Nabelbruch beim Erwachsenen

Ein Nabelbruch bereitet meist keine Schmerzen. Trotzdem muss er in manchen Fällen operiert werden. Informationen über Risikofaktoren, Symptome und die Operation eines Nabelbruchs bei Erwachsenen

von Dr. Katharina Kremser, aktualisiert am 09.10.2015

Skizze: So sieht ein Nabelbruch aus

W&B/Szczesny

Was ist ein Nabelbruch?

Ein Nabelbruch – von Ärzten auch als Nabelhernie bezeichnet – zeigt sich oft als kleine Beule unter der Haut in der Nähe des Nabels. Es handelt sich dabei um eine Ausstülpung von Gewebe (Bruchsack) durch eine Schwachstelle oder Lücke in der Bauchwand – die sogenannte Bruchpforte. Diese Ausstülpung kann unter Umständen Baucheingeweide, wie Darmschlingen enthalten. Man bezeichnet das dann als Bruchsackinhalt.

Ursachen und Risikofaktoren

Da beim ungeborenen Kind im Bereich des Nabels die sogenannte Nabelschnur ansetzt, ist eine Schwachstelle der Bauchwand in dieser Region normal. Steigt der Druck im Bauchraum, zum Beispiel bei schwerem Heben, bei Übergewicht oder in der Schwangerschaft, kann es zu einem Nabelbruch kommen. Ein weiterer Risikofaktor für einen Nabelbruch ist beispielsweise eine familiäre Veranlagung in Form einer Bindegewebsschwäche.


Symptome

Ein Nabelbruch bereitet meist keine Schmerzen und wird daher oft nicht gleich bemerkt. Sichtbar ist eine kleine Vorwölbung im Bereich des Nabels. Treten Schmerzen auf oder verfärbt sich der Bruch bläulich, spricht das für eine Einklemmung von Bruchsackinhalt. Dann unbedingt den Arzt aufsuchen, denn ist Darmgewebe eingeklemmt und dadurch in seiner Durchblutung beeinträchtigt, kann es zu einem Absterben des Darms kommen. Dies wiederum kann weitere Komplikationen nach sich ziehen und unter Umständen sogar zu einem lebensgefährlichen Notfall führen. Ein eingeklemmter Nabelbruch muss daher sofort operiert werden. Eine Einklemmung tritt etwa bei drei bis fünf Prozent aller Nabelbrüche auf.

Diagnose

Der Arzt sieht sich die vorgewölbte Stelle an und untersucht den Nabelbruch mit den Händen. Liegt der Betroffene auf dem Rücken, lässt sich die Bruchpforte in der Bauchwand meist gut tasten. Bei größeren Brüchen, bei denen es fraglich ist, ob der Bruchsack zum Beispiel Darmschlingen enthält, kann eine Ultraschalluntersuchung weiterhelfen.

Therapie

Ein eingeklemmter Nabelbruch ist ein Notfall und muss sofort operiert werden. Nabelbrüche, die Schmerzen bereiten oder größer werden, sollten Erwachsene ebenfalls beseitigen lassen.

Der Ablauf der Operation hängt von der Größe des Nabelbruchs ab: Mit einem bogenförmigen Schnitt um den Nabel herum öffnet der Arzt die Bauchwand. Anschließend verlagert er den Inhalt des Bruchsackes wieder zurück in den Bauchraum. Danach trägt der Arzt gegebenenfalls den Bruchsack ab. Bei kleineren Nabelbrüchen kann die Bruchpforte anschließend direkt vernäht werden. Bei Brüchen, die größer als etwa zwei Zentimeter sind, muss ein Kunststoffnetz unter der Bauchwand eingenäht werden, das die Bauchdecke stabilisiert und so erneuten Nabelbrüchen vorbeugen soll.

Die Operation kann offen, bei größeren Nabelbrüchen mit Einbau eines Netzes auch in Schlüssellochtechnik (endoskopisch) erfolgen. Die meisten Operationen finden in Vollnarkose statt, bei kleineren Brüchen ist aber manchmal auch eine lokale Betäubung ausreichend. Teilweise ist die Operation ambulant möglich, das bedeutet der Patient kann noch am selben Tag nach Hause gehen.

Bei Kindern kann sich ein Nabelbruch bis zu einem bestimmten Lebensalter auch wieder zurückbilden. Auch ein in der Schwangerschaft aufgetretener Nabelbruch verschwindet oft von selbst wieder. Mehr Informationen zu Nabelbrüchen bei Kindern und werdenden Müttern erhalten Sie auf www.baby-und-familie.de in den Artikeln "Wie gefährlich ist ein Nabelbruch?" und "Nabelbruch in der Schwangerschaft".


Professor Dr. med Ferdinand Köckerling ist Chefarzt der Klinik für Chirurgie, Visceral- und Gefäßchirurgie am Vivantes Klinikum Spandau

W&B/Privat

Unser Experte:

Professor Ferdinand Köckerling, Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und Chefarzt der Klinik für Chirurgie, Visceral- und Gefäßchirurgie am Vivantes Klinikum Spandau


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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