Atemnot (Dyspnoe): Ursachen, Diagnose, Therapien

Atemnot (Kurzatmigkeit, Dyspnoe) ist das – häufig Angst machende – Gefühl erschwerten Atmens. Die Ursachen, vor allem Lungen- und Herzkrankheiten, sind vielfältig und mitunter lebensbedrohlich

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von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 08.03.2019

Atmung und Atemnot: Info vorab

  • Atmung: Gesunde Erwachsene atmen etwa 15 bis 20-mal pro Minute ein und aus (Ruhefrequenz). Pro Tag sind es etwa 30.000 Atemzüge. Die Atmung ist komplex geregelt. Beteiligt sind vor allem die Lungen und Atemmuskeln ("äußere Atmung") sowie das Blut und die Körperzellen, die den Sauerstoff verwenden ("innere Atmung"). Oberste steuernde Instanz ist das Gehirn. Eine Schlüsselfunktion bei der Atmung hat der Austausch von Kohlendioxid gegen Sauerstoff in den Lungenbläschen (siehe auch Bildergalerie im Kapitel "Atemnot-Ursachen: Lungenerkrankungen").
  • Natürliche "Atembreite": Emotionale Faktoren wie Angstattacken, Erschrecken, aufwallender Zorn oder freudige Überraschung schlagen sofort auf die Atmung durch: Sie kann kurz, aber heftig zulegen (Hyperventilation), oder der Atem kommt ins Stocken. In der frühen und späten Phase der Schwangerschaft tritt Kurzatmigkeit auf, jeweils aus unterschiedlichen Gründen. Auch körperliche Anstrengung steigert die Atmung vorübergehend. Der Trainingslevel aber macht den Unterschied: So haben Leistungssportler eine viel größere Luftreserve als durchschnittlich bewegungsaktive Menschen.
  • Ungünstige Einfüsse: Haltung, Körperlage, Körperbau: In zusammengesunkener Körperhaltung atmen wir passiv und flach. Luftnot kann im Liegen zunehmen – viele Herzerkranke kennen das. Hochlagern des Oberkörpers bringt ihnen meist Erleichterung. Bei Bronchialasthma hilft der "Kutschersitz" Betroffenen oft, mehr Luft zu bekommen (siehe Bild weiter unten). Auch ein verformtes Skelett oder starkes Übergewicht (Adipositas) können das Atmen erschweren.
  • Unterschiedliche Dauer: Atemnot kann akut auftreten, etwa bei einer Lungenentzündung. Länger als vier Wochen anhaltende Atemnot wird als chronisch bezeichnet. Je nach Ursache können dabei auch akute Schübe auftreten.

Frei strömender Atem: Zug um Zug frische Energie

Zwar geht das Atmen normalerweise ganz von alleine. Doch wir können die Luft auch sehr bewusst mit einem tiefen Atemzug in uns aufnehmen und sie gezielt einsetzen – etwa um uns selbst stärker zu spüren. Oder beim Singen und Tanzen. Und wer dabei über perfekte Atemtechniken verfügt, hat schon mal ganz gute Voraussetzungen, um es zu stimmlicher oder körperlicher Ausdruckskraft zu bringen.

Das Gegenteil ist Luftnot (Dyspnoe), womit nicht etwa die Atemlosigkeit nach einer starken körperlichen Anstrengung gemeint ist, sondern jedes nicht normal bis krankhaft erschwerte Atmen, mithin auch Kurzatmigkeit.

Kurzatmig bei körperlicher Belastung, atemlos bei Stress?

Atemnot ist in gewissen Grenzen alltäglich. So fühlen wir uns bei starkem Stress manchmal irgendwie atemlos. Die in unseren Genen liegende Reaktionsbereitschaft lässt Puls und Atemfrequenz ansteigen. Die gefühlte Atemlosigkeit ist hier einerseits der Ausdruck des Getriebenseins. Sie hat aber auch eine körperliche Entsprechung, denn viele von uns nehmen sich bei Stress buchstäblich keine Zeit mehr, um bewusst durchzuatmen. Sie tun das oberflächlich und dazu oft in ungünstiger Haltung. Den Atemfluss beschwingt das nicht gerade.

Insgesamt funktioniert das Atemsystem in diesen Situationen aber normal. Wichtig wäre es allerdings, den Stress in den Griff zu bekommen, ebenso ein eventuelles Übergewicht und allenthalben abgeschlaffte Muskeln, sozusagen "Schwächefaktoren" beim Atmen. Wer den Körper auf Trab bringt, schlägt gleich allen drei ein Schnippchen.

Normal ist auch das Hecheln nach Luft nach einer starken sportlichen Leistung. Viele kennen das: Bei Trainingsmangel reicht die Puste gerade mal für einen kurzen Sprint. Athleten dagegen haben nach einer Höchstleistung sogar oft noch etwas Luft für ein flottes Interview übrig.

Atemnot gehört zu den häufigsten Symptomen überhaupt

Etwa 25 Prozent der ambulant versorgten Patienten sind wegen Atemnot (Dyspnoe) in ärztlicher Behandlung. Kein Wunder, denn Herz- und Atemwegserkrankungen – das Leitsymptom Atemnot trifft auf beide zu – sind weit verbreitet. Die enge Verbindung der Funktionen von Herz und Lungen verstärkt diesen Effekt noch. 

Zu Atemnot (Dyspnoe) kommt es – auf der körperlichen Ebene – durch Störungen

  • beim Lufttransport, also beim Hin- und Herbewegen der Luft in den Atemwegen (Störung der sogenannten Atempumpe; wichtig hier vor allem die Atemmuskeln und der elastische Brustkorb mit dem Brustfell)
  • beim Gasaustausch: betrifft die Lungenbläschen, das dazwischen liegende Bindegewebe, das Blut und die beteiligten Blutgefäße
  • bei der Atemregulation (Gehirn: übergeordnete Zentren, Atemzentrum, Körperimpulse)

Luftknappheit kann sich bekanntlich wie ein Panzer um die Brust legen. Das macht natürlich große Angst oder Panik und verschlimmert die Situation häufig. Unabhängig von den Körpervorgängen bei der Entstehung von Atemnot ist die Psyche stets mit zu berücksichtigen. Daher im Akutfall immer beruhigend auf den Betroffenen einwirken, bis der Arzt eintrifft.

Was tun bei Atemnot?

Ganz klar: Bei plötzlicher schwerer oder zunehmender Luftnot sollte man unverzüglich den Notarzt (Rettungsdienst, Notruf 112) alarmieren. Häufig kennzeichnet Atemnot chronische Erkrankungen wie Asthma, obstruktive Bronchitis, Herzschwäche und begleitet sie mehr oder weniger ständig und wechselnd stark. Dabei kann sie sich jederzeit akut verschlechtern.

Wenn das der Fall ist, wenn weitere Warnsymptome dazukommen (siehe unten) oder starke Luftnot aus unklarer Ursache auftritt, ist eine notfallmäßige Behandlung und Klinikeinweisung unerlässlich, womöglich lebensrettend.

Halten Sie sich als Patient mit einer Erkrankung, die zu akuten Atemproblemen führen kann, an einen Plan, den Sie genau für diesen Fall mit Ihrem Arzt festgelegt haben. Dazu gehört auch, ein eventuelles Notfallspray und andere Bedarfsmedikamente nach Vorschrift einzusetzen. Bewahren Sie Ruhe, nehmen Sie eine aufrechte Körperhaltung ein, die das Atmen erleichtert.

Spüren Sie – bei bekannter Atemwegserkrankung – durch die Notfallmedikamente alsbald Erleichterung und Ihr Befinden bessert sich insgesamt wieder, wird der hinzugerufene Arzt abwägen, ob es vorerst auch ohne Klinikeinweisung geht. Reicht die bisherige Therapie, oder sollte sie angepasst werden? Das wird dann der behandelnde Arzt prüfen. Oft bessert sich die Atemnot durch eine vorübergehend intensivierte Behandlung und begleitende Maßnahmen wieder.

Krankheiten der Atemwege und Lungen: Atemnot ist ein Leitsymptom

Neben Husten – mit und ohne Auswurf – und Brustschmerzen gehört Atemnot zunächst einmal zu den Hauptsymptomen von Erkrankungen der Atemwege einschließlich der Lungen. Wer etwa mit Bronchialasthma zu tun hat, spürt häufig einen Widerstand beim Atmen, insbesondere beim Durch- oder Ausatmen. Das Ausatmen kann hier auch hörbar erschwert und verlängert sein.

Ein ziehendes oder pfeifendes Geräusch beim Einatmen kann dagegen auf eine Verlegung der großen Atemwege, etwa der Luftröhre, hinweisen. Eine solche Obstruktion kann innen in der Luftröhre oder durch Druck von außen entstehen: Beides sind Notfälle.

Das gilt auch für das akute respiratorische Disstress-Syndrom (ARDS). Es kann sich entwickeln, wenn jemand plötzlich eine Lungenschädigung mit starkem Sauerstoffmangel und Atemnot erleidet, zum Beispiel im Zuge einer Lungenentzündung oder einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse, nach einer Herzoperation, durch Verletzungen, eine Rauchgasvergiftung, Verbrennungen oder wenn Magensaft in die Atemwege gelangt ist.

Auch bestimmte Gefäßerkrankungen, wie etwa bei einer Lungenembolie, bei Lungenhochdruck oder den vergleichsweise seltenen Bindegewebsentzündungen in den Lungen der Fall, können die Atemfunktion beeinträchtigen.

Herzkrankheiten: Auch hier ist Atemnot ein wichtiges Symptom

Herzkranke Patienten leiden häufig unter Luftnot. Wenn zum Beispiel ein geschwächtes Herz nicht mehr genügend Blut in den großen Kreislauf pumpt – auch bei einem Herzinfarkt möglich –, kann sich Flüssigkeit aus dem Blut in der Lunge stauen. Das beeinträchtigt den Gasaustausch und erhöht den Tonus der kleinen Bronchien.

Hört der Arzt die Lungen des Betroffenen mit dem Stethoskop ab, stellt er womöglich krankhafte Atemgeräusche fest, ein feinblasiges Knistern oder sogar Pfeifen und Brummen, wie eigentlich für Bronchialasthma typisch. Ärzte kennen im Zusammenhang mit einer Herzschwäche tatsächlich den – mittlerweile veralteten – Begriff Herzasthma (Asthma cardiale). Mithin kann bei einem Herzinfarkt Atemnot manchmal sogar das einzige Symptom sein.

Viele andere Ursachen können den Atemfluss behindern

Als weitere mögliche Auslöser von Atemnot folgen Störungen des Gehirns, der Nerven und Muskeln beziehungsweise Atemmuskeln. Auch sogenannte autoimmune Systemerkrankungen wie zum Beispiel Kollagenosen, bei denen sich das Bindegewebe in verschiedenen Organen entzündet, können die Atmung beeinträchtigen, wenn atmungsaktives Gewebe Schaden nimmt.

Zudem können akute allergische Reaktionen, Stoffwechselstörungen, Krankheiten des Blutes wie Blutarmut (Anämie) und des Skelettsystems, etwa Verformungen des Brustkorbs einschließlich der Brustwirbelsäule die Atmung stören. Das gilt auch für Verletzungen wie etwa Rippenbrüche und Lungenveränderungen durch Vergiftungen oder Medikamente.

Bei Fieber oder einer Überfunktion der Schilddrüse ist der Sauerstoffverbrauch  gesteigert, was Luftnot auslösen kann.

Probleme mit den Stimmbändern spielen ebenfalls eine Rolle, ebenso Schmerzen im Brustbereich. Diese können wiederum zahlreiche Ursachen haben. Dazu gehört auch ein Krankheitsbild namens Fibromyalgiesyndrom mit chronischen Schmerzen und vielfältigen anderen Beschwerden, darunter Atemnot. Damit ist die Liste aber noch keineswegs zu Ende.

Denn Atemnot kann mitunter auch (unbewusster) Ausdruck einer tiefer liegenden seelischen Belastung sein. Auch hier ist professionelle Hilfe wichtig, etwa in Form einer Psychotherapie, damit sich das Problem nicht festsetzt.

Weitere Warnsymptome

Neben Atemnot können je nach Ursache noch andere Alarmzeichen auftreten und Notfallsituationen verschärfen:

  • Auffällige Atemgeräusche, schnelle, flache oder verminderte Atmung
  • Atmen wegen sehr starker Atemnot nur mit aufrechtem Oberkörper und abgestützten Armen möglich (Orthopnoe)
  • Husten, eventuell blutiger Auswurf 
  • Blausucht (Zyanose): blau-violette Verfärbung der Haut, Lippen, Nägel und /oder Schleimhäute, Zunge
  • Blutdruck sehr hoch oder sehr niedrig
  • Druck- und Engegefühl in der Brust
  • Unregelmäßiger, schneller oder sehr langsamer Puls
  • Bewusstseinsstörung
  • Kaltschweißigkeit, Unruhe, Zittern
  • Quaddelbildung auf der Haut mit Rötung und Juckreiz
  • Schmerzen im Brustkorb (beim Atmen oder unabhängig davon)
  • Schwellung eines oder beider Beine (Ödeme)
  • Schwellung der Lippen und Mundschleimhaut

Übersicht: Die wichtigsten Ursachen von Atemnot

  • Physiologische "Atemnot":

- Schwangerschaft
- Anstrengung (nicht zu verwechseln mit Anstrengungsasthma; siehe dazu Kapitel "Atemnot – Ursachen: Untere Atemwege, Abschnitt "Bronchien", Punkt "Asthma")

Kehlkopfbereich

- Pseudokrupp (subglottische Laryngitis)
- Epiglottitis (Kehldeckelentzündung)
-
Diphtherie ("echter Krupp")
-
Akute Ödeme: Angioödem (früher: Quincke-Ödem) und Nesselsucht (Urtikaria), Anaphylaxie
-
Stimmbandstörung (Vocal Cord Dysfunction, Laryngospasmus)
-
Stimmbandlähmung; phonatorische Dyspnoe

  • Untere Atemwege (Weitere Infos wiederum im Kapitel "Atemnot – Ursachen: Untere Atemwege"):

Luftröhre

- Verengung (Trachealstenose)
-
Verlegung (zum Beispiel durch einen Fremdkörper: Aspiration) oder von außen durch eine vergrößerte Schilddrüse (Struma) oder einen Tumor

Bronchien

- Asthma
-
Chronische (obstruktive) Bronchitis / chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
-
Bronchiektasen
-
Mukoviszidose
-
Bronchiolitis

Lungen (siehe Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen"):

- Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)
-
Atelektase
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Lungenemphysem (Lungenüberblähung)
-
Lungenentzündungen (Pneumonie) durch Infektionerreger
-
Andere entzündliche Lungenerkrankungen wie Sarkoidose (Morbus Boeck) oder Pneumonitis bei Autoimmunkrankheiten, zum Beispiel Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

- Lungentuberkulose (Tbc, Erstinfektion)
-
Lungenfibrose, Staublungenkrankheit (Silikose, Asbesterkrankungen)
- Exogen-allergische Alveolitis
- Akutes Lungenversagen (ARDS)

- Lungenembolie
-
Lungenhochdruck
-
Lungenödem, Höhenlungenödem

- Rippenfellentzündung, Rippenfellerguss
-
Pneumothorax
-
Tumoren (Mesotheliom, Tochtergeschwülste bei anderen Krebserkrankungen)

- Herzinfarkt
- Herzrhythmusstörungen
- Herzklappenerkrankungen
-
Herzschwäche (siehe auch Lungenödem)

- Neuromuskuläre Erkrankungen (unter anderem Polymyositis, Dermatomyositis, Amyotrophe Lateralskerose)
-
Zwerchfelllähmung
-
Verformung oder Versteifung des Brustkorbs (zum Beispiel Skoliose, Trichterbrust, Bechterew-Krankheit)

- Verletzungen des Brustkorbs (zum Beispiel Rippenbrüche)

- Blutarmut (Anämie)
-
Gesteigerter Sauerstoffverbrauch: zum Beispiel bei Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Fieber, Blutvergiftung

- Hyperventilationssyndrom

Vorbeugung und Selbsthilfe

Einiges kann man auch selbst dazu beitragen, um die Atemwege zu schonen. Die größte Priorität: Rauchverzicht. Auch ein normales Körpergewicht, regelmäßige körperliche Bewegung und Einnahme der verordneten Medikamente nach Plan statt "nach Gefühl", was insbesondere für Herz-, Blutdruck- und Asthmamittel gilt, zählen.

Bei der Atemtherapie werden unter anderem bestimmte Atemtechniken trainiert. Das Training wirkt sich oft positiv auf die Atemtätigkeit und das Befinden aus. Es gibt fließende Übergänge zu meditativen Übungen und Entspannungsverfahren. Gut, wenn diese Übungen zum normalen Bestandteil im Alltag werden.

Asthmakranke zum Beispiel können bei Bedarf mit einem kleinen Gerät namens Peakflowmeter (PEF) ihr Ausatmungsvolumen (den maximalen Atemfluss beim Ausatmen oder Peakflow) bestimmen. Das kann ihnen helfen, besser einzuschätzen, wie sie ihr Asthma unter Kontrolle haben. Voraussetzung ist allerdings eine ausreichende Schulung in einem Asthmaschulungsprogramm.

Leichte körperliche Bewegung trägt dazu bei, den Atemfluss anzuregen und die Atmung zu stärken. Das gilt selbst bei eingeschränkter Belastbarkeit, wie sie beispielsweise eine Herz- oder Lungenkrankheit mit sich bringen kann.

Und wer weiß, dass er auf einen Stoff in der Atemluft, etwa bestimmte Pflanzenpollen (Heuschnupfen als häufigste (Inhalations-) Allergie), in Nahrungsmitteln oder in einem Medikament allergisch reagiert, wird den Auslöser so gut es geht meiden. Eine Allergieimpfung kann bei inhalationsallergischen Erkrankungen häufig die Allergie stoppen und die Entwicklung von allergischem Asthma verhindern.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Sauerstofflieferant Lunge, Transportsystem Herz-Kreislauf

Die Lungen liefern uns beim Atmen den lebensnotwendigen Sauerstoff. Er ist der Brennstoff bei der "Zellatmung" – also im Energie- und Baustoffwechsel des Körpers. Das dabei anfallende Kohlendioxid wird abgeatmet. Zwischen Ein- und Ausatmung sind die Gase im Blut gebunden ("Blutgase") und kreisen auf den Blutbahnen im Körper. 

Das Lungengewebe enthält schätzungsweise 300 Millionen Lungenbläschen (Alveolen), umgeben von einem Netz haarfeiner Gefäße (Kapillaren). Der eingeatmete Sauerstoff gelangt aus den Lungenbläschen in die Kapillaren und weiter in die Lungenvenen. Sie leiten das mit Sauerstoff angereicherte Blut in die linke Herzhälfte. Von dort aus erreicht es über die Schlagadern die Körperorgane und deren Zellen, die den Sauerstoff verwerten.

Das heißt, im Lungenkreislauf transportieren ausnahmsweise Venen sauerstoffreiches Blut – nämlich von den Lungen zurück zum Herz. Die nachfolgende Bildergalerie fasst die Abläufe nochmals zusammen.

Atmung: Gasaustausch in der Lunge

Unentbehrliche Atempumpe: Atemmuskeln, Brustfell, Brustkorb

In einer ruhigen Minute holen wir 15- bis 20-mal rund einen halben Liter Luft. Maßgeblich bewirken das außer den Lungen die Atemmuskeln, allen voran das Zwerchfell. Es liegt zwischen Brust- und Bauchraum. Wenn es sich zusammenzieht, entsteht ein Unterdruck, der die Luft über die Atemwege in die Lungen saugt. Die Atemmuskeln zwischen den Rippen und zahlreiche Atemhilfsmuskeln unterstützen die "Atempumpe" oder Ventilation.

Die Lungen sind von zwei dünnen Häuten, dem Lungenfell und dem Rippenfell, umgeben. Die Doppelhülle heißt Brustfell oder Pleura. Im flüssigkeitsgefüllten Spalt dazwischen herrscht ein Unterdruck. Dadurch folgt die Lunge den Bewegungen des Brustkorbs, dem das Fell innen anliegt. Bei der Einatmung dehnt der Unterdruck sich aus, ebenso die Lunge.

Die Ausatmung erfolgt in Ruhe passiv: Brustkorb und Lungen geben nach, die Luft entweicht durch die offene Stimmritze im Kehlkopf. Bei erhöhtem Atmungsbedarf oder beim Husten helfen Bauchmuskeln nach, um den Druck zu erhöhen und das Zwerchfell nach oben zu wölben.

Messfühler und Reflexe für die Atmung

Neben dem Antrieb bedarf es auch zuverlässiger Regler. In der Tat verfügt der Körper über eine ganze Staffel von Sensoren, die laufend den Druck (Partialdruck) von gelöstem Sauerstoff und Kohlendioxid sowie den pH-Wert im arteriellen Blut erfassen, also chemische Werte. Die Daten dieser Chemorezeptoren werden im Atemzentrum im Hirnstamm ausgewertet, wo wiederum chemosensible Strukturen aktiv sind. Sie kontrollieren die Einhaltung der Sollwerte. Das Atemzentrum regt die Atemmuskulatur an.

Gleichzeitig empfängt es Signale übergeordneter Zentren im Gehirn. Außerdem verfügen die Atemwege über blitzschnell reagierende Eigenschutzmechanismen – sehr wichtig hier: der Hustenreflex – und viele weitere Reflexe, die das Atemzentrum aktivieren.

Datendifferenzen zwischen den einzelnen Ebenen können Fehlermeldungen auslösen. Wir atmen dann zum Beispiel stärker, um dem Gefühl von "Luftmangel" zu begegnen. Signale weiterer Rezeptoren, sogenannter Muskel- und Dehnungsrezeptoren, schlagen bei erschwerter Atemarbeit (Gefühl der "Brustenge") Alarm, beispielsweise bei Asthma.

Impulsgeber Gehirn

Das Atemzentrum im Hirnstamm regelt die Atmung grundsätzlich automatisch – weder müssen wir daran denken noch können wir es über eine bestimmte Dauer hinaus (Stichwort: Apnoetauchen...) unterdrücken. Der rhythmische Atemantrieb funktioniert natürlich auch im Schlaf – normale Verhältnisse vorausgesetzt.

Das Gehirn gibt der Atmung also unentwegt Impulse. Natürlich auch bewusste. Zum Beispiel beim Entschluss, genau jetzt, in diesem Augenblick beim Lesen innezuhalten und ganz bewusst einmal tief durchzuatmen!

Wie stark Emotionen und Atmung sich wechselseitig beeinflussen, das weiß jeder, man denke nur an "atemberaubende" Gefühlseindrücke oder aber eine Schrecksekunde, in der uns die Luft wegbleibt. Eine gesteigerte Atmung oder die Wahrnehmung von Atemnot können mitunter psychisch bedingt sein. Mehr dazu unter "Atemnot – Ursachen: Hyperventilationssyndrom" in diesem Beitrag.

Wie körperliche Veränderungen die Atmung beeinflussen

Bei Blutarmut, Fieber, unter dem Einfluss erhöhter Schilddrüsenhormonspiegel oder in der frühen Schwangerschaft durch die hormonelle Umstellung kann das Atemzentrum zum Beispiel das Signal "erhöhter Sauerstoffbedarf" erhalten und in Abstimmung mit anderen Gehirnzentren darauf reagieren.

Atemfrequenz und Atemtiefe nehmen zu (Hyperventilation). In den letzten Wochen vor der Geburt braucht das Ungeborene viel Platz im Bauch und erschwert der Schwangeren so allerdings das Atmen mechanisch. Dann kann sie ihre Sauerstoffreserven nicht mehr so gut ausschöpfen und kommt besonders bei körperlicher Anstrengung leicht außer Atem.

 

Atemnot: Sicht- und hörbar

Atemnot ist als bewusste, aber subjektive Empfindung nicht messbar. Es lässt sich aber erkennen, ob die Atmung gesteigert, vermindert oder unregelmäßig ist, ob sich jemand schwertut und hörbar mit großer Not atmet (ziehendes, pfeifendes Atmen, medizinisch: Stridor), vielleicht dabei auch eine besondere Haltung einnimmt, um Luft zu bekommen.

Nicht selten sind Menschen in dieser Situation auffallend unruhig, angstvoll und blass, vielleicht bricht ihnen kalter Schweiß aus allen Poren, oft haben sie auch blaue Lippen. Dies wie manchmal auch eine bläulich-graue Hautfarbe, vor allem im Gesicht, außerdem eine bläulich verfärbte Zunge (Fachbegriff für diese Veränderungen: Zyanose) und blau-violette Fingernägel weisen, vereinfacht gesagt, auf einen Sauerstoffmangel hin.

Neben solchen äußerlich erkennbaren Veränderungen sind weitere Befunde richtungsweisend, etwa krankhafte Atemgeräusche, die der Arzt beim Abhören der Lungen mit dem Stethoskop feststellt. In der Fachpraxis oder auch beim Rettungseinsatz kann der Arzt zudem die Sauerstoffsättigung zunächst mittels Pulsoxymetrie über die Haut messen.

Was die Krankengeschichte verrät

Weitere Anhaltspunkte geben häufig die Krankengeschichte und Schilderung des Patienten, wie seine Beschwerden sich entwickelt haben (Anamnese). So kann etwa eine zurückliegende Beinvenenthrombose eine stattgehabte Lungenembolie nahelegen und eine plötzliche Atemnot erklären. Begünstigend für eine Thrombose kann zum Beispiel eine vorübergehende Ruhelage sein, etwa nach einer Verletzung oder langem Sitzen auf einer Reise.

Anzeichen sind unter anderem die Schwellung eines Beins, dazu Schmerzen, die auch in der Kniekehle oder Leiste spürbar sein können und sich im Stehen verstärken.
Anhand dieser Anzeichen und weiterer Kriterien – sie bilden zusammen den sogenannten Wells-Score – kann der Arzt die Verdachtsdiagnose einer Thrombose oder Lungenembolie stellen und dann weitere Maßnahmen einleiten.

Begleitsymptome wie Brustschmerzen, ein schneller Pulsschlag, Husten, Auswurf (womöglich auch blutig) sind weitere Indizien einer Lungenembolie, können aber auch bei einer Lungenentzündung auftreten. Ähnliches gilt für Fieber und starke körperliche Schwäche bis hin zum Kreislaufkollaps.

Atemnot und kurze Ohnmachten (Synkopen), etwa bei Anstrengungen oder Husten, sind eine Kombination von Beschwerden, die zum Beispiel im Zusammenhang mit Lungenhochdruck vorkommen können.

Um zügig abzuklären, ob eine chronische Atemnot, die einem Betroffenen inzwischen verstärkt Probleme bereitet, eher den Lungen, dem Herzen oder anderen Ursachen zuzuordnen ist, kann dem Arzt im Vorfeld ein Fragebogen weiterhelfen, der verschiedene, hier genannte Punkte systematisch abfragt. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, die sich, etwa bei geringer Belastbarkeit des Patienten, zunächst nur auf wesentliche Körperfunktionen (wie Atmung, Kreislauf, Bewusstein, Temperatur, Reflexe, Gefäße) konzentrieren kann.

Medizintechnik hilft auf die Spur

Die Wahl der apparativen Methoden folgt der ersten Verdachtsdiagnose. Dabei veranlasst der Arzt zum Beispiel verschiedene Bluttests, etwa eine Bestimmung des Troponin-T (oder des hochsensitiven Tests auf Herz-Troponin bei erhöhter Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt), des NT-proBNP, des sogenannten D-Dimer oder auch einer Blutgasanalyse.

Eine Elektrokardiogramm (EKG), Röntgenuntersuchungen, eine Ultraschalluntersuchung des Brustraums, gegebenenfalls auch der Beinvenen (Dopplersonografie) sind weitere häufige Erstmaßnahmen.

Im zweiten Schritt können sich eine Lungenfunktionsprüfung (bestimmte Atemtests, Spirometrie, in erweiterter Form auch als Spiroergometrie mit Überprüfung des Herzkreislaufsystems), Allergietests und endoskopische Untersuchungen des Nasen-Rachen-Raums anschließen. Auch einen auffallenden Auswurf (Sputum) wird der Arzt je nach Verdachtsdiagnose untersuchen (bakeriologisch oder auf enthaltene Zellen).

Im Rahmen der Endoskopie des Kehlkopfes über die Nase (flexibles Instrument) oder den Rachen (starres Instrument) kann der Hals-Nasen-Ohren- (HNO-)Arzt die Stimmbandfunktion überprüfen. Eingehendere Stimmbanduntersuchungen wie die Stroboskopie erfolgen in Narkose.

Herz im Fokus?

Liegt aufgrund der ersten Befunde das Herz im Blickpunkt des Arztes, so hat der Arzt es in der Regel bereits eingangs durch die bekannteste aller Herzuntersuchungen, nämlich ein Elektrokardiogramm (siehe oben: EKG), überprüft. Dieses befindet sich inzwischen in bester Gesellschaft: So wird das Herz heute vielfach auch mit dem ebenso gut (v)erträglichen Ultraschall (Echokardiografie) abgebildet.

Anders als das EKG erlaubt die Ultraschalltechnik neben funktionellen Aussagen wie das Ausmaß der Pumpkraft optische Einblicke in das Herz. Der Untersucher kann zum Beispiel erkennen, wie die Herzklappen und die Herzwände arbeiten und wie der Blutfluss im Herz verläuft.

Spezielle Untersuchungsverfahren

Gegebenenfalls schließt sich eine Untersuchung der Herzkranzgefäße oder schwerpunktmäßig der rechten Herzhälfte mittels Herzkatheter an. Ein sogenannter Rechtsherzkatheter kommt etwa bei Verdacht auf einen Lungenhochdruck zum Einsatz. Gegebenenfalls wird er bei dieser Fragestellung durch eine Röntgendarstellung der Lungengefäße vervollständigt.

Nach wie vor werden auch nuklearmedizinische Verfahren zur Erfassung der Lungendurchblutung und -belüftung (Szintigrafie der Lungen: Ventilations-Perfusionsszintigrafie oder nur Perfusionsszintigrafie) bei der Abklärung einer Lungenembolie oder eines Lungenhochdrucks eingesetzt. Dies gilt insbesondere nach einer oder mehreren Lungenembolien (schwieriger Fachbegriff: chronisch-thromboembolische pulmonale Hypertonie; mehr dazu im Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungengefäße"). Vorrang hat im Falle eines Lungenembolieverdachts bei klinisch stabilen Patienten allerdings eine CT-Angiografie der Lungengefäße (CT-PA).

Die Lungenszintigrafie ist vor allem dienlich, wenn eine CT-PA für den Patienten als zu belastend eingeschätzt wird. Ersatzweise bietet sich eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Lungen an. Ergänzende Sonografien des Herzens (Echokardiografie, siehe oben) und der Beinvenen sind besonders wichtig, um eine mögliche Lungenembolie und ihre Quelle erfassen zu können.

Manchmal ist eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Brustraums oder eine entsprechende Computertomografie (CT) angezeigt. Bei speziellen Fragestellungen kann das CT mit einer Positronenemissionstomografie kombiniert werden (PET-CT).

Ein auf die Halsgegend zentriertes CT oder MRT informiert über krankhafte Veränderungen in diesem Bereich.

Die direkte Untersuchung der Stimmbänder mittels einer speziellen Laryngoskopie, eine Spiegelung der tiefen Luftwege beziehungsweise der Lungen (Bronchoskopie) oder auch der Brusthöhle (Thorakoskopie) sind eingreifendere Maßnahmen. Während der Bronchoskopie lassen sich Bronchialflüssigkeit oder Gewebeproben zur mikroskopischen Analyse gewinnen. Die Technik lässt sich auch mit einem "inneren" Ultraschall und neuen optischen Verfeinerungen wie zum Beispiel "narrow band imaging" mit detaillierter Wiedergabe der Gewebezeichnung kombinieren.

Manchmal rücken auch Untersuchungen der Schilddrüse oder aber neurologische und psychologische Diagnoseverfahren in den Vordergrund.

Weitere Informationen zu jeweils infrage kommenden Diagnoseverfahren gibt es in den einzelnen Ursachenkapiteln dieses Ratgebers.

Erkrankungen oder Verletzungen können dazu führen, dass die Schleimhaut in den oberen Luftwegen – Mund, Rachen, Kehlkopf – sich entzündet, anschwillt oder sogar zuschwillt. Mögliche Anzeichen sind ein pfeifendes Geräusch bei der Atmung, je nach Ausmaß auch Atemnot bis hin zu Erstickungsgefahr.

Zu den Ursachen gehören bei Kindern der Pseudokrupp, selten bei uns die Diphtherie, außerdem verschiedene Formen akuter Gewebeschwellungen (Ödeme), Reizgasvergiftungen und Verbrennungen. Auch Lähmungen und Verkrampfungen der Stimmbänder im Kehlkopf oder aber Tumore können den Luftweg blockieren.

Ursachen von Atemnot im Bereich des Kehlkopfes

  •  Pseudokrupp (subglottische Laryngitis)

    Der Pseudokrupp ist eine Entzündung im Bereich des Kehlkopfes und unterhalb der Stimmbänder, also im oberen Teil der Luftröhre. Da die Luftwege bei Säuglingen und Kleinkindern erst noch wachsen müssen, können Schwellungen des Gewebes  sie bei ihnen leichter blockieren als bei Schulkindern oder erwachsenen Menschen. Erschwerend kommt hinzu, dass bestimmte Erreger wie zum Beispiel Masern-, Grippe- und Erkältungsviren, seltener Bakterien wie Hämophilus influenzae B, besonders für (Klein-)Kinder gefährlich werden können.

    Wichtig: Luftschadstoffe, Allergien und eine Raucherumgebung begünstigen Pseudokruppanfälle. Dann kann passieren, was alle Beteiligten – Eltern wie die betroffenen Kleinen selbst – hochgradig in Angst und Schrecken versetzt: Ein Kind fängt plötzlich abends oder nachts bellend zu husten an. Es entwickelt sich eine pfeifende, ziehende Einatmung (Stridor). Bei stärkerer Ausprägung fällt auch das Ausatmen schwerer, im Extremfall kommt es zu einer Blaufärbung im Gesicht, eventuell sogar zu erstickungsartigen Atemnotanfällen. Zusätzlich oft vorhandene Erkältungsbeschwerden wie Schnupfen und Fieber machen es dem Kind erst recht schwer, die Fassung zu bewahren.

    Da der echte Krupp, die Diphtherie, heute bei uns kaum noch vorkommt, wird der Pseudokrupp inzwischen meist einfach Krupp oder Kruppsyndrom genannt. Mehr zu diesem Thema lesen Sie unter "Pseudokrupp" auf unserem Partnerportal "https://www.baby-und-familie.de".

    ! Besonders gefährlich ist eine Variante namens Epiglottitis oder Kehldeckel-Entzündung. Sie wird durch Bakterien ausgelöst, vor allem Hämophilus influenzae B. Gegen den Keim gibt es eine Schutzimpfung, die im Rahmen des Impfprogramms für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder empfohlen wird.

    Bei den Symptomen fehlt zwar häufig der bellende Husten. Aber es entwickelt sich, meistens aus voller Gesundheit heraus, eine schnell zunehmende Atemnot mit pfeifender Einatmung und Keuchen. Hinzu kommen Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, eine kloßige Sprache, hohes Fieber.

    ! Achtung: Möglichst schon bei ersten Anzeichen einer Kehlkopfentzündung wie ziehende Atmung sofort den Kinderarzt rufen. Er wird entscheiden, ob das Kind zu Hause behandelt werden kann oder besser in der Klinik aufgehoben ist. Tritt Atemnot auf, unverzüglich den Notarzt alarmieren (Notruf: Tel. 112).
  • Diphtherie ("echter Krupp")

    Diphtherie
    wird von sogenannten Korynebakterien verursacht. Häufigste Form der Diphtherie ist die Rachendiphtherie (Atemwegs- oder respiratorische Diphtherie: Nase, Rachen, Mandeln, Kehlkopf). Ein von den Erregern produziertes Gift (Toxin) schädigt die Schleimhaut hier massiv, und es bilden sich starke entzündliche Beläge (Pseudomembranen). Die Mandeln und die Schleimhaut im Rachen oder tiefer in den Atemwegen können zudem heftig anschwellen, was Atemnot zur Folge haben kann. Komplikationen mit Schäden anderer Organe durch das Gift sind bei uns eine Seltenheit.

    Denn dank der Schutzimpfung bei Kindern ist die Infektion bei uns selten geworden. Leider lässt der Impfschutz bei Erwachsenen inzwischen nach, weil viele ihn nicht mehr auffrischen. Nach wie vor werden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Auffrischungen empfohlen. Dies sollte zumindest vor Reisen in Gebiete, wo die Krankheit auch heute noch verbreitet ist, geschehen, etwa Staaten der russischen Föderation, Afghanistan, Indien, Philippinen und einige afrikanische Länder.
     
    Symptome: Die Beschwerden setzen allmählich ein. Auf der hochroten Rachenschleimhaut finden sich grauweiße oder bräunliche Beläge, die fest an der Schleimhaut haften. Es kommt zu Halsschmerzen, Fieber und Kopfschmerzen. Schreitet die Infektion fort, kann infolge einer Nervenschädigung durch das Gift eine Gaumensegellähmung auftreten, die mitunter zu Schluck- und Sprechstörungen führt. Bauch- und Gelenkschmerzen sind ebenfalls möglich. Die Lymphknoten am Hals schwellen an, es bildet sich ein süßlicher Mundgeruch.

    Heiserkeit bis hin zu Stimmlosigkeit und Atemnot weisen auf ein fortgeschrittenes Stadium hin mit Ausbreitung der Beläge und Schwellungen im Kehlkopf, manchmal auch noch tiefer in den Atemwegen. Im Extremfall kann der gesamte vordere Halsbereich, mit Ausdehnung über die seitlichen Partien bis in den Nacken – anschwellen. Alles dies sind lebensgefährliche Entwicklungen, die heute bei uns schon fast historisch anmuten – und doch in Europa vereinzelt immer noch vorkommen.

    Die Behandlung Erkrankter muss in der Klinik (Isolierstation) stattfinden. Ein Antitoxin (vom Pferd) kann bei früher Gabe im Körper zirkulierendes, noch nicht zellgebundene Diphtherietoxin neutralisieren. Außerdem werden Antibiotika eingesetzt. Parallel findet eine Erregertestung statt, gegebenenfalls auch eine Toxinbestimmung.

    Da die Infektionsgefahr für enge Kontaktpersonen innerhalb der Ansteckungszeit sehr groß ist, werden sie im Verdachtsfall ebenfalls isoliert, getestet und vorbeugend antibiotisch behandelt. Die Entscheidung darüber obliegt in jedem Einzelfall den behandelnden Ärzten und Gesundheitsbehörden. Wer als symptomfreie Kontaktperson nachweislich den Erreger in sich trägt, wird nachhaltiger mit Antibiotika behandelt. Unvollständiger Impfschutz sollte vervollständigt, eine länger zurückliegende vollständige Impfung aufgefrischt werden.

Akute Schwellungen – Angioödeme: Was dahintersteckt

Schwellungen (Ödeme), die den Kehlkopf mit einbeziehen können

  • Angioödem (früher Quincke-Ödem): Bei einem Angioödem kommt es zu anfallsartigen Schwellungen in der Tiefe der Haut (Lippen, Augenlider) und der Schleimhaut im Mund, an der Zunge, im Rachen, seltener im Kehlkopf und in anderen inneren Organen. Häufig entwickelt sich auch eine Nesselsucht (Urtikaria). Sie betrifft nur die Haut, und zwar die oberen Schichten. Die Schwellungsattacken klingen meist nach etwa einem bis fünf Tagen wieder ab. Es gibt aber auch chronische Formen.

    Warum der Name Angioödem? Es kommt zu Entzündungsvorgängen an kleinen Arterien (der Wortstamm Angio- bezieht sich auf Blutgefäße), die zu "Lecks" in nachgelagerten dünnen Venen führen, sodass Flüssigkeit ins Gewebe austritt. Bevorzugt passiert das an weichen, dehnbaren Körperstellen wie Lippen, Lider, Zunge, Rachenschleimhaut.

    Histaminvermitteltes Angioödem: Für die häufigsten Angioödem-Formen einschließlich Urtikaria ist unter anderem das Gewebshormon namens Histamin verantwortlich. Stoffe, die nicht vertragen werden oder auf die ein Betroffener allergisch reagiert, locken hier das Histamin aus der Reserve: etwa ein Schmerz- oder Rheumamittel wie Acetylsalicylsäure, ein Antibiotikum, ein allergieträchtiger Bestandteil in Nahrungsmitteln, ein Röntgenkontrastmittel in der Blutbahn, Insektengift, Latex... Histamin kann auch bewirken, dass die kleinen Bronchien sich verengen. Die Folge: Atemnot.

    Selten liegt eine Autoimmunkrankheit vor wie zum Beispiel eine autoimmune Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis). Bei einer solchen Krankheit geht das Immunsystem gegen körpereigene Gewebestrukturen vor, der Körper greift sich also selbst an (auto, gr. selbst). Im Zuge dessen kann es auch zu einem Angioödem kommen.

    Symptome:
    Das Angioödem entspricht einer flächigen, mitunter leicht rötlichen Schwellung in tiefen Haut- oder Schleimhautschichten, in erster Linie der Haut im Gesicht, vor allem an den Lippen und um die Augen. Lebensgefahr kann von einem plötzlich auftretenden Ödem im Mund- oder Rachenraum ausgehen: einer starken Schwellung an der Zunge, im Rachen oder Kehlkopf (Glottisödem). Warnzeichen sind pfeifende Atemgeräusche (Stridor), eine veränderte Stimme und beginnende Atemnot (Dyspnoe).

    Im Prinzip kann ein Angioödem aber überall, also auch an Armen, Händen, Beinen, Füßen, Genitalien und am Rumpf entstehen. In der Körperperipherie ist es im Allgemeinen nicht so problematisch, wenn das Ödem nicht gerade hinderliche Ausmaße annimmt. Die begleitende Nesselsucht zeigt sich mit scharf begrenzten, rosa- oder hautfarbenen juckenden Quaddeln auf der geröteten Hautoberfläche. Sie können ebenfalls am ganzen Körper in Erscheinung treten. Bei Schwellungen innerer Organe kann es zu kolikartigen Beschwerden kommen.


    Gelegentlich lassen sich keine direkten Auslöser oder Ursachen für das Angioödem feststellen (idiopathisches Angioödem, mit oder ohne Histamin). Mitunter verbleiben eventuell Hitze, Kälte, UV-Licht, Stress oder körperliche Anstrengung als mögliche "Motive".

    Der Ratgeber "Nesselsucht" informiert Sie genauer über die Urtikaria.

  • Bradykininvermitteltes (unter anderem erbliches, auch hereditäres) Angioödem: Seltener sind bei Angioödemen andere Gewebshormone im Spiel wie Bradykinin. Dieses ist ebenfalls an Entzündungen beteiligt, verursacht aber keine Nesselsucht. Eingriffe im Mund-Rachenbereich (zum Beispiel an den Zähnen oder Mandeln), Infektionskrankheiten wie Erkältung oder Grippe sind manchmal auslösend. Mund und Rachen beispielsweise sind bei Schwellungen äußerst kritische Körperbereiche: Im Extremfall droht Ersticken. Daher wird Patienten mit erblichem Angioödem zum Beispiel vor Eingriffen im Halsbereich eine vorbeugende Behandlung empfohlen (Kurzzeitprophylaxe, siehe unten, Abschnitt "Therapie").

    Herz- und Blutdruckmedikamente vom Typ der ACE-Hemmer, mitunter auch sogenannte Angiotensin-1 (AT-1)-Antagonisten ("Sartane"), können die Neigung zu bradykininvermittelten Angioödemattacken verstärken – selbst nach längerer Einnahme.

    Ein bradykininvermitteltes Angioödem beruht zum einen auf einem Mangel oder Defekt eines bestimmten Eiweißstoffes, des C1-Esterase-Inhibitors (C1-INH; C steht für einen körpereigenen Stoff namens Komplement, INH für Inhibitor (Hemmer). Die einzelnen C-Vertreter tragen unterschiedliche Ziffern. Der Defekt oder Mangel ist erblich (familiär) bedingt oder geht auf eine spontane Genveränderung zurück. Zum anderen gibt es im Laufe des Lebens erworbene Formen. Dann liegt manchmal eine andere Grunderkrankung vor.

    Bei den erblichen Angioödemen (internationale Abkürzung HAE, 50%-prozentiges Erbrisiko, beide Geschlechter erkranken gleich häufig) treten die Schwellungen häufig schon im Kindes- und Jugendalter auf. Später können sie sich abschwächen. Eine Variante des erbliches Angioödems, die fast nur bei Frauen vorkommt, kann sich erstmals bei hormonellen Umstellungen wie Schwangerschaft oder Einnahme östrogenhaltiger Hormonpräparate (zur Empfängnisverhütung oder Hormonersatztherapie) bemerkbar machen.

    Symptome:
    Schwellungen der Haut im Gesicht, häufig auch nur im Magen-Darm-Trakt mit kolikartigen Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, sind führende Beschwerden. Zudem können Schwellungen der Schleimhaut im Rachen bedrohliche Atemnot verursachen.

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    Achtung:  Juckende Quaddeln fehlen zumeist, es überwiegt eher ein (mitunter schmerzhaftes) Spannungsgefühl der Haut.
    Und:
    Bauchbeschwerden können auch ohne Hautsymptome auftreten, was zu Verwechslungen mit operationsbedürftigen Baucherkrankungen Anlass geben kann.
    Auch im Genitalbereich sind Schwellungen möglich.

    Diagnose:
    Die Symptome und eine sehr sorgfältig erhobene Krankengeschichte liefern wichtige Hinweise. Hinzu kommen Laboranalysen des Blutes und Urins. Im Blut findet sich bei Formen mit C1-INH-Mangel oder -Defekt ein erniedrigter Komplementfaktor C4. Auch die C1-INH-Konzentration/-Aktivität im Blut wird bestimmt. Es ist wichtig, die seltenen erblichen Formen zu erkennen, um die Betroffenen auf mögliche Gefahren vorzubereiten und im Ernstfall sofort gezielt behandeln zu können.

    Schwellungen im Magen-Darm-Bereich lassen sich durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall feststellen, andere Ursachen, die ähnliche Beschwerden bereiten können, im selben Zug ausschließen. Der Arzt wird außerdem andere Grunderkrankungen, etwa der Haut, eine Allergie, eventuell auch eine sogenannte Systemerkrankung (Autoimmunerkrankung) abklären.

    ! Wichtig: Bei nachgewiesenem C1-INH-Mangel sollen sich alle bislang noch nicht diagnostizierten blutsverwandten Familienmitglieder auf die Erkrankung hin untersuchen lassen. Nur so lässt sich eine mögliche Erstickungsgefahr "aus unbekannter Ursache" bei ungeschützten Eingriffen im Mund-Rachenraum vermeiden!

    Therapie:
    Bekannte Auslöser sollten die Betroffenen im Allgemeinen meiden. Antihistaminika, in ausgeprägteren Fällen auch Kortison und, in sehr schweren Fällen, Adrenalin zum Injizieren, helfen zwar bei Angioödemen, die auf Histaminwirkungen beruhen. Die Mittel sind zum Beispiel auch in Notfallsets zur Behandlung bei schweren Insektengift- oder Erdnussalgerien enthalten.
    Gegen eine chronische Urtikaria, die auf ein Antihistaminikum nicht anspricht, kann ein IgE-Antikörper, alle vier Wochen unter die Haut gespritzt, wirksam sein. Kaum oder gar nichts bewirken diese Antiallergika jedoch bei den allerdings viel selteneren bradykininvermittelten Angioödemen. Hier hängt die Therapie von der genauen Ursache und den Begleitumständen ab.

    Hat sich etwa unter der Einnahme eines ACE-Hemmers ein Angioödem entwickelt, scheidet diese Medikamentengruppe definitiv aus. Der Arzt wird mögliche Alternativen (nicht jedoch einen ähnlich wirkenden Angiotensin-Antagonisten (ein "Sartan"), auch auf diese Medikamentenart sollte verzichtet werden!) finden. Dasselbe gilt für östrogenhaltige Hormonpräparate.

    Im Notfall kann bei bedrohlicher Schwellung im Gesichts- und Rachenbereich bei fehlender Wirkung von Kortison (siehe  Abschnitt unten, "Allgemeine Notfalltherapie") ein Therapieversuch mit einem C1-Inhibitor unternommen werden (siehe nachfolgend und weiter unten: allgemeine Notfalltherapie bei Glottisödem). Bei einer Autoimmunerkrankung können Medikamente wirksam sein, die das Immunsystem unterdrücken.
    Im Falle einer akuten Schwellungsattacke mit drohender Atemnot bei erblichem Angioödem / C1-INH-Mangel wird im Rahmen der Notfalltherapie, ansonsten auch zur Prophylaxe, ein sogenanntes C1-Inhibitor-Konzentrat in die Blutbahn gegeben. Möglich ist das inzwischen nach entsprechender Schulung auch in der Heimselbstbehandlung. Infrage kommt hier auch ein sogenannter rekombinanter (rh) C1-Inhibitor.

    Medikamente namens Bradykinin-Rezeptor-Antagonisten sind ebenfalls wirksam. Sie können unter die Haut gespritzt werden (in Deutschland derzeit ein Präparat), was ein geschulter Betroffene noch leichter selbst tun kann. Daneben sind weitere Medikamente zur Prophylaxe verfügbar, wenn eine "Bedarfstherapie" nicht ausreicht.

    Man sollte immer zwei Dosen (Mengen) des Notfallmedikaments zur Hand haben. Die Patienten erhalten zudem einen Notfallausweis. Darin steht unter anderem, welches nächstgelegene Krankenhaus kontaktiert werden kann.
  • "Ödemneigung" des Kehlkopfes bei schwangerschaftsbedingter Eklampsie

    Ganz anders gelagert ist eine Schwellung des Kehlkopfes als seltenes Ereignis bei Eklampsie. Diese ist eine Komplikation der – ebenfalls schwangerschaftsbedingten – Präeklampsie (mehr unter "Bluthochdruck während der Schwangerschaft" auf https://www.baby-und-familie.de). Wichtig in der Ursachenkette ist ein Bluthochdruck.

    Bei Eklampsie sind Gehirnschwellungen und Krampfanfälle möglich, die für Mutter und Kind potenziell lebensbedrohlich sein können. Meistens tritt die Störung in der Spätschwangerschaft auf, manchmal auch erst nach der Geburt. Überwiegend verläuft sie jedoch mild.
  • Allgemeine Notfalltherapie bei Kehlkopfödem (Glottisödem): Falls keine genaue Ursache bekannt ist, der Patient zum Beispiel keinen Angioödem-Notfall-Ausweis und auch kein Allergie-Notfallset, etwa bei Wespengift- oder Erdnussallergie, bei sich trägt, verabreicht der Notarzt zunächst Kortison in hoher Dosis in die Blutbahn.

    Bei einem Patienten im Schock Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen, bis der Rettungsdienst eintrifft. Wenn zur Hand, dem Betroffenen versuchsweise auch eine "Eiskrawatte" um den Hals legen. Lässt sich ein Glottisödem nicht mit Medikamenten beeinflussen, können nur noch eine Intubation und Beatmung oder ein Luftröhrenschnitt lebensrettend sein.

Kehlkopfprobleme: Störungen mit Atmung und Stimme

  • Funktionsstörungen des Kehlkopfes

    Der Kehlkopf reguliert den Luftstrom beim Atmen (Offenhalten der Stimmbänder), erzeugt die Stimme und Laute (Schließstellung und Schwingung der Stimmbänder), und er schützt beim Schlucken die Atemwege vor dem, was nicht hinein soll, indem er den Kehldeckel reflexhaft verschließt. Außerdem lösen die Kehlkopfmuskeln noch mehr Schutzreflexe aus, etwa den Hustenreflex. Ist die Reflexschwelle zu niedrig, etwa bei einer Art Überempfindlichkeit, können Stimmbandstörungen bis hin zu Verkrampfungen die Folge sein.

    Stimmbandstörung (Vocal Cord Dysfunction (VCD), Laryngospasmus): Wenn die Stimmbänder sich beim Einatmen odr Sprechen plötzlich schließen, anstatt sich zu öffnen und frei zu schwingen, bleibt die Luft draußen. Die Stimme versagt (Dysphonie), der Betroffene ächzt nach Luft und hat panische Erstickungsangst. Unterdessen löst sich der Krampf meistens wieder, und mit ihm die Atemnot. Solche laryngospastischen Anfälle sind die Extremform einer VCD. In leichteren Fällen hat der Betroffene hauptsächlich das Gefühl, plötzlich nicht gut durchatmen zu können.

    Zu der Atemnotattacke kommt es meistens nach einem Hustenanfall, ausgelöst durch einen bestimmten Duft, Zigarettenrauch, kalte oder warme Luft, Stress, körperliche Belastung, ein Allergen (Allergieauslöser). Manche Patienten mit Bronchial-Asthma und Allergien – und insgesamt mehr Frauen – neigen vermehrt dazu. Auch Entzündungssekret, das bei einer Nasen-Nebenhöhlenentzündung (engl. postnasal drip) in den Rachen gelangt, ist ein möglicher Auslöser.

    Wenn der Anfall aus dem Schlaf heraus auftritt, was eher selten vorkommt, kann auch eine Rückflusskrankheit dahinter stecken. Dabei kommt unter bestimmten Voraussetzungen zu einem Reflux (Rückfluss) von Magensäure in die Speiseröhre, mitunter bis in den Rachen. Betroffen sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene.

    Symptome:
    Anfallsartig auftretende Atemnot, die je nach Ausprägung als lebensbedrohlich empfunden wird (Erstickungsangst), oft nach Hustenanfällen; Heiserkeit, Kratzen im Hals, Kloßgefühl. Wichtig: Der Anfall klingt in der Regel in kürzester Zeit von alleine wieder ab! Die Angst- und Panik-Komponente ist eher Folge als Ursache der Störung.


    Die Diagnose stellt in der Regel ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Manchmal gelingt es bei einer Spiegelung des Kehlkopfes, die Fehlfunktion der Stimmbänder zu erkennen. Andere Begleiterkrankungen, etwa eine Nasennebenhöhlenentzündung oder ein Rückflusskrankheit, sind zu berücksichtigen. Hat ein Lungenfacharzt ein Bronchialasthma bei dem Betroffenen festgestellt, wird er es selbstverständlich genauso gezielt behandeln wie jede andere Grunderkrankung auch.

    Zur Therapie: Die Funktionsstörung der Stimmbänder (VCD) selbst ist kein Fall für Medikamente. Vielmehr ist umfassende Aufklärung über das eigentlich harmlose Krankheitsbild meist schon hilfreich, zumindest ansatzweise. Dazu kommen eine haltungsverbessernde, symptomlösende Atem- und Stimmtherapie mit zwerchfellbetonten und halsentspannenden Atemtechniken.

    Als übergreifender Ansatz bietet sich ein besseres Stress- und Selbstmanagement an, um aufkommende Atemprobleme in den Griff zu kriegen. Wenn eine psychische Problematik zugrunde liegt, ist an eine Therapie in dieser Richtung zu denken. Beides lässt sich im Rahmen einer psychologischen Therapie bearbeiten. Dazu kann der behandelnde HNO-Arzt weitere Ratschläge geben.

Stimmbandlähmung: Ein komplexes Problem

  • Stimmbandlähmung: Eine Stimmband- (beziehungsweise Stimmlippen-)lähmung ist Folge einer Schädigung zuständiger Nerven, meist im Halsbereich. Unter anderem kommen als Ursachen Verletzungen oder Narbenbildungen nach einer Operation, etwa der Schilddrüse infrage. Auch eine Verletzung bei einer Intubation im Rahmen einer Narkose gehört zu den möglichen Ursachen. Sodann sind Schädigungen des Stimmapparates durch Entzündungen, neurologische Erkrankungen, Giftwirkungen oder einen Tumor möglich. Nicht selten lässt sich keine Ursache feststellen (idiopathische Stimmbandlähmung).

    Es können beide oder ein Stimmband gelähmt sein. Im ersteren Fall muss eine ausreichende Atmung sichergestellt werden. Im zweiten Fall stellt sich dieses Problem praktisch nicht. Vielmehr geht es hier vor allem um die Wiederherstellung einer funktionstüchtigen Stimme. Manche Betroffenen empfinden dennoch eine gewisse Atemnot, was der HNO-Arzt nochmals genauer überpüfen wird.

    Symptome:
    Bei beidseitiger Stimmbandlähmung können die Stimmbänder in Mittellage nah beieinander oder etwas mehr voneinander entfernt stehen. Je nachdem ist Sprechen noch besser möglich als Atmen. Die Stimme kann aber atemlos klingen. Oder die Atmung ist in Ruhe, erst recht aber bei Belastung, etwa auch in Stresssituationen, erschwert und mit hörbarem Pfeifen (Stridor) beim Atmen verbunden (vor allem bei engen Stimmbändern). Auch Schluckstörungen sind mitunter möglich.


    Ist nur eine Seite gelähmt, tritt eine mehr oder weniger ausgeprägte Heiserkeit auf. Beim Sprechen kann es gelegentlich zu Atemnot kommen, wenn zu viel Luft entweicht (phonatorische Dyspnoe).


    Therapie:

    Beidseitige Stimmbandlähmung:
    Ist die Atmung gefährdet, muss sie wiederhergestellt und eine bekannte Ursache schnellstmöglich behandelt werden. Im Notfall kann ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) und die spätere Versorgung mit einer Sprechkanüle unvermeidlich sein. Stimmübungen mittels Elektrotherapie sind im weiteren Verlauf eine Option. Alternativ, falls möglich, erfolgt ein Eingriff, der die Atmung verbessern kann. Dabei kommt es jedoch zu Einbußen bei der Stimme.

    Es gibt verschiedene Verfahren. Ein Beispiel: Die endoskopische Erweiterung der Stimmritze (Glottis). Dabei wird ein Stimmband hinten mitsamt Anteilen des zugehörigen "Stellapparats" im Kehlkopf gekürzt, zum Beispiel mittels Laser. Der verbleibende hintere Teil des Stimmbands wird seitlich angenäht. Eine Stimmerzeugung ist danach möglich, indem sich die Stimmbänder im vorderen Bereich beim Sprechen schließen.

    Einseitige Stimmbandlähmung:
    Ob sich die Stimmlippenfunktion wieder einspielt, hängt von der Ursache der Schädigung ab. Bei einer Stimmbandlähmung unklarer Ursache (idiopathisch) zum Beispiel braucht es häufig einige Monate Geduld und viel Üben bis zur Erholung. Eine logopädische Behandlung vermittelt geeignete Stimm- und Atemtechniken und fördert den Heilungsprozess.

    Zeichnet sich nach etwa zwei Monaten keine Besserung der Stimme ab, kann sie sich durch eine Operation verbessern, etwa eine vorübergehend wirksame Unterfütterung (sogenannte Augmentation), die den Stimmlippenschluss verbessert. Bei länger bestehender Lähmung sinken die Chancen auf eine Erholung. Dann kann ein andere Unterfütterungstechnik oder eine feste Verlagerung der gelähmten, zur Seite abweichenden Stimmlippe (Thyroplastik) die Stimme verbessern helfen.

! Zur Info vorab: Der Begriff "Atemwegserkrankungen" bezieht auch die Lungen mit ein. Allerdings beginnen viele Lungenerkrankungen in den vorgeschalteten Bronchien. Dem haben wir bei der Gliederung dieses Ratgebers Rechnung getragen. Auch bei den Lungenerkrankungen selbst gibt es verschiedene Kategorien (und damit "Kapitel" in diesem Beitrag).

Die unteren Atemwege verlaufen zunächst von der Luftröhre über das gesamte, baumartig aufgebaute Bronchialsystem, die Bronchien (Einzahl: Bronchus; siehe auch Grafik weiter unten). Die Bronchien verzweigen sich immer weiter und werden dabei immer kleiner.

Am Ende der Verästelungen tritt die Atemluft in die beerenartig angeordneten Lungenbläschen (Alveolen) über. Diese sind also die Endstation der Atemwege und zugleich zentraler Teil des Lungengewebes. Denn hier findet der Austausch zwischen den Blutgasen statt (siehe auch Kapitel "Atemnot - Ursachen: Lungenerkrankungen"). Im Anschluss Informationen zu den wichtigsten Krankheitsbildern auf dieser Atemstrecke.

Luftröhre (Trachea): Was hier die Atmung behindern kann

  • Verengung (Trachealstenose), Fremdkörper & Co.: Sowohl die Luftröhre als auch ein Bronchus können krankhaft eingeengt sein (Stenose) – von innen oder außen. Als ungefähres Maß, ab dem sich dies mit Symptomen bemerkbar macht, gilt ein um die Hälfte verengter Durchmesser. Auch nach der Länge unterscheiden Ärzte Stenosen. Bei starren Stenosen zum Beispiel, etwa durch Vernarbungen, beträgt die Grenze zwischen kurz und lang etwa vier bis fünf Zentimeter. Weiche Stenosen können ebenfalls eher kürzer oder länger ausfallen. 

    Beispiele: Gelegentlich finden sich angeborene Membranen als weiche Stenosen. Zu einer Erweichung des Luftröhrenknorpels (Tracheomalazie) kann es bei anhaltendem Druck durch eine vergrößerte Schilddrüse kommen. Die festen Knorpelspangen werden zu Bindegewebe, die Luftröhre ähnelt im betroffenen Bereich einem schlaffen Schlauch. Die Einbuße an Stabilität behindert die Atmung.

    Nach einem Eingriff, einer Verletzung, Bestrahlung, Langzeitbeatmung über einen eingelegten Schlauch (Tubus) oder nach einer Entzündung können starre Stenosen auftreten. Kurzstreckige Engstellen sehen oft sanduhrförmig aus. Mitunter kann ein Fremdkörper, der sich in die Atemwege verirrt hat (fachsprachlich wurde er dann aspiriert), den Luftweg verlegen. Tumoren können den Luftstrom ebenfalls behindern, im Bereich eines Bronchus zum Beispiel bei Lungenkrebs (Bronchialkarzinom).

    Mögliche Komplikationen sind je nach Ursache eitrige Einschmelzungen, Blutungen oder krankhafte Verbindungen (Fisteln) zu umgebenden Strukturen.

    Symptome:
    Abhängig von der Lage, Art und Ausmaß der Verengung / Verlegung treten starker Husten und Atemnot mit pfeifender (Aus-)Atmung (Stridor) auf. Starker Husten spiegelt den reflexhaften Versuch des Körpers, einen Fremdkörper wieder herauszubefördern. Wird ein Lungenflügel nicht mehr belüftet, ist die Atmung auf der entsprechenden Seite aufgehoben. Ein Notfall zeichnet sich insbesondere auch dann ab, wenn sich ein spitzer Fremdkörper im unteren Rachen oder Kehlkopf verkeilt und / oder eine Blutung auslöst. Heftiges Husten, Würgen, Erstickungsgefühl und Angst können einen reflexartigen oder durch den Blutverlust bedingten Blutdruckabfall und Kreislaufstillstand auslösen.

    Diagnose, Therapie:
    Im Notfall, etwa bei Aspiration eines Fremdkörpers oder Schock mit Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen und den Rettungsdienst (Notruf 112) alarmieren (Helfer). Es sind schnellstmöglich fachärztliche Behandlungsschritte (Bronchoskopie, Operation) geboten, um den Fremdkörper oder ein anderes Hindernis in den Atemwegen zu beseitigen. Auch sonst richtet sich die Behandlung wenn möglich nach der Ursache. Außerhalb eines Notfalls überprüft der Arzt die Lungenfunktion und setzt bildgebende sowie endoskopische Verfahren ein, um die Verengung abzuklären. Mehr dazu unter "Atemnot – Diagnose" in diesem Beitrag.
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Bronchien: Die wichtigsten Erkrankungen auf einen Blick

  • Asthma bronchiale: Asthma ist die Folge einer überempfindlichen Reaktionsbereitschaft und meist variablen Verengung (Obstruktion) der Bronchien. Der behinderte Luftstrom macht das Atmen sehr anstrengend, Atemnot wird zum vorherrschenden Problem. Ärzte unterscheiden ein allergisches (extrinsisches) Asthma und ein nicht allergisches (intrinsisches) Asthma. Im letzteren Fall sind wiederholte Atemwegsinfekte mit Entzündungen, sodann die sogenannte Rückflusskrankheit (Stichwort Sodbrennen) und anderes mehr im Spiel. Es gibt Mischformen zwischen "allergisch" und "intrinsisch", außerdem Überschneidungen mit dem Krankheitsbild der chronischen obstruktiven Lungenkrankheit (COPD, siehe unten).

    Anstrengungsasthma
    kann im Zusammenhang mit einem allergischem Asthma auftreten. Betroffen sind häufiger bewegungsaktive oder sportlich engagierte Kinder, aber auch junge erwachsene Leistungssportler. Sie reagieren besonders oder sogar nur bei körperlicher Anstrengung mit Husten und Atemnot. Allergieauslöser (Allergene) und Schadstoffe in der Atemluft Kälte und, Lufttrockenheit begünstigen ein Belastungsasthma. Eine gute therapeutische Kontrolle bei Asthma ist auch gut mit Sport vereinbar, natürlich immer so, wie es dem individuellen Trainingszustand entspricht.

  • Symptome: Asthma geht mit Atemnot unterschiedlicher Schweregrade und Dauer, meist anfallsartig, phasenweise auch mit Verschlechterungen (Exazerbationen: erhöhter Therapiebedarf, eventuell auch in der Klinik) einher. Pfeif- und Brummgeräusche bei der Ausatmung, die länger braucht, weil sie gegen einen erhöhten Widerstand arbeitet, Husten (manchmal auch als dominierendes Symptom) und ein Engegefühl in der Brust sind kennzeichnend. Viele Asthma-Patienten kennen auch nächtliche Atemnot.

    Im Anfall stützen sich die Betroffenen oft mit den Armen auf, um mehr Luft zu bekommen – sie nutzen so die Hilfsmuskeln der Atmung, die das Atmen erleichtern. Der Herzschlag ist beschleunigt. In ausgeprägten Fällen kann der Betroffene erschöpft, zugleich unruhig, eventuell auch verwirrt wirken. Bei einem sehr schweren Asthmaanfall kann es zu lebensbedrohlicher Luftnot bis hin zum akuten Atemversagen kommen. Diese Gefahr ist heute wegen verbesserter Behandlungsmöglichkeiten aber deutlich niedriger als früher.

    Bei lange bestehendem Asthma setzt sich mitunter die Neigung zur entzündlichen Verengung der Bronchien fest. Zunehmend verlegt dann ein zäher Schleim, der nicht mehr richtig abgehustet werden kann, die Bronchien (siehe auch Abschnitt über COPD weiter unten).

    Der Ratgeber "Asthma bronchiale" informiert ausführlich über das Krankheitsbild.
  • Chronische (obstruktive) Bronchitis / chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): Husten, Auswurf, Atemnot sind typisch!
    COPD gehört weltweit zu den häufigsten Lungenkrankheiten. Da sie in den Bronchien beginnt, wird sie in diesem Kapitel beschrieben. Von einer chronischen Bronchitis, also einer chronischen Entzündung der Bronchien, ist auszugehen, wenn ein Patient in mindestens jedem von zwei aufeinander folgenden Jahren während drei Monaten Husten und Auswurf hat.

    Eine chronische Bronchitis ist im Prinzip rückbildungsfähig, etwa nach Rauchstop. Häufig geht sie aber in eine Atemwegsverengung (Obstruktion) über oder folgt ihr. Mit der Zeit kann eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung entstehen (engl. Abkürzung: COPD). Allerdings haben nicht alle Patienten mit COPD auch eine chronische Bronchitis.

    ! COPD ist vermeidbar, denn Rauchen (auch Passivrauchen) ist mit Abstand der bedeutsamste Risikofaktor. So bildet häufig der Raucherhusten den Auftakt bei der Entwicklung einer COPD. Neben Rauchen tragen andere Umweltbelastungen (Luftverschmutzung) und weitere Faktoren ihren Teil zu der Krankheit bei. Dazu gehört auch Bronchialasthma (siehe oben), sprich: eine übermäßige Reaktionsbereitschaft auf Reizungen der Bronchien.

    Gemeinsam halten all diese Faktoren die in den kleinen Bronchien schwelende Entzündung aufrecht. In der Folge produzieren sie viel zähen Schleim und sind anfällig für bakterielle Infektionen. Schließlich verengt sich ein Teil der Bronchien dauerhaft (Obstruktion), die Lungenbläschen nehmen Schaden. Die "innere Atemoberfläche" für den Gasaustausch verkleinert sich. Mehr und mehr verbleibt Luft beim Ausatmen in der Lunge, sodass sie überbläht wird (Emphysem, mehr dazu wiederum im Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen"). Später leiden häufig auch die Lungengefäße (siehe Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungengefäße") und das Herz unter den Veränderungen.

    Symptome: Bei chronischer Bronchitis sind wiederholter Husten und Auswurf ein vorübergehendes Phänomen. Hat der Auswurf eine gelbe oder grüne Farbe, sind bakterielle Erreger am Werk. Kommt es über Jahre hinweg zu Husten und Auswurf,  zudem wechselnd stark (besonders morgens) von Atemnot begleitet, kann das auf eine obstruktive Form der Bronchitis hindeuten. Mal steht mehr die obstruktive Bronchitis mit Auswurf und Husten im Vordergrund, mal das Emphysem mit deutlich erschwerter Atmung bis Atemnot und eingeschränkter Belastbarkeit. Atemnot bei Belastung ist im Übrigen ein charakteristisches Symptom (auch) der COPD. Im weiteren Verlauf ist zunehmende Atemnot bei Belastung und in Ruhe möglich.

    Zum Nachlesen: Ratgeber "Chronische Bronchitis".
  • Bronchiektasen: Wenn größere Bronchien sich sackförmig erweitern, liegen Bronchiektasen vor. Ursache für die Aussackungen sind entzündungsbedingte Wandschäden. Bei Kindern beruhen sie auf angeborenen Erkrankungen wie Immunmangelkrankheiten oder Mukoviszidose (auch zystische Fibrose) mit ständigen Infekten. Im Laufe des Lebens "erworbene" Bronchiektasen sind ebenfalls Folge wiederholter Atemwegsinfekte, meist im Rahmen einer chronisch-obstruktiven Bronchitis beziehungsweise COPD (siehe oben) oder anderer Atemwegserkrankungen. Umgekehrt begünstigen Bronchiektasen wiederum wiederholte bakterielle Infektionen der Atemwege.

    Symptome:
    Im Vordergrund stehen Auswurf in großen Mengen (starke Verschleimung) und Husten. Auch Atemnot kann sich entwickeln. Ansonsten bestimmt die Grunderkrankung die Beschwerden, Diagnose und Therapie.
  • Mukoviszidose: Eine der häufigsten erblichen Stoffwechselerkrankungen ist die Mukoviszidose (zystische Fibrose). Verantwortlich sind eine Reihe von Veränderungen (Mutationen) im sogenannten CFTR-Gen. Die Abkürzung steht für engl. "Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator". Dabei geht es um defekte Kanäle an der Zelloberfläche, die für den Ein- und Ausstrom von Salz und Wasser zuständig sind (Chloridkanäle).

    Ein Neugeborenenscreening auf die Erbkrankheit ist inzwischen auch in Deutschland eingeführt. Ein Gentest, der die häufigsten Mutationen erfasst, ist zwar bereits pränatal möglich, wird aber nur in speziellen Situationen angewandt, etwa bei familiärer Belastung mit der Krankheit.

    Kennzeichnend für die Mukoviszidose ist, dass der Salztransport in den Zellen aller sekretbildenden Drüsen gestört ist, etwa der Schweißdrüsen, Verdauungsdrüsen oder der Schleimdrüsen in Bronchien, Nasen und Nasennebenhöhlen. Je nach Funktion des Sekretes wirkt sich das ganz unterschiedlich aus. In den Bronchien entsteht ausgesprochen zäher Schleim. Der Sekretstau und begleitende bakterielle Infektionen schädigen das Gewebe. Es können sackförmige Erweiterungen (Bronchiektasen, siehe oben) und ein Emphysem entstehen – lufthaltige Lungenabschnitte sind dann unterschiedlich stark überbläht (siehe oben und wiederum unter "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen" in diesem Beitrag).

    Symptome:
    Erste Anzeichen treten oft schon kurz nach der Geburt auf, etwa Verdauungs- und Gedeihstörungen (verlangsamte Ausscheidung des ersten Stuhls, dann übelriechende Fettstühle, Bauchschmerzen, Wachstumsverzögerung). Die betroffenen Kinder leiden auch deutlich häufiger an Atemwegsinfekten als gesunde Kinder. Der zähflüssige Bronchialschleim löst zudem ständig Hustenanfälle aus. Weitere Beschwerden hängen von der individuellen (genetisch geprägten) Verlaufsform des Krankheitsbildes ab. Die chronische Krankheit ist nicht heilbar, inzwischen aber über längere Zeit gut beherrschbar.

    Therapie: Durch eine umfassende, konsequente Therapie, am besten in Anbindung an ein erfahrenes Zentrum, erreichen die Betroffenen heute eine deutlich verbesserte Lebensperspektive. Bei bestimmten Genmutationen wirken Medikamente, die die Chloridkanäle beeinflussen (sogenannten CFTR-Modulatoren) und letztlich den Chloridtransport verbessern.

    Mehr über das Krankheitsbild im Ratgeber "Mukoviszidose".
  • Bronchiolitis: Hierbei entzünden sich die kleineren Bronchien (Bronchiolen) und können sich sogar verschließen. Auslöser, zum Beispiel bei Säuglingen (Frühgeborenen) und Kleinkindern, sind unmittelbare Infektionen mit bestimmten Viren wie zum Beispiel RS-Viren (respiratorische Synzytial-Virusinfektionen). Sie treten besonders im Winter und Frühjahr auf.

    Zigarettenrauch kann die Kleinen empfänglicher machen. Auch Erwachsene können die Infektion bekommen, ähnlich wie Kleinkinder vor allem bei bestimmten Vorerkrankungen, etwa einer Immunschwäche, bei Herzfehlern und Lungenerkrankungen. Dazu zählt bei Säuglingen und Kleinklindern unter anderem die Mukoviszidose (siehe oben). Die Therapie orientiert sich an den Symptomen und möglichen Grunderkrankungen.

    Symptome: Bei starken Beschwerden ist das Kind sicherheitshalber besser in einer Klinik aufgehoben. Warnsymptome in dieser Richtung sind hohes Fieber, beschleunigte Atmung, Einziehungen der Rippen beim Atmen, Husten mit anschließendem Erbrechen, Appetitlosigkeit, Nahrungsverweigerung. Rufen Sie den Notarzt (Rettungsdienst: Notruf 112). Sonst droht eine mögliche weitere  Verschlechterung mit gefährlicher Austrocknung, Atemnot, bläulicher Verfärbung der Haut, Zunge und Mundschleimhaut, Apathie und lebensbedrohlichen Unterbrechungen beim Atmen.

Wichtige Erkrankungen und Schädigungen der Lungen

In diesem Kapitel geht es um Erkrankungen wie Lungenkrebs und manchmal damit verbundene Veränderungen wie Atelektasen. Ein weiterer Aspekt ist das Lungenemphysem, das ebenfalls im Rahmen anderer Lungenerkrankungen entsteht. Auch die Themen Lungenentzündung und Lungenfibrose (einschließlich exogen-allergischer Alveolitis) und das akute Lungenversagen (ARDS) kommen kurz zur Sprache.

  • Lungenkrebs (Bronchialkarzinom): Es ist allgemein üblich, vom Bronchialkarzinom als Lungenkrebs zu sprechen. Zwar entsteht Lungenkrebs häufig in den Bronchien. Aber oft sind angrenzende Teile der Lunge mitbetroffen. Mittlerweile ist das Bronchialkarzinom die häufigste tödliche Krebserkrankung bei Frauen und Männern. Hauptverantwortlich ist Zigarettenrauch (Aktiv- und Passivrauchen).

    Weitere Auslöser sind Stoffe in der industriellen Produktion und Baustoffe, allen voran Asbest, sodann Radon in Innenräumen, Luftverschmutzung, genetische Veranlagung und Narben in der Lunge durch Vorerkrankungen.

    Das sogenannte kleinzellige Lungenkarzinom bildet sich meist zentral in der Lunge und hat eher eine ungünstige Prognose. Es gibt auch Varianten, die Hormone bilden. Nicht-kleinzellige Lungenkarzinome wie sogenannte Adenokarzinome sind die häufigsten Lungentumoren bei Nichtrauchern, können aber auch bei Rauchern auftreten.

    Symptome: Frühe Symptome fehlen im Allgemeinen. Verdächtig können – in der Regel bei Erwachsenen über 40 Jahren – anhaltende oder wiederholte erkältungsähnliche Symptome sein, die trotz Behandlung nicht zurückgehen, etwa Fieber, vor allem aber Husten. Dabei fällt womöglich auf, dass dieser sich gegenüber dem eventuell schon vorher vorhandenen, "gewohnten Raucherhusten" verändert hat, hartnäckiger geworden ist, dazu Auswurf, eventuell auch blutigen, mit sich bringt. Auch Atemnot, Brustschmerzen, Heiserkeit, verdickte Fingerenden, mitunter eine Schluckstörung und stärker hervortretende Gefäße am Hals und Nacken oder Herabsinken eines Augenlids, können, müssen aber nicht Zeichen der (fortgeschrittenen) Erkrankung sein.

    Wenn bestimmte kleinzellige Lungentumoren, etwa sogenannte Karzinoide, Hormone bilden, sind teilweise spezielle Krankheitszeichen möglich, zum Beispiel ein sogenanntes Cushing-Syndrom. Auch kann sich ein Unterzucker entwickeln. Mitunter steigt das Blutkalzium an und kann in der Folge eine Muskelschwäche oder Herzrhythmusstörungen auslösen (siehe auch unter "Schluckstörung (Dysphagie)"; Kapitel "Gehirn, Nerven, Muskeln", und im Ratgeber "Myasthenie").


    Diagnose: Leider wird die Diagnose oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium gestellt. Richtungweisend sind bildgebende Verfahren wie Ultraschall, sodann verschiedene Arten der Computertomografie, Magnetresonanztomografie (MRT) und endoskopische Untersuchungen, die auch eine Gewebeentnahme (Biopsie) zu weiterführenden Untersuchungen einschließen. Mitunter werden die Proben direkt über eine Nadelaspiration gewonnen. Anhand der Befunde wird das Erkrankungsstadium festgelegt. Danach und nach weiteren Merkmalen des Tumors richtet sich die Therapie. Sie umfasst eine Operation (meist gilt das jedoch nicht für das kleinzellige Bronchialkarziom), Chemo- und Strahlentherapie sowie neue, zielgerichtete (sogenannte personalisierte) Therapien bei nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen.

    Der Ratgeber "Lungenkrebs" informiert Sie ausführlicher.
  • Atelektase: Unter Atelektasen versteht man den Kollaps kleinster Bronchien und angrenzender Lufträume in den Lungen – vereinfacht gesagt entstehen luftleere Zonen. Atelektasen sind ähnlich wie Bronchiektasen (siehe unter "Atemnot– Ursachen: Erkrankungen der unteren Atemwege") und Emphysen (siehe unten) keine eigenständigen Lungenkrankheiten, sondern mögliche Folgen derselben. Zum Beispiel kann bei einer Atelektase eine Verlegung von innen die Ursache sein, etwa verstopfende Sekrete, ein Tumor (siehe oben: Lungenkarzinom) oder ein Fremdkörper.

    Äußerer Druck auf das Lungengewebe, wie bei größeren Emphysemen (siehe unten) oder einem Brustfellerguss möglich, ein hoch stehendes Zwerchfell bei einer Lebererkrankung oder ein Tumor außerhalb der Lungen können den Kollaps ebenfalls verursachen. Schließlich werden manchmal untere Lungenbereiche durch eine geschwächte Atmung schlechter oder nicht mehr belüftet. Dazu kommt es häufiger bei gebrechlichen, bettlägerigen Menschen. Auch nach einer Lungenembolie können in den betroffenen Lungenabschnitten Atelektasen entstehen. Eine mögliche Komplikation ist eine Lungenentzündung in dem nicht mehr belüfteten Bereich.

    Symptome
    : Sie hängen von der Grunderkrankung beziehungsweise der auslösenden Ursache ab. Meistens herrschen Atemnot und Anzeichen von "Blausucht" (zum Beispiel Blaufärbung der Zunge, Mundschleimhaut, im Gesicht vor (Zyanose)).
  • Emphysem (Lungenemphysem): Emphysem (gr. Aufblähung) bedeutet eine nicht mehr rückgängig zu machende Lungenüberblähung. Hauptverantwortlich ist das Rauchen. Damit ist das Lungenemphysem ein Teilaspekt der chronischen obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), kann aber auch bei anderen Lungenkrankheiten auftreten. Es beginnt mit einer anhaltenden Entzündung des Gewebes zwischen den kleinsten Bronchien und den Lungenbläschen. Dieses elastische Bindegewebe – es hält die Lungenbläschen (Alveolen) offen –, wird geschädigt und durch körpereigene Enzyme namens Proteasen abgebaut. Dann erweitern sich die betroffenen Lufträume.

    Wesentliche Mitspieler sind Stoffe im Zigarettenrauch, die den körpereigenen Stoff alpha-1-Antitrypsin hemmen. Dieser hält normalerweise die Proteasen unter Kontrolle. Daher heißt er Proteaseinhibitor.

    Gendefekte führen zu einem erblich bedingten alpha-1-Antitrypsin-(AAT-)Mangel, auch Proteaseinhibitor-Mangel genannt. Er kann unterschiedlich schwer ausgeprägt sein. Bei nur leichtem AAT-Mangel verstärken oft Schadstoffe wie Zigarettenrauch, Infekte und Stäube die Entwicklung eines Lungenemphysems. AAT-Mangel lässt sich im Blut nachweisen.

    Manchmal entwickelt sich ein Emphysem auch durch Überdehnung der Lunge aufgrund von Narben oder nach Entfernung von Lungengewebe. Das Emphysem kann in verschiedenen Bereichen der Lunge auftreten, häufig im sogenannten Oberlappen, oder es verteilt sich gleichmäßig über die Lungen. Größere Emphysemblasen können umgebendes Lungengewebe zusammendrücken (Atelektasen) und so die Atemnot vergrößern.

    Die Frühdiagnose eines Emphysems ist nur mittels spezieller Untersuchungen der Lungen möglich. Am besten vom Hausarzt / Lungenfacharzt beraten lassen. Umso wichtiger sind Maßnahmen gegen ein Fortschreiten des Emphysems: Rauchstop, Atemübungen, gründliche Behandlung von Atemwegsinfekten, Impfungen (unter anderem gegen Grippe). Bei AAT-Mangel kann eine Ersatztherapie helfen. Dies betrifft aber nur den kleinsten Teil der Emphysempatienten.

    Symptome:
    Leitsymptom des Lungenemphysems ist die Atemnot. Zusätzlich kommt es oft auch zu "Bronchitis-Symptomen" wie Husten und Auswurf, außerdem zu wiederholten Atemwegsinfektionen. Die Betroffenen nehmen beim Atmen oft eine Sitzposition mit aufgestützten Armen ein, um so die Atemhilfsmuskeln – bestimmte Brust- und Bauchmuskeln – besser zu nutzen und mehr Atemkraft zu entwickeln. Durch die sogenannte Lippenbremse (Ausatmen gegen die fest geschlossenen Lippen) erhöht sich der Druck im Brustraum beim Atmen, um die Kollapsneigung der Bronchien zu überwinden.

    Weiteres im Ratgeber "Lungenemphysem". 

Lungenentzündung: Immer ernstzunehmen

  • Lungenentzündung (Pneumonie): Atemnot ist auch bei Lungenentzündungen ein Leitsymptom. Entweder entzündet sich der Bereich der Lungenbläschen oder das Gewebe dazwischen, das sogenannte Interstitium. Es gibt viele Formen und Ursachen. Ein typischer Entstehungsweg ist, dass eine Infektion von den oberen Atemwegen auf die Lunge übergreift (Bronchopneumonie).

    Direkt infektionsbedingte Lungenentzündungen entstehen durch Erreger wie Viren, Bakterien, Pilze und seltener andere Mikroorganismen aus. Bei den Viren dominieren zum Beispiel Influenza-A- oder B-Viren. Für SARS, das schwere akute (respiratorische) Atem-Syndrom, und die MERS-Erkrankung (Middle-East respiratory syndrome) sind sogenannte Coronaviren verantwortlich (siehe auch weiter unten: akutes Atemnotsyndrom). Bei den Bakterien kommen unter normalen Bedingungen (außerhalb von Krankenhäusern) häufig Streptokokkus pneumoniae und Staphylokokkus aureus infrage. Bei Kindern unter fünf Jahren und Erwachsenen mit vorbestehenden Lungenerkrankungen und / oder Immunschwäche sind Keime wie Pneumokokkus und Haemophilus influenzae besonders "virulent". Auch im klinischen Bereich ist häufig mit Staphylococcus aureus zu rechnen, nicht selten sogar oft als "Problemkeim" wegen Resistenzen gegen Antibiotika.

    Legionellen gehören zu den speziellen Erregern von Lungenentzündungen (Quellen: Luftbefeuchter und Wasserreservoirs, zum Beispiel in großen Wohnanlagen, Heimen, Passagierschiffen). Bei Immunschwäche (HIV-Infektion / Aids) tritt häufiger eine sogenannte Pneumocystis-Pneumonie auf (Pneumocystis ist ein Schlauchpilz). Überhaupt können zehrende Erkrankungen oder eine Organtransplantation generell häufiger Pilzinfektionen, etwa mit der Pilzart Candida, nach sich ziehen.

    Ein anderer Entstehungsweg von Lungenentzündungen ist die Aspiration, also unabsichtliches Übertreten von Nahrung oder von Magensaft in die Luftwege. Allerdings sind im zweiten Schritt auch hier wieder Erreger am Zug: Da sie auf Gewebe treffen, das durch das Aspirat geschädigt wurde, haben sie leichteres Spiel.
    Außerdem ist eine Lungenentzündung im Verlauf einer Lungenembolie (mehr im Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungengefäße") möglich.

    Auch nach einer Bestrahlung oder mitunter durch ein Medikament kann es zu einer Pneumonie kommen. Weitere, allerdings seltene Ursachen sind Autoimmunerkrankungen wie ein systemischer Lupus erythematodes oder eine rheumatoide Arthritis. Die Lungentzündung heißt in diesen "lungentoxischen" Fällen Pneumonitis – im Unterschied zu den erregerbedingten Formen der Pneumonien.

    Meistens heilt eine "typische" Pneumonie folgenlos aus. Die Betroffenen sind allerdings oft noch längere Zeit danach schlapp und müde. Andererseits verlaufen manche Pneumonien chronisch. Und sie sind auch mit Abstand die häufigsten, potenziell tödlichen Infektionskrankheiten in den westlichen Ländern. Mögliche Komplikationen beinhalten unter anderem Herz-Kreislaufprobleme, einen Lungenabszess (bei bakteriellen Formen), Streuung der Erreger im Blut und Infektion eines anderen Organs.

    Symptome: Eine "typische" Lungenentzündung beginnt meistens plötzlich, mit hohem Fieber, schnellem Puls und Schüttelfrost. Es tritt starker Husten und rötlich-brauner Auswurf auf. Die Atmung ist beschleunigt, es kommt zu Kurzatmigkeit und Schmerzen in der Brust beim Atmen. Auch Muskel- und Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden gehören häufig zum Krankheitsbild. Die Körpertemperatur kann auch vermindert sein (Hypothermie), die Haut dabei auffallend blass und kühl. Das Allgemeinbefinden ist in der Regel erheblich beeinträchtigt. Bei Kleinkindern sind vibrierende Nasenflügel ("Nasenflügeln") beim Atmen ein typisches Zeichen.

    Untypische (auch atypische oder interstitielle) "akute" Lungenentzündungen beginnen eher verhalten und verlaufen häufig weniger akut, ohne Schüttelfrost, mit nur leichtem Fieber, keinem oder nur wenig Auswurf, aber doch deutlichen Kopf- und Gliederschmerzen. Als Verursacher kommen bestimmte Viren, Chlamydien und andere Erreger, auch der weiter oben schon genannte Schlauchpilz Pneumocystis (jirovecii) infrage.

    Ähnlich kann sich aber auch eine Pneumonitis zeigen: Hüsteln, Atemnot und ein Leistungsknick können hier die führenden Symptome sein. Bei einem chronischen Verlauf kann eine Lungenfibrose (siehe unten) entstehen.

    Weiterführende Informationen im Ratgeber "Lungenentzündung".

Wir sind längst nicht tuberkolosefrei!

  • Lungentuberkulose (Lungen-Tbc, pulmonale Tbc): Die Infektionskrankheit – vielfach, aber nicht nur ein Thema aus der Medizin- und Kulturgeschichte (im Jahr 2018 waren es noch 5.429 an das Robert Koch Institut gemeldete Fälle) wird überwiegend durch Erreger des sogenannten Mycobakterium tuberculosis-Komplexes übertragen. Bei Patienten mit normaler Immunabwehr kann der Keim unter Kontrolle bleiben und sich abkapseln. Knapp ein Zehntel entwickelt aber dann doch die Erkrankung, meist in den ersten zwei Jahren nach Ansteckung, manchmal auch später. Tests können nach etwa acht Wochen positiv ausfallen. Zu den Risikogruppen gehören unter anderem ältere Menschen, Patienten mit Diabetes mellitus, Nierenschwäche, Immunschwäche, auch im Rahmen einer HIV-Infektion, Raucher, Drogenabhängige, Reisende und Einwanderer aus Tbc-Risikogebieten.

    Die Ansteckung erfolgt meistens als Tröpfcheninfektion über die Atemwege. In einem alten Tuberkulose-Herd können lebende Tuberkulose-Bakterien wieder aktiv werden, wenn die Körperabwehr geschwächt ist (sogenannte endogene Reinfektion). Da die Tuberkulose-Neuinfektionsraten hierzulande momentan sehr niedrig sind, ist das derzeit der häufigste Erkrankungsweg.

    Symptome: Beschwerden können fehlen, insbesondere bei der sogenannten latenten tuberkulösen Infektion. Hier sind Tests zwar positiv, andere Krankheitszeichen fehlen jedoch. Konsequenzen hat das unter anderem für Betroffene, bei denen eine immununterdrückende Therapie geplant ist: Sie sollten in diesem Fall vorbeugend gegen Tuberkulose behandelt werden. Dasselbe gilt für testpositive Kontaktpersonen von Patienten mit offener Lungentuberkulose.

    Zeigt sich ein richtungweisender Röntgenbefund, spricht das für eine aktive Infektion. Kleinere Veränderungen sind allerdings oft nicht erkennbar. Ein Leitsymptom ist Husten länger als drei Wochen. Außerdem können Allgemeinsymptome auftreten wie leichtes Fieber, Nachtschweiß, Appetit- und Gewichtsverlust, Schwäche. Atemnot und Bluthusten sind meist Zeichen der fortgeschrittenen Erkrankung.

    Zum Nachlesen gibt es auch den Ratgeber "Tuberkulose (TBC)".

Lungenfibrosen: Berufskrankheiten & Co.

  • Lungenfibrose & Co.: Wenn Bindegewebe auf Kosten des ursprünglichen Gewebes in einem Organ zunimmt, nennen Ärzte das Fibrose. Durch den Umbau schrumpft in der Lunge die Austauschfläche für Atem- und Blutgase. Lungenfibrosen gehören zu den chronischen diffusen parenchymatösen Lungenerkrankungen (vereinfacht übersetzt: chronische Lungengewebserkrankungen). Ärzte ordnen hier mehr als 300 Krankheiten ein.

    Nur bei einem Teil davon ist die Ursache bekannt. Dazu gehören einige Infektionskrankheiten, sodann Staubinhalationskrankheiten (Pneumokoniosen; siehe Extra-Abschnitt unten), die exogen-allergische Alveolitis (siehe ebenfalls weiter unten), Arzneimittel, Strahlentherapien, Systemerkrankungen des Bindegewebes (Kollagenosen), "Knötchen-" oder Granulomerkrankungen wie die Sarkoidose und sogenannte Speicherkrankheiten.

    Bei den Lungengewebserkrankungen unbekannter Ursache (idiopathisch) mit chronischer Fibrosebildung werden unter anderem Krankheiten wie idiopathische unspezifische interstitielle Pneumonie und idiopathische Lungenfibrose eingeordnet.

    Schließlich reihen sich auch noch chronische Veränderungen der Lungen bei Herzschwäche hier ein (siehe auch unter "Atemnot – Ursachen: "Herzkrankheiten"). Mitunter entwickelt sich ein Hochdruck der Lungengefäße. Beides kann auf das Herz zurückwirken, es belasten und schwächen (Cor pulmonale).

    Symptome bei Lungenfibrosen und anderen chronischen Lungengewebserkrankungen: Je nach Ursache können anfangs wenig Symptome bestehen, oder es dominieren Beschwerden durch die Grunderkrankung. Mit fortschreitender Fibrose kommt es zu Atemnot bei Belastung, später auch in Ruhe. Die Atemfrequenz ist gesteigert, die Atmung eher oberflächlich. Beim Versuch vertieften Atmens stoßen die Betroffenen bald an Grenzen. Außerdem neigen sie zu trockenem Husten. Zeichen der "Blausucht" (Zyanose) mit bläulichem Farbton an den Wangen, Ohren, Zunge und Munschleimhaut, aufgetriebene Fingerendglieder ("Trommelschlägelfinger") und uhrglasartig gewölbte Fingernägel sind weitere Zeichen dieser chronischen Lungenkrankheiten.
  • Pneumokoniosen (Lungenerkrankungen durch Inhalation von anorganischen Stäuben), zum Beispiel Silikosen und Asbesterkrankungen:

    • Silikose ist die häufigste Pneumokoniose und eine meldepflichtige Berufskrankheit. Sie entsteht durch eingeatmeten Feinstaub aus kristallinem Quarz, aber auch Cristobalit und Tridymit. Mischstaubpneumokoniosen entstehen durch Einatmen von lungengängigen Staubpartikeln, die neben Quarzkristallen noch weitere Mineralien enthalten (zum Beispiel Anthrakosilikose als sogenannte Bergarbeiterpneumokoniose). Sie kommen noch häufiger vor als Quarzstaubsilikosen. Das Bindegewebe in den Lungen bildet sogenannte Silikonknötchen. Schrumpfungsvorgänge begünstigen ein Emphysem (siehe oben), viele Knötchen zusammen ergeben Schwielen.

      Bis sich Beschwerden entwickeln, dauert es meist zehn bis dreißig Jahre. Die Neigung zu einer chronischen obstruktiven Bronchitis und zu Lungeninfektionen – einschließlich der sogenannten Siliko-Tuberkulose – ist erhöht. Außerdem besteht ein gewisses Risiko für eine Zweitkrankheit namens systemische Sklerodermie, eine systemische Bindegewebserkrankung (auch Kollagenose). Silikose-Kranke haben im Vergleich zu Nicht-Silikose-Kranken schließlich ein doppelt so hohes Risiko für Lungenkrebs. Eine Sonderfom der Silikose das Caplan-Syndrom, die sogenannte Silikoarthritis. Dabei kommt es zu Gelenkbeschwerden (Gelenkrheuma, auch rheumatoide Arthritis) und neben den Anzeichen der Silikose zu kleinen "Rheumaknötchen" in der Lunge (Röntgenbild!).

      Symptome:
      Mit der Zeit, selten in weniger als zehn Jahren, stellt sich bei körperlicher Belastung Atemnot ein. Später tritt grauer Auswurf als weiteres Merkmal hinzu. Außerdem zeigen sich Symptome wie bei chronischer obstruktiver Bronchitis / COPD auf, etwa Husten, ständiger Auswurf, Brustenge, zunehmende Kurzatmigkeit (siehe "Atemnot – Ursachen: Erkrankungen der unteren Atemwege").

    • Auch Asbestosen und durch Asbest erzeugte Krebserkrankungen sind meldepflichtige Berufskrankheiten. Asbesthaltige Arbeitsstoffe sind in Deutschland seit 1993 verboten, EU-weit seit 2005. Sofern es wirklich unvermeidbar ist, sich Asbestfaserstaub auszusetzen, gelten strenge Schutzvorschriften. Die Diagnose ergibt sich aufgrund der Berufstätigkeit, anhand von Röntgenbildern, klinischen Befunden, zum Beispiel eine reduzierte Lungenfunktion, sowie dem Nachweis von Asbestfasern und Entzündungszellen im Sekret aus den tiefen Atemwegen (sogenannte bronchoalveoläre Lavage (BAL) bei einer Bronchoskopie.

      In den Lungen können sich die eingeatmeten Asbestfasern zu langen Spänen auffasern. Sie wandern aus den Lungenbläschen ab und bilden häufig Depots in der Nähe des Rippenfells. Dazu passt die häufigste Komplikation einer sogenannten Asbestpleuritis, einer Rippenfellentzündung mit wiederholten kleinen Rippenfellergüssen. Sie tritt in den ersten 20 Jahren nach Exposition auf. Zudem bilden sich sogenannte Plaques am Rippenfell. Asbest führt zudem zu einer Lungenfibrose und Krebs. Die Lungenfibrose entwickelt sich aus einer chronischen Entzündung der Lungenbläschen. Für das erhöhte Lungenkrebsrisiko gibt es eine Rechenformel: Bei ca. 25 Faserjahren verdoppelt es sich. Ein Faserjahr entspricht 1 x 106 Fasern/m3 Atemluft x 1 Jahr. Die Entwicklungszeit von Krebs der Lungen und des Rippenfells (Pleuramesotheliom) durch Asbest kann 15 bis 50 Jahre (!) ab Beginn der Asbesteinwirkung betragen. Die Risiko-Erhöhung für Lungenkrebs durch Rauchen plus Asbest übersteigt die Summe beider erhöhten Einzelrisiken.

      Seltener begünstigt Asbest Krebs des Bauchfells oder des Herzbeutels; ohne Asbestbelastung kommen diese Krebserkrankungen so gut wie nicht vor. Auch Kehlkopfkrebs und Eierstockkrebs tritt unter Einfluss von Asbest häufiger auf.

      Symptome:
      Bei fortgeschrittener Lungenerkrankung durch Asbest wird das Luftholen immer schwerer, vor allem bei Belastung (Leitsymptom). Die Lungenfunktion (Atemtests) lässt nach, es kann schließlich zu deutlicher Einschränkung der Atemkapazität, auch in Ruhe, und zu einer Herzbelastung (Lungenherz, auch Cor pulmonale) kommen. Weitere Anzeichen der chronischen Lungenerkrankung sind kolbenartig verdickte Fingerenden und eine Zyanose (siehe oben: Abschnitt "Symotome bei Lungenfibrosen und anderen chronischen Lungengewebserkrankungen).

      Rippenfellkrebs kann ebenfalls zu Atemnot, außerdem zu Brustschmerzen und Husten führen. Ein mögliches Warnsysmptom für Kehlkopfkrebs wiederum ist Heiserkeit. Bauchfellkrebs kann mit  Bauchschmerzen, einem sehr schwammigen Symptom, und Bildung von Bauchwasser einhergehen.

      Auch bei Eierstockkrebs sind das mögliche Spätsymptome, frühe Anzeichen fehlen, ebenso anerkannte gezielte. Früherkennungsuntersuchungen: Hier können nur die gesetzlich vorgesehenen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen beim Gynäkologen empfohlen werden.


      ! Vorbeugung von Staubinhalationserkrankungen:

      Die Arbeitsschutzvorschriften einschließlich konsequenter Staubbekämpfung und regelmäßiger arbeitsmedizinischer Untersuchungen senken das Risiko einer chronischen Berufserkrankung der Atemwege. Eine unbestritten positive Wirkung hat Rauchverzicht. Wichtig ist immer auch die gründliche Behandlung von Atemwegsinfekten mit Befundkontrollen.

      Berufskrankheiten sind im übrigen nicht nur meldepflichtig, sondern rehabilitations- und entschädigungspflichtig.
  • Exogen-allergische Alveolitis (eigentlich: Hypersensitivitätspneumonitis): Das Lungengewebe entzündet sich hier aufgrund einer Veranlagung (genetische Disposition) zu einer immunologischen beziehungsweise Überempfindlichkeitsreaktion in den Lungenbläschen (Alveolitis). Auslösend sind Bestandteile in der Luft wie zum Beispiel Tiereiweißstoffe, etwa aus Vogelkot oder Federn, Baumwollpartikel, Pilzpartikel, Enzyme in Waschmitteln und vieles mehr. Die Stoffe werden auch "organische Antigene" genannt. Ein Antigen ist ein (bio-)chemische Verbindung, die eine spezielle Reaktion des Immunsystems auslöst.

    Auch bei der exogen-allergischen Alveolitis gibt es Überlappungen mit Lungenfibrosen. Zwei Beispiele für diese Erkrankungen, die ebenfalls als Berufskrankheiten gelten, sind die Farmerlunge bei Beschäftigten in der Landwirtschaft und die Tierhändlerlunge. Durch Arbeitsschutzmaßnahmen und technische Neuerungen in der landwirtsdschaftlichen Produktion sind diese Erkrankungen inzwischen zurückgegangen.

    Symptome:
    Eine exogen-allergische Alveolitis kann sich erstens mit akuten Atemwegsbeschwerden bemerkbar machen, die einige Stunden nach Kontakt mit dem Auslöser auftreten: ein wichtiger Unterschied zum allergischen Asthma, das ja einer allergischen Sofortreaktion auf den Auslöser (hier: das Allergen) entspricht. Zweitens: Es kommt nicht nur zu Husten und Atemnot, sondern auch zu Fieber, manchmal auch zu Kopf- und Gliederschmerzen.

    Wenn kein Antigenkontakt mehr besteht, klingen die Beschwerden meist nach einem Tag wieder ab. Bei ständigem Antigenkontakt kann sich das Krankheitsbild  schleichend oder chronisch in Richtung einer Lungenfibrose (siehe oben) entwickeln. Die Atemnot, die sich zunächst nur bei körperlicher Belastung bemerkbar macht, nimmt dann langsam zu und tritt später auch in Ruhe auf. Auffallende Müdigkeit und Gewichtsverlust gehören dann ebenfalls häufig zu den Beschwerden.


    Diagnose, Therapie:
    Die Diagnose ergibt sich aus der Kranken- und Berufsgeschichte, Blutwerten (Antikörpern), Röntgenbildern, Untersuchungen der Lungenfunktion (Atemtests) und aus charakteristischen Befunden des aus den tiefen Atemwegen via Bronchoskopie gewonnenen Schleimes (BAL, siehe oben unter Pneumokoniosen / Asbest). Die Therapie beinhaltet bei zuverlässiger Diagnose einen Berufswechsel, bei akuten Beschwerden Kortison. Bei Tendenz zu einer chronischen Entwicklung können stärker immununterdrückende Medikamente helfen.

    Was "Lungenfibrose" bedeutet, beschreibt auch der entsprechende Ratgeber.

Wenn die Lungen versagen: Bedrohliche Atmungskrisen

  • Akutes Lungenversagen (ARDS oder Adult (Acute) Respiratory Disstress Syndrome): Die Abkürzung ARDS steht für akute Atemkrisen bei Verletzungen oder schweren Verläufen von Krankheiten wie beispielsweise Lungenentzündung (siehe auch SARS, MERS), Bauchspeicheldrüsenentzündung, Blutvergiftung. Dabei können mehrere schwerwiegende Veränderungen zusammenkommen, etwa Atelektasen (siehe oben) ein Lungenödem und Durchblutungsstörungen in der Lunge (siehe unter "Atemnot – Ursachen: Lungengefäße"). 

    Symptome: Zunächst stehen die Symptome der auslösenden Verletzung oder Erkrankung im Vordergrund. Die sich entwickelnde Lungenschädigung führt zu ausgeprägtem Sauerstoffmangel, Atemnot und zunächst beschleunigter Atmung (Tachypnoe). Dadurch kommt die Zusammensetzung des Blutes durcheinander: Das Verhältnis aus Blutsalzen, Säuren und Basen ("Blutchemie") verändert sich in ungünstiger Weise. Falls sich die Entgleisungen wichtiger Körperfunktionen nicht beheben lassen, drohen Krämpfe und Bewusstseinsverlust. Die Atemnot nimmt weiter zu. Schließlich kann die Atmung versagen.

    Therapie: Falls die Atemstörung außerhalb der Klinik auftritt: Notruf 112, Lagerung des Betroffenen mit erhöhtem Oberkörper. In der Klinik notfallmäßige Beatmungsbehandlung, eventuell extrakorporaler Gasaustausch, Behandlung der Grundkrankheit und der eingetretenen Komplikationen. Ärzte erwägen im äußersten Fall mitunter auch eine Lungentransplantation.

Oft mit Atemnot verbunden: Lungenembolie und Lungenhochdruck

Krankheiten des Lungengewebes beeinträchtigen nicht selten die Lungengefäße und schließlich das Herz, vor allem die rechte Herzhälfte. Umgekehrt können Herzerkrankungen die Lungen(-gefäße) in Mitleidenschaft ziehen und mit der Zeit auch der Atmung zusetzen.

Ein Blutgerinnsel, das ein Lungengefäß verstopft (Embolus; der Vorgang heißt Lungenembolie), stammt in aller Regel aus einer Thrombose in einer Bein- oder Beckenvene. Die Gefäße in der Lunge können auch bei Autoimmunkrankheiten oder anderen sogenannten Systemkrankheiten wie Kollagenosen angegriffen sein. Dabei kann es auch zu Lungenhochdruck kommen. Um diese Zusammenhänge geht es in diesem Kapitel.

  • Lungenembolie: Ein Embolus ist ein Blutgerinnsel. Es gelangt meistens als Teil eines Pfropfens (Thrombus), der eine tiefe Beinvene verschlossen hat (Beinvenenthrombose), in die Lungen. Dabei kann das Gerinnsel eine Lungenarterie verstopfen und einen Lungeninfarkt mit Gewebeschädigung auslösen. Je nachdem, wie klein oder groß das verstopfte Gefäß beziehungsweise der damit verbundene Schaden ist, variiert der Schweregrad der Lungenembolie von unbemerkt über mild bis lebensbedrohlich.

    Tatsächlich können kleine Lungenembolien nahezu symptomlos verlaufen. Da ein gefährlicher Verlauf aber nicht immer auszuschließen ist, sollte beim geringsten Verdacht eine zielgerichtete Diagnostik stattfinden. Lässt sich eine Lungenembolie nachweisen, wird der Arzt eine Behandlung einleiten, indem er zum Beispiel die Blutgerinnung herabsetzt (sogenannte Blutverdünnung, Fachbegriff: Antikoagulation).

    Das Risiko für eine Beinvenenthrombose und in der Folge eine Lungenembolie steigt unter anderem bei Austrocknung, Bettlägerigkeit, Verletzungen, Operationen, Herzschwäche, Herzinfarkt, Schlaganfall, bestimmten Bluterkrankungen und Gerinnungsstörungen. Hormonbehandlungen, etwa hormonelle Empfängnisverhütung (besonders bei Frauen, die rauchen und über 35 Jahre alt sind), eine Schwangerschaft, Fettleibigkeit, Lebererkrankungen, chronische Lungenerkrankungen wie die COPD, Krebserkrankungen und ein Lebensalter über 60 Jahren erhöhen das Risiko ebenfalls.

    Symptome:
    Das sind akute Atemnot, Brustschmerz, der auch in den Oberbauch ausstrahlen kann, Schmerzen besonders auch bei der Einatmung, schnelle Atmung, beschleunigter Herzschlag, Angst, Beklemmung, Schweißausbruch, blutiger Auswurf, "Blausucht" (Zyanose, zum Beispiel bläulich verfärbte Lippen). Bei Atemnot gilt: Lagerung mit aufrechtem Oberkörper, beruhigend auf den Patienten einwirken, Sauerstoff geben, falls zur Hand, sofort Rettungsdienst (Notruf 112) alarmieren. Bei Herz-Kreislaufstillstand Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten.

    Die Hauptursache der Embolie, eine Beinvenenthrombose, ist nicht immer leicht zu erkennen. Sie kann, muss aber nicht, mit einer Schwellung am Unterschenkel, Schmerzen oder Spannungsgefühl in der Wade, in der Kniekehle oder Leiste einhergehen. Selten kommt es zu einer Verfärbung, Schwellung und Schmerzen des gesamten Beins. Ebenfalls eher selten, aber mit zu berücksichtigen ist eine oberflächliche Venenentzündung (Thrombophlebitis) als möglicher Ausgangspunkt einer Thrombose in tieferen Beinvenen.

    Mehr dazu, insbesondere auch zur Therapie und weiteren Vorbeugung, unter "Lungenembolie".
  • Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie): Normal liegt der mittlere Druck im sogenannten kleinen Kreislauf in den Lungen unter 20 mmHg. Bei pulmonaler Hypertonie, die bei etwa bei einem Druck ab 25 mmHg beginnt, kann er auf weit über das Doppelte ansteigen.

    Es gibt verschiedene Formen und Ursachen. Ein direkt in den Lungengefäßen selbst entstandener Hochdruck kommt eher selten vor. Mehrheitlich sind Erkrankungen des linken Herzens verantwortlich. Natürlich spielen auch Lungenerkrankungen, die zu einem Sauerstoffmangel führen, wie auch dieser selbst, eine Rolle.

    So gibt es Zusammenhänge auch mit schlafbezogenen Atemstörungen (obstruktives Schlafapnoe-Syndrom) und dem dabei wiederholt auftretenden Sauerstoffmangel in der Nacht. Eine weitere, eher seltene Ursache sind wiederholte Lungenembolien (mehr zur Lungenembolie siehe oben). Den damit verbundenen Lungenhochdruck nennen Ärzte chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH). Hier bleiben Abschnitte der Lungenstrombahn trotz längerer gerinnungshemmender Behandlung verschlossen.

    Schließlich können die Lungengefäße durch Erkrankungen im Brustraum unter Druck geraten. Mitunter liegt eine Systemerkrankung des Bindegewebes (Kollagenose) zugrunde, die auch die Gefäße mit einbezieht. Auch Störungen der Schilddrüse oder der Leber werden mit Lungenhochdruck in Verbindung gebracht. Schließlich spielen bestimmte Medikamente eine Rolle, etwa Appetitzügler.

    Lungenhochdruck ist im Prinzip eine fortschreitende Erkrankung, die nicht heilbar ist. Auch kann der erhöhte Lungendruck mit der Zeit das Herz, vor allem die rechte Hälfte, überlasten (Lungenherz oder Cor pulmonale). Bei ausgeprägten Veränderungen kann es zu einem Herzversagen kommen.

    Symptome:
    Anfangs fehlen Symptome, sofern nicht Beschwerden durch eine Grunderkrankung vorhanden sind. Wenn Betroffene sich zum Beispiel bei normaler körperlicher Tätigkeit leicht kurzatmig fühlen und trockenen Husten haben, kann das sowohl von einer Atemwegserkrankung herrühren als auch auf einen Lungenhochdruck hinweisen. Wiederholtes Herzklopfen oder Brustenge kann natürlich auch auf eine Herzerkrankung hindeuten. Mitunter kommt es zu Schwindel und kurzen Ohnmachten (Synkopen).

    Wenn der Druck in den Lungengefäßen weiter steigt und sich ein Lungenherz entwickelt, lässt die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich nach. Schwellungen in den Beinen (Ödeme) und Atemnot in Ruhe unterstreichen die Schwäche vor allem der überlasteten rechten Herzhälfte (Rechtsherzinsuffizienz). Am Hals können sich überfüllte Venen abzeichnen. Bei der körperlichen Untersuchung kann der Arzt eine vergrößerte Leber tasten. Mitunter kommt es auch zu einer Bauchwassersucht, außerdem ist ein Rippenfellerguss (siehe unten) möglich.


    Therapie: Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, am besten an ein erfahrenes Zentrum angebunden, können, abhängig von der Krankheitsform und dem Gesundheitszustand eines Betroffenen, helfen. 

    Wichtig ist immer die intensive Behandlung der häufig begleitenden Lungen- und Herzerkrankungen. Spezielle Medikamente, auch als Kombination von zwei bis drei Präparaten verabreicht, können zudem den erhöhten Druck in den Lungengefäßen senken. Sauerstoffgabe, Korrektur einer eventuellen Blutarmut, Schutzimpfungen und ein kontrolliertes körperliches Training sind ebenfalls wichtige Aspekte bei der Therapie.

    In schweren Fällen kommt bei einer CTEPH (siehe oben) eine operative Maßnahme wie die pulmonale Endarterektomie infrage, falls eine gerinnungshemmende Therapie keinen Erfolg bringt. Bei dem Eingriff wird Narbengewebe, das die betroffenen Lungengefäße verstopft, herausgeschält – in etwa so, als ob ein innerer "Ausguss" entfernt würde. Die Möglichkeit einer Lungenverpflanzung werden die Ärzte individuell als äußerste Option sorgfältig prüfen. Überbrückend oder "ersatzweise" kann ein Eingriff namens atriale Septostomie angeboten werden. Dabei wird mittels eines Ballonkatheters eine Öffnung in der Trennwand zwischen den beiden Herzvorhöfen angelegt. Dadurch können sich die Sauerstoffversorgung und die Funktion des rechten Herzhälfte verbessern. Alle genannten Eingriffe haben ihre Risiken. Daher prüfen die Ärzte bei jedem Patienten vorher sorgfältig, welche Methode sich am besten eignet, und klären darüber auf.

    Der Ratgeber "Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie)" beschreibt das Krankheitsbild näher.

Ein Lungenödem kann lebensbedrohlich sein

  • Lungenödem: "Wasser in der Lunge": Das ist ein akut bedrohlicher Zustand mit schwerster Atemnot. Es tritt Flüssigkeit aus den feinen Kapillargefäßen in das Gewebegerüst (Interstitium) und schließlich in die Lungenbläschen über, in denen der Gasaustausch stattfindet. Der wird durch den Flüssigkeitsandrang natürlich massiv behindert.

    Hauptursache ist ein akutes Pumpversagen der linken Herzhälfte, zum Beispiel infolge eines Herzinfarktes und / oder einer schweren Herzrhythmusstörung. Dadurch steigt der Druck im Lungenkreislauf akut an. Die feinporigen Gefäße lassen vermehrt Flüssigkeit in die Lymphe übertreten, um sich zu entlasten. Ist die Transportkapazität des Lymphsystems ausgeschöpft, bleibt Flüssigkeit liegen. Sie kann dann nur noch in die Bronchien ausweichen. Das führt zum eingangs in diesem Beitrag beschriebenen "Herzasthma" (Asthma cardiale, ein eher veralteter Begriff). Und es kann zur Folge haben, dass die Atmung drastisch behindert wird oder sogar versagt (siehe auch ARDS, Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen"). Andere Ursachen für ein Lungenödem sind beispielsweise ausgeprägte Nierenschwäche, schwere akute allergische Reaktionen oder Vergiftungen.

    Symptome:
    Die Betroffenen haben schwerste Atemnot und oft Todesangst. Das Gesicht ist sehr fahl und die Lippen sind häufig blau (Zyanose); auch die Hände und Nägel sind oft bläulich verfärbt. Im Falle einer zugleich vorhandenen schweren Lungenerkrankung kann auch die Zunge bläulich verfärbt sein. Manchmal husten die Patienten ein schaumiges, eventuell auch leicht blutiges, hellrotes Sekret ab. Wegen Lebensgefahr müssen sie unverzüglich notfallmäßig behandelt und in eine Klinik gebracht werden.

    Der Ratgeber "Lungenödem" informiert ausführlicher über das Krankheitsbild.
  • Höhenlungenödem: In Höhen ab etwa 2000 Metern nimmt der Sauerstoffpartialdruck ab. Nicht akklimatisierte und /oder aber zu einem Höhenlungenödem neigende Alpinisten laufen Gefahr, bei Aufenthalten ab etwa 3000 bis 4000 Metern Höhe ein Lungenödem zu entwickeln. Dazu kommt es häufig in den ersten beiden Tagen, wenn der Körper sich auf die Höhenlage umstellen muss. Wer sich durch angemessene Aufstiegsgeschwindigkeit und passende Höhenlage beim Übernachten gut akklimatisiert hat (meist nach etwa fünf Tagen der Fall), bekommt auf dieser Höhe sehr wahrscheinlich kein Lungenödem.

    Durch verschiedene Mechanismen steigt bei der Entwicklung eines Lungenödems der Druck in den Lungengefäßen als Folge des Sauerstoffmangels in der Höhe übermäßig. Im ungünstigen Fall werden die empfindlichen Membranen in den Gausaustauschzonen geschädigt. In der Folge tritt Flüssigkeit in die Lungenbläschen über.

    Symptome:
    Auffallender Leistungsabfall, Atemnot, zunächst trockener Husten. Bei Verbleib auf der entsprechenden Höhe oder gar weiterem Aufstieg nimmt die Atemnot zu, der Betroffene atmet auch in Ruhelage schwer, benötigt sogar die Atemhilfsmuskeln (siehe Kapitel: "Atmen ohne Not: Wie es uns atmet") und entwickelt eine "Blausucht, atemt hörbar "rasselnd", und hat eventuel blutigen Auswurf. Bei sich verstärkendem Sauerstoffmangel droht die Gefahr einer Hirnschwellung (Hirnödem).


    Erste Hilfe besteht, wenn möglich, in der Gabe von Sauerstoff. Zudem muss der Betroffene sofort in eine tiefere Lage gebracht und behandelt werden.

    !
    Patienten mit Herz- und Lungenkrankheiten können schon in Höhen ab 1500 Metern Probleme mit Atmung, Herz und Kreislauf bekommen. Was im Einzelfall empfehlenswert ist, sollten sie vorher mit dem Arzt klären. Gesunde Menschen, die Bergwandern oder trekken möchten und bisher noch keine Höhenerfahrung haben, sollten sich vorher fachkundig, je nach Reiseziel und Anforderungen des geplanten Programms am Berg auch höhenmedizinisch gut beraten lassen.

    Ob bei Vorliegen einer Herz- oder Lungenkrankheit zum Beispiel eine Flugreise erlaubt ist, sollten Betroffene ebenfalls mit dem Arzt klären.

Wie Erkrankungen des Rippenfells sich äußern können

Das Lungenfell überzieht die Lungen. Als Rippenfell liegt es den Rippen innen an, umschließt außerdem den Lungenflügel nach oben, unten und innen, zum Brustraum hin. Dort sitzt der Lungenstiel, wo das Fell umschlägt, sich einstülpt und so die beiden Schichten bildet, ähnlich wie bei einem eingestülpten Strumpf.

Zwischen beiden Schichten der Doppelhülle (auch Brustfell), die fachsprachlich Pleura heißt, befindet sich ein luftleerer Spalt mit einem Flüssigkeitsfilm. Hier herrscht ein Unterdruck. Beim Einatmen nimmt der Unterdruck zu, und Luft wird in die Lungen gesaugt, zumal das Zwerchfell sich beim Luftholen absenkt und die Lungen tiefer treten. Gerät Luft in den Spalt hinein, kann der Lungenflügel kollabieren (Pneumothorax, siehe unten).

  • Bei einer Rippenfellentzündung kann sich ein Erguss bilden. Später können die beiden Schichten der Pleura miteinander verkleben und vernarben (Schwarte, Schwiele). An den Lungenspitzen können Schwielen zum Beispiel auf eine frühere Lungenentzündung oder Tuberkulose hinweisen. Je nach Ausmaß kann eine Schwiele die "Atempumpe" behindern und Atemnot verursachen. Die Verdickung des Rippenfells bei einer Asbestose heißt Plaque (siehe Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen", Abschnitt "Lungenfibrose, Asbesterkrankungen").
  • Rippenfellerguss (Pleuraerguss): Dass eine Lungenentzündung auf das Rippenfell übergreift und zu einer Rippenfellentzündung führt, ist keine Seltenheit. In der Folge kann sich auch ein Erguss bilden. Weitere Ursachen sind ausgeprägte Herzschwäche und Lungenembolien. Auch bestimmte Virusinfektionen, sodann die Tuberkulose, Systemerkrankungen des Bindegewebes wie die schon öfter in diesem Beitrag genannten Kollagenosen, Erkrankungen im Oberbauch wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder ein Abszess können zu einer begleitenden Rippenfellentzündung mit Erguss führen. Fortgeschrittene Leber- und Nierenerkrankungen gehören ebenfalls zu den Ursachen.

    Bei Krebserkrankungen können Tochtergeschwülste, die sich am Rippenfell angesiedelt haben, dieses reizen, sodass es zu einem Pleuraerguss kommt. Auch bei Krebs, der aus der Pleura selbst hervorgeht (Mesotheliom; siehe ebenfalls im Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen", Abschnitt "Lungenfibrose, Asbesterkrankungen"), kann sich ein Erguss im Rippenfallspalt bilden. Weitere mögliche Ursachen sind zum Beispiel eine entgleiste Herzschwäche, verschiedene Störungen, die zu einem ausgeprägten Eiweißmangel führen, und bestimmte Eierstockgeschwülste (Meigs-Syndrom).

    Eine bakterielle Entzündung kann vereitern (Empyem). Die Keine streuen dann auch oft, und als mögliche Komplikation droht eine Blutvergiftung. Andererseits kann sich eine Schwarte aus Narbengewebe um die Lunge legen. Ein Erguss ist mitunter auch blutig, oder es kommt zu einer Einblutung in die Pleura, etwa bei einem Rippenbruch. Die Lunge kann durch einen Erguss oder die Schwarte beengt und das Atmen erschwert sein.

    Symptome:
    Eine Rippenfellentzündung (Pleuritis) geht mit starken Schmerzen beim Atmen einher. Dazu kommt meistens ein Reizhusten. Die erkrankte Seite hinkt beim Atmen hinterher. Folgt ein Erguss, lassen die Schmerzen häufig nach. Jedoch können Fieber und bei einem größeren Erguss Atemnot auftreten. Je nach Ursache sind weitere Symptome möglich. 

    Die Diagnose ergibt sich aus der Krankengeschichte (Anamnese), den körperlichen Untersuchungsbefunden einschließlich der Lungen, Röntgenbildern und Ultraschall (Sonographie). Zu diagnostischen als auch zu therapeutischen Zwecken wird der Erguss punktiert, also Flüssigkeit entnommen. Weitere Untersuchungen bis hin zu einer speziellen Form der Computertomografie (Spiral-CT) und genaue Betrachtung sowie Gewebeentnahme mittels videoassistierter Spiegelung des Brustraums und Brustfells (Thorakoskopie) zielen auf die genaue Diagnose, sofern noch unklar. Die Thorakoskopie wird auch therapeutisch eingesetzt, etwa zur Behandlung eines Lungenemphysems (Entfernen von Emphysemblasen aus der Lunge).

    Die Therapie richtet sich nach der Diagnose. Eventuell sind wiederholte Entlastungspunktionen erforderlich. Bei einem eitrigen Erguss (Empyem) ist neben der gezielten Gabe von Antibiotika eine Drainage und regelmäßige Spülung nötig. Um zu verhindern, dass sich ständig ein Erguss bildet, der das Atmen behindert – das kommt mitunter bei verschiedenen Erkrankungen vor – kann der Arzt ein verödendes Medikament in den Pleuraspalt einbringen.
  • Pneumothorax: Darunter versteht man die Ansammlung von Luft im Pleuraspalt, kurz: Pneu (der Wortstamm -thorax, gr., bedeutet Brustkorb). Dies kann passieren, wenn zum Beispiel eine Emphysemblase platzt. Ein Emphysem ist häufig mit einer COPD verbunden, und diese wiederum sehr oft mit Rauchen. In der Tat gehört Rauchen zu den Risikofaktoren eines Pneumothorax. Andere Erkrankungen der Lungen oder des Lungenfells können einen Pneumothorax ebenfalls begünstigen.

    Spontan kommt ein Pneu bisweilen bei gesunden, sehr schlanken, großwüchsigen jungen Männern vor. Sodann traumatisch, also bei Verletzungen oder nach verschiedenen Behandlungsmaßnahmen im Brustraum und an den Atemwegen. Der Pneu kann geschlossen oder offen sein, hier mit Verbindung nach außen oder nach innen zu den Luftwegen (Bronchien).

    ! Achtung, akute Lebensgefahr: Dramatisch wird es, wenn durch einen Ventilmechanismus mit jedem Atemzug neue Luft in den Pleuraspalt gelangt, die nicht mehr entweichen kann (Spannungspneumothorax, selten, aber bei Verleztungen möglich). Der Luft drückt dann zunehmend auf die Organe im Brutskorb und behindert den Blutfluss.

    Symptome: Ein geringfügiger spontaner Pneumothorax kann einige Tage unentdeckt bleiben, wenn Beschwerden wie leichte Atemnot und Reizhusten nicht ernst genommen werden. Plötzlich auftretende Atemnot, beschleunigte Atmung und Husten, wie sie ansonsten häufig bei einem Spontanpneumothorax auftreten, führen dagegen schnell zum Arzt. Auf der betroffenen Seite kommt es meist auch zu stechenden Schmerzen. Die Atembewegung verläuft nicht synchron mit der Gegenseite. Bei einem Spannungspneumothorax nimmt die Atemnot immer mehr zu, es kommt zu einer Zyanose (Blausucht, bläuliche Verfärbung unter anderem der Lippen), schnellem Puls, das Blut staut sich vor dem Herzen und es drohen ein Blutdruckabfall und Kreislaufschock.

    Die körperliche Untersuchung kann gewisse Anhaltspunkte auf einen Pneu geben, ein Röntgen- oder Ultraschallbild sichert die Diagnose. Beim Spannungspneumothorax muss notfallmäßig (Rettungsdienst, Notruf 112) sofort eine Punktion mit einer dicken Kanüle durchgeführt werden: lebensrettend! Aus dem Pneu entweicht so zumindest die Spannung. Anschließend wird schnellstmöglich eine Drainage gelegt, um noch mehr die Luft, gegebenenfalls auch Blut, abzulassen. Die weitere Behandlung erfolgt in einer Lungenfachklinik oder im entsprechenden Zentrum eines Klinikums.

    Ein Pneu ohne Spannung wird bei Bedarf (größerer Umfang, Symptome wie Atemnot, Schmerzen) ebenfalls mit einer Drainage im Pleuraspalt für zwei Tage oder mittels Punktion und Absaugung (Nadelsapiration) behandelt. Kleine Pneus können sich von selbst resorbieren, sodass hier, eine gute Atmung vorausgesetzt, ärztliches Beobachten genügt. Begleitprobleme wie Infektionen erfordern eine gezielte Therapie, ebenso zugrunde liegende Lungenerkrankungen. In unklaren Fällen ist eine weiterführende Diagnostik notwendig. Dazu gehört häufig eine Spiegelung des Brustraums und Brustfells (Thorakoskopie). Sie kann bei Bedarf auch zur operativen Versorgung eines Pneumothorax dienen.

Verschiedene Herzkrankheiten können Luftnot verursachen

Das Herz befördert das frisch mit Sauerstoff beladene Blut in den Körper. Wenn die Fördermenge nicht den Anforderungen entspricht, ist die Transportkapazität zu niedrig, und es wird Atemnot empfunden. Zunächst kommt das bei körperlicher Belastung zum Tragen, später auch in Ruhe.

Daher können alle Erkrankungen, die primär die linke Herzhälfte schwächen, zu einem Engegefühl im Brustraum und / oder Atemnot führen. Das sind bestimmte Herzklappenfehler, Herzkranzgefäßerkrankungen (Koronare Herzkrankheit), ein Herzinfarkt, Herzschäden durch Bluthochdruck sowie Entzündungen des Herzmuskels oder Herzbeutels (Myokarditis, Perikarditis).

Auch Herzrhythmusstörungen können die Herzkraft vermindern. Dabei können auch, müssen aber nicht, weitere Beschwerden auftreten, etwa ein Schwindelgefühl, Brustenge, ein Brustschmerz oder ein Kollaps (Synkope).

Ebenfalls ihre Spuren am Herzen hinterlassen manche Stoffwechselkrankheiten, Hormonstörungen, sogenannte System- und Speicherkrankheiten, Infektionskrankheiten, Medikamente und mitunter Bestrahlungsbehandlungen. Damit verbundene Herzleiden werden allgemein als Kardiomyopathien bezeichnet.

Linksherzschwäche: Atemnot bei Belastung und in Ruhe

Häufig entwickelt sich bei diesen Herzleiden eine Linksherzinsuffizienz. In der Folge wird die Lungenstrombahn überlastet, da die Transportleistung des Herzens nachlässt. Ärzte sprechen von einer chronischen Lungenstauung. Dadurch verändert sich auch das Lungengewebe. Die Dehnbarkeit der Lungen nimmt ab, der Gasaustausch wird erschwert. Stauungen in den Bronchien behindern auch den Atemfluss. So wird das Atmen immer beschwerlicher, es kommt zu Atemnot.

Sowohl bei schwerer, fortgeschrittener Herzinsuffizienz als auch bei akutem Herzversagen, zum Beispiel infolge eines Herzinfarkts, kann ein lebensbedrohliches Lungenödem auftreten (siehe auch unter "Atemnot – Ursachen: "Lungengefäße"). Dabei tritt relativ rasch Flüssigkeit aus den kleinen Lungengefäßen in das Gewebe, das die Lungenbläschen umgibt, später auch in die Lungenbläschen, und der Sauerstoffmangel wird kritisch.

Rechtsherzschwäche: Schwellungen an den Beinen

Manche Herzfehler schwächen die rechte Herzhälfte (Rechtsherzinsuffizienz). Häufiger noch ist das bei Erkrankungen der Lungen, etwa einer fortgeschrittenen COPD, der Fall.

Eine zunächst nur die linke Herzhälfte betreffende Herzüberlastung kann auf Dauer auch auf das rechte Herz übergehen, sodass das Herz insgesamt geschwächt wird (Globalinsuffizienz). Das kommt häufiger vor als eine isolierte Rechtherzschwäche.

Der Flüssigkeitsstau in den Geweben ist ein wesentliches Merkmal der Herzinsuffizienz, kann allerdings auch bei anderen Erkrankungen auftreten. In der Folge steigt das Körpergewicht. Im Liegen zirkuliert das Blut stärker. Es kreist auch vermehrt in den Nieren, sodass die Betroffenen nachts häufiger auf die Toilette gehen müssen.

Symptome: Leitsymptom einer chronischen (Links-) Herzschwäche ist Atemnot, zunächst bei körperlicher Belastung. Das entspricht nach der offiziellen NYHA-(New York Heart Association-) Einteilung dem Stadium 2; das Stadium 1 lässt sich nur anhand bestimmter Untersuchungen erkennen. Die körperliche Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit nehmen allmählich ab. In den fortgeschrittenen Stadien (3, 4) kommt es auch in Ruhe und im Liegen zu Atemnot. Dazu bestehen weitere Symptome wie körperliche Schwäche, Müdigkeit, Brustschmerzen (Angina pectoris).

Früher war hier vom sogenannten Asthma cardiale die Rede, da die Atemnot bei Herzschwäche ähnlich wie bei Asthma häufig nachts einsetzt und sich wie Asthma mit einer zunächst ziehenden Ausatmung äußern kann. Die Betroffenen haben auch Hustenreiz und tun sich leichter, wenn sie mit erhöhtem Oberkörper und aufgestützten Armen (Orthopnoe) atmen. Allerdings liegt meist schon ein beginnendes Lungenödem vor (Notruf 112). Wird dem Patienten nicht umgehend medizinisch geholfen, besteht Lebensgefahr.

Der Übergang von der Schwäche des linken Herzens zur Rechtsherzschwäche (kombinierte Herzinsuffizienz) verläuft fließend, ist aber nicht zwingend, vor allem bei gezielter Therapie.

Bei vorwiegender Rechtsherzschwäche entwickeln sich Schwellungen an den Knöcheln und Unterschenkeln, manchmal auch im Kreuz. Am Hals und unter der Zunge zeichnen sich die überfüllten verdickten Venen ab. Lippen, Zunge und Mundschleimhaut sind häufig bläulich verfärbt (Zyanose), ebenso die Nagelbetten an Fingern und Zehen. Eine durch Blutüberfüllung "gestaute", vergrößerte Leber und andere Bauchorgane, die unter dem geschwächten rechten Herz leiden, verursachen Beschwerden im Verdauungstrakt, etwa Übelkeit, Appetitlosigkeit. In sehr ausgeprägten Fällen kann sich ein Brustfellerguss oder Herzbeutelerguss bilden.

Bei der Globalinsuffizienz summieren sich die Beschwerden. Der Schlaf ist stark beeinträchtigt. Auch das setzt dem Körper zu.

Je nach Ursache und Stadium lässt sich eine Herzinsuffizienz durch Behandlung der Grund- oder Begleitkrankheit verhindern oder günstig beeinflussen. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von herzchirurgischen oder Katheter-Eingriffen über Medikamente bis hin zu einer Herzverpflanzung.

Mehr Informationen dazu unter anderem in den Beiträgen "Herzschwäche (Herzinsuffizienz)", "Koronare Herzkrankheit (KHK)" und "Herzinfarkt".

Zwerchfell: Atemmuskel Nr. 1

Der größte Atemmuskel, das Zwerchfell, bewegt bis zu zwei Drittel der Atemluft. Beim Einatmen zieht es sich zusammen, die Lungen dehnen sich nach unten aus. Die kleinen (inneren und äußeren) Atemmuskeln zwischen Rippen unterstützen die Atembewegungen. Als Atemhilfsmuskeln wirken vor allem größere Brustmuskeln, Muskeln des Schultergürtels und am Hals.

Die Atemmuskeln sind willkürlich aktivierbar. Grundsätzlich sorgt aber das Gehirn mit seinen Impulsen dafür, dass wir nicht ans Atmen denken müssen und automatisch regelmäßig Luft holen.

Was Zwerchfell-Lähmungen bedeuten

  • Muskelschwäche oder Lähmungen können auch die Atemmuskulatur betreffen. Beispiele hier: Die Poliomyelitis ("Polio", Kinderlähmung), die durch die Impfung bei uns stark zurückgedrängt wurde, in anderen Ländern wie Afghanistan, Pakistan und Nigeria dafür nach wie vor präsent (endemisch) ist, sodann neuromuskuläre Erkrankungen, die mit Muskelschwäche und Muskelschwund einhergehen, oder auch Myasthenia gravis. Auch eine Überfunktion der Schilddrüse, Alkoholmissbrauch oder verschiedene Medikamente können die Muskeln beeinträchtigen.

    Symptome: Ist die Atemmuskulatur geschwächt, kommt es zu einer Atemschwäche (Hypoventilation) und subjektiv zu Atemnot: Die Atmung ist hier durchgehend unzureichend und kann den nötigen Gasaustausch nicht mehr gewährleisten. Weitere Symptome hängen von der Grunderkrankung ab.

    Therapie: Bei unzureichendem Gasaustausch ist eine Beatmung nötig. Die Grunderkrankung wird so gezielt wie möglich behandelt. Eine wichtige Rolle spielt auch die Physiotherapie.

    - Zwerchfell-Lähmung:
    Zwerchfell-Lähmungen betreffen überwiegend den Zerchfellnerv und treten meistens auf einer Seite auf. Häufigste erworbene Ursachen sind Tumoren, die den Zwerchfellnerv bedrängen, zum Beispiel eine Krebsgeschwulst in der Lunge oder erkrankte Lymphknoten, aber auch Unfälle.

    Der Zwerchfellnerv ist Teil des Armnervengeflechtes (= Plexus). Mitunter tritt eine einseitige Zwerchfell-Lähmung im Zuge einer ausgeprägten, zudem sehr  schmerzhaften Schwäche der Schulter- und Oberarmmuskulatur (Armplexusneuritis oder neuralgische Schulteramyotrophie) auf. Betroffen ist hier meist der rechte Arm, seltener beide Seiten. Die Schmerzen gehen der Muskelschwäche (oder Lähmung) häufig voraus. Das Krankheitsbild kann Folge einer Virusinfektion sein, etwa einer Grippe, aber zum Beispiel auch im Zusammenhang mit rheumatischen Erkrankungen und anderen Ursachen entstehen. Mitunter treten isolierte Zwerchfelllähmungen auf, sehr selten auch beidseitig. Die Prognose ist meist relativ gut, die Rückbildung der Muskelschwächen (Schultergürtel, Zwerchfell) kann aber bis zu drei Jahren dauern.

    Selten liegt eine genetische Veranlagung zugrunde (hereditäre neuralgische Amyotrophie). Dabei kommt es wieder zu Krankheitsschüben (rezidivierende fokale Neuropathie) mit Armplexusneuritis.

    Nach einer vorausgegangenen Infektion (Viren, Bakterien, vor allem in den Atemwegen und im Magen-Darmtrakt) entwickelt sich mitunter ein sogenanntes Guillain-Barré-Syndrom (GBS), das mit aufsteigenden Lähmungen einhergeht: Gangstörung, Blasen- und Darmstörung, beidseitige Zwerchfelllähmung, geschwächte Atem- und Herztätigkeit, Gesichtslähmung, mitunter auch Sprech- oder Schluckstörung. Das Bewusstsein ist nicht beeinträchtigt.

    Bestimmte Erkrankungen der Muskeln und Nerven (Muskeldystrophien, Amyotrophe Lateralsklerose) können ebenfalls eine beidseitige Zwerchfellähmung zur Folge haben. Auch eine Verletzung, etwa eine Querschnittlähmung (beidseitig), kann verantwortlich sein.

    Atemlähmungen durch Gehirnerkrankungen sind kein Thema dieses Ratgebers.

    Symptome:
    Falls die Lähmung beide Seiten betrifft, kommt es zwangsläufig zu akuter Atemnot, besonders im Liegen. Die Betroffenen können nicht in der Horizontalen schlafen, da der Zwerchfellmuskel in einer bestimmten Schlafphase der einzig aktive Atemmuskel ist. Bevorzugte Haltung ist ein aufrechter Oberkörper und Atmen mit aufgestützten Armen, um die Hilfsmuskeln der Atmung besser zu nutzen. Demzufolge leiden sie stark unter dem gestörten Schlaf, sind kaum belastbar und tagsüber ständig müde. Vorübergehend kann bei schlechten Atemwerten eine Behandlung mit einer Beatmungsmaske sinnvoll sein, auch im Vorfeld eines Eingriffs (siehe unten). Komplikationen an den Lungen sind wiederholte Infektionen und Veränderungen wie Atelektase und Fibrose (siehe jeweils unter "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen" in diesem Beitrag).

    Eine einseitige Zwerchfell-Lähmung spüren die Betroffenen anhand der paradoxen Beweglichkeit des Zwerchfells vor allem bei bestimmten Körperhaltungen: Vor allem beim Vornüberbeugen, etwa zum Schuhebinden, oder im Liegen kann Luftnot auftreten. Das Zwerchfell wird hier durch den Sog der anderen Atemmuskeln und den Druck der Bauchorgane nach oben gezogen, was im Stehen durch die Schwerkraft "korrigiert" wird. Auch bei körperlicher Belastung oder eingeschränkter Atemkapazität kann Atemnot auftreten. Wenn die Lunge auf der entsprechenden Seite im Liegen etwas schlechter belüftet wird, neigt sie eher zu Entzündungen durch Infektionen.


    Diagnose, Therapie: Röntgenaufnahmen des Brustkorbs und eine Ultraschalluntersuchung lassen eine einseitige Zwerchfelllähmung meist erkennen. Das gelähmte Zwerchfell steht im Röntgenbild etwas höher. Bei der Ultraschalluntersuchung ist die (ausbleibende) Zwerchfellfunktion beim Atmen gut erkennbar. Messungen bestimmter Atemparameter (Spirometrie) mit Positionswechsel vom Sitzen zum Liegen stützen die Diagnose.

    Bei Verdacht auf ein GBS ist unter anderem eine Hirnwasseruntersuchung sinnvoll. Hochdosierte Gabe von Immunglobulinen über die Blutbahn oder eine Plasmaaustauschbehandlung (Plasmapherese) sind etablierte Behandlungswege bei Patienten mit ausgeprägtem Krankheitsverlauf; in der akuten Phase werden sie intensivmedizinisch betreut.

    Je nach Ursache und Ausprägung kann die Lähmung sich nach gewisser Zeit wieder zurückbilden, auch bei einem GBS. Wenn eine einseitige Lähmung Beschwerden bereitet – oder auch bei beidseitiger Zwerchfellähmung – ist es möglich, das Zwerchfell operativ zu raffen. Im letzteren Fall kann im Einzelfall auch eine Schrittmacherbehandlung (phrenic-nerve-stimulation, PNS) möglich sein. Dazu müssen zum Beispiel Zwerchfellnerven und Zwerchfell sowie die Lungen prinzipiell funktionstüchtig sein (zum Beispiel bei Patienten mit einer hohen Querschnittslähmung). Das Verfahren ist an ein erfahrenes Zentrum gebunden.

Auch Erkrankungen, die zu Verformungen des Brustkorbs führen, können die Atmung behindern

  • Verformung des Brustkorbs: Formanomalien des Brustkorbs können die Atmung mechanisch behindern und zu Atemnot führen. Die verschiedenen Formen der Skoliose spielen hier zum Beispiel eine Rolle. Am häufigsten kommt im Wachstumsalter die Skoliose unbekannter Ursache (idiopathisch) vor.

    Wenn es im Rahmen der Skoliose zu einer deutlichen Verdrehung (Torsion) der Brustwirbelsäule und der Rippen kommt, kann das die Funktion der Brustorgane, vor allem von Herz, Lungen und Zwerchfell, behindern. Manchmal entsteht sogar ein Lungenhochdruck. In der Regel werden die Betroffenen von Kindesbeinen an engmaschig von ihrem Orthopäden betreut. Zeichnet sich eine Verschlechterung der Skoliose ab oder liegt beispielsweise eine Muskel- oder Nervenstörung zugrunde, streben die Ärzte rechtzeitig eine Operation an. Dadurch lässt sich auch die Entwicklung von Atembeschwerden verhindern.

    Mehr zu diesem Thema, insbesondere auch zur Therapie, im Beitrag "Skoliose".

    Eine ausgeprägte Trichterbrust kann ebenfalls die Atmung beeinträchtigen. Mit einer Operation lässt sich das beheben. Bei einer fortgeschrittenen Bechterew-Erkrankung engt mitunter eine versteifte Brustwirbelsäule die Atmung ein; außerdem entwickelt sich manchmal eine Lungenfibrose. Heute behandeln die Ärzte daher oft schon frühzeitig mit Medikamenten, um das Leiden unter Kontrolle zu halten.
  • Auch Verletzungen des Brustkorbs, etwa Rippenbrüche, können das Atmen erschweren.

Blutarmut (Anämie): viele Ursachen, Kurzatmigkeit möglich

Blutarmut kann aus verschiedenen Gründen auftreten. Entweder ist die Blutbildung (rote Blutkörperchen, roter Blutfarbstoff) gestört, oder es werden die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Übermaß abgebaut.

Außerdem kann eine Anämie auch Folge einer akuten Blutung sein oder durch chronische Sickerblutungen, zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt, entstehen. Weniger bekannt sind sogenannte Verteilungsstörungen: Dabei sammeln sich die Blutzellen vermehrt in einer vergrößerten Milz an. Ärzte grenzen die Ursachen in Blutuntersuchungen, unter anderem dem Blutbild, ein. Dabei können sie meist noch weitere Unterscheidungsmerkmale hinsichtlich der Anämie feststellen.

Der Arzt hat anhand des Blutbildes und weiterer Untersuchungen spezielle Kriterien an der Hand, um eine Anämie festzustellen und die einzelnen Formen im Vorfeld voneinander abzugrenzen.

Symptome: Haut und Schleimhäute werden blass, Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und Atemnot stellen sich ein, besonders bei körperlicher Anstrengung oder bei Herz- und Lungenerkrankungen. Eigentlich ist der Köper hier bemüht, den Sauerstoffmangel auszugleichen, indem er verstärkt rote Blutkörperchen bildet. Bei einer Anämie schlägt das fehl beziehungsweise die verbleibende Transportkapazität für Sauerstoff reicht nicht aus.

Atemnot tritt aus diesem Grund zum Beispiel bei einer Eisenmangelanämie auf. Bei anderen Anämieformen können völlig andere Beschwerden im Vordergrund stehen.

Mehr zu Ursachen, Diagnose und Therapie im Beitrag "Blutarmut" (siehe Link oben).

Zu viel Atmung: Hyperventilationssyndrom

Frauen haben dreimal so oft wie Männer mit dieser Störung zu tun. Offenbar verspannen sich bei den Betroffenen die Muskeln als Reaktion auf unverarbeitete seelische Konflikte. Atemmuskeln im Brustbereich können in das Spannungsfeld einbezogen sein und eine Alarmreaktion in Gang setzen, die zu Atemnot und Hyperventilation führt.

Das bedeutet, dass die Atmung deutlich stärker – vertieft und / oder beschleunigt – ist als eigentlich notwendig. Das Reaktionsmuster kann sich über akute Belastungen hinaus verselbstständigen und dann bei relativ harmlosen Anlässen aktiv werden. Auslösend kann auch eine Angst- oder Panikreaktion sein, manchmal aufgrund empfundener Atemnot.

Allerdings können auch verschiedene Erkrankungen, insbesondere Atemwegskrankheiten, hohes Fieber, Kalzium- und Magnesiummangel sowie Störungen des Säure-Basenhaushaltes eine Hyperventilation auslösen.

Symptome: Die starke Muskelspannung im Brustbereich erzeugt ein Gefühl der Beklemmung. Die Betroffenen empfinden auch Brustschmerzen, Hustenreiz und das Bedürfnis, tief zu atmen. Sobald ein weitere Irritation hinzutritt, wird die Atmung verstärkt auf "Einatmen!" geschaltet: Sie beschleunigt und vertieft sich, es kommt also zur Tachypnoe und Hyperventilation. Dabei kann auch eine sogenannte Hyperventilationstetanie mit Verkrampfungen der Hände ("Pfötchenstellung") und der Lippen, Gefühllosigkeit, Missempfindungen, Zittern, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel bis hin zu Ohnmacht und weiteren Beschwerden auftreten. Angstzustände können sich noch verstärken. Panikattacken gehen zwar häufig schnell vorbei, können mitunter aber auch stundenlang anhalten.

Therapie: Im Akutfall hilft es, beruhigend auf den Betroffenen einzureden und ihn gegebenenfalls eine Mund und Nase umschließende Papiertüte oder Maske einatmen zu lassen. Das Einatmen der eigenen Atemluft hebt den durch die Hyperventilation erniedrigten Kohlendioxidgehalt im Blut wieder an. Dadurch lassen Beschwerden wie Verkrampfungen der Hände bald nach (sogenannte Tetanie bei normalem Kalziumspiegel im Blut).

Eventuell gibt der Notarzt ein beruhigendes Medikament. Er wird abklären, ob Anhaltspunkte für eine körperliche Ursache bestehen, die umgehend behandelt werden muss, etwa ein Pneumothorax (siehe oben). Falls dies nicht der Fall ist, sollte der Hausarzt in Ruhe nachhaken. Er wird dabei zum Beispiel auch eine Herzneurose (auch: Da Costa-Syndrom) im Blick haben. Dieses Problem betrifft häufiger junge Männer.

Bewährt: Physiotherapie und Psychotherapie

Um zu einem entspannteren Umgang mit der Atmung zu finden, machen viele Betroffene gute Erfahrungen mit einer Physiotherapie, die auch auf Atemübungen fokussiert. Empfehelnswert ist die Fortsetzung mit Sport in einer Gruppe. Einmal erlernte Atemübungen kann man sehr gut beibehalten und in den normalen Alltagsablauf einbauen.

Bei wiederholten Anfällen, die eindeutig einen psychischen Hintergrund haben, oder Tendenz zu einer chronischen Entwicklung ist nach genauer psychologischer Diagnose eine Psychotherapie zu erwägen. Bewährt haben sich vor allem entspannungstherapeutische Verfahren.

Fachliteratur zu diesem Ratgeber:

Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2019, Köln Gerd Herold
Behrbohm H, Kaschke O, Nawka T: Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten.
Stuttgart New York Gerorg Thieme Verlag, 2. korrigierte und aktualisierte Auflage, 2012

Koch D: HNO Fragen und Antworten. Berlin Heidelberg Springer-Verlag GmbH, 2016

Robert-Koch-Institut Berlin: Informationen des RKI zu Erkrankungsfällen durch das MERS-Coronavirus (Stand: 13.3.2018). Online:
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/M/MERS_Coronavirus/MERS-CoV.html
(Abgerufen am 08.03.2019)

Schommer K, Bärtsch P: Basiswissen für die höhenmedizinische Beratung. Dtsch Arztbl Int 2011; 108(49):839-48; DOI:10.3238/arztebl.2011.0839

Leitlinien und weitere Informationen im Internet:

- Guillain-Barré-Syndrom:

Sommer C. et al., Therapie akuter und chronischer immunvermittelter Neuropathien und Neuritiden, S2e-Leitlinie. Stand: April 2018; in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien
und: https://www.dgn.org/leitlinien/3636-ll-030-130-therapie-akuter-und-chronischer-immunvermittelter-neuropathien-und-neuritiden-2018 (Abgerufen jeweils am 08.03.2019)

- Hereditäres Angioödem:

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Angioödeme (DGA), der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) et al.: Hereditäres Angioödem durch C1-Inhibitor-Mangel. Stand: 09/2018. AWMF-Reg.-Nr. 061/029, in: Allergo J Int 2019; 28: 16–29.
Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-029l_S1_Hereditaeres-Angiooedem-durch-C1-Inhibitor-Mangel_2019-01.pdf (Abgerufen am 08.03.2019)

- Asthma:

Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma. Langfassung. 3. Auflage, 2018, Version 1. AWMF-Register-Nr.: nvl-002. Herausgeber: Bundesärztekammer (BÄK), Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ärztekammern, Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) sowie Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Deutsche Atemwegsliga e.V.

Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-002l_S3_Asthma_2018-09.pdf (Abgerufen am 08.03.2019)

- Chronisch obstruktive Bronchitis / COPD:

Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. und Deutsche Atemwegsliga e.V., unter Beteiligung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie:

S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). AWMF-Register Nr. 020/006. Stand: 24.01.2018. Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-006l_S2k_COPD_chronisch-obstruktive-Lungenerkrankung_2018-01.pdf (Abgerufen am 08.03.2019)

Deutsche Atemwegsliga e.V. in der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie: Informationsmaterial für Patienten. Online:
https://www.atemwegsliga.de/copd.html (Abgerufen am 08.03.2019)

- Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie):

Opitz Ch, Rosenkranz St, Ghofrani H A et al.:
ESC-Leitlinie 2015: Diagnostik und Therapie der pulmonalen Hypertonie. In: Dtsch med Wochenschr 2016; 141(24): 1764-1769: Klinischer Fortschritt Kardiologie. DOI: 10.1055/s-0042-117784, Georg Thieme Verlag KG Stuttgart, New York.
Online: https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/html/10.1055/s-0042-117784 (Abgerufen am 08.03.2019)

- Pneumothorax:

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT, federführende Fachgesellschaft): Diagnostik und Therapie von Spontanpneumothorax und postinterventionellem Pneumothorax. S3-Leitlinie, AWMF-Register Nr. 010–007, Version 1.1 vom 05.03.2018. Online:
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/010-007l_S3_Spontanpneumothorax-postinterventioneller-Pneumothorax-Diagnostik-Therapie_2018-03_01.pdf
(Abgerufen am 08.03.2019)

- Lungenkrebs (Bronchialkarzinom):

S3-Leitlinie: Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. Langversion 1.0. Stand: Februar 2018. AWMF-Registernummer: 020/007OL. Online:

https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-007OL_l_S3_Lungenkarzinom_2018-03.pdf (Abgerufen am 08.03.2019)

- Lungenembolie:

S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie.  Pocket-Version. Herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. Köln Deutscher Ärzteverlag 2017. Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/065-002k_S2k_VTE_Venenthrombose-Lungenembolie_2017-04.pdf (Abgerufen am 08.03.2019)


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