Viele ältere und chronisch kranke Menschen leben im Osten der Ukraine, in Städten wie Donezk und Luhansk. Und schon vor der militärischen Eskalation war es eine Herausforderung für die Menschen an lebenswichtige Medikamente zu kommen. Zum einen, weil sich die Betroffenen die Medikamente nicht leisten konnten. Zum anderen weil es nicht genügend Apotheken in erreichbarer Nähe gibt. „Für die in der Region verbliebenen Menschen besteht also nicht nur direkt durch den Krieg Gefahr für Leib und Leben, sondern auch indirekt durch die Versorgungsengpässe“, sagt Stephanie Kirchner von der Organisation Ärzte der Welt.

Zerstörte Kliniken und erschwerter Patiententransport

Laut Stefanie Kirchner seien rund die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen im Osten der Ukraine schon jetzt als Folge des Krieges beschädigt oder nicht voll betriebsfähig.

Wegen des massiven Fachkräftemangels sei das verbliebene Gesundheitspersonal stark überlastet. „Die Coronapandemie hat die Lage zusätzlich verschlechtert“, sagt Stephanie Kirchner. „Die Krankenhäuser sind ungenügend ausgestattet, unter anderem fehlen Sauerstoffgeräte.

Ein weiteres Problem sind nicht funktionierende Schutzkorridore, weil Feuerpausen nicht eingehalten werden. Diese sind zum Beispiel auch für den Patiententransport notwendig. Wir warten weiter auf grüne Korridore", sagte ein Anästhesist aus Kiew in einem Interview gegenüber der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Die Ärzte halten in den Kliniken bereits Betten frei, damit sie mehr Patienten aufnehmen können. Bereits jetzt versorge man Verletzte, aber nicht aus den umkämpften Gebieten.

In einzelnen Fällen könne man Patientinnen und Patienten vor Ort stabilisieren und in Kliniken innerhalb Kiews verlegen. Ein Transport in den Westen der Ukraine, in dem es aktuell noch sicherer ist, sei undenkbar.

Schwierige Bedingungen der Intensivmedizin in der Ukraine

In einer eindringlichen Botschaft haben sich auch ukrainische Anästhesistinnen und Anästhesisten an ihre Kolleginnen und Kollegen weltweit gewandt. Professor Oley Loskutov von der medizinischen Fachgesellschaft der Anästhesisten in der Ukraine schreibt in einer E-Mail: "Zivilisten, Kinder und Ältere sterben."

Die Bedingungen für Intensivmediziner und Anästhesisten in der Ukraine sind teilweise katastrophal“, sagt Frank Wappler, DGAI-Präsident. Die Vielzahl an Verletzten und Schwerverletzten benötigt enorme Ressourcen. Zudem ist ein geordnetes Arbeiten in vielen Bereichen des Landes nur noch unter extrem schwierigen Bedingungen überhaupt möglich. Die Versorgung der Patienten ist teilweise nur unter Einsatz des eigenen Lebens möglich. Es besteht ein hoher Bedarf an Unterstützung, Material und Personal. So ist die Versorgung mit Bluttransfusionen unter den aktuellen Bedingungen schwierig. Auch der Bedarf an Medikamenten, gerade auch an Schmerzmitteln und Narkosemitteln, ist äußerst hoch.

Deshalb hat die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin Spendengelder freigesetzt. "Diese haben wir dafür verwendet, Materialien wie OP-Hauben, Gesichtsmasken und Schutzkleidung zu besorgen und auf den Weg in die Ukraine zu bringen“, sagt Frank Wappler.

Dasselbe tun auch die Organisationen Ärzte der Welt und Ärzte ohne Grenzen.

Bürokratische Erleichterungen

Die Bundesregierung ermöglicht den Hilfsorganisationen durch eine Allgemeinverfügung unbürokratische Lieferungen von Arzneimitteln. Das heißt: Hilfsorganisationen können Arzneimittel – darunter auch Betäubungsmittel – ohne Ausfuhrgenehmigung in die Ukraine bringen. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Hilfsorganisation in Deutschland anerkannt beziehungsweise registriert ist.

Warum Privatpersonen jedoch keine Medikamente spenden sollten, lesen Sie hier:

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Was deutsche Ärzte und Ärztinnen tun können:

Ärztinnen und Ärzte aus Deutschland können sich bei einer neuen offiziellen Internetseite für einen Hilfseinsatz in der Ukraine oder den Nachbarstaaten anmelden. Die Seite der Bundesärztekammer richtet sich an Ärzte, die die medizinische Infrastruktur in der Ukraine unterstützen oder geflüchtete Menschen in den Nachbarländern medizinisch versorgen möchten.

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