Analvenenthrombose: Schmerzhafter Knoten

Schmerzende Knötchen am After müssen nicht immer Hämorriden sein. Wie eine Analthrombose aussieht und was hilft

von Dr. Katharina Kremser, www.apotheken-umschau.de, aktualisiert am 21.02.2013

Prominenter Leidensgenosse? Napoleon soll am Tag der Schlacht von Waterloo möglicherweise unter einer Analthrombose gelitten haben

Mauritius/United Archives

Autsch, was ist denn das? Ein schmerzhafter, kleiner blauer Knoten am Rand des Afters. "Vielleicht eine Hämorride?" denken viele sofort. Doch das muss nicht sein: Kommt der Knoten nicht aus dem Anus, sondern sitzt er außerhalb, ist es viel eher eine sogenannte Analvenenthrombose, fälschlicherweise auch gerne als "äußere Hämorride" bezeichnet. Das sogenannte Hämorridalgeflecht liegt im Analkanal und ist am Verschluss des Afters beteiligt. Wenn es vergrößert ist oder Beschwerden verursacht, spricht man von einem Hämorridalleiden. Im Gegensatz zu vorgefallenen Hämorriden sind Analthrombosen aber von Haut, nicht von Schleimhaut bedeckt.

Ursache der Analthrombose: Ein Blutgerinnsel

Bei der Analthrombose handelt es sich um ein Blutgerinnsel, das in den allermeisten Fällen eine Vene im Anus oder an dessen Rand verstopft. Analvenenthrombosen kommen typischerweise im mittleren Alter zwischen 25 und 55 vor; Männer scheinen etwas öfter betroffen als Frauen.


Hämorridalpolster: Das Gefäßgeflecht (blau) ist Teil des Verschlussmechanismus des Afters

W&B/Jörg Neisel

Auslöser: Von Schwangerschaft bis Alkohol

Die Auslöser für eine Analthrombose können ganz verschieden sein. Sie reichen vom Sitzen auf kalten Flächen und feuchtwarmem Wetter über eine Steigerung des Drucks im Bauchraum, zum Beispiel bei Schwangerschaft oder Geburt, Sport oder Husten und Pressen, bis hin zu übermäßigem Konsum von Alkohol, Kaffee und Gewürzen. Bei Frauen kommt auch die Monatsblutung infrage. Mechanische Reize wie proktologische Eingriffe oder Analsex, aber auch Durchfall können einer Analthrombose vorausgehen. Begünstigend scheinen vergrößerte Hämorridalpolster zu wirken.

Symptome: Ein bläulicher, oft schmerzhafter Knoten

Betroffene bemerken meist eine plötzlich auftretende schmerzhafte, prallelastische Vorwölbung am Afterrand. Auch Juckreiz, Stechen oder Brennen sind möglich, manche empfinden dagegen nur ein Spannungsgefühl. Bei der Kontrolle mit einem Spiegel oder beim Arzt zeigt sich ein bläulicher, von Haut bedeckter Knoten. Die Größe kann ganz unterschiedlich sein: Von stecknadelkopf- bis pflaumengroß. Nicht selten finden sich auch mehrere, manchmal unterschiedlich große Knoten.

Diagnose: Meist reicht anschauen und betasten

Der Arzt kann andere Erkrankungen wie ein Hämorridalleiden, einen Abszess oder einen bösartigen Tumor ausschließen. Die Analvenenthrombose wird in der Regel durch einfaches Betasten diagnostiziert.

Therapie: Die Beschwerden bestimmen die Behandlung

Das Gute an der Analvenenthrombose: Sie ist harmlos und verschwindet innerhalb einiger Tage, ab und zu auch Wochen von selbst. Manchmal kann es dazu kommen, dass die Haut über der Thrombose durch den Druck in Mitleidenschaft gezogen wird und sich ein Geschwür bildet. Mit einer Blutung kann sich der Thrombus dann auch selbst entleeren.

Macht die Thrombose dem Betroffenen kaum Beschwerden, ist gar keine Behandlung nötig. Bei leichteren Schmerzen und Druckgefühlen können Schmerzmittel in Tablettenform helfen, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Diclofenac. Auch örtlich betäubende Salben oder Kortisoncremes sind eine Möglichkeit. Bei starken Beschwerden kann der Arzt die Analvenenthrombose entweder als Ganzes chirurgisch entfernen oder den Knoten einschneiden und den Thrombus ausräumen. Die Operation ist in örtlicher Betäubung möglich. Operiert werden sollte allerdings möglichst rasch nach Symptombeginn, am besten in den ersten Tagen.


Unangenehmer Befund: Bild einer Analvenenthrombse

Dr. Mlitz

Schrieb die Analvenenthrombose Geschichte?

Eine kleine Anekdote zum Schluss: Wer unter einer Analthrombose leidet, befindet sich eventuell in berühmter Gesellschaft: Möglicherweise verlor Napoleon die Schlacht von Waterloo unter anderem deshalb, weil ihn eine Analvenenthrombose plagte. Aufgrund der Schmerzen und eventuell auch der verabreichten Medikamente war er wohl nicht gut in Form. Vielleicht waren die Ursache der Symptome aber auch Hämorriden oder eine Analfissur – so ganz einig und sicher sind sich die Experten nicht.


Unser Experte: Proktologe Dr. med. Horst Mlitz

W&B/Privat

Unser Experte:

Dr. med. Horst Mlitz, niedergelassener Proktologe in Saarbrücken


Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Quellen:

Classen, Michael & Diehl, Volker & Kochsiek, Kurt (Böhm, Michael, Hallek, Michael, Schmiegel, Wolff) (2009), Innere Medizin, 6. Auflage, München: Urban & Fischer Verlag

Hämorrhoiden - Ein systematischer Überblick, Prof. Dr. Volker Wienert, Dr. Horst Mlitz, Dr. Franz Raulf, 2. Auflage 2012  UNI- MED VERLAG AG, Bremen- London- Boston



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