Blasensteine und ihre Behandlung

Blasensteine entstehen, wenn die Chemie im "menschlichen Abwasser" nicht mehr stimmt. Ursache sind dann meist Erkrankungen der Harnwege
von Günter Löffelmann, aktualisiert am 13.04.2017

Termin beim Arzt: Blasensteine treffen oft ältere Männer mit Prostatavergrößerung

iStock/izusek

Durch den Stoffwechsel entstehen im Organismus zahlreiche Substanzen, die überflüssig oder sogar schädlich sind. Viele davon lösen sich in Wasser, sodass sie als Harn ausgeschieden werden können. Allerdings hat diese Löslichkeit ihre Grenzen. Werden sie überschritten, fallen die Substanzen als Kristalle aus und bilden Harnsteine – beispielsweise in der Blase. Wie es dazu kommt, und was man dagegen tun kann, erklärt Dr. Michael Feigl, Oberarzt an der Klinik für Urologie im Klinikum München-Bogenhausen.

Ursachen und Risikofaktoren: Wie entstehen Blasensteine?

"Blasensteine entstehen meist, wenn sich die Harnblase nicht vollständig entleeren lässt, also Restharn in der Blase verbleibt", sagt Feigl. Damit muss vor allem bei Patienten mit Prostatavergrößerung, Harnröhrenverengung, Ausstülpungen der Blasenwand (Divertikel) oder einer Verengung des Blasenauslasses gerechnet werden. "Darüber hinaus findet man Restharn auch bei neurologisch bedingten Blasenentleerungsstörungen", sagt Feigl, "etwa wenn Patienten eine Querschnittlähmung haben oder an Multipler Sklerose erkrankt sind."

Eine weitere Ursache für die Steinbildung sind Fremdkörper in der Blase. Hierzu zählen beispielsweise Katheter, Operationsnähte oder Implantate. "Deren Oberflächen werden zu sogenannten Kristallisationskeimen, die ein Ausfallen der gelösten Salze begünstigen", erklärt Feigl.

Darüber hinaus können Steine als Folge wiederholter Harnwegsinfekte auftreten. "Manche Bakterien verändern durch ihren Stoffwechsel nämlich das chemische Milieu im Harn, sodass Steine mit einer typischen Zusammensetzung entstehen", so Feigl.

Häufig bilden sich die Steine aber gar nicht in der Blase selbst, sondern in den Nieren und wandern über die Harnleiter in die Blase. Dort bleiben sie wegen einer Blasenentleerungsstörung liegen und können weiter an Größe zunehmen.

Symptome: Welche Beschwerden treten bei Blasensteinen auf?

"Blasensteine machen sich vor allem dadurch bemerkbar, dass das Wasserlassen erschwert und die Harnblase gereizt ist, der Harnfluss immer wieder unterbrochen wird oder oft krampfartige Schmerzen im Unterleib zusammen mit verstärktem Harndrang auftreten", sagt Feigl. Letztere sind typischerweise im Bereich oberhalb des Schambeins angesiedelt, können bei Männern aber bis in die Penisspitze ziehen.

"Oft können Betroffene auch nur geringe Harnmengen absetzen und müssen häufig Wasserlassen. Der verbleibende Restharn sorgt dann dafür, dass schon nach kurzer Zeit erneut ein Harndrang entsteht." Ein weiteres Symptom ist Blut im Harn. Abgesehen davon gibt es auch Fälle, in denen Patienten überhaupt keine Beschwerden haben.

Diagnose: Wie werden Blasensteine erkannt?

Hat der Arzt den Verdacht, dass ein Patient an Blasensteinen leidet, wird er in jedem Fall eine Ultraschalluntersuchung durchführen. "Mit ihrer Hilfe kann man Lage und Größe der Steine zuverlässig erkennen", so Feigl. Daneben gehören Harn- und Blutanalysen zur üblichen Diagnostik. Sie geben Auskunft über etwaige Stoffwechselverschiebungen oder zugrunde liegende Erkrankungen, wie zum Beispiel Harnwegsinfekte.

Röntgenverfahren kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn auch die Nieren und die ableitenden Harnwege untersucht werden sollen. Eine Blasenspiegelung kann sinnvoll sein, um die Steine direkt in Augenschein zu nehmen und gegebenenfalls auch die Therapie zu planen. Darüber hinaus können zugleich Harnröhre, Prostata und Blasenwand beurteilt werden.

Therapie: Wie werden Blasensteine behandelt?

"Bei kleinen Steinen mit glatter Oberfläche besteht die Behandlung zunächst aus Abwarten und Tee trinken", sagt Feigl. Letzteres gilt im wahrsten Sinne des Wortes, denn Patienten sollten viel trinken, sodass die Steine idealerweise einfach aus der Blase gespült werden. "Medikamente wie Alpha-Rezeptorenblocker können diesen Prozess durch ihre muskelentspannende Wirkung auf den Blasenauslass beziehungsweise auf die Prostata unterstützen", so Feigl. Darüber hinaus lindern Schmerz- und Entzündungshemmer etwaige Beschwerden. Sind die Steine durch eine Infektion mit bestimmten Bakterien entstanden, kommen auch Antibiotika zum Einsatz. Und schließlich besteht zumindest bei Harnsäuresteinen die Möglichkeit, sie mit Medikamenten zum Einnehmen chemisch aufzulösen.

Allerdings sind diese nicht operativen Maßnahmen bei Blasensteinen längst nicht immer erfolgreich. "Meist besteht die Therapie daher darin, die Steine mit einer Zange, einem Laser oder pneumatisch zu zerkleinern und abzusaugen", sagt Feigl. Dies kann entweder im Rahmen einer Blasenspiegelung, eines minimal invasiven Eingriffs durch kleine Hautschnitte oder – bei sehr großen Steinen – durch einen offenen Eingriff erfolgen.

"Wichtig ist in jedem Fall, dass nicht nur die Steine selbst, sondern auch die Ursachen der Steinbildung – häufig eine Blasenentleerungsstörung – beseitigt werden", gibt Feigl zu bedenken. Andernfalls muss rund jeder zweite Betroffene damit rechnen, erneut zu erkranken.

Vorbeugung: Wie kann man das Auftreten von (erneuten) Blasensteinen verhindern?

Generell lässt sich Blasensteinen am besten durch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (zwei bis drei Liter pro Tag) und eine ausgewogene Ernährung vorbeugen. Wer wegen einer chronischen Krankheit – etwa einer Nieren- oder Herzkrankheit – auf eine begrenzte Flüssigkeitsmenge achten muss, spricht die optimale Trinkmenge am besten mit dem Arzt ab. Kaffee, Schwarztee und Alkohol sollten Feigl zufolge zurückhaltend konsumiert werden, Gleiches gilt für Nahrungsmittel mit hohem Eiweißgehalt. Milchprodukte dürfen verzehrt werden, aber nicht in allzu großen Mengen. "Darüber hinaus trägt eine ausreichende Versorgung mit Magnesium und Zitrusfrüchten dazu bei, das Steinbildungsrisiko zu senken", sagt Feigl.

Sind bereits Steine aufgetreten, hängen die Empfehlungen auch von der Zusammensetzung der Steine ab. "Entfernte Exemplare sollten deshalb grundsätzlich analysiert werden", berichtet Feigl. Bei einigen Steinarten – vor allem jenen aus Harnsäure – kann und soll das Neubildungsrisiko durch dauerhafte Medikamenteneinnahme vermieden oder verringert werden. Zu deren genauer Steuerung ist gegebenenfalls eine umfangreiche Stoffwechseldiagnostik erforderlich.

Dr. Michael Feigl, Facharzt für Urologie

W&B/Privat

Unser Experte: Dr. Michael Feigl, Oberarzt an der Klinik für Urologie im Klinikum München-Bogenhausen

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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