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Blutarmut: Ursachen

Eine gestörte Bildung der roten Blutkörperchen oder des roten Blutfarbstoffes, Nierenerkrankungen sowie Blutungen oder der Zerfall von Erythrozyten – das alles können Ursachen einer Blutarmut sein


Hämoglobin besteht aus vier Eiweiß-Ketten. An das Molekül bindet der Sauerstoff

Bei normalen Werten für Hämoglobin und Erythrozyten liegt ein Gleichgewicht zwischen Blutbildung und Blutabbau/-verlust vor. Beim Vorliegen einer Anämie ist dieses Gleichgewicht gestört. Die Ursachen für eine Anämie können also sowohl in einer gestörten Blutbildung als auch in einem vermehrten Blutabbau liegen und sehr vielseitig sein.

  • Gestörte Blutbildung im Knochenmark: Mögliche Gründe sind Veränderungen der Stammzelle, aus der sich alle weiteren Blutzellen bilden, eine Verdrängung der gesunden Blutbildung durch Krankheiten des Knochenmarkes, ein Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure sowie Nierenerkrankungen, durch die zu wenig des Botenstoffes Erythropoetin vorliegt, der dem Knochenmark das Signal zur Produktion von Blutkörperchen gibt.

  • Verstärkter Abbau oder Verlust von Erythrozyten: Mögliche Ursachen sind akute und chronische Blutungen, eine Vergrößerung der Milz (dem üblichen Abbauort der roten Blutkörperchen), aber auch ein verstärkter Zerfall der Erythrozyten (Hämolyse).

Störungen der Blutbildung

Die roten Blutkörperchen leben nur rund vier Monate lang. Deshalb produziert der Körper im Knochenmark ständig neue Erythrozyten, die nach etwa sieben Tagen Entwicklungszeit ihre Arbeit im Blut antreten.

Dabei werden die roten Blutkörperchen sowie alle anderen Zellarten aus einer Ursprungzelle gebildet, die die Fähigkeit hat, je nach Bedarf zu den unterschiedlichen Zellarten zu reifen (pluripotente Stammzelle). Liegt eine Erkrankung dieser Stammzellen vor oder werden diese durch Krankheiten, die Raum im Knochemark fordern, verdrängt, können nicht ausreichend funktionstüchtige rote Blutkörperchen gebildet werden. Zusätzlich sind für die Entstehung und Reifung der Erythrozyten im Knochenmark bestimmte Nährstoffe notwendig. Zu den wichtigsten gehören Eisen, Folsäure und Vitamin B12.

Stammzellerkrankung und Knochenmarkinfiltration: Stammzellerkrankungen sind sehr seltene Ursachen einer Blutarmut. Zu diesen Erkrankungen zählen zum Beispiel die aplastische Anämie, das myelodysplastische Syndrom, die paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie und die kongenitale dysplastische Anämie. Auch die Verdrängung der Blutbildung durch im Knochenmark wachsende Tumore oder bei Leukämien oder Lymphomen ist im Vergleich zu den häufigen Anämieursachen sehr selten, zeigt aber, dass eine Abklärung der Ursache einer Blutarmut durch einen Arzt notwendig ist.

Folsäure- und Vitamin B12-Mangel: Folsäure ist vor allem in Hefe, Leber, grünem Blattgemüse, Brokkoli, Spargel, Karotten, Roten Beten, Nüssen oder Vollkorn enthalten. Der Tagesbedarf beträgt 100 bis 200 µg, ist jedoch während der Schwangerschaft, bei chronisch entzündlichen oder bösartigen Erkrankungen oder bei einer erhöhten Blutbildungsrate gesteigert. Folsäure wird im menschlichen Körper über den Dünndarm aufgenommen.

Vitamin B12 befindet sich vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch (insbesondere in Innereien wie Leber, Nieren, Herz), Fisch, Milch und Eiern sowie in Sauerkraut. Im Darm der Menschen sind Mikroorganismen angesiedelt, die dort Vitamin B12 produzieren. Der Tagesbedarf beträgt daher nur 1 µg, Vitamin B12 kann jedoch in der funktionsfähigen Form über den Dünndarm nur dann aufgenommen werden, wenn im Magen der sogenannte "intrinsic factor" gebildet wird. Bei unzureichender Bildung des "intrinsic factor" wird das Vitamin B12 verdaut und verliert dabei seine Funktion.

Folsäure und Vitamin B12 sind notwendig für die Bildung der Bausteine, die das Erbgut der Lebewesen kodieren (DNA). Fehlt einer der beiden Stoffe, werden weniger rote Blutkörperchen gebildet, da die DNA-Herstellung gestört ist. Die gebildeten roten Blutköperchen sind wegen dieser Störung größer als üblich.

Eisenmangel: Eisen befindet sich vor allem in Fleisch, Milch, Eiern aber auch in verschiedenen Früchten. Die Aufnahme von Eisen in den menschlichen Körper ist erleichtert, wenn gleichzeitig Vitamin C in ausreichender Menge vorliegt.

Eisen ist für die Blutbildung unabdingbar. Das Spurenelement ist ein wesentlicher Bestandteil von Hämoglobin, dem Molekül in den roten Blutkörperchen, das den Sauerstoff bindet. Ist nicht genügend Eisen vorhanden, gibt es zwar eine ausreichende Zahl an Erythrozyten. Sie enthalten dann aber so wenig Hämoglobin, dass sie nur begrenzt Sauerstoff transportieren können und kleiner sind als üblich. Der tägliche Eisenbedarf liegt für Männer bei 1 mg pro Tag, für Frauen und Jugendliche bei 2 bis 3 mg pro Tag und bei Schwangeren bei 3 bis 4 mg pro Tag.

Eisenmangel ist mit Abstand die häufigste Ursache für Blutarmut. Etwa 80 Prozent aller Anämien sind auf Eisenmangel zurückzuführen. Häufig nehmen die Betroffenen einfach nicht genügend von dem Mineral über die Nahrung zu sich. Insbesondere in Phasen mit erhöhtem Eisenbedarf (Schwangerschaft, Stillperiode und bei Kindern im Wachstum), ist daher auf eine ausreichende Zufuhr zu achten. Besonders gefährdet sind Vegetarier und Patienten mit Ernährungsstörungen.

Chronische Blutungen können ebenfalls ein Grund für den Eisenmangel sein, denn während Eisen mit dem Blut verloren geht, wird zugleich zur Bildung neuer Erythrozyten viel von dem Mineral benötigt. Die weltweit häufigste Ursache der Eisenmangelanämie ist der Befall mit Parasiten, besonders mit dem Hakenwurm, der aus der Darmwand seines Wirtes Blut saugt.  Dieser ist zwar in Deutschland nicht heimisch, allerdings ist eine Infektion bei Reisen möglich, sodass der Arzt bei der Abklärung einer Anämie über Fernreisen informiert werden sollte. Deutlich seltener ist ein Eisenmangel durch eine verminderte Aufnahme des Spurenelements im Darm bei verschiedenen Darmkrankheiten.

Renale (nierenbedingte) Anämie: Eine kranke Niere kommt ebenfalls als Ursache für Blutarmut in Frage: Einerseits kann Blut über den Harn verloren gehen. Andererseits messen gesunde Nieren den Sauerstoffpartialdruck des Blutes. Falls er zu niedrig ist, wird der Botenstoff Erythropoetin vermehrt ausgeschüttet. Dieser gelangt über den Blutstrom ins Knochenmark und regt dort die Bildung der Erythrozyten an.

Schwere Nierenschäden können dazu führen, dass die Filterorgane nicht mehr ausreichend Erythropoetin herstellen können. Die Folge ist eine verminderte Blutbildung im Knochenmark und damit eine Anämie.

Andere Ursachen für Blutbildungsstörungen: Die Entstehung und Reifung der roten Blutkörperchen im Knochenmark kann aber auch aus anderen Gründen behindert oder vermindert sein. So können zum Beispiel bestimmte Erbkrankheiten beziehungsweise genetische Veränderungen dazu führen, dass die Bildung der Blutzellen gestört ist.



Kein Problem: Ein so geringer Blutverlust führt noch nicht zur Anämie

Verkürzte Überlebenszeit oder Verlust der Erythrozyten

Mögliche Ursachen für einen verstärkten Abbau oder Verlust von Erythrozyten sind akute und chronische Blutungen, eine Vergrößerung der Milz (dem üblichen Abbauort der roten Blutkörperchen), aber auch ein verstärkter Zerfall der Erythrozyten (Hämolyse).


Blutungen: Wenn wir bluten, geht dem Körper Blut einschließlich seiner Bestandteile wie Erythrozyten, Hämoglobin und Eisen verloren. Bei einem Stich am Dorn einer Rose oder einer Schürfwunde ist das nicht weiter schlimm, weil es sich um kleine Mengen handelt. Der Körper kann dies kompensieren, indem er kurzfristig mehr Flüssigkeit in das Gefäßsystem aufnimmt, Eisen aus seinen Speichervorräten freisetzt und die Produktion neuer Erythrozyten anregt.

Anders sieht es bei längeren und/oder stärkeren Blutungen aus, etwa infolge von Operationen oder schweren Unfällen. Auch bei unauffälligeren, aber lange andauernden Blutungen – etwa aus einem Magengeschwür oder bei Frauen durch außergewöhnlich starke Regelblutungen – können so große Blutmengen verloren gehen, dass der Körper die Verluste nicht mehr ausgleichen kann und eine Anämie entsteht.

Splenomegalie: Die Milz filtert abgestorbene und defekte oder verformte Erythrozyten aus dem Blut heraus und baut diese ab. So sorgt sie dafür, dass nur gesunde, funktionsfähige rote Blutkörperchen im Kreislauf verweilen. Eine Vergrößerung der Milz oder in ihrer Form veränderte Erythrozyten können dazu führen, dass auf diesem Weg zu viele Blutzellen entfernt werden und es zu einer Anämie kommt.

Hämolyse (Zerfall von Erythrozyten): Bestimmte Defekte der Erythrozyten (zum Beispiel Sphärozytose, Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel) oder Störungen bei der Bildung des roten Blutfarbstoffes (zum Beispiel Thalassämie, Sichelzellanämie) können zur Folge haben, dass sich die Überlebenszeit der roten Blutkörperchen verkürzt und sie früher absterben beziehungsweise zerplatzen (hämolysieren).

Desweiteren kann es im Rahmen der sogenannten autoimmunhämolytischen Anämie durch die Bildung von Antikörpern (Wärmeautoantikörper, Kälteautoantikörper), die gegen die eigenen roten Blutkörperchen gerichtet sind und diese zerstören, zum Zerfall der roten Blutkörperchen kommen.

Außerdem kann ein gesteigerter Blutzerfall bei einer Erythrozytenschädigung auf mechanischem (zum Beispiel durch eine künstliche Herzklappe), thermischen (Verbrennung), chemischen Weg (Schlangengifte) oder basierend auf Veränderungen an den kleinsten Gefäßen (hämolytisch-urämisches Syndrom, thrombotisch-thrombozytopenische Purpura), verschiedenen Infektionen (zum Beispiel Malaria) sowie durch Medikamente entstehen.

Andere Ursachen für Blutarmut

Die Anämie bei chronischen Erkrankungen (Entzündungen, Infektionen, Tumoren) ist nach der Eisenmangelanämie die zweithäufigste Anämie. Da hier zumeist mehrere Ursachen gleichzeitig vorliegen, ist eine eindeutige Zuordnung zu Bildungs- oder Abbaustörung nicht möglich. Gehäuft wird diese Form der Blutarmut bei länger anhaltenden Entzündungen, bei Tumoren, bestimmten Stoffwechselkrankheiten oder Infektionen (zum Beispiel Tuberkulose) gesehen. Auch verschiedene Medikamente – wie zum Beispiel Chemotherapeutika – können sowohl eine Bildungsstörung als auch einen verstärkten Abbau der Erythrozyten verursachen.




Bildnachweis: Mauritius/ Phototake, Digital Vision/RYF
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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 27.05.2014, erstellt am 13.09.2005
Bildnachweis: Mauritius/ Phototake, Digital Vision/RYF

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