Denguefieber

Auslöser des Denguefiebers ist das Dengue-Virus. Es wird durch bestimmte Mücken übertragen. Typische Krankheits-Symptome sind starke Muskel- und Knochenschmerzen sowie mehrtägiges Fieber
von Dr. med. Markus N. Frühwein, aktualisiert am 13.04.2017

Ein Modell des Dengue-Virus, Erreger des Denguefiebers

Getty Images/Science Faction

Denguefieber ist eine Virus-Erkrankung, die durch bestimmte Mückenarten übertragen wird. Verbreitet ist sie vor allem in wärmeren Regionen der Erde.

Meist kommt es nach der Infektion zu mehrtägigem Fieber sowie starken Muskel- und Knochenschmerzen. Vor allem Kinder können jedoch auch an hämorrhagischem Denguefieber / Dengue-Schock-Syndrom erkranken. Dieser schwere Krankheitsverlauf ist lebensbedrohlich, zum Glück aber eher selten.

Hier lesen Sie mehr über Verbreitung, Symptome, Therapie und Vorbeugung des Denguefiebers:

Denguefieber wird durch bestimmte Mücken übertragen (im Bild eine ägyptische Tigermücke)

Getty Images/Kallista Images

Ursachen: Wie wird Denguefieber übertragen?

Dengue-Viren (Familie: Flaviviren) lassen sich in vier verschiedene Untergruppen (Serotypen) einteilen. Diese werden als DENV-1 bis DENV-4 bezeichnet.

Das Virus wird fast ausschließlich durch einen Überträger (Vektor) verbreitet. Hierbei handelt es sich um verschiedene Mückenarten. Am weitesten verbreitet ist hier die Gelbfieber-Mücke (Stegomyia aegypti), auch ägyptische Tigermücke genannt (siehe Abbildung). In manchen Regionen spielen auch die asiatische Tigermücke (Stegomyia albopictus) oder die polynesische Tigermücke (Stegomyia polynesiensis) eine wichtige Rolle.

Vor allem die asiatische Tigermücke hat ihren Wirkraum in den letzten Jahren auf Europa ausgedehnt. Bei mehreren anderen Mückenarten konnte inzwischen nachgewiesen werden, dass sie für eine mögliche Übertragung des Virus geeignet wären.

Die Mücken kommen vor allem in der Umgebung menschlicher Besiedlung vor. So verbreiten sie das Dengue-Virus besonders im städtischen Raum. Sie legen ihre äußerst widerstandsfähigen Eier nahe kleiner Wasseransammlungen ab – finden zum Beispiel in Eimern, Flaschen, alten Autoreifen oder Regentonnen ideale Brutplätze. Infizierte Weibchen können den Erreger direkt an ihre Nachkommen weitergeben.

Die Übertragung des Dengue-Virus erfolgt beim Stich weiblicher infizierter Mücken. Nicht infizierte Mücken können sich beim Blutsaugen an einem infizierten Menschen "anstecken".

Meist stechen die Mücken tagsüber, bevorzugt in den Morgen- und Abendstunden und oft mehrmals. Männliche Mücken sind nicht betroffen, da sie kein Blut saugen.

Verbreitung: Wo und wie häufig gibt es Denguefieber?

Denguefieber gilt als die häufigste durch Stechmücken übertragene virale Erkrankung. Sie kommt vor allem in Südostasien, Teilen von Asien (Indien, Pakistan, Afghanistan), Süd- und Mittelamerika, Afrika und Australien vor.

Die Mücken brauchen gewisse Mindesttemperaturen. Begrenzt wird ihre Verbreitung daher durch klimatische Faktoren –  im Norden durch die sogenannte 10°C Januar Isotherme und im Süden durch die 10°C Juli Isotherme.

Durch die globale Erwärmung muss mit einem vermehrten Auftreten der Erkrankung in bisher nicht betroffenen Gebieten wie den meisten Teilen Europas gerechnet werden. Erste vereinzelte Fälle von Denguefieber wurden in den letzten Jahren in Südfrankreich und Kroatien beobachtet. Über eintausend Personen erkrankten im Jahre 2012 auf der portugiesischen Atlantikinsel Madeira.

Welche Symptome sind typisch?

Man unterscheidet zwischen dem klassischen Verlauf des Denguefiebers und dem hämorrhagischen Denguefieber/Dengue-Schock-Syndrom.

Klassischer Verlauf: Im klassischen Fall tritt innerhalb weniger Tage nach der Infektion schlagartig hohes Fieber bis 40°C auf. Typisch sind stärkste Muskel-, Gelenkschmerzen und Knochenschmerzen, häufig auch Kopfschmerzen. Oft kann der Betroffene aufgrund der Schmerzen nicht mehr gehen oder stehen.

Begleitend können allgemeine Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Verstopfung oder Durchfälle, Husten und Lymphknotenschwellung auftreten. Es besteht ein schweres Krankheitsgefühl. Eine rötliche Färbung der gesamten Haut (Erythem) ist zu Beginn häufig zu beobachten.

In vielen Fällen sinkt das Fieber nach zwei bis drei Tagen kurzzeitig ab, um dann erneut anzusteigen. Wenige Tage nach Krankheitsbeginn zeigt sich bei vielen Erkrankten ein kleinfleckiger rötlicher Ausschlag mit ausgeprägtem Juckreiz, der sich von alleine zurückbildet. Gelegentlich kann es zu Nasen- oder Zahnfleischblutungen kommen.

Üblicherweise klingen alle Symptome im Verlauf einer Woche ohne Folgeschäden ab. Es kann jedoch zu einer noch Wochen andauernden Schwäche mit Erschöpfungsgefühl kommen.

Hämorrhagisches Denguefieber / Dengue-Schock-Syndrom: Vor allem bei Kindern kommt dieser schwere Verlauf vor. Er macht insgesamt etwa ein bis fünf Prozent aller Fälle aus. Die Muskel-, Gelenk- und Knochenschmerzen können hier fehlen. Nach wenigen Tagen kommt es zu einer plötzlichen Verschlechterung mit Blutungen, insbesondere im Hautbereich, und starkem Abfall der Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten). Durch Blutungen im Magen-Darm-Bereich kann es zu Bluterbrechen und blutigem Stuhlgang kommen. Häufig sind Nasen- und Zahnfleischbluten.

Theoretisch sind Blutungen in allen Organen des Körpers möglich (zum Beispiel in Lunge oder Gehirn). Durch Flüssigkeits- und Blutverlust droht ohne Therapie ein lebensgefährlicher Schock mit Kreislaufversagen. Nach wenigen Tagen normalisiert sich die Blutgerinnung wieder.

Autor und Experte: Dr. med. Markus N. Frühwein

W&B/Privat

Diagnose: Wie stellt der Arzt Denguefieber fest?

Die typischen Symptome weisen auf die Erkrankung hin. Mit Blutuntersuchungen lässt sich die Diagnose bestätigen.

Schnelltests sind eine gute, einfache Diagnosemöglichkeit, für die kein Labor notwendig ist. Das Ergebnis bietet jedoch keine vollständige Sicherheit.

Im Rahmen von Labortests lässt sich das Dengue-Virus in der ersten Krankheitswoche anhand seines Erbgutes innerhalb eines Tages direkt nachweisen (PCR). Mit diesem PCR-Verfahren können auch einzelne Serotypen unterschieden werden.

Im Laufe der Erkrankung sind Antikörper im Blut nachweisbar, die auch über einen längeren Zeitraum nach Erkrankung bestehen bleiben können. Die Antikörperdiagnostik ist im Normalfall ausreichend und eine Bestimmung des Serotyps nicht notwendig.

Im Blutbild kann die Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) stark abfallen.

Die Diagnose muss nach dem deutschen Infektionsschutzgesetz (IfSG) an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden.

Therapie: Wie kann man Denguefieber behandeln?

Eine ursächliche Therapie steht aktuell nicht zur Verfügung. Der Arzt empfiehlt eventuell bestimmte schmerz- und fiebersenkende Medikamente. Wirkstoffe, die sich auf die Blutgerinnung auswirken – wie Acetylsalicylsäure – sollten aber nicht eingenommen werden.

Verläuft die Krankheit schwerer, muss eine rasche Krankenhauseinweisung erfolgen. Die Ärzte geben Flüssigkeit als Infusion über die Vene, um einen Schockzustand zu verhindern. In manchen Fällen ist die Gabe von Blutkonserven oder eine intensivmedizinische Betreuung notwendig.

Vorbeugen: Wie kann man sich vor Denguefieber schützen?

Denguefieber ist die häufigste Viruserkrankung, die aus den Tropen nach Deutschland gebracht wird. Die Gesamtzahl der gemeldeten Fälle liegt allerdings unter 300 pro Jahr. Schwere Verläufe sind selten. Zum Vergleich: Nach Schätzungen der Weltgesundheits-Organisation WHO erkranken weltweit zirka 50 bis 100 Millionen Menschen pro Jahr an Denguefieber.

Für Reisende ist die einzige Möglichkeit zur Vorbeugung ein guter Mückenschutz. Zu beachten ist hier, dass die übertragenden Mücken auch tagaktiv sind. Grundsätzlich sollte die Kleidung die Haut möglichst weitgehend bedecken. Sinnvoll ist die Anwendung von Abwehrstoffen (Repellents). Zur Auswahl geeigneter Produkte am besten bei Arzt oder Apotheker informieren. Zusätzlich kann die Kleidung mit Insektiziden imprägniert werden. Nachts sollte man sich mit einem Moskitonetz schützen. Insektizid-imprägnierte Netze sind von Vorteil. Mücken meiden klimatisierte Räume.

Aktuell steht keine Impfung gegen Denguefieber zur Verfügung. Mehrere Impfstoffe befinden sich in der Endphase der Entwicklung.

Besteht ein höheres Risiko bei erneuter Infektion?

Nach einer Infektion mit einem bestimmten Virustyp (Serotyp DENV-1 bis DENV-4) besteht eine Immunität gegen den entsprechenden Erreger. Daten aus Asien und Lateinamerika weisen darauf hin, dass schwere Verläufe häufiger bei erneuten Infektionen mit einem anderen Virustyp auftreten. Die Ergebnisse sind jedoch widersprüchlich.

Nach aktuellen Daten scheinen seltene, schwere Verläufe bei europäischen Reisenden in ähnlicher Häufigkeit bei Erst- und Zweitinfektionen aufzutreten. Die deutsche tropenmedizinische Gesellschaft (DTG) hält es daher für nicht gerechtfertigt, Reisenden von weiteren Aufenthalten in Verbreitungsgebieten abzuraten, wenn sie bereits ein Denguefieber durchgemacht haben.

Denguefieber gibt es bereits in vielen Regionen der Erde

Stockbyte/RYF

Denguefieber: Ausbreitung durch Reisen und Globalisierung

Beschreibungen, die auf Denguefieber schließen lassen, sind bis ins Jahr 1635 in Panama zurückverfolgbar. Andere Quellen sehen erste denguetypische Symptome schon in Aufzeichnungen aus der chinesischen Jin-Dynastie um 300 nach Christus.

Eine Identifizierung und Unterscheidung der vier verschiedenen Dengue-Virustypen gelang erst Mitte des 20. Jahrhunderts. In diesem Zeitrahmen wurde auch der Zusammenhang zwischen dem Denguevirus und einer Erkrankung mit starker Blutungsneigung und häufig tödlichen Folgen hergestellt – dem hämorrhagischen Denguefieber oder Dengue-Schock-Syndrom.

Im Rahmen der weltweiten militärischen Truppenbewegungen, der fortschreitenden Urbanisierung, Globalisierung und der zunehmenden individuellen Mobilität breiteten sich die unterschiedlichen Denguetypen im 20. Jahrhundert global in allen Regionen mit vorhandenen Überträgermöglichkeiten aus. Im Rahmen einer Pandemie im Jahre 1998 erkrankten über eine Million Menschen weltweit. Ein weiteres Ausbreiten der Krankheit ließ sich bisher nicht verhindern.

Eine Krankheit – viele Namen

Denguefieber ist bei der Bevölkerung der einzelnen Verbreitungsgebiete unter verschiedenen Namen bekannt: etwa "Break-Bone-Fever" (Knochenbrecherkrankheit), "Knockelkoorts" (Knochenfieber) oder "Drei- oder Fünftagefieber". Alle beziehen sich treffend auf die Symptome mit stärksten Schmerzen.

Die ursprüngliche Herkunft des Namen "Dengue" ist umstritten. Früher wurde die Erkrankung häufig als "Dandy-Fever" bezeichnet, was auf eine schmerzbedingte, auffällige Veränderung der Körperhaltung und Gangart, ähnlich der steifen Gangart der englischen Dandys, zurückzuführen ist. Im Spanischen bedeutet "hacer dengue" so viel wie "sich zieren". Das könnte auf einen sich vor Schmerzen zierenden Erkrankten hinweisen. Eine andere mögliche Erklärung für die Namensgebung: Dengue als Abwandlung des afrikanischen Kisuaheli-Wortes "Dinga" – der Bezeichnung für einen krampfartigen Anfall, ausgelöst durch einen bösen Geist.

Autor: Dr. med. Markus Frühwein, Vorstand der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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