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Was ist ein anaphylaktischer Schock?

Der anaphylaktische Schock ist eine schwere Form der allergischen Reaktion, die den ganzen Körper erfassen und tödlich enden kann.

"Entscheidend ist, dass dabei nicht nur die Haut betroffen ist und zum Beispiel mit Juckreiz reagiert, sondern daneben auch noch mindestens ein anderes Organsystem beteiligt ist", sagt Professor Dr. Margitta Worm, Leiterin der Allergologie und Immunologie der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité Berlin. Es liegt also etwa zusätzlich Atemnot, Schwindel oder Übelkeit vor. Bei solch schweren allergischen Reaktionen lässt sich schlecht vorhersagen, wie sich die Symptome entwickeln und ob eine im Moment noch harmlos erscheinende Situation ohne Atemnot oder Kreislaufprobleme bereits wenige Minuten später lebensbedrohlich wird.

Daher im Zweifel immer die 112 wählen und den Rettungsdienst alarmieren!

Allergische Reaktion: So sehen sogenannte Quaddeln aus.

Allergische Reaktion: So sehen sogenannte Quaddeln aus.

Schweregrade der anaphylaktischen Reaktion:

Man unterscheidet vier Schweregrade[1]:

  • Nur die Haut ist betroffen

Symptome sind beispielsweise Juckreiz, Hautrötung und -schwellung, Bildung von Quaddeln (siehe oben)

  • Haut und Schleimhaut plus Atemwegen oder Magen-Darm-Trakt sind betroffen

Anzeichen sind neben den Hautsymptomen etwa Erbrechen, Übelkeit, Heiserkeit, Atemnot, Bauchkrämpfe

  • Schockreaktion (Herz-Kreislaufbeteiligung)

Symptome können sein: blau anlaufen, Stuhlabgang, Kreislaufkollaps, Bewusstlosigkeit

Ursachen

In Deutschland sind die häufigsten Ursachen für einen anaphylaktischen Schock bei Erwachsenen allergische Reaktionen auf Insektenstiche und Medikamente, bei Kindern auf Nahrungsmittel und Insektenstiche.

Wie erkenne ich einen anaphylaktischen Schock?

"Allergiker kennen die Symptome meist schon und wissen häufig, worauf sie reagiert haben", betont Margitta Worm. War bisher keine Allergie bekannt, sollte man Verdacht schöpfen, wenn

  • eine Reaktion sehr plötzlich eintritt, insbesondere nach einem Insektenstich, der Einnahme von Medikamenten oder aber dem Essen und
  • neben Hautbeschwerden wie Hautjucken, -rötung, -schwellung und Quaddelbildung auch andere Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Atemnot oder ein Engegefühl in der Brust auftreten.

Erste Hilfe bei einem allergischen Schock

Ist der Betroffene ansprechbar, sollte man diesen zuerst danach fragen, ob ein Notfallset vorhanden ist.

a) Person ist nicht ansprechbar oder hat keine bekannte Allergie und daher kein Notfallset

Hat der oder die Betroffene kein Notfallset, zum Beispiel, weil bisher gar keine Allergie bekannt war oder ist er oder sie bewusstlos, sollten Sie den Rettungsdienst alarmieren und erste Hilfe leisten.

Vor allem bei schweren Reaktionen, insbesondere bei Luftnot oder Kreislaufproblemen, unbedingt die 112 anrufen und dem Rettungsdienst mitteilen, welche Symptome vorliegen und dass es sich vermutlich um eine allergische Reaktion handelt.

Bei der betroffenen Person bleiben, sie beruhigen und gegebenenfalls entsprechend der Symptome lagern:

  • Bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage bringen.
  • Bei Atemnot zum Beispiel hinsetzen, am besten mit nach hinten abgestützten Armen, das erleichtert es, Luft zu holen.
  • Bei Kreislaufproblemen wie Schwindel hinlegen und Beine hochlagern.

Achtung: Bei Atem- oder Herzkreislaufstillstand unverzüglich mit der Wiederbelebung (Herzdruckmassage) beginnen!

b) Person ist ansprechbar, ein Notfallset ist vorhanden

Bei Atemnot oder Herz-Kreislaufproblemen sofort den Notarzt alarmieren. Anschließend den Allergiker beruhigen und gegebenenfalls dabei helfen, das Notfallset (mehr dazu im nächsten Abschnitt) entsprechend den ärztlichen Anweisungen anzuwenden. Ist nur die Haut betroffen, reicht es in der Regel, wenn das im Set enthaltene Antihistaminikum und das Kortisonpräparat eingenommen werden. In allen anderen Fällen ist auch der sogenannte Autoinjektor, eine Adrenalinspritze für den Selbstgebrauch, notwendig. Diese kann sich der Patient selbst verabreichen. "Ist dies nicht mehr möglich und kennt der Helfer oder die Helferin die betroffene Person und weiß um die Allergie sowie um die korrekte Anwendung der Notfallspritze, kann er oder sie die Spritze gegebenenfalls auch geben", meint Margitta Worm. Anschließend den Betroffenen nicht alleine lassen, sondern weiter beobachten. Entsprechend der Symptome lagern und entweder einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen oder aber, sofern sich die Beschwerden verschlimmern oder nicht innerhalb von kurzer Zeit bessern, die 112 anrufen.

Kostenloser Download

Unser pdf gibt Ihnen einen Überblick dazu, wie Sie im Notfall vorgehen sollten:

Spritze in den Oberschenkel: Der Adrenalinpen hilft im Notfall.

Spritze in den Oberschenkel: Der Adrenalinpen hilft im Notfall.

Wichtig bei Allergien: das Notfallset

Menschen, bei denen schon einmal eine anaphylaktische Reaktion aufgetreten ist, verordnet der Arzt oder die Ärztin ein sogenanntes Notfallset. Es enthält üblicherweise:

  • ein antiallergisches Mittel (Antihistaminikum)
  • ein Kortisonpräparat
  • eine Adrenalin-Spritze (Adrenalin-Autoinjektor)
  • eventuell ein Spray, das hilft, Luftnot zu lindern

Wer ein Notfallset bekommt, sollte sich die Anwendung genau erklären und in einem Allergiepass dokumentieren lassen. Gegebenenfalls sollte man auch nahe Angehörige und Verwandte in die Verwendung des Sets einweisen. Das Notfallset sollten Betroffene immer bei sich tragen. Dabei unbedingt auf die Lagerungshinweise und die Ablaufdaten der enthaltenen Medikamente achten und sich diese gegebenenfalls rechtzeitig neu verordnen lassen. Margitta Worm rät: "Immer, wenn das Notfallset benötigt wurde, sollte man anschließend einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, um sich unverzüglich neue Medikamente verschreiben zu lassen." So sind Allergiker stets für den Extremfall gerüstet.

Beratende Expertin:

Prof. Dr. Margitta Worm

Professor Dr. med. Margitta Worm ist Leiterin der Allergologie und Immunologie der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité Berlin. Seit 2004 lehrt sie als Universitätsprofessorin mit dem Schwerpunkt Immunmodulation allergischer Erkrankungen. Worm ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie

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Fazit

Ein allergischer Schock ist potenziell lebensbedrohlich. Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot, Kreislaufproblemen oder anderen schweren Beschwerden daher unbedingt sofort den Rettungsdienst alarmieren. Dann bis zum Eintreffen der Rettungskräfte erste Hilfe leisten - zum Beispiel durch Unterstützung bei der Anwendung des Notfallsets, bei Bewusstlosigkeit mit einer Lagerung in stabiler Seitenlage, bei Herz-Kreislaufstillstand durch Wiederbelebung.


Quellen:

  • [1] Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie : Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie – Update 2021. https://register.awmf.org/... (Abgerufen am 22.05.2024)