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Alternative Medizin: Natürlich heilen

Ob Naturheilkunde, Akupunktur oder Homöopathie: Die alternative Medizin kann die Schulmedizin sinnvoll ergänzen. Wir stellen verschiedene Therapien vor – von Kneipp bis traditionelle chinesische Medizin


Gegen viele Leiden ist ein Kraut gewachsen

Die Errungenschaften der Schulmedizin will kaum ein Patient mehr missen. Doch gerade bei leichteren Erkrankungen oder bei chronischen Krankheiten vertrauen viele Menschen – oft zusätzlich – auf alternative Methoden. Diese können die klassische Medizin ergänzen, manchmal sogar ersetzen, sofern aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht.

Alternativmedizin – eine sinnvolle Ergänzung

Die Alternative Medizin wird auch Komplementärmedizin genannt (komplementär = lateinisch für Ergänzung). Diese Bezeichnung ist treffender, weil die Verfahren in vielen Fällen keine reine Alternative, jedoch eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin sind oder in klassische Therapien integriert werden können. In diesem Fall kann man auch von integrativer Medizin sprechen.


Deutschland gehört zu den Ländern, in denen die Komplementärmedizin eine lange Tradition hat und sehr häufig angewendet wird. Rund 60 Prozent der Bevölkerung nutzen neben der Schulmedizin komplementärmedizinische Methoden, so Claudia Witt, Ärztin und Professorin für Komplementärmedizin an der Charité Berlin. Die Expertin sagt: „Eine sinnvolle Behandlung setzt eine gute schulmedizinische Diagnostik voraus. Für die Behandlung können Schulmedizin und Komplementärmedizin kombiniert werden, sofern deren Wirksamkeit belegt ist.“

Ein Beispiel aus der Pflanzenheilkunde: Für Johanniskraut ist die Wirksamkeit bei leichten bis mittelschweren Depressionen nachgewiesen. Ein Beispiel für Akupunktur: Die Therapie-Erfolge bei Kniegelenk-Arthrose mit Akupunktur sind inzwischen durch Studien bestätigt. Auch Rückenschmerzen werden seit einigen Jahren verstärkt mit Akupunktur behandelt, teilweise mit besseren Ergebnissen als bei einer klassischen Behandlung. Wie erste Studien belegen, kann auch Yoga bei Rückenschmerzen eine deutliche Linderung verschaffen.

Nachgewiesene Wirksamkeit

Um den Nutzen und die Sicherheit einer Therapiemethode einschätzen zu können, sind Studien notwendig. Noch ist die Wirksamkeit vieler alternativer Therapien nicht hinreichend erforscht – was nicht unbedingt bedeutet, dass sie nicht wirksam sind. Um ihren Nutzen und die bedenkenlose Anwendung nachweisen zu können, gibt es unterschiedliche Studienformen.

Zum Beispiel ermöglichen Vergleichsstudien – etwa zwischen der chinesischen Medizin und der Schulmedizin – einen Vergleich der Wirksamkeit beider Therapien. Hierfür werden Patienten mit denselben Beschwerden (wie Kniegelenk-Arthrose oder Rückenschmerzen) in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe wird mit Methoden der chinesischen Medizin behandelt, die andere, die Kontrollgruppe, schulmedizinisch therapiert. Allerdings kann man nicht ganz ausschließen, dass Patienten mit bestimmten Eigenschaften in einer von beiden Gruppen häufiger vorkommen. So könnte es etwa sein, dass die Patienten in der Gruppe der chinesischen Medizin ein allgemein besseres Gesundheitsverhalten haben. Das würde das Therapieergebnis beeinflussen. Dieser Effekt wird vermieden, wenn die Patienten nach dem Zufallsprinzip in Gruppen eingeteilt werden. Diese Studien nennt man randomisiert. Sie können am sichersten einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Therapie und dem Behandlungsergebnis herstellen.

Die richtige Adresse: Arzt oder Heilpraktiker?

Wie finde ich den richtigen Therapeuten für alternative Heilmethoden? Grundsätzlich unterscheidet man zwischen den zwei Berufsständen – Arzt und Heilpraktiker –, die komplementäre Therapien nutzen. Ärzte haben Medizin studiert und ihr Wissen in einer Vielzahl von Prüfungen und Staatsexamen nachgewiesen. Heilpraktiker darf sich nennen, wer eine entsprechende Prüfung abgelegt hat, bei der unter anderem die Grundlagen der Schulmedizin wie beispielsweise Anatomie und Infektionslehre geprüft werden. „Bei Heilpraktikern ist jedoch nicht so genau geregelt, wie umfangreich die Ausbildung in einer Therapie sein muss, damit der Heilpraktiker diese Therapie ausüben darf“, sagt Witt.

Die Bestimmungen für Ärzte sind konkreter: Für die drei am weitesten verbreiteten Bereiche Naturheilverfahren, Akupunktur und Homöopathie bieten die Ärztekammern Weiterbildungen an. Nur Ärzte, die sich etwa 200 Stunden weitergebildet und eine Facharztausbildung haben, dürfen die Zusatzbezeichnungen führen.

Claudia Witt warnt vor Heilsversprechen: „Anbieter, die Patienten mit schweren und schulmedizinisch nicht heilbaren Erkrankungen trotzdem eine Heilung versprechen, halte ich für unseriös.“ Bei aller verständlicher Verzweiflung der Betroffenen: Suchen Sie sich lieber einen Arzt oder Heilpraktiker, der sie ehrlich über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Therapie informiert. Grundsätzlich gilt: Auch bei komplementärmedizinischen Methoden ist die Rücksprache mit einem Arzt sinnvoll. Denn auch pflanzliche Arzneien oder traditionelle Anwendungen können Nebenwirkungen haben oder in Wechselwirkung mit anderen Medikamenten treten.

Die häufigsten Methoden

Klassische Naturheilverfahren verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz. Die Behandlung kann vielseitig sein und beinhaltet neben der Pflanzenheilkunde Elemente der Ernährungstherapie, Bewegungstherapie, Hydrotherapie (Anwendung von kaltem und warmem Wasser, zum Beispiel nach Kneipp) und Ordnungstherapie.

Die Akupunktur ist eine Behandlungsmethode, die vor mehr als 2000 Jahren in China entwickelt wurde. Sie ist ein fester Bestandteil der sogenannten „Chinesischen Medizin“, zu der neben der Akupunktur die Moxibustion (Erwärmung spezieller Punkte), die Ernährungstherapie, die Massage (Tuina), die Heilgymnastik (Tai-Chi und Qigong) und die Verwendung von Arzneien pflanzlicher, tierischer und mineralischer Herkunft gehören.

Bei der klassischen Homöopathie lässt sich der Behandler die Krankengeschichte des Patienten erklären, er analysiert die Symptome und gibt in der Regel ein homöopathisches Arzneimittel.




Bildnachweis: W&B/Jan Greune

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Simone Herzner / www.apotheken-umschau.de; 19.09.2005, aktualisiert am 22.06.2011
Bildnachweis: W&B/Jan Greune

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