Blutarmut: Nicht immer ist es Eisenmangel

Eine Anämie kann viele Ursachen haben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Auslösern, Symptomen, Behandlung und Ernährung

von Dr. Christian Guht, 18.02.2016

Rote Blutkörperchen in der Ader: Zuständig für den Transport von Sauerstoff

W&B/Fotolia

Wie wird das Blut gebildet?

Erythrozyten, die roten Blutkörperchen, entstehen innerhalb weniger Tage aus Vorläufer­zellen im Knochenmark. Zum Aufbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobins wird Eisen benötigt. Es dient in dem Farbstoff als Sauerstoffträger. Außerdem spielen Folsäure und Vitamin B12 eine wichtige Rolle bei der Blutbildung. Die Nieren bilden das Hormon Erythropoetin, das die Reifung der Erythrozyten unterstützt.

Welche Symptome macht eine Anämie?

Es kommt zu einer Blutarmut, wenn die Anzahl roter Blutkörperchen und die Konzentration des Blutfarbstoffs Hämoglobin ­unterhalb eines kritischen Niveaus liegen. ­Dann wird der Körper schlechter mit Sauerstoff versorgt, denn die roten Blutkörperchen sind für den Transport von Sauerstoff durch den Körper zuständig. Gebunden an Hämo­globin, schaffen sie den Sauersoff durch die Blutbahnen. Die direkten Folgen eines Mangels sind daher durch die Sauerstoffknappheit bedingt: Müdigkeit, Schwäche oder Atembeschwerden. Je nachdem, welche Erkrankung das Absinken der Erythrozytenzahl ausgelöst hat, können andere Symptome dazu kommen.

Mögliche Mangelzeichen

  • Blässe kann Folge eines niedrigen Hämoglobinwerts sein. Eindeutig zeigt sie sich an den Schleimhäuten.
  • Müdigkeit ist ein Ausdruck der Unter­versorgung mit Sauerstoff. Die Leistungsfähigkeit sinkt.
  • Schwäche kann auch durch neurologische Ausfälle bedingt sein, die manche Anämien begleiten.
  • Schmerz im Oberbauch kann beim Zerfall von Blutkörperchen auftreten (Hämolyse).

Mögliche Ursachen einer Blutarmut und Therapie

Eisenmangelanämie: Auslöser ist in diesem Fall eine mangelhafte Eisenzufuhr oder -aufnahme. Zum Beispiel, weil Menschen einen gesteigerten Eisenbedarf nicht ausreichend über die Ernährung decken – etwa in der Schwanger­schaft oder bei regelmäßigem Kraftsport. Therapie: Eisenpräparate oder eventuell Eiseninfusionen.

 

Blutungsanämie: Ursache ist hier Blutverlust, häufig durch unbemerkte, sogenannte okkulte Blutungen in Magen oder Darm oder bei starker Menstruation. Therapie: Stoppen okkulter Blutungen, ­Eisenpräparate, eventuell Bluttransfusion.

 

Infekt- oder ­Tumoranämie: Chronische Entzündungen vermindern die Eisenverwertung und Blutbildung. Therapie: Behandlung der Grunderkrankung.

 

Megaloblastäre Anämie: Ursache ist verminderte Blutbildung durch einen Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure. Meist entsteht dieser durch eine Störung der Vitaminaufnahme im Magen oder Darm. Therapie: Ausgleich des Vitaminmangels. Liegt eine Aufnahmestörung von B12 vor, muss das Vitamin ­gespritzt werden.

 

Hämolytische Anämie: Durch angeborene Zell- oder Enzymdefekte, durch Immunstörungen oder Vergiftungen zerfallen Blutkörperchen – die Hämolyse. Therapie: Meidung auslösender Faktoren. Therapie von Komplikationen, die in der Folge auftreten können.

 

Renale Anämie: Grund ist hier verminderte Blutbildung, weil die Nieren versagen und dadurch das stimulierende Hormon Erythropoetin fehlt. Therapie: Gabe von Erythropoetin, Eisen. Eventuell Nierentransplantation.


Wie diagnostiziert der Arzt eine Anämie?

Der Mediziner stellt die Diagnose, wenn im Blutbild eine zu niedrige Erythrozytenzahl oder eine verminderte Hämoglobin-Kon­zentration auffällt. Um die Ursache der Blutarmut zu ermitteln, ­müssen aber noch mehr Werte bestimmt werden: Die Größe der Blutkörperchen gibt Hinweise darauf, ob ein Eisenmangel oder ­eine Bildungsstörung durch Vitaminmangel vorliegen könnte. Auch kann Eisen direkt bestimmt werden. Das Speichereiweiß Ferritin ist bei Eisenmangel erniedrigt, das Transporteiweiß Transferrin hingegen erhöht. Umgekehrt ist das Verhältnis bei Blutbildungsstörungen aufgrund einer chronischen Krankheit. Bei Blutzelluntergang (Hämolyse) lässt sich das Abbauprodukt Bilirubin vermehrt im Blut messen. Erst wenn die Ursache der Anämie abgeklärt wurde, ist eine zielgerichtete Behandlung möglich.

Welche Rolle spielen Ernährung und andere Faktoren bei Blutarmut?

Die Ernährung kann die Aufnahme von Eisen im Darm beeinflussen. Wer eisenreich isst, kann speziell einer Eisenmangelanämie vorbeugen. Neben Fleisch eignen sich als Eisenquellen vor allem Speisen mit den Getreiden Weizen, Hirse oder Hafer sowie mit Hülsenfrüchten. Vitamin-C-haltige Lebensmittel verbessern die Aufnahme. Darauf zu achten kann sich zum Beispiel für Vegetarier lohnen – etwa indem sie ihr Getreidemüsli mit einem Glas frisch gepresten Orangensaft kombinieren.

Dagegen hemmen Gerbstoffe aus Kaffee, schwarzem Tee oder Rhabarber die Eisenaufnahme. Es ist darum vorteilhaft, hier einen zeitlichen Abstand zu eisenreichen Speisen einzuhalten. Das gilt auch für kalziumreiche Milchrodukte, denn Kalzium mindert die Verwertbarkeit von Eisen.

Darüber hinaus verschlechtern bestimmte Medikamente, wie sogenannte Antazida, die Eisenaufnahme. Patienten sollten mit ihrem Arzt ihre Arzneimitteleinnahme besprechen.

Eisenpräparte sollte niemand ohne Rücksprache mit dem Arzt nehmen. Die Gabe sollte regelmäßig überwacht und genau geprüft werden, betont der Labormediziner Professor Lothar Thomas aus Frankfurt am Main. "Chronische Entzündungen führen zu Anämien, die nur nach Eisenmangel aussehen können. Dann ist keine Gabe angezeigt."



Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Blutprobe

Hämophilie (Bluterkrankheit)

Mehr zu Ursachen, Symptomen und Therapie der Hämophilie A und der Hämophilie B »

Spezials zum Thema

Rote Blutkörperchen

Blut – ein ganz besonderer Saft

Erfahren Sie hier mehr über die Zusammensetzung des Lebenssaftes, Blutuntersuchungen sowie mögliche Krankheiten »

Haben Sie schon einmal Blut gespendet?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages