Wann zum Arzt?
Wenn Durchfall länger als drei Tage anhält, sehr ausgeprägt ist und den Betroffenen deutlich schwächt, muss ein Arzt hinzugezogen werden. Das gilt auch, wenn starke Bauchschmerzen, Fieber oder wiederholtes Erbrechen auftreten (siehe auch Kapitel „Begleitsymptome und Komplikationen“), wenn der Stuhl blutig ist, und natürlich umgehend bei Verdacht auf eine Vergiftung.
Arten der Diarrhö
Mediziner unterscheiden bei Durchfall zwischen akut und chronisch.
Hinter dem plötzlich auftretenden und meist nur wenige Tage dauernden akuten Durchfall steckt fast immer eine Infektion mit Viren oder Bakterien. Ein Typisches Beispiel ist die Reisediarrhö. Ärztliche Untersuchungen erübrigen sich der Regel. Über die Ausnahmen informieren die nächsten Kapitel (insbesondere „Akut 1, 2“).
Chronischer Durchfall hängt mit vielen verschiedenen, mitunter ernsthaften Krankheiten zusammen. Natürlich beginnt auch eine chronische Durchfallerkrankung irgendwann einmal mehr oder weniger akut. Die Symptome treten hier jedoch über mehr als zwei bis vier Wochen, wiederholt oder in Schüben auf. Zwischendurch können sie wieder abklingen. Eine chronisch entzündliche Darmerkrankung wie die Colitis ulcerosa kann eine akute Darminfektion nachahmen, sodass zunächst an einen Erreger als Auslöser gedacht wird. In anderen Fällen sind die Darmbeschwerden womöglich eine Frage der Ernährung und bessern sich, wenn etwa Brot und Brötchen, Kekse und Müsli, Nudeln, Pizza und das Bier vom Speisezettel verschwinden. Zu vermuten steht, dass hier eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) dahintersteckt. Aber das bedarf natürlich der Klärung.
Eine Diarrhö, die chronisch auftritt, ist mehr als nur eine lästige „Unregelmäßigkeit“. Denn als beständige Verdauungs- und Ernährungsstörung kann sie schwere Folgen für die Gesundheit haben. Daher muss der Ursache auf jeden Fall nachgegangen werden. Dazu sind Stuhl- und Blutuntersuchungen, eine Darmspiegelung, manchmal auch spezielle Stoffwechseltests und weitere Analysen notwendig.
Wie kommt es überhaupt zu Durchfall?
Im Wesentlichen sind zwei Mechanismen verantwortlich: Entweder gibt der Darm infolge einer Entzündung vermehrt Wasser und Salze, eventuell auch Schleim und Blut ab. Die damit verbundene sekretorische Diarrhö hört durch Fasten nicht auf. Dazu kommt es zum Beispiel, wenn Viren oder Bakterien im Spiel sind.
Oder es verbleiben Stoffe im Darm, etwa Stärke und Fett aus der Nahrung, die Flüssigkeit binden und zu einer osmotischen Diarrhö führen. Diese Diarrhö hört nach Fasten auf. Auslöser kann hier zum Beispiel eine Aufnahmestörung von Kohlenhydraten wie Milchzucker oder Fruchtzucker sein (siehe Kapitel „Chronisch 1“).
Durchfall kann zudem in Form von Fettstühlen (Steatorrhö) auftreten. Definitionsgemäß ist das der Fall, wenn täglich mehr als sieben Gramm Fett ausgeschieden werden. Bemerkbar macht sich eine Steatorrhö mit massiven, breiigen, fettglänzenden, schlecht wegspülbaren Stühlen. Ursachen sind verschiedene Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder des Dünndarms wie die schon erwähnte Zöliakie.
Hier die wichtigsten Ursachen auf einen Blick:
Akute Diarrhö
(1):
- Akute Darminfektionen einschließlich Reisedurchfall
- Vergiftung mit Chemikalien
(2):
- Medikamente (zum Beispiel Abführmittel, alle Antibiotika, weitere Arzneimittel)
- Gefäßverschluss des Darms
Chronische Diarrhö / Fettstühle (Steatorrhö)
(1):
- Nahrungsverwertungsstörung (Malassimilationssyndrom)*
- Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung
- Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz)
- Unverträglichkeit von Fruktose oder Sorbit (Zuckeraustauschstoffe)
- Zöliakie (Glutenunverträglichkeit, glutensensitive Enteropathie)
- Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
- Andere chronische Darmentzündungen
- Chronische Darminfektionen einschließlich
- Sexuell übertragene Enddarmentzündung
(2):
- Chronischer Alkoholmissbrauch
- Chronische Durchblutungsstörungen des Darms
- Durchfall nach Magen-Darm-Operationen
- Nebennierenrindenunterfunktion
- Arzneimittel (siehe Kapitel „Akut“)
*Eine Nahrungsverwertungsstörung (Malassimilationssyndrom) kann viele der hier gelisteten Krankheitsbilder begleiten.
Die Listen beanspruchen keine Vollständigkeit. Die nächsten Kapitel informieren über Begleitsymptome und mögliche Komplikationen bei Durchfall, über Risikofaktoren und Vorbeugung, Diagnose und Therapie sowie über die Ursachen im Einzelnen.