Viele Pflegebedürftige benötigen eine dauerhafte Betreuung und werden von nahen Angehörigen liebevoll umsorgt. Manchmal aber gibt es Phasen, in denen die Pflege in den eigenen vier Wänden einfach nicht möglich ist - vielleicht weil der Pflegende selbst krank wird oder dringend einmal Urlaub machen muss. Dann ist ein vorübergehender stationärer Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung hilfreich.

Manche Heime halten spezielle Kurzzeitplätze bereit, vereinzelt gibt es auch Einrichtungen, die sich ausschließlich auf Kurzzeitpflege spezialisiert haben.

Finanzielle Unterstützungen klug kombinieren

Bei der Finanzierung hilft die Pflegekasse. Jeder Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad zwischen 2 und 5 hat Anspruch auf 1612 Euro pro Jahr, die er für entsprechende Leistungen ausgeben kann - verteilt auf bis zu acht Wochen. Das reguläre Pflegegeld wird während dieser Zeit zur Hälfte weiterbezahlt.

Auch wenn das nach viel Geld klingt: "Diese Leistungen reichen allenfalls für etwa zwei Wochen", sagt Gudula Wolf, Pflegeberaterin bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Berlin. Ein Tipp: Kombiniert mit Verhinderungspflege, lässt sich der Betrag unter Umständen verdoppeln.

Geld für Auszeiten: Finanzielle Unterstützung geschickt kombinieren

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Geld für Auszeiten

Ersatzpflege beantragen Wird der Pflegebedürftige eine Zeit lang von anderen Personen als sonst zuhause betreut, kann er Leistungen für Verhinderungs- oder Ersatzpflege beantragen. Dafür zahlt die Pflegekasse bis zu 1612 Euro pro Jahr für maximal sechs Wochen. Der Antragsteller erhält weiterhin die Hälfte des regulären Pflegegeldes.

Umschichten Wer die Leistungen für Kurzzeitpflege noch nicht ausgeschöpft hat, kann 50 Prozent davon zusätzlich für Verhinderungspflege in Anspruch nehmen. Damit stehen für diese insgesamt bis zu 2418 Euro im Jahr bereit.

Noch mal umschichten Wird umgekehrt das Geld für die Verhinderungspflege nicht abgerufen, stocken Pflegekassen die Gelder für eine Kurzzeitpflege auf - pro Jahr und Patient auf bis zu 3224 Euro.

Was vielen nicht bewusst ist: Diese Leistungen können nur für reine Pflegeaufwendungen angerechnet werden. Für Unterkunft, Verpflegung und sogenannte Investitionskosten, die die meisten Einrichtungen zusätzlich berechnen, muss der Patient selbst aufkommen. Viele können sich das kaum leisten.

Hier kommt der sogenannte Entlastungsbetrag ins Spiel, auf den jeder Pflegebedürftige Anspruch hat - unabhängig von seinem Pflegegrad. Ihm stehen monatlich 125 Euro zu, die er auch für die zusätzlichen Kosten einer Kurzzeitpflege verwenden darf. Der Entlastungsbetrag kann angespart werden - die gesammelte Summe muss lediglich bis spätestens Ende Juni des Folgejahres abgerufen werden. Dann verfallen die Ansprüche.

Leistungen müssen beantragt werden

Das Geld wird allerdings nicht ausbezahlt. Stattdessen wird die Rechnung der Pflegeeinrichtung im Rahmen des Antrags an die Pflegekasse geschickt und dort beglichen. Wer vermeiden will, dass er in Vorleistung treten muss, kann der Einrichtung vorab eine Abtretungserklärung unterzeichnen. Dann rechnet diese direkt mit der Kasse ab.

In guten Händen: Plätze in der Kurzzeitpflege sind begehrt

In guten Händen: Plätze in der Kurzzeitpflege sind begehrt

Leistungen für die Kurzzeitpflege müssen noch vor der Inanspruchnahme bei der zuständigen Pflegekasse beantragt werden - parallel zur Suche nach einer geeigneten Einrichtung. "Das sollte möglichst frühzeitig geschehen, weil Kurzzeitpflegeplätze rar sind", rät AWO-Expertin Wolf.

Eugen Byrsch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, bestätigt das: "Nicht einmal jedes zehnte Pflegeheim bietet überhaupt noch Kurzzeitpflege an." Für die meisten Anbieter sei es schlichtweg nicht lukrativ, solche Plätze vorzuhalten. Der Experte fordert deshalb einen Rechtsanspruch auf einen Kurzzeitpflegeplatz.

Vorsicht bei Reservierungsgebühren

Die Suche nach einem Platz erleichtern Listen der Pflegekassen, aber auch die bundesweiten Pflegestützpunkte oder Online-Angebote von Kassenverbänden. Ist ein freier Platz gefunden, helfen die Mitarbeiter der Einrichtung beim weiteren Ablauf der Beantragung.

Vorsicht: Manche Pflegeheime erheben ein Vorhaltegeld, also eine Art Reservierungsgebühr, die aber nicht immer mit der Endabrechnung vergütet wird. "Nach meinem Empfinden ist das eine unlautere Praxis, weil aufgrund des Mangels an Plätzen aus der Not der Patienten noch Geld gemacht wird", kritisiert Gudula Wolf.

Zur Antragstellung bei der Pflegekasse ist in aller Regel ein Formular erforderlich, das telefonisch oder im Internet angefordert werden kann. Ob der Antrag erfolgreich bearbeitet wurde, erfährt der Patient nicht immer. Oft führt die Kasse die weitere Korrespondenz direkt mit der Einrichtung. Wer nach zwei Wochen keine Rückmeldung erhalten hat, sollte bei der Kasse nachfragen, empfiehlt AWO-Expertin Wolf.

Unterstützung vom Sozialdienst

Übrigens können auch Patienten, die sich beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt vorübergehend nicht selbst versorgen können, Leistunegn für eine Kurzzeitpflege beantragen. Dann ist allerdings nicht die Pflege-, sondern die Krankenkasse zuständig.

Üblicherweise kümmert sich in diesen Fällen der Sozialdienst des Krankenhauses im Rahmen des Entlassungsmanagements um die Abwicklung. Er unterstützt den Patienten oder dessen Angehörige unter anderem bei der Suche nach der passenden Einrichtung.