Knie aufgeschlagen, in den Finger geschnitten, Kratzer oder Schramme eingefangen? Harmlose, kleinere Verletzungen, die nicht zu stark bluten, können Sie selbst versorgen. Berühren Sie die Wunde dabei nicht. Tragen Sie als Ersthelfer – falls möglich – Einmalhandschuhe.

Die Basis-Maßnahmen:

Wunde reinigen?

"Normale Wunden" müssen nicht gespült werden. Ist die Wunde stark verschmutzt, beispielsweise mit Erde, reinigen Sie die Wunde notfalls mit lauwarmem, klaren Leitungswasser in Trinkwasserqualität, möglichst direkt aus dem Hahn. Auch bei Verätzungen sollte gespült werden. Verbrennungen können sie kurz unter fließende, Wasser kühlen.

Steinchen oder Glassplitter stecken tiefer in der Wunde?

Nicht herausziehen! Überlassen Sie das dem Arzt. Beim Herausziehen könnte es noch stärker bluten. Decken Sie die Verletzung behutsam mit einem sterilen Verband ab und wenden Sie sich an den Fachmann.
Sehr kleine Splitter, die nur ganz oberflächlich eingedrungen sind, können Sie vorsichtig mit einer Pinzette entfernen. Achten Sie darauf, dass Sie den Splitter komplett herausziehen. Größere Splitter, bei denen Sie nicht erkennen können, wie tief sie ins Gewebe eingedrungen sind, nie selbst herausziehen, sondern den Arzt aufsuchen.

Wunde desinfizieren

Tragen Sie ein geeignetes Wunddesinfektionsmittel auf. Es sollte griffbereit in der Hausapotheke stehen. Fragen Sie in der Apotheke nach einem passenden Präparat. Eventuelle Unverträglichkeiten und Allergien sollten bei der Auswahl berücksichtigt werden.

Pflaster aufkleben

Bei größeren Verletzungen eine entsprechend größere Wundauflage verwenden, beispielsweise eine sterile Kompresse auf die Wunde legen und mit einer elastischen Mullbinde befestigen. Mittlerweile gibt es auch für kleinere Wunden Feuchtpflaster und -kompressen mit einer gelhaltigen Auflage. Damit sollen Verletzungen rascher abheilen. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten.

Tetanus-Impfung - ist eine Auffrischung nötig?

Prüfen Sie bei allen offenen Wunden, ob Sie noch gegen Tetanus geschützt sind. Im Zweifelsfall fragen Sie Ihren Arzt.

Handschuhe tragen bei der Gartenarbeit

Tetanus (Wundstarrkrampf)

Über kleine Verletzungen in der Haut gelangt der Erreger des Wundstarrkrampfes in den Körper und kann dort...

Wunde beobachten

Heilt die Wunde gut? Das sollten Sie im Blick behalten und im Zweifel sofort medizinischen Rat einholen. Wird die Stelle zum Beispiel dick, rötet sich die Haut oder fühlt sie sich warm an, kann das auf eine Infektion hindeuten. Dann sofort untersuchen lassen!

Schürfwunden: Was gibt es zu beachten?

Meist sind Stürze die Ursache für diese Verletzungen der obersten Hautschicht. Sie sind oft großflächig und sehr schmerzhaft, weil viele Nervenenden freigelegt werden. Schürfwunden heilen aber relativ schnell und meist ohne Narbenbildung ab. Befindet sich viel Schmutz in der Wunde, dann gründlich spülen und anschließend desinfizieren. Bei kleineren Schürfwunden anschließend einen Wundschnellverband aufbringen. Größere decken Sie am besten direkt mit einem Wundschnellverband oder einer sterilen Kompresse ab und lassen sie vom Arzt versorgen.

Schnittwunden: Das ist wichtig

Schnittwunden gehören zu den häufigen Verletzungen im Haushalt. Eine kleine Schnittverletzung lässt man am besten kurz bluten. Schmutz und Krankheitserreger werden auf diese Weise gleich aus der Wunde herausgespült. Üblicherweise haben Schnittwunden glatte Wundränder, die man mit einem Pflaster gut aneinander "kleben" kann. Deshalb heilen sie meist gut. Tiefe, längere oder stark blutende Schnittwunden sollten vom Arzt versorgt werden. Gegebenenfalls muss die Wunde geklebt oder genäht werden. Auch eine Funktionsüberprüfung von Nerven und Sehnen ist bei tiefen Schnittwunden nötig.

Platzwunden: Vorsicht, Infektionsgefahr

Platzwunden haben rauhe Ränder, die oft auseinander klaffen. Solche Verletzungen infizieren sich leicht. Platzwunden deshalb besser vom Arzt behandeln lassen. Er kann feststellen, wie tief die Verletzung ist, ob sich Wundtaschen gebildet haben und ob tieferliegende Strukturen (zum Beispiel Knochen) verletzt wurden. Als Erstmaßnahme  sterile Kompresse auflegen und mit einer Binde fixieren und zum Arzt oder ins Krankenhaus fahren.

Stichwunden: Ab zum Arzt!

Messer, Glasscherben, Nägel und andere spitze Gegenstände können Stichwunden verursachen. Solche Verletzungen sollten auf jeden Fall sofort von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Denn auch wenn die Wunde äußerlich keinen gefährlichen Eindruck macht, kann die Verletzungen tief sein und unter Umständen gefährliche innere Blutungen hervorrufen. Zudem ist die Infektionsgefahr sehr hoch, denn mit dem Fremdkörper könnten Keime bis in tiefe Gewebeschichten gelangt sein. Fremdkörper nicht herausziehen! Überlassen Sie das dem Arzt.

Bisswunden, Kratzer

Kratz- und Bisswunden werden meist von Tieren verursacht, es soll aber auch bissige Menschen geben. In jedem Fall besteht eine sehr hohe Infektionsgefahr. Krankheitserreger könnten – zum Beispiel mit dem Speichel – in die Wunde gelangt sein und schwere Infektionen wie Wundstarrkrampf (Tetanus), Gasbrand oder eine Blutvergiftung (Sepsis) hervorrufen. Deshalb muss eine Bisswunde immer vom Arzt untersucht und professionell gereinigt werden. Außerdem sollte geklärt werden, ob das Tier, das zubiss, womöglich Tollwut hatte. Was Füchse und Hunde betrifft, gilt Deutschland seit 2008 als tollwutfrei, zumindest nach Kriterien der Welttiergesundheitsorganisation (OIE). Die Krankheit kann aber zum Beispiel auch von Fledermäusen übertragen werden. In anderen Ländern ist Tollwut zum Teil noch verbreitet.

Brandwunden – bloß keine "Hausmittel"

Nur kleinere leichtgradige Verbrennungen oder Verbrühungen zum Kühlen unter fließendes, lauwarmes Wasser halten. Längstenfalls fünf Minuten kühlen. Sollten sich Blasen bilden, gehen Sie zum Arzt. Sind größere Körperpartien betroffen, sofort den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 rufen. Genaueres lesen Sie im Beitrag Verbrennungen.

Was tun, wenn die Wunde stark blutet?

Starke Blutungen können lebensbedrohlich sein – rufen Sie sofort den Rettungsdienst (112)! Stillen Sie die Blutung – wenn möglich – mit einem Druckverband. Legen Sie eine sterile Wundauflage auf die Wunde, befestigen Sie sie mit Mullbinden, legen Sie dann ein verschlossenes Verbandpäckchen darüber und fixieren Sie dieses straff mit einer weiteren Binde. Vorsicht: Nicht so kräftig binden, dass die Gliedmaße blau anläuft! Auch kann direkt mit der Hand auf die Wunde/den Verband gedrückt werden. Mehr zum Thema lesen Sie im Beitrag Blutungen.

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