Bluthochdruck (Hypertonie)

Bluthochdruck entwickelt sich schleichend. Seine Tragweite wird oft erst klar, wenn ernste Folgen wie etwa ein Schlaganfall auftreten. Doch so weit muss es nicht kommen

aktualisiert am 20.04.2016

So einfach lässt sich der Blutdruck messen: Manschette am Oberarm anlegen und aufpumpen, Druck langsam ablassen, Abhören der Geräusche (Armbeuge), dabei Ablesen der Druckwerte

Banana Stock/ RYF

Bluthochdruck – Überblick

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) steht schon länger auf der Top-Ten-Liste der bedrohlichen Krankheiten weltweit. Die gute Nachricht: In Deutschland hat sich die Zahl der Patienten, die dank Behandlung wieder den Normalbereich erreichen – nach derzeitiger Definition Blutdruckwerte bis 139/89 mmHg –, seit 2008 fast verdoppelt.

Schleichende Gefahr

Bei Bluthochdruck ist der Druck in den Gefäßen erhöht. Bluthochdruck wird behandelt, um den erhöhten Druck zu senken und lebensbedrohliche Folgekrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall zu verhindern. Das Problem: Anfangs bereitet der erhöhte Druck kaum Beschwerden. Daher bleibt er häufig lange Zeit unerkannt und unbehandelt.

Tag für Tag ein zu hoher Druck im Kreislauf – das überlastet auf Dauer das Herz und andere lebenswichtige Organe. Auch setzt die natürliche Gefäßalterung bei Bluthochdruck früher ein und schreitet schneller fort. Gefäße verkalken vorzeitig (Arteriosklerose). Daher ist Bluthochdruck neben Rauchen, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Fettstoffwechselstörungen eine führende Ursache von Herz-Kreislaufkrankheiten. Auch Nieren- und Augenerkrankungen beruhen oft auf zu hohem Blutdruck. In der Folge kann es zu Nierenversagen und Sehbehinderung (hypertensive Retinopathie) kommen. Das Risiko für vorzeitige Invalidität und Tod ist deutlich erhöht.


Was ist Bluthochdruck?

Als normal beziehungsweise hochnormal gelten derzeit Blutdruckwerte bis 139/89 mmHg. Optimal sind Werte unter 120/80 mmHg. Der Tagesmittelwert beträgt maximal 135/85 mmHg, der 24-Stunden-Mittelwert maximal 130/80 mm Hg. Bei Bluthochdruck – derzeit Messwerte ab 140/90 mmHg – werden auch die Mittelwerte überschritten.


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Bluthochdruck kommt überwiegend als primäre Hypertonie vor, als Bluthochdruck "an sich". Nur bei etwa zehn bis 15 Prozent der Betroffenen sind andere Erkrankungen die Ursache (sekundäre Hypertonie), etwa der Nieren, Nebennieren oder der Schilddrüse. Mit der Behandlung der Ursache normalisiert sich der erhöhte Blutdruck hier meist.

Symptome bei erhöhtem Blutdruck

Anfangs fehlen Beschwerden meist. Später stellen sich häufig zunächst Allgemeinbeschwerden ein wie Schwindel, Kopfschmerzen, Herzklopfen oder -stolpern, Kurzatmigkeit bei Belastung, Nervosität, Schlafstörungen (mehr dazu im Kapitel "Bluthochdruck – Symptome"). Weitere Krankheitszeichen hängen von möglichen Gefäß- und Organschäden durch den erhöhten Druck ab.

! Achtung: Plötzliche Sehstörungen, auch Doppelbilder, Kribbeln, Taubheitsgefühl oder eine Lähmung auf einer Körperseite – am Arm, Bein oder im Gesicht (verdächtig hier: Gesicht einseitig verzogen, hängender Mundwinkel) –, eine Sprachstörung oder plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen können Warnzeichen oder Symptome eines Schlaganfalls sein: Unverzüglich den Notarzt (Rettungsleitstelle, Notruf 112) alarmieren!


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Diagnose des Bluthochdrucks

Wiederholte Druckmessungen und eine Langzeitmessung des Blutdrucks können die Diagnose bestätigen. Soweit noch nicht bekannt, klärt der Arzt ab, ob weitere Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen (siehe Kapitel "Bluthochdruck – Ursachen, Risikofaktoren") vorliegen. Dabei geht es einmal um familiäre Vorbelastung und den Lebensstil. Wichtige Stichworte dazu, auch beim Gespräch mit dem Arzt (Anamnese): Bewegungsmangel, Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung, Körpergewicht. Zum anderen sind Erkrankungen wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen mit zu hohem Cholesterin und ein erhöhter Harnsäurespiegel / Gicht im Fokus des Arztes. Blut- und Urinkontrollen geben hier erste Informationen.

Wenn der Arzt Folgeschäden an "Zielorganen" des Bluthochdrucks vermutet, wird er weitere Untersuchungen veranlassen, unter anderem eine Kontrolle beim Augenarzt. Bei Hinweisen auf eine sekundäre Hypertonie sind unbedingt weiterführende Diagnosemaßnahmen angezeigt. Mehr dazu im Kapitel "Bluthochdruck – Diagnose".

Therapie: Den zu hohen Blutdruck senken, gesund leben

Gesund leben ist eine universelle Arznei. Vor allem auf zwei Punkte kommt es an: eine ausgewogene, möglichst salzarme Ernährung (mehr zum Einfluss von Kochsalz auf den Blutdruck wiederum im Kapitel "Bluthochdruck – Ursachen, Risikofaktoren" sowie im Kapitel "Bluthochdruck – Wissenswertes") und regelmäßige Bewegung. Auch die seelische Verfassung nimmt Einfluss auf den Blutdruck. Weniger Stress und Alkohol, dazu natürlich auch Nichtrauchen tun ein Übriges. Bei Übergewicht sollte man dauerhaft abnehmen. All das hilft, den Blutdruck im grünen Bereich zu halten.

Wenn nicht, können zahlreiche gut wirksame und verträgliche Medikamente einen zu hohen Blutdruck senken. Meistens ist es eine Dauertherapie. Am gesunden Lebensstil sollte man trotzdem festhalten, da er die Therapie erleichtert.


Die SPRINT-Studie: Was ändert sich jetzt?

Die kürzlich publizierte US-amerikanische SPRINT Studie könnte den Weg zu niedrigeren systolischen Blutdruckzielwerten – unter 120 mmHg – weisen, zumindest bei bestimmten Patientengruppen. Der Grund: Das Risiko für bedrohliche Herzkreislauferkrankungen lässt sich bei ihnen durch intensivere Blutdrucksenkung noch besser beeinflussen als bisher gedacht.

Wie stark der Blutdruck bei einem Patienten sinken sollte, ist eine Entscheidung, die der Arzt individuell mit dem Betroffenen trifft. Dieser sollte für seine Verhältnisse optimale Werte erreichen und sich dabei wohlfühlen. Eine erste Konsequenz aus der rund drei Jahre lang laufenden Studie könnte sein, dass Ärzte künftig noch mehr danach schauen, wie weit sie bei der Blutdrucksenkung im Einzelfall gehen können.

Dass die intensiver behandelte Gruppe zum Beispiel mit einer um 25 Prozent niedrigeren Rate an schwerwiegenden Herz-Kreislaufkrankheiten deutlich besser abschnitt als die konventionell behandelte Vergleichsgruppe (Zielwert: unter 140 mmHg), ist jedenfalls ein Ansporn.

Wenn es nach der Studie geht, können zum Beispiel Patienten über fünfzig Jahren mit einem systolischen Ausgangsblutdruck von 130 bis 180 mmHg und erhöhtem Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche profitieren. Nach der derzeitigen Definition würde, wer bei Blutdruckwerten um 130 mmHg liegt, dagegen noch nicht als Hochdruckpatient gelten. Es leuchtet ein, dass Kardiologen die durch die Studie aufgeworfenen Fragen nun dringend klären möchten – auch im Lichte anderer, in einigen Punkten gegenteiliger Studienergebnisse.

Im Schnitt dürfte die neue Strategie einen Blutdrucksenker mehr und zusätzliche ärztliche Kontrollen pro Patient bedeuten. In vielen Fällen werden die Beteiligten – Ärzte wie Patienten – von einer bislang gut funktionierenden Therapie begründbar nicht abrücken wollen. Somit behalten die aktuell gültigen Empfehlungen vorerst ihre Berechtigung. Das gilt auch für die Vorgaben bei Diabetikern (siehe Kapitel "Bluthochdruck – Therapie, Abschnitt: Blutdruckzielwert in speziellen Situationen").

Quelle in der nachfolgenden Fachliteratur-Liste


Fachliteratur zu diesem Ratgeber:

Global Burden of Health Study 2010: Lancet 2012, 380: 2197- 2223 und 2224-2260
World Health Organization (WHO): The top 10 causes of death. Online:
http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs310/en/
(Abgerufen am 12.04.2016)

Der Internist: Hypertonie. Umfassender Blick auf Hochdruckerkrankungen im Wandel. Bd. 56, Heft 3, März 2015

Leitlinien der Europäischen Hypertoniegesellschaft: 2013 ESH/ESC Guidelines for the management of arterial hypertension.
Online: http://www.escardio.org/Guidelines-&-Education/Clinical-Practice-Guidelines/Arterial-Hypertension-Management-of
(Abgerufen am 12.04.2016)

SPRINT-Studie: The SPRINT- Research Group: Systolic Blood Pressure Intervention Trial. A randomized trial of intensive versus standard blood-pressure control. N Engl J Med, November 9, 2015
(Abgerufen am 12.04.2016)

Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. Online:
http://www.hochdruckliga.de
(Abgerufen am 12.04.2016)

Empfehlungen der Deutschen Hochdruckliga e. V. DHL ® – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention (DGHPr): Arterielle Gefäßsteifigkeit – Ursachen und Konsequenzen. Positionspapier der DHL und der DGHPr, 4. Feb. 2016, Der Kardiologe 1, 2016.1038-46 Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015.

Robert-Koch-Institut: Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V., Robert Koch Institut: Blutdruck in Deutschland: Daten und Fakten. Online:
http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesundAZ/Content/H/Hypertonie/Inhalt/Blutdruck_DZHK.pdf?__blob=publicationFile (Abgerufen am 12.04.2016)

KIGGS-Studie: Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Referenzperzentile für anthropometrische Maßzahlen und Blutdruck aus der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Online:

http://edoc.rki.de/oa/articles/relX5Hqebbmw/PDF/274v5EOZD1xJY.pdf
(Abgerufen am 12.04.2016)

DGE: Speisesalzgehalt in Lebensmitteln senken. Online:
https://www.dge.de/presse/pm/speisesalzgehalt-in-lebensmitteln-senken/
(Abgerufen am 12.04.2016)


Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): 10 Gründe für den Rauchstopp. Online:
http://www.dkfz.de/de/rauchertelefon/10_Gruende_fuer_Rauchstopp.html
(Abgerufen am 12.04.2016)

Deutsches Krebsforschungszentrum: Erfolgreicher Rauchausstieg. Online:
https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/Medikamente.html
http://www.dkfz.de/de/rauchertelefon/NRT_Medikation.html
(Abgerufen am 12.04.2016)

Deutsche Schlaganfall Hilfe: Rauchen und Alkohol. Online:
http://www.schlaganfall-hilfe.de/rauchen-und-alkohol
(Abgerufen am 12.04.2016)

Bluthochdruck in der Schwangerschaft (Hypertension in Pregnancy).
National Institute for Health ans Clinical Excellence (NICE), England, 2011, Evidence-Update May 2012. Online:
http://www.nice.org.uk/nicemedia/live/13098/50475/50475.pdf
(Abgerufen am 12.04.2016)


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Wichtiger Hinweis:
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