Was ist eine chronische Bronchitis?
Die chronische Bronchitis ist die häufigste chronische Lungenerkrankung in der westlichen Welt: Zehn Prozent der Bevölkerung in den Industrienationen sind betroffen. Ungefähr 20 Prozent der Männer leiden an chronischer Bronchitis; sie erkranken damit dreimal so häufig wie Frauen.
Ursachen und Risikofaktoren: Wer ist gefährdet?
Bronchien, die über einen längeren Zeitraum geschädigt wurden, sind anfälliger für die chronische Bronchitis. Vor allem, wer raucht oder Luftverschmutzung ausgesetzt ist, hat ein erhöhtes Risiko. Auch akute, nicht richtig behandelte Atemwegsinfekte, feucht-kaltes Klima, Reizgase und Stäube am Arbeitsplatz oder in der Wohnung können zur Erkrankung beitragen. Angeborene Ursachen wie ein Antikörper-Mangel, ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel oder eine Mukoviszidose (siehe Ursachen) kommen seltener vor.
Was passiert bei einer chronischen Bronchitis im Körper?
Bei der chronischen Bronchitis reagieren die Schleimhäute der Bronchien mit einer langfristigen Abwehrreaktion, der chronischen Entzündung. Auch die Luftröhre kann betroffen sein. Die gereizte Schleimhaut produziert vermehrt zähes Sekret. Das führt zu Husten mit schleimigem Auswurf. Hervorgerufen wird die chronische Entzündung vor allem durch Schadstoffe, die von außen auf die Schleimhaut wirken; aber auch genetische Veranlagung und andere Grunderkrankungen spielen eine Rolle.
Symptome: Wie macht sich die chronische Bronchitis bemerkbar?
Eine Bronchitis ist eine Entzündung der Bronchialschleimhaut. Sie führt zu Husten mit Auswurf von zähem Schleim. Die Symptome entwickeln sich allmählich und verschlimmern sich langsam, solange sie nicht richtig therapiert werden.
Bestehen die Bronchitis-Symptome in zwei aufeinander folgenden Jahren während mindestens drei Monaten pro Jahr durchgehend, spricht die WHO von chronischer Bronchitis. Schreitet die Erkrankung fort (siehe Folgeerkrankungen), können schwere Einschränkungen wie Leistungsminderung und Kurzatmigkeit resultieren.
Achtung: Alarmsignale der Atemwege wie Kurzatmigkeit oder neue Atemgeräusche sollten immer bald von einem Arzt abgeklärt werden!
Folgeerkrankungen: Warum muss eine chronische Bronchitis früh behandelt werden?
Problematisch bei der chronischen Bronchitis ist, dass die ständige Entzündung die Lunge schädigt: So kann aus einer einfachen chronischen Bronchitis (Stadium 1) eine obstruktive chronische Bronchitis (Stadium 2) entstehen. Das bedeutet, dass zu Husten mit Auswurf noch eine Atmnot mit körperlicher Leistungseinschränkung hinzutritt, die sich nicht mehr zurückbildet. Schreitet die Erkrankung in das Stadium 3 fort, kommt es zu schweren Folgeerkrankungen wie dem obstruktiven Lungen-Emphysem und dem Lungenherz (Cor Pulmonale). Eine starke Atemnot und Herz-Kreislaufkomplikationen beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen nun erheblich und reduzieren ihre Lebenserwartung. Die Kombination aus obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysen wird als COPD (auch COLD = chronic obstructive pulmonary / lung disease) bezeichnet. Eine dramatische Folge der chronischen Bronchitis: In den Industrienationen stellt die COPD immerhin die vierthäufigste Todesursache dar.
Vor diesem Hintergrund ist das frühe Erkennen und Therapieren von wegbereitenden Erkrankungen wie der chronischen Bronchitis besonders wichtig.
Diagnose: Wie stellt der Arzt die Krankheit fest?
Neben dem Befragen dient das Abhorchen und Abklopfen des Brustkorbs zur Diagnose. Eine Blutabnahme, die Überprüfung der Lungenfunktion (meist mittels Spirometrie), sowie ein Brustkorb-Röntgenbild, bei medizinischer Notwendigkeit auch eine erweiterte Lungenfunktionsprüfung (Ganzkörperplethysmographie, Diffusionsmessung, Blutgasanalyse, Belastungstests), ein Computertomogramm oder eine Bronchoskopie geben weitere Auskunft über die Erkrankung. Über die Gesundheit des Herzens gibt das Elektrokardiogramm (EKG) und der Herz-Ultraschall (Echokardiogramm) Aufschluss. In besonderen Fällen kann der Arzt den kleinen Kreislauf der Lunge mittels Rechtsherzkatheter-Untersuchung begutachten.
Welche Erkrankungen können noch hinter den Symptomen stecken?
Bestehen Husten und Auswurf im Rahmen einer Erkältung ohne Komplikationen nur etwa zwei Wochen lang (maximal bis zu acht Wochen), liegt eine akute Bronchitis vor.
Der Arzt muss vor allem eine Lungentzündung, ein (allergisches) Asthma und bei Rauchern auch ein Bronchialkarzinom und andere Gründe (zum Beispiel Herzschwäche, Refluxkrankheit) für Husten mit Atemstörung ausschließen (siehe Diagnose).
Therapie: Wie wird die chronische Bronchitis behandelt?
Im Stadium 1 ist die Erkrankung noch heilbar. Zunächst müssen die Ursachen beseitigt werden. Vor allem aktives Rauchen und Luft-Schadstoffe sind zu meiden; auch das Passiv-Rauchen ist zu unterbinden. Zugrundeliegende Infekte müssen austherapiert werden – wenn nötig, mit Antibiotika. Je nach Stadium kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz: Schleimlöser, eventuell Medikamente, die den Hustenreiz nehmen, bei Bedarf bronchienerweiternde Sprays (Beta-Sympathomimetika, Parasympatholytika) und Kortison. Bei starker Atemnot kann auch eine Sauerstoff-Langzeitbeatmung nötig werden.
In schweren Fällen kann auch eine chirurgische Entfernung der zerstörten Lungenanteile die Symptomatik etwas lindern. Schließlich ist auch die Transplantation einer Spenderlunge möglich.
Unterstützend in allen Stadien wirken Atemgymnastik, Physiotherapie, Klopfmassagen und Salzwasser-Inhalationen.
Prävention: Was kann man vorbeugend gegen chronische Bronchitis tun?
Luftschadstoffe sind zu meiden. Vor allem muss man das Rauchen aufgeben. Auch Passivrauchen schadet – Erwachsene sollten insbesondere nicht in Gegenwart von Kindern zur Zigarette greifen. Am Arbeitsplatz oder in der Wohnung sollten Feinstaub, Industrie-und Autoabgase gebannt werden (siehe Kapitel Vorbeugen). Infekte der Atemwege müssen zum Stillstand gebracht werden.
Auch eine Lunge, die bereits im Stadium 2 erkrankt ist, profitiert von Atemphysiotherapie, Klopfmassagen, Inhalationen und Bewegung, die an ihre Leistungsfähigkeit angepasst ist. Letztere stärkt zusammen mit gesunder Ernährung und ausreichend Schlaf auch das Immunsystem.
Lungenkranke und Menschen ab dem 60. Lebensjahr oder mit geschwächtem Immunsystem sollen sich unbedingt einmal im Jahr gegen Grippe impfen lassen. Bei bestimmten anderen Erkrankungen, zum Beispiel bei gehäuften Infektionen, ist nach Nutzen-Risiko-Abwägung eventuell eine Pneumokokken-Impfung ratsam.
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13.09.2005, aktualisiert am 18.11.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, Photo Alto/RYF
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