Die Pandemie kommt uns inzwischen schon endlos vor. Zwangsläufig haben wir uns so gut es geht in der neuen Lebensrealität eingerichtet. Unseren Redakteuren ist dabei einiges eingefallen, was sie nicht mehr missen möchten. Hier berichten sie, was für sie sogar nach der ersehnten Rückkehr in eine Zeit ohne Pandemie weiterhin eine Rolle spielen wird:

Aglaja Adam über simultanes Kochen mit fernen Freunden

Ich blättere leidenschaftlich gerne durch Kochblätter und schaue mir Food-Blogs im Internet an. Vor der Pandemie blieb es leider oft bei dieser theoretischen Übung. Nach der Arbeit war ich kaputt, die Kinder hungrig. Also gab es schnelle Küche.

Corona hat bei mir eine Koch-Lust ausgelöst, die ich mir gerne beibehalten möchte. Nach dem Homeoffice was Leckeres zu zaubern gehört inzwischen zur regelmäßigen Routine. Und zumindest kulinarisch holen wir uns die weite Welt nach Hause.

Die Großeltern leben in Südtirol, momentan unerreichbar für uns. Aber mit Knödeln oder Kaiserschmarrn können wir  die Sonnenseite der Alpen zumindest schmecken. Für noch mehr Abwechslung hat das Abo einer Kochbox gesorgt. Mexikanische Tortillas, Thai-Currys oder mal ein würziges, indisches Butter Chicken: Ehrlich, es schmeckt mindestens so gut wie in unseren Lieblingsrestaurants, die gerade geschlossen haben.

Auch eine Pandemie-Erfindung, die ich nicht mehr missen möchte: Virtuelle Kochabende mit Freunden. In Küchen verstreut über die ganze Republik synchron zu schnippeln und zu brutzeln, ich finde das herrlich. Gemeinsam haben wir uns schon an exotische Gerichte gewagt.

Eine alte Schulfreundin, deren Mutter aus Korea kommt, zeigte uns zum Beispiel Schritt für Schritt, wie man das Nationalgericht Bibimbap zubereitet. Anschließend haben wir gemeinsam gespeist, jeweils an unseren schön gedeckten Tischen in München, Berlin, Wien.

Ich hoffe, dass wir uns auch nach der Pandemie die Zeit für solche Kochabende nehmen. Ich persönlich werde auf jeden Fall weiterhin fleißig den Kochlöffel schwingen, das habe ich mir fest vorgenommen.

Andrea Grill über aktive Mittagspausen

Im Büro war mir und meinen Kolleginnen ein täglicher Termin regelrecht heilig: Die gemeinsame Mittagspause. Ich tauschte meinen Stuhl am Schreibtisch gegen den Stuhl am Kantinentisch und ließ mir das Essen schmecken. Bewegung in der Mittagspause? Fehlanzeige!

Mit dem Wechsel ins Homeoffice änderte sich das. Statt Sitzenbleiben ist jetzt mittags Action angesagt. Meine Kinder wollen nach dem Homeschooling etwas essen. Wer macht's? Die Mama natürlich.

Ich eile also im Sauseschritt in die Küche und zaubere schnelle Gerichte auf den Tisch. Kleinere Hausarbeiten werden auch gleich nebenbei erledigt, quasi im Vorübergehen. Wenn draußen die Sonne lockt, verabschiede ich mich manchmal schon früher in die Pause und tanke bei einer Joggingrunde durch den Wald frische Luft und neue Energie. So starte ich motiviert und gut gelaunt in den Büronachmittag.

Auch unser fünftes Familienmitglied, Pferd "Flocke", freut sich über die neuen bewegten Mittagszeiten und spontane Stallbesuche. Der Lockdown nervt und stresst – aber eine Couch-Potato hat er zum Glück nicht aus mir gemacht.

Michael Schmidt über eine neu Work-Life-Balance

Corona hat mein Leben und das meiner ganzen Familie ganz schön auf den Kopf gestellt. Doch es gibt ein paar Dinge, die ich an dieser seltsamen Zeit positiv sehen kann. Was ich mir für die Zeit danach auf jeden Fall beibehalten will, sind bewusste Pausen während der Arbeit – zum Beispiel in Form eines Spaziergangs oder eines Mittagessens komplett ohne Smartphone und Laptop.

Vor allem im Home Office hat sich für mich gezeigt, wie wichtig kurze Auszeiten sind, um mit einem klaren Kopf produktiv arbeiten zu können. Ein weiteres Ziel für die Zeit nach der Pandemie ist für mich ein Mix aus Home Office und Büro. Auch wenn das Home Schooling und das ständige Aufeinandersitzen herausfordernd waren: die gemeinsame Zeit mit der Familie war oft auch ein großer Gewinn.

Meine Kinder wissen jetzt, was ich den ganzen Tag so mache, und ich weiß, was Lehrer und Schüler Tag für Tag leisten. Ich finde es irgendwie beruhigend, dass wir uns jetzt sicher sein können, dass „remotes“ Arbeiten und Lernen funktionieren – wenn es denn sein muss.

Auf einen Nenner gebracht könnte man sagen: ich möchte mir eine gewisse Flexibilität beibehalten, um Familie und Job unter einen Hut zu bekommen – und zwar so, dass beide etwas davon haben.

Clarissa Leitner über Sport in der freien Natur

„Gut“, dachte ich mir, „wenn drinnen der Sport nicht mehr möglich ist, dann verlege ich ihn halt nach draußen“. So bin ich zu meinem neuen Hobby gekommen: Joggen.

Was anfangs lediglich als Alternative zu meinem sonstigen Tanztraining dienen sollte, entpuppte sich schnell als Routineprogramm, das nun nicht mehr aus meinem Alltag wegzudenken ist. Eine Routine, die nicht nur im Pandemiealltag taugt.

Denn was gibt es Schöneres, als sich draußen zu bewegen, sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen und gute Musik zu hören? Auch der kalte Wind an ungemütlichen Tagen tut unheimlich gut, wenn man erst einmal den inneren Schweinehund überwunden hat.

Es hilft mir meine Gedanken schweifen und die Seele baumeln zu lassen. Abgesehen davon, bin ich nach einer Joggingrunde viel motivierter mich meinen sonstigen Aufgaben am Schreibtisch zu widmen - und Motivation kann man doch immer gebrauchen, auch nach der Pandemie!  

Sylvie Rüdinger über die grüne Oase auf dem Balkon

Der Lockdown nervt. Dieser komische Schwebezustand nervt. Ich freue mich auf den Tag, an dem die Normalität weitestgehend zurückkehrt und man nicht immer wieder überlegen muss „ist das jetzt gerade erlaubt?“. Es gibt aber etwas, was ich auch „nach Corona“ beibehalten möchte.

Ich hatte die letzten Jahre immer schon Freude an meinem Balkon und der passenden Frühlings-/ Sommerbepflanzung. Mein Balkon ist relativ groß und hat viel Platz für Blumen & Co. Irgendwann kamen dann auch Tomaten dazu und ich habe Stück für Stück meinen grünen Daumen entdeckt. Letztes Jahr hat sich durch Corona alles geändert – und plötzlich wurde mein Balkon mein zweites Wohnzimmer.

Durch das Homeoffice wurde er zu mehr als nur einem Ort fürs Wochenende, durch die Ausgangsbeschränkungen wurde er zu einer grünen Oase, die ich Stück für Stück erweitert habe – plötzlich hatte ich nicht mehr nur Blumen und ein paar Tomatensträucher. Es kamen noch diverse Kräuter und Pflanzen dazu, die ich vorher nicht mal kannte, zum Beispiel Gewürztagetes.

Die Mittagspause habe ich oft auf dem Liegestuhl in der Sonne verbracht, den Feierabend sowieso. Und der ein oder andere berufliche Call war in der Sonne auch angenehmer als am Schreibtisch. Das möchte ich beibehalten – und lege dieses Jahr noch eins drauf: Ich habe mir diverse Tomaten- und Kräutersamen, Mini-Gewächshäuser und Anzuchterde besorgt, werde mein „Balkonsortiment“ erweitern und vor allem auch an der Basis beginnen.

Nicht mehr die kleine Tomatenpflanze aus dem Gartencenter, jetzt versuche ich mich in der Anzucht. Keiner weiß so genau, wann Corona wieder in den Hintergrund tritt und Homeoffice und Einschränkungen wieder enden. Vielleicht wird es in den kommenden Wochen und Monaten nicht so sehr anders als im vergangenen Jahr. Aber meine Begeisterung fürs Gärtnern auf dem Balkon wird mich weiter begleiten und mir als Hobby erhalten bleiben.

Roland Mühlbauer über gute Gespräche bei Spaziergängen

Zwar war ich schon einige Zeit vor der Pandemie ein begeisterter Flaneur. Auslöser war vor ein paar Jahren eine 10.000-Schritte-pro-Tag-Challenge zur Fastenzeit. Seitdem bin ich dabei geblieben. Studien bestärken mein Hobby.

Denn deren Ergebnisse zeigen, dass regelmäßiges Spazieren die Gedächtnisleistung fördern kann, das Risiko einer Depression senkt, den Bauchumfang in Zaum hält, den Blutdruck senkt und überhaupt toll für den Körper ist. Die Pandemie hat nun dazu geführt, dass Freunde zu fleißigen Mitläufern wurden. Was soll man auch sonst zusammen machen, wenn man die Ansteckungsrisiken in Innenräumen vermeiden will und es draußen zu kalt ist, um länger an einem Fleck zu stehen?

Spazieren geht hingegen bei fast jedem Wetter. Mir kommt es auch so vor, dass unsere Gespräche durch die Bewegung angeregt werden. Sei es, dass man auf dem Weg etwas Inspirierendes entdeckt, oder einem interessante Leute entgegen kommen.

In einem Italienurlaub vor der Pandemie war ich mal in einem Dorf in der Toskana, wo gegen Abend jeder auf den Beinen war, die Flaniermeile  auf und ab lief und sich mit den dort angetroffenen Nachbarn unterhielt. Damals fand ich das kurios, rückblickend kann ich es besser nachvollziehen. Ich hoffe, dass auch nach der Pandemie noch Freunde mit mir spazieren gehen wollen.

Christine Leitner über neue Brieffreunde

Die digitale Welt ist spannend, aber auf Dauer nicht faszinierend. WhatsApp und Co. haben spätestens im letzten halben Jahr ihren Reiz für mich verloren. Die Kommunikation ist mir jedoch schon länger zu schnelllebig und unpersönlich.

Seit drei Jahren schreibe ich deshalb Briefe mit meiner besten Brieffreundin, die in einem Nachbarort lebt. Dieses Hobby habe ich nun um ein weiteres ergänzt: Im Dezember habe ich die Plattform Postcrossing und damit die Leidenschaft für schöne Postkarten und Briefmarken für mich entdeckt. Das Prinzip ist einfach: Man verschickt Postkarten an Menschen aus der ganzen Welt und erhält umgekehrt Post zurück.

Der Empfänger wird einem willkürlich über die Plattform zugeteilt. Damit man erfährt, dass eine Karte auch wirklich angekommen ist, erhält man zusammen mit der Adresse einen Registrierugscode, den man auf die Karte schreibt. Manchmal dauert es bis die Karte ankommt, dafür ist die Überraschung umso größer.

15 Postkarten habe ich bisher versendet, unter anderem nach Taiwan, Belarus und Finnland. Das Besondere an dieser Art der Kommunikation ist, dass man sich Zeit nehmen kann. Postkarte, Briefmarken und Worte werden bewusst gewählt. Nach einem anstrengenden Arbeitstag ist das Kartenschreiben sehr meditativ und der Gedanke, dass sich jemand am anderen Ende der Welt über die Post freut, macht mich glücklich.

Noch mehr freue ich mich natürlich, wenn mein Briefkasten eine Postkarte mit hübschen Motiven und freundlichen Worten für mich bereithält. Am meiste Freude bereten mir Karten, auf denen die Absender ihren Alltag beschreiben. Aktuell warten drei Postkarten darauf, von mir versendet zu werden - in die Schweiz, nach Österreich und in die USA - und ich hoffe, dass es noch viele weitere werden, auch über die Pandemie hinaus.