Durchfall (Diarrhö): Diagnose

Bei Durchfall, der bereits drei Tage dauert, mit Fieber, Bauchweh, Erbrechen, Blut im Stuhl oder Austrocknung einhergeht, ist umgehend der Arzt gefragt
aktualisiert am 28.09.2016

Ultraschall (von außen): Aussagekräftig, ohne groß zu belasten

W&B/Andreas Hirsch

Was der Arzt wissen muss

Die Krankengeschichte (Anamnese) mit Angaben des Patienten zu den aktuellen Beschwerden und mutmaßlichen Auslösern des Durchfalls sind erste mögliche Anhaltspunkte für die Diagnose. So kommen als sporadische Infektionsquellen zum Beispiel verunreinigte Speisen wie Eis, rohes Fleisch, rohe Meeresfrüchte, Produkte aus rohen Eiern, Eiswürfel, Geflügel oder auch Tiefkühlkost infrage.

Durchfall nach einer Fern- oder Schiffsreise, nach einem Hilfseinsatz in einem Krisengebiet oder einem Tagungsaufenthalt lässt spontan an eine infektiöse Ursache denken. Das gilt auch, wenn im Rahmen einer Gemeinschaftsverpflegung (Kantine, Mensa) oder nach einem Geschäftsessen vermehrt Erkrankungsfälle auftreten oder wenn Durchfall im Kindergarten, in der Schule oder einer Betreuungseinrichtung größere Kreise zieht.


Natürlich muss der Arzt – falls es nicht der Hausarzt ist, der den Betroffenen und seine Krankengeschichte kennt –, auch wissen, ob der Patient wegen einer anderen Erkrankung Medikamente einnimmt und ob er / sie raucht. Hintergrund: Bestimmte Arzneimittel, etwa Antibiotika, können Durchfall auslösen. Rauchen kann bestimmte chronische Darmerkrankungen, etwa einen Morbus Crohn, ungünstig beeinflussen, offenbar vor allem bei Frauen.

Außerdem bittet der Arzt den Patienten um Angaben zu weiteren Auffälligkeiten des Stuhls, etwa Auflagerungen von Blut oder Schleim (siehe auch Kapitel "Durchfall: Ursachen, Diagnose, Therapie" in diesem Beitrag), und ob der Urin sich verändert hat. Zum Beispiel ist der Harn bei beginnender Austrocknung dunkel, und die Menge kann verringert sein. Nicht zuletzt ist von Interesse, ob der Durchfall unmittelbar mit dem Essen zusammenhängt und nachlässt, wenn nichts mehr gegessen wird. Diese Beobachtung  kann auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder auch eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse hinweisen.

Schritt für Schritt zur Diagnose

Auf das Arztgespräch folgt die körperliche Untersuchung des Patienten. Dabei geht es um den allgemeinen Gesundheitszustand und schwerpunktmäßig die Bauchorgane, die Haut, Mund und Zunge. Dabei prüft der Arzt auch, ob sich Anzeichen für eine Austrocknung finden. Üblicherweise kontrolliert er Herz und Lungen, orientierend das Bewegungssystem, bei Bedarf auch Körpertemperatur und Gewicht.

Gegebenenfalls schließt sich eine Tastuntersuchung des Enddarms an. Vielleicht stößt der Untersucher dabei auf ein Passagehindernis, etwa eine Gewebewucherung. Sie kann dazu führen, dass Darminhalt nur noch als Rinnsal abgeht. Definitionsgemäß ist das aber kein Durchfall, wie auch eine Stuhlinkontinenz, also eine Verschlussstörung am Darmausgang, nicht mit Durchfall zu verwechseln ist.

Den Auslösern auf der Spur

Über 90 Prozent aller Diarrhöen sind durch eine Infektion bedingt. Eine Darminfektion, die innerhalb von drei Tagen wieder folgenlos abklingt, erfordert normalerweise keine besonderen Maßnahmen.

Bei starken Beschwerden hingegen kann unter anderem die Untersuchung von Stuhlproben auf Erreger angezeigt sein. Mitunter bringen auch erst Blutuntersuchungen Klarheit. Die Spurensicherung zielt auf Viren, Bakterien, seltener auch auf Parasiten wie zum Beispiel den Rinderbandwurm oder Malaria-Erreger. Es gibt verschiedene Wege, darunter den mikroskopischen Erregernachweis im Stuhl, die Anzüchtung des Erregers aus dem Blut, den Nachweis von Gift- oder Genpartikeln eines Keimes.

Im Stuhl lassen sich bei Bedarf zum Beispiel Entzündungsmarker wie Calprotectin bestimmen, aufschlussreich bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Ein nachweislich erhöhter Fettgehalt im Stuhl zeigt eine Störung der Fettaufnahme an.

Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelvergiftung werden auch Erbrochenes und verdächtigte Nahrungsmittel zu Nachforschungen herangezogen.

Um die Meldepflicht bei infektiösen Durchfallerkrankungen kümmern sich Ärzte und Untersuchungslaboratorien.

Labormedizin & Stoffwechseltests

Auch einige Blutwerte des Patienten, etwa hinsichtlich Leber und Nieren, ein Blutbild, Entzündungswerte und eventuell auch Urintests gehören bei Durchfallerkrankungen zum Diagnoseprogramm.

Den Verdacht einer Aufnahmestörung von Kohlenhydraten wie zum Beispiel Milch- und Fruchtzucker kann ein Stoffwechseltest wie der H2-Atemtest bestätigen. Dabei dient der mutmaßlich nicht vertragene Zucker als Testlösung, die der Patient auf nüchternen Magen zu sich nimmt. Wird die Testportion nicht richtig verstoffwechselt, vielmehr anstatt vom Darm selbst von Darmbakterien aufgenommen und vergoren, entsteht unter anderem Wasserstoff (H2). Dieser gelangt in die Lungen und von dort in die Atemluft, wo er gemessen werden kann. Der Patient pustet daher während der Untersuchung mehrmals in ein Messgerät.

Einblick in den Körper: Bildgebende Verfahren

Organe im Bild – das gehört heute fest zum Medizinalltag. Je nach vermuteter Diagnose kann das eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Bauchorgane (von außen), eine Spiegelung (Endoskopie) des Dünndarms oder Dickdarms (von innen) oder eine Darmuntersuchung mittels Computertomografie oder Magnetresonanztomografie bedeuten (virtuelle Kolonoskopie). Manchmal schickt der Arzt eine Videokapsel, eine spezielle Form der Endoskopie, auf die schmerzfreie Reise durch den Darm.

Worum geht es da jeweils?

Bei der Sonografie (von außen) kommen hochauflösende Techniken, manchmal zusätzlich mit einem Kontrastmittel, das der Patient schluckt, zum Einsatz. Gefäßdoppleruntersuchungen. Die Techniken helfen zu erkennen, ob die Darmwand entzündet oder ihre Durchblutung beeinträchtigt ist.

Die sogenannte virtuelle Kolonoskopie erfolgt

- mittels Computertomografie (CT-Kolonografie): Ein Kontrastmittel zum Trinken wird der letzten Portion der Darmspülung zugesetzt, außerdem wird kontinuierlich Luft über den Enddarm in den Darm eingebracht; mit Strahlenbelastung verbunden

- oder anhand einer Magnetresonanztomografie (MRT-Kolonografie): Das Kontrastmittel wird über die Blutbahn gegeben und der Darm mit Wasser gefüllt, die Untersuchung kommt ohne Strahlenbelastung aus.

Außer bei Ultraschalluntersuchungen von außen ist eine sorgfältige Darmreinigung jeweils unabdingbare Voraussetzung bildgebender Untersuchungen des Dickdarms.

Das gilt auch für die endoskopischen Verfahren. Diese beziehen sich einmal auf den gesamten Dickdarm (Koloskopie) oder auf dessen untere Abschnitte (Prokto-Rekto-Sigmoideoskopie). Bei Bedarf nimmt der Arzt bei der Dickdarmspiegelung auch den Endabschnitt des Dünndarms (Ileokoloskopie) ins Visier, den er gerade noch via Koloskop erreicht.

Zum anderen sind manchmal auch der Magen und Zwölffingerdarm (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie) oder der sich anschließende Dünndarm (Doppelballonendoskopie) von oben aus dran. Der Patient schluckt hier also das Endoskop, während es bei Untersuchungen des Dickdarms vom Darmausgang her eingeführt wird.

Bei der endoskopischen Untersuchung gewinnt der Arzt üblicherweise Gewebeproben zur mikroskopischen Untersuchung. Gegebenenfalls kann er bestimmte Gewebeneubildungen, etwa einen Polypen, abtragen, oder eine verengte Stelle aufdehnen. Damit wird die Endoskopie auch zur Therapie.

Mit der Videokapselendoskopie ist das nicht möglich. Dennoch kommt die neue Technik zunehmend zum Einsatz. Ein Schwerpunkt liegt bei Erkrankungen des Dünndarms, Verengungen ausgenommen.

Als "Dickdarmkapsel" eignet sich die Untersuchung zum Beispiel, wenn eine herkömmliche Dickdarmspiegelung ausscheidet: etwa bei erhöhtem Risiko für eine Blutung oder eine Darmverletzung. Tatsächlich kann das Verfahren hilfreich sein, um zum Beispiel eine Blutungsquelle im Darm zu finden. Nach ausreichender Vorbereitung zur Reinigung des Darmes wird die Kapsel geschluckt und nach der Darmpassage ausgewertet.

Die MRT dient übrigens auch zur Darstellung des Dünndarms (auch MR-Enterografie oder Hydro-MRT; dabei trinkt der Patient vor der Untersuchung das Kontrastmittel). Nebeneffekt der MRT- oder CT-Untersuchungen: Es stellen sich manchmal noch andere Zufallsbefunde im Bauchraum dar, die dann weiterer Abklärung bedürfen, aber nicht immer bedeutsam sind. Der Arzt wird dies mit den zuständigen Fachkollegen klären und mit dem Patienten besprechen.

Weitere Informationen zu Untersuchungsverfahren in den Kapiteln "Durchfall: Ursachen akut (1)", "Durchfall: Ursachen akut (2)", "Durchfall: Ursachen chronisch (1)" und "Durchfall: Ursachen chronisch (2)".




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