangreich. Erbliche Formen sind anhand genetischer Familienuntersuchungen erkennbar.

Therapie: Sie richtet sich nach der Grunderkrankung und den Symptomen im Einzelnen. Eine AA-Amyloidose beispielsweise spricht auf eine Behandlung mit Chlorambucil an. Auch eine das Immunsystem unterdrückende Therapie oder sogenannte Biologicals, wie sie teilweise gegen die Grundkrankheit selbst eingesetzt werden, können hier wirksam sein.


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