Sauna: Schwitzen für die Gesundheit

Regelmäßige Saunabesuche beleben den Kreislauf und sollen das Immunsystem stärken. Was Sie dabei beachten sollten

von Dr. Christian Guht, aktualisiert am 11.12.2014

Rustikale Atmosphäre: In dieser Sauna, fotografiert in Kanada, lässt es sich schwitzen und entspannen

Strandperle/Steve Ogle/All Canada Photos

Die Sauna ist vermutlich der Exportschlager aus Finnland schlechthin. Mehr als 25 Millionen Deutsche sollen sich mehr oder weniger regelmäßig in die 80 bis 100 Grad heiße Schwitzhütte setzen. Das sind immerhin fünfmal mehr als es Finnen gibt. Gründe dafür gibt es reichlich, nicht nur in frostigen Wintermonaten: Die Hitze bringt den Kreislauf auf Trab, fördert die Hautdurchblutung und regt Immunzellen an. Vor allem aber entspannt der Wechselreiz Körper und Seele und macht am Abend angenehm müde. Menschen mit bestimmten Erkrankungen allerdings sollten beim Saunagang Vorsicht walten lassen.

Wie wirkt Sauna?

Die extremen Temperaturreize fordern die Wärmeregulation des Körpers. Zwar steigt die Körpertemperatur trotz der starken äußeren Hitze nur leicht an, nämlich um ein bis zwei Grad Celsius. Für die Temperaturkonstanz muss der Körper aber alles aufbieten, um Wärme abzugeben: Das Herz pumpt Blut in die geweiteten Gefäße der Körperperipherie. Die Haut fängt an zu schwitzen, um Verdunstungskühle zu erzeugen.


Wichtig nach der Sauna: Der Kältereiz

Strandperle/Sonderegger Christof/Prisma

Der nachfolgende kalte Guss dreht die Reaktion um: Die Gefäße ziehen sich zusammen. Das Blut fließt wieder verstärkt ins Körperinnere, um dort die Wärme zu halten. Auf diese Weise wird der Kreislauf trainiert. Die leichte und begrenzte Stressreaktion löst – ähnlich wie beim Ausdauersport – eine milde Euphorie aus. Die Haut profitiert von der kräftigen Durchblutung. Sie erhält reichlich Sauerstoff und Nährstoffe, die Poren öffnen sich. Auch die Schleimhäute der Atemwege erhalten vermehrt Blut. Außerdem werden bestimmte Abwehrstoffe und Immunzellen mobilisiert.

Wie macht man es richtig?

Die Sauna sollte man trocken betreten. So kann die Haut besser schwitzen. Zwei Gänge à zehn Minuten reichen üblicherweise aus. Nach jedem Gang erfolgt eine Abkühlung, zum Beispiel eine kalte Dusche oder ein kurzer Aufenthalt im Freien. Danach sollte man zirka zehn Minuten ruhen und etwas trinken. Immerhin verliert der Körper pro Saunagang etwa einen halben Liter Flüssigkeit. Nicht mit vollem Magen in die Sauna gehen. Das belastet den Kreislauf zusätzlich. In öffentlichen Saunen sollte man unbedingt die Hygienevorschriften berücksichtigen: Die Sauna sauber betreten, ein großes Handtuch zum Unterlegen und Badeschuhe mitbringen.

Wie gesund ist Saunieren?

Kreislauf- und Immunstimulation sollen positive Effekte auf Gesundheit und Fitness haben, wie etwa niedrigere Infektanfälligkeit und Blutdrucknormalisierung. Die allgemein entspannende Wirkung gilt in diesem Sinne ebenfalls als gesundheitsfördernd. "Saunagänger haben weniger Erkältungen und Arbeitsausfall, wie mittlerweile einige Studien gezeigt haben", sagt Professorin Angela Schuh, Leiterin der Arbeitsgruppe Medizinische Klimatologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Erkenntnisse beziehen sich allerdings auf die finnische Sauna. Zu anderen Formen gebe es keine entsprechenden Daten, so Schuh.

Wann kann die Sauna schaden?

Wer chronisch krank ist, fragt vorsichtshalber seinen Arzt, ob er in die Sauna darf. Das gilt besonders für Menschen mit einer Gefäßerkrankung oder mit Bluthochdruck. Für sie kann die Kreislaufbelastung durch die Hitze zu stark werden. Betroffene können – in Rücksprache mit dem Arzt – gegebenenfalls eine Sauna mit niedrigerer Temperatur wählen. Gefährlich für Gefäßpatienten ist aber vor allem das kalte Tauchbecken, denn durch den Kältereiz steigt der Blutdruck stark an. Mit einem Infekt oder einer akuten Entzündung sollte man die Sauna ebenfalls meiden.

Vorsicht auch bei niedrigem Blutdruck: Unter der Hitze kann das Blut in den geweiteten Gefäßen "versacken", was zum Kollaps führt. Das kann auch bei Schwangeren passieren, deren Kreislauf manchmal instabil ist. Schwangere sollten generell nur saunieren, wenn sie es gewohnt sind und wenn die Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft. Im Zweifel den Frauenarzt um Rat fragen! In der Frühschwangerschaft kann eine Überwärmung des Embryos – etwa bei Fieber – zur Fehlgeburt führen. Unklar ist, ob dazu der kurze und leichte Temperaturanstieg während eines Saunagangs tatsächlich ausreicht. "Dazu gibt es keine Untersuchungen", sagt Angela Schuh, "vorsichtshalber sollten Schwangere lieber bei niedrigerer Temperatur schwitzen."



Bildnachweis: Strandperle/Steve Ogle/All Canada Photos, Strandperle/Sonderegger Christof/Prisma

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