Atemnot (Dyspnoe)

Atemnot ist das Gef├╝hl erschwerten Atmens und von Luftnot (Dyspnoe). Hauptursachen: Atemwegs-, Lungen- und Herzkrankheiten

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 17.02.2016

Frei strömende Atemluft gibt uns Zug um Zug frische Energie. Zwar geht das Atmen normalerweise ganz von alleine. Doch wir können die Luft auch sehr bewusst in einem weit gespannten Bogen in uns aufnehmen und sie gezielt einsetzen – etwa um uns selbst stärker zu spüren. Oder beim Singen und Tanzen. Und wer dabei über perfekte Atemtechniken verfügt, hat schon mal ganz gute Voraussetzungen, um es zu großer stimmlicher und körperlicher Ausdruckskraft zu bringen.

Das Gegenteil ist Luftnot (Dyspnoe), womit nicht etwa die Atemlosigkeit nach einer starken körperlichen Anstrengung gemeint ist, sondern jede nicht normale bis krankhafte Kurzatmigkeit. Dyspnoe kann den Betroffenen körperlich schwächen, auch seelisch stark belastend sein und muss im Notfall unverzüglich behandelt werden.

Kein Wunder: Atemnot macht häufig Angst

Manchmal legt sich die Luftknappheit wie ein Panzer um die Brust. Das macht natürlich Angst – im Extremfall Panik wegen Erstickungsangst. Angst allein genügt manchmal schon, um uns die Kehle zuzuschnüren. Neben Husten – mit und ohne Auswurf –, Bluthusten und Brustschmerzen gehört Atemnot zu den Leitsymptomen von Erkrankungen der Atemwege und Lungen.

Aber auch herzkranke Patienten empfinden oft Luftnot. Wenn das Herz zum Beispiel bei Herzschwäche nicht mehr genügend Blut in den großen Kreislauf pumpt, was unter anderem bei einem Herzinfarkt möglich ist, kann sich Flüssigkeit aus dem Blut in der Lunge stauen. Hört der Arzt die Lungen des Betroffenen mit dem Stethoskop ab, stellt er dann häufig krankhafte Atemgeräusche fest, etwa ein feinblasiges Knistern. Es können aber zunächst "gröbere" Atemgeräusche wie Pfeifen und Brummen, die eigentlich für Bronchialasthma typisch sind, dominieren. Daher kennen Ärzte im Zusammenhang mit einer Herzschwäche auch den Begriff Herzasthma (Asthma cardiale). Bei einem Herzinfarkt kann Atemnot auch mal das einzige Symptom sein.

Apropos Asthma: Wer damit im üblichen Sinne – also Asthma das von den Bronchien ausgehend – zu tun hat, spürt häufig einen Widerstand beim Atmen, insbesondere beim Durch- oder Ausatmen. Letzteres ist gerade für Bronchialasthma sehr typisch. Das Ausatmen kann hier auch hörbar erschwert und verlängert sein.

Ein ziehendes oder pfeifendes Geräusch beim Einatmen weist dagegen auf eine Verlegung der großen Atemwege, etwa der Luftröhre, hin. Eine solche Obstruktion kann innen in der Luftröhre oder durch Druck von außen entstehen: Beides sind Notfälle. Dazu gehört unter anderem das akute respiratorische Disstress-Syndrom (ARDS). Es kann sich entwickeln, wenn ein lungengesunder Mensch plötzlich eine Lungenschädigung mit starkem Sauerstoffmangel und Atemnot erleidet, zum Beispiel bei einer Lungenentzündung, durch eine Rauchgasvergiftung oder wenn Magensaft in die Atemwege gelangt ist.

Kurzatmig bei körperlicher Belastung, atemlos bei Stress?

Im Gegensatz zu diesen dramatischen Situationen ist Atemnot in gewisser Weise auch alltäglich. So sind Menschen mit großer Körperfülle, die sich zu wenig bewegen, aber auch schwangere Frauen am Ende der Schwangerschaft häufig etwas luftknapp.

Bei starkem Stress fühlen wir uns manchmal irgendwie atemlos. Das liegt an der in unseren Genen verankerten Reaktionsbereitschaft, die Puls und Atemfrequenz ansteigen lässt. Die gefühlte Atemlosigkeit ist hier einerseits der Ausdruck des Getriebenseins. Sie hat aber auch eine körperliche Entsprechung, denn viele von uns nehmen sich bei Stress buchstäblich keine Zeit mehr, um bewusst durchzuatmen. Sie tun das oberflächlich und dazu oft in ungünstiger Haltung. Den Atemfluss beschwingt das nicht gerade.

Insgesamt funktioniert das Atemsystem in diesen Situationen aber normal. Insofern kann der Arzt hinsichtlich der Atemfunktion Entwarnung geben. Wichtig wäre es allerdings, den Stress in den Griff zu bekommen, ebenso das Übergewicht und die schlappen Muskeln. Wer den Körper auf Trab bringt, schlägt gleich allen drei Übeln ein Schnippchen.

Normal ist auch das Hecheln nach Luft nach einer starken sportlichen Leistung. Viele kennen das: Bei Trainingsmangel reicht die Puste gerade mal für einen kurzen Sprint. Athleten dagegen haben nach einer Höchstleistung sogar oft noch etwas Luft für ein flottes Interview.

Atemnot gehört zu den häufigsten Symptomen überhaupt

Zu Luftknappheit kommt es bei Erkrankungen oder mechanischen Behinderungen der Atemwege, außerdem durch Störungen der Atemfunktion und Atemregulation (siehe Kapitel "Atmen ohne Not: Wie es uns atmet"). Allen voran spielen natürlich Krankheiten der Atemwege, der Lungen und des Rippenfells eine Rolle.

Bedeutsam sind außerdem Herz- und Gefäßerkrankungen mit Beeinträchtigung der Lungen. Es folgen Störungen des Gehirns, der Nerven und Muskeln beziehungsweise Atemmuskeln. Auch sogenannte Immun- und Systemerkrankungen können zu Atemnot führen, wenn atmungsaktives Gewebe Schaden nimmt.

Zudem beeinträchtigen Stoffwechselstörungen, Krankheiten des Blutes wie Blutarmut (Anämie) und solche des Skelettsystems, etwa Verformungen des Brustkorbs, die Atmung. Das gilt auch für allergische Reaktionen, Verletzungen wie etwa Rippenbrüche und Lungenveränderungen durch Vergiftungen oder Medikamente.

Probleme mit den Stimmbändern spielen ebenfalls eine Rolle, ebenso Schmerzen im Brustbereich. Diese können wiederum zahlreiche Ursachen haben. Dazu gehört auch das Krankheitsbild der Fibromyalgie mit chronischen Schmerzen und vielfältigen anderen Beschwerden, darunter Atemnot. Damit ist die Liste aber noch keineswegs zu Ende.

Denn Atemnot kann mitunter auch (unbewusster) Ausdruck einer tiefer liegenden seelischen Belastung sein. Auch hier ist professionelle Hilfe wichtig, etwa in Form einer Psychotherapie, damit sich das Problem nicht festsetzt.

Übersicht: Die wichtigsten Ursachen von Atemnot

  • Physiologische "Atemnot":

- Spätschwangerschaft
- Anstrengung (nicht zu verwechseln mit Anstrengungsasthma, siehe dazu Kapitel "Atemnot – Ursachen: Untere Atemwege, Abschnitt "Bronchien", Punkt "Asthma")

Kehlkopf:

- Pseudokrupp (subglottische Laryngitis); Epiglottitis

- Diphtherie ("echter Krupp")

- Akute Ödeme: Angioödem (früher: Quincke-Ödem) und Nesselsucht (Urtikaria)

- Stimmbandstörung (Vocal Cord Dysfunction, Laryngospasmus)

- Stimmbandlähmung; phonatorische Dyspnoe

  • Untere Atemwege (mehr wiederum im Kapitel "Atemnot – Ursachen: Untere Atemwege"):

Luftröhre:

- Verengung (Trachealstenose)

- Verlegung (zum Beispiel durch einen Fremdkörper: Aspiration)

Bronchien:

- Asthma

- Chronische (obstruktive) Bronchitis / chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

- Bronchiektasen

- Mukoviszidose

- Bronchiolitis

- Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) 

- Atelektase

- Lungenemphysem (Lungenüberblähung)

- Lungenentzündungen (Pneumonie) durch Infektionerreger

- Andere entzündliche Lungenerkrankungen wie Sarkoidose (Morbus Boeck) oder Pneumonitis bei Autoimmunkrankheiten, zum Beispiel Systemischer Lupus erythematodes (SLE) oder Gelenkrheuma (rheumatoide Arthritis)

- Lungentuberkulose (Tbc, Erstinfektion)

- Lungenfibrose, Staublungenkrankheit (Silikose, Asbesterkrankungen)

- BOOP-Syndrom

- Exogen-allergische Alveolitis

- Akutes Lungenversagen (ARDS)(eigentlich Brustfell oder Pleura; siehe Kapitel " Atemnot - Ursachen: Rippenfellerkrankungen")

- Lungenembolie

- Lungenhochdruck

- Lungenödem, Höhenlungenödem

- Rippenfellentzündung, Rippenfellerguss

- Pneumothorax

- Tumoren (Mesotheliom, Tochtergeschwülste bei anderen Krebserkrankungen)

- Herzinfarkt

-
Herzschwäche (siehe auch Lungenödem)

- Neuromuskuläre Erkrankungen

- Zwerchfellerkrankungen

- Verformung oder Versteifung des Brustkorbs (zum Beispiel Skoliose, Trichterbrust, Bechterew-Krankheit)

- Verletzungen des Brustkorbs (zum Beispiel Rippenbrüche)

- Blutarmut (Anämie)

- Gesteigerter Sauerstoffverbrauch: zum Beispiel bei Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

- Hyperventilationssyndrom

Was tun bei Atemnot?

Ganz klar: Bei plötzlicher Luftnot sollte man unverzüglich einen Arzt oder Notarzt (Rettungsdienst, Notruf 112) alarmieren. Häufig kennzeichnet Atemnot chronische Erkrankungen wie Asthma, obstruktive Bronchitis, Herzschwäche, und begleitet sie mehr oder weniger ständig, wechselnd stark. Dabei kann sie sich jederzeit akut verschlechtern.

Halten Sie sich an einen Notfallplan, den Sie genau für diesen Fall mit Ihrem Arzt festgelegt haben. Dazu gehört, auch das Notfallspray und andere Bedarfsmedikamente nach Plan einzusetzen. Bewahren Sie Ruhe, nehmen Sie eine Körperhaltung ein, die das Atmen erleichtert.

Spüren Sie keine Erleichterung, ist Ihr Arzt, ein Arzt im Bereitschaftsdienst oder ein Notarzt gefragt. Er wird prüfen, ob es ein Problem bei der Behandlung oder eine andere Ursache gibt, ob sich die Therapie eventuell umstellen lässt oder ob eine Klinikaufnahme angeraten ist. Oft bessert sich die Atemnot durch eine intensivierte Therapie und begleitende Maßnahmen wieder.

Vorbeugung und Selbsthilfe

Einiges kann man auch selbst dazu beitragen, um die Atemwege frei zu halten. Nahe liegend: Rauchverzicht. Auch ein normales Körpergewicht, regelmäßige körperliche Bewegung und Einnahme der verordneten Medikamente nach Plan statt "nach Gefühl", was insbesondere für Asthmamittel gilt, zählen.

Asthmakranke oder Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) können mit einem kleinen, handlichen Gerät namens Peakflowmeter ihr Ausatmungsvolumen (den maximalen Atemfluss beim Ausatmen oder Peakflow) bestimmen und protokollieren. Das hilft ihnen nachzuvollziehen, wie gut sie ihre Erkrankung unter Kontrolle haben. Die Anwendung lernt man in einem Asthma-Schulungs-Programm. Das gilt auch für eine Atemtherapie. Dabei werden unter anderem bestimmte Atemtechniken trainiert. Das Training wirkt sich oft positiv auf die Atemtätigkeit und das Befinden aus. Es gibt fließende Übergänge zu meditativen Übungen und Entspannungsverfahren.

Leichte körperliche Bewegung trägt ebenfalls dazu bei, den Atemfluss anzuregen und die Atmung zu stärken. Das gilt selbst bei eingeschränkter Belastbarkeit, wie sie beispielsweise eine Herz- oder Lungenkrankheit mit sich bringen kann.

Und wer weiß, dass er zum Beispiel auf einen Stoff in der Atemluft, etwa bestimmte Pflanzenpollen, allergisch reagiert (Heuschnupfen), wird den Auslöser so gut es geht meiden. Eine Allergieimpfung kann häufig eine Allergie stoppen und die Entwicklung von allergischem Asthma verhindern.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Die Lungen liefern uns beim Atmen den lebensnotwendigen Sauerstoff. Er ist der Brennstoff bei der "Zellatmung" – also im Energie- und Baustoffwechsel des Körpers. Das dabei anfallende Kohlendioxid wird abgeatmet. Zwischen Ein- und Ausatmung sind die Atemgase im Blut gebunden und kreisen auf den Blutbahnen im Körper.

Das Zwerchfell: Atemmuskel Nr. 1

In einer ruhigen Minute holen wir 13- bis 15-mal rund einen halben Liter Luft. Maßgeblich bewirken das außer den Lungen die Atemmuskeln, allen voran das Zwerchfell. Es liegt zwischen Brust- und Bauchraum. Wenn es sich zusammenzieht, entsteht ein Unterdruck, der die Luft über die Atemwege in die Lungen saugt. Die Atemmuskeln zwischen den Rippen und zahlreiche Atemhilfsmuskeln unterstützen die Atmung

Die Lungen sind von zwei dünnen Häuten, dem Lungenfell und dem Rippenfell, umgeben. Die Doppelhülle heißt Brustfell oder Pleura. Im flüssigkeitsgefüllten Spalt dazwischen herrscht ein Unterdruck. Dadurch folgt die Lunge den Bewegungen des Brustkorbes, dem das Rippenfell innen anliegt. Bei der Einatmung dehnt der Unterdruck sich aus, ebenso die Lunge.
Die Ausatmung erfolgt in Ruhe passiv: Brustkorb und Lungen geben nach, die Luft entweicht durch die offene Stimmritze im Kehlkopf. Bei erhöhtem Atmungsbedarf oder beim Husten helfen Bauchmuskeln nach, um den Druck zu erhöhen und das Zwerchfell nach oben zu wölben.

Messfühler und Reflexe für die Atmung

Neben dem Antrieb bedarf es auch zuverlässiger Regler. In der Tat verfügt der Körper über eine ganze Staffel von Sensoren, die laufend den Druck (Partialdruck) von gelöstem Sauerstoff und Kohlendioxid sowie den pH-Wert im arteriellen Blut erfassen, also chemische Werte. Die Daten dieser Chemorezeptoren werden im Atemzentrum im Hirnstamm ausgewertet, wo wiederum chemosensible Strukturen aktiv sind. Sie kontrollieren die Einhaltung der Sollwerte. Das Atemzentrum regt die Atemmuskulatur an. Gleichzeitig empfängt es Signale übergeordneter Zentren im Gehirn. Außerdem verfügen die Atemwege über blitzschnell reagierende Eigenschutzmechanismen – sehr wichtig hier: der Hustenreflex – und viele weitere Reflexe, die das Atemzentrum aktivieren.

Datendifferenzen zwischen den einzelnen Ebenen können Fehlermeldungen auslösen. Wir atmen dann zum Beispiel stärker, um dem Gefühl von "Luftmangel" zu begegnen. Signale weiterer Rezeptoren, sogenannter Muskel- und Dehnungsrezeptoren, schlagen bei erschwerter Atemarbeit (Gefühl der "Brustenge") Alarm, beispielsweise bei Asthma.

Impulsgeber Gehirn

Das Atemzentrum im Hirnstamm regelt die Atmung grundsätzlich automatisch – weder müssen wir daran denken noch können wir es über eine bestimmte Dauer hinaus (Apnoetauchen...) unterdrücken. Der rhythmische Atemantrieb funktioniert natürlich auch im Schlaf – den Normalzustand vorausgesetzt.
Das Gehirn gibt der Atmung also unentwegt Impulse. Natürlich auch bewusste. Zum Beispiel beim Entschluss, genau jetzt, in diesem Augenblick beim Lesen innezuhalten und ganz bewusst einmal tief durchzuatmen!
Wie stark Emotionen und Atmung sich wechselseitig beeinflussen, das weiß jeder, man denke nur an "atemberaubende" Gefühlseindrücke oder aber eine Schrecksekunde, in der uns die Luft wegbleibt. Eine gesteigerte Atmung oder die Wahrnehmung von Atemnot können mitunter psychisch bedingt sein. Mehr dazu unter "Atemnot – Ursachen: Hyperventilationssyndrom" in disem Beitrag.

Wie körperliche Veränderungen die Atmung beeinflussen

Bei Blutarmut, Fieber, unter dem Einfluss bestimmter Arzneimittel, erhöhter Schilddrüsenhormonspiegel oder in der frühen Schwangerschaft durch die hormonelle Umstellung kann das Atemzentrum zum Beispiel das Signal "erhöhter Sauerstoffbedarf" erhalten und in Abstimmung mit anderen Gehirnzentren darauf reagieren. Atemfrequenz und Atemtiefe nehmen zu (Hyperventilation). In den letzten Wochen vor der Geburt braucht das Ungeborene viel Platz im Bauch und erschwert der Schwangeren so allerdings das Atmen mechanisch. Dann kann sie ihre Sauerstoffreserven nicht mehr so gut ausschöpfen und kommt besonders bei körperlicher Anstrengung leicht außer Atem.

Atemnot: Sicht- und hörbar

Atemnot ist als bewusste, aber subjektive Empfindung nicht messbar. Es lässt sich aber erkennen, ob die Atmung gesteigert, vermindert oder unregelmäßig ist, ob sich jemand schwertut und hörbar mit großer Not atmet (ziehendes, pfeifendes Atmen, medizinisch: Stridor), vielleicht dabei auch eine besondere Haltung einnimmt, um Luft zu bekommen.

Nicht selten sind Menschen in dieser Situation auffallend unruhig, angstvoll und blass, vielleicht bricht ihnen kalter Schweiß aus allen Poren, oft haben sie auch blaue Lippen. Dies wie auch eine bläulich-graue Hautfarbe, vor allem im Gesicht, außerdem eine bläulich verfärbte Zungenschleimhaut (Fachbegriff für diese Veränderungen: Zyanose) weisen auf einen Sauerstoffmangel hin.

Neben solchen äußerlich erkennbaren Veränderungen sind weitere Befunde richtungsweisend, etwa krankhafte Atemgeräusche, die der Arzt beim Abhören der Lungen mit dem Stethoskop feststellt. In der Fachpraxis oder auch beim Rettungseinsatz kann der Arzt zudem die Sauerstoffsättigung zunächst mittels Pulsoxymetrie über die Haut messen.

Was die Krankengeschichte verrät

Weitere Anhaltspunkte geben häufig auch die Krankengeschichte und Schilderung des Patienten, wie seine Beschwerden sich entwickelt haben (Anamnese). So kann etwa eine zurückliegende Beinvenenthrombose eine stattgehabte Lungenembolie nahelegen und eine plötzliche Atemnot erklären. Begünstigend für eine Thrombose kann zum Beispiel eine vorübergehende Ruhelage sein, etwa nach einer Verletzung, oder langes Sitzen auf einer Reise.

Anzeichen sind unter anderem die Schwellung eines Beins, dazu Schmerzen, die auch in der Kniekehle oder Leiste spürbar sein können und sich im Stehen verstärken. Anhand dieser Anzeichen und weiterer Kriterien – sie bilden zusammen den sogenannten Wells-Score – kann der Arzt die Verdachtsdiagnose einer Thrombose oder Lungenembolie stellen und dann weitere Maßnahmen einleiten.

Begleitsymptome wie Brustschmerzen, ein schneller Pulsschlag, Husten, Auswurf (womöglich auch blutig) sind weitere Indizien einer Lungenembolie, können aber auch bei einer Lungenentzündung auftreten. Ähnliches gilt für Fieber und starke körperliche Schwäche bis hin zum Kreislaufkollaps.

Atemnot und kurze Ohnmachten (Synkopen), etwa bei Anstrengungen oder Husten, sind eine Kombination von Beschwerden, die zum Beispiel im Zusammenhang mit Lungenhochdruck vorkommen kann.

Um zügig abzuklären, ob eine chronische Atemnot, die einem Betroffenen neuerdings verstärkt Probleme bereitet, eher den Lungen, dem Herzen oder anderen Ursachen zuzuordnen ist, kann dem Arzt im Vorfeld ein Fragebogen weiterhelfen, der verschiedene, hier genannte Punkte sytematisch abcheckt.

Medizintechnik hilft auf die Spur

Hier gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten. Die Wahl der Methoden folgt der ersten Verdachtsdiagnose aufgrund der Eingangsbefunde. Dabei veranlasst der Arzt zum Beispiel verschiedene Bluttests, etwa eine Bestimmung des Troponin-T, des NT-proBNP, des sogenannten D-Dimer, oder auch eine Blutgasanalyse. Eine Elektrokardiografie (EKG), Röntgenuntersuchungen, eine Ultraschalluntersuchung des Brustraums, gegebenenfalls auch der Beinvenen (Dopplersonografie) sind weitere wichtige Erstmaßnahmen.

Im zweiten Schritt können sich eine Lungenfunktionsprüfung (bestimmte Atemtests, Spirometrie, in erweiterter Form auch als Spiroergometrie mit Überprüfung des Herzkreislaufsystems), Allergietests und endoskopische Untersuchungen des Nasen-Rachen-Raums anschließen. Im Rahmen der Endoskopie des Kehlkopfes kann der Hals-Nasen-Ohren- (HNO-)Arzt die Stimmbandfunktion überprüfen (Stroboskopie).

Herz im Fokus?

Liegt aufgrund der ersten Befunde das Herz im Blickpunkt des Arztes, so hat der Arzt es bereits durch die bekannteste aller Herzuntersuchungen, nämlich ein Elektrokardiogramm (siehe oben: EKG), überprüft. Dieses befindet sich inzwischen in bester Gesellschaft. So wird das Herz heute vielfach auch mit dem ebenso gut (v)erträglichen Ultraschall (Echokardiografie) abgebildet. Anders als das EKG erlaubt die Ultraschalltechnik neben funktionellen Aussagen optische Einblicke in das Herz. Auch bei mutmaßlicher Lungenembolie sind beide Maßnahmen unverzichtbar.

Spezielle Untersuchungsverfahren

Gegebenenfalls schließt sich eine Untersuchung der Herzkranzgefäße (Linksherzkatheter) oder schwerpunktmäßig der rechten Herzhälfte mittels Herzkatheter an. Dieser sogenannte Rechtsherzkatheter gehört etwa bei Verdacht auf einen Lungenhochdruck zu den Standarduntersuchungen. Meist wird er durch eine Röntgendarstellung der Lungengefäße vervollständigt. Nach wie vor sind nuklearmedizinische Verfahren zur Erfassung der Lungendurchblutung und -belüftung (Szintigrafie der Lungen: Ventilations-Perfusionsszintigrafie oder nur Perfusionsszintigrafie) bei der Abklärung von Lungenhochdruck wichtig. Dies gilt insbesondere nach einer oder mehrmaligen Lungenembolien (schwieriger Fachbegriff: chronisch-thromboembolische pulmonale Hypertonie; mehr dazu im Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungengefäße").

Manchmal ist eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Brustraums oder eine entsprechende Computertomografie (CT) angezeigt. Bei speziellen Fragestellungen kann das CT mit einer Positronenemissionstomografie kombiniert werden (PET-CT).


Ein auf die Halsgegend zentriertes CT oder MRT informiert über krankhafte Veränderungen in diesem Bereich.

Die Spiegelung der tiefen Luftwege beziehungsweise der Lungen (Bronchoskopie) oder auch der Brusthöhle (Thorakoskopie) sind eingreifendere Maßnahmen. Während der Bronchoskopie lassen sich Bronchialflüssigkeit oder Gewebeproben zur mikroskopischen Analyse gewinnen.

Manchmal rücken auch Untersuchungen der Schilddrüse oder aber neurologische und psychologische Diagnoseverfahren in den Vordergrund.

Erkrankungen oder Verletzungen können dazu führen, dass die Schleimhaut in den oberen Luftwegen –  Mund, Rachen, Kehlkopf – sich entzündet, anschwillt oder sogar zuschwillt. Mögliche Anzeichen sind ein pfeifendes Geräusch bei der Atmung, je nach Ausmaß auch Atemnot bis hin zu Erstickungsgefahr.

Zu den Ursachen gehören bei Kindern der Pseudokrupp, selten bei uns die Diphtherie, außerdem verschiedene Formen akuter Gewebeschwellungen (Ödeme), Reizgasvergiftungen und Verbrennungen. Auch Lähmungen und Verkrampfungen der Stimmbänder oder Tumore können den Luftweg blockieren.

Ursachen von Atemnot im Bereich des Kehlkopfes:

  •  Pseudokrupp (subglottische Laryngitis): Der Pseudokrupp ist eine Entzündung im Bereich des Kehlkopfes und unterhalb der Stimmbänder, also im oberen Teil der Luftröhre. Da die Luftwege bei Säuglingen und Kleinkindern erst noch wachsen müssen, können Schwellungen des Gewebes bei ihnen leichter blockierend wirken als bei Schulkindern oder erwachsenen Menschen. Dazu passen Auslöser wie Masern-, Windpocken-, Grippe- und Erkältungsviren mit ihrem Hang zum Kindesalter. Wichtig: Luftschadstoffe, Allergien und eine Raucherumgebung begünstigen Pseudokruppanfälle. Dann kann passieren, was alle Beteiligten – Eltern wie die betroffenen Kleinen selbst – hochgradig in Schrecken versetzt: Ein Kind fängt plötzlich abends oder nachts bellend zu husten an. Es entwickelt sich eine pfeifende, ziehende Einatmung (Stridor), bei stärkerer Ausprägung auch eine behinderte Ausatmung, in schweren Fällen Atemnot, Blaufärbung der Lippen und Fingernägel, möglicherweise sogar erstickungsartige Anfälle. Manchmal gehen dem Ereignis leichtere Erkältungsbeschwerden wie Schnupfen, Husten und mäßiges Fieber voraus.

    Da der echte Krupp, die Diphtherie, heute bei uns kaum noch vorkommt, wird der Pseudokrupp inzwischen meist einfach Krupp oder Kruppsyndrom genannt. Gleichwohl: Mehr zu diesem Thema lesen Sie unter "Pseudokrupp".

    ! Besonders gefährlich ist eine Variante namens Epiglottitis oder Kehldeckel-Entzündung. Sie wird durch Bakterien ausgelöst, vor allem Hämophilus influenzae B. Gegen den Keim gibt es eine Schutzimpfung, die im Rahmen des Impfprogramms für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder empfohlen wird.

    Bei den Symptomen fehlt zwar häufig der bellende Husten. Aber es entwickelt sich, meistens aus voller Gesundheit heraus, eine schnell zunehmende Atemnot mit pfeifender Einatmung und Keuchen. Hinzu kommen Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, eine kloßige Sprache, hohes Fieber.

    ! Achtung: Möglichst schon bei ersten Anzeichen einer Kehlkopfentzündung wie ziehende Atmung den Kinderarzt rufen. Er wird entscheiden, ob das Kind zu Hause behandelt werden kann oder besser in der Klinik aufgehoben ist. Wichtig: der zügige Erregernachweis, zum Beispiel aus einem Nasen-Rachenabstrich, und Therapie mit geeigneten Antibiotika.

  • Diphtherie ("echter Krupp"): Diphtherie wird von sogenannten Korynebakterien verursacht. Häufigste Form der Diphtherie ist die Rachendiphtherie. Ein von den Erregern produziertes Gift (Toxin) schädigt die Schleimhaut hier massiv, und es bilden sich starke entzündliche Beläge (Pseudomembranen). Die Mandeln und die Schleimhaut im Rachen oder tiefer in den Atemwegen können zudem heftig anschwellen, was Atemnot zur Folge haben kann. Komplikationen mit Schäden anderer Organe durch das Gift sind bei uns eine Seltenheit. Denn dank der Schutzimpfung bei Kindern ist die Infektion bei uns als solche selten geworden. Leider lässt der Impfschutz bei Erwachsenen inzwischen nach, weil viele ihn nicht mehr auffrischen. Dies sollte zumindest vor Reisen in Gebiete, wo die Krankheit auch heute noch verbreitet ist, geschehen, etwa Staaten der russischen Föderation, Afghanistan, Indien, Philippinen und einige afrikanische Länder.
     
    Symptome: Die Beschwerden setzen allmählich ein. Auf der hochroten Rachenschleimhaut finden sich grauweiße oder bräunliche Beläge, die fest an der Schleimhaut haften. Es kommt zu Halsschmerzen, Fieber und Kopfschmerzen. Schreitet die Infektion fort, kann infolge einer Nervenschädigung durch das Gift eine Gaumensegellähmung auftreten, die mitunter zu Schluck- und Sprechstörungen führt, da der Rachen zur Nase hin nicht mehr richtig abgedichtet wird. Bauch- und Gelenkschmerzen sind ebenfalls möglich. Die Lymphknoten am Hals schwellen an, es bildet sich ein süßlicher Mundgeruch.

    Heiserkeit und Atemnot weisen auf ein fortgeschrittenes Stadium hin mit Ausbreitung der Beläge und Schwellungen im Kehlkopf, manchmal auch noch tiefer in den Atemwegen. Im Extremfall kann der gesamte vordere Halsbereich anschwellen. Alles dies sind lebensgefährliche Entwicklungen, die heute bei uns schon fast historisch anmuten – und doch in Europa immer noch vorkommen.

    Die Behandlung muss in der Klinik (Isolierstation) stattfinden. Ein Antitoxin (vom Pferd) kann bei früher Gabe im Körper zirkulierendes, noch nicht zellgebundene Diphtherietoxin neutralisieren. Außerdem werden Antibiotika eingesetzt. Parallel findet eine Erregertestung statt, gegebenenfalls auch eine Toxinbestimmung. Da die Infektionsgefahr für enge Kontaktpersonen ist sehr groß ist, werden sie ebenfalls getestet und vorbeugend oder, falls sie den Erreger in sich tragen, nachhaltiger behandelt. Unvollständiger Impfschutz sollte vervollständigt, eine länger zurückliegende vollständige Impfung aufgefrischt werden.
  • Akute Schwellungen (Ödeme)

    – Angioödem (früher Quincke-Ödem): Bei einem Angioödem kommt es zu anfallsartigen Schwellungen in der Tiefe der Haut und der Schleimhaut im Mund und Rachen. Häufig entwickelt sich auch eine Nesselsucht (Urtikaria). Sie betrifft nur die Haut, und zwar die oberen Schichten. Die Schwellungsattacken klingen meist nach einem bis sieben Tagen wieder ab. Es gibt auch chronische Formen.

    Warum der Name Angioödem? Es kommt zu Entzündungsvorgängen an kleinen Arterien (der Wortstamm Angio- bezieht sich auf Blutgefäße), die zu "Lecks" in nachgelagerten dünnen Venen führen, sodass Flüssigkeit ins Gewebe austritt. Bevorzugt passiert das an weichen, dehnbaren Körperstellen wie Lippen, Lider, Zunge, Rachenschleimhaut.

    – – Histaminvermitteltes Angioödem: Für die häufigsten Angioödem-Formen einschließlich Urtikaria ist das Gewebshormon namens Histamin verantwortlich. Stoffe, die nicht vertragen werden oder auf die ein Betroffener allergisch reagiert, locken hier das Histamin aus der Reserve: etwa ein Schmerz- oder Rheumamittel wie Acetylsalicylsäure, ein Antibiotikum, ein allergieträchtiger Bestandteil in Nahrungsmitteln, ein Röntgenkontrastmittel in der Blutbahn, Insektengift, Latex... Histamin kann auch bewirken, dass die kleinen Bronchien sich verengen. Die Folge: Atemnot.

    Selten liegt eine Autoimmunkrankheit vor zum Beispiel eine autoimmune Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis). Bei einer solchen Krankheit geht das Immunsystem gegen körpereigene Gewebestrukturen vor, der Körper greift sich also selbst an (auto, gr. selbst). Im Zuge dessen kann es dann auch zu einem Angioödem kommen. Warum, ist noch unklar.

    ! Gegen Histamin-vermittelte Angioödeme können Medikamente wie Antihistaminika helfen, die auch gegen Allergien wirksam sind, außerdem Kortison und, bei sehr schweren allergischen Reaktionen, Adrenalin zum Injizieren. Sie sind zum Beispiel auch in Notfallsets gegen Insektengift- oder Erdnussallergie enthalten.

    Symptome: Das Angioödem entspricht einer flächigen, mitunter leicht rötlichen Schwellung in tiefen Haut- oder Schleimhautschichten. Es betrifft in erster Linie die Haut im Gesicht, vor allem an den Lippen und um die Augen herum. Lebensgefahr kann von einem plötzlich auftretenden Ödem im Mund- oder Rachenraum ausgehen: einer starken Schwellung an der Zunge, im Rachen oder Kehlkopf (Glottisödem). Warnzeichen sind pfeifende Atemgeräusche (Stridor), eine veränderte Stimme und beginnende Atemnot (Dyspnoe). Im Prinzip kann ein Angioödem aber überall, also auch an Armen, Händen, Beinen, Füßen, Genitalien und am Rumpf auftreten. In der Körperperipherie ist es im Allgemeinen nicht so problematisch, wenn es nicht gerade hinderliche Ausmaße annimmt. Die begleitende Nesselsucht zeigt sich mit scharf begrenzten, rosa- oder hautfarbenen juckenden Quaddeln auf der geröteten Hautoberfläche. Sie können ebenfalls am ganzen Körper in Erscheinung treten.

    Es kommt immer wieder mal vor, dass sich keine direkten Auslöser oder Ursachen für das Angioödem feststellen lassen (idiopathisches Angioödem, mit oder ohne Histamin). Mitunter bleibt allenfalls ein Umstand wie Hitze, Kälte, UV-Licht, Stress oder körperliche Anstrengung als mögliches "Motiv".

    Der Ratgeber "Nesselsucht" informiert Sie genauer über die Urtikaria.

    – – Bradykininvermitteltes Angioödem: Seltener sind bei Angioödemen andere Gewebshormone im Spiel, wie Bradykinin. Dieses ist ebenfalls an Entzündungen beteiligt, verursacht aber keine Nesselsucht. Eingriffe im Mund-Rachenbereich (zum Beispiel Zähne, Mandeln), Infektionskrankheiten wie Erkältung oder Grippe, sind manchmal auslösend. Daher wird zum Beispiel Patienten mit erblichem  Angioödem vor zahnärztlichen Eingriffen eine vorbeugende Behandlung empfohlen (Kurzzeitprophylaxe, siehe unten, Abschnitt "Therapie").

    Herz- und Blutdruckmedikamente vom Typ der ACE-Hemmer, mitunter auch AT-1-Antagonisten, können die Neigung zu Angioödemattacken erheblich verstärken – selbst nach längerer Einnahme.

    Ein bradykininvermitteltes Angioödem beruht zum Teil auch auf einem Mangel oder Defekt eines bestimmten Eiweißstoffes, des C1-Esterase-Inhibitors (C1-INH; C steht für einen körpereigenen Stoff namens Komplement, INH für Inhibitor (Hemmer). Die einzelnen C-Vertreter tragen unterschiedliche Ziffern. Der Defekt oder Mangel ist erblich (familiär) bedingt oder geht auf eine spontane Genveränderung zurück. Andere Formen sind im Laufe des Lebens erworben. Dann liegt manchmal eine andere Grunderkrankung vor.

    Bei den erblichen Angioödemen (internationale Abkürzung HAE, 50%-prozentiges Erbrisiko, beide Geschlechter erkranken gleich häufig) treten die Schwellungen häufig schon im Kindes- und Jugendalter auf. Später können sie sich abschwächen. Ein erbliches Angioödem ohne C1-INH-Mangel, das fast nur bei Frauen vorkommt, entpuppt sich unter hormonellen Umstellungen wie Schwangerschaft oder Einnahme östrogenhaltiger Hormonpräparate (Pille oder ein Medikament zur Hormonersatztherapie).

    Symptome: Schwellungen der Haut und des Magen-Darm-Traktes mit kolikartigen Bauchschmerzen und Übelkeit sind hier die führenden Beschwerden. Zudem können Schwellungen der Schleimhaut im Rachen bedrohliche Atemnot verursachen.
    ! Juckreiz und Quaddeln fehlen in der Regel!

    Diagnose: Die Symptome und eine sehr sorgfältig erhobene Krankengeschichte liefern wichtige Hinweise. Hinzu kommen Laboranalysen des Blutes und Urins. Im Blut findet sich bei Formen mit C1-INH-Defizit /-Defekt zum Beispiel ein erniedrigter Komplementfaktor C4. Es ist wichtig, die seltenen erblichen Formen zu erkennen, um die Betroffenen auf mögliche Gefahren vorzubereiten und im Ernstfall sofort gezielt behandeln zu können. Schwellungen im Magen-Darm-Bereich lassen sich durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall feststellen, andere Ursachen, die ähnliche Beschwerden bereiten können, im selben Zug ausschließen. Der Arzt wird außerdem andere Grunderkrankungen, etwa der Haut, eine Allergie, eventuell auch eine sogenannte Systemerkrankung (Autoimmunerkrankung) abklären.

    Therapie: Bekannte Auslöser, etwa ein bestimmtes Medikament, sollten die Betroffenen im Allgemeinen möglichst meiden. Antihistaminika, in schwereren Fällen auch Kortison und Adrenalin, helfen bei Angioödemen, die auf Histaminwirkungen beruhen. Gegen eine chronische Urtikaria, die auf ein Antihistaminikum nicht anspricht, kann ein IgE-Antikörper, alle vier Wochen unter die Haut gespritzt, wirksam sein. Kaum oder gar nichts bewirken diese Antiallergika jedoch bei den bradykininvermittelten Angioödemen. Hier hängt die Therapie von der genauen Ursache und den Begleitumständen ab.

    Hat sich etwa unter der Einnahme eines ACE-Hemmers ein Angioödem entwickelt, scheiden sdiese Medikamentengruppe definitiv aus. Der Arzt wird mögliche Alternativen finden. Im Notfall kann bei bedrohlicher Schwellung im Gesichts- und Rachenbereich ein Therapieversuch mit einem C1-Inhibitor unternommen werden (siehe nachfolgend und weiter unten: allgemeine Notfalltherapie bei Glottisödem).  Bei einer Autoimmunerkrankung können Medikamente wirksam sein, die das Immunsystem unterdrücken.

    Im Falle einer akuten Schwellungsattacke mit drohender Atemnot bei erblichem Angioödem / C1-INH-Mangel wird im Rahmen der Notfalltherapie, ansonsten auch zur Kurzzeitprophylaxe, ein sogenanntes C1-Inhibitor-Konzentrat in die Blutbahn gegeben. Möglich ist das inzwischen nach entsprechender Schulung auch in der Heimselbstbehandlung. Medikamente namens Bradykinin-Rezeptor-Antagonisten sind ebenfalls wirksam. Sie können unter die Haut gespritzt werden (in Deutschland derzeit ein Präparat), was wiederum der Betroffene auch selbst tun kann. Man sollte immer zwei Dosen des Notfallmedikaments zur Hand haben. Die Patienten erhalten auch einen Notfallausweis. Darin steht unter anderem, welches nächstgelegene Krankenhaus kontaktiert werden kann.  

    – "Ödemneigung" des Kehlkopfes bei schwangerschaftsbedingter Eklampsie: Ganz anders gelagert ist eine Schwellung des Kehlkopfes als seltenes Ereignis bei Eklampsie. Diese ist eine Komplikation der – ebenfalls schwangerschaftsbedingten – Präeklampsie (mehr unter "Bluthochdruck während der Schwangerschaft" auf www.baby-und-familie.de). Wichtiges Element in der Ursachenkette ist ein Bluthochdruck. Bei Eklampsie sind Gehirnschwellungen und Krampfanfälle möglich, die für Mutter und Kind potenziell lebensbedrohlich sein können. Meistens tritt die Störung in der Spätschwangerschaft auf, manchmal auch erst nach der Geburt. Überwiegend verläuft sie jedoch mild.

    Allgemeine Notfalltherapie bei Kehlkopfödem (Glottisödem): Falls keine genaue Ursache bekannt ist, der Patient zum Beispiel keinen Angioödem-Notfall-Ausweis und auch kein Allergie-Notfallset, etwa bei Wespengift- oder Erdnussallergie, bei sich trägt, verabreicht der Notarzt Kortison in hoher Dosis in die Blutbahn; bei einem Patienten im Schock Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen, bis der Rettungsdienst eintrifft. Lässt sich ein Glottisödem nicht mit Medikamenten beeinflussen, können nur noch eine Intubation und Beatmung oder ein Luftröhrenschnitt lebensrettend sein.
  • Funktionsstörungen des Kehlkopfes: Der Kehlkopf reguliert den Luftstrom beim Atmen (Offenhalten der Stimmbänder), erzeugt die Stimme und Laute (Schließstellung und Schwingung der Stimmbänder), und er schützt beim Schlucken die Atemwege dem, was nicht hinein soll, indem er den Kehldeckel reflexhaft verschließt. Außerdem lösen die Kehlkopfmuskeln noch mehr Schutzreflexe aus, etwa den Hustenreflex. Ist die Reflexschwelle zu niedrig, etwa bei einer Art Überempfindlichkeit, können Stimmbandstörungen bis hin zu Verkrampfungen die Folge sein.

    – – Stimmbandstörung (Vocal Cord Dysfunction (VCD), Laryngospasmus):
    Wenn die Stimmbänder sich beim Einatmen plötzlich schließen, anstatt sich zu öffnen und frei zu schwingen, bleibt die Luft draußen. Die Stimme versagt, der Betroffene ächzt nach Luft und hat panische Erstickungsangst. Unterdessen löst sich der Krampf in den meistens wieder, und mit ihm die Atemnot. Solche laryngospastischen Anfälle sind die Extremform einer VCD. In leichteren Fällen hat der Betroffene hauptsächlich das Gefühl, auf einmal nicht gut durchatmen zu können. Zu der Atemnotattacke kommt es meistens nach einem Hustenanfall, ausgelöst durch einen bestimmten Duft, Zigarettenrauch, kalte oder warme Luft, Stress, körperliche Belastung, ein Allergen (Allergieauslöser). Manche Patienten mit Asthma und Allergien – und insgesamt mehr Frauen – neigen vermehrt dazu. Auch Entzündungssekret, das bei einer Nasen-Nebenhöhlenentzündung (engl. postnasal drip) in den Rachen gelangt, ist ein möglicher Auslöser. Wenn der Anfall aus dem Schlaf heraus auftritt, was eher selten vorkommt, kann auch eine Rückflusskrankheit dahinter stecken.

    Symptome: Anfallsartig auftretende Atemnot, die je nach Ausprägung als lebensbedrohlich empfunden wird (Erstickungsangst), oft nach Hustenanfällen; Heiserkeit, Kratzen im Hals, Kloßgefühl. Wichtig: Der Anfall klingt in der Regel nach wenigen Sekunden von alleine wieder ab! Die Angst- und Panik-Komponente ist eher Folge als Ursache der Störung.

    Die Diagnose stellt in der Regel ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Manchmal gelingt es bei einer Spiegelung des Kehlkopfes, die Fehlfunktion der Stimmbänder zu erkennen. Andere Erkrankungen, etwa eine Nasennebenhöhlenentzündung oder ein Rückfluss von Magensäure (Refluxkrankheit), sind zu berücksichtigen. Hat ein Lungenfacharzt Asthma bei dem Betroffenen festgestellt, wird es selbstverständlich genauso gezielt behandelt wie jede andere Grunderkrankung auch.

    Die Funktionsstörung der Stimmbänder (VCD) selbst ist kein Fall für Medikamente. Vielmehr ist umfassende Aufklärung über das überwiegend harmlose Krankheitsbild zielführend. Dazu kommen eine symptomlösende Atem- und Stimmtherapie mit zwerchfellbetonten und halsentspannenden Atemtechniken sowie als übergreifender Ansatz ein besseres Stress- und Selbstmanagement. Falls eine psychische Problematik zugrunde liegt, kann eine entsprechend ausgerichtete Therapie der richtige Weg sein.

    - - Stimmbandlähmung: Eine Stimmband- oder Stimmlippenlähmung ist Folge einer Schädigung zuständiger Nerven, meist im Halsbereich. Außerdem kann von Narbenbildungen nach einer Operation / Narkose, von Schädigungen des Stimmapparates durch Entzündungen oder Giftwirkungen, von Tumoren, selten auch von Gehirnschädigungen oder von unbekannten Ursachen herrühren.

    Symptome: Ist nur eine Seite gelähmt, tritt eine mehr oder weniger ausgeprägte Heiserkeit auf. Beim Sprechen kommt es häufig zu Atemnot, weil zu viel Luft entweicht (phonatorische Dyspnoe). Bei beidseitiger Stimmbandlähmung stehen die Stimmbänder in Mittelstellung und nah beieinander. Je nach Ausprägung ist Sprechen noch besser möglich als Atmen, das unterschiedlich stark erschwert sein kann (am meisten bei Belastung) – bis hin zu deutlicher Atemnot mit hörbarem "Ächzen" und Pfeifen (Stridor).

    Therapie: Einseitige Stimmbandlähmung: Ob sich die Stimmlippenfunktion wieder regeneriert, hängt von der Ursache der Schädigung ab. Mitunter dauert es eine Weiler und braucht viel Geduld. Eine logopädische Behandlung vermittelt geeignete Sprech- und Atemtechniken und fördert den Regenerationsprozess. Ob zum Beispiel eine Elektrostimulationsbehandlung nachhaltiger helfen kann, ist noch unklar. Zeichnet sich innerhalb nach mehreren Monaten keine Besserung ab, kann eine Operation die Stimme verbessern. Es gibt verschiedene Techniken, zum Beispiel eine Stimmlippenunterfütterung (Augmentation).

    Beidseitige Stimmbandlähmung: Ziel ist zunächst, die Atmung sicherzustellen. Eine bekannte Ursache muss so gezielt wie möglich behandelt werden. Im Notfall ist eine Beatmung oder ein operativer Noteingriff angezeigt, und nur falls absolut alternativlos, ein Luftröhrenschnitt mit Anlage eines Tracheostomas (Öffnung der Luftröhre nach außen).

Die unteren Atemwege verlaufen zunächst von der Luftröhre über das gesamte, baumartig aufgebaute Bronchialsystem, die Bronchien (Einzahl: Bronchus). Den Baum muss man sich allerdings auf den Kopf gestellt denken. Die Bronchien verzweigen sich immer weiter und werden dabei immer kleiner.

Am Ende der äußersten Verästelungen tritt die Atemluft in die Lungenbläschen (Alveolen) über. Diese sind Teil des Lungengewebes, und hier findet der Austausch zwischen den Atemgasen und den Blutgasen statt. Im Anschluss Informationen zu den wichtigsten Krankheitsbildern auf dieser Atemstrecke.

– Luftröhre (Trachea): Der Tunnel für die Atemluft

  • Verengung (Trachealstenose), Fremdkörper & Co.: Sowohl die Luftröhre als auch ein Bronchus können krankhaft eingeengt sein (Stenose) – von innen oder außen. Innen finden sich mitunter angeborene Membranen oder Narbengewebe nach einem Eingriff, nach einer Verletzung oder Entzündung, mitunter gar ein Fremdkörper, der sich in die Atemwege verirrt hat (fachsprachlich wurde er dann aspiriert). Auch Tumoren können den Luftstrom behindern, im Bereich eines Bronchus zum Beispiel bei Lungenkrebs (Bronchialkarzinom). Mitunter drücken Lymphknotengeschwülste (Lymphome) von außen auf den Luftweg.

    Lungenabschnitte, die hinter dem Engpass liegen, werden weniger oder gar nicht mehr belüftet, was Entzündungen den Weg bahnt. Mögliche Komplikationen sind eitrige Einschmelzungen oder Blutungen. Erweicht Luftröhrenknorpel (Tracheomalazie), behindert das die Atmung ebenfalls erheblich. Dazu kann es zum Beispiel nach einer bakteriellen Infektion kommen.

    Symptome:
    Je nach Lage, Art und Ausmaß der Verengung / Verlegung treten starker Husten und Atemnot mit pfeifender (Aus-)Atmung (Stridor) auf. Der Husten soll einen eingeatmeten Gegenstand wieder herausbefördern. Hat sich ein zu wenig belüfteter Bereich der Lunge entzündet, kommt es zu starker Schleimbildung und Fieber, Husten allemal. Wird ein Lungenflügel nicht mehr belüftet, ist die Atmung auf der entsprechenden Seite aufgehoben,. Die totale Verlegung der Luftröhre bedeutet. Ein Notfall zeichnet sich auch ab, falls sich ein spitzer Fremdkörper im Bereich des Schlunds oder Kehlkopfes verkeilt und / oder eine Blutung auslöst. Heftiges Husten, Würgen, Erstickungsgefühl und Angst können einen reflexartigen oder durch den Blutverlsut bedingten Blutdruckabfall und Kreislaufstillstand auslösen.

    Diagnose, Therapie:
    Im Notfall, etwa bei Aspiration eines Fremdkörpers, oder Schock mit Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen und den Rettungsdienst (Notruf 112) alarmieren. Es sind eiligst fachärztliche Behandlungsschritte (Bronchoskopie) geboten, um den Fremdkörper oder ein anderes Hindernis in den Atemwegen zu beseitigen. Auch sonst, etwa bei einer Tracheomalazie, richtet sich die Behandlung nach der Ursache. Außerhalb eines Notfalls überprüft der Arzt die Lungenfunktion und setzt bildgebende sowie endoskopische Verfahren ein, um die Verengung abzuklären. Mehr dazu unter "Atemnot – Diagnose" in diesem Beitrag.

Bronchien: Weit verzweigte Atemwege

  • Asthma bronchiale: Asthma ist die Folge einer Verengung (Obstruktion) chronisch entzündeter Bronchien. Die Verengung ist anfangs noch rückbildungsfähig, später dauerhaft. Der behinderte Luftstrom macht das Atmen sehr anstrengend, Atemnot wird zum vorherrschenden Problem. Ärzte unterscheiden ein allergisches (extrinsisches) Asthma und ein nicht allergisches (intrinsisches) Asthma. Im letzteren Fall sind unter anderem wiederholte Atemwegsinfekte, die sogenannte Rückflusskrankheit (Stichwort Sodbrennen) und anderes mehr im Spiel.

    Symptome: Asthma bedeutet anfallsartige Atemnot, Pfeif- und Brummgeräusche bei der Ausatmung, die länger braucht, weil sie gegen einen erhöhten Widerstande arbeitet, und Husten. Im Anfall stützen sich die Patienten oft mit den Armen auf, um mehr Luft zu bekommen – sie nutzen so die Hilfsmuskeln der Atmung. Der Herzschlag ist beschleunigt. In ausgeprägten Fällen können die Lippen blau verfärbt sein, der Betroffene ist unruhig, eventuell auch verwirrt. Bei einem sehr schweren Asthmaanfall kann es zu lebensbedrohlicher Luftnot bis hin zum akuten Atemversagen kommen. Bei chronischem Asthma setzt sich die Neigung zur entzündlichen Verengung der Bronchien fest. Zunehmend verlegt dann ein zäher Schleim, der nicht mehr richtig abgehustet werden kann, die Bronchien.

    Mehr dazu im Ratgeber "Asthma bronchiale".
  • Chronische (obstruktive) Bronchitis / chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): Von einer chronischen Bronchitis, also einer chronischen Entzündung der Bronchien, ist auszugehen, wenn ein Patient in mindestens zwei aufeinander folgenden Jahren während drei Monaten in Folge Husten und Auswurf hat. Eine einfache chronische Bronchitis ist im Prinzip rückbildungsfähig, etwa nach Rauchstop. Häufig geht sie aber in eine obstruktive Form oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (engl. Abkürzung: COPD) über. COPD gehört weltweit zu den häufigsten Lungenkrankheiten. Da sie in den Bronchien beginnt, wird sie in diesem Kapitel eingeordnet.

    ! COPD ist vermeidbar, denn am Anfang steht in aller Regel der Raucherhusten. Neben Rauchen tragen andere Umweltbelastungen (Luftverschmutzung) ihren Teil zu der Krankheit bei. Gemeinsam halten sie in den kleinen Bronchien die einmal entstandene Entzündung aufrecht. In der Folge produzieren diese viel zähen Schleim und sind anfälliger für bakterielle Infektionen. Schließlich verengt sich ein Teil der Bronchien dauerhaft (Obstruktion), das umgebende Gewebe nimmt Schaden. Mehr und mehr verbleibt Luft beim Ausatmen in der weniger elastischen Lunge, sodass sie überbläht wird (Emphysem, siehe auch Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen"). Später leiden häufig auch die Lungengefäße (siehe "Atemnot – Ursachen: Lungengefäße") und das Herz unter den Veränderungen.

    Symptome: Bei der "einfachen" Bronchitis sind Husten und Auswurf ein vorübergehendes Phänomen. Kommt es über Jahre hinweg zu Husten und Auswurf, der besonders morgens wechselnd stark von Atemnot geprägt ist, deutet das auf eine obstruktive Form der Bronchitis hin. Hat der Auswurf eine gelbe oder grüne Farbe, sind bakterielle Erreger am Werk. Mal steht mehr die obstruktive Bronchitis mit Auswurf und Husten im Vordergrund, mal das Emphysem mit deutlich erschwerter Atmung bis Atemnot und eingeschränkter Belastbarkeit. Im weiteren Verlauf ist zunehmende Atemnot bei Belastung und in Ruhe möglich.

    Über Ursachen, Diagnose und Therapie informiert Sie der Ratgeber "Chronische Bronchitis / COPD".
  • Bronchiektasen: Wenn größere Bronchien sich sackförmig erweitern, liegen Bronchiektasen vor. Ursache für die Aussackungen sind entzündungsbedingte Wandschäden. Bei Kindern beruhen sie auf angeborenen Erkrankungen wie Immunmangelkrankheiten oder Mukoviszidose (auch zystische Fibrose) mit ständigen Infekten. Im Laufe des Lebens "erworbene" Bronchiektasen sind ebenfalls Folge wiederholter Atemwegsinfekte, meist im Rahmen einer chronisch-obstruktiven Bronchitis beziehungsweise COPD (siehe oben) oder anderer Atemwegserkrankungen.

    Symptome:
    Im Vordergrund stehen Auswurf in großen Mengen und Husten. Auch Atemnot kann sich entwickeln. Ansonsten bestimmt die Grunderkrankung die Beschwerden.
  • Mukoviszidose: Eine der häufigsten erblichen Stoffwechselerkrankungen ist die Mukoviszidose (zystische Fibrose). Verantwortlich sind eine Reihe von  Genveränderungen (Mutationen). Ein Neugeborenenscreening, in anderen Ländern schon jahrelang etabliert, steht in Deutschland aus. Ein Gentest, der die häufigsten Mutationen erfasst, ist bereits pränatal möglich. Kennzeichnend für die Krankheit ist, dass der Salztransport in den Zellen aller sekretbildenden Drüsen gestört ist, etwa der Schweißdrüsen, Verdauungsdrüsen oder der Schleimdrüsen in Bronchien, Nasen und Nasennebenhöhlen. Je nach Funktion des Sekretes wirkt sich das ganz unterschiedlich aus. In den Bronchien entsteht ausgesprochen zäher Schleim. Der Sekretstau und begleitende bakterielle Infektionen schädigen das Gewebe. Es können sackförmige Erweiterungen (Bronchiektasen, siehe oben) und ein Emphysem entstehen – lufthaltige Lungenabschnitte sind dann mehr oder weniger überbläht (siehe oben und wiederum unter "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen" in diesem Beitrag).

    Symptome:
    Erste Anzeichen treten oft schon während des ersten Lebensjahres auf, etwa ein auffallend salziger Schweiß, Verdauungs- und Gedeihstörungen, wiederholter Reizhusten, Husten mit zähem Auswurf, im fortgeschrittenen Stadium Atemnot und Sauerstoffmangel. Weitere Beschwerden hängen von der individuellen Ausprägung des Krankheitsbildes ab. Die chronische Krankheit ist nicht heilbar, inzwischen aber über längere Zeit gut beherrschbar.

    Therapie: Durch eine umfassende, konsequente Therapie erreichen die Betroffenen heute eine deutlich verbesserte Lebensperspektive. Neue Therapieansätze sind in der Entwicklung. Bereits eingesetzt wird zum Beispiel ein sogenannter Genwirkungsverstärker (Ivacaftor).

    Mehr zu diesem Krankheitsbild, insbesondere auch Diagnose und Therapie, finden Sie im Beitrag "Mukoviszidose".
  • Bronchiolitis: Hierbei entzünden sich die kleineren Bronchien (Bronchiolen). Auslöser,  zum Beispiel bei Säuglingen und Kleinkindern, sind unmittelbare Infektionen mit Viren wie Parainfluenza- und RS-Viren, besonders im Winter und Frühjahr, mitunter auch eine Mukoviszidose mit ihren Folgeinfektionen (siehe oben). Zigarettenrauch kann die Kleinen empfänglicher dafür machen. Die Therapie orientiert sich an den Symptomen.

    Symptome: Milde Verläufe überwiegen, Erkältungsbeschwerden stehen im Vordergrund. Bei ernsteren Symptomen ist das Kind sicherheitshalber besser in einer Klinik aufgehoben. Warnsymptome in dieser Richtung sind beschleunigte Atmung, Einziehungen der Rippen beim Atmen, Husten mit anschließendem Erbrechen, Appetitlosigkeit, Nahrungsverweigerung. Alarmzeichen sind Austrocknung, Atemnot, Apathie und Unterbrechungen beim Atmen, bläuliche Lippen und Fingernägel.

    Der Verschluss der Bronchiolen (Obliteration) bei einer sogenannten "organisierenden" Lungenentzündung (BOOP-Syndrom) ist ein anderes Thema; siehe nochmals unter "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen", Abschnitt "Lungenfibrose").

Das Lungengewebe im engeren Sinn setzt sich aus Hunderten von Millionen Luftbläschen (Alveolen) zusammen. Diese sitzen wie Trauben an den kleinsten Bronchien. Umschlossen sind sie von einem Netz feinster Gefäße (Kapillaren). Der eingeatmete Sauerstoff gelangt aus den Luftbläschen über die Kapillaren und schließlich die Lungenvenen in das linke Herz, von dort aus weiter in die Körperorgane.

Das heißt, ausnahmsweise transportieren hier Venen sauerstoffreiches Blut. Das Kohlendioxid nimmt die umgekehrte Richtung, es gelangt über feinste Adern in die Kapillaren und von dort in die Lungenbläschen. Dann wird es abgeatmet.

In diesem Kapitel geht es um Erkrankungen wie Lungenkrebs, Lungenentzündung und Lungenfibrose einschließlich exogen-allergischer Alveolitis und BOOP-Syndrom. Weitere Aspekte sind Lungenveränderungen wie Emphysem, Atelektase und das akute Lungenversagen (ARDS).

  • Lungenkrebs (Bronchialkarzinom): Es ist allgemein üblich, vom Bronchialkarzinom als Lungenkrebs zu sprechen. Zwar entsteht Lungenkrebs häufig in den Bronchien. Aber oft sind angrenzende Teile der Lunge mitbetroffen. Mittlerweile ist das Bronchialkarzinom die häufigste Krebstodesursache bei Frauen und Männern. Hauptverantwortlich ist Zigarettenrauch (Aktiv- und Passivrauchen). Weitere Auslöser sind Stoffe in der industriellen Produktion und Baustoffe, allen voran Asbest, sodann Radon in Wohnungen, Luftverschmutzung, genetische Veranlagung und Narben in der Lunge durch Vorerkrankungen. Es gibt zwei Hauptformen: das aggressivere kleinzellige Lungenkarzinom, das ausschließlich bei Rauchern vorkommt, und das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom.

    Symptome: Frühe Symptome fehlen im Allgemeinen. Verdächtig können bei Erwachsenen über 40 Jahren eventuell anhaltende oder wiederholte erkältungsähnliche Symptome sein, die trotz Behandlung nicht zurückgehen, vor allem auffallender Husten. Dieser, dazu viel Auswurf, eventuell auch blutig, Atemnot, Brustschmerzen, Heiserkeit, mitunter eine Schluckstörung und stärker hervortretende Gefäße am Hals und Nacken oder Herabsinken eines Augenlids, können, müssen aber nicht Zeichen der fortgeschrittenen Erkrankung sein. Wenn bestimmte Lungentumoren, etwa sogenannte Karzinoide, Hormone bilden, sind teilweise spezielle Krankheitszeichen möglich, zum Beispiel ein sogenanntes Cushing-Syndrom. Das Blutkalzium kann ansteigen, es kann sich ein Unterzucker entwickeln oder eine Muskelschwäche auftreten, zum Beispiel eine Myasthenie (siehe auch unter "Schluckstörung (Dysphagie)"; Kapitel "Gehirn, Nerven, Muskeln", und im Ratgeber "Myasthenie").

    Diagnose: Leider wird die Diagnose oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium gestellt. Richtungsweisend sind bildgebende Verfahren (verschiedene Arten der Computertomografie) und endoskopische Untersuchungen, die auch eine Gewebeentnahme (Biopsie) zur feingeweblichen Untersuchung einschließen. Anhand der Befunde wird das Erkrankungsstadium festgelegt. Danach und nach weiteren Merkmalen des Tumors richtet sich die Therapie. Sie umfasst eine Operation (meist gilt das jedoch nicht für das kleinzellige Bronchialkarziom), Chemo- und Strahlentherapie sowie neue, zielgerichtete Therapien mit sogenannten Tyrosinkinasehemmern bei nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen.

    Mehr, insbesondere zur Diagnose und Therapie, steht im Ratgeber "Lungenkrebs".

  • Atelektase: Unter Atelektasen versteht man den Kollaps kleinster Bronchien und angrenzender Lufträume in den Lungen – vereinfacht gesagt entstehen luftleere Räume. Atelektasen sind ähnlich wie Bronchiektasen (siehe unter "Atemnot– Ursachen: Erkrankungen der unteren Atemwege") und Emphysen (siehe unten) keine eigenständigen Lungenkrankheiten, sondern mögliche Folgen deselben. Zum Beispiel kann eine Verlegung von innen die Ursache sein, etwa verstopfende Sekrete, ein Tumor (siehe oben: Lungenkarzinom) oder ein Fremdkörper. Äußerer Druck auf das Lungengewebe, wie bei größeren Emphysemen (siehe unten) oder einem Brustfellerguss möglich, ein hoch stehendes Zwerchfell bei einer Lebererkrankung oder ein Tumor außerhalb der Lungen können den Kollaps ebenfalls verursachen. Schließlich können untere Lungenbereiche durch eine geschwächte Atmung von der Belüftung abgeschnitten werden. Dazu kommt es häufiger bei gebrechlichen, bettlägerigen Menschen. Auch nach einer Lungenembolie können in den betroffenen Lungenabschnitten Atelektasen entstehen.

    Symptome: Sie hängen von der Grunderkrankung beziehungsweise auslösenden Ursache ab. Meistens herrschen Atemnot und Blaufärbung der Lippen vor (Zyanose).

  • Emphysem (Lungenemphysem): Emphysem (gr. Aufblähung) bedeutet eine nicht mehr rückgängig zu machende Lungenüberblähung. Hauptverantwortlich ist das Rauchen. Damit ist das Lungenemphysem ein Teilaspekt der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Es beginnt mit einer anhaltenden Entzündung des Gewebes zwischen den kleinsten Bronchien und den Lungenbläschen. Das in den Zwischenräumen sitzende elastische Stützgewebe (Bindegewebe), das die Lungenbläschen (Alveolen) offenhält, wird dabei geschädigt und durch körpereigene Enzyme namens Proteasen abgebaut. Dann erweitern sich die betroffenen Lufträume. Wesentliche Mitspieler sind Stoffe im Zigarettenrauch, die den körpereigenen Stoff alpha-1-Antitrypsin hemmen. Dieser hält normalerweise die Proteasen unter Kontrolle. Daher heißt er Proteaseinhibitor.

    Gendefekte führen zu einem erblich bedingten alpha-1-Antitrypsin-(AAT-)Mangel, auch Proteaseinhibitor-Mangel genannt. Er kann unterschiedlich schwer ausgeprägt sein. Bei nur leichtem AAT-Mangel verstärken oft Schadstoffe wie Zigarettenrauch, Infekte und Stäube das Krankheitsgeschehen. Die Folge ist jeweils ein deutliches Lungenemphysem.

    Manchmal entwickelt sich ein Emphysem auch durch Überdehnung der Lunge aufgrund von Narben oder nach Entfernung von Lungengewebe. Das Emphysem kann in verschiedenen Bereichen der Lunge auftreten, häufig im sogenannten Oberlappen, oder es verteilt sich gleichmäßig über die Lungen. Größere Emphysemblasen können umgebendes Lungengewebe zusammendrücken (Atelektasen) und so die Atemnot vergrößern.

    Symptome: Leitsymptom des Lungenemphysems ist die Atemnot. Zusätzlich kommt es oft auch zu "Bronchitis-Symptomen" wie Husten und Auswurf, außerdem zu wiederholten Atemwegsinfektionen. Die Betroffenen nehmen beim Atmen oft eine Sitzposition mit aufgestützten Armen ein, um so die Atemhilfsmuskeln – bestimmte Brust- und Bauchmuskeln – besser zu nutzen und mehr Atemkraft zu entwickeln. Durch die sogenannte Lippenbremse (Ausatmen gegen die fest geschlossenen Lippen) erhöht sich der Druck im Brustraum beim Atmen, um die Kollapsneigung der Bronchien zu überwinden.

    Mehr Wissenswertes finden Sie unter COPD im unter "Ursachen: Erkrankungen der unteren Atemwege" und im Ratgeber "Lungenemphysem".
  • Lungenentzündung (Pneumonie): Atemnot ist auch bei Lungenentzündungen eines der Leitsymptome. Entweder entzündet sich der Bereich der Lungenbläschen oder das Gewebe dazwischen, das sogenannte Interstitium. Es gibt viele Formen und Ursachen. Ein typischer Entstehungsweg ist, dass eine Infektion von den oberen Atemwegen auf die Lunge übergreift (Bronchopneumonie).

    Verantwortlich sind Erreger wie Bakterien, Viren, Pilze und andere Mikroorganismen. Als Viren dominieren zum Beispiel Influenza-A- oder B-Viren. Für SARS, das schwere akute respiratorische Syndrom, und die MERS-Erkrankung (Middle-East respiratory syndrome) sind sogenannte Coronaviren verantwortlich (siehe auch weiter unten: akutes Atemnotsyndrom). Bei den Bakterien sind es außerhalb von Krankenhäusern häufig Pneumokokken oder Haemophilus influenzae. Im Krankenhaus sind Keime wie Staphylococcus aureus und Pseudomonas wichtige Erreger.

    Sogenannte atypische Pneumonien werden zum Beispiel durch Legionellen (Quellen: Luftbefeuchter und Wasserreservoirs, zum Beispiel in großen Wohnanlagen, Heimen, Passagierschiffen) verursacht. Bei Immunschwäche (HIV-Infektion / Aids) tritt öfter eine sogenannte Pneumocystis-Pneumonie (Pneumocystis ist ein Schlauchpilz) auf. Andere zehrende Erkrankungen oder eine Organtransplantation können andere Arten von Pilzpneumonien nach sich ziehen.

    Weitere Ursachen von Lungenentzündungen sind Aspiration von Nahrung oder Magensaft in die Luftwege. Bakterien haben dann leichteres Spiel, da sie auf Gewebe treffen, das durch das Aspirat geschädigt wurde. Pneumonien sind außerdem im Verlauf einer Lungenembolie (mehr im Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungengefäße") möglich. Auch nach einer Bestrahlung kann es zu einer Lungenentzündung kommen. Weitere, allerdings seltene Ursachen sind Autoimmunerkrankungen wie ein systemischer Lupus erythematodes oder rheumatoide Arthritis. Die Lungentzündungen heißen hier Pneumonitis –  im Unterschied zu den erregerbedingten Formen der Pneumonien.

    Meistens heilt eine Pneumonie folgenlos aus. Die Betroffenen sind allerdings oft noch längere Zeit danach schlapp und müde. Andererseits verlaufen manche Pneumonien chronisch. Und sie sind mit Abstand die häufigsten, potenziell tödlichen Infektionskrankheiten in den westlichen Ländern. Mögliche Komplikationen sind unter anderem Herz-Kreislaufprobleme, ein Lungenabszess (bei bakteriellen Formen), Streuung der Erreger im Blut und Infektion eines anderen Organs.

    Symptome: Eine typische Lungenentzündung beginnt meistens plötzlich, mit hohem Fieber und Schüttelfrost. Es tritt starker Husten und rötlich-brauner Auswurf auf. Die Atmung ist beschleunigt, es kommt zu Kurzatmigkeit, Brustschmerzen und Atemnot. Das Allgemeinbefinden ist erheblich beeinträchtigt. Bei Kleinkindern ist das teilweise sichtbare Vibrieren der Nasenflügel ("Nasenflügeln") beim Atmen typisch.

    Atypische (oder interstitielle) Lungenentzündungen verlaufen häufig langsamer, milder und weniger akut, ohne Schüttelfrost, mit nur leichtem Fieber keinem oder nur wenig Auswurf, aber doch deutlichen Kopf- und Gliederschmerzen. Ähnlich kann eine Pneumonitis verlaufen: Hüsteln, Atemnot und ein Leistungsknick können hier die führenden Symptome sein. In der Folge kann sich auch eine Lungenfibrose (siehe unten) entwickeln.

    Der Ratgeber "Lungenentzündung" beschreibt das Krankheitsbild der Pneumonie ausführlich.
  • Lungentuberkulose (Lungen-Tbc, pulmonale Tbc; Erstinfektion = Primärtuberkulose): Die Infektionskrankheit wird überwiegend durch Erreger namens Mycobakterium tuberculosis übertragen. Bei Patienten mit normaler Immunabwehr kann sich die Erkrankung innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Ansteckung entwickeln. Tests können schon nach etwa acht Wochen ein positives Ergebnis zeigen. Zu den Risikogruppen gehören unter anderem ältere Menschen, Patienten mit Diabetes mellitus, Nierenschwäche, Immunschwäche, HIV-Infektion, auch Raucher, Drogenabhängige, Riesende und Einwanderer aus Risikogebieten. Die Ansteckung erfolgt meistens als Tröpfcheninfektion über die Atemwege. In einem alten Tuberkulose-Herd können lebende Tuberkulose-Bakterien wieder aktiv werden, wenn die Körperabwehr geschwächt ist (sogenannte endogene Reinfektion). Da die Tuberkulose-Neuinfektionsraten hierzulande momentan sehr niedrig sind, ist das derzeit der häufigste Erkrankungsweg.

    Symptome: Beschwerden können fehlen, insbesondere bei der sogenannten latenten tuberkulösen Infektion. Hier sind Tests zwar positiv, andere Krankheitszeichen sind nicht erkennbar. Zeigt sich jedoch ein verdächtiger Röntgenbefund, liegt eine Infektion vor. Ein Leitsymptom ist Husten länger als drei Wochen. Außerdem können Allgemeinsymptome auftreten wie leichtes Fieber, Nachtschweiß, Appetit- und Gewichtsverlust, Schwäche. Atemnot und Bluthusten sind meist Zeichen der fortgeschrittenen Erkrankung.

    Der Ratgeber "Tuberkulose" informiert Sie eingehend.
  • Lungenfibrose & Co.: Wenn Bindegewebe auf Kosten des ursprünglichen Gewebes in einem Organ zunimmt, nennen Ärzte das Fibrose. Durch den Umbau schrumpft die Austauschfläche für Atem- und Blutgase. Lungenfibrosen gehören zu den chronischen, diffusen, parenchymatösen Lungenerkrankungen (vereinfacht übersetzt: Lungengewebserkrankungen). Ärzte ordnen hier mehr als 300 Krankheiten ein. Nur bei einem Teil davon ist die Ursache bekannt. Dazu gehören einige Infektionskrankheiten, sodann Staubinhalationskrankheiten (Pneumokoniosen; siehe Extra-Abschnitt unten), die exogen-allergische Alveolitis (siehe ebenfalls weiter unten), Arzneimittel, Strahlentherapien, Systemerkrankungen des Bindegewebes (Kollagenosen), "Knötchen-" oder Granulomerkrankungen wie die Sarkoidose, und sogenannte Speicherkrankheiten. Bei den Lungengewebserkrankungen unbekannter Ursache (idiopathisch) mit chronischer Fibrosebildung werden unter anderem Krankheiten wie idiopathische unspezifische interstitielle Pneumonie und idiopathische Lungenfibrose eingeordnet.

    Schließlich reihen sich chronische Veränderungen der Lungen bei Herzschwäche hier ein (siehe auch unter "Atemnot – Ursachen: "Herzkrankheiten"). Mitunter entwickelt sich ein Hochdruck der Lungengefäße. Beides kann auf das Herz (genauer: die rechte Herzhälfte) zurückwirken, es belasten und schwächen (Cor pulmonale).

    Symptome bei Lungenfibrosen und anderen chronischen Lungengewebserkrankungen: Je nach Ursache können anfangs wenig Symptome bestehen, oder es dominieren Beschwerden durch die Grunderkrankung. Mit fortschreitender Fibrose kommt es zu Atemnot bei Belastung, später auch in Ruhe. Die Atemfrequenz ist gesteigert, die Atmung eher oberflächlich. Beim Versuch vertieften Atmens stoßen die Betroffenen bald an Grenzen. Außerdem neigen sie zu trockenem Husten. Blaue Lippen (Zyanose), aufgetriebene Fingerendglieder ("Trommelschlägelfinger") und uhrglasartig gewölbte Fingernägel sind Zeichen chronischen Sauerstoffmangels.
  • Pneumokoniosen (Lungenerkrankungen durch Inhalation von anorganischen Stäuben), zum Beispiel Silikosen und Asbesterkrankungen:

    – Silikose
    ist die häufigste Pneumokoniose und eine meldepflichtige Berufskrankheit. Sie entsteht durch eingeatmeten quarzhaltigen Feinstaub. Das Bindegewebe in den Lungen bildet sogenannte Silikonknötchen. Schrumpfungsvorgänge begünstigen ein Emphysem (siehe oben), viele Knötchen zusammen ergeben Schwielen.

    Bis sich Beschwerden entwickeln, dauert es meist zehn bis fünfzehn Jahre. Die Neigung zu Lungeninfektionen ist erhöht, ebenso das Risiko für eine Zweitkrankheit namens progressive systemische Sklerose (auch systemische Sklerodermie, eine systemische Bindegewebserkrankung oder Kollagenose). Silikose-Kranke haben im Vergleich zu Nicht-Silikose-Kranken ein doppelt so hohes Risiko für Lungenkrebs.

    Symptome:
    Schon früh kommt es zu einer gewissen Atemnot bei körperlicher Belastung, später ist grauer Auswurf ein charakteristisches Merkmal. Außerdem treten Beschwerden wie bei chronisch-obstruktiver Bronchitis / COPD auf (siehe "Atemnot – Ursachen: Erkrankungen der unteren Atemwege").

    – Auch Asbestosen und durch Asbest erzeugte Krebserkrankungen
    sind meldepflichtige Berufskrankheiten. Asbesthaltige Arbeitsstoffe sind in Deutschland seit 1993 verboten, EU-weit seit 2005. Sofern es wirklich unvermeidbar ist, sich Asbestfaserstaub auszusetzen, gelten strenge Schutzvorschriften. Die Diagnose ergibt sich aufgrund der Berufstätigkeit, anhand von Röntgenbildern, klinischen Befunden, zum Beispiel eine reduzierte Lungenfunktion, sowie dem Nachweis von Asbestfasern und Entzündungszellen im Sekret aus den tiefen Atemwegen (sogenannte bronchoalveoläre Lavage (BAL) bei einer Bronchoskopie).

    In den Lungen können Asbestfasern sich zu langen Spänen auffasern. Sie wandern aus den Alveolen ab und bilden häufig Depots in der Nähe des Rippenfells. Dazu passt, dass die häufigste Komplikation eine sogenannte Asbestpleuritis ist, eine Rippenfellentzündung mit wiederholten kleinen Rippenfellergüssen. Sie tritt in den ersten 20 Jahren nach Exposition auf. Asbest führt zudem zu einer Lungenfibrose und Krebs. Für das erhöhte Lungenkrebsrisiko gibt es eine Rechenformel: Bei ca. 25 Faserjahren verdoppelt es sich. 1 Faserjahr entspricht 1x106 Fasern/m3 Atemluft x1 Jahr. Die Entwicklungszeit kann 15 bis 50 Jahre ab Beginn der Asbesteinwirkung betragen. Die Risiko-Erhöhung für Lungenkrebs durch Rauchen plus Asbest übersteigt die Summe beider erhöhten Einzelrisiken.

    Überdies begünstigt Asbest Krebs des Brustfells (Rippenfells), seltener des Bauchfells oder Herzbeutels (maligne Mesotheliome); ohne Asbestbelastung kommen diese Krebserkrankungen praktisch nicht vor. Auch Kehlkopfkrebs tritt unter Einfluss von Asbest häufiger auf.

    Symptome:
    Bei fortgeschrittener Lungenerkrankung durch Asbest wird das Luftholen immer schwerer. Die Lungenfunktion (Atemtests) lässt nach, es kann schließlich zu deutlicher Einschränkung der Atemkapazität und zu einer Herzbelastung (Lungenherz, auch Cor pulmonale) kommen. Rippenfellkrebs kann ebenfalls zu Atemnot, außerdem zu Brustschmerzen und Husten führen. Ein mögliches Warnsysmptom für Kehlkopfkrebs wiederum ist Heiserkeit.

    Vorbeugung von Staubinhalationserkrankungen:
    Die Arbeitsschutzvorschriften einschließlich konsequenter Staubbekämpfung und regelmäßiger arbeitsmedizinischer Untersuchungen senken das Risiko einer chronischen Berufserkrankung der Atemwege. Eine unbestritten positive Wirkung hat Rauchverzicht. Wichtig ist immer auch die gründliche Behandlung von Atemwegsinfekten. Berufskrankheiten sind im übrigen nicht nur meldepflichtig, sondern rehabilitations- und entschädigungspflichtig.
  • Exogen-allergische Alveolitis: Das Lungengewebe entzündet sich hier aufgrund einer Veranlagung zu einer allergischen Reaktion. Auslösend sind Teilchen in der Luft wie zum Beispiel Tiereiweißstoffe, Baumwollpartikel, Pilzbestandteile und vieles mehr, hier allgemein "organische Antigene" genannt. Es gibt Überlappungen mit Lungenfibrosen. Zwei Beispiele für diese Erkrankungen, die ebenfalls als Berufskrankheiten gelten, sind die Farmerlunge bei Beschäftigten in der Landwirtschaft und die Tierhändlerlunge.

    Symptome:
    Eine exogen-allergische Alveolitis kann sich erstens mit akuten Atemwegsbeschwerden bemerkbar machen, die einige Stunden nach Kontakt mit dem Auslöser auftreten: ein wichtiger Unterschied zum allergischen Asthma, das ja einer Sofortreaktion auf den Auslöser entspricht. Zweitens: Es kommt nicht nur zu Husten und Atemnot, sondern auch zu Fieber, manchmal auch zu Kopf- und Gliederschmerzen. Wenn kein Antigenkontakt mehr besteht, klingen die Beschwerden meist nach einem Tag wieder ab. Das Krankheitsbild kann sich schleichend oder chronisch in Richtung einer Lungenfibrose (siehe oben) weiterentwickeln. Die Atemnot, die sich zunächst nur bei körperlicher Belastung bemerkbar macht, nimmt dann langsam zu und tritt später auch in Ruhe auf. Auffallende Müdigkeit und Gewichtsverlust gehören dann ebenfalls häufig zu den Beschwerden.

    Diagnose, Therapie:
    Die Diagnose ergibt sich aus der Kranken- und Berufsgeschichte, Blutwerten (Antikörpern), Röntgenbildern, Untersuchungen der Lungenfunktion (Atemtests) und aus charakteristischen Befunden des aus den tiefen Atemwegen via Bronchoskopie gewonnenen Schleimes (BAL, siehe oben unter Pneumokoniosen / Asbest). Die Therapie beinhaltet bei zuverlässiger Diagnose einen Berufswechsel, bei akuten Beschwerden Kortison.
  • BOOP-Syndrom: Die Abkürzung BOOP steht für Bronchiolitis mit "organisierender Lungenentzündung". Damit ist gemeint, dass das Gewebe infolge der Entzündung vernarbt. Betroffen sind die kleinen endständigen Bronchien in der Tiefe der Atemwege. Der Bereich entzündet sich, ohne dass die Ursache dafür immer klar wäre (daher kann dann auch nicht immer gesagt werden, ob es sich nicht eher um eine idiopathische interstitielle Pneumonie handelt; dazu siehe oben: Lungenfibrose). Die betroffenen kleinen Bronchien können veröden (Bronchiolitis obliterans).

    Fassbare Auslöser können Infektionskrankheiten sein, etwa eine Virusgrippe oder die Malaria. Auch Patienten, die an einer rheumatischen Erkrankung oder Sklerodermie leiden, können ein BOOP-Syndrom entwickeln. Nach einer Chemo- oder Strahlentherapie oder bei einer Behandlung mit bestimmten Medikamenten gegen Rheuma-Erkrankungen wie auch nach Organtransplantationen kann es ebenfalls auftreten. Die Lungenfunktion kann sich im Verlauf der Erkrankung verschlechtern und die Erkrankung das Herz belasten. Das Krankheitsbild ist selten.

    Symptome sind Atemnot bei Belastung, Husten und leichtes Fieber. Mitunter haben Betroffene kaum Beschwerden. Da ein BOOP jedoch auch mit anderen Grunderkrankungen verbunden sein kann, sind hin und wieder doch Krankheitszeichen zu erwarten.

    Die Diagnose ergibt sich aus den Beschwerden, den körperlichen Untersuchungsbefunden (unter anderem auffällige Atemgeräusche beim Abhören der Lungen), aus bildgebenden Verfahren wie einer Computertomografie der Lungen, meist auch anhand einer Lungenbiopsie.

    Therapeutisch setzt der Arzt je nach genauer Diagnose entzündungshemmende Medikamente wie Kortison und andere Substanzen ein, zum Beispiel Pirfenidon. Teilweise können sie die Lungenfunktion verbessern. Bakterielle Infekte werden gezielt mit Antibiotika behandelt.

    Der Beitrag "Lungenfibrose" fasst die wichtigen Aspekte bei Lungenfibrose zusammen.
  • Akutes Lungenversagen (ARDS oder Adult (Acute) Respiratory Disstress Syndrome): Die Abkürzung ARDS steht für akute Atemkrisen zuvor lungengesunder Menschen infolge von Verletzungen oder schweren Verläufen bei Krankheiten wie beispielsweise einer Lungenentzündung (siehe auch SARS, MERS), Bauchspeicheldrüsenentzündung, Blutvergiftung. Dabei können mehrere schwerwiegende Veränderungen zusammenkommen, etwa ein Lungenödem (siehe unter "Atemnot – Ursachen: Lungengefäße"), Atelektasen und Durchblutungsstörungen in der Lungenstrombahn.

    Symptome: Zunächst stehen die Symptome der auslösenden Verletzung oder Erkrankung im Vordergrund. Die sich entwickelnde Lungenschädigung führt zu ausgeprägtem Sauerstoffmangel, der die Atemfrequenz ansteigen lässt. Dadurch kommt die Zusammensetzung des Blutes durcheinander: Das Verhältnis aus Blutsalzen, Säuren und Basen verändert sich in ungünstiger Weise. Falls sich die Entgleisungen wichtiger Körperfunktionen nicht beheben lassen, drohen Krämpfe und Bewusstseinsverlust. Die Atemnot nimmt weiter zu. Schließlich kann die Atmung versagen.

    Therapie: Notruf 112, notfallmäßige Beatmungsbehandlung, eventuell extrakorporaler Gasaustausch, Behandlung der Grundkrankheit und der eingetretenen Komplikationen. Ärzte erwägen je nach Umstand manchmal auch eine Lungentransplantation.

Krankheiten des Lungengewebes beeinträchtigen nicht selten die Lungengefäße und schließlich das Herz. Umgekehrt können Herzerkrankungen auf die Lungen(-gefäße) schlagen und mit der Zeit auch der Atmung zusetzen.

Ein Blutgerinnsel, das ein Lungengefäß verstopft (Embolus; das Ergebnis heißt Lungenembolie), stammt in aller Regel aus einer Thrombose in einer Bein- oder Beckenvene. Auch Autoimmunkrankheiten oder andere sogenannte Systemkrankheiten können Gefäße in der Lunge angreifen. Um diese Wechselwirkungen geht es nachfolgend.

  • Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie): Normal liegt der mittlere Druck im sogenannten kleinen Kreislauf in den Lungen unter 20 mmHg. Bei pulmonaler Hypertonie, die bei etwa bei einem Druck ab 25 mmHg beginnt, kann er auf weit über das Doppelte ansteigen.

    Es gibt viele Ursachen. Ein direkt in den Lungengefäßen selbst entstandener Hochdruck kommt nur sehr selten vor. Häufiger sind Erkrankungen des linken Herzens schuld. Natürlich spielen auch Lungenerkrankungen, die zu einem Sauerstoffmangel führen, wie auch dieser selbst, eine Rolle. So gibt es Zusammenhänge auch mit schlafbezogenen Atemstörungen (obstruktive Schlafapnoe) und dem dabei wiederholt auftretenden Sauerstoffmangel in der Nacht. Eine weitere Ursache sind wiederholte Lungenembolien (mehr zur Lungenembolie weiter unten). Den damit verbundenen Lungenhochdruck nennen Ärzte chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie.

    Schließlich können die Lungengefäße durch Erkrankungen im Brustraum unter Druck geraten. Mitunter liegt eine Systemerkrankung des Bindegewebes (Kollagenose) zugrunde, die auch die Gefäße mit einbezieht. Auch Störungen der Schilddrüse oder der Leber werden mit Lungenhochdruck in Verbindung gebracht. Lungenhochdruck schädigt auf Dauer das Herz (Lungenherz oder Cor pulmonale).

    Symptome:
    Anfangs fehlen Symptome, sofern nicht Beschwerden seitens einer Grunderkrankung vorhanden sind. Wenn Betroffene sich zum Beispiel bei normaler körperlicher Tätigkeit leicht kurzatmig fühlen und Husten haben, kann das sowohl von einer Lungen- oder Herzerkrankung herrühren als auch auf einen Lungenhochdruck hinweisen. Dasselbe gilt für immer wieder deutlich empfundenes Herzklopfen oder Herzstolpern und einen beschleunigten Herzschlag. Dabei kann es auch zu Schwindel kommen und dieser sogar kurze Ohnmachten (Synkopen) auslösen – nicht ganz untypisch für einen Lungenhochdruck.

    Wenn der Druck in den Lungengefäßen weiter steigt und sich ein Lungenherz entwickelt, lässt die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich nach. Schwellungen in den Beinen (Ödeme) und Atemnot in Ruhe unterstreichen die Schwäche vor allem der überlasteten rechten Herzhälfte (Rechtsherzinsuffizienz). Am Hals können sich überfüllte Venen abzeichnen. Bei der körperlichen Untersuchung kann der Arzt eine vergrößerte Leber tasten. Mitunter kommt es auch zu einer Bauchwassersucht, außerdem ist ein Rippenfellerguss (siehe unten) möglich.


    Der Ratgeber "Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie)" beschreibt das Krankheitsbild näher und erklärt, wie es festgestellt und behandelt wird.

    Bei chronisch thromboembolischer pulmonaler Hypertonie bleiben Abschnitte der Lungenstrombahn trotz längerer gerinnungshemmender Behandlung verschlossen. Neuere Therapieverfahren sind die operative pulmonale Endarterektomie, ein Eingriff, bei dem verstopfendes Narbengewebe aus betroffenen Lungengefäßen herausgeschält wird, ein gefäßerweiterndes Medikament namens Riociguat sowie gegebenenfalls eine Lungenverpflanzung.
  • Lungenembolie: Ein Embolus ist ein Blutgerinnsel. Es gelangt meistens als Teil eines Pfropfens (Thrombus), der eine tiefe Beinvene verschlossen hat (Beinvenenthrombose), in die Lungen. Dabei kann das Gerinnsel eine Lungenarterie verstopfen und einen Lungeninfarkt mit Gewebeschädigung auslösen. Je nachdem, wie klein oder groß das verstopfte Gefäß beziehungsweise der Schaden ist, variiert der Schweregrad der Lungenembolie von mild bis lebensbedrohlich. Tatsächlich können kleine Lungenembolien nahezu symptomlos verlaufen. Da ein gefährlicher Verlauf aber nicht immer auszuschließen ist, sollte beim geringsten Verdacht eine zielgerichtete Diagnostik stattfinden. Lässt sich eine Lungenembolie nachweisen, wird der Arzt eine Behandlung einleiten, indem er zum Beispiel die Blutgerinnung herabsetzt (sogenannte Blutverdünnung, Fachbegriff: Antikoagulation).

    Das Risiko einer Beinvenenthrombose und Lungenembolie steigt unter anderem bei Austrocknung, Bettlägerigkeit, Verletzungen, Operationen, Herzschwäche, Herzinfarkt, Schlaganfall, bestimmten Bluterkrankungen und Gerinnungsstörungen. Hormonbehandlungen, etwa hormonelle Empfängnisverhütung (besonders bei Frauen, die rauchen und über 35 Jahre alt sind), eine Schwangerschaft, Fettleibigkeit, Lebererkrankungen, chronische Lungenerkrankungen wie die COPD, Krebserkrankungen und ein Lebensalter über 60 Jahren erhöhen das Risiko ebenfalls.

    Symptome:
    Das sind akute Atemnot, Brustschmerz, der auch in den Oberbauch ausstrahlen kann, Schmerzen besonders auch bei der Einatmung, schnelle Atmung, beschleunigter Herzschlag, Angst, Beklemmung, Schweißausbruch, blutiger Auswurf, blaue Lippen (Zyanose). Bei Atemnot gilt: Lagerung mit aufrechtem Oberkörper, beruhigend auf den Patienten einwirken, Sauerstoff geben, falls zur Hand, sofort Rettungsdienst (Notruf 112) alarmieren. Bei Herz-Kreislaufstillstand Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten.

    Die Hauptursache der Embolie, eine Beinvenenthrombose, ist nicht immer leicht zu erkennen. Sie kann, muss aber nicht, mit Schmerzen, Spannungsgefühl und Schwellung in der Wade, Kniekehle oder Leiste, Überwärmung des Beines und Druckschmerzen am Bein (über der betroffenen Vene tief im Bein) einhergehen.

    Mehr dazu, insbesondere auch zur Therapie und weiteren Vorbeugung, unter "Lungenembolie".
  • Lungenödem: Lungenödem oder "Wasser in der Lunge": Das ist ein bedrohlicher Zustand mit schwerster Atemnot. Es tritt Flüssigkeit aus den feinen Kapillargefäßen in das Gewebegerüst (Interstitium) und schließlich in die Lungenbläschen über, in denen der Gasaustausch stattfindet. Der wird durch den Flüssigkeitsandrang natürlich massiv behindert.

    Hauptursache ist ein akutes Pumpversagen der linken Herzhälfte, zum Beispiel infolge eines Herzinfarktes und / oder einer schweren Herzrhythmusstörung. Dadurch steigt der Druck im Lungenkreislauf akut an. Die feinporigen Gefäße lassen vermehrt Flüssigkeit in die Lymphe übertreten, um sich zu entlasten. Ist die Transportkapazität des Lymphsystems ausgeschöpft, bleibt Flüssigkeit liegen. Sie kann dann nur noch in die Bronchien ausweichen. Das führt zum eingangs in diesem Beitrag beschriebenen Herzasthma (Asthma cardiale). Und es kann zur Folge haben, dass die Atmung drastisch behindert wird oder sogar versagt (siehe auch ARDS, weiter oben). Andere Ursachen für ein Lungenödem sind ausgeprägte Nierenschwäche, schwere akute allergische Reaktionen oder Vergiftungen.

    Symptome:
    Die Betroffenen haben schwerste Atemnot und oft Todesangst. Das Gesicht ist sehr fahl und die Lippen sind blau (Zyanose); auch die Hände, Nägel und die Zunge sind bläulich verfärbt. Manchmal husten die Patienten ein schaumiges, eventuell auch leicht blutiges, hellrotes Sekret ab. Wegen Lebensgefahr müssen sie unverzüglich notfallmäßig behandelt und in eine Klinik gebracht werden.
  • Höhenlungenödem: In Höhen ab etwa 2000 Metern nimmt der Sauerstoffpartialdruck ab. Nicht akklimatisierte Alpinisten laufen Gefahr, bei Aufenthalten ab etwa 3000 Meter Höhe ein Lungenödem zu entwickeln. Dazu kommt es häufig in den ersten beiden Tagen, wenn der Körper sich auf die Höhenlage umstellen muss. Durch verschiedene Mechanismen steigt der Druck in Lungengefäßen, und die empfindlichen Membranen in den Gausaustauschzonen werden geschädigt. In der Folge tritt Flüssigkeit in die Lungenbläschen über.

    Symptome:
    Auffallender Leistungsabfall, Atemnot, Husten, Blauverfärbung der Lippen. Es kann auch hohes Fieber auftreten.


    Erste Hilfe besteht, wenn möglich, in der Gabe von Sauerstoff. Zudem muss der Betroffene sofort in eine tiefere Lage gebracht und ärztlich behandelt werden.

    !
    Patienten mit Herz-Kreislauf- und Lungenkrankheiten sollten sich nicht in Höhen deutlich über 2000 Metern aufhalten. Was im Einzelfall empfehlenswert ist, sollten sie mit dem Arzt klären, zum Beispiel auch die Frage, ob der Gesundheitszustand eine Flugreise erlaubt.

    Weiteres steht im Beitrag "Lungenödem".

Das Lungenfell überzieht die Lungen. Als Rippenfell liegt es den Rippen innen an, umschließt außerdem den Lungenflügel nach oben, unten und innen, zum Brustraum hin. Dort sitzt der Lungenstiel, wo das Fell umschlägt, sich einstülpt und so die innere und die äußere Schicht bildet (ähnlich wie bei einem eingestülpten Strumpf).


Zwischen beiden Schichten der Doppelhülle, die fachsprachlich Pleura heißt, befindet sich ein luftleerer Raum (Pleuraspalt) mit einem Flüssigkeitsfilm. Hier herrscht ein Unterdruck. Beim Einatmen nimmt der Unterdruck zu, und Luft wird in die Lungen gesaugt. Gerät Luft in den Spalt hinein, kann die betroffene Lunge kollabieren (Pneumothorax). Bei einer Entzündung (Rippenfellentzündung) kann sich ein Erguss bilden (Rippenfellerguss).

  • Rippenfellerguss (Pleuraerguss): Von einer Rippenfellentzündung ist häufiger die Rede. Zum Beispiel kann eine Entzündung auf das Rippenfell übergreifen (Rippenfellentzündung). Auch bestimmte Virusinfektionen, sodann die Tuberkulose, Systemerkrankungen des Bindegewebes wie die schon öfter in diesem Beitrag genannten Kollagenosen, Erkrankungen im Oberbauch wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder ein Abszess können zu einer begleitenden Rippenfellentzündung führen. In der Folge kann sich auch ein Erguss bilden.

    Bei Krebserkrankungen können Tochtergeschwülste, die sich am Rippenfell angesiedelt haben, dieses reizen, was manchmal ebenfalls zu einem Erguss führt. Auch an der Pleura selbst kann Krebs entstehen (Mesotheliom; siehe im unter "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen", Abschnitt "Lungenfibrose, Asbesterkrankungen") – mit denselben Folgen. Weitere mögliche Ursachen  von Rippenfellentzündungen sind zum Beispiel eine entgleiste Herzschwäche, verschiedene Störungen, die zu einem ausgeprägten Eiweißmangel führen, und bestimmte Eierstockgeschwülste (Meigs-Syndrom).

    Eine bakterielle Entzündung kann vereitern (Empyem). Die Keine streuen dann auch oft, und als mögliche Komplikation droht eine Blutvergiftung. Andererseits kann sich eine Schwarte aus Narbengewebe um die Lunge legen. Ein Erguss ist mitunter auch blutig, oder es kommt zu einer Einblutung in die Pleura, etwa bei Verletzungen. Die Lunge kann durch einen Erguss beengt und das Atmen erschwert sein.

    Symptome:
    Eine Entzündung (Pleuritis) geht mit starken Schmerzen beim Atmen einher. Folgt ein Erguss, lassen die Schmerzen häufig nach. Jedoch können Fieber und bei einem größeren Erguss Atemnot auftreten. Je nach Ursache sind weitere Symptome möglich. 

    Die Diagnose ergibt sich aus dem körperlichen Befund und der Untersuchung der Lungen, Röntgen- und Ultraschallbildern. Weitere Untersuchungen zielen auf die Ursache, soweit diese noch nicht bekannt ist. Sowohl zu diagnostischen als auch zu therapeutischen Zwecken werden der Erguss und / oder die Pleura punktiert, also Flüssigkeit entnommen.

    Die Therapie richtet sich nach der Diagnose. Eventuell sind wiederholte Entlastungspunktionen erforderlich. Bei einem Empyem ist eine Drainage, Spülung und eventuell auch das Einbringen spezieller Medikamente nötig, um nach Möglichkeit zu verhindern, dass sich eine Pleuraschwarte bildet. Denn die kann eine weitere Behandlung erforderlich machen, um die Atmung zu verbessern.
  • Pneumothorax: Darunter versteht man die Ansammlung von Luft im Pleuraspalt, kurz: Pneu (der Wortstamm -thorax, gr., bedeutet Brustkorb). Dies kann passieren, wenn zum Beispiel eine Emphysemblase platzt (zum Emphysem / COPD siehe oben). Auch andere Lungenerkrankungen können einen Pneumothorax begünstigen. Ein Pneu kommt bisweilen spontan bei gesunden, sehr schlanken, großwüchsigen jungen Männern vor, sodann traumatisch, also bei Verletzungen, oder nach verschiedenen Behandlungsmaßnahmen im Brustraum und an den Atemwegen. Der Pneu kann geschlossen oder offen sein, mit Verbindung nach außen oder nach innen, zum Bronchialsystem. Achtung, akute Lebensgefahr: Dramatisch wird es, wenn durch einen Ventilmechanismus mit jedem Atemzug neue Luft in den Pleuraspalt gelangt, die nicht mehr entweichen kann (Spannungs-Pneumothorax). Der Überdruck drückt auf die betroffene Lunge und andere Brustorgane.

    Symptome: Ein geringfügiger Pneumothorax kann auch einige Tage unentdeckt bleiben, wenn Beschwerden wie leichte Atemnot und Reizhusten nicht ernst genommen werden. Plötzlich auftretende Atemnot, beschleunigte Atmung und Husten, wie sie ansonsten häufig bei einem Spontanpneumothorax auftreten, führen dagegen schnell zum Arzt. Auf der betroffenen Seite kommt es meist auch zu stechenden Schmerzen. Die Atembewegung verläuft nicht synchron mit derjenigen auf der gesunden Seite. An der verletzten Stelle kann ein Hautemphysem, eine knisternde Schwellung, vorhanden sein. Bei einem Spannungspneumothorax nimmt die Atemnot immer mehr zu, es kommt zu einer Zyanose, schnellem Puls, das Blut staut sich vor dem Herzen (Einfluss-Stauung), und es droht ein Blutdruckabfall und Schock.

    Die körperliche Untersuchung kann deutliche Anhaltspunkte auf einen Pneu geben, ein Röntgenbild sichert die Diagnose. Beim Spannungspneumothorax muss sofort eine Punktion mit einer ausreichend großen Kanüle durchgeführt und ein Notfallventil aufgesetzt werden, das die Luft heraus-, aber nicht hereinlässt. Ansonsten wird eine Drainage mit Saugung über zwei Tage in den Pleuraspalt gelegt oder eine Punktion und Absaugung durchgeführt. Kleine Pneus resorbieren sich von selbst. Begleitprobleme wie Infektionen erfordern eine gezielte zusätzliche Therapie. Bei einer zugrunde liegenden Lungenerkrankung ist häufig ein Eingriff wie eine Thorakoskopie durch einen Lungenfacharzt angezeigt.

Das Herz befördert das frisch mit Sauerstoff beladene Blut in den Körper. Wenn die Fördermenge nicht den Anforderungen entspricht, ist die Transportkapazität zu niedrig, und es wird Atemnot empfunden. Zunächst kommt das bei körperlicher Belastung zum Tragen, später auch in Ruhe.

Daher können alle Erkrankungen, die primär die linke Herzhälfte schwächen, zu Kurzatmigkeit, einem Engegefühl im Brustraum beziehungsweise zu Atemnot führen. Das sind bestimmte Herzklappenfehler, Herzkranzgefäßerkrankungen (Koronare Herzkrankheit), ein Herzinfarkt, Herzschäden durch Bluthochdruck sowie Entzündungen des Herzmuskels oder Herzbeutels (Myokarditis, Perikarditis). Auch ausgeprägte Herzrhythmusstörungen können die Herzkraft vermindern. Dabei können auch, müssen aber nicht, weitere Beschwerden auftreten, etwa ein Brustschmerz.

Ebenfalls ihre Spuren am Herzen hinterlassen manche Stoffwechselkrankheiten, Hormonstörungen, sogenannte System- und Speicherkrankheiten (es kommt dann zu einer Kardiomyopathie) sowie manche Infektionskrankheiten.

Linksherzschwäche: Atemnot bei Belastung und in Ruhe

Häufig entwickelt sich dann eine Linksherzinsuffizienz. In der Folge wird die Lungenstrombahn überlastet, da das Blut sich zurückstaut. Ärzte sprechen von einer chronischen Lungenstauung. Dadurch verändert sich auch das Lungengewebe. Die Dehnbarkeit der Lungen nimmt ab, der Gasaustausch wird erschwert. Stauungen in den Bronchien behindern auch den Atemfluss. So wird das Atmen immer beschwerlicher, es kommt zu Atemnot.

Sowohl bei schwerer, fortgeschrittener Herzinsuffizienz als auch bei akutem Herzversagen, zum Beispiel infolge eines Herzinfarkts, kann ein lebensbedrohliches Lungenödem auftreten (siehe unter "Atemnot – Ursachen: "Lungengefäße") kommen. Dabei füllen sich die Lungenbläschen rasch mit Flüssigkeit aus den kleinen Lungengefäßen, und der Sauerstoffmangel wird kritisch.

Rechtsherzschwäche: Schwellungen an den Beinen

Manche Herzfehler wie zum Beispiel eine verengte Mitral- oder Pulmonalklappe schwächen die rechte Herzhälfte (Rechtsherzinsuffizienz). Häufiger noch ist das bei Erkrankungen der Lungen der Fall.

Eine zunächst nur die linke Herzhälfte betreffende Herzüberlastung kann auf Dauer auch auf das rechte Herz übergehen, sodass das Herz insgesamt geschwächt wird (Globalinsuffizienz). Das kommt häufiger vor als eine isolierte Rechtherzschwäche.

Der Flüssigkeitsstau in den Geweben ist ein wesentliches Merkmal der Herzinsuffizienz, kann allerdings auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. In der Folge kommt es zur Gewichtszunahme. Im Liegen zirkuliert das Blut stärker. Es kreist auch vermehrt in den Nieren, sodass die Betroffenen nachts häufiger Wasser lassen müssen.

Symptome: Leitsymptom einer chronischen (Links-) Herzschwäche ist Atemnot, zunächst bei körperlichen Belastungen. Das entspricht nach der offiziellen NYHA-(New York Heart Association-) Einteilung dem Stadium 2; das Stadium 1 lässt sich nur anhand bestimmter Untersuchungen erkennen. Die körperliche Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit nehmen allmählich ab. In den fortgeschrittenen Stadien (3, 4) kommt es auch in Ruhe und im Liegen zu Atemnot. Außerdem tritt ein Asthma cardiale auf. Das sind asthmaähnliche Atemnotanfälle, die häufig nachts einsetzen. Die Betroffenen husten auch viel. Mit erhöhtem Oberkörper fällt das Atmen leichter (Orthopnoe). Bei akuter Linksherzschwäche mit Lungenödem (Notfall!) kann die Atmung hörbar "brodeln".

Der Übergang von der Schwäche des linken Herzens zur Rechtsherzschwäche ist fließend.
Bei vorwiegender Rechtsherzschwäche entwickeln sich Schwellungen an den Knöcheln und Unterschenkeln, manchmal auch im Kreuz. Am Hals und unter der Zunge zeichnen sich die überfüllten verdickten Venen ab. Die Lippen sind bläulich verfärbt (Zyanose). Eine durch Blutüberfüllung "gestaute", vergrößerte Leber und andere Bauchorgane, die unter dem geschwächten rechten Herz leiden, verursachen Beschwerden im Verdauungstrakt, etwa Übelkeit, Appetitlosigkeit. In sehr ausgeprägten Fällen kann sich ein Brustfellerguss oder Herzbeutelerguss bilden.

Bei der Globalinsuffizienz summieren sich die Beschwerden. Der Schlaf ist stark beeinträchtigt. Auch das setzt dem Körper zu.


Je nach Ursache und Stadium lässt sich eine Herzinsuffizienz durch Behandlung der Grund- oder Begleitkrankheit verhindern oder günstig beeinflussen. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von herzchirurgischen oder Katheter-Eingriffen über Medikamente bis hin zu einer Herzverpflanzung.

Mehr Informationen dazu unter anderem in den Beiträgen "Herzschwäche (Herzinsuffizienz)", "Koronare Herzkrankheit (KHK)" und "Herzinfarkt".

Der größte Atemmuskel, das Zwerchfell, bewegt bis zu zwei Drittel der Atemluft. Beim Einatmen zieht es sich zusammen, die Lungen dehnen sich nach unten aus. Die Atemhilfsmuskeln des Brustkorbs unterstützen die Atembewegungen.

Die Atemmuskeln sind willkürlich aktivierbar. Grundsätzlich sorgt aber das Gehirn mit seinen Impulsen dafür, dass wir nicht ans Atmen denken müssen und automatisch regelmäßig Luft holen.

  • Muskelschwäche oder Lähmungen können auch die Atemmuskulatur betreffen. Beispiele hier: Die Poliomyelitis ("Polio", Kinderlähmung), die durch die Impfung bei uns stark zurückgedrängt wurde, in anderen Ländern wie Afghanistan, Pakistan und Nigeria dafür nach wie vor präsent (endemisch) ist, sodann neuromuskuläre Erkrankungen, die mit Muskelschwäche und Muskelschwund einhergehen, oder auch Myasthenia gravis. Auch eine Überfunktion der Schilddrüse, Alkoholmissbrauch oder verschiedene Medikamente können die Muskeln beeinträchtigen.

    Symptome: Ist die Atemmuskulatur geschwächt, kommt es zu einer Atemschwäche (Hypoventilation) und subjektiv zu Atemnot: Die Atmung ist hier durchgehend unzureichend und kann den nötigen Gasaustausch nicht mehr gewährleisten. Weitere Symptome hängen von der Grunderkrankung ab.

    Therapie: Bei unzureichendem Gasaustausch ist eine Beatmung nötig. Die Grunderkrankung wird so gezielt wie möglich behandelt. Eine wichtige Rolle spielt auch die physikalische Therapie.

    - Zwerchfell-Lähmung:
    Zwerchfell-Lähmungen treten meistens auf einer Seite auf. Manchmal sind sie angeboren. Häufigste erworbene Ursachen sind Tumoren, die den Zwerchfellnerv bedrängen, zum Beispiel eine Krebsgeschwulst in der Lunge oder ein erkrankter Lymphknoten. Mitunter werden Virusinfekte als Ursache verdächtigt. Im Zusammenhang mit einer Infektion (Viren, Bakterien, vor allem Atemwege und Magen-Darmtrakt) kann sich ein sogenanntes Guillain-Barré-Syndrom (GBS) entwickeln, das mit aufsteigenden Lähmungen einhergeht: Gangstörung, Blasen- und Darmstörung, geschwächte Atem- und veränderte Herztätigkeit, Gesichtslähmung, mitunter auch Sprech- oder Schluckstörung. Das Bewusstsein ist nicht beeinträchtigt.

    Mitunter tritt eine Zwerchfell-Lähmung im Zuge einer schmerzhaften Schulter-Arm-Schwäche (Armplexusneuritis oder neuralgische Schulteramyotrophie) auf, denn der Zwerchfellnerv ist Teil des Armnervengeflechtes (= Plexus). Gelegentlich lassen sich starke Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule als Ursache feststellen. Auch ein Eingriff (etwa in der Hypothermie- oder Kühlungsphase bei Herzoperationen) oder eine Verletzung, etwa eine Querschnittlähmung (beidseitig), kann verantwortlich sein. Atemlähmungen durch Gehirnerkrankungen sind hier kein Thema.

    Symptome: Eine einseitige Zwerchfell-Lähmung bemerken die Betroffenen kaum. Bei körperlicher Belastung oder eingeschränkter Atemkapazität kann Atemnot auftreten. Wenn die Lunge auf der entsprechenden Seite etwas schlechter belüftet wird, neigt sie vermehrt zu Entzündungen durch Infektionen. Falls die Lähmung beide Seiten betrifft, kommt es zwangsläufig zu Atemnot, besonders im Liegen (die Betroffenen können nicht in Horizontallage schlafen, da der Zwerchfellmuskel in einer bestimmten Schlafphase der einzig aktive Atemmuskel ist). Bevorzugte Haltung hier: ein aufrechter Oberkörper und Atmen mit aufgestützten Armen, um die Hilfsmuskeln der Atmung besser zu nutzen. Komplikationen an den Lungen sind außer den schon genannten Infekten Veränderungen wie Atelektase und Fibrose (siehe jeweils unter "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen" in diesem Beitrag).

    Diagnose, Therapie: Die Röntgendurchleuchtung des Brustkorbs und eine Ultraschalluntersuchung lassen bei einseitiger Zwerchfelllähmung eine gegensinnige Zwerchfellbeweglichkeit auf der rechten und linken Seite erkennen. Das gelähmte Zwerchfell steht etwas höher. Hinzukommen Messungen bestimmter Atemfunktionen und Atemdruckwerte, die hauptsächlich vom Zwerchfell erzeugt werden, eventuell eine Untersuchung im Schlaflabor. Bei Verdacht auf ein GBS ist unter anderem eine Hirnwasseruntersuchung sinnvoll. Hochdosierte Gabe von Immunglobulinen über die Blutbahn oder eine Plasmaaustauschbehandlung (Plasmapherese) sind etablierte Behandlungswege bei Patienten mit ausgeprägtem Krankheitsverlauf; in der akuten Phase werden sie intensivmedizinisch betreut.

    Je nach Ursache und Ausprägung kann die Lähmung sich nach gewisser Zeit wieder zurückbilden, auch bei einem GBS. Wenn eine einseitige Lähmung Beschwerden macht, ist es möglich, das Zwerchfell operativ zu raffen. Bei beidseitiger Zwerchfell-Lähmung kann im Einzelfall eine Schrittmacherbehandlung (phrenic-nerve-stimulation, PNS) möglich sein. Dazu müssen zum Beispiel Zwerchfellnerven und Zwerchfell sowie und die Lungen prinzipiell funktionstüchtig sein. Das Verfahren ist an ein erfahrenes Zentrum gebunden.
  • Verformung des Brustkorbs: Formanomalien des Brustkorbs können die Atmung mechanisch behindern und zu Atemnot führen. Die verschiedenen Formen der Skoliose spielen hier zum Beispiel eine Rolle. Am häufigsten kommt im Wachstumsalter die Skoliose unbekannter Ursache (idiopathisch) vor.

    Wenn es im Rahmen der Skoliose zu einer deutlichen Verdrehung (Torsion) der Brustwirbelsäule und der Rippen kommt, kann das die Funktion der Brustorgane, vor allem von Herz, Lungen und Zwerchfell, behindern. Manchmal entsteht sogar ein Lungenhochdruck. In der Regel werden die Betroffenen von Kindesbeinen an engmaschig von ihrem Orthopäden betreut. Zeichnet sich eine Verschlechterung der Skoliose ab oder liegt beispielsweise eine Muskel- oder Nervenstörung zugrunde, streben die Ärzte rechtzeitig eine Operation an. Dadurch lässt sich auch die Entwicklung von Atembeschwerden verhindern.

    Mehr zu diesem Thema, insbesondere auch zur Therapie, im Beitrag "Skoliose".

    Eine ausgeprägte Trichterbrust kann ebenfalls die Atmung beeinträchtigen. Mit einer Operation lässt sich das beheben. Bei einer fortgeschrittenen Bechterew-Erkrankung engt mitunter eine versteifte Brustwirbelsäule die Atmung ein; außerdem entwickelt sich manchmal eine Lungenfibrose. Heute behandeln die Ärzte daher oft schon frühzeitig mit Medikamenten, um das Leiden unter Kontrolle zu halten.
  • Auch Verletzungen des Brustkorbs, etwa Rippenbrüche, können das Atmen erschweren.

Blutarmut (Anämie)

Hinter einer Blutarmut (Anämie) verbergen sich viele Ursachen. Entweder ist die Blutbildung gestört, oder es werden die roten Blutzellen (rote Blutkörperchen, Erythrozyten) im Übermaß abgebaut.

Außerdem kann eine Anämie auch Folge einer akuten Blutung sein oder durch chronische Sickerblutungen, zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt, entstehen. Blutarmut kann jeweils unter ganz verschiedenen Vorzeichen auftreten. Der Arzt hat anhand des Blutbildes und weiterer Untersuchungen spezielle Kriterien an der Hand, um eine Anämie festzustellen und die einzelnen Formen im Vorfeld voneinander abzugrenzen.

Symptome: Haut und Schleimhäute werden blass, Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und Atemnot stellen sich ein, besonders bei körperlicher Anstrengung oder bei Herz- und Lungenerkrankungen. Eigentlich ist der Köper hier bemüht, den Sauerstoffmangel auszugleichen, indem er verstärkt rote Blutkörperchen bildet. Bei einer Anämie schlägt das fehl beziehungsweise die verbleibende Transportkapazität für Sauerstoff reicht nicht aus. Atemnot tritt aus diesem Grund zum Beispiel bei einer Eisenmangelanämie auf. Bei anderen Anämieformen können völlig andere Beschwerden im Vordergrund stehen.

Mehr zu Ursachen, Diagnose und Therapie im Beitrag "Blutarmut".

Übrigens: Bei Fieber oder einer Überfunktion der Schilddrüse ist der Sauerstoffverbrauch ebenfalls gesteigert, und es kann zu Atemnot kommen.

Zu viel Atmung: Hyperventilationssyndrom

Frauen haben dreimal so oft wie Männer mit dieser Störung zu tun. Offenbar verspannen sich bei den Betroffenen die Muskeln als Reaktion auf unverarbeitete seelische Konflikte. Atemmuskeln im Brustbereich können in das Spannungsfeld einbezogen sein und eine Alarmreaktion in Gang setzen, die zu Atemnot und Hyperventilation führt.

Das bedeutet, dass die Atmung deutlich stärker – vertieft und / oder beschleunigt – ist als eigentlich notwendig. Das Reaktionsmuster kann sich über akute Belastungen hinaus verselbstständigen und dann bei relativ harmlosen Anlässen aktiv werden. Auslösend kann auch eine Angst- oder Panikreaktion sein, manchmal aufgrund empfundener Atemnot.

Symptome: Die starke Muskelspannung im Brustbereich erzeugt ein Gefühl der Beklemmung. Die Betroffenen empfinden auch Brustschmerzen, Hustenreiz und das Bedürfnis, tief zu atmen. Sobald ein weitere Irritation hinzutritt, wird die Atmung verstärkt auf "Einatmen!" geschaltet: Sie beschleunigt und vertieft sich, es kommt also zur Tachypnoe und Hyperventilation. Dabei kann auch eine sogenannte Hyperventilationstetanie mit Verkrampfungen der Hände ("Pfötchenstellung") und der Lippen, Gefühllosigkeit, Missempfindungen, Zittern, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel bis hin zu Ohnmacht und weiteren Beschwerden auftreten. Angstzustände können sich noch verstärken. Panikattacken gehen oft schnell vorbei, können mitunter aber auch stundenlang anhalten.

Therapie: Im Akutfall hilft es, beruhigend auf den Betroffenen einzureden und ihn gegebenenfalls eine Mund und Nase umschließende Papiertüte oder Maske einatmen zu lassen. Das Einatmen der eigenen Atemluft hebt den durch die Hyperventilation erniedrigten Kohlendioxidgehalt im Blut wieder an. Dadurch lassen Beschwerden wie Verkrampfungen der Hände bald nach.

Eventuell gibt der Notarzt ein beruhigendes Medikament. Er wird abklären, ob Anhaltspunkte für eine körperliche Ursache bestehen, die umgehend behandelt werden muss, etwa ein Pneumothorax (siehe oben). Falls dies nicht der Fall ist, sollte der Hausarzt in Ruhe nachhaken. Er wird dabei zum Beispiel auch eine Herzneurose im Blick haben. Dieses Problem betrifft häufiger junge Männer.

Bewährt: Physiotherapie und Psychotherapie

Um zu einem entspannteren Umgang mit der Atmung zu finden, machen viele Betroffene gute Erfahrungen mit einer Physiotherapie, die auch auf Atemübungen fokussiert.

Bei wiederholten Anfällen, die eindeutig einen psychischen Hintergrund haben, oder Tendenz zu einer chronischen Entwicklung ist nach genauer psychologischer Diagnose eine Psychotherapie zu erwägen. Bewährt haben sich vor allem entspannungstherapeutische Verfahren.

Fachliteratur zu diesem Ratgeber:

Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2015, Köln Gerd Herold

Robert-Koch-Institut Berlin: Informationen des RKI zu Erkrankungsfällen durch das MERS-Coronavirus (Stand: 24.6.2015)
Online: http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/M/MERS_Coronavirus/MERS-CoV.html (Abgerufen: 09.07.2015)

Leitlinien / Informationen im Internet:

- Guillain-Barré-Syndrom: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Therapie akuter und chronischer immunvermittelter Neuropathien und Neuritiden. AWMF-Reg.-Nr. 030/130; S2e. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-130l_S2e_Neuropathien_Neuritiden_2014-04-verl%C3%A4ngert.pdf (verlängert bis 29.09.2017; Abgerufen am 09.07.2015)

- Angioödem: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Angioödeme (DGA), der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) et al.:
Hereditäres Angioödem durch C1-Inhibitor-Mangel. AWMF-Reg.-Nr. 061/029. Allergo J 2012; 21 (2): 109–118. Online:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-029l_S1_Heredit%C3%A4res_Angio%C3%B6dem_durch_C1-Inhibitor_Mangel_2012-03.pdf

Deutsche Atemwegsliga e. V. in der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie: Informationsmaterial für Patienten. Online: http://www.atemwegsliga.de/copd.html (Abgerufen 09.07.2015)

Pneumothorax: http://www.lungenaerzte-im-netz.de/lin/linkrankheit/show.php3?p=2&id=27&nodeid=22

Der Internist: Dyspnoe. Vom Leitsymptom zur qualifizierten Diagnose. Band 56, Heft 8, August 2015. Springer Medizin Verlag GmbH, Heidelberg

Olsson K M, Mayer B, Hinrichs J et al: Chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 111, Heft 50, 12. Dezember 2014. DOI:10.3283/arztebl.2014.0856

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