Wohl die allermeisten Menschen stürzen sich bei heißen Temperaturen gerne ins Wasser. Bei bestimmten Bedingungen besteht in manchen Badegewässern allerdings das Risiko, sich eine  Infektion einzufangen, vor allem bei Menschen, die bereits ein geschwächtes Immunsystem oder offene Wunden haben. Deshalb kann es ratsam sein, sich vorab im Internet oder vor Ort nach der Wasserqualität zu erkundigen. Hier eine Beschreibung von zwei Bakterienarten und einem Parasiten, die Badenden schaden können:

1. Vibrionen

Was sind Vibrionen?

Vibrionen sind stäbchenförmige Bakterien. Auch der Erreger der Cholera zählt dazu. In Deutschland kommen in den Gewässern aber nur sogenannte Nicht-Cholera-Vibrionen vor.  Besonders Vibrio vulnificus ist eine für den Menschen potenziell gefährliche Art, denn sie kann in seltenen Fällen schwere Infektionen auslösen.  

Wie verbreitet sind Vibrionen?  

Vibrionen kommen in Deutschland in leicht salzhaltigen Binnengewässern und im Meerwasser vor. Bei Temperaturen von mehr als 20 Grad vermehren sie sich sprunghaft – und können so zu einem Gesundheitsrisiko werden. "Vibrionen-Infektionen treten in Deutschland vornehmlich in der Ost-  und weniger in der Nordsee auf", sagt der Biologe Matthias Labrenz vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde.  Das liegt wohl am niedrigeren Salzgehalt. Die Zahl der bekannt gewordenen Infektionen mit Vibrionen sei an der deutschen Ostseeküste dennoch bisher sehr gering und liege meist im einstelligen Bereich pro Badesasion. Mit dem Klimawandel könnte sich das Problem aufgrund höherer Temperaturen jedoch verschärfen.

Welche Menschen sind besonders gefährdet?

"Die Vibrionen selbst sind nicht wählerisch dabei, wen sie befallen und dringen über kleinste Wunden in die Haut ein", sagt Matthias Labrenz. Ein aufgekratzter Mückenstich beim Waten im Meerwasser kann also reichen. Von einer Infektion betroffen sind aber vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa ältere Menschen, Personen mit Diabetes, Krebs  oder anderen schweren chronischen Vorerkrankungen.

Neben Wundinfektionen können Vibrionen auch zu Magen-Darm-Infektionen führen: Das lässt sich man vermeiden, indem man Meerestiere und Fisch nicht roh oder unzureichend gegart isst.

Was können Vibrionen für Beschwerden verursachen?

Bei Kontakt von Hautverletzungen mit Meer- oder Brackwasser mit Vibrionen können Wundinfektionen entstehen. Schlimmstenfalls führen Sie zu tiefgreifenden Haut- und Gewebszerstörungen und einer Blutvergiftung (Sepsis). Letztere kann schnell lebensgefährlich werden. Wichtig ist daher, bei einer Wundinfektion einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen und sie unverzüglich behandeln zu lassen. Vibrionen können auch Ohrinfektionen oder im Rahmen einer Magen-Darm-Infektion Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen hervorrufen.

Wie wird eine Infektion mit Vibrionen behandelt?

"Eine Infektion mit Vibrionen kann man mit Antibiotika behandeln", sagt Matthias Labrenz. Die große Herausforderung ist, an eine mögliche Vibrionen-Infektion zu denken und sie sofort zu erkennen. Denn auf Grund der Seltenheit kommen Ärzte bislang nicht so häufig in Kontakt mit derartigen Fällen. Daher sollten insbesondere Risikopersonen mit infizierten Wunden dem Arzt oder der Ärztin unbedingt sagen, wenn sie in den Tagen zuvor Salzwasserkontakt hatten.

Gibt es Tipps, wie man einem Befall vorbeugen kann?

Hat man ein geschwächtes Immunsystem und eine offene Wunde, sollte man bei länger anhaltenden Wassertemperaturen von über 20 Grad nicht dort baden, wo es Brackwasser gibt oder Meerwasser mit niedrigem Salzgehalt.

2. Blaualgen

Was sind Blaualgen?

Sogenannte Blaualgen sind eigentlich Bakterien (Cyanobakterien), die sich bei warmer und sonniger Witterung besonders in flachen großen Seen massenhaft vermehren und große Teppiche bilden können. Sie können Giftstoffe (Toxine) produzieren, die sich im Wasser lösen können.

Wie verbreitet sind Blaualgen?

Blaualgen kommen sowohl in der Ostsee als auch in Binnenseen vor. "Grundsätzlich sind sie bei uns nicht so verbreitet, weil sie warmes Wasser mögen", sagt der Internist Tomas Jelinek vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin. "Bei Hitzeperioden allerdings vermehren sie sich, zum Teil sogar explosionsartig.“

Was können Blaualgen für Beschwerden verursachen?

Beim Kontakt mit Blaualgen oder nach dem Verschlucken von mit Toxinen verunreinigtem Wasser  können Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen und Ohrenschmerzen auftreten. Zudem kann es zu Durchfall, Fieber, Atemwegserkrankungen und unterschiedlich stark ausgeprägten allergischen Reaktionen kommen. Werden sehr große Mengen Wassers verschluckt, zum Beispiel bei einem Badeunfall, kann es zur Lähmung von Teilen der Lungenmuskulatur kommen und eine Erstickung drohen.

Welche Menschen sind besonders gefährdet?

„Kinder sind stärker von Vergiftungen betroffen, weil sie weniger Körpervolumen haben, um die Toxine zu kompensieren“, sagt Tomas Jelinek. Stärker gefährdet sind zudem Menschen mit schweren Vorerkrankungen und schlechtem Allgemeinzustand. „Je gesünder man ist, desto weniger Probleme wird man mit einer Blaualgenvergiftung haben.“

Wie kann man eine Vergiftung mit Blaualgen behandeln?

Vergiftungen sind beim Menschen äußerst selten. Es gibt aber verschiedene Ansätze die Giftaufnahme möglichst zu reduzieren und die Symptome zu mildern. Laut dem Landesamt für soziale Dienste Schleswig-Holstein kann in der frühen Behandlung zum Beispiel Medizinalkohle zum Einsatz kommen. Sie bindet Giftstoffe im Magen- und Darmtrakt, womit sich Vergiftungssymptome verhindern lassen.  Beim Verdacht auf eine Vergiftung durch Blaualgen daher unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

Gibt es Tipps, wie man einen Befall vorbeugen kann?

„Ein stehendes Gewässer ist heikler als ein fließendes“, sagt Thomas Jelinek. „Weil sich Blaualgen in stehendem Wasser besser vermehren können.“ Außerdem sollte man Badestellen mit auftreibenden Algen und blaugrünen Schlieren meiden und besonders Kinder und Tiere dort nicht ins Wasser lassen. Beim Baden möglichst kein Wasser schlucken!

3. Zerkarien

Was sind Zerkarien?

Es handelt sich um Larven der Saugwürmer. Sie befallen als Parasiten normalerweise Wasservögel wie Enten, in deren Darm sie dann heranwachsen. Zerkarien könenn sich auch verirren und in die menschlichen Haut eindringen. Die Bilharziose ist eine Erkrankung, die man sich auf Reisen durch Zerkarien zuziehen kann. Bei uns verbreitete Zerkarienarten sterben innerhalb kurzer Zeit im menschlichen Körper ab, da der Mensch für sie ein Fehlwirt ist.

Wie verbreitet sind Zerkarien?

Zerkarien kommen in Binnengewässern vor. Die Hauptschwärmzeit der Zerkarien startet mit der Badesaison im Frühsommer und erreicht im Spätsommer einen zweiten Höhepunkt.

Was können Zerkarien für Beschwerden verursachen?

„Da wir (…) keine Enten sind, können sich die Zerkarien nicht mehr in der Haut weiterbewegen und sterben ab“, sagt Tomas Jelinek. Das sorge für eine juckende Abwehrreaktion, die sehr lästig ist. Je nachdem wie stark man befallen ist, können die Entzündungen ähnlich aussehen wie Mückenstiche mit Rötungen und tastbarer Pustel- oder Quaddelbildung. Grundsätzlich sind die Hautausschläge aber harmlos und nicht übertragbar auf andere Menschen. Manchmal kann es zu Fieber und Kreislaufproblemen kommen.

Wie kann man Entzündungen durch Zerkarien behandeln?

Ein Befall durch die kleinen Parasiten ist in der Regel harmlos. Salben und Gele verschaffen Linderung gegen den Juckreiz und die Entzündung. In schweren Fällen ist eine juckreizlindernde Behandlung mit Tabletten hilfreich. Wer die juckenden Stellen aufkratzt, kann Infektionen hervorrufen.

Gibt es Tipps, wie man einem Befall vorbeugen kann?

 Seen oder Stellen meiden, wo viele Wasservögel sind. Ebenso flache und pflanzenreiche Uferzonen meiden. Nach dem Baden nasse Badesachen ausziehen und sich zügig abtrocknen. Vor dem Baden mit wasserunlöslicher Creme einreiben.

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