Schluckstörung (Dysphagie)

Dysphagie wird oft mit Schluckbeschwerden aller Art bis hin zum Kloß im Hals gleichgesetzt. De facto ist das Schlucken oder die Nahrungspassage gestört

Unsere Inhalte sind von Ärzt*innen und Pharmazeut*innen überprüft

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 16.05.2019

Schluckbeschwerden – In Kürze

  • Schmerzen im Hals und Rachen beim Schlucken

Ursachen: Meist Entzündungen bei Virusinfekten, seltener bakterielle Infektionen; die im Mund schluckfertig aufbreitete Nahrung, der Bolus, ist hier primär kein Grund.

  • Schluckstörung (Dysphagie)

Ursachen im Rachenraum (oropharyngeal): Meist bei neurologischen Störungen oder örtlichen Veränderungen (Divertikel, Tumor).
Symptome: bei Schluckbeginn, Verschlucken, Hustenanfälle, feste und flüssige Nahrung kann in die Nase (Regurugitation) oder die unteren Atemwege (Aspiration) gelangen.

Ursachen in der Speiseröhre (ösophageal): Mechanische Hindernisse (Verengungen, auch nach Entzündungen, Narben, Divertikel, Tumor) und gestörte Beweglichkeit (Motilitätsstörungen) der Speiseröhre.
Symptome: Passagestörung mit Gefühl des Steckenbleibens des Bolus, Würgereiz, Erbrechen, Brustschmerz, eventuell Aspiration, auch von flüssiger Nahrung

! Hinweis: Eine neu aufgetretene Dysphagie muss immer medizinisch abgeklärt werden.

Schmerzen in der Brust beim Schlucken (Odynophagie):  Bei Entzündungen,  Geschwüren oder Verletzungen der Speiseröhre.
Symptome: unbehindertes Schlucken, aber es kommt zu Brustschmerz

Presbyphagie: Schluckprobleme bei alten Menschen

Essen und Trinken erhalten das Leben. Und wo kein Mangel an Speisen herrscht, können sich die Sinne daran erfreuen. Schlüssel zum Erfolg ist der Schluckakt, für viele eine Nebensache. Erst wenn er gestört ist, wird klar, was er eigentlich bedeutet.

Schuckbeschwerden: Häufig harmlos

Wenn man mal etwas in den falschen Hals kriegt, ist es im wörtlichen Sinn meistens nur ein harmloses Verschlucken. Oder eine dicke Mandelentzündung mit "allen Schikanen" belegt die Kehle – Halsschmerzen bis über beide Ohren, Schmerzen beim Schlucken, Fieber, kloßige Sprache. Aber das lässt sich in der Regel gut in den Griff bekommen und ist hier nur am Rand ein Thema.

Schluckstörungen: Ein schwerwiegendes Problem

Ganz andere Probleme haben die Menschen, denen durch Behinderung, Krankheit oder hohes Alter die Fähigkeit, zu schlucken, abhanden gekommen ist. Das liegt hauptsächlich an zwei Gründen:

Erstens wird beim Schlucken der Eingang zur Luftröhre refelxartig abgedichtet. Klappt das nicht, kann dort Nahrung hineingelangen. Erstickungsanfälle und schwere Lungenentzündungen können die Folge sein.

Zweitens müssen Nahrung und Flüssigkeit, damit der Körper sie überhaupt verwerten kann, natürlich erst einmal "ankommen". Je nach Art der Dysphagie ist das mehr oder weniger, vorübergehend, zunehmend oder dauerhaft nicht mehr der Fall.

Um Gewichtsverlust, Austrocknung und Mangelernährung zu vermeiden, sind dann besondere Wege der Ernährung zu beschreiten.

Diese Überlegungen sind zum Beispiel bei Koordinationsstörungen oder Lähmungen im Mund oder Rachen relevant, also bei allen Formen der sogenannten neurogenen Dysphagie.

Andere Ursachen, etwa verschluckte Fremdkörper, Entzündungen oder Tumore, bilden eine mechanische Barriere, sei es im Bereich des Mund-Rachen-Raums, sei es in der Speiseröhre.

Schluckstörungen: Betrifft es den Schlucktrakt oder den Schluckakt?

Die Auslöser von Schluckstörungen liegen somit zum einen im Bereich von Mund und Rachen oder in der Speiseröhre. Zusammen bilden sie den Schlucktrakt.

Zum anderen geht es um den Schluckakt. Dieser wird vom Gehirn gesteuert. Das betrifft sowohl die willentliche Phase als auch den Reflexanteil. Damit das Schlucken klappt, müssen alle Schritte bis zum letzten Rädchen funktionieren, vor allem das präzise Zusammenspiel von Nerven und Muskeln. Nur dann ist der Transport der Nahrung durch den etwa 40 Zentimeter langen Muskelschlauch zwischen Mund und Magen gewährleistet.

Daraus folgt, dass sowohl Erkrankungen des Gehirns, der Nerven und Muskeln als auch Krankheiten im Schlucktrakt – vom Mund über den Rachen bis zur Speiseröhre – das Schlucken erschweren können.

Manchmal sind auch krankhafte Veränderungen in der Umgebung der Speiseröhre im Brustraum schuld daran. Schließlich spielt mitunter noch das Skelettsystem (Halswirbelsäule, Zungenbein) und die Psyche eine Rolle – man denke nur an den berühmten Kloß im Hals (siehe auch Kapitel "Schluckstörung: Psyche, Kloßgefühl" in diesem Beitrag).

Infektionen, Entzündungen, Verletzungen, Vergiftungen, Immunstörungen, Erbkrankheiten, Fehlanlagen und Alterungsprozesse sind jeweils Auslöser im Detail. Das gilt auch für Schluckstörungen als Therapiefolgen, denn sie können durch Medikamente ausgelöst oder verstärkt werden oder nach Operationen und Bestrahlungen im Hals- und Brustbereich auftreten.

Schluckauf oder sich verschlucken – wo liegt der Unterschied?

Schluckauf ist überwiegend harmlos: eine Reizung des Zwerchfellnervs, etwa durch einen hastig verschluckten Bissen. Das Zwerchfell zieht sich zusammen, wobei sich die Stimmritze zwischen den Stimmbändern reflexartig schließt. Gleichzeitig kommt es zur Einatmung, die Luft stößt auf die geschlossenen Stimmbänder. Resultat: ein Hicks.

Anders ein Schluckauf, der länger als 48 Stunden anhält. Findet sich keine Ursache, wird er idiopathisch genannt.

Mitunter kommt ein Schluckauf durch eine Störung der Speiseröhre zustande. Auch Erkrankungen der Leber, des Herzens, des Gehirns oder manche bösartigen Tumore können ihn provozieren (symptomatischer Schluckauf).

Beim Sich-Verschlucken läuft etwas beim Schluckakt falsch. Es können Essensteile oder ein Schluck Flüssigkeit in die Luftröhre gelangen – Aspiration nennen Ärzte das. Der sofort in Aktion tretende Hustenreflex bezweckt, den fehlgeleiteten Gegenstand abzuhusten. Mit viel Glück gelingt das auch ... andernfalls droht Erstickungsgefahr.

Sofort Erste Hilfe leisten und den Notarzt alarmieren (Notruf: 112)! Falls das verschluckte Material in der Kehle (im Kehlkopfeingang oberhalb der Stimmbänder) stecken bleibt oder in die Nase gelangt, sprechen Ärzte von Penetration (Vorstadien der Aspiration).

! Wer wiederholt oder länger Schluckauf hat oder sich häufiger verschluckt, sollte es so schnell wie möglich von einem Arzt abklären lassen.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Schluckstörungen kommen bei den verschiedensten Krankheiten vor. Diese reichen von neurologischen Erkrankungen, darunter erblichen Muskel- oder Nervenkrankheiten, über Erkrankungen im Hals und Rachen bis hin zu krankhaften Veränderungen der Speiseröhre und deren Umgebung im Brustraum.

Auch Kopfverletzungen können Störungen beim Schlucken nach sich ziehen.

Mitunter entwickeln Patienten, die auf der Intensivstation behandelt und beatmet werden, eine Schluckstörung, wobei hier verschiedene Ursachen zusammenkommen.

Nicht zuletzt ist Dysphagie bei Gebrechlichen und Betagten ein drängendes Problem (siehe Kapitel "Schluckstörung: Probleme im Alter (Presbyphagie")). Andererseits werden auch Kinder nicht davon verschont.

Die wichtigsten Ursachen von Schluckstörungen auf einen Blick:

Störungen im Gehirn, Rückenmark, an Nerven oder Muskeln:
Schlaganfall
Demenz
Bewusstseinsstörung (kein Thema dieses Beitrags)
Parkinson-Krankheit
• Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
• Chorea Huntington
Multiple Sklerose

• Guillain-Barré-Syndrom
• Zeckenenzephalitis (Frühsommermeningoenzephalitis, FSME)
• Myasthenia gravis (pseudoparalytica)
• Lambert-Eaton-Syndrom
• Muskeldystrophien
• Okulopharyngeale Dystrophie
• Mitochondriale Erkrankungen
• Kopftumore, Kopfverletzungen (keine Themen dieses Beitrages)
• Dysphagie durch Nerven- und Muskel-Störungen bei intensivmedizinisch behandelten Patienten (kein Thema dieses Beitrags)
• Muskelentzündung (Myositis) einschließlich Dermatomyositis und Einschlusskörpermyositis
• Rheumatische Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen)
• Vaskulitis (Gefäßentzündung)
• Neuropathien (Diabetes mellitus, Alkohol; kein Thema dieses Beitrags)
• Bakteriengifte: Tetanus, Botulismus

Hindernisse im Hals:

• Entzündungen, Muskositis
• Mandelabszess (Peritonsillarabszess)
• Divertikel
Krebserkrankungen im Halsbereich: Mandeln, Rachen, Kehlkopf
• Skelettsystem: Sporne an der Halswirbelsäule; Eagle-Syndrom

Speiseröhre:

• Achalasie
• "Nussknacker-Speiseröhre" (hyperkontraktil); "Korkenzieher-Speiseröhre",
spastische Speiseröhre
• Membranen, Ringe (etwa bei Plummer-Vinson-Syndrom)
• Entzündungen und Geschwüre
• Rückflusskrankheit (gastroösophageale Refluxkrankheit)
Crohn-Krankheit (Morbus Crohn)
• Verengungen durch Narben (Stenose, Striktur)
• Eingeweidebrüche des Magens (paraösophageale Hernie, Gleithernie)  
• Divertikel
• Verbindungsgang (Fistel) zwischen Speiseröhre und Luftwegen (Bronchien)

• Fremdkörper
• Sklerodermie, Amyloidose
• Einfluss von Medikamenten auf die Beweglichkeit der Speiseröhre: Antibiotika (zum  Beispiel Aminoglykoside), Antiarrhythmika, Medikamente gegen Krampfneigung, Mittel gegen Rheuma (kein eigenes Thema dieses Beitrags)
• Krebserkrankungen: Speiseröhre und Übergang zum Magen (Kardiakarzinom)

Brustraum ("Mittelfellraum" = Mediastinum):

• Zysten, Schwellungen, Geschwülste (Mediastinaltumoren)
• Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Herzbeutelerguss, vergrößerter linker Herzvorhof, Ausbuchtung der Hauptschlagader (Aortenaneurysma) (keine Themen dieses Beitrags)
• Krankheiten der Schilddrüse

Psyche:

• Kloßgefühl im Hals

Medikamente (Beispiele):

• Antidepressiva,
• Beruhigungsmittel (Benzodiazepine)
• Skelettmuskeln entspannende Mittel (Muskelrelaxantien)
• Die unwillkürliche Muskulatur entspannende Mittel (Anticholinergika)
• Antiparkinsonmedikamente
• Blutdrucksenker
• Medikamente gegen Demenz
• Antiepileptika

Mehr zu Themen dieser Liste, die keine Vollständigkeit beansprucht, in den einzelnen Kapiteln dieses Beitrags. Bevor es mit den Krankheitsursachen weitergeht, erklärt das nächste Kapitel "Schluckstörung: Diagnose", welche Untersuchungen bei Schluckstörungen zur Diagnose führen.

Krankheiten des Gehirns, Rückenmarks, der Nerven und Muskeln mit der Folge ernster Funktionsstörungen bis hin zu Lähmungen gehören zu den häufigsten Ursachen von Schluckstörungen.

Sie sind dann meist schmerzlos und Teil umfassender Behinderungen.

Schmerzhafte Schluckblockade im Hals?

Ganz anders verhält es sich, wenn jemand, der ansonsten eigentlich gesund ist, plötzlich Schluckbeschwerden bekommt. Spürt der Betroffene vielleicht ein schmerzhaftes Hindernis auf einer Seite im Hals? Dann kann zum Beispiel ein Abszess, eine eitrige Gewebeeinschmelzung, der Grund sein. Falls auch das Kiefergelenk behindert wird, kommt es zur Kieferklemme: Der Mund lässt sich dann nicht mehr richtig öffnen.

Fieber, Schüttelfrost und deutliches Krankheitsgefühl stützen jeweils die Vermutung, dass ein Abszess vorliegen könnte.

Allerdings sind solche Fälle heute selten. Am ehesten noch treten sie im Kindesalter, infolge einer eitrigen Mandelentzündung auf, bei Erwachsenen höchst selten infolge einer Zahnvereiterung.

Ebenfalls mit Schmerzen können, müssen aber nicht bestimmte Veränderungen in der Speiseröhre einhergehen. Das ist eine weitere Gruppe von Ursachen, bei denen Schluckstörungen zu den Leitsymptomen gehören.

Krankengeschichte, Familiengeschichte

Persönliche Angaben des Patienten helfen dem Arzt häufig, gleich die richtige Wegrichtung bei der Diagnostik einzuschlagen. Hatte der Betroffene zum Beispiel eine Operation im Halsbereich, kann Narbengewebe zum mechanischen Hindernis geworden sein.

Nach einem Schlaganfall können neurologische Probleme zurückbleiben. Schlaganfälle gehören mit Abstand zu den häufigsten Ursachen von Schluckstörungen, fast jeder zweite ist in irgendeiner Form davon betroffen.

Falls eine Muskelschwäche – meist sind es dann komplexere Störungen – bereits im frühen Kindes- oder jungen Erwachsenenalter auftritt, deutet das auf eine erbliche Muskelkrankheit hin.

Mitunter sind andere Familienmitglieder betroffen oder weisen eine entsprechende Genveränderung auf. Im Einzelfall können pränatale Untersuchungen infrage kommen. Manche erblichen Muskelerkrankungen zeigen sich allerdings erst im höheren Alter.

Körperliche Untersuchung: Die ärztlichen Sinne und technische Hilfsmittel

Als nächstes macht der Arzt sich ein Bild vom allgemeinen Befinden des Patienten. Er überprüft Ernährungszustand, die Beschaffenheit der Haut und Schleimhäute – ein Spiegelbild des Flüssigkeitshaushalts –, Herz, Lungen, Bauch.

Am Hals kann er die Schilddrüse abtasten und nach Lymphknoten schauen, Mundhöhle und Rachen begutachten. Dazu gehört auch, Zungen- und Kaubewegungen, Reflexe wie das Schlucken, aktives Husten und Räuspern und nicht zuletzt auch das Sprechvermögen zu prüfen.

Damit befindet sich der Arzt schon mitten in der neurologischen Untersuchung. Weitere Prüfpunkte: Wachheit und Orientierung des Patienten zur Zeit und zum Ort, Berührungsempfindlichkeit der Haut, Muskelkraft und Muskelreflexe an den Armen und Beinen.

Diagnose: Wo genau liegt das Problem beim Schlucken?

Bei Nerven- oder Muskelerkrankungen ist häufig nicht nur das Schlucken beeinträchtigt. Auch andere Defizite sind möglich: Störungen der Stimme und des Sprechens, der Augen- und Lidbewegungen, des Mienenspiels.

Ebenso können Skelettmuskeln versagen, außerdem unwillkürliche Muskeln, etwa für die Verdauungsarbeit. Daraus ergeben sich jeweils charakteristische Beschwerden (mehr dazu im Kapitel "Schluckstörung – Ursachen: Gehirn, Nerven, Muskeln").

Daher ist auch die genaue Beschreibung der Schluckprobleme vorab sehr wichtig. Angehörige und Betreuer können hier oft wertvolle Angaben beisteuern. Verschluckt sich der Betroffene schon an seinem Speichel oder vor allem, wenn er isst oder trinkt?

Kommt es dabei zu Husten oder gar erstickungsgefährlichen Attacken? Hat er an Gewicht verloren? Gibt es Anzeichen für Mangelerscheinungen oder Austrocknung? Ist schon häufiger eine Lungenentzündung aufgetreten?

Schnell lässt sich herausfinden, ob die Ursache der Störung im Rachenraum liegt oder sich an den Schluckmuskeln auswirkt. Typisch ist dann, dass Nahrung sich beim Schlucken verfängt beziehungsweise in die Nase (Penetration) oder aber in die Atemwege gelangt (Aspiration).

Letzteres kann allerdings auch bei einer krankhaften Verbindung zwischen Speise- und Luftröhre (Fistel) passieren – eine gravierende Entwicklung, die wie jedwede Aspiration ernst zu nehmen ist und je nach Umstand notfallmäßig behandelt werden muss.

Bereitet feste Nahrung Probleme beim Schlucken, kann ein mechanisches Hindernis vorliegen. Falls es zunimmt, kann auch die Aufnahme von Flüssigkeit Schwierigkeiten bereiten.

Wenn von Anfang an ständig oder wiederholt sowohl feste als auch flüssige Nahrung kaum oder nur stockend in den Magen gelangt, möglicherweise auch bald wieder hochkommt (Regurgitation), ist mutmaßlich die Funktion der Speiseröhre gestört.

Es kann dann zum Beispiel eine Aussackung in der oberen Speiseröhre (Ösophagusdivertikel), vorliegen. Das sind aber nur einige der vielen Möglichkeiten, die es abzuklären gilt.

Welcher Arzt /Therapeut ist zuständig?

So vielfältig die Ursachen von Schluckstörungen sind, so unterschiedlich sind die Fachärzte und Therapeuten, die nach den ersten richtungweisenden Untersuchungen in die weitere Diagnose- und Behandlungsplanung eingebunden sein können.

Für Schluckstörungen durch Nerven- oder Muskelerkrankungen sind in der Regel Neurologen, zuständig. Für Erkrankungen des Rachens (Pharynx) und Kehlkopfes (Larynx) sind es Hals-Nasen-Ohren-(HNO-)Ärzte. Schluck- und Stimmexperten können aus beiden Fachgebieten kommen.

Um Zahn- und Kiefer-Erkrankungen kümmern sich Zahnärzte und Fachärzte für Kieferchirurgie. Bei Bedarf stehen Röntgenärzte (Radiologen) bei der Diagnosestellung zur Seite. Krankheiten der Mundschleimhaut fallen in den Aufgabenbereich des Hautarztes.

Bei Anhaltspunkten, dass das Schluckproblem an der Speiseröhre liegt, wird üblicherweise ein Gastroenterologe tätig, der außer der Speiseröhre bei Bedarf auch den Magen ins Visier nimmt.

Möglichen Ursachen im Brustraum gehen wiederum Radiologen nach, in Abstimmung mit einem Lungenfacharzt (Pneumologen) oder Herzspezialisten (Kardiologen). Mitunter muss ein Bauchchirurg, ein Herzchirurg, ein Gefäßchirurg oder ein Lungen-(Thorax-)Chirurg Hand anlegen.

Für Erkrankungen des Immunsystems ist ein Internist beziehungsweise Rheumatologe zuständig. Um die Schilddrüse kümmert sich ein Endokrinologe (Spezialist für Erkrankungen von Hormondrüsen), eventuell auch ein Chirurg dieses Fachgebietes.

Betroffene finden außerdem Hilfe durch Psychologen, Schluck- und Stimmtherapeuten (Logopäden), Ernährungstherapeuten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und den Pflegedienst.

Insbesondere bei neurologisch bedingten Schluckstörungen beispielsweise wirken die genannten Fachleute bei der Diagnosestellung mit, besprechen mit dem behandelnden Arzt die Therapie und betreuen den Patienten gemeinsam mit ihm weiter.

Kehlkopf- und Schluckdiagnostik

Den Nasen-Rachen-Raum untersucht ein HNO-Arzt näher. Dazu benutzt er ein stabförmiges, starres oder ein schlauchartiges, flexibles Gerät (Endoskop), das er über die Nase einführt. Auch die Bewegungen der Stimmbänder kann er endoskopisch beurteilen. Diese Untersuchung heißt Stroboskopie. Meist genügt hier jeweils eine örtliche Betäubung.

Ein in Vollnarkose platziertes Mikrolaryngoskop kann bis in die Luftröhre hinein Einblick gewähren. Zugleich lassen sich Gewebeproben zur Diagnose gewinnen und weitere Eingriffe am Kehlkopf – also Behandlungen – vornehmen. Zum Beispiel kann behinderndes Narbengewebe abgetragen werden. Nicht zu vergessen: Falls sinnvoll, klären HNO-Ärzte manche Verdachtsdiagnosen im Vorfeld auch mittels einer Ultraschaldiagnostik (Sonografie) ab.

Wenn es danach aussieht, dass eine Schluckstörung neurologisch bedingt ist, kann eine Video-Schluckendoskopie (engl. fiberoptic endoscopic examination of swallowing, meist wird die Abkürzung FEES verwendet) wertvolle Informationen über den Schluckvorgang geben und auch darüber, inwieweit dieser durch bestimmte Maßnahmen beeinflussbar ist: etwa die Beschaffenheit der Nahrung, Schlucktechnik und die Haltung beim Schlucken.

Dies geschieht wiederum mittels eines flexiblen Endoskopes (siehe oben), das der Arzt über die Nase in den Rachenraum einführt. Eine Kamera am Gerät überträgt die Bilder von den Bewegungen der Schluckstrukturen auf einen Computer. Hilfsmittel sind unterschiedlich aufbereitete und gefärbte Testnahrungen und -flüssigkeiten.

Speiseröhren-Check

Wenn der Verdacht auf ein Passagehindernis in der Speiseröhre besteht, ist eine Endoskopie der Speiseröhre und des Magens meist aufschlussreich. Die Diagnose einer Rückflusskrankheit (Refluxkrankheit) oder der seltenen Achalasie (Bewegungsstörung der Speiseröhre, deren unterer Schließmuskel sich zudem beim Schlucken nicht normal öffnet), können Druck- und Säurerückfluss-Messungen über eine Speiseröhrensonde (hochauflösende Manometrie und 24-Stunden-pH-Metrie; ph-Metrie steht für die Säuremessung) belegen. Symptome hier unter anderem: Sodbrennen oder auch Schluckstörungen, die eventuell mit Schmerzen und Druckgefühl hinter dem Brustbein verbunden sind.

Derzeit keine Kassenleistung ist zum Beispiel die katheterfreie Kapsel-pH-Metrie über 48 Stunden. Die Kapsel wird bei einer Magenspiegelung eingelegt und in der Schleimhaut der unteren Speiseröhre befestigt. Sie sendet drahtfrei ihre Messdaten an einen äußeren Rekorder und wird auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden. Einsatzbereiche sind unklares Sodbrennen und fortbestehende Speiseröhrenentzündungen trotz regelrechter Therapie.

Weiterführende Untersuchungen

Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) erfassen heute Krankheitsprozesse nicht nur im Halsbereich, sondern überall dort, wo das Schlucken passiert oder gesteuert wird, also vom Kopf bis (mindestens) zum Zwerchfell. Mitunter werden sie der Schluckdiagnostik vorgeschaltet. Manchmal kann auch eine sogenannte Endosonografie angezeigt sein. Dabei wird ein Hohlorgan von innen mittels eines schlauchförmigen Ultraschallgerätes, eines Ultraschall-Endoskopes, untersucht. Die Nähe zum untersuchten Gewebe ermöglicht detaillierte Bilder.

Blutuntersuchungen, eine Sonografie der Schilddrüse, spezielle bildgebende und nuklearmedizinische Verfahren, elektrophysiologische Untersuchungen der Nerven- und Muskeltätigkeit wie zum Beispiel eine Elektromyografie und die Untersuchung von Gewebeproben (Biopsien, siehe oben: Mikrolaryngoskop) sind Instrumente für besondere Fragen, etwa der, ob eine spezielle Muskelerkrankung vorliegt. Bei bedraf untersucht der neurologe auch das Hirnwasser (Liquorpunktion).

Das Schlucksystem "altert" wie andere Körpervorgänge auch. So ist es normal, dass der Geruchs- und Geschmackssinn im Alter nachlassen. Der Appetit vergeht.

Da alte Menschen weniger Durst haben, trinken sie meistens auch nicht genug. Dadurch trocknen die Schleimhäute aus, besonders im Mund.

In der späten Lebensphase häufig verordnete Medikamente, zum Beispiel gegen Depressionen, dämpfen die Speichelproduktion zusätzlich.

Schluckversagen ist lebensgefährlich

Willentliche und besonders viele unwillkürlich arbeitende Nerven sowie mehr als 50 Muskelpaare sorgen in einem präzisen Zusammenspiel dafür, dass feste und flüssige Nahrung problemlos die Hürde nach unten nehmen.

Wenn die Steuerzentren im Gehirn oder ausführende Nerven und Muskeln versagen, bleibt der Bissen im Mund liegen oder im Hals stecken, Flüssiges gelangt in Nase, nach außen, vielleicht auch in die Luftwege.

Erreicht Verschlucktes zum Beispiel die Stimmbandebene im Kehlkopf, sprechen Fachleute von "Penetration"; geht es noch weiter hinein, von "Aspiration". Eine Lungenentzündung ist dann nur noch eine Frage der Zeit. Mögliche Hinweise sind Fieber, schneller Puls, flaches Atmen oder Atemnot, blaue Lippen, Schwäche oder Apathie.

Aus Angst, womöglich zu ersticken, verweigern manche Betroffene nach dramatischen Erfahrungen jede weitere Nahrung. Denn nicht immer bringen Hustenstöße Abhilfe; sie können einfach zu schwach sein. Manchmal reagiert ein gebrechlicher Betroffener auch überhaupt nicht (mehr) mit Husten. Dann liegt eine stille Aspiration vor.
Wer es nicht richtig beschreiben kann, zeigt es so:

Hinweise auf eine Schluckstörung, eventuell mit Aspiration:
• Deutlich verlangsamtes Schlucken
• Lange Verweildauer von Speisen im Mund
• Nahrungsreste im Mund, auf der Kleidung
• Wiederholtes Husten und Räuspern nach dem Schlucken
• Verschlucken, Würgen, Atemnot, gerötetes Gesicht, blaue Lippen (Achtung: eventuell besteht Erstickungsgefahr! Leisten Sie Hilfe und rufen Sie den Arzt!)
• Unkontrollierter Speichel- oder Nasenfluss
• Belegte oder kloßige Stimme nach dem Schluckversuch
• Verletzungszeichen in der Mund- und Wangenschleimhaut, auf der Zunge (Fehlbisse)
• Ablehnung von Nahrung und Flüssigkeit
Begünstigend wirken:

Gesichtslähmung (Fazialisparese), etwa mit herabhängendem Mundwinkel
• Vorhandensein einer Kanüle in der Luftröhre (Trachealkanüle nach Luftröhrenschnitt; siehe auch Kapitel "Schlucktherapie")
• Zahnverlust / Zahnersatz
• Medikamente, etwa Antidepressiva, Anti-Parkinsonmittel, Kortison oder bestimmte Blutfettsenker

Mögliche Folgen:
Gewichtsverlust
• Mangelernährung, Vitamin- und Mineralstoffmangel, Immunschwäche
• Austrocknung: Trockene, in Falten abhebbare Haut (zum Beispiel an der Stirn), eingesunkene Augen, Mundtrockenheit, Apathie, Verwirrtheit
• Lungenentzündung durch Aspiration beim Verschlucken, wenn keine andere Ursache erkennbar ist (siehe oben)

Berührungswahrnehmungen im Mund und dadurch ausgelöste Reflexe werden schwächer, Lippen- und Mundbewegungen ungezielter. Die Kiefergelenke können versteifen. Alles dies erschwert das Kauen und Schlucken.

Es droht Unterernährung. Sie schwächt die ohnehin schon reduzierte Muskelkraft noch mehr, was sich wiederum ungünstig auf das Schlucken auswirkt – ein Teufelskreis entsteht.

Zudem lässt der Zahnstatus alter Menschen oft zu wünschen übrig. Ohne Zähne oder mit schlecht sitzendem Zahnersatz kann keiner gut kauen, geschweige denn schlucken. "Alterskrankheiten" wie Schlaganfall, Demenz oder auch die Parkinson-Krankheit verschärfen das Problem.

Im weitesten Sinn gehört die Presbyphagie zu den neurologisch bedingten Schluckstörungen (siehe Kapitel "Schluckstörung – Ursachen: Gehirn, Nerven, Muskeln" in diesem Beitrag).

Therapeutische Betreuung

In vielen Krankenhäusern, Seniorenheimen, Rehabilitations-Einrichtungen und bei der häuslichen Pflege alter Menschen gehört der richtige Umgang mit Patienten, die an Schluckstörungen leiden, zu den täglichen Aufgaben.

Und weil zwischen Sprechen und Schlucken enge Beziehungen bestehen, sind Schlucktherapeuten (Ernährungs- und Sprachtherapeuten beziehungsweise Logopäden) von Anfang an in die Betreuung eingebunden.

Logopäden und klinische Linguisten kümmern sich um Erkrankte jeden Alters mit Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. Ernährungstherapeuten optimieren alle relevanten Bereiche der Ernährung eines Patienten und helfen bei der Umsetzung der entspechenden Therapien.

Beide Berufsgruppen sind bei der Diagnose und Behandlung von Dysphagie-Patienten wichtige Partner für den Arzt. Wegen der unterschiedlichen Ursachen sind auf der ärztlichen Seite viele Fachgebiete gefragt, von der Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Heilkunde mit Phoniatrie (Lehre von den Sprach- und Stimmstörungen) über die Neurologie und Innere Medizin mit ihren verschiedenen Teilgebieten bis zur Geriatrie (Alternsmedizin) oder Psychiatrie.

In unklaren Fällen hilft eine Schluckdiagnostik weiter (siehe Kapitel "Schluckstörung: Diagnose").

Die Schlucktherapie umfasst gezielte Übungen und eine Ernährung, die möglichst genau an die verbliebene Schluckfähigkeit angepasst wird. Hinzu kommen medikamentöse und chirurgische Maßnahmen.

Die Entscheidung über einen Eingriff treffen in der Regel Spezialisten aus verschiedenen Fachgebieten gemeinsam. Infrage kommt mitunter die Spaltung des unteren, seltener noch des oberen ringförmigen Speiseröhrenmuskels (Myotomie), wenn hier nicht anders behandelbare Verkrampfungen die Nahrungspassage behindern.

Ultima ratio ist ein Luftröhrenschnitt, über den eine Atmungskanüle platziert wird, um den Luft- und den Nahrungsweg definitiv voneinander abzutrennen. Dieser Schritt erhöht den Pflegebedarf, und die Anforderungen an die sogar auch hier mögliche Selbsthilfe wie auch Hygiene sind groß, aber zu bewältigen (siehe auch Kapitel "Schlucktherapie" am Ende dieses Beitrags).

Weitere Behandlungswege richten sich nach der jeweiligen Grunderkrankung.

Ganz oben auf der Ursachenliste von Schluckstörungen stehen Gehirnerkrankungen wie Schlaganfälle, Parkinson-Krankheit und verwandte Krankheitsbilder, Demenzerkrankungen.

Mit Abstand folgen multiple Sklerose, sodann Hirntumore und andere, weniger bekannte Krankheitsbilder wie die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Letztere gehört zu den sogenannten Motoneuronerkrankungen.

Motoneurone sind, vereinfacht gesagt, miteinander verschaltete Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark, über die Bewegungsimpulse zu den Willkürmuskeln laufen.

Störungen der Muskeln können zum einen neurologisch bedingt sein. Dem trägt die Bezeichnung "neuromuskuläre Erkrankung" Rechnung. Daneben gibt es auch eigenständige Muskelkrankheiten, etwa erbliche Störungen wie Muskeldystrophien und entzündliche Muskelkrankheiten.

In allen diesen Fällen kann es mitunter zu Schluckstörungen kommen. Das ist alles recht kompliziert. Die nachfolgende Übersicht fasst es nochmals zusammen.

Schluckstörungen durch Nerven- und Muskelerkrankungen: Kurzüberblick

  • Im weitesten Sinne degenerative Erkrankungen des Gehirns; Beispiele: Schlaganfall, Parkinson-Erkrankungen (Parkinson-Syndrom), Chorea Huntington
  • Im weitesten Sinne degenerative Erkrankungen der Nervenzellen, die willkürliche Muskelbewegungen im Gehirn und/oder Rückenmark steuern (Motonreuronerkrankungen); Beispiele: Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), spinale Muskelatrophien
  • Entzündliche immunvermittelte Erkrankungen des Gehirns/der Gehirnnerven/des Rückenmarks; Beispiele: Multiple Sklerose, rheumatische Systemerkrankungen (Kollagenosen, Vaskulitis)
  • Entzündliche immunvermittelte Erkrankung von Rückenmarksnervenwurzeln und peripheren Nerven (Körpernerven); Beispiel: Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
  • Weitere Ursachen neurologisch bedingter Schluckstörungen: Infektionen, zum Beispiel Frühsommer-Meningoenzephalitis durch Zecken, Vergiftungen, zum Beispiel Tetanus, Botulismus
  • Auch bei Muskelerkrankungen (Myopathien) können Schluckstörungen auftreten. Beispiele: Myasthenia gravis, Muskeldystrophien, außerdem wiederum rheumatische Systemerkrankungen, etwa Kollagenosen

Nachfolgend mehr zu den einzelnen Ursachen.

Schluckstörungen: Neurologische Ursachen

  • Schlaganfall

Plötzliche Minderdurchblutung im Gehirn infolge eines Gefäßverschlusses und nachfolgende Gewebeschädigung führt zu einer länger als 24 Stunden anhaltenden Störung der Gehirnfunktion. Der betroffene Bereich erleidet einen Sauerstoff- und Nährstoffmangel.

Die Folgen können zum Beispiel Lähmungen von Gliedmaßen, ein hängender Mundwinkel, Probleme beim Sprechen und Schluckstörungen sein. Auch reflexartiges Husten – eine Schutzreaktion, wenn man sich zum Beispiel verschluckt hat – kann gestört sein.

Zu den Ausfällen kommt es jeweils, wenn bestimmte motorische Bereiche der Hirnrinde betroffen sind. Die Schluckmuskeln werden vom Schluckzentrum im Stammhirn gesteuert. Es kann bei einem Schlaganfall ebenfalls gelitten haben, sodass die Koordination der Schuckmuskeln gestört ist.

Weitere Ursachen für einen Schlaganfall sind Hinblutungen, seltener entzündliche Gefäßerkrankungen (Vaskulitis). Die Entzündungen können durch krankhafte Immunvorgänge entstehen. Bei der sogenannten klassischen Polyarteriitis nodosa (cPAN, siehe ganz unten) zum Beispiel treten mitunter Schlaganfälle schon bei jüngeren Patienten auf.

Mehr über Ursachen, Diagnose, Symptome und Therapie des Schlaganfalls lesen Sie hier.

  • Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung) – Parkinson-Syndrome

Bewegungsstörungen, die unter dem Namen "Parkinson-Syndrom" laufen, und die klassische Parkinson-Krankheit gehören zu den häufigsten fortschreitenden Erkrankungen des zentralen Nervensystems im höheren Lebensalter.

Bei der Parkinson-Krankheit ist die eigentliche Ursache unklar. Teilweise spielen genetische Faktoren eine Rolle. Letztlich kommt es durch den Untergang bestimmter Nervenzellen im Gehirn zum Mangel an dem Botenstoff Dopamin.

Dieser wirkt mit anderen Botenstoffen in einem ausgeklügelten Gleichgewicht, das für gezielte und harmonische Bewegungen wichtig ist. Durch den fortschreitenden Mangel wird das Bewegungsspiel gestört.

Verschiedene Erkrankungen können ähnliche Symptome wie bei der Parkinson-Krankheit hervorrufen – die Parkinson-Syndrome. Vor allem im höheren Alter kommen sie deutlich häufiger vor als die eigentliche Parkinson-Krankheit. Auch schreiten sie nicht selten schneller fort. Auslösend sein können bestimmte Medikamente, etwa sogenannte Neuroleptika, oder andere Gehirnerkrankungen.

Leitsymptome der Parkinson-Krankheit sind eingeschränkte Beweglichkeit mit Bewegungsarmut (Fachbegriffe: Bradykinese, Akinese) und Muskelsteifigkeit (Rigor), außerdem Zittern (Tremor) sowie beeinträchtigte Halte- und Stellreflexe, also Haltungsstörungen. Auch Schluckstörungen treten bei der Parkinson-Krankheit häufig auf.

Hier finden Sie weitere Informationen über die Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson).

  • Multiple Sklerose (MS) – betrifft vor allem junge Erwachsene

Bei dieser Erkrankung des Gehirns und Rückenmarks treten Entzündungen mit einem variablen Verteilungsmuster und Verlauf auf. Die Entzündung ist Ausdruck einer Autoimmunerkrankung und spielt sich vor allem an der Umhüllung der Nervenzellfortsätze, der Myelinschicht, ab. Dem entspricht die zweite Bezeichnung Enzephalomyelitis disseminata. Bei einer Autoimmunerkrankung greift das Immunsystem den Körper an.

Infolge der Entzündung können Nervenstrukturen vernarben oder zugrunde gehen. MS tritt überwiegend im jüngeren Lebensalter auf und betrifft Frauen häufiger als Männer. Die eigentliche Ursache ist unklar. Vermutlich müssen mehrere Faktoren zusammentreffen, damit sich die Krankheit entwickelt.

Symptome: Der Krankheitsverlauf ist sehr unterschiedlich. Im Großen und Ganzen gibt es beim spontanen Verlauf, also ohne Einflüsse durch Therapien, zwei Möglichkeiten: Bei vielen Betroffenen verläuft die Krankheit zunächst schubartig, mit zwischenzeitlicher Besserung der Beschwerden. Häufig ist die Tendenz jedoch trotzdem die einer fortschreitenden Krankheit. Bei einem kleineren Teil der Patienten ist das von Anfang an der Fall, ohne eigentliche Krankheitsschübe.

Zu den Symptomen selbst gehören Verkrampfungen der Muskulatur bis hin zu Lähmungen, Sehstörungen eines Auges infolge einer Sehnervenentzündung, etwa mit Schleiersehen, schmerzhaften Augenbewegungen und Bewegungsstörungen der Augen (Doppelbilder), Kribbeln, Taubheitsgefühl, Störungen der Blasen- und Darmfunktionen, Gleichgewichtsstörungen, Sprech- und Schluckstörungen.

Einen Überblick über das Krankheitsbild gibt Ihnen der Ratgeber "Multiple Sklerose".

  • Guillain Barré-Syndrom (GBS) – seltene Lähmungen nach einem Infekt

Das Krankheitsbild gehört zu den peripheren Polyneuropathien. Bei der häufigsten Form des GBS erkranken Hüllen von Nerven, die schnelle Impulse leiten: Nerven, die Gefühlsempfindungen aus dem Körper – der Peripherie – an das zentrale Nervensystem schicken wie auch solche, die Kommandos von dort an die Muskeln leiten. Die Hüllen (Nervenscheiden) bestehen aus dem Stoff Myelin und bilden eine Art Isolierschicht. Dass Nervenscheiden angegriffen werden, steckt auch in der Bezeichnung demyelinisierende axonale Polyneuropathie (poly-, gr. viel; -neuropathie = Nervenschädigung).

Passieren kann etwa zwei Wochen nach einem Atemwegs- oder Darminfekt durch entzündliche Autoimmunreaktionen Folgendes: Das Immunsystem greift irrtümlich körpereigene Strukturen an, hier wiederum die Nervenhüllen. Was genau den Ausschlag gibt, ist unklar. Atemwegs- oder Darminfekte erleiden viele Menschen, ein GBS zum Glück nur die wenigsten. Es müssen also Besonderheiten vorliegen, damit es nach einer Infektion zu dem mitunter schwerwiegenden Krankheitsbild kommt.

Symptome: Typisch ist eine Muskelschwäche, die in den Beinen beginnt, sich über die Arme nach oben ausbreiten und zum Beispiel auch zu einer Gesichtslähmung führen kann. Essen geht dann oft nicht mehr richtig. Auch der Lidschluss kann ausfallen. Dann müssen die Augen gegen Austrocknung geschützt werden.

Falls außer dem Gesichtsnerv noch mehr Hirnnerven erkranken, kann auch das Sprechen und Schlucken Probleme bereiten. Dabei spielt auch – aber nicht nur – eine gestörte Sensibilität am Rachen eine Rolle. In der Folge tritt Nahrung durch die Nase aus, anstatt den normalen Weg zu nehmen. Für die Betroffenen ist das extrem unangenehm und gefährlich obendrein, denn die Irrläufer können auch in die Atemwege gelangen.

Mitunter entwickelt sich neben der Muskelschwäche an den Beinen und von dort aufwärts  auch eine Störung des Gefühlsempfindens. Dies kann einerseits mit einer Gangunsicherheit verbunden sein, andererseits zu Kribbeln, Taubheits- und Kältegefühl, manchmal auch stechenden Schmerzen führen. Manche Patienten klagen dann zum Beispiel auch über gewisse Rückenschmerzen.

Zudem geraten mitunter Nerven außer Kontrolle, die zum sogenannten vegetativen (autonomen) System gehören. Dann sind zum Beispiel Störungen der Blasenfunktion, Veränderungen des Herzschlags, etwa ein schneller Puls, Blutdruckschwankungen oder eine veränderte Schweißbildung eine mögliche Folge.

Im Extremfall kann es zu kompletten Muskellähmungen einschließlich Atemlähmung kommen. Da der Verlauf nicht vorhersehbar ist, werden die Betroffen in der Klinik behandelt. Die Krankheitssymptome können sich relativ schnell, innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen, entwickeln und nach einer "stabilen" Phase langsam zurückgehen. Die große Mehrheit der Patienten ist nach einem Jahr wieder weitgehend auf den Beinen. Manche behalten jedoch gewisse Einschränkungen zurück.

Die Behandlung umfasst die Gabe von Immunglobulinen oder eine spezielle Blutwäschetherapie (Plasmapherese). Sie dient dazu, krankmachende Antikörper aus dem Blut zu filtern. Bei schweren Verlaufsformen werden stärker in das Immunsystem eingreifende Medikamente eingesetzt.

Auch der Ratgeber "Polyneuropathie" informiert über periphere Polyneuropathien.

  • Chorea Huntington

Die Chorea Huntington ist eine unheilbare Erbkrankheit des Gehirns aufgrund eines Gendefektes, der sich im Blut feststellen lässt. Betroffen ist ein spezieller Bereich des Gehirns, der für die Muskelsteuerung und das Bewegungsverhalten eine wichtige Rolle spielt. Ähnliche Krankheitsformen (Fachbegriff: choreatiforme Bewegungsstörungen) können durch andere, teils ebenfalls genetische Ursachen entstehen, etwa bei der Kupferspeicherkrankheit, aber auch infolge von Schlaganfällen oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente.

Kennzeichnend sind plötzliche, unkontrollierbare übermäßige Körperbewegungen. Hinzu kommen häufig Sprach- und Schluckstörungen. Zudem sind psychische Störungen und geistige Einbußen möglich. Die Krankheit tritt überwiegend im mittleren Lebensalter auf und ist derzeit nicht heilbar. Zur Therapie werden Medikamente, die den Stoffwechsel des Botenstoffes Dopamin im Gehirn beeinflussen, und bestimmte Psychopharmaka eingesetzt.

  • Schluckstörungen durch Bakteriengifte

Tetanus – "Wundstarrkrampf": Die Erreger können Wunden, auch die kleinsten, infizieren und das gefährliche Nervengift (Tetanospasmin) absondern. Drogenabhängige können sich womöglich einen Wundbotulismus einhandeln, etwa über verunreinigte Injektionen. Ohne rechtzeitige Behandlung mit Tetanus-Immunglobulin kann das (noch nicht im Körper gebundene) Gift auf Bewegungsnerven einwirken und eine krampfartige Muskelstarre, eine spastische Lähmung, auslösen.

Symptome: Beschwerden setzen etwa innerhalb von vier bis dreißig Tagen, häufig acht Tagen, ein. Anfangs fällt eine schmerzhafte Steifigkeit im Nacken auf. Sodann tritt eine Verkrampfung (Spastik) von Gesichts- und Kaumuskeln (Trismus) auf, da das Gift die zugehörigen, relativ kurzen Nerven schnell besetzt. Mögliche Folge: eine Kieferklemme, dabei kann der Mund nicht oder nur unter Schmerzen geöffnet werden. Bei Einbeziehung auch der Muskeln im Schlund kommt es zu Schluckstörungen und zu einer gefährlichen Einengung der Atemwege.

Die Spastik kann auch auf die Rückenmuskeln übergreifen (typische Haltung mit Opisthotonus = Krampf der Rückenmuskulatur, der ganze Körper nebst Kopf wird nach hinten überstreckt). Dehnt die Vergiftung sich weiter aus, erreicht sie auch den Zwerchfellmuskel, unseren wichtigsten Atemmuskel. Ohne intensivmedizinische Behandlung und Beatmung besteht Erstickungsgefahr. Allein schon die starken Muskelverkrampfungen selbst, die häufig auftretenden Herz-Kreislaufstörungen und starkes Schwitzen erfordern eine intensive Behandlung.

! Wichtig: Vorbeugung durch Auffrischung des Impfschutzes alle zehn Jahre ist anzuraten. Bei einer Verletzung mit Tetanusrisiko wird zügig die (erneute) Impfung empfohlen, sofern der Impfstatus unbekannt oder unvollständig ist oder zu lange zurückliegt. Manchmal wird zusätzlich ein Antikörperpräparat (Immunglobulin) gegeben.

Botulismus – drei Formen, alle selten: Die bekannteste Form ist eine Lebensmittelvergiftung mit dem Nervengift des Bakteriums Clostridium botulinum. Es behindert die Impulsleitung am Übergang von Nervenenden auf Muskeln und in Teilen des unwillkürlichen (vegetativen) Nervensystems. Mögliche Quellen sind unter anderem verdorbenes Fleisch, Fisch und Gemüse.

Am ehesten geht Gefahr von selbst eingemachten Erzeugnissen (zum Beispiel eingeweckt, eingelegt oder geräuchert) aus. Dass Konserven beim Hersteller verunreinigt werden, kommt heute praktisch nicht mehr vor.

Säuglinge unter einem Jahr sollen wegen der seltenen Gefahr eines Säuglingsbotulismus keinen Honig bekommen.

Symptome: Meist entwickeln sich innerhalb von etwa acht Stunden bis acht Tagen zunächst Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Danach oder parallel treten Schwächen und Lähmungen von Hirnnerven auf, zunächst im Augenbereich: Doppelbilder, weite Pupillen und herabhängende Lider sind die Folge. Schreitet die Vergiftung fort, stellen sich aufgrund von Muskellähmungen Sprechstörungen, Mundtrockenheit und Schluckstörungen, Schwäche der Atemhilfsmuskeln mit Atemnot sowie Schwächen der Arm- und Beinmuskeln ein.

Der Nachweis des Giftes – es gibt verschiedene Typen – ist heute technisch innerhalb weniger Stunden möglich. Bereits bei Botulismusverdacht beziehungsweise innerhalb von 24 Stunden sollte das verfügbare Antitoxin, das gegen die hierzulande häufigsten drei Gifttypen wirkt, gegeben werden. Die Therapie konzentriert sich ansonsten auf symptomatische Maßnahmen wie eine Beatmung und umfassende Intensivpflege. Diese kann längere Zeit dauern, bis die Nerven-Muskelverbindungen sich wieder regeneriert haben. Dank der heutigen Behandlungsmöglichkeiten ist die Sterblichkeit der Vergiftung gesunken.

  • Zeckenenzephalitis (Frühsommermeningoenzephalitis, FSME)

Etwa zehn Tage nach einem Zeckenstich, der nicht immer bemerkt wird, kommt es im Falle der Infektion mit dem verantworlichen Virus zunächst zu grippeähnlichen Beschwerden mit Krankheitsgefühl und Fieber. Selten bleiben dies die einzigen Symptome.

Meistens folgt eine zweite Krankheitsphase mit erneutem Fieberanstieg, Kopfschmerzen und Steifigkeit im Nacken – Hinweise auf eine Hirnhautentzündung. Häufig breiten sich die Viren auch im Gehirn aus. Manchmal geht die Entzündung auch auf das Rückenmark über. Die Kombination aller drei Probleme heißt Meningoenzephalomyelitis.

Symptome des gefürchteten Krankheitsbildes, insbesondere der Gehirn- und Rückenmarkentzündung, sind Gangstörungen und Lähmungen von Armen, Beinen und Gesichtsmuskeln. Zudem kann das Spechen und Hören beeinträchtigt sein. Bedrohlich sind vor allem Schluck- und Atemstörungen sowie Bewussteinsstörungen.
Auch wenn die Erkrankung insgesamt selten ist, wird vermehrt Gefährdeten eine spezielle Impfung empfohlen.

Mehr zu der Krankheit im Ratgeber "Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) vorbeugen, erkennen und behandeln".

Auch andere Krankheitserreger können mitunter Hirnhaut- und Gehirnentzündungen auslösen.

  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) – Motoneuronerkrankung

Bei Motoneuronerkrankungen gehen Nervenzellen auf der Ebene des zentralen Nervensystems – Gehirn und Rückenmark – zugrunde, die für Muskelbewegungen zuständig sind. Auswirken kann sich das in verschiedenen Körperbereichen. Manchmal kommt es außerdem zu psychischen oder geistigen (kognitiven) Störungen.
Der Krankheitsverlauf ist bei ALS unterschiedlich, manchmal etwas günstiger, manchmal auch tödlich.

Es sind mehrere Genmutationen bekannt. Ein Teil der Erkrankungen kommt familiär gehäuft vor. Seltener erkranken jüngere Patienten, häufiger im Alter von 50 bis 70 Jahren. Eine genetische Testung ist nur bei familiärem Auftreten sinnvoll, wobei Ärzte hier auch bestimmte Demenzerkrankungen und psychiatrische Krankheiten mit berücksichtigen.

Auch bei jüngeren Patienten ohne familiäre Belastung, bei denen die Krankheit aber relativ rasch verläuft, kann ein Gentest sinnvoll sein. Die Betroffenen müssen sich nach einer genetischen Beratung schriftlich mit dem Test einverstanden erklären.

Symptome: Es kommt zu Muskelschwäche, schmerzhaften Wadenkrämpfen, auch nachts, und zu Muskelzucken (Faszikulationen). Diese Symptome haben allerdings keinen Beweischarakter. Schließlich entwickeln sich Lähmungen durch Muskelversteifung (spastisch) oder Muskelschwund (atrophisch). Je nachdem, welche Nervengebiete geschädigt sind, können der Rumpf, Arme, Beine, aber auch Gesichts-, Sprech- und Schluckmuskeln betroffen sein. Dann wird die Sprache undeutlich, und Schluckstörungen treten auf.

Die Mimik verarmt, Lippen und Zunge erlahmen (auch die Zungenmuskeln bilden sich zurück), die Zunge zittert (Faszikulationen). Diese Veränderungen haben eine ungünstige Prognose und werden unter dem Fachbegriff progressive Bulbärparalyse zusammengefasst.

Eine heilende Therapie fehlt. Eventuell kann ein Medikament namens Riluzol, ein sogenannter Glutamat-Antagonist, die Symptome über eine gewisse Zeit dämpfen. Zur Behandlung gehören auch Maßnahmen wie Heimbeatmung, Physiotherapie, die auch hilft, Lungenentzündungen vorzubeugen, Logopädie und eine psychologische Betreuung, außerdem eine gezielte Behandlung einzelner Störungsmuster mit Medikamenten.

Eine Sondenernährung, zum Beispiel eine sogenannte perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG), kann den Ernährungszustand verbessern. Die Anwendung setzt voraus, dass der Betroffene sich einverstanden erklärt. Wenn dies nicht klar erkennbar ist, müssen Betreuer und Verantwortliche gemeinsam darüber entscheiden.

Schluckstörungen: Muskelerkrankungen als Ursachen

  • Myasthenia gravis – bei Belastung vorzeitig müde Muskeln

Bei der Reizübertragung von Nerven auf Muskeln nutzt der Botenstoff Azetylcholin bestimmte Andockstellen (Rezeptoren). Myasthenia gravis, eine seltene Autoimmunerkrankung, erschwert das: körpereigene Eiweißstoffe (Autoantikörper) können zum Beispiel die Rezeptoren verändern. In der Folge kommt es zu ausgeprägter Muskelschwäche.

Aber: Die Schwäche ist belastungsabhängig. Das heißt: Nach einer Erholungsphase lässt sie wieder nach. Der vollständige Name "Myasthenia gravis pseudoparalytica" trägt der Tatsche Rechnung, dass die Muskeln eben nicht anhaltend gelähmt sind.

Infekte, Fieber, psychische Belastungen, Schlafdefizite, Alkohol und manche Medikamente können die Beschwerden verstärken, manchmal sogar krisenartig. Myasthenia gravis kann auch bei anderen Autoimmunerkrankungen wie einer Über- und Unterfunktion der Schilddrüse auftreten. Die Thymusdrüse am Hals spielt eine wichtige Rolle, denn dort entstehen häufig die krankheitsauslösenden Antikörper. Die in ihrer Aktivität gesteigerte Drüse kann durch eine Entzündung oder auch eine Geschwulst vergrößert sein. Im letzteren Fall liegt ein Thymom vor. Dieses kann gut- und bösartig sein. Aber es kommt auch durchaus vor, dass Myasthenie-Patienten einen unauffälligen Thymus haben.

Die Betroffenen sind zum Zeitpunkt der Diagnose meistens zwischen 40 und 60 Jahre alt, doch erkranken auch Kinder und Jugendliche. Die Krankheit ist nicht erblich, familiäres Vorkommen eher selten. Andere, ähnlich verlaufende Erkrankungen, darunter eine okulopharyngeale Dystrophie oder ein Lambert-Eaton-Syndrom (siehe weiter unten), wird der Neurologe ausschließen.

Symptome: Es erkranken einzelne oder mehrere Muskelgruppen auf beiden Körperseiten (symmetrisches Muster). Typischerweise ermüden sie nach Bewegungen oder zum Abend hin. Nach einer Pause erholen sie sich. Häufig sind Muskeln mit Haltefunktion betroffen, zum Beispiel Augenmuskeln wie der Lidheber. So sinken die Augenlider nach längerem Aufwärtsblicken immer tiefer, da die Lidhebermuskeln ermüden, oder Betroffene sehen nach längerem Lesen Buchstaben doppelt.

Manchmal sind auch Muskeln am Rumpf und rumpfnah an den Gliedmaßen erkrankt. Diese generalisierte Form kann alle Skelettmuskeln miteinbeziehen, einschließlich der Sprech-, Schluck- und Atemmuskeln. Ein Hinweis kann eine näselnde Sprache sein. Die Schwächung der Kau- und Schlundmuskeln behindert das Beißen, Kauen und Schlucken, die Nahrung kann nicht mehr schluckfähig gemacht werden. Manchmal ist auch die Beweglichkeit der Speiseröhre und damit auch der Schluckablauf gestört (Motilitätsstörung; siehe Kapitel "Schluckstörung: Ursachen in der Speiseröhre"). Wenn die Atemmuskulatur mitbeteiligt ist, es zum Beispiel rasch zu Kurzatmigkeit kommt, ist das immer ein Warnzeichen. Die Patienten bedürfen einer intensivierten Behandlung und Kontrolle. Denn bei einer möglichen myasthenen Krise kann es zu schwerer Atemnot mit notwendiger Beatmung kommen.

Bei der Therapie werden sogenannte Cholinesterasehemmer, Kortison und andere das Immunsystem unterdrückende Medikamente eingesetzt. So gehören in besonderen Fällen auch neu entwickelte Substanzen wie monoklonale Antikörper zur Therapie. Bei schwerer, krisenhafter Ausprägung kommen spezielle Immuntherapien wie Plasmapherese, eine Art Blutwäsche, oder eine noch gezieltere Blutbehandlung namens Immunadsorption zum Einsatz.

Bei Patienten unter 60 Jahren wird unter bestimmten Voraussetzungen die Thymusdrüse entfernt. Der Eingriff kann zur Besserung der Beschwerden führen. Falls bei Kindern eine Operation im Raum steht, warten Ärzte damit möglichst bis nach der Pubertät ab. Ein Thymom wird immer operativ behandelt, wenn der Patient operationsfähig ist. Die Operation setzt jeweils eine sorgfältige diagnostische Abklärung voraus.

Betroffene Patienten sollten immer einen Myasthenie-Notfallausweis dabei haben. Darin sind auch Medikamnte gelistet, die eine Myasthenie verstärken können.

Im Beitrag "Myasthenie" können Sie sich näher über das Krankheitsbild informieren.

  • Lambert-Eaton-Syndrom – sehr selten, myasthenie-ähnlich

Hier bilden sich Antikörper gegen bestimmte Komponenten, sogenannte Kalziumkanäle, an Nervenendigungen. Betroffen sind sowohl Bewegungsnerven als auch vegetative Nerven für die inneren Organe und Drüsen. Die Störung kann infolge einer Krebserkrankung vorkommen, zum Beispiel bei Bronchialkrebs oder bei anderen Autoimmunkrankheiten wie bestimmte Schilddrüsenentzündungen, außerdem bei einer Blutarmut namens perniziöse Anämie.

Symptome: Muskelschwäche, Kribbeln, Muskelschmerzen, vor allem im Bereich des Beckens und der Oberschenkel ("Watschelgang"), in zweiter Linie an den Armen. Auch eine Lidschwäche auf einer oder beiden Seiten kann hinzukommen, außerdem Doppelbilder, Mundtrockenheit, niedriger Blutdruck. Mitunter ist das Schlucken behindert. Achtung: Die Beschwerden bessern sich im Laufe einer Muskelbelastung nach anfänglicher Verschlechterung vorübergehend, aber nicht durch Ruhepausen wie bei einer Myasthenie.

Um eine beginnende Krebserkrankung nicht zu übersehen, werden die Betroffenen regelmäßig vom Arzt kontrolliert. Die Therapie ist ähnlich wie bei Myasthenia gravis (siehe oben). Sie richtet sich zudem nach der eventuellen Grunderkrankung. Das Medikament Amifampridin ist zur symptomatischen Behandlung zugelassen. Es kann die Muskelkraft verbessern.

Die genaue Diagnosestellung ist wichtig, da zum Beispiel einer "Muskelerkrankung" auch verschiedene Medikamente, Alkoholmissbrauch, rheumatische Erkrankungen und andere Störungen zugrunde liegen können.

  • Muskeldystrophie – erblicher Muskelschwund

Gendefekte, die zur Folge haben, dass bestimmte Funktionseiweiße wie zum Beispiel Dystrophin in der Skelettmuskulatur verändert sind oder fehlen, führen zunehmend zum Verlust der Muskelfunktion. Dementsprechend gibt es viele Krankheitsvarianten. Einige treten schon ab der Geburt oder in der (frühen) Kindheit auf, andere erst im Erwachsenenalter.

Im Hinblick auf das Schlucken ist eine Krankheitsform namens okulopharyngeale Dystrophie bedeutsam: Sie bezieht sich vor allem auf die Augen-, Gesichts- und  Schlundmuskeln sowie die Hüftmuskeln, seltener die Schultermuskeln. Die Ausprägung hängt vom Erbgang ab. Dementsprechend gibt es mildere und schwerere Formen.

Symptome: Die Oberlider hängen zunehmend herab, die Beweglichkeit der Augen lässt nach, und die anderen betroffenen Muskelpartien werden ebenfalls kraftlos. Die Krankheit schreitet langsam fort. Meistens macht sie sich erst im Alter zwischen 40 und 60 Jahren bemerkbar. Die Dysphagie kann durch Mitbeteiligung von Zungen- und Gaumenmuskeln verstärkt sein. Bei schwerer Ausprägung der Erkrankung und damit auch der Schluckstörung wird diese wegen häufiger Komplikationen wie zum Beispiel Lungenentzündungen durch Verschlucken für die Lebenserwartung jedoch bestimmend.

Die Therapie sollte ein Arzt in einem Zentrum steuern, wo man mit Muskeldystrophien viel Erfahrung hat. Teil der Behandlung ist ein drucksenkender Eingriff (Myotomie) am oberen Speiseröhrenmuskel. Dadurch können die geschwächten Schlundmuskeln die Speisen leichter in die Speiseröhre bewegen. Auch die Oberlider können operativ korrigiert werden. Wichtig ist nach sorgfältigem Herz-Kreislauf-Check-up ein moderates, aber regelmäßiges Ausdauertraining. Die Patienten erhalten einen Notfallpass für Muskelkranke, da bestimmte Medikamente bei ihnen vermieden werden sollen.

  • Mitochondriale Erkrankungen – genetische Fehler im Zellstoffwechsel

Mitochondrien sind die "Kraftwerke der Zellen". Erkrankungen der Mitochondrien beruhen auf Genveränderungen (Mutationen). Einige davon sind erblich, andere entstehen spontan. In der Folge kommt es zu Stoffwechselfehlern – besonders in Zellen, die einen hohen Energieverbrauch haben, wie Muskel-, Nerven- oder Sinneszellen. Viele Krankheitsbilder oder "Syndrome" ganz unterschiedlicher Schweregrade reihen sich hier ein. Manche machen sich schon im frühen Kindesalter bemerkbar, andere treten erst später auf.

Symptome: Betroffen sind vor allem die Muskeln, dann das zentrale Nervensystem, die Augen, das Herz, der Schluck- und Magen-Darm-Trakt, das Hormonsystem und die Haut. Ein (besonders energieabhängiges) erkranktes Organ oder Organsystem steht häufig im
Vordergrund. Dementsprechend sind vielfältige, aber auch hervorgehobene Beschwerden möglich. Dazu gehören vor allem Muskelschädigungen und -lähmungen (Myopathien). Einige Formen, darunter die chronisch-progressive externe Ophthalmoplegie (CPEO) oder eine Variante namens Kearns-Sayre-Syndrom (KSS) verursachen neben Augenmuskellähmungen und weiteren Krankheitszeichen auch Schluckstörungen.

Am besten sollte man sich zur Diagnose bei einer mutmaßlichen Muskelerkrankung an Spezialisten in einer neurologischen Klinik oder Kinderklinik wenden. Anhaltspunkte können sich aus der Familiengeschichte ergeben. Auf die Spur helfen neurologische und elektrophysiologische Befunde, Blutuntersuchungen, eine Schluckuntersuchung, feingeweblich untersuchte Gewebeproben (Muskelbiopsien) und gegebenenfalls Genanalysen.

Die Therapie ist derzeit darauf ausgerichtet, einzelne Beschwerden zu verbessern. So können zum Beispiel herabgesunkene Augenlider chirurgisch korrigiert werden. Sichere Belege dafür, dass die teilweise praktizierte Einnahme von CoenzymQ10, Riboflavin und anderen Vitaminen Besserung bringt, fehlen bislang.

  • Muskelentzündung (Myositis)

Mediziner unterscheiden verschiedene Arten von Muskelentzündungen. Beispielsweise kann die Muskelkrankheit durch Infektionserreger ausgelöst werden, darunter Viren oder auch Bakterien.

Bei anderen Formen von Muskelentzündungen, etwa Polymyositis und Dermatomyositis, sind krankhafte Immunvorgänge beteiligt. Sie kommen selten vor. Bei Dermatomyositis entzündet sich außer bestimmten Muskelgruppen zudem die Haut, etwa im Gesicht, an den Lidern und Händen.

Schließlich gibt es Überschneidungen zwischen Muskelentzündungen und bestimmten autoimmunen Systemerkrankungen (siehe unten). Dann stehen Beschwerden durch die Myositis mal mehr, mal weniger im Vordergrund.

Im Allgemeinen erkranken bei Polymyositis/ Dermatomyositis rumpfnahe Gliedmaßenmuskeln, also die an Oberarmen und Oberschenkeln. Neben deutlicher Muskelschwäche kommt es häufig auch Muskelschmerzen. Erkrankte Muskeln können mit der Zeit verkümmern. So kann es mitunter auch zu Schluckstörungen kommen.

Die extrem seltene, aber schmerzlose Einschlusskörpermyositis ähnelt hinsichtlich der Symptome teilweise einer Polymyositis. Sie kann erblich sein oder sporadisch auftreten. Wie sie genau entsteht, ist derzeit unbekannt. Offenbar spielen entzündliche und degenerative Veränderungen eine Rolle. Sie wird zu den idiopathischen Myositis-Erkrankungen gerechnet. Davon gibt es insgesamt vier Formen; idiopathisch steht für "Ursache unbekannt".

Unklar ist auch, was die Einschlüsse mit den enthaltenen Eiweißstoffen bedeuten. Erkannt werden sie in einer feingeweblichen Untersuchung von Muskelgewebe (Biopsie). Bei dieser Krankheitsform erkranken tendenziell mehr periphere Muskelgruppen, zum Beispiel an den Vorderarmen (Hand- und Fingerbeugemuskeln) oder Knien (etwa Streckmuskeln), ebenso Schluckmuskeln.

Symptome: Bei der Polymyositis fallen zunächst geschwächte (druck-) schmerzhafte Muskeln symmetrisch auf beiden Körperseiten und rumpfnah auf. Die Arme lassen sich zum Beispiel bei Schwäche im Schultergürtel kaum über den Kopf angehoben halten. Fällt auch das Aufstehen oder das Gehen schwer, weist dies auf miterkrankte Beckenmuskeln hin.

Bei mehr als einem Drittel der Patienten erkranken außerdem Schluckmuskeln und Muskeln der Speiseröhre – es kommt also zu Schluckstörungen. Sind innere Organe mitbetroffen, sind auch von dieser Seite ernste Beschwerden möglich. Atemnot zum Beispiel verweist auf Herz und Lungen, Herzerkrankungen äußern sich auch häufig mit Herzrhythmusstörungen.

Bei der Dermatomyositis treten zusätzlich Hautveränderungen auf wie auffallende dunkelrote Flecken im Gesicht, vor allem ringartig um die Augen herum ("Lilakrankheit"). Weitere Symptome betreffen die Hände: An den Streckseiten der Finger zeigen sich häufiger weißlich-rosafarbene Knötchen. Die Haut an den Handflächen und Fingerkuppen kann gerötet und rissig, die Haut am Nagelfalz aufgeworfen und druckschmerzhaft sein.

Mitunter stellen sich akute Durchblutungsstörungen und Hautschäden an den Fingern ein (Raynaud-Syndrom). Sie können mit einer rheumatischen Begleiterkrankung zusammenhängen, zum Beispiel Lupus erythematodes oder Sklerodermie (progressive systemische Sklerose).

Dasselbe gilt für Allgemeinsymptome wie Gewichtsverlust, Müdigkeit, Fieber, Gelenkbeschwerden.

Therapie: Es werden Kortison und andere, das Immunsystem unterdrückende Arzneistoffe eingesetzt, eventuell auch Immunglobuline in hoher Dosis. Mehr noch als mit Polymyositis haben Patienten mit Dermatomyositis ein erhöhtes Krebsrisiko. Sie werden daher regelmäßig medizinisch untersucht.

Bei der Einschlusskörpermyositis werden Immunglobuline eingesetzt.

Wichtig sind jeweils Rehabilitationsmaßnahmen, regelmäßige Physiotherapie und bei Bedarf zum Beispiel auch schlucktherapeutische Hilfen. Darüber informiert das Kapitel "Schlucktherapie".
Im Ratgeber "Dermatomyositis" erfahren Sie mehr.

  • Kollagenosen (sogenannte Bindegewebserkrankungen)

Der Name steht für eine Gruppe unterschiedlicher, ursächlich unklarer Autoimmunerkrankungen. Zum Ausdruck kommt das darin, dass Betroffene häufig Antikörper gegen körpereigenes Gewebe – bestimmte Autoantikörper – im Blut aufweisen. Veranlagung spielt eine gewisse Rolle.

Es geht bei diesen Krankheiten häufig um viele Organe – und in der Folge mit vielfältigen Beschwerden und Krankheitszeichen. Daher ist auch die Bezeichnung Systemkrankheiten gebräuchlich. Betroffen sein können unter anderem die Nieren, Lungen, Gelenke, Muskeln, Gefäße, Augen, das Herz, das Blut, die Haut, das Gehirn und Nerven.

Zu den entsprechenden Krankheitsbildern gehören unter anderem der Lupus erythematodes und die Sklerodermie (auch progressive systemische Sklerose).

Symptome: Zu Schluckstörungen kann es durch krankhafte Veränderungen im Gehirn, an den Hirnnerven und Nerven innerer Organe kommen. Die Beweglichkeit der Speiseröhre kann durch vermehrte Wandsteifigkeit eingeschränkt sein. Neben rheumaähnlichen Beschwerden, Hautveränderungen und Durchblutungsstörungen an den Händen treten auch oft allgemeine Symptome auf, wie sie bei Systemerkrankungen häufiger vorkommen (siehe auch Hinweis oben, Abschnitt "Muskelentzündung (Myositis)", und "Gefäßentzündung" nachfolgend).

  • Gefäßentzündung (Vaskulitis)

Fehlerhafte Immunreaktionen sind auch bei Gefäßentzündungen mitunter im Spiel. Manchmal lassen sich spezielle Auslöser finden – Medikamente oder Infektionen durch Viren, Bakterien und sonstige Krankheitserreger.

Nicht selten entwickelt sich eine in diesem Fall rheumatische Vaskulitis im Zuge anderer Autoimmunerkrankungen, bei denen der Körper von seinem eigenen Immunsystem angegriffen wird. Dazu gehören zum Beispiel die schon genannten Kollagenosen (siehe oben). Manchmal sind auch Krebserkrankungen auslösend.

Prinzipiell können alle Gefäßgebiete erkranken: Je nach Krankheitsbild sind es mal die kleinen, mal mittelgroße Arterien oder auch beides, dann wieder große. Die angeschlossenen Organe werden schlechter durchblutet. Die Beschwerden hängen letztlich davon ab, welche Organe im Einzelnen erkrankt sind.
Beispiel: Klassische Polyarteriitis nodosa (cPAN, auch Panarteriitis nodosa): Im Prinzip können hier Gefäße aller Kaliber erkranken, häufig sind es kleinere und mittlere Blutleiter, auch im Bereich des Darms. Vorerkrankungen mit einer Hepatitis B, seltener Hepatitis C, spielen eine Rolle.

Mögliche Symptome: Mitunter entwickeln sich Schluckstörungen, sie gehören allerdings gehören sie nicht zu den Leitsymptomen. Zum einen können sie auf Durchblutungsstörungen im Gehirn mit schlaganfallähnlichen Störungen beruhen. Das kann zum Beispiel im Falle einer klassischen Polyarteriitis nodosa (cPAN) schon bei jüngeren Patienten vorkommen. Häufig treten auch Allgemeinbeschwerden wie Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß und Fieber auf. Im Vordergrund stehen meist Gelenkschmerzen, Bauchschmerzen (aufgrund von Durchblutungsstörungen mit Organschäden im Bauchraum, zum Beispiel im Darm) und Muskelschmerzen.
Diagnose, Therapie: Gefäßuntersuchungen, Blutanalysen einschließlich Tests auf Hepatitis B und C und mikroskopische Befunde aus Gewebeproben helfen die Diagnose zu sichern. Die Therapie richtet sich nach der Ausprägung des Krankheitsbildes und kann Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, beinhalten. Eine zugrundeliegende Hepatitis B oder C wird möglichst vorab mit antiviral wirkenden Medikamenten behandelt. Dadurch kann sich das Krankheitsbild manchmal bereits bessern.

Bei schwereren Krankheitsverläufen mit Beteiligung innerer Organe oder des Zentralnervensystems wird Kortison in Kombination mit einem noch stärkeren immununterdrückenden Medikament, zunächst meist Cyclophosphamid, eingesetzt. Diese Behandlung und eine Hepatitis-Therapie (beziehungsweise eine zugrundeliegende Hepatitis ohne entsprechende Therapie, wenn zu starke Nebenwirkungen zu erwarten sind) müssen sorgfältig miteinander in Einklang gebracht und der Verlauf kontrolliert werden.

Über eine spezielle Vaskulitis-Form informiert der Ratgeber "Leukozytoplastische Vaskulitis".

Der eigentliche Schluckakt dauert höchstens eine Sekunde. Nach weiteren wenigen Sekunden hat die Nahrung die Speiseröhre passiert.

Bei einer Erkältung mit starkem Halsweh brauchen wir vielleicht Bruchteile länger. Aber wir bringen den Bissen trotzdem herunter, auch wenn er nicht toll schmeckt.

Mehr im Ratgeber "Halsschmerzen".

Entzündungen auf der ersten Schlucketappe: Rachen und Gaumen

Rachenentzündung bei Erkältungskrankheiten: Eine Halsentzündung heißt Pharyngitis. Üblicherweise sind Erkältungen schuld. Kratzen im Hals, Halsschmerzen, Heiserkeit, Schnupfen, Mattigkeit – kein Zweifel: Erkältungsviren treiben wieder ihr Unwesen.

Es gibt zahllose davon, zum Beispiel Rhino- und bestimmte Coronaviren in der kalten Jahreszeit, Echo- und Enteroviren im Sommer.

Erwachsene fangen sich den typischen grippalen Infekt, der im Übrigen nichts mit der Grippe (Influenza) zu tun hat, etwa zwei- bis viermal im Jahr ein, Kinder öfter. Ein paar Lutschpastillen verschaffen meist Linderung, außerdem ist der Hals bald wieder frei. Wenn dem nicht so ist und das Schlucken Probleme bereitet, steckt womöglich ein Problem dahinter.

Andere Ereger: Wenn die Rachenschleimhaut sich sehr heftig entzündet und stark anschwillt, kann sich das wie ein mechanisches Hindernis auswirken und vorübergehend erhebliche Schluckbeschwerden verursachen. Mitunter sind besondere Erreger schuld, wie zum Beispiel Coxsackie A-Viren:

 Herpangina: Bei Kindern, seltener Erwachsenen, kommt zum Beispiel die Herpangina (Zahorsky-Krankheit, vesikuläre Pharyngitis) vor. Das ist eine fieberhafte Infektion der Mund- und Rachenschleimhaut mit herpesähnlichen Bläschen, die zu kleinen Geschwüren werden, sowie mit Schwellungen am Gaumen und Schluckbeschwerden. Die Erkrankung heilt in aller Regel nach einer Woche aus.

Auch Bakterien oder Pilze können manchmal Entzündungen im oberen Schlucktrakt verursachen und starke Schmerzen beim Schlucken verursachen (Odynophagie). Ein Soor, wie örtliche Infektionen der Haut und Schleimhäute mit Candida-Pilzen heißt, kann viele Ursachen haben.

Diese Pilze, von denen es verschiedene Arten gibt, leben als natürliche Mitbewohner auf der Haut, Schleimhaut und im Darm. Unter bestimmten Umständen können sie sich stärker vermehren und Infektionen auslösen, etwa nach einer Antibiotika- oder Kortison-Therapie.

Weitere Auslöser von Soor sind bestimmte Erkrankungen, die Abwehrfunktionen schwächen, beispielsweise Diabetes mellitus oder eine Aids-Erkrankung. Begünstigend sind außerdem hormonelle Veränderungen, trockene Schleimhäute (auch durch Medikamente), höheres Alter.
Symptome: Ein Mundsoor zeigt sich mit weißlichen, nicht abwischbaren Belägen und Rötungen in der Mundhöhle. Säuglinge bekommen häufig einen Mundsoor. Wenn sie zum Beispiel mit Trinkschwäche reagieren, kann das auf Schluckbeschwerden hinweisen.

Wenn Candida auf die Speiseröhre übergeht, kann das bestehende Schluckprobleme noch verstärken und das Schlucken ernsthaft behindern (mehr dazu im Kapitel "Schluckstörung – Ursachen: Speiseröhre" in diesem Beitrag). Die Entwicklung muss, wie alle ungewöhnlichen Entzündungen im Schluckbereich, ernstgenommen, abgeklärt und gezielt behandelt werden. Mundsoor kann zum Beispiel auch eine ungewöhnliche Virusentzündung der Speiseröhre, etwa durch Herpes- oder Zytomegalie-Viren, begleiten.

Mukositis: Bei einer Krebsbehandlung – Chemotherapie und Bestrahlungsbehandlung im Kopf- oder Halsbereich – kann es zu erheblichen Entzündungen und Infektionen im Mund (orale Mukositis) kommen. Begleitende Schmerzen, Schluckbehinderungen, infolgedessen gestörtes Essen und Trinken beeinträchtigen die Betroffenen oft sehr stark. Die Beschwerden halten einige Wochen an, bei einer Bestrahlungsbehandlung häufig noch länger als bei einer Chemotherapie.

Die Patienten werden rechtzeitig vorher über die typischen Nebenwirkungen ihrer Behandlung informiert und auf den richtigen Umgang damit vorbereitet. Dennoch sollten sie sich auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt in Verbindung setzen, wenn es ihnen bei der Therapie nicht gut geht und starke oder ungewöhnliche Nebenwirkungen auftreten.

Mandelabszess (Peritonsillarabzess): Eine Mandelentzündung (Tonsillitis, Angina tonsillaris) wird in erster Linie durch Keime wie Streptokokken A, Staphylokokken oder auch Hämophilus influenzae ausgelöst.

Als Komplikation kann es zur eitrigen Gewebeeinschmelzung kommen. Fachsprachlich handelt es sich dann um einen Peritonsillarabszess. Er befindet sich in der Regel innerhalb der Kapsel, welche die Mandel umgibt. Oft ist aber nicht nur die betroffene Mandel selbst, sondern auch die Umgebung stark geschwollen.

Begünstigend können eine Infektion wie das Pfeiffersche Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose), Immunstörungen, etwa im Rahmen einer bösartigen Erkrankung, oder kleinste Steinchen (Tonsillolithen) in der Mandel sein, außerdem Rauchen.

Symptome (Peritonsillarabszess): Starke einseitige Schluckbehinderung (Dysphagie auf der betroffenen Seite), möglicherweise auch eine Kieferklemme (der Mund kann dann nicht mehr oder nur unter Schmerzen geöffnet werden), erneutes Fieber (das unter der Behandlung zunächst abgeklungen, dann jedoch wieder angestiegen ist), Schüttelfrost, eventuell Atemnot. Am Unterkieferwinkel schwellen häufig Lymphknoten an.

Diagnose: Der HNO-Arzt tastet den Hals ab, leuchtet den Rachen aus und schickt gegebenenfalls eine kleine Sekretprobe zur bakteriologischen Untersuchung ins Labor. Eine Ultraschalluntersuchung, meist auch eine Computertomografie, ist angezeigt, wenn der Verdacht besteht, dass der Abszess sich weiter ausgedehnt hat oder anders gelagert ist. Zum Beispiel kann auch ein Abszess an der Rachenhinterwand (Retropharyngealabszess) vorliegen. Von vereiterten Zahnwurzeln kann mitunter ebenfalls ein Abszess im Hals ausgehen.

Therapie (im Allgemeinen der Klinik): Der Abszess wird drainiert oder gespalten und die vereiterte Mandel in der Regeln entfernt (Tonsillektomie). Zugleich behandelt der Arzt den Patienten mit Antibiotika.

Der Ratgeber "Mandelentzündung (Angina tonsillaris)" informiert Sie ausführlicher.

Aussackungen (Divertikel)

Selten wirken Divertikel (Ausstülpungen) im Rachen als mechanische Schluckbremse. Es liegen hier entweder angeborene Fehlbildungen zugrunde oder ein sogenanntes Zenker-Divertikel. Mehr dazu im Kapitel "Schluckstörung – Ursachen: Speiseröhre".

Krebs auf dem oberen Schluckweg: Mandeln, Rachen, Kehlkopf

Mitunter ist eine Krebserkrankung der Mandeln (Tonsillen-Karzinom), ein Tumor im unteren Rachen (Hypopharynx-Karzinom) oder ein Kehlkopfkrebs die Ursache einer Schluckbehinderung.

Letzterer ist der häufigste Tumor diesem Bereich, während die beiden anderen deutlich seltener vorkommen. Bei allen drei Krebserkrankungen spielen unter anderem Risikofaktoren wie erhöhter Konsum hochprozentiger Alkoholika, Rauchen, familiäre Belastung und vorausgegangene Virusinfektionen eine Rolle. Vor allem sexuell übertragene Humane Papillomviren (HPV, hier Typ 16) sind maßgeblich.

Inzwischen wird Jugendlichen im Alter von neun bis 14 Jahren eine Impfung gegen krebserregende HPV empfohlen. Denn Infektionen mit HPV fördern noch weitere Krebserkrankungen. Die Impfung soll möglichst vor dem ersten Sex stattfinden (siehe auch Informationen des Robert Koch Instituts, ganz unten).

Auch Belastungen mit Schadstoffen aus Arbeitsprozessen können relevant sein. Dieses Risiko konnte durch entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen jedoch gesenkt werden. Es erkranken jeweils mehr Männer als Frauen. Die Tumoren gehen überwiegend von den Schleimhautzellen aus. 

Erscheint zum Beispiel eine Mandel "verdächtig", überprüft der Arzt anhand einer Gewebeprobe, ob sie lediglich entzündet und dadurch vergrößert ist oder ob sich eventuell eine Geschwulst gebildet hat. Im Frühstadium sind die Überlebenschancen recht gut.

Symptome: Anhaltende Halsschmerzen mit Ausstrahlung ins Ohr können zum Beispiel auf eine Geschwulsterkrankung im Bereich der Mandeln oder unterhalb davon, im unteren Rachen (Hypopharynx), hinweisen. Man sollte bei solchen Beschwerden alsbald einen Arzt beziehungsweise HNO-Arzt aufsuchen. Das gilt umso mehr bei Schluckbeschwerden oder einer kloßigen Sprache. Auch ungewohntem Mundgeruch sollte ein Arzt nachgehen, ebenso einem Knoten (Lymphknoten) am Unterkiefer oder Hals – alles dies können selten auch einmal mögliche Symptome eines Tonsillen-Karzinoms sein.

Krebs im unteren Rachen bereitet ähnliche Beschwerden, meist aber erst in einer späteren Phase. Wenn der Tumor sich der Stimmbandebene im Kehlkopf nähert, tritt Heiserkeit auf, eventuell auch Atemnot.

Kehlkopfkrebs (Larynx-Karzinom) ist der häufigste Tumor im Hals-Bereich. Zu den Risikofaktoren siehe oben. Nach wie vor erkranken auch an diesem Krebs Männer deutlich häufiger als Frauen. Im Durchschnitt sind sie um die Mitte sechzig, wenn die Diagnose gestellt wird.

Symptome: Im frühen Stadium fehlen Beschwerden oft. Auffällig sind bei Bezug des Tumors zu den Stimmbändern – das ist die häufigste Form – Veränderungen wie neu aufgetretene Heiserkeit und ein Fremdkörpergefühl im Hals. Im fortgeschrittenen Stadium sind Schluckbeschwerden und Schluckbehinderung (Dysphagie) möglich. Wenn der Tumor unterhalb der Stimmbandebene sitzt, treten häufiger auch blutiger Auswurf und Husten auf.

! Wichtig: Bei Heiserkeit, Hals- oder Ohrenschmerzen, die keine Erklärung finden und nach drei Wochen nicht wieder abklingen, sollte immer ein HNO-Arzt den Hals untersuchen. Zu den Untersuchungsverfahren siehe Kapitel "Schluckstörung: Diagnose".

Therapie: Tumoren im Gaumen-, Rachen- und Kehlkopfbereich werden in frühen Stadien operiert, teils auch mit dem Laser (Lasermikrochirurgie), oder bestrahlt. Auch eine kombinierte Strahlentherapie und Chemotherapie im Abschluss an eine Operation oder davor gehören in fortgeschrittenen Stadien zu den Behandlungswegen. Mitunter kommen auch bestimmte Antiköerper (Biologicals) dazu. Im Einzelnen richtet sich die Therapie nach dem vorliegenden Krankheitsbild, der Lage und dem Stadium des Tumors.

Skelettprobleme im Halsbereich

Sporne an Halswirbeln: Knöcherne Sporne (Osteophyten) an der Halswirbelsäule (HWS) werden gelegentlich als Ursache von Schluckbeschwerden, seltener einer Schluckbehinderung (Dysphagie), ausgemacht. Für solche Spornbildungen gibt es zahlreiche Ursachen. Am häufigsten liegt Verschleiß vor.
Das Eagle-Syndrom beruht auf einem zu langen Zungenbeinknochen oder einem verlängerten Griffelfortsatz. Das ist ein Knochenstift am unteren Schläfenbein, innen vor dem außen tastbaren Knochenvorsprung hinter dem Ohr. Manchmal lässt sich das Syndrom auch auf verhärtetes Gewebe, zum Beispiel ein verkalktes Band in der Umgebung des Zungenbeins, zurückzuführen.

Mögliche Symptome sind einseitige Schmerzen im Hals- und Kieferbereich, eventuell Schluckbehinderung.

Die Diagnose auf HWS-Ebene stellt der Orthopäde. Wird ein Eagle-Syndrom vermutet, ist der HNO-Arzt gefragt. Eventuell wird auch ein Neurologe beziehungsweise Schmerzspezialist hinzugezogen. Die Behandlung hängt von der genauen Ursache im Einzelnen ab. Ein Eingriff ist nur selten erforderlich.
Mechanische Stabilisierung von Halswirbeln (Osteosynthese mit Schrauben, Platten, Stäben): Kann die Beweglichkeit der Halswirbelsäule einschränken und das Schlucken erschweren.

Schluckstörungen, manchmal auch Brustschmerzen, können auf eine Erkrankung der Speiseröhre hinweisen

In wellenförmigen Bewegungen transportiert die Speiseröhre (Ösophagus) die Nahrung zum Magen. Für den Durchlass am Ein- und Ausgang sorgen die beim Schlucken unwillkürlich erschlaffenden Schließmuskeln.

Wenn die verschiedenen Muskeln des "Schlauches" nicht richtig arbeiten, spricht man von einer Motilitätsstörung. Hierfür sind verschiedene Krankheiten verantwortlich, darunter die Achalasie und andere Tonusstörungen der Speiseröhrenmuskeln.

Daneben kann ein Passagehindernis in der Speiseröhre das Schlucken behindern. Zu diesen mechanischen Ursachen gehören unter anderem Aussackungen (Divertikel) und Zwerchfellbrüche.

Dabei verlagern sich Anteile des Magens durch eine Lücke im Zwerchfell nach oben. Ein Stück Magen kann dann zum Beispiel neben das untere Ende der Speiseröhre geraten (paraösophageale Hernie).

Oder es behindern Membranen, Ringbildungen, Verengungen durch Narben oder Fremdkörper den Nahrungstransport durch die Speiseröhre. 

Krankheitsbilder, die sich auf die eine oder andere Weise das Schlucken ebenfalls ungünstig beeinflussen können, sind die Rückfluss- oder Refluxkrankheit, Entzündungen und Geschwüre. Seltener spielen Krebserkrankungen der Speiseröhre selbst oder in der näheren Nachbarschaft eine Rolle (siehe auch Kapitel "Schluckstörung – Ursachen: Mittelfellraum").

Liegt eine Verbindung zwischen der Speiseöhre und den Atemwegen vor, etwa einem Bronchus, gelangt Nahrung beim Schlucken in die Luftwege. Eine solche Fistel kann als Fehlbildung angeboren sein.

Daher werden Neugeborene heute gleich nach der Geburt untersucht, um festzustellen, ob die Speiseröhre intakt ist, und sofort behandelt, wenn dem nicht so ist. Im späteren Leben können verschiedene krankhafte Veränderungen verantwortlich sein, zum Beispiel ein Tumor oder mitunter Behandlungsfolgen des Tumorleidens. Wegen der Aspirations- und Erstickungsgefahr bedarf eine solche Fistel sofort ärztlicher Hilfe.

Verkrampft, überaktiv oder zu lahm: Motilitätsstörungen der Speiseröhre

Achalasie: Auslösend sind hier Schädigungen bestimmter Nervenzellen in der Wand der Speiseröhre, die auf die Wandspannung Einfluss nehmen. Folglich entspannt sich der untere Schließmuskel beim Schlucken nicht mehr. Zudem entwickeln sich noch weitere Störungen im Bewegungsablauf. Als Ursachen werden Veranlagung, Immunvorgänge und Infektionen mit Krankheitserregern, etwa Viren, vermutet. Der Druck im Ringmuskel am Ausgang der Speiseröhre nimmt allmählich zu, und die Nahrungspassage wird zunehmend behindert. Der Muskelschlauch weitet sich und ist unbeweglich.

Symptome: Die Beschwerden entwickeln sich allmählich. Es kommt zu Schluckstörungen (Dysphagie) bis hin zur Schluckunfähigkeit. Dann kommen feste und flüssige Essenreste wieder nach oben (Regurgitation), besonders im Liegen. Manchmal finden sie sich morgens auf der Nachtwäsche wieder. Auch Speichel fließt zurück. Bei hastigen Essensversuchen und unter Stress sind die Beschwerden noch stärker. Außerdem treten oft krampfartige Brustschmerzen auf. Gewichtsverlust und chronische Reizungen der Atemwege mit Husten, auch Lungenentzündungen sind möglich, wenn Teile der Speisen beim Rückwärtsgang in die Atemwege gelangen (Aspiration).

Die Diagnose ergibt sich aus einer Röntgenuntersuchung mit "Breischluck" (Kontrastmittel), einer Druckmessung (hochauflösende Manometrie) und einer Spiegelung der Speiseröhre.

Therapiemöglichkeiten sind die mechanische Erweiterung des verkrampften Ringmuskels (pneumatische Dilatation) oder eine Spaltung (Myotomie) von Muskelfasern in der Speiseröhre. Das kann über eine Bauchspiegelung (laparoskopisch) oder mithilfe eines Endoskops geschehen. Auch wiederholtes Einspritzen von Botulinumtoxin (BTX) bei Endoskopien kann helfen, doch die Wirkung ist nur von kurzer Dauer.
• Motilitätsstörungen, unter anderem Speiseröhrenspasmus: Eine spastische Speiseröhre weist wiederholte, teils spontane Muskelkontraktionen (Verkrampfungen) auf, die aber keine Transportwellen auslösen. Dadurch wird das Schlucken unterbrochen. Die genauen Ursachen sind jeweils unbekannt. Die Spasmen können durch Reize wie in die Speiseröhre zurückfließende Magensäure, sehr kalte oder heiße Speisen ausgelöst werden.

Manchmal baut die Speiseröhre beim Schlucken langstreckig so hohe Druckwellen auf, dass sie sich mehrfach einschnürt ("Korkenzieher-Speiseröhre"). Das es sich dann schlecht schlucken lässt, ist nachvollziehbar. Eine Druckerhöhung vor allem im unteren Drittel der Speiseröhren kann das Bild eines sogenannten "Nussknacker-Ösophagus" ergeben. Motilitätsstörungen können mit einer Achalasie verbunden sein.

Symptome: Leitsymptome sind jeweils deutliche Schmerzen im Brustbereich beim Schlucken und wiederholte Schluckstörungen (Dysphagie). Dabei können feste wie flüssige Speisen nicht heruntergeschluckt werden.

Bei der Diagnosestellung schließt der Arzt wegen der Brustbeschwerden zunächst eine Herz-, Lungen- oder Gefäßerkrankung als Ursache aus und untersucht dann die Speiseröhren (siehe oben, Achalasie, ebenso zur Therapie).

Zu wenig Druck und nicht effektvoll: Mitunter baut die Speiseröhre zu wenig Druck auf und arbeitet teilweise ineffektiv (Hypomotilität). Auch dies kann Schluckstörungen nach sich ziehen. Häufiger leiden Betroffene zugleich an einer Rückflusskrankheit. Eine Behandlung mit säurehemmenden Medikamenten, angepasste Ernährungs- und Lebensweise können die Beschwerden hier lindern helfen. Was zu tun ist, wenn dem Krankheitsbild eine Bindegewebserkrankung wie die progressive systemische Sklerose zugrunde liegt, lesen Sie nachfolgend.

Eine andere Erkrankung ist die Ursache: Die Funktionen der Speiseröhre leiden mitunter auch unter einer anderen Erkrankung, es liegt dann eine sekundäre Motilitätsstörung vor. Beispiele sind Systemkrankheiten wie die Amyloidose (eine spezielle Eiweißspeicherkrankheit), Bindegewebserkrankungen wie die systemische Sklerose (auch Sklerodermie, siehe auch im Kapitel "Schluckstörung – Ursachen: Gehirn, Nerven, Muskeln"), Nervenschädigungen (Neuropathien) durch Diabetes und Alkohol oder auch die in Mittel- und Südamerika verbreitete Chagas-Krankheit. Letztere ist eine Infektion mit dem Parasiten Trypanosoma cruzi, bei der im chronischen Stadium Nerven in den Verdauungswegen geschädigt werden.
Beispiel: Systemische Sklerose: Bei der Autoimmunerkrankung vermehrt sich das Bindegewebe in der Haut, inneren Organen, Nerven und Gefäßen. Genetische Faktoren spielen eine Rolle. Frauen erkranken sieben- bis zwölfmal häufiger als Männer, meist im Alter von 40 oder 50 Jahren. Es gibt unterschiedliche Verlaufsformen.

Leitsymptome bei voll ausgeprägtem Krankheitsbild: In der Frühphase treten verbreitet Schwellungen am ganzen Körper auf. Es kommt dann zu zunehmenden Verhärtungen der Haut (Sklerosierung) an den Fingern, die allmählich in eine Beugestellung geraten können (Beugekontrakturen). Typisch sind wiederholte schmerzhafte Anfälle mit minutenlangem Weißwerden mehrerer Finger (nicht der Daumen) und anschließend bläulicher, dann rötlicher Verfärbung, wenn das Blut wieder fließt (sogenanntes sekundäres Raynaud-Phänomen). 

Über Finger- (und Zehen-)Gelenken können sich kleine Hautgeschwüre bilden. Die Gesichtshaut verhärtet sich ebenfalls, woraufhin der Mund sich verkleinert (Ergebnis: eine Art mimische Starre). Die Wand der Speiseröhre versteift, und die unteren zwei Drittel des "Schlauches" weiten sich. Folgen hier: Schluckstörungen und Rückflussbeschwerden.

Diagnose: Sie kann sich klinisch anhand von Anzeichen wie zuvor beschrieben ergeben. Bei Dysphagie ist eine Speiseröhrendiagnostik angezeigt. Eine Kapillarmikroskopie lässt de Zustand kleiner Gefäße am Nagelfalz (Finger, Zehen) erkennen. Laborwerte, vor allem der Nachweis verschiedener Autoantikörper, bestätigt die Diagnose. Weitere Befunde je nach Organbefall.

Therapie: Die Behandlung hängt von der Verlaufsform ab, zielt auf die verschiedenen Teilbeschwerden, zum Beispiel mit Dehnübungen, physikalischer Therapie, guter Hautpflege und Wärmeschutz für Hände und Füße. Bei tendenziell ausgeprägter Form mit Schwellungen kurzfristig Kortison, bei schwerem Verlauf andere immununterdrückende Medikamente, im äußersten Fall eventuell Stammzell-Eigentransplantation (spezialisiertes Zentrum).

Mechanische Hindernisse in der Speiseröhre

Membranen, Ringbildungen, Verengungen: Manchmal finden sich in der Speiseröhre Membranen oder Ringbildungen. Die feinen, tuchartigen Membranen enthalten nur Schleimhaut und ihre dünne Unterlage. Letztere entsprechen einem ringartigen Wall der Speiseröhrenwand, enthalten also auch Muskelgewebe.

Die Veränderungen scheinen mit dem Alter zuzunehmen. Je nach Ursache und Ausprägung sind sie symptomlos. Wenn die Speiseröhre aber eingeengt wird, behindert das die Passage der Nahrung, und es treten Schluckstörungen auf.

Die Ursachen sind nur teilweise bekannt. Diskutiert werden im Hinblick auf die netzartigen Membranen zum Beispiel entzündliche Störungen des Immunsystems, eventuell auch ausgeprägter Eisenmangel mit Blutarmut wie beim sogenannten Plummer-Vinson-Syndrom.

Dabei kommt es mitunter außer den Dysphagie-Beschwerden, die meist nur von festen Speisen hervorgerufen werden, zu Zungenbrennen, Müdigkeit, Atemnot, rissigen Mundwinkeln und Schwächegefühl.

Ein sogenannter Schatzki-Ring ist eine ringförmige Verengung am unteren Ende der Speiseröhre. Er besteht aus Schleimhaut, kann angeboren sein oder im Zuge eines Gleitbruchs des Magens oder der Rückflusskrankheit auftreten (siehe jeweils weiter unten).

Bei der eosinophilen Ösophagitis ist die Speiseröhre chronisch entzündet. Diesen Zustand "schüren" vemutlich Allergien. Anzeichen dafür sind vermehrt anwesende Immunzellen (Eosinophilie) in Gewebeproben. Unter der Schleimhaut der Speiseröhre nimmt Bindegewebe zu. Die Speiseröhre kann sich dann verengen oder Ringbildungen aufweisen.

Mögliche Symptome: Dysphagie. Ein Teil der Betroffenen neigt zu Allergien, beispielsweise Nahrungsmittelallergien. Sodbrennen, das auf eine säurehemmende Therapie mit sogenannten Protonenpumpenhemmern meist nicht anspricht, gehört ebenfalls zu den Beschwerden.

Diagnose (allgemein): Nach dem Arztgespräch und der körperlichen Untersuchung führen in der Regel die schon mehrmals in diesem Beitrag genannten  Verfahren zur Diagnose: Röntgenuntersuchungen, eine Spiegelung (Endoskopie) der Speiseröhre. Ergibt sich ein krankhafter Befund oder sind grundsätzlich Verlaufskontrollen angebracht, entnimmt der Arzt bei der Spiegelung auch Gewebeproben zur mikroskopischen Untersuchung. Bei Bedarf kommen Druck- oder Säurerückfluss-Messungen hinzu, je nach Verdachtsdiagnose verschiedene Laboranalysen, gegebenenfalls auch Allergietests (siehe auch Kapitel "Schluckstörung: Diagnose").

Die Therapie richtet sich nach der Diagnose. Eine Allergie behandelt der Arzt je nach Art gesondert, wobei die Diagnose langwierig sein kann. Wichtig hier unter anderem: Auslöser der Allergie (Allergene) meiden, qualifizierte Angebote zur Ernährungsberatung nutzen.

Schleimhautringe kann der Arzt unter bestimmten Voraussetzungen endoskopisch aufdehnen. Muskelringe, die Beschwerden machen, erfordern gegebenenfalls eine spezielle Vorgehensweise. Eine Blutarmut bedarf zunächst der weiteren Diagnostik, falls die Blutungsquelle nicht in der Speiseröhre zu finden ist.

Divertikel: Das sind selten vorkommende Aussackungen an Schwachstellen in der Wand eines Hohlorgans. Das sogenannte Zenker-Divertikel bildet sich an der Rachenhinterwand am Übergang zur Speiseröhre. Andere Arten von Divertikeln liegen in der mittleren und unteren Speiseröhre, oberhalb des Schließmuskels. Sie sind aber meistens symptomlos.

Ursächlich spielt  eine Rolle, dass sich der Ringmuskel beim Schlucken nicht genug entspannt, sodass der Verschlussdruck zu hoch ist. Das begünstigt die Aussackung. Probleme machen vor allem die oben liegenden Divertikel. Betroffen sind häufiger ältere Männer.

Ab einer bestimmten Größe der Aussackung gelangt die Nahrung fast nur noch in diese Sackgasse. Das Zenker-Divertikel wird dann noch größer, engt die Speiseröhre schließlich ein und führt zu Schluckstörungen. Es gibt noch andere Arten von Aussackungen an der Speiseröhre, .

Symptome (Zenker-Divertikel): Schluckstörungen sind ein Leitsymptom. Verdächtig ist auch ein gurgelndes Geräusch beim Trinken. Speisereste können Stunden nach der Nahrungsaufnahme im Liegen wieder hochkommen.

Häufig entsteht übler Mundgeruch, und es wird über ein Rauigkeits-, Kloß- und Fremdkörpergefühl oder Schmerzen im Hals geklagt. Da die Nahrungsaufnahme nicht mehr richtig klappt – und auch wegen der anderen unangenehmen Begleiterscheinungen – essen die Betroffenen kaum noch. Natürlich verlieren sie dann auch erheblich an Gewicht.

Therapie: Nach der Sicherung der Diagnose durch eine Röntgenkontrastuntersuchung mit wasserlöslichem Kontrastmittel ist entweder eine operative Abtragung möglich oder ein endoskopischer Eingriff (Mukomyotomie), bei dem Schleimhaut und Muskelgewebe am Divertikel eingeschnitten werden.

• Fremdkörper: Kleinkinder stecken sich gerne Münzen, Murmeln, Perlen oder Spielzeugteile in den Mund, leider manchmal auch unbemerkt. Falls das Objekt verschluckt wird, muss auch das sich nicht bemerkbar machen. Sehr kleine Teile wandern nämlich oft problemlos durch den Verdauungstrakt.

Ein Anzeichen dafür, dass etwas in der Speiseröhre stecken geblieben ist, kann sein, dass das Kind plötzlich die Nahrung verweigert. Es kann aber auch stark husten und Würgreiz haben, erbrechen und Schmerzen zu erkennen geben. Erstickungsgefahr besteht, wenn der Gegenstand in die Luftwege gelangt und / oder zu einer Verletzung geführt hat.

Beim geringsten Verdacht auf eine Gefährdung sofort den Notarzt rufen und im Notfall Erste Hilfe leisten. Mehr unter "Erste Hilfe bei Kindern" auf unserem Partnerportal https://www.baby-und-familie.de

Auch ältere Menschen verschlucken sich mitunter leicht. Etwa wenn eine Zahnprothese nicht richtig sitzt, das Gebiss schlecht saniert ist oder die Zähne gänzlich fehlen. Meistens bleibt der "Bolus", zum Beispiel ein Fleischbrocken, im oberen Bereich der Speiseröhre stecken.

Anhaltspunkte sind plötzliche Schluckbeschwerden (Dysphagie) und Schmerzen hinter dem Brustbein. Eventuell gelingt es durch Auslösen von Würgen und Erbrechen, den Bissen herauszubefördern. Andernfalls muss der Arzt mit dem Endoskop nachhelfen. Bei Atemnot und Erstickungsgefahr (Aspiration) muss der Notarzt alarmiert und bis zu seinem Eintreffen Erste Hilfe geleistet werden.

• Verengungen durch Narben (Fachbegriffe: Stenose, Striktur): Nach Entzündungen und Geschwüren der Speiseröhre (siehe unten) können Narben zurückbleiben und die Speiseröhre verengen. Darauf weisen dann Symptome wie eine neu aufgetretene oder trotz Behandlung der Entzündung nicht wirklich abgeklungene Schluckstörung (Dysphagie) mit behinderter Nahrungspassage hin.

Beispiele für Erkrankungen, die mit Entzündungen und Geschwüren in der Speiseröhre und später mit Verengung durch Narben verbunden sein können, sind die Rückflusskrankheit (gastroösophageale Refluxkrankheit) und die Crohn-Krankheit. Letztere ist eine chronische Entzündung des Verdauungstrakts – abschnittsweise vom Mund bis zum Darmausgang. Dementsprechend stehen Darmbeschwerden häufig im Vordergrund.

Die Rückflusskrankheit wiederum beruht meist auf einem undichten unteren Schießmuskel der Speiseröhreund damit verbunden Rückfluss der aggressiven Magensäure in die Speiseröhre. Deutliches Übergewicht und andere Faktoren wie zu große Essensportionen, erhöhter Kaffee- und Alkoholgenuss begünstigen das Problem. Ein oft angeschuldigter Gleitbruch des Magens (siehe unten) spielt dagegen eine geringe Rolle.

Leitsymptome sind zunächst Sodbrennen – Schmerzen oder Brennen hinter dem Brustbein –, ständiges Räuspern und saures Aufstoßen. Manche Betroffenen neigen im Zusammenhang mit Reizungen am Kehlkopf dazu, sich hier und da zu verschlucken. Es kommt aber auch oft zu "untypischen" Beschwerden wie Husten, Asthma, Heiserkeit. Falls sich später die Schleimhaut durch die Entzündung nachhaltig verändert hat (sogenannter Barrett-Ösophagus), können die Beschwerden nachlassen. Wenn Narben die Speiseröhre verengen, kann es allerdings zu Schluckbeschwerden kommen. Außerdem ist das Risiko für Speiseröhrenkrebs (Adenokarzinom) bei einem Barrett-Ösophagus erhöht.

Therapie: Behandlung der Wahl ist eine säurehemmende Therapie mit sogenannten Protonenpumpenhemmern. Absolut wichtig ist auch eine Umstellung der Lebens- und Ernährungsweise (Tipps nachfolgend). Manchmal kommt ein operativer oder laparoskopischer Eingriff infrage, eine sogenannte Fundoplicatio.

Dabei schlägt der Operateur einen Teil des muskulösen Wand des oberen Magens um die untere Speiseröhre und vernäht die entstandene Manschette. Die ankommenden Speisen gelangen zwar in den Magen, füllen dabei auch die Manschette. Das Muskelgewebe spannt sich an und dichtet so den Mageneingang ab.

! Wichtig: Bei chronischer Rückflusskrankheit beziehungsweise Barrett-Ösophagus muss die Speiseröhre in bestimmten Abständen intensiv endoskopisch und anhand von Gewebeproben kontrolliert werden. Falls auffällige Zellveränderungen auftreten, gibt es Verfahren, um die veränderten Schleimhautbereiche zu entfernen: endoskopisch (sogenannte Mukosaresektion) oder durch Veröden mit hochfrequentem elektrischem Strom (Hochfrequenzablation).

! Tipps: Einiges kann man auch selbst tun, um Rückflussbeschwerden zu bessern. Dazu gehört unter anderem, Alkohol, Rauchen, Kaffee, Schokolade, saure Früchte, Tomaten und kohlensäurehaltige Getränke zu meiden und sich bekömmlich zu ernähren. Ein abendlicher Verdauungsspaziergang und eine Schlafposition mit leicht erhöhtem Oberkörper lenken die Speisen und Verdauungssäfte in die richtige Richtung.

Magenbrüche (gastroösophageale Hernien)

Eine Hernie ist ein Eingeweidebruch. Im Hinblick auf Schluckstörungen sind Formen bedeutsam, bei denen sich Magenteile durch den erweiterten Durchtritt am Zwerchfell neben das Ende der Speiseröhre in den Brustraum verlagern. Ärzte sprechen dann von paraösophagealen Hernien.

Der Mageneingang bleibt an Ort und Stelle. Im Extremfall kann jedoch der ganze Magen hochrutschen (engl. "upside-down-stomach"). Als seltene Komplikation kann Magenschleimhaut abgeschnürt und mehr oder weniger geschädigt werden. Dann sind akute oder chronische Blutungen mit Blutarmut möglich.

Bei einer anderen Form, der Gleithernie, verschiebt sich der Magen nebst Mageneingang senkrecht (axial) durch die Zwerchfellöffnung etwas nach oben. Dies kommt in leichter Form bei vielen Menschen vor und ist meist harmlos. In ausgeprägten Fällen kann ein einengender "Schatzki-Ring" entstehen (siehe Abschnitt "Membranen, Ringbildungen, Verengungen" weiter oben). Feste Nahrung kann im Extremfall vor Ort liegen bleiben und die Passage blockieren.

Symptome (paraösophageale Hernien): Häufig sind die Betroffenen zunächst beschwerdefrei. In anderen, unkomplizierten Fällen verspüren sie ein Völle- und Druckgefühl im Oberbauch oder in der Herzgegend, meist nach dem Essen. Auch ständiges Aufstoßen ist ein lästiger Begleiter. Ist der Bruch ausgeprägt, eventuell mit Schädigung der Schleimhaut und Geschwürsbildung, treten häufig Übelkeit und Erbrechen nach dem Essen, und Schluckbeschwerden auf.

Die Diagnose leitet sich aus den Beschwerden und einer Magenspiegelung ab. Diese dient auch dazu, ein Geschwür oder andere krankhafte Veränderungen auszuschließen oder einen steckengebliebenen Happen, in der Medizinersprache ein "Bolus", dingfest zu machen und eventuell in den Magen vorzuschieben. Stellt sich ein Bruch dar, wird er anhand einer Kontrastmittel-Röntgenuntersuchung in Kopftieflage mit Bauchpressmanöver dokumentiert.

Therapie: Rückflussbeschwerden können auf eine säurehemmende Behandlung ansprechen. Eine paraösophageale Hernie wird meist operiert, insbesondere, wenn sie zu deutlichen Beschwerden oder Komplikationen geführt hat.

Andere Erkrankungen der Speiseröhre, die Schluckbeschwerden verursachen können: Entzündungen, Geschwüre, Krebs

Entzündungen und Geschwüre: Entzündetes Gewebe schwillt an. Das gilt auch für die Schleimhaut – etwa im Mund, Schluck- und Verdauungstrakt. Eine Entzündung der Speiseröhre heißt Ösophagitis. Die geschwollene Schleimhaut kann das Transportorgan einengen und beim Schlucken hinderlich sein.

Je nach Umstand kann eine Entzündung der Speiseröhre weniger oder mehr problembehaftet sein. Die häufigste Entzündungsursache ist der Rückfluss von Magensäure (Refluxösophagitis). Andere Ursachen kommen seltener vor. Hauptsymptome: Schluckstörungen mit oder ohne Schmerzen, Brennen hinter dem Brustbein.

- Chemikalien, mechanische Einflüsse: Laugen oder Säuren, zum Beispiel Haushaltsreiniger, können zu schweren Verätzungen, Geschwüren und später narbigen Verengungen führen. Gefährdet sind vor allem Kinder. Ähnliche Schäden kann unter Umständen eine Magensonde bewirken.
Symptome bei Verätzung: Starke, brennende Schmerzen hinter dem Brustbein und im gesamten Schluckbereich, Übelkeit, Atemnot durch Anschwellen des Kehlkopfes, vermehrte Speichelbildung. Es kann zum Kreislaufschock kommen.
Erste Hilfe: Falls der Betroffene ansprechbar ist, Wasser in kleinen Schlucken geben. Erbrechen vermeiden. Sofort den Notarzt rufen (Tel. Rettungsdienst: 112).

- Medikamente, Alkohol: Bekanntlich können bestimmte Rheumamittel (sogenannte nicht steroidale Entzündungshemmer oder Antirheumatika), Bisphosphonate, Tetrazykline, Eisenpräparate, Kaliumchlorid die Schleimhaut der Speiseröhre reizen oder mehr noch zu einer Entzündung oder einem Geschwür führen. Auch Alkohol reizt die Schleimhäute.

! Wichtig bei Behandlungen mit Medikamenten: Halten Sie die Einnahmevorschriften genau ein und informieren Sie bei Beschwerden (siehe unten) frühzeitig den Arzt.

- Strahlenösophagitis: Die Speiseröhre kann sich auch im Rahmen einer Bestrahlung entzünden. Ob es tatsächlich zu einer Strahlenösophagitis kommt, hängt von mehreren Faktoren ab, darunter der Strahlendosis, der Art der Bestrahlung und dem Bestrahlungsfeld.

Zudem können einige Medikamente, die gegen Krebs eingesetzt werden, wie zum Beispiel Doxorubicin, Cyclophophamid oder Cisplatin, die Strahlenempfindlichkeit erhöhen. Die Ärzte sind jedoch bestrebt, das Risiko so gering wie möglich zu halten.
Symptome hier: Im Zusammenhang mit der Bestrahlung können zunächst eine hartnäckige Dysphagie und brennende Schmerzen hinter dem Brustbein auftreten. Die Beschwerden klingen aber nach der Bestrahlung allmählich wieder ab. Später entwickelt sich möglicherweise ein chronisches Geschwür. Auch kann das Bewegungsspiel der Speiseröhre eingeschränkt oder diese eingeengt sein, sodass die Schluckstörung erneut auftritt.

- Speiseröhrenentzündung durch Infektionserreger: Viren vom Typ Herpes simplex, Epstein Barr, Zytomegalie, sodann Bakterien und Pilze (wie Candida) sind eher seltene Ursachen von Speiseröhrenentzündungen. Begünstigend kann eine Immunschwäche sein. Dazu kann es zum Beispiel im Rahmen einer HIV-Infektion/Aids-Erkrankung, sodann bei Diabetes mellitus oder unter der Behandlung mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, kommen (siehe auch Kapitel "Schluckstörung – Ursachen: Hindernisse im Hals").

- Weitere Entzündungsformen an der Speiseröhre: Ebenfalls selten diagnostiziert der Arzt eine sogenannte eosinophile Ösophagitis (siehe oben, Abschnitt: "Membranen, Ringbildungen, Verengungen"). Zu Entzündungen im Rahmen der Crohn- und der Rückflusskrankheit finden Sie ebenfalls weiter oben Informationen.

Symptome bei Ösophagitis allgemein: Im Vordergrund stehen Schmerzen beim Schlucken (Odynophagie), Brennen oder krampfartige Schmerzen hinter dem Brustbein oder Schluckbeschwerden ohne Schmerzen (Dysphagie). Es kann auch zu Aufstoßen, Schluckauf und Mundgeruch kommen. Bei Candida-Ösophagitis finden sich oft auch weißliche Beläge auf der Zunge, Mund- und Rachenschleimhaut. Auf eine virusbedingte Entzündung können Aphthen und kleine Geschwüre im Mund hinweisen. Begleitbeschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Fieber oder Blutverluste über den Magen-Darm-Trakt sind je nach zugrundeliegender Erkrankung und Ausprägung der Entzündung ebenfalls möglich.

Wegweisend für die Diagnose sind die Beschwerden und körperlichen Befunde, endoskopische Untersuchungen, mikrobiologische Tests, Blutanalysen und Gewebeproben. Die Therapie richtet sich nach der Ursache.

Speiseröhrenkrebs: Nicht zuletzt ist eine Dysphagie auch ein mögliches Leitsymptom bei Speiseröhrenkrebs. Mehrheitlich handelt es sich dabei um sogenannte Adeno- und Plattenepithel-Karzinome der Schleimhaut. Krebs am Übergang von der Speiseröhre zum Magen, das Kardia-Karzinom, wird zu den Adenokarzinomen gerechnet.

Diese Krebsform ist an der Speiseröhre inzwischen die häufigste. Sie geht von den Drüsenzellen der Schleimhaut aus, während Plattenepithel-Karzinome das "Flächengewebe" der Schleimhaut, das Epithel, betreffen.

Männer erkranken häufiger als Frauen an Speiseröhrenkrebs. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt etwa bei 60 und 70 Jahren. Hauptrisikofaktor für das Adenokarzinom ist die Rückflusskrankheit beziehungsweise der dabei mögliche Umbau der Schleimhaut hin zu einem Barrett-Ösophagus (siehe oben). Beim Plattenepithel-Karzinom der Speiseröhre spielen als Risikofaktoren hauptsächlich Konsum von konzentriertem Alkohol und Nikotin eine Rolle, aber zum Beispiel auch Pilzgifte (Aflatoxine).

Weitere Risikofaktoren für Speiseröhrenkrebs sind das eher seltene Plummer-Vinson-Syndrom (siehe oben: Abschnitt "Membranen, Ringbildungen, Verengungen"), frühere Bestrahlungsbehandlungen, Narben nach Verätzungen, außerdem die Achalasie (siehe weiter oben, Abschnitt "Verkrampft, überaktiv oder zu lahm: Motilitätsstörungen der Speiseröhre").

! Wichtig: Wer in dieser Richtung vorbelastet ist, sollte die Speiseröhre unbedingt regelmäßig vom Arzt endoskopisch überwachen lassen. Bei neu aufgetretener Dysphagie immer untersuchen lassen.

Symptome, die auf eine Krebserkrankung der Speiseröhre hinweisen können, treten erst im fortgeschrittenen Stadium auf. So kann es zu relativ rasch zunehmender Schluckbehinderung kommen, zunächst bei fester Nahrung. Später macht auch Flüssiges Probleme. Das Schlucken kann schmerzhaft sein, oder es bestehen andauernd Schmerzen und ein Gefühl des Brennens hinter dem Brustbein. Eventuell stellt sich Heiserkeit ein. Die Betroffenen nehmen auch an Gewicht ab.

Über das Krankheitsbild, Diagnose und Therapie informiert Sie der Beitrag "Speiseröhrenkrebs" genauer.

Der mittlere Brustraum, das Mediastinum, liegt zwischen den beiden Lungenflügeln. Die hintere Begrenzung bildet die Wirbelsäule. Nach vorne wird das Mediastinum vom Brustbein abgeschlossen, nach unten vom Zwerchfell.

Im hinteren Bereich liegt die Speiseröhre. Ihre Nachbarn sind unter anderem die Brustaorta (die Aorta ist die Körperhauptschlagader, hier geht es um den im Brustkorb abwärts verlaufenden Teil), Lymphknoten und Gefäße. Das Herz und die Luftröhre finden sich weiter vorne.

Verschiedene krankhafte Veränderungen in diesem Gebiet können die Speiseröhre bedrängen und das Schlucken behindern. Weitere Symptome wie Husten stehen hier oft im Vordergrund.

Zysten, Schwellungen, Geschwülste

Relativ häufig finden sich im Mittelfellraum Zysten. Das sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume. Sie können sich zum Beispiel im Bereich der Luftwege (Bronchien, Einzahl: Bronchus), am Herzbeutel (Perikard) oder Lungenfell (Pleura) bilden. Zysten sind prinzipiell gutartige Gebilde. Selten verändern sie sich und nehmen einen bösartigen Charakter an.

Symptome: Wenn Zysten auf die Speiseröhre drücken, können sie das Schlucken beeinträchtigen (Dysphagie). Weitere Beschwerden hängen davon ab, welches Organ sonst noch betroffen ist.

Manchmal sind entzündliche Gewebeveränderungen oder Schwellungen von Lymphknoten im mittleren Brustfellraum an einer Dysphagie schuld. Die Lymphknoten können zum Beispiel auf eine Entzündung reagieren oder selbst erkranken. Sie vergrößern sich dann jeweils.

Letzteres kommt unter anderem bei einer Sarkoidose vor. Das ist eine gutartige Systemerkrankung unklarer Ursache mit Knötchenbildungen (Granulomen) in verschiedenen Organen, zum Beispiel in der Haut, in den Lungen und Lymphknoten.

Auch die bei uns eher seltene Tuberkulose kann der Grund dafür sein, dass Lymphknoten im mittleren Brustfellraum anschwellen und Nachbarorgane behindern.

Bei verschiedenen Pilzerkrankungen (Mykosen), zum Beispiel einer Histoplasmose, ist das ebenfalls möglich. Mykosen treten allerdings selten auf, am ehesten bei einer Immunschwäche. Es kann dabei zu sehr großen "Lymphknotenpaketen", selten auch zu einer lebensbedrohlichen krankhaften Verbindung (Fistel) zwischen Luftwegen und Speiseröhre mit Aspirationsgefahr kommen. Das heißt, dass Speisen leicht in die Luftwege gelangen und so Erstickungsanfälle oder Lungenentzündungen auslösen können.

Weitere mögliche Symptome hängen immer von der Grunderkrankung ab. Als Allgemeinsymptome können jeweils Fieber, Gewichtsverlust, Lymphknotenschwellungen, Muskel- und Gelenkschmerzen, manchmal auch Nachtschweiß auftreten.

Einige gutartige Geschwülste im mittleren Brustfellraum bereiten kaum Beschwerden und werden daher als Zufallsbefund entdeckt. Andere verursachen ganz spezielle Symptome, die zum Beispiel auf Hormonwirkungen zurückzuführen sind (siehe nachfolgend).

Bösartige Tumoren können sich in Zellen bilden, die zum Nervensystem gehören, sogenannte neurogene Tumoren. Oder es entstehen Lymphgeschwülste (Lymphome). Außerdem kommen maligne Fettgewebsgeschwülste (Liposarkome) und andere Sarkome vor. Manchmal finden sich Tochtergeschwülste, die von einem Krebs an anderer Körperstelle ausgehen.

Symptome: Manche Tumoren im Mediastinum bilden Hormone und können dann spezielle Auswirkungen haben. So kann es zum Beispiel zu Unterzuckerungen kommen. Oder es entwickelt sich ein hartnäckiger, manchmal attackenartiger Bluthochdruck (bei einem sogenannten Phäochromozytom; siehe unter "Bluthochdruck, Kapitel Diagnose, Hormoneller Hochdruck, Phäochromozytom"). Auch eine Myasthenia gravis (siehe dazu im Kapitel "Schluckstörung – Ursachen: Gehirn, Nerven, Muskeln") kann als Ursache infrage kommen.

Ansonsten hängen die Beschwerden von der Art und Lage der Geschwulst ab. Beispielsweise sind neben einer Schluckstörung (Dysphagie) Brustschmerzen, Fieber, Husten, Atemnot, Heiserkeit, eine sogenannte obere Einflussstauung (siehe unter "Schwellung am Hals, Kapitel Venenstauung") möglich. Hat ein Tumor im hinteren Mittelfellraum Kontakt zu Rückenmarksnerven, kann er neurologische Beschwerden bis hin zu Lähmungen verursachen.

Zur Diagnose verhelfen neben Blutuntersuchungen auch Röntgenaufnahmen der Speiseröhre mit Kontrastmittel, je nach Krankheitsverdacht außerdem eine Ultraschalluntersuchung mittels Endoskop (endoluminale Sonografie der Speiseröhre), eine Computertomografie (CT), eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder szintigrafische Abbildungstechniken der Organe im Brustraum / Mittelfellraum bis hin zur Wirbelsäule.

Es kann auch nötig sein, Gewebeproben zu gewinnen, um sie unter dem Mikroskop zu untersuchen. Dazu dienen spezielle Techniken wie Punktion eines vergrößerten Lymphknotens durch die Speiseröhre oder einen Bronchus, eine Endoskopie des Mediastinums (Mediastinoskopie), die als minimal invasive Operation in Narkose schon eingreifender ist, oder eine offene Operation. Sie ist beispielsweise notwendig, wenn eine größere Menge Gewebe benötigt wird.

Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung.

Erkrankungen der Schilddrüse

Vergrößerte Schilddrüse – Kropf: Der Mittelfellraum hat auch ein "Oben" und "Unten". Ganz vorne und oben liegt zum Beispiel die Schilddrüse. Auch sie kann hinter einer Schluckbehinderung stecken. Bei etwa jedem Zehnten in Deutschland ist die Drüse vergrößert, es liegt ein Kropf vor. Regional kann die Erkrankungsfrequenz deutlich höher sein. Zudem sind Frauen häufiger betroffen als Männer.
Symptome: Macht der Kropf, den Mediziner Struma nennen, mechanisch Beschwerden, so entspricht das oft einem Kloß- oder Engegefühl im Hals, eventuell auch Schluckbeschwerden und Halsschmerzen. Ist der Kropf übergroß, kann er die Luft- und Speiseröhre sowie Halsgefäße einengen. Dann kommt es zu Atemnot, Dysphagie und verdickten, gestauten Halsvenen.

Schilddrüsenkrebs: Die Erkrankung ist selten. Dabei entwickelt sich meistens ein bösartiger Knoten oder Bereich in der Schilddrüse. Er fühlt sich derb an und kann mit der Haut darüber verwachsen sein. Dann lässt sich das Areal beim Betasten kaum verschieben.
Symptome: Zu Dysphagie kann es kommen, wenn die Geschwulst fortgeschritten ist und die Speiseröhre einengt. Mögliche weitere Symptome ähneln teilweise denjenigen beim Kropf (siehe oben). Die Schmerzen am Hals können auch in die Ohren, in den Nacken und in die Schulter, in den Arm oder Brustkorb ausstrahlen. Zudem kann ein Augenlid herabhängen und die Pupille auf derselben Seite verengt sein.

Manchmal entsteht auch der Eindruck, dass der Augapfel in die Augenhöhle zurückgewichen ist. Wenn der Stimmbandnerv bedrängt wird, kommt es zu Heiserkeit. Atemnot und/oder eine ziehende, laute Atmung können bedeuten, dass der Tumor auf die Luftröhre drückt. Möglicherweise sind Lymphknoten in der Umgebung vergrößert.

Mehr dazu unter Schilddrüsenkrebs.

Schluckstörung ja, Ernährung ok: Was kann es sein?

Manche Menschen, sehr häufig sind es Frauen, haben zeitweise oder beständig ein Druck- oder Fremdkörpergefühl im Hals. Das "Leerschlucken", manchmal auch die Passage von Speichel, und sogar das Atmen, erscheinen erschwert oder schmerzhaft. Viele Betroffene müssen sich ständig räuspern. Mit der Ernährung haben sie aber keine Probleme.

Der Fremdkörper, der keiner ist – das "Phantom" oder der Kloß – heißt bei Medizinern "Globus" (nicht zu verwechseln mit "Bolus", einem Bissen, der tatsächlich den Schlucktrakt plötzlich blockiert).

Psychische Schluckstörung: Ausschlussdiagnose

Liegt ein Globusgefühl vor, gilt es zunächst, organische Veränderungen auszuschließen, etwa einen nach innen gewachsenen, äußerlich nicht sichtbaren Kropf, eine Rückflusskrankheit, die ganz ähnliche Beschwerden machen kann, oder gar ein "Fremdkörper" in der Speiseröhre. Einige der körperlichen Ursachen werden in diesem Beitrag angesprochen.

Auch an seltene Zusammenhänge wie ein Eagle-Syndrom (siehe Kapitel "Schluckstörung: Ursachen: Hindernisse im Hals" in diesem Beitrag) wird der Arzt denken. Wenn er relevante Anhaltspunkte für eine Schluckstörung hat, wird er sie durch eine gezielte Diagnostik ausschließen. Das kann zum Beispiel eine Druck- oder Säurerückfluss-Messung in der Speiseröhre, eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse oder eine spezielle Schluckuntersuchung sein (mehr dazu im Kapitel "Schluckstörung: Diagnose").

Als mögliche psychische Reaktion auf starke Stressbelastungen stehen die Chancen gut, dass die Störung vergeht, wenn der Stress vorbei ist. Manchmal will das Globusgefühl allerdings nicht weichen und kann Ausdruck einer Depression sein, die sich überwiegend in körperlichen Symptomen äußert (Somatisierung oder somatoform; gr. "soma" bedeutet Körper, Leib). Falls das lästige Symptom ohne erkennbare Ursache sich festzusetzen scheint, kann ein Gespräch bei einem Psychotherapeuten weiterhelfen, vielleicht auch eine Therapie in dieser Richtung.

Teamwork Schlucktherapie

Die Schlucktherapie ist ein Spezialgebiet, auf dem Ärzte, Sprachtherapeuten (Logopäden), Ernährungstherapeuten und Fachpflegepersonal eng zusammenarbeiten. Im Idealfall sollte die Therapie dazu verhelfen, dass sich ein Patient wieder vollständig und stabil auf normalem, also oralem Wege, ernährt.

Ziel kann es aber auch sein, gestörte Schluckfunktionen zu verbessern und ein Verschlucken möglichst zu vermeiden.

Oder es geht darum, die Modalitäten der Nahrungsaufnahme – die Art und Zubereitung der Nahrung und verschiedene Esshilfen – bestmöglich an die Fähigkeiten des Betroffenen anzupassen

Angesichts der komplexen Thematik können hier nur einige Grundzüge erläutert werden.

Wenn bei einem Patienten, beispielsweise nach einem Schlaganfall, zunächst keine normale Ernährung möglich ist und eine Sondenernährung an ihre Stelle tritt (siehe unten), wird frühzeitig auch eine sogenannte funktionelle Schlucktherapie eingeleitet.

"Funktionell orientierte" Schlucktherapie

Dabei geht es darum, die Schluckfunktionen zu verbessern, in dem Therapeuten an verschiedenen Punkten wie Körperhaltung, Muskelspannung, Atmung, Bewegungskontrolle und Gedächtnis ansetzen. Auch pflegerische Aspekte, bestimmte Hilfsmittel und die Einbeziehung der Angehörigen sind Teil des Behandlungskonzeptes.

Da insbesondere Dysphagien bei Erkrankungen des Gehirns, der Nerven oder Muskeln (siehe entsprechendes Kapitel) oft noch von anderen komplexen Störungen begleitet werden, zum Beispiel im Bereich des Sprechens, legen Betroffene, ihre Angehörigen und der Arzt gemeinsam fest, welche Therapieziele im Einzelfall zusätzlich wichtig sind.

Dabei geht es nicht nur darum, dass es im Alltag wieder besser läuft. Vielmehr wird angestrebt, Leidensdruck von den Betroffenen zu nehmen und ihnen wieder Möglichkeiten zu eröffnen, am sozialen Leben teilzuhaben.

Bewegungen im Bereich der Lippen, Wangen- und Kaumuskulatur, der Zunge, des Gaumens und Rachens lassen sich gezielt anregen und trainieren. So können Vorgänge wie der Schluckreflex am Gaumenbogen, die Abdichtung des Nasenrachenraums, das Voranbringen der Nahrung (Zungen- und Rachentransport) und vieles mehr wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden.

Da der Mensch beim Sprechen auf dieselben Instrumente zurückgreift, kommt es beiden Leistungen zugute, wenn einzelne Schritte, die gelitten haben, gestärkt werden.

Bei den Übungen haben sich zum Beispiel solche wie "Shaker", das "Mendelsohn-Manöver" oder "Masako" bewährt. Shaker beispielsweise verbessert die Öffnungsbewegung des oberen Ring- beziehungsweise Schließmuskels an der Speiseröhre. Sie ist häufig gestört, zum Schlucken aber unerlässlich.

Weitere Maßnahmen erleichtern das Schlucken indirekt oder "technisch", etwa veränderte Kopf- und Körperhaltungen bei der Nahrungsaufnahme.

Die Ernährung optimieren

Die Diätetik wiederum setzt wichtige Akzente rund um die Ernährung. Entscheidend ist es, die Nahrung an die individuelle Schluckkapazität anzupassen. Dabei spielt die richtige Konsistenz der Speisen eine große Rolle, ebenso die Zusammensetzung, der Nährstoffgehalt, Farbe und Geschmack: Möglichst viele Sinne wollen angesprochen werden, um verloren gegangene Verbindungslinien im Gehirn wieder zu aktivieren.

Neben der Rehabilitation von Patienten mit einem Schlaganfall kommt die Schlucktherapie prinzipiell auch bei allen anderen neurologischen Dysphagien zum Tragen. Falls die Therapie nach einem Jahr keine Besserung bewirkt hat, müssen eventuell andere Wege beschritten werden.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann das zum Beispiel eine operative Spaltung des Ringmuskels an der oberen Speiseröhre sein. Alternativ kann Botulinumtoxin (BTX) in den Schließmuskel injiziert werden. Die Schlucktherapie wird dann jeweils fortgeführt und das Ergebnis zu gegebener Zeit kontrolliert.

Bei der Sondenernährung gibt es je nach Zeithorizont, Wünschen des Patienten und anderen individuellen Gegebenheiten verschiedene Anwendungsformen. Häufig wird zum Beispiel die sogenannte PEG (Abkürzung für "perkutane endoskopische Gastrostomie") angelegt. Die Sonde wird dabei im Zuge einer Magenspiegelung durch den Magen und die Bauchwand über einen kleinen Schnitt (Kanal) nach außen geführt.

Atemhilfen

Ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie)ist praktisch unvermeidlich, wenn nicht nur Nahrung und Flüssigkeit aspiriert werden (siehe auch Kapitel "Schluckstörung: Diagnose"), sondern in nennenswertem Ausmaß auch Speichel, was die Sonde nicht verhindern kann. Es drohen sonst wiederholte Lungenentzündungen. Daher muss der Schluckweg dann vollständig vom Atemweg getrennt werden.

Bei der Anlage des Tracheostoma (der Öffnung in der Luftröhre) und noch mehr bei der Kanülenversorgung gibt es ebenfalls Varianten. Ausschlaggebend für die Auswahl ist der jeweilige Erkrankungshintergrund. So gibt es einmal Kanülen zur dauerhaften Anwendung für mobile Patienten, bei Bedarf auch als Sprechventilkanülen ausgelegt. Andere Kanülen eignen sich zur Beatmung (auch zu Hause).

Die Handhabung des Kanülenwechsels und der Pflege, etwa das wiederholt notwenige Absaugen von Sekreten, verlangt entsprechende Kenntnisse und optimale Hygiene. Manche Patienten mit endgültigem Tracheostoma lernen, selbst damit umzugehen und es zu pflegen. Das hängt selbstverständlich von der Art der Erkrankung ab. Beispielsweise versorgen sich häufiger Patienten selber, denen der Kehlkopf wegen einer Krebserkrankung entfernt werden musste.

Komplikationen vorbeugen

Darüber hinaus sind oft noch weitere Problemlösungsansätze nützlich und sollten ausgeschöpft werden, um Komplikationen vorzubeugen oder begleitende Störungen zu beherrschen. Die Möglichkeiten reichen von der Vorbeugung von Lungenentzündungen durch intensive Mundhygiene, Physiotherapie und bestimmte Medikamente über die Therapie eines Rückflusses von Magensäure in die Speiseröhre oder eines Schluckaufs bis zur Behandlung von zu wenig oder zu viel Speichelfluss.

Mumenthaler M, Mattler H: Neurologie, 13. Auflage, Stuttgart New York, Thieme-Verlag, 2012

Differenzialdiagnose Innerer Krankheiten. Herausgegeben von Edouard Battegay, Stuttgart New York Georg Thieme Verlag, 21., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage 2017

Herold, Innere Medizin, Gerd Herold Köln, 2019

http://mitonet.org/fileadmin/Redaktion/Statische_Inhalte/Handbuch_Mitochondriale_Erkrankungen_2017.pdf (Abgerufen am 13.05.2019)

Dystonia-Foundation: https://dystonia-foundation.org/ (Abgerufen am 13.05.2019)

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinien. Online:
https://www.dgn.org/leitlinien/inhalte-nach-kapiteln (Abgerufen am 14.05.2019)

- Degenerative Erkrankungen:
https://www.dgn.org/leitlinien/inhalte-nach-kapiteln#degenerative-erkrankungen

- Mitochondriale Erkrankungen:
https://www.dgn.org/leitlinien/2385-ll-20-2012-mitochondriale-erkrankungen
(Abgerufen am 13.05.2019)

- Entzündliche und erregerbedingte Krankheiten:
https://www.dgn.org/leitlinien/inhalte-nach-kapiteln#entzuendliche-und-erregerbedingte-krankheiten

- Erkrankungen der Muskulatur:
https://www.dgn.org/leitlinien/inhalte-nach-kapiteln#erkrankungen-der-muskulatur

- Neurogene Dysphagien:
S1-Leitlinie, AWMF-Registernummer: 030/111, gültig bis 31.12.2016. Online:
https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2014/PDFs_Download/030111_DGN_LL_neurogene_dysphagien_final.pdf  (Abgerufen am 13.05.2019)

https://www.aerzteblatt.de/archiv/115013/Persistierender-Singultus-als-Initialsymptom-eines-Kavernoms-in-der-Medulla-oblongata (Abgerufen am 13.05.2019)

https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-001l_Amyotrophe_Lateralsklerose_ALS_2015-06.pdf (Abgerufen am 13.05.2019)

https://www.kup.at/kup/pdf/11247.pdf (Abgerufen am 13.05.2019)

https://www.ema.europa.eu/en/documents/overview/translarna-epar-medicine-overview_de.pdf (Abgerufen am 13.05.2019)

(Wichtig: apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für Inhalte anderer Internetseiten)