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Laktoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit): Ursachen

Laktoseintoleranz ist am häufigsten genetisch bedingt, sie kann aber auch bei einigen Erkrankungen oder als Behandlungsfolge (Magen-Darm-Operationen, Medikamente) auftreten


Latte macchiato: Sehr beliebt – mitunter trotz leichter Laktoseintoleranz

Jeder Fünfte Erwachsene verträgt Milchzucker schlecht

Bei einem Laktasedefizit klappt die Verwertung je nach Ausmaß und Milchzuckerangebot nur leidlich gut oder schlecht. In Deutschland betrifft das etwa 20 Prozent der Bevölkerung.

Das heißt aber auch, die große Mehrheit bei uns hat offenbar keine Probleme mit Milchzucker. Studien konnten zeigen, dass die Erbanlagen für den Erhalt der Laktaseaktivität (Laktase-Persistenz) im Zuge der vor gut 7500 Jahren Fuß fassenden Milchwirtschaft im östlichen Mitteleuropa entstanden.


Milchzucker-Unverträglichkeit: Physiologische Form weltweit führend

Mit Abstand vorherrschende Form ist der primäre, entwicklungsgenetisch bedingte Laktasemangel Erwachsener. Ärzte nennen ihn adulte, physiologische Hypolaktasie. Bei den Betroffenen sinkt die Laktaseaktivität zwischen dem zweiten und 20. Lebensjahr anlagebedingt unter einen bestimmten „Schwellenwert“. Der Genuss von Milch und Milchprodukten kann dann durch unangenehme Beschwerden getrübt sein: vor allem Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Übelkeit.

Der Grad der Unverträglichkeit variiert allerdings. Während einige Menschen bereits bei Aufnahme sehr kleiner Mengen Milchzucker Beschwerden bekommen, vertragen andere laktosehaltige Nahrung in begrenztem Umfang ganz gut.

Laktoseintoleranz: In Europa Zunahme von Nord nach Süd

Dem größeren Teil der Mittel- und insbesondere Nordeuropäer bleibt anlagebedingt eine ausreichende Laktaseaktivität erhalten, und sie vertragen Milchzucker. Mit einem Anteil von etwa zwanzig Prozent ist die Laktoseintoleranz in Deutschland deutlich seltener als in Schwarzafrika oder Asien, wo Milch und Milchprodukte traditionell keine Grundnahrungsmittel sind. So liegt die Häufigkeit der Laktoseintoleranz in Asien bei über 90 Prozent. Asiaten mittel- oder nordeuropäischer Abstammung können Milchzucker wiederum oft besser tolerieren.


Sekundäre Laktoseintoleranz: Folge bestimmter Erkrankungen

Milchzucker-Unverträglichkeit kann auch im Zuge bestimmter Erkrankungen auftreten, vor allem des Darmes. Dann spricht man von einer sekundären, erworbenen Laktoseintoleranz.

Die Verdauung und Aufnahme der Nahrung setzt eine intakte Dünndarmschleimhaut voraus. Damit eine möglichst große Fläche entsteht, ist der Darm nicht einfach ein glattes Rohr. Vielmehr trägt er innen zahllose Falten, und selbst die einzelnen Zellen haben einen gefalteten Besatz, den sogenannten Bürstensaum. Dadurch ist die innere Oberfläche des Dünndarmes etwa so groß wie ein Fußballfeld. Im Bürstensaum sitzen auch die Dünndarmenzyme wie zum Beispiel die Laktase.

Eine Schädigung der Zellen, etwa durch eine Darmentzündung, kann zum (vorübergehenden) Verlust des Bürstensaumes führen. Damit verringert sich die Wirkung der Verdauungsenzyme, und außerdem steht weniger Oberfläche zur Verfügung. Infolgedessen kann der Körper verschiedene Nährstoffe einschließlich Milchzucker kaum noch verwerten. Es kommt zu möglicherweise schweren Durchfällen. Unbehandelt sind  ausgeprägte Mangelernährung und ungewollter Gewichtsverlust die Folge.

Im Gegensatz zur primären Laktoseintoleranz kann eine sekundäre Laktoseintoleranz also auch ernsthafte Ursachen und Begleitumstände haben. Zu nennen sind hier vor allem entzündliche Darmerkrankungen wie die Glutenunverträglichkeit (häufig Zöliakie, auch Sprue, glutensensitive Enteropathie oder „Weizeneiweißunverträglichkeit“ genannt) oder der Morbus Crohn (Crohn-Krankheit).

Zum Beispiel Zöliakie...

Zöliakie ist eine erbliche Unverträglichkeit von Glutenen im Rahmen einer immunologischen Systemkrankheit. Sie tritt häufig zusammen mit anderen Autoimmunkrankheiten auf, etwa Diabetes mellitus Typ 1, Hautkrankheiten wie Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) und Schuppenflechte (Psoriasis) oder Schilddrüsenentzündungen wie Hashimoto-Thyreoiditis.

Glutene sind Eiweißgemische, die vor allem in Weizen, aber auch in Roggen, Gerste und anderen Getreiden vorkommen. Unter anderem enthalten sie Gliadin. Gegen dieses Eiweiß richtet sich die Unverträglichkeit hauptsächlich. Sie beruht auf krankhaften Immunreaktionen mit Bildung von Antikörpern. Dabei entstehen auch Antikörper, die unter anderem auf einen körpereigenen Stoff des Dünndarmes namens Gewebs-Transglutaminase zielen.

Der Nachweis dieser Transglutaminase-Antikörper und des sogenannten Immunglobulin A (Gesamt IgA), gegebenenfalls auch anderer Werte im Blut, gehört zu den wichtigen diagnostischen Schritten. Manchmal wird außerdem eine Dünndarmbiopsie empfohlen.

Die Beschwerden sind bei Zöliakie unterschiedlich ausgeprägt. Auch das Alter nimmt Einfluss. Wenn sich im Rahmen der Erkrankung eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut entwickelt, resultiert meist auch ein Laktasemangel. Je nach Schweregrad der mit der Krankheit verbundenen Aufnahmestörung von Milchzucker und anderen Nährstoffen kann es zu starken Durchfällen, Fettstühlen, Gedeihstörungen und Blutarmut kommen.

...oder Morbus Crohn

Auch der Morbus Crohn ist eine Art Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Abwehrsystem letztlich den Darm angreift. Die eigentliche Ursache ist unbekannt. Unter anderem spielen genetische Faktoren eine Rolle. Die Erkrankung geht mit einer chronischen Entzündung der Darmwand einher. Sie kann abschnittsweise die Wand aller Hohlorgane im Verdauungstrakt erfassen, vom Mund und Schlund bis zum After. Wenn der Dünndarm betroffen ist, können eine gestörte Aufnahme von Nährstoffen, darunter Milchzucker, und Gewichtsverlust die Folge sein. Komplikationen, zum Beispiel seitens des Darmes, sind ebenfalls möglich. Ein Morbus Crohn unterscheidet sich von einer primären Lakoseintoleranz allerdings ganz erheblich, sodass eine Verwechslung eher unwahrscheinlich ist.

Was sonst noch hinter einer Laktoseintoleranz stecken kann

Andere Darmerkrankungen, Folgezustände nach Operationen im Magen-Darm-Trakt oder ein Diabetes mellitus können eine unphysiologische Besiedlung des Dünndarmes mit Bakterien begünstigen. Dann entwickelt sich eine sogenannte bakterielle Überwucherung oder Fehlbesiedlung. In diesen Fällen gelangt die Laktose nicht zu den Bakterien im Dickdarm, wo sie ohnehin nicht hingehört. Vielmehr wandern die Bakterien zahlreich in den normalerweise eher keimarmen Dünndarm hoch und treten dort in Kontakt mit Nahrungsbestandteilen wie der Laktose.

Die Abbauprodukte der bakteriellen Fermentierung verursachen dann wiederum die typischen Symptome wie Blähungen und Durchfälle. Größere Wandaussackungen (Divertikel) am Zwölffingerdarm oder operativ verlegte beziehungsweise ausgeschaltete Darmschlingen, die zu einem „Blindsack“, also einem blind endenden Gebilde werden, sind mögliche Voraussetzungen für die Störung.

Auch nach Entfernung eines Dünndarmabschnitts treten nicht selten Durchfälle auf. Mit der Verkürzung und damit verbundenen Verringerung der Oberfläche des Dünndarmes kann auch die Laktasebildung mehr oder weniger ausfallen, sodass es zur Laktoseintoleranz kommt (Kurzdarmsyndrom).

Wurde einem Patienten ein Teil des Magens entfernt und eine neue Verbindung zum Dünndarm angelegt, rutscht die Nahrung danach häufig zu schnell durch den Verdauungstrakt. Dann ist die Kontaktzeit mit der Darmschleimhaut zu kurz, um die Nährstoffe zu verwerten. Das führt zu überstürzten vegetativen Reaktionen wie auch zur Vergärung des wiederum im Dickdarm landenden Nahrungszuckers mit den entsprechenden Symptomen.

Bei akuten Darminfektionen (infektiösen Durchfallerkrankungen) kann sich ebenfalls eine Milchzuckerunverträglichkeit einstellen – vorübergehend. Ein Beispiel ist die Rotavirus-Infektion, eine virale Gastroenteritis, an der besonders häufig Säuglinge und Kleinkinder erkranken. Dabei kann sich Dünndarmschleimhaut stark entzünden, sodass massive wässrig-schleimige Durchfälle auftreten. Zeitweise kommt es dann auch zu einem Laktasemangel. Dies ist außerdem bei Dünndarmbefall mit Parasiten wie zum Beispiel Giardia lamblia möglich.

Auch manche Medikamente, zum Beispiel Antibiotika, können mitunter Darmfunktionen beeinträchtigen, die Laktaseproduktion stören und mit sich bringen, dass Milchzucker vorübergehend schlechter vertragen wird.

Oder ist es eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit?

Der Arzt wird gegebenenfalls auch andere Kohlenhydrat-Aufnahmestörungen wie zum Beispiel eine gar nicht so seltene Fruchtzucker-Unverträglichkeit ausschließen. Fruktose, ebenfalls ein Einzelzucker, findet sich nicht nur in vielen Obstsorten, sondern ist neben Traubenzucker Bestandteil des normalen Haushaltszuckers. Fruktose findet häufig als Lebensmittelzusatzstoff Verwendung. Damit der Dünndarm Fruktose aufnehmen kann, muss das entsprechende Transportsystem funktionstüchtig sein. Hier kann es mit der Zeit zu einer Störung kommen.

Allergien ausschließen

Mitunter steckt auch eine Nahrungsmittelallergie hinter den Beschwerden. Einem solchen Verdacht sollte ein Allergologe nachgehen. Nahrungsmittelallergien treten häufiger im Säuglingsalter, bei Kindern und Jugendlichen auf. Im Rahmen der allergischen Reaktion kommt es neben Magen-Darm-Beschwerden zu Juckreiz, Rötungen und Quaddeln der Haut, Schwellungen und Reizungen der Schleimhäute in den Augen und Atemwegen, Fließschnupfen und Asthma. Die schwerste Stufe ist ein allergischer (anaphylaktischer) Schock. Während aber Betroffene mit Laktoseintoleranz je nach Restlaktaseaktivtät häufig noch kleinere Milchmengen vertragen, reagieren Patienten mit Milcheiweißallergie schon auf geringe Spuren allergisch.

Eine zuverlässige Diagnose und umfassende Ernährungsberatung ist notwendig, um zu lernen, wie man die Auslöser fortan nach Möglichkeit meidet und sich dennoch möglichst ausgewogen ernährt. Gegen einzelne Symptome, etwa Juckreiz oder Asthma, helfen bestimmte Medikamente. Da für die Therapie von Bedeutung, wird der Allergologe prüfen, ob der Patient eventuell noch weitere Allergien hat. Menschen, die zum Beispiel auf Äpfel, Nüsse, rohes Kern- und Steinobst oder Erdbeeren allergisch sind, haben oft auch eine Birkenpollenallergie (sogenannte Kreuzallergie, hier: Heuschnupfen als Atemwegsallergie gegen Birkenpollen).

Sehr selten: Angeborene Milchzucker-Unverträglichkeit

Dass Säuglingen die Laktase komplett fehlt (kongenitale Alaktasie), ist die Ausnahme. Die äußerst seltene, angeborene Störung macht sich bemerkbar, sobald die betroffenen Neugeborenen gestillt oder mit Säuglingsmilch ernährt werden. Auf den angebotenen Milchzucker reagieren sie umgehend mit starken, wässrigen Durchfällen und Erbrechen. Der vollständige Enzymmangel beruht auf einer Veränderung (Mutation) des Laktase-Gens, die von beiden Eltern geerbt wurde (sogenannter autosomal-rezessiver Erbgang). Werden die Kinder nicht konsequent laktosefrei ernährt, können sie schwerwiegende Gedeih- und Entwicklungsstörungen erleiden.




Bildnachweis: Panthermedia/Miroslaw Beneda
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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 08.05.2014, erstellt am 23.12.2010
Bildnachweis: Panthermedia/Miroslaw Beneda

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