Diabetes Ratgeber

Die Behandlung von eingewachsenen Zehennägeln mit speziellen Nagelkorrekturspangen dürfen bald auch Podologinnen und Podologen übernehmen, wenn sie medizinisch notwendig ist. Mit einem Rezept von ihrem Hausarzt oder -ärztin können Patientinnen und Patienten sich eine Praxis für medizinische Fußpflege suchen und sich dort behandeln lassen. Dies hat der Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) nun in der Heilmittel-Richtlinie festgelegt. Falls das Bundesministerium für Gesundheit den Beschluss nicht beanstandet, tritt er am 1. Juli 2022 in Kraft.

Bei diabetischem Fußsyndrom schnell handeln

Falsches Nagelschneiden, zu enge Schuhe oder auch eine entsprechende genetische Veranlagung können dazu führen, dass ein Zehennagel einwächst. Besonders für Menschen mit Diabetes, die bereits an einem diabetischen Fußsyndrom (DFS) leiden und wegen Durchblutungsstörungen und Nervenschäden ein erhöhtes Risiko für Fußprobleme haben, ist eine schnelle und professionelle Behandlung von eingewachsenen Zehennägeln extrem wichtig. Sie übersehen manchmal die ersten Anzeichen, wie Rötungen und leichte Schwellungen am Nagel, und spüren die stechenden und pochenden Schmerzen nicht so intensiv. Unbehandelt können eingewachsene Zehennägel zu schweren Infektionen führen und schlimmstenfalls am Ende eine Amputation notwendig machen.

Bislang durften nur Ärzte die Behandlung durchführen

Daher gilt für Menschen mit Diabetes immer: Füße regelmäßig selbst kontrollieren und bei Veränderungen oder Problemen den Hausarzt oder die -ärztin hinzuziehen. Ist ein Zehennagel eingewachsen, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der Arzt dann, ob die Voraussetzungen für die Behandlung mit einer Nagelkorrekturspange vorliegen und ob sie medizinisch notwendig ist, und kann sie dann verordnen. Individuell angepasste Nagelkorrekturspangen sollen dafür sorgen, dass der Zehennagel nicht weiter einwächst und sie entlasten den Fuß sofort. Bislang durften nur Ärztinnen und Ärzte die Behandlung durchführen. Haben sich Patientinnen oder Patienten an ihre Podologin gewandt, lehnten die Krankenkassen die Erstattung der Kosten bislang oft ab. Begründung: Es habe sich nicht um eine ärztliche Behandlung gehandelt.

Die Korrekturspangen werden individuell am eingewachsenen Zehennagel eingepasst.

Die Korrekturspangen werden individuell am eingewachsenen Zehennagel eingepasst.

Entlasten statt Operieren

Wer nach in Kraft treten des Beschlusses mit einem Rezept von der Ärztin oder dem Arzt zu einer medizinischen Fußpflege geht und dort die Nagelkorrekturspange anlegen und regelmäßig kontrollieren lässt, bekommt die Behandlung von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet. Für die Deutsche Diabetes Gesellschaft eine positive Entwicklung: „Nicht zuletzt ist es für manche Patientinnen und Patienten auch eine finanzielle Hürde, manche Kosten für eine nicht-operative Behandlung selbst zu tragen, sofern sie nicht verordnungsfähig sind“, sagt Dr. Sybille Wunderlich von der Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß. Die Behandlung mit einer Nagelkorrekturspange kann helfen, Operationen zu vermeiden. Denn ist der eingewachsene Nagel stark entzündet, muss manchmal operiert werden. Die Chirurgin oder der Chirurg entfernen das entzündete Gewebe und einen Teil des seitlichen Nagels. „Durch die professionelle podologische Behandlung mit Nagelkorrekturspangen können Komplikationen und operative Eingriffe häufig vermieden werden“, so Wunderlich.

Behandlung dauert mehrere Wochen

Wichtig ist eine enge Absprache zwischen behandelndem Ärzteteam und der podologischen Praxis. Die Podologinnen und Podologen können bei eingewachsenen Zehennägeln, die noch nicht nässen oder eitern, selbst festlegen, nach welchem Zeitraum die Behandlung und auch die die Kontrolle der Nagelspange fortgesetzt wird. Meist muss sie alle zwei bis sechs Wochen nachgespannt oder neu aufgebracht werden. Nässt und eitert das Gewebe und ist chronisch entzündet, sollte auch immer wieder die behandelnde Ärztin oder der Arzt die Behandlungserfolge kontrollieren, so die Forderung des Gemeinsamen Bundesausschusses.

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